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17J. Jahrgang

Erster vlatt

65 Pf.: für Reklame. Anzeigen von 70 mm Brei,e250P>. Bei Platz« Dor|d)nft2O Aufchlag. Haap.fchr»f1Ieiler: Aug. Q)oet3 Dcranttoorllich fürPofitik: Aug. ©oct}; für den übrigen Teil i B.: Aug.Goetz: für be* Anzeigenteil: .Hans Peck», fämllich in Diesten.

m. 251

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Mittwoch, 26 ©lieber 1921 Annahme von Anztigea für die TagesnummL bis zum Dachm ttag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für l nm höhe für Anzeigen v 34mmBreitt örtlich 55 Pf, auswärts

Karls zweiter Staatsstreich.

Anfänglich war eine gewisse Besorgnis berechtigt, das neue Abenteuer des früheren Kaisers Karl würde diesmal ernstlichere Verwicklungen nach sich ziehen, ja vielleicht für ihn sogar zum Erfolge führen denn man konnte annehmen, dah er als Schützling der Franzosen vielleicht zu der Aufgabe sich ver­pflichtet hätte, die deutsche Grenzfrage im Osten nach dem französischen ZerstückelungS- plan zu lösen. Da Karl von Deutschland und allen seinen Parteien heftig abgelehnt wird, ist er natürlich der geborene Bundesgenosse Frankreichs. Aber die Aktien standen sonst zu schlecht für ihn. Er hat in Ungarn, wie sich bald herausstellte, keinen grohen Anhang, und so endete sein neuer Zug genau so operettenhaft wie sein früherer Sprung nach Steinamanger.

Eine Proklamation des Rcichckvcrwesers Horthy.

Budapest, 28. Oki (Wolff.) Der ReichS- Verweser Hort Hy richtete folgende Prokla­mation an die ungarische Ration:

Ungarn durch'ebtr entscheidende Stunden. Ge­wissenlose Individuen verführten den früheren König Karl, so dah er zwecks Ausübung der Macht überraschenderweise nach Ungarn zurück­kehrte, obwohl sie die drohenden Gefahren eines Bürgerkrieges, fremder Besetzung und Bernich- tung d«S Landes vorhersehen muhten. Auf die traditionelle Königstreue te8 ungarischen Dolles rechnend, wollten sie den Plan durch eine Lleber- raschung durchführen. Dank der freien Rational­armee und der Rüchtcrnheit des ungarischen Dol- keSscheitertederPlan. welcher für Ungarn hätte verhängnisvoll werden können. Diele Irre- geführte kehrten auf die richtige Bahn der Pflicht­erfüllung zurück und ich drücke den wärmsten Dank und Anerlcnnung allen denjenigen aus, die neben mir treu auShielten und treu aushalten, um das Daterland zu retten. Besondere Anerkennung ge­bührt der unmittelbar betroffenen Bevölkerung jenseits der Donau, die Ruhe und Rüchternheit bewahrte, ebenso der Bevölkerung Budapests, namentlich der Arbeiterschaft, deren patriotische Haltung die Sicherung der Ordnung in jeder Weise erleichtere. Ich bin überzogt, das) unter der Einwirkung der- Ereignisse alle Bürger des schwergeprüften Landes die Uneinigkeiten, das persönliche Klasseninteresse zurückstellen und wie ein Mann die Interessen deS Landes verteidigen.

London. 25. Okt. (WTB.)Daily Rewü" zufolge werden die Alliierten den vormaligen Kaiser Karl vielleicht nach den kanari­schen Inseln bringen.

B u d a p e st. 26. Okt. (WTB.) DaS un­garische Korr.-Bureau meldet: Rach der Zer­streuung der aufständischen Truppen sind Oberst Lehar und Major Ostenburg in Zivillleidern geflüchtet.

Schritte der Schweiz gegen Habsburg.

Genf, 25. Oft (Wolff.) Der Bundesrat hat heute beschlossen, das ganze Gefolge von Habsburg auszuwetsen Inbegriffen sind sämtliche Mitglieder der Famllie, soweit sic nicht absolut notwendig sind für die Pflege der Kinder, die in der Schweiz zurückbleiben. Es wird voraus­sichtlich auch eine Dame der Famllie in derSchweiz bleiben können. Die Liste der ausgewiesenen Per­sonen wird morgen bekanntgegebcn. ES kommen in Betracht. Erzherzog Mar. Bischof Dr. Seidl. Oberst Kammerherr Ledochowskh, Flügcladjutant von Sonntag. HauMmann von Bergmann und Frau. Generaldirektor von Steiner, Baron de Hde und LegationSrat von Glatz.

Ein neues

Kabinett Wirth.

Berlin, 25. Okt. Der Reich Skanz- r erllärte sich nach erneuter Rücksprache mit dem Reichspräsidenten bereit, die Bildung der Regierung zu über­nehmen.

Berlin. 25. Oki (WTB.) Der Reichs- k a n z l e r hat. nachdem er den Auftrag deS Reichspräsidenten zur Bildung der neuen Regie­rung angenommen hat. die Besprechungen mit den Mitgliedern des bisherigen Ka­binetts ausgenommen. Zur Bespr«hung der Lage hat der Reichskanzler auch den Reichstags- abgeordnetm Heinze zu sich gebeten. Es ist damit zu rechnen, dah die Bildung des neuen Ka­binetts im Laufe des morgigen Dormittags zu- standckommt. so dah es sich dem Reichstage, der morgen nachmittag um 1 Llhr zu einer Plenar­sitzung zusammentritt, wird vorstellen können.

Berlin, 26. Clt. Das von Dr. Wirth zu bildende Reichskabinett wird den Blatt rn zu­folge kein Koalitionslabinett f ja. son­dern aus Politikern ohne Ansehen der Partei sich zusammensetzen, die geeignet und guten Willens sind, die Polttik des Reichskanzlers zu unter­stützen. Das Zentrum sowie auch die Sozral- demokraten Haden ihren Mitgliekern des frü­heren Kabinetts freigestellt in das ne.c Ka­binett Wirth ^inzutreten. Linde stimmt ist noch die Haltung der Demokraten. Reichsjustizmini er Dr. Schiffer ist vom Reichskanzler ersucht worden, das Justizministe­rium beizubehalten. G' hat sich eine Entscheidung Vorbehalten. Der bisherige Auhenminist er

Dr. Rosen scheidet auS dem Kabinett au- Es gilt als sicher, dah der Reichskanzler selbst das Ministe-ium des Aeutzern verwalten wird. Der Posten des zum Gesandten Sachsens in Berlin ernannten b Sher.gen MinistersdeS Innern Dr. Gradnauer ist Dr. K ö st e r über­tragen worden, der dem Kabinett Hermann Müller kurze Zett als Audenminister ang?b6.t hat. Das Finanzministerium hat der Reichstaz'.er dem Staatssck.e.är im Fi anzmi ite i m Dr. Zapf angeboten, der parteipolitisch der Deutschen DolkS- partei angehört. Der Retchslanzler tixrb mor­gen im Reichstag eine Erklärung üb r die Politik des neuen Kabine ti abg den. Am 0.1 luh dieser Erklärung wird er dem Reichstag die Fraae Dor- legen, ob er diese Politik billige oder nicht. Es wird also dem Reichstag üd rlassen fern, sich für dieses Programm oder ein anderes zu entscheiden.

Der Reichspräsident an Dr. Wirth.

Berlin, 25. Olt (WTB.) Der Reichs­präsident hat heute nachmittag fünf Llhr an den Reichskanzler folgendes Schreiben gerichtet: Herr Reichskanzler! Seit Wochen ist es mein unausgesetztes Bemühen gewesen, für eine Derbreiterung der gegenwärtigen Regie­rungskoalition die Grundlage $u schaffen, in der Lieberzeugung, in der ich mit Ihnen, Herr Reichskanzler, einig gehe, das) die groben Auf­gaben, die Deutschland auf dem Gebiete der in­neren und äusseren Politik harren, auf einer breiten Regierungsbasis am besten gelöst werden können. Sie, Herr Reichskanzler, haben mich in diesem Bestreben unterstützt und die Derbreite­rung der Regierungsloalition zu wiederholten Malen als nächstliegendes Ziel Ihrer Politik bezeichnet und auch alles getan, um ihr näher zu kommen. Die Entscheidung, welche die Botschafter- konferenz der Alliierten in der oberschlesischen Frage gefällt hat, hat zweifellos die Erreichung des erstrebten Zieles erheblich erschwert Ich bin allerdings der Meinung, dah es bei allseits gu­tem Willen und unter Doranstellung der Inter­essen des Daterlandes möglich gewesen wäre, die verbreiterte Koalition allen Bedenken zum Trotz zustande zu bringen. Derschiedene "23Or­gan g e haben sich leider hemmend in die gepflogenen Derhandlungen cingebrängt, so daß das erstrebte Ziel als gescheitert anzusehen ist. Dies ist um so bedauerlicher, als der Rücktritt des bisheri­gen Kabinetts das Bestehen einer handlungsfähi­ge i Regierung angesichts der außenpolitischen Lage xur zwingenden Rotwendigkeit und die Bil­dung des neuen Kabinetts unaufschiebbar machte. Kostbare Zeit ist auch für die Der Handlungen zur Klärung der innerpolitischen Lage ver­wandt worden, ohne daß sich eine solche ergeben bat. In dieser Rot des Daterlandes richte ich an Sie, Herr Reichskanzler, die dringende Ditte. Ihre mir gegebene Absage zurückzuziehen und unter Hinlanstellung persönlicher und parteipolitischer Rücksichten die Bildung der Regierung zu über­nehmen. Die Tatsache, daß Sie bereits einmal in schwerster Bedrängnis sich dem Daterlande zur Dersügung gestellt haben, gibt mir die Hoffnung, dah Sie auch diesmal dieses Opfer bringen wer­den. In Anbettacht der gegebenen Derhältnisse verttaue ich darauf, dah es mit Ihrer Tatkraft und politischen Einsicht gelingen wird, eine Re­gierung zu bilden, welche in ihrer Zusammen­setzung die Gewähr dafür bietet, dah sie die nächste der deutschen Politik gestellte Aufgabe sowie die dringlichen Probleme der wetteren Zukunft lösen kann.

Ich bin in aller Wertschätzung Ihr ausrichtig ergebener Ebert.

Der Standpunkt der Deutschen Volkspartci.

De r li n, 25. Oft (Wolff.) Lieberden Stand­punkt der Deutschen Dolkspartei zur Re­gierungsbildung schreibt dieRationalliberale Korrespondenz'^ unter anderem folgendes. Die Frattion der Deutschen Dolkspartei hält in der oberschl. Frage an dem S'andpunkte fest, dah die Entsendung eines Kom­missars zu den Wirt^chaftsVerhandlungen nach dem Wortlaut der Mantelnote eine Anerken­nung der oberschlesischen Entscheidung in sich schließe und dah daran auch durch eine Rechts- verwahrung nichts geändert werde. Die Fraktion ist der Auffassung, dah die Regierung und der Reichstag unter diesen Llmstänoen deutlich er­klären mühten, dah die Bedingungen der Entente, die uns deutsches Land entreißen, und die selbst in dem uns verbleibenden Teil von Oberschlesien die deutsche Souveränität teilweise aufheben, nicht annehmen können. In den Derhandlungen bei dem Reichskanzler zeigten sich aber in der Behandlung dieser Frage weitgehende Meinungs­verschiedenheiten. Der Versuch, für die an der Verhandlung beteiligten Fraktionen eine Eini- gungssormel zu finden, führte nicht zu dem Er­gebnis, das von der Deutschen Dolkspartei als ihrem 'Standpunkt entsprechend angesehen wer­den konnte. Die Fraktion kam infolgedessen ein­mütig zu der Lleberzeugung, dah eine Grundlage für ein dauerndes einmütiges Zusammenarbeiten der für die große Koalition in Aussicht genom­menen Parteien derz-eit nicht gegeben sei. Die Frattion betrachte in den Derhandlungen die an sich bedeutsamen Fragen der inneren Politik, die bei der Koalition zu berücksichtigen waren, nicht vom Standpuntte einteiliger Parteipvlittk, sondern machte selbst weitgehende Dorschläge für die Besitz- u nd Spekulations- steuern. Alle diese Gesichtspunkte müß en aber -urücktreten, wenn es sich um die oberschlesische Frage handele. Hier gehe es um mehr als in Spaa, hier gehe eS um mehr als bei dem Lllti- matum, denn jetzt handele es sich nicht um Kohlen- lieferungen oder Goldleistungen. sondern um deut­

sches Voll und um deutsches Land. Wenn wir diese Vergewaltigung mittelbar oder unmittelbar hinnehmen, dann ist das Ende desien, was man uns noch weiter an Lin recht und Gewalt antut, nicht abzusehen.

Berlin, 25. Oft. (Wvlsf.) Rachdem der ReichstagSabgeordnete Dr. Strefemann heute vormittag in einem besonderen Schreiben den Be- schluh der Deutschen DrlkSpartei dem Reichs- präsidenten überreichte, der die gestrige For­mel ablehnt, führte der Reichspräsident Die Be­sprechungen heute vormittag über die Bildung der neuen Regierung mit den Führern der bis­herigen Koalitionsparteien fort

Dir Unmöglichkeit der großen .Koalition.

Berlin, 25. Oft Der Gedanfe der groben Koalition wird infolge der Haltung der Deutschen Volkspartei von den B ättern als er­ledigt angesehen. Heute vormittag haben die Fraktionen des Zentrums, der Demokraten und der Sozialdemokraten Besprechungen beim Reichs­präsidenten gehabt, die nach elnstündiger Llnter- brechung um 2 Llhr wieder aufgenommen wurden. Den Blättern zufolge herrscht in parlamentari­schen Kreisen die Meinung vor, dah die Ver­teilung der allen Koalition wahrscheinlich sei.

Im Preuhischen Landtage hat gestern abend eine interfraktionelle Besprechung zwischen Vertretern der Demokraten, Sozialdemokraten, des Zentrums und der Deutschen Dolkspartei statt­gefunden. D.e Beratungen beschäftigten sich mit den Folgen der Entscheidung über Oberschlesien für die Llmbildung der preuhischen Regierung. Beschlüsse sind nicht gefaht worden, da man erst eine Klärung der Lage im Reiche abwarten will. Eine sozial dem okratischeB eschuldigunq

der Deutschen Volkspartei.

Berlin. 25. Oft (WTB.) Der ..Dor- w ä r t s" veröffentlicht in seiner Mittwoch-Mor- gcnauSgabe im Zusammenhang mit den Der­handlungen zur neuen Regierungsbildung fol­gende Erklärung: Die unterzeichneten Dertreter der sozialdemokratischen ReichStagsfrattivn in der Sitzung beim Reichspräsidenten vom 24. Oktober erklären: Die Dertreter der Deutschen Dollspar- tei haben der Presse einen Bericht über die ver­trauliche Sitzung beim Reichspräsidenten zugehen lassen, der den Dorgang, der sich dort abspielte, tm groben und ganzen richtig wiedergibt. Die Vertreter der Deutschen Voltspartei schlugen dort ein Verfahren vor betreffend die oberschlesische Frage, von dem sie selber als möglich voraus­sahen. dah es zu neuen Zwang smah nah men der Entente gegen Deutschland führen würde: sie versuchten zugleich, sich für ein solches Verfahren eine Deckung bei den übrigen in der Sitzung vertretenen Parteien zu sichern. Diese Deckung konnte ihnen nicht versprochen werden, da unsere Partei in gewissenhafter Weise nicht die Verantwortung für ein Verfahren übernehmen kann, das zwar die Gegner zu Zwangsmahnah- men gegen das deutsche Volk provoziert, diesem aber die Möglichkeit einer erfolgreichen Abwehr nicht bietet So wenig unsere Aruherungen d i e Oeffentlichkeit zu scheuen Haden, so waren sie doch nicht für diese bestimmt, denn interfraktionelle Besprechungen sind '.ertraulicher Rater: die Verhandlungen des Auswärtigen Aus­schusses sind sogar durch die Verfassung in ihrer Vertraulichkeit geschützt. Was für fie gilt, muh sinngcmäh auch für die Beratungen der Partei- dcitretet gelten, die sich mit den äuHeren Schick­salsfragen des deutschen Volkes befassen. Wir erblicken daher in der Veröffentlichung interfrak­tioneller Deratungsvorgänge durch die Deutsche Volkspartei einen von rein pnrtettaktischen Er­wägungen diktierten, die Interessen des Reiches schädigenden Vertrauensbruch. Gez.: Hermann Müller, Wels, Scheidemann.

Der Reichstag.

Berlin. 25. Okt. (WTB.) Der Ael- testenrctt des Reichstages hat die Plenar­sitzung endgülttg auf 'Mittwoch zwölf Llhr mit­tags festgesetzt. Das Plenum selbst wird ent­scheiden, ob sich weitere Sitzungen anschliehen werden, oder ob sich der Reichstag bis 3. Ro- vember vertagen soll.

Englische Pressestimmeu.

London. 25. Oft (WTB.) DerMan­chester Guardian" schreibt zu dem Rücktritt der deutschen Regierung, die britische Regierung habe die Forderung De-tschlands nach dem gesamten rderschl. Industriedreieck unterstützt. Wirth habe alles auf die endgültige Anerkennung der deutscher» Forderung gesetzt. Seine Hoffnung habe sich nicht erfüllt; er sei daher zurückgetreten. Die Regic- rung Wirths fei von den Alliierten nicht besser behandelt morben, als eine deutsche Regierung behandelt worden wäre, die Ludendorff an der Spitze gehabt und versucht hätte, Kaiser Wilhelm wieder nach Deutschland zu schmuggeln und sich der Rcparationsznh.'ungen au en:zieh-n. Die Be­setzung Düsseldorfs und anderer deutscher Städte axrbe aufrecht erhalten.

Die ,W e st m i n st e r Gazette" schreibt, der deutschen Republll fei keine Möglichkeit ge­geben worden, sich zu festigen und Zufriedenheit zu erzeugen. Der deutschen Republll fei eine un­erträglich? Last aufgebürdet worden. Sie sei durch unaufhörlichen Druck fortwährend in den Augen des deutschen Dolles herabgesetzt worden. Die .Westminster Gazette" fordert eine Erleichterung der Lage für Deutschland durch Abänderung der unmöglichen R parat o'Lforderungen. da diese die einzige Bürgschaft gegen die Reaktton von monar­chistischer oder auch von revolutionärer Sette fei.

Polen nimmt die Entscheidung an.

Paris, 25. Ok» «WTB.) Dor polnische Gesandte in Paris, Graf Z a m o l s k i. hat heute nachmittag an oas Sekretariat der Dot- schaftcrkonferenz ein Schreiben gerichtet, In dem mitgeteilt wird, dah diepolnischeRe- a le r u n g die Entscheidung der Wachte betreffend Oberschlesien annimmt.

Der bayerische Ministerpräsident gegen den Genfer Spruch.

München, 25. Ott. (WB.) Der Bayerische Landtag Ist beut? nachmittag zu der neuen Session jufammcngetrclen. Vor Eintritt In die Tagesordnung gab der Präsiden» Königsbauer der Trauer deS b.C'erildvn Landes für den verstorbenen früheren König Lud­wig in warm empfundenen Worten Ausdruck. Weiter legte er namens des bayerischen Volles gegen das Diktatdon GenfDerwad.rung ein.

Ministerpräsident Lerchen f eld gab so­dann namenS der S:aatsregierung eine E tärung ab, worin er ebenfalls die Trauer des g inzen bayerischen Dolles für den letzten K>nig a ii8 dem Wittelsbacher Geschlecht v r.sih A ch er Ira d e sich nachdrücklich gegen die Dergcwal Uung vb:r- schlesiens Er führte aus, in dieser schweren Stunde soll das ganze deutsche Doll wissen, dah wir Bayern treu zu ihm Heben, und dah wir Hand in Hand mit den übrigen deutschen VolkS- stämmen gehen. Die bayerisch' StaatSregierung weih sich eins mit der Dollsv rlr.tung i i der Verurteilung deS Genfer Spruches und des Dik­tates der ehemaligen Gegner im Kriege. Vor dem Forum der Welt erheben wir Protest ge rn die Lösung de od:rs<chlesischen Frage, die wir weder als gerecht noch dem Geiste de > FiiedenS- vertiages entsprech.nd a )ife!,e i v.rm g n Ich fasle den Begriff der Gerechtigkett vom Stand­punkt der christlichen Weltanschauung auf. Dieser Begriff steht auf unverrückbarer Rech SdasiS. Er tennt weder egoistische noch Irgendwelche, dem Misitarismus bierenbe AuSlegurg n w der po- (itifac Ziele noch willkürliche Absichten. Wtr empfinden seine Derletzung um so tiefer, weil sie sich hinter Sophismen und hinter dem Sch ein te£ Rechts verbirgt, w il f e sich mit einem auf Täuschung der Well bwachneten Schein umgibt. Wie kommt es, dah überall da ängst llch auf die Selbstbestimmung auch d r na­tionalen Minderheit Bedacht genommen wird, wo es zum R a ch t e i l der deutschen Sache cln- schlägt, während man umgekehrt entweder die Abstimmung ausschlieht oder, wo ei e deutsche Minderheit sich sindet, diese unberückfichtigt lähf. (Lebhafte Zustimmung.^ Dem Genfer Spruch fehlt die schiedsgerichtliche S cherheit. Er i t von po­litisch gerichteten Regierungsvertretem gefällt, ohne dah uns die Stellung einer Partei elnoe- räumt getreten wäre. D e E ts t.<Iburg ter Mach e ist ein Diktat eines in der R?ihe geaxrll- famer Lösungen, denen wir feit Friedersschluh unterworfen sind.

Auf fitem To'en tarnt keine Beruht» guna, keinwahrer Friedere e Yen. D ann endlich wird sich diese Erkenntnis bil den Böltern durchsetzen, bah b.e Äulturnatioren eine notwen­dige Gemeinschaft bilden, dah ein grohes Doll wie das deutsche nicht ohne Schaden für bie Menschheit unterdrückt werden kann, bah ber Friebe sich nicht burch äuhere Mittel, lonbzrn nur burch die Gesinnung ber Völker g winnrn unb sichern läht. Ich möchte dieS namentlich gegenüber ber letzten Stammm-be d-S Minister- brafibenten Drianb he'vorh dm, bet. wenn ,ch recht berichtet bin, von dem Gedanken ganz be­herrscht ist, wie Deutschland u n s ch ä b l i ch ge­macht werben kann, fei eS durch Wegnahme seiner Hilfsmittel, sei es duw/Eingriffe in seine staat­liche Geschlossenheit. Linser Volk w'll Frieden. Arbeit unb Brot. Seine Zukunft liegt darin, dah es unter Verzicht auf Gewaltanwendung seine innere Geschlossenheit unb fern Gleichgewicht toieberfinbet. dah es seine ef-i'chen Kr s e zur höchsten Entfaltung bringt. Aus diesem Wege wird Deutschland bei allen Böltern, die sich den Sinn für eine gerechte Deurte luna b?r Behält­nisse bewahrt haben, seil« moralische Stellung b'-qrünben; deshalb wird, so vertraue ich. fein Protest gegen Vergewaltigung und Llnvecht letzten Endes zum Ziele führen.

Die Rede des Miristerp''L^''denten ttr-rbe tm Hause von den bärgersichen Part len m t leb­hafter Zustimmung ausgenommen. W h end ber beiden Reden waren bie SoziaIbernnkr^ten, Un­abhängigen unb Kommunisten ber Sitzung fern­geblieben.

Als der Mini^erp^Ss deat f tae Ausführun­gen beendet hatte, tarn der Kommunist Aen - d c r l In den Saal unb versuchte, eine Pro­testerklärung gegen di' A'st'-hru-gen bes Ministe-p-äsidenten zur ob rschstsiechen F og» ab- zugeben. Die Mite lieber der b'-rgerlichen Par­teien verliehen geschlossen ben Saas

Aus der französischen Kammer.

Paris, 25. Ott. (WTB.) 3a ber heutigen Rachmtttagssitzuag der französischen Kam­mer wurde die am Freitag abgebrochene Debatte über die allgemeine Politik der Regierung fort­gesetzt. Es ergreift das Wort der Kommunist Marcel E a ch i n. Es gebe kein Land in der Welt, in dem ein solcher Kampf zwischen der Arbeiter­klasse und ben Kapitalisten so lange bauere, wie er von ben 70 000 Textilarbeitern im Rorden Frankreich- fett sieben Wochen geführt werde Die Regierung habe nicht vermocht, den Arbeit­gebern das Entgegenkommen zur Pf sicht zu ma»