Erstes Blatt
M- Jahrgang
Donnerstag, 26. Mai 1921
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
Dmrf vffd Verlag; vrühl'fche Univ. Such- und Stetnörnrferei H. Lange Zchriftleitung, Sefchastrstelle und vruckerel: Zchulstratze 7.
Nr. (20
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Eine Rede des Reichskanzlers.
Karlsruhe, 25. Mai. (WTB.l Reicks- kanzler Dr. Wirth hielt hier heute folgende Rede:
Ich bin nickt hierher gekommen, um Ihnen ein politisches oder wirtsckxirtliches Programm zu entwerfen: ich bin irach Karlsruhe gegangen, um in freier, offener Auss.p rache in einer ernsten Stunde zusammen mit meinen ehemaligen Ministertollegen die politische Lage zu besprechen und die Hauptrichtlinien Per ReichSvolitik einer Kritik unterziehen zu lassen. Die Aussprache ist erfolgt. Lch bin glücklich, in meiner Heimat Männer gehmben zu haben, die in allen lvesent- lichen Punkten mit dem einig sind, was wir in Berlin erklärt haben: ich hoffe, daß, lvenn ich in den nächsten Tagen Gelegenheit haben werde, die Regierungen weiterer Länder auszusuchen, ick dort dieselbe einmütige Auffassung übey die Notwendigkeit der Stunde finden werde.
Wir haben das Ultimatum mit „Ja" beantwortet. ES war notwendig, und zwar not- werckig um der Freiheit des deutschen Volkes willen. Es war kein an Formelkonstruktion ge- Vnüvstes Ja — es war ein aufrichtiges und ein -deutsches Ja, das nicht etwa akad.mische Gr» örtertlngen abschließen sollte. Akademische Erörterungen sind ein Jahr hindurch gerade genug auf allen Konferenzen der Welt gepflogen worden: sie haben zu nichts geführt. Es war ein Ja, das ein Zeitalter der Leistungen einschließen sollte. Leistungen allein können die Welt von dem guten Willen Deutschlands überzeugen. Es gibt draußen ffi der Welt, man kann es freimütig ,unb offen aussprechen, wohl fast niemand, der Deutschland nickt grvße Leistungen zutraue. Nun gut: Die Tatsache stellen wir fest, daß die Welt an ein wirtschaftliches Erstarken Deutschlands glaubt. Und nun müssen wir auch selbst daran glauben und die Hände anlegen, diesen Wiederaufbau zu beginnen.
Wenn wir um zwei Jahre zurückblickcn, dann wäre eS wirklich unrecht, rricht anzucrkennen, daß inzwischen sick doch einiges gebessert hat. Gewiß sehen wir auck jetzt noch Not und Elend um uns herum, aber cffvas hat sich die gesamte Lage des beutfd>m BvlKes doch wieder gehoben und wenn es uns nur glückt, dirrch Wiederbelebung der Wirt» sckaft und des Handels, durch Förderung der Pro- duktion, insbesondere auch der landwirtschaftlichen Produktion, in Deutschland dem hungernden deutschen Magen genügend Nährstoffe zitzuführen, so wird, davon bin ich überzeugt, das deutsche Volk auch freiwillig beachtliche Leistungen aufbringen.
„Um der Freiheit willen", so habe ick mich eben ausgedrückt, haben wir „Ja" gesagt. Ich tomttc mir nichts Schrecklicheres vor stellen, als das große Industriegebiet Deutschlands, Rheinland und Westfalen, wo doch das Herz unserer gamen Produktion schlägt, unter die Gewalt fremder Bajonette gestellt zu seh.-n Ich glaube, daß die beutfrix Arbeiterschaft, insbesondere die Arbeiter selbst von Rheinland und Westfalen, tuns für dieses „Ja" dankbar sein wird, w.'il wir ihnen dadurch die Nröglichleit gegeben haben, in freier Arbeit als freie politische Staatsbürger das deutsche Volk gerade an der Stelle mitretten zu "helfen, wo es am Dcrrounbbarften ist.
„Um der Freiheit willen" haben wir „Ja" gesagt und dabei bandelt es sich um frie itnrt-» schafftiche Frrilreit der lebenden Generation, wie der Kommenden Wohl weiß id\ datz das „Ja" Ungeheuerliches in srck sch 11etzt. Es muß daher an den Willen aller appelliert weroen, die überhaupt den Gedanken der Frellwit m sich aufnehmen körnten. Die Wasfrn werde,t nnr zu in gvoßen Teil aus den Händen geben. Um so mehr aber werden nnr in jedem Augenblick der kommenden Monate und Jahre den Standpnnlt des Reiches für das deutsche Volk betonen. Von dte- fem Gedanken ausgehend habe ick auch tut Reichstag erklärt, daß für uns unerträglich wäre, toenn die ob e r sch lesische Frage durch oie Diktatur eines volniichen Jnsurgerucn gelöu werden sollte Wir verlangen, dop 'das durch den Friedensvertrag, der uns doch ioahrlKift an Frei- heiten und Reckten kaum etwas gibt, gewährte Recht zur Geltung komme, monad? das Plebiszit in Oberschtesten ab> Ausdruck des tntimftcn demo- kvarischen Lebens in Deutschland von allen Völkern geachtet werden muß Denn Europa nicht aufs neue entern Völkerbrand ausgesetzt werdet sollte, ist eS unerträglich — so habe ich erklärt —, wenn die Gegner mit uns kein faires Lviel treiben. Wir haben das Echo gehört, das insbesondere aus England gekommen ist, daß mit Deutschland ein iaires Spiel getrieben werden sollte. Wir nehmen das Dort " ->r wollen '.msererstits jagen,
daß wir gewillt jtih, auriidytig und ehrlich aus klar vorgezeichucter Balm Politik zu sichren, unten- stützt von dem größten Teil unseres Volkes. — Nun kommen in den nächsten Wochen die Beratungen des Reick^toges. Sic werden neue Belastungen uns aufzeigoi müssen. Alle Äretie werden Cpfer bringen müssen. Ich weiß nickt, ob alle streife dee- beuriibCTi Volkes während des Krieges und nach dem Kriege wir »ich Opser gebracht haben. Wenn man da und dort durch die deutschen Lande gellt und den frechsten Luxus — es gibt keinen anderen Ausdruck dafür— ick breit machen sieht, dann darf man süglick ver-^ langen, Daß in der begürnenden Sri: der Ark-tt, wo der Hammer entscheidet, der tun den Amboß nickerfällt, wo die ytugi'dxir aitick erdet, die den Acker durchziebt, alle Kreise unteres Voltes ftc, was die Lebenshaltung betritt, in solchen Bahnen bewegen, daß es erträglich ist gegenüber den Leistungen, die alle am 'sich nehmen münen
Ich glaube, es ist eine Bahn möglich.^die zur ßrrifjCQ führt, toie führt nickst über Schlachr-
felbn-, dort stehen Kveuze genug. Mr wollen der Loten nn Gebet gedenken, nicht auf neue Ä’rtcge sinnen. Auf jeden Fall wollen mir letzt dte Freiheit die uns die Arbeit gibt. Das tu der gvoße Gedanbe, wie man durch Arbeit zur Freiheit wieder kommen tarnt, zu diesem föftr hälften Gut, das der Mew'ck hat. Ich rufe also: nicht auf zum Schmieden neuer Massen, sondern ich rufe auf zu einem Bekenntnis des Reckte und einem Bekenntnis zu einer freien und großen Arbeits- leist u na Wir wollen sie zu organisieren versuchen. Wir wissen, was von uns Dorian gt wird: ©elb« und ^adiefftimflcn. Es ist gewiß ein großer Teil des Volksvermögens im Kriege verbraucht, es sind aber die Produktionskräfte im wesentlichen noch vorhanden. Und nenn eint verständige Politik die Produktionskräfte zu förbrnt und gewillt in den Dienst her Allgemeinheit zu stellen vermag, in einer Form, die erträglich erscheint, so sehe ick nicht ein. warum nicht aus diesen Pwduktwn»- Mitteln wieder, wie es im Kriege war, große Werte herausgeschafft werden können. Damals sind sie auf die Schlachtfelder gegangen, als fin Werk der Zerstörung, als ein Werk des Schutzes der Heimat, jetzt gehen sie zmn Schutz der Heimat teils ins Ausland zum Wickerausbau der Volkswirtschaft Europas und damit zur gesamten Weltwirtschaft.
Gewiß hat man den Deist scheu mitunter Vorwürfe gemacht, daß sie ko s m v po l i t i s ck denken. Wir wollen uns nicht in kosmopolitische Träumereien verlieren, wenn mir auch dem Gedanken des Reichs in der feierlichsten Weise dienen und einem Ausdruck verleihen wollen. In diesem Sinne wollen wir die Nation nicht preisgeben. Im Gegenteil. Die Gedanken der Nation, ihrer Führer, ihrer Würde, sie sollen uns auch jetzt leiten, wenn wir durch Arbeit einer neuen Frühest entgegen gehen wollen Ich bitte Sie alle, die Sie guten Willens sind, auf diesem klaren, wenn auch steinigen und dornenvollen Wege zu unterstützen, und wenn ich weiß, daß ick in der Heimat Männer und Frauen hinter mir sehe, die dem Gedanken der Freiheit durch Arbeit dienen ivollen, bann wollen wir bk begonnene Arbeit durch alle Stürme und durch alle Fähr- niffe der nächsten Wochen hindurchtragen. Jeder ist willkommen, keiner ist ausgeschlossen. Tie Türen sind Tür niemand zu. wer an des Vaterlandes Freiheit durch Arbeit mitarbeiten will. Aber irgendwelche nnlben Formen des Ausdruckes poli- tifdier Betätigung, außerhalb, des Rohmens des Gesetzes gar. die uns außenpolitisch nur in Sckioie- rigkriten bringen, müssen wir unbedingt ablehnen. Aus dem Boden oes Rechtes, auf dem Boden der Arbeit vorwärts! Und so Gott will, wicker einmal aufwärts einer neuen Zeit entgegen. (Beifall.)
Die Aussprache in Karlsruhe.
Karlsruhe, 25. Mai. (WTB.'' Reichskanzler Dr. .Wirth ist auf der Durchreise noch Freiburg heute vormittag 10 Uhr hier eingetroffen und hat sich in das Staatsministerium begeben. Zunächst sand im Präsidialgebäude eine Besprechuna des Reichskanzlers mit den Ministern des Staatsministeriums statt. Eingehende gegenseitige Darlegungen hinsichtlich der innen- und außenpolitischen Lage und der dadurch gestellten Ausgaben ergaben vollständige Ucbereini'timmung der Auffassung. Daran schloß sich beim Staats- präsidetsten in erweitertem Kreffe in Anwesenheit des Präsidiums des Landtages, der Fraktionsführer, der drei KoalitionSparieien und den Vertretern der schaffenden Stände eine ausgiebige politische Aussprache. Staatspräsident Trunk begrüßte den Reichskanzler und führte u. a. folgendes aus: Die Entscheidung, welche vor zwei Wochen zu treffen gewesen ist, war leidvoller als der Sumpf, leidvoller als das Opfern und Dulden wahrend der Kriegsjabrr. Sie bedeutet Unterwerfung unter fremden Willen, uno als Deuffche hat sie uns ins Herz getroffen Die Entscheidung ist gefallen. Es gilt jetzt, durch Friedensvertragsleistungen, tyirck Arbeiten, Entbehren und Dulden weiter be_m Vater lande zu dienen und zu verhindern, daß deutscher Boden besetzt wird. Vertrauen zu s.ucken nach außen, das ist die Ausgabe der Reichsvegierung. .Wir wollen sie darin unterstützen. Dazu ist nötig, Vertrauen zu schaffen im Innern, die Bevölkerung zusammen zuschließen.
Dann folgte die Rede des Reichskanzlers. Nachmittags 3 Uhr fuhr der Reickstonzler nach Freiburg weiter, um dort seiner Mutter einen Besuch abzustatten. Er wird das Fronleicdnamsfest in Freiburg begehen und dann nach Berlin zurück- kehren.
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Rücktritt des Staatssekretärs Albert.
Berlin, 25. Mai. (Wolff.) Staatssekret är Albert m der Reichskanzlei hat bei der Neubildung des Kabinetts seinen Posten zur Verfügung gestellt und eine einstwellige Versetzung in den Ruhestand erbeten. Vie wir erfahren, hat der Reichspräsident diesem Ersuchen entsprochen und mit der Führung der Gesckäfte bis auf weiteres Geheimrat Brecht beauftragt.
Die Aussprache in der französischen Kammer.
Paris, 25. Mai. (DDB. Fran-Zsi'cke .Hammer. Der heurige 4. Tag der Beratung über die Interpellationen über die auswärtige Politik in der Kammer begann mit der Rede des Adg. Noblemaire, der an enter -stelle die Lage in Oberschler-n besprach. Es 4et gut, daß alle Welt wisse, datz Deutschland stets begreife, wenn statt lagt und ver
nehmbar mit ihm spräche. Das müßten auch die Engländer verstehen. Aber vielleicht bau- dele es sich hier nur um eine vorübergehende Lösung Man müsse die derschickenen Zivi ätensälle in Betracht ziehen, tnc die Politik Deutschlands k 'X'al,mt dxnxiftt'Tirinc, und immer be
denken, datz die oberfdileiifdK Angelegenlxti nur ein neuer Zwischenfall sei Der Redner, der eine lamtrjllauigabe beim Völkerbund in Gent aus.- geführt hat, erklärt, man habe in den Kreisen' des Völkerbundes oft gesagt, Frankreich jet durch seinen Heroismus der Lenchtturin gewesen, der es gestattet habe, bat Sieg zu erzwingen Man werfe jetzt Frankreich vor, es dte anderen Alliierten jetzt etwas aufgegeben habe und daß es firi) mehr sich selbst überlaste. Man werfe auch Frankreich vor, daß es sich zu sehr vor England' gebeugt habe namentlich was den Friedensverttag anbetreffe. Tatf Schild) habe der Vertrag ja auch England alle Befriedigung gegeben, während Frankreich für seine Tapfer Petr und seine Opfer, die viel schwerer gewesen seien, heule noch auf das ivartc, was man ihm schulde. Frankreich müsse befanntgeben, daß es mit England Freundschaft auf dem Fuße der Gleichheit pflegen wolle, aber man dürfe nicht mehr sagen, die französischen Staatsmänner seien int Schlepptau Englands. Der Quai d'Orsay müsse zur traditionellen europäischen Politik Frankreichs zurückkehren. Man habe treue Freundschaften, namentlich unter den Völkern, für deren Wiederauftichtung man gesorgt habe, aber der Wechselkurs zwinge diese Leute, Handel mit Deutschland zu treiben. Der Redner bespricht sodann die Wickeranknüvfflng der diplomatischen Beziehungen zum Vatikan und geht bann zur Wiederaufbaufrage über, sie sei nur zu lösen unter der Mitarbeit aller. Er spricht auch von der Polllik Rußlands in Frankreich und es kommt zu einem Zwiegespräch mit dem Kommunistm C a chin, dem Noblemair«v vonoirff, er habe seinerzeit in Straßburg mit Tränen in den Augen erklärt, daß sei der schönste Tag seines Ledens. Eachin erwidert darauf, nach zwei Jahren französischer Politik habe das Proletariat von El saß-Lothrin gen nicht die gleiche Zuneigung zu Frankreich bewahrt. Eine ganze Amahl elsaß-lothringischer Abgeordneter, darunter Wecker le , protestieren gegen diese Worte und sprechen zürn Teil von einer bolschewistischen Propaganda, die durch Deutschland bezahlt werde, so vor allem der Ab;-ordnete Frey.
Der Abgeordnete 9M>Iemaire fährt fort und spricht von den Schwierig Hellen einer Besetzung des Ruhrgebietes. Er sagt, man wisse nicht, vb man es nötig haben werde, bis zur fcfbe ober bis zur Oder Vvrzugehen? Wenn man aber Gewalt anwenden wüste, um dem Recht zum Siege zu verholten, dann hünc man biefc-j Mittel mrr gebrauchen, wenn die äußerste Not es gebiete. Noblemaire unterstützt Taibtcu und Forgeot, die Zweifel darüber geäußert hätten, daß DeuffckLand bis jur letzten Serie inne rxfiuk den bejahten werde. Er empffehlt schiießli'ck cm Zusammenarbeiten mll 'TeutsckFand und wrinl, die Zukunft gehöre Amerika. Es habe den Flic densvertrag zwar noch nicht unterzeichnet, aber es fyibz ein Wort mitzurcken . . .
Der Abgeordnete Peyroux erhebt sich und erklärt, er wolle auf das Wort verzichten, wenn ihm der Ministerpräsident zwei Fragen beantworte, 1. ob er dasselbe Vertrauen fcu den deutschen Ministern von Rosen und Rathen au habe wie zum Reichskanzler Dr. Witth, 2. ob es richtig sei, was in der „Vossischen Zeitung" veröffentlicht wurde, datz Dr. Stresemann erklärt habe, man habe günstige Versicherungen hin sichtlich Ober» schienens erhalten.
Minffterpräsident Briand
sagte, er glaube, daß in einer Debatte von so großer Bedeutung es besser märe, nicht Zeitungs- artifrf Mir Grundlage für die Argumente zu neh men. Was die Aeußerungen S t r e s e m a n n -5 anbetreffe, so erklärte er, daß nach der Londoner Konferenz man Deutschland tne Beschlüffe der Kon^ ferai» übermittelt habe mll der Erllärung, es müsse ja oder nein fügen. Er habe gestern Loixil Migegcben, daß Dr. Witth öffentlich erflärt tobe, es fei ^vtwrndig für das besiegte Deutschland, seine Verpflichtungen anzuerkennen und zu erfüllen. Er müsse ferner sagen, daß alle Antworten auf die gestrigen Forderungen befriedigend gewesen seien. Es möge Alldeutsche geben, die XJuv tergebanfen hätten, aber er wolle keinen Tendenz« Prozeß rühren, sondern er wolle nur Realitäten seben Es sei Zeit, daß mar. aus den Formeln berauskomme und zu Tatsachen ^urüzftoyre. Tic französische Regierung habe ein sehr klares Programm und ihre Entschellmngen seien getroffen. Sie ''eien Deutschland übermittelt worden. Die Sanktivnenkönntensvielen. DerReicks- tan habe das Ministerium gebilligt und ffch bereit crCärt, die Verpflichtungen Deutschlands au^u führen. Wohl gebe es Hintergedanken in Deutschland, aber es seien keine Staatsmänner und alldeutsche Industr ielle an der Macht, die sich den Berollichtmigen eittzieh-m wollten Man habe die erforderlichen Vorsichtsmaßregeln getronen und wenn sich Deutschland morgen seinen Verpflichtungen enriiehen wolle, dann werde FrankreichdasNötigeausführen Beifall . Briand sagt, er hoffe, daß nun endlich _fc<i5 Land Fühlung mit den Realitäten nehme. Das Land fei voll von Vertrauen und Glauben. Man verlange n.cht von ihm, daß es einem Optimismus auf Berehl dienstbar sei, aber man habe doch nötig, dem Lande gute Realitäten zu über bringen. Man dürfe es nicht in Wolken hüllen. Man habe nicht das Recht, ün voraus zu lagen, die deutsche Regie> npig jei aus Männern zurammLNgrietzt, die ver-1
'ucken würden, sich ihren L^rm'lichttmgen «t ent- -reden Er habe aber auch nicht das ihre Aulgale zu erschweren. Auch sie würden Schwierigkeiten mit der Reaktion haben. Das bcutidx Volk beginne die Augen zu öffnen. Die Mckrhell be> Reichstage» habe txm R.'ickSkanzler Verttmien entgegen<irbrod«, öte habe gesagt, Deutschland wolle entwaffnen iutb bezahlen Man dürfe sie nicht entmutigen. Würde man eS tun, so wäre bas nicht nur ein Fehler, sondern auch eine schlechte Hmidlimg. V^lleicht würde man auch in brr Dell lagen, txiü dieses Frankreich nicht bas richtige sei Man be finde sich einem Schuldner gegenüber, brr erklarl habe, baß et die Bedingungen Frmi Freute an nehme. y?au besitze die nötige Kraft, um ->u glauben. Briand betont, es gereiche Frankreich zur Ehre, wenn es einmütig jur Mäßigung anrege. DieS sei gute Politik. Man müsse an ihr iefthahen.
Diese Erklärung beS Ministerpräsidenten findet einmütigen Beifall. Der Abgeordnete P e h r o u r crlärt sich von chr befrickigt. Es spricht sodann der Abgeordnete 2arotte von der äußersten Rechten, der sich gegen die englische Politik rwnbd, woS eine Stritif des Kammerpräsidenten zur Folge hat. Auch Ministerpräsident Briand sagt,' bu* Alliierten Franfteichü seien klug und klardenkend genug, um gewisse Aeußerungen «wwisser Remitierter auf bad rechte Riaß zurück»usühren Der Abgeordnete Lacotte fährt jedoch fort. England stark anzugreisen. Er wird deshall vom Mommrr- präs ident en zur Ordnung gerufen, aber diese Ein- n>cnbungen des Präsidenten haben keine Einwirkung auf den Redner. Er fährt fort, Elemei. _u und den Präsidenten Wilson anzugrrisen, so daß der Kammerpräsident gezwungen ist, den Artikel 60 der (YeschäftSordnunn verlesen, der dem Präsidenten das Recht guu, nach zweimaligen Ordnungsrufen in der gleichen Sitzung dem Redner das Wott zu entziehen. Lacotte anH wortet darauf, er werde seine Pflicht bis zum äußersten tun. Schließlich erflärt er, daß er und seine Freunde der Regierung das Vertrauen verweigern.
Das Wott ergreift darauf der Abgeordnete Barthelemn, der erklärt, man müsse die Tatsache, daß Deutschland das Ultimatum angenommen habe, als ein ernstes Ereignis ansehen. Redner findet es nicht recht, datz man fick bet R epara tionsbommisft m bebiene, um eine Schride- wand zwischen der Regierung und der Paria wem S- verantwortlichkell zu errichten. jJtinifterpräfibent Briand erklärt, daß dies nicht-sear Gewohnheit sei, aber er habe ja der förnuncr erffätt, baßu wenn man zürn'Vertrag zurückkchoe, dies nicht nur Vorteile bringe, enthalte dock; der Vertrag einen Paragraphen, der der Reprwations- kommission das Recht gibt, einen Dell bet Schuld Deutschland zu stunden und Ah änbmmgen an den Zahlungsbcktngungen vorzu4 nehmen ^lbaeordmter Barthelemy behauptet, Ministerpräsident Briwid habe die stummer vor ein lait accompfi gestellt. Ministerpräsident Briand widerspricht. Er erklätt, heute fei *ja die Kammer souverän und fw tonne ihre Verantwortlichkeit übernehmen. Der Abgeordnete Dar- theleimv ervennt die Richtigkeit des Gtonb- punktes des Mrnnterpräiidenten an, aber erwünscht Aufklärung, ob das Abkommen von Londaiu für bu* Zukunft Sanktionen voriiffht, im Falle, datz De.ickch» land noch einmal seme Bewslichtnngen nicht erfüllt.
Minifterpräsident Briand
gibt folgende Erklärung ab: In London bWi wir eine Erklärung abgegeben, die Deutschland mit- geteilt werden -wußte, und die alle ©erfeWungat des Schuldner- seststttlt. Es war genau bestimmt worden, daß Teidl'cffanb mit einem Ja ober einem Nein antworten mülfe, und daß, wenn Deutschland eine her Bedingungen Nicücktveff'en würde, die Alliierten alle ihre nkilitärischen und maritimen Mittel bereit stellen, um Genugtuung zu erlangen. Jetzt frage man, was geschahen werde, wen» Deuffchland noch einmal ferne Verpslickstmigen nicht erfülle. Man fragt, ob eine neue Zusammenkurfft des Obersten Rates notwendig sei, bevor man btt Sanktionen ausführe. Wenn es sich um eine Verfehlung handele, von der in der Erklärung von London nicht die Rede fei, dann ja: denn das sei eine Notwendigkeit des Vertrages. Wenn der Botschafterrat nickt zu entern Entschluß t urnen könne, dann müsse der Oberste Rat die Entscheidung treffen. Ader wenn es sich um Tatsachen handle, die in der Erklärung vet-vichnet seien, hinsichtlich deren Deutschland Beweise der Nichtausführung zeigte, dann mülle Frankreich wie die anderen rixliierten diese Verfehlung fenffcrften, und 'dann bestehe für jeden von ihnen das Reckt, zur Ausführung der Sanktionen zu schreiten, '(rin Abgeordneter ruft dc^wischn. Das ist ein Recht, aber ferne Pflicht! Briand .fährt fort: Erschweren Sie mir nicht meine Aufgabe Wenn also die deutsche Verfehlung an der Erklärung von London fest- gestellt sei, dann werbe die ftan^ösische Regie» gierung an die englische und belgische Regierung telegraphieren und ihren Willen zum Handeln ausiprechen und sie ersuchen, das gleiche au nm. Durch dieses Telegramm werben die Verbündeten in den Stand gesetzt, mit Frankreich zu banJdn. 'Von der rechten Seite wird gerufen: Uno wenn sie nicht marschieren?) Briand fährt fort, er habe nicht das Recht, daran zu zweifeln, daß die Truppen der Verbündeten sich den Truppen der französischen anschlössen. 2lber selbst wenn sie sich in einer Lage befinden würden, die ihnen nicht gestatte, dies zu hm, bann könne Frankreich aus eigenen Mitteln, also allein, vorgehen, ohne dadurch gegen jeme' Verbündeten zu handeln. Das sei der großmUnterichied zwischen der Politik ver Regierung und einer anderen Politik, die verkündet roorbdn fei. Dieser Unterschied fei gewaltig Man, erhalle dadurch,bie Kohäsion der Alliierten auf* recht, und das sei vas wesentliche.


