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Nr. U9

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Erster Blatt

Ul. Jahrgang

Mittwoch, 25. Mai 1921

GietzenerAnMger

General-Anzeiger für Oberhessen

Drnd und Verlag: Vrühl'sche Unw.-vuch- und Steinbruderei H. Lange. Zchristleitung, GefchSstrftelle und Drndereh 5chulftratze 7.

Annahme von Anzeigen für die laqesnummtr bit zum Vackm Nag vorher ohnefebe 8etbinMi(Muit. Dreis für l mm höbe für Anzeigen» 34mm«reite örtlich 40 Pf, auswärts 50 Pf.; für Reklame, Anzeigen von 70 mm Breite 180Pf Bei Platz» Vorschrift 20 ^Aufichlag. ^aupischriftleiter Aug. ifroch Verantwortlich für Politik: Aua. Doetz, für ben übrigen teil: Dr. Reinhold 3enj; für ben Anzeigenteil: HansBeck, sämtlich in Gteszen.

Briand gegen Lloyd George!

^hx der gestrigen Sitzung der französi- schen Kammer hat B r i a n d seine mit großem Interesse erwartete Erklärung abgegeben. Sie trägt die unverfälschte Farbe nationalistischer Ueberhebung. Frankreich setzt die Herausforde- rung der europäischen Mächte und des Völ­kerfriedens fort. Das Problem Oberschlesiens ist noch nicht um eines Schrittes Länge sev- ner Äsung weiter zugesührt worden. Vier eng­lische Bataillone marschieren in das Auf- standsgebiet, und es scheint, als solle dort nun zunächst Ruhe geschaffen werden. Einstweilen nehmen aber die unerhörten Bedrückungen und Brandschatzungen der Deutschen dort noch ihren Fortgang. Gelingt es nun, Ruhe zu schaffen, so folgt die schwerwiegende Frage: Wird durch die Entscheidung des Obersten Ra­tes der französisch-polnische oder der englische Standpunkt eingenommen? Es scheint, als werde Frankreich nicht gewillt sein, der Mehr­heit sich zu fügen. Briand wies auf die Vorver­handlungen hin und machte geltend, eine in­teralliierte Kommission sei früher, bevor md:N schließlich eine Volksabstimmung zuließ, ein­stimmig zu dem Entschluß gekommen, Ober­schlesien den Polen zuzusprechen. Darin liegt also die Andeutung verborgen, die Volks­abstimmung sollte im Grunde nur eine Mas­kerade sein. Dem» entspricht es denn auch, daß Briand in die oberschlesische Debatte den Satz wirft, nach einem Kriege wie dem letzten habe Frankreich dasl Recht, gewisse Befürch­tungen zu hegen.

Im übrigen läuft die Rede Briands auf die Herausforderung einer offenen Machtprobe hinaus. Er redet immer so, als wisse er, daß Llond George schließlich doch nachgeben werde. Dessen Worte seien schlecht übermittelt und falsch ausgelegt worden. Obder englische Mi­nisterpräsident sich diesem Verfahren schließ­lich anbeauemen wird, ist eine andere Frage. Wir haben aber keinen Anlaß, das in Aussicht stehende Kompromiß als irgend einen Gewinn zu buchen.

Briatrts Hebe

in der französischen Kammer.

Pari-, 24. Mai. (Wolffs In der heutigen Kain m er i i tzu n g wird bie Beratung ber Jntervella tionen über die auswär­tige Politik fortgesetzt. Die sozialistischen Ab­geordneten Moutet und Blum haben eine Fnter- pellation über die Ereigni'se in Oberschlesien eingebracht Der Präsident der Kammer fragt, ob diese Interpellation mit den anderen vorliegenden Interpellationen über d-n gleichen Gegenstand ver­bunden werden soll. Ministervräsidmt Briand sagt, cs sei nicht gut und rötlich, din'e Interpella­tion mit denen zu verbinden, die sich auf die.aus­wärtige Politik im allgemeinen beziehen. Infolge­dessen wird über die Weiterberatnng der.Inter­pellationen fvrtgesahren. ES ergreift

Ministerpräsident Briand

das Wort. Er erklärt, er begreife die Erregung, die sich angesichts der Ereignisse in Oberschlesien im Lande zeige. Während der Beratungen über dcn FriedenSvertrag habe eine interalliierte Kom­mission die oberschlesische Frage genau geprüft. Die Arbeiten hätten mehrere Monate gebauert, und die Mitglieder dieser Kommission seien ein­stimmig zu dem Entschluß gekommen. Ober» s chlesien Polen zu z^u sprechen. Ach de Alliierten hätten sich einitiMm q b:cfem B-lchluß angeschlo'sen. und di?se Vertragsklausel sei Deutsch­land übermittelt worben, das dann in Gegenvor­schlägen Anspruch auf dieses Gebiet erhoben habe. Der Oberste Rat habe alsdann, den Interesstm Polens entgegen, eine Volksabstimmung zu­gelassen. um das Recht Polens zu recht'ertigen. Tie Polen hätten starke Gründe gehabt, zu glauben, daß Oberschlesien ihnen zu-allen werde. Bei der Abstimmung aber hätten 180 000 Deutsche, die in £berid/e'ir*n gekwoen wurden, nritgqtimmt Frankreich habe immer gewollt, daß der Frie- densverrraa loyal ausg.'füdrt werde. Niemals habe es die Dbi'ickt gehabt. Polen Gebiete zuzustellen, die an die Deutschen abgetreten werden müßten. Nach die er Richtung sei er mit dcm en g l is chen Premierminister einig Oberschlefien sei niemals ein rein deutsches Land geween. Tte englischen und die deutschen Autoren, auch der deutsche Atlas, bekundeten dies. Oberschleien iei vor 600 Jahren mit Gewalt zu Deutschland ge­kommen Der Vertrag faxe, baq die en-,beitim- mutigen nach geogravhisch.m Rücksichten g et amen werden müßten. Es wäre also k.nne gerechte Ent­scheidung, wenn ein Unterschieb zwi cfen dem ernten unb dem reichen Gebiet gemacht t«r- den solle, zwischen den Stimmen der volni'cken Arbeiter und denen der reichenj^eutito Wenn in dem Minenb'-zirk die polnischen Arbeiter die Mehrheit der Stimmen hätten, dann müßen diee Stimmen bei dem Votum ben ÄuWttg geben. (Beifall.) Er lagt dies nicht m der Absicht, zu polemisieren, benn unter Alliier­ten Müsse man sich M Ruhe auseinander- setzen und dürfe keine Äuttergedanken haben Man habe behauvtet, Frankreich fordere, daß der Mmenbezirk Polen zugeiprochen wurde -nJ daß es bannt Pblen begünst-.ge. Nach cuiem Kriege wie dem letz'eu habe Frankreich das Recht, gc- wrsse Befürchtungen zu b-egen. Denn man einem £txnbe wie Polen das Leoen gegeben haoe, p |3t

es nur natürlich, daß man guck) davon denke, ihm feine Existenzmögi l>Jeit zu geben. Von bieiem Wunsche beseelt,.ten die Allste.-ten Po en rinnt Zugang $um Meer durch Preu hm htttdurch ge­sichert. Tas genüge aber nickt Wenn cxi Land nicht die M i tel zum Le -en habe, bann sterbe es ober es falle der Derrschrft seines Nachbarn an­heim. In ben Bergwerks bezirfen Obers<dlc'tens hätten die Polen ni V* nur die Ge arn.mchrh il. ordern auch dieMehttLit narf) ftton munai erlangt Ter französische Kommissar sei also l-ereckttgt ge­wesen, seine Konklusionen zu unterbreiten. Es bereite oft Ungelegenheiten, wenn eure Debatte wie die ü?er ti.* Dolksabstimmung aut d nen t » L i che m Wege erfolge unb wenn eine Presie- polemik sich dieser Frage bemächtige. Aber wenn nach so vielen gemeinsam riedergekämpften Schwie­rigkeiten tv Entente sterben müsie infolge einer Dckwierigkei:, die der gegenwärtigen Lage ent­springe, bann fehle nur der gute Wille, und bann hätte man nicht den Wunsch, die Entente aufrecht zu erhalten Tas fei nicht der Gedanke Frankier Hs. (Beifall.) Er habe gegenwärtig noch eine schwere Stunde, etnj dramatische Stunde der Londoner Konferenz. Ta­ntals habe es den Anschein gehabt, der Unterschied in der Auffassung zwischen Frankreich und Großbritannien sei so groß, daß es un­möglich sei, sie einander näher zu bringen. Tie Worte des englischen Premier­ministers lägen ihm noch in den Ohren, als er gesagt habe, er möchte nicht der Staatsmann sein, der es mit seinem Gewissen zu verantworten habe, ein so ernstes Ereignis vorbereitet zu haben. Wenn man das Gefühl des Ernstes eines solchen Ereignisses habe, bann sei er sicher, daß man alles tun werde, um es nicht zu provo­zier en. Frankreich verlange, daß der Vertrag loval spiele, unb zwar in feinem Geiste unb in fernen Worten. Briand gibt zu, daß die Militärs vielleicht nicht ganz geeignet feien, um in voller Gerechtigkeit die Bestimmungen deS Vertrages zu .würdigen unb eine Grenzlinie zu ziehen. Tie Mliierten müßten sich nach den 9Eftai, wie in allen anderen Fällen, ausfprechm. Die GcveckMn* keit müsse siegen, unb an dem Tage, an dem die Gerech igkeit triumph ert habe, werde Oberschlefien vor der Anarchie gerettet sein. (Dci all.)

Briand kommt sodann auf dm Urfpnmg der polnischen Unruhen zurück und sagt, die Polen feier erregt gewesen, weil sie geglaubt hätten, sie TaUtcn das Opfer des Londoner Abkommens fein. Von London aus habe er ungeordnet, daß sofort dem französischen Vertreter in Ober- schlesien telegraphiert werde, daß er alles unter­nehme, was in feiner Macht liege, um bic Ord­nung wieder herzustellen und um die Menschen- leben unb die Vermögenswerte zu schätzen. Hätte man etwa Blut vergießen sollen mit Tanks und Mitraillmsen? Frankreich habe 12 000 Mann in Oberschlefien, die die bebrohten Teutsclren geschützt hätten, und die Ordnung sei wiederl-ergestellt. Alle Welt müsse damit zufrieden sein. Ter pol- m schen Regierung habe man mitqetciU, datz ihre Landsleute sich ins Unrecht fetzten. Tie polnische Regierung habe die verlangten Maßnahmen ergriffen. Auch die Worte Lloyd Georges feien falsch aufgelegt und |d)led>i übermittelt worden. (Ironische Zurufe rechts ) 2hi<ntb fordert die Kammer aus, ben Takt, den eine derartige Debatte verlange, aufrecktzuer- halten und fährt fort: Tie Worte Llvyd Georges hätten, falsch übermittelt, die deutsche Presfe und die Alldeutschen glauben machen können, er habe Teutschlcmd ausgefordert, birett in Oberschlefien etwas zu unternehmen, evtl, die Reichswehr dort einrücken zu lassen. Briand erinnert an bie Erklärung, die er in Abwefenhci: des Parlamente, in aller Lefsentlichleit rnack-en mußte. Er habo TeuftchLand zu erbauten gegeben, daß, wenn es Truppen nach Ol-erschle ien entf.nbe, wo u. wie er wisse, Geueigchei. bestanden habe, ernste Ereig- nnfe dadurch he n>or gerufen würden. Tie deut­sche Regierung habe begriffen. Er habe mit SefncEijimg l>emerkt, daß tn den erregtesten Zeitungen am anderen Tage eine Zurückhaltung zu beobachten gewesen sei. Nach einer Verbreitung über die letzten Ereigr.i sc erttärt ber Mini ^.Prä­sident, daß der deutsche Legattonsrat tvn Molt te nach einer Unterredung mit der rttrralliierteir Kommission Instml tonen erhalten tae, die bereits befolgt worden feien- XJtx Kampf

fei eingestellt und die Ruhe nneber ter- gefteia. Auch der trwi-ö suche Botickafter

in London habe Instruktr.nen erhalten. Er fdbft habe gestern den deutschen Bot­schafter gebeten, ihm einen B such abMi,tatten. Er habe chn auf den Ernst der augtnbli urchtn «.age bingeroieen und relärt, wenn nicht m kürzester Friu die deutschen Tetach mcnts entwaffnet, wenn die Urbeber der Anw.ibangen nicht nach dem deut­schen Strafgesetz verfolgt mürb n und wenn die deutsche Regierung nicht die oberschlensche Grenze sperre, dann könnte die Sage gesäh lick werden. Leuie vormittag in früher Stunde hake die deutiche Regierung mitgtteüt, daß alle Maßnahmen an» geordnet seien und daß die Leitungen, welche hetz­ten, verfolgt wurden. Es sei auch müqeteiU mor­den, dost bec vveuPf'che Münster des Innern Sickerhe tsrolizei entsandt habe, um^die gegebenen : Instruktionen ausmhrer 'u taten. S e können nnr : sagen, daß das Worte sind und daß wir int ztret Iadren schon vie'e W:rte gchört Haden, die ncht : befolgt wurden. Aberheute denke er l oval und aufrichtig von der deutschen Re- . aierung unb non Dr. Wirth, der an der Spitze einer Regierung stehe, die sich auf eine , andere Meh rhei t im Reichstag lAtze i als die letzte Regierung. Bis jetzt J} abt r.

Wirth Beweise großer Aufrichtig­keit und Loyalität bewiesen. Er habe eine Versprechungen geholt n und er (Briand) werde naefcr darauf bei Besprechung der Lon­

doner Be'chlüste zuriuÄonnmm. Er fBr. Wirth) habe nicht nur die Verpflchtungen über­nommen. sondern auch beaonnen, sie auSzusühren. Frankreich habe die Macht, die es Ljm gestatte, Vertrauen zu haben unb die ihm Kaltblütigkeit anempfiehlt. (Lebhafter Beifall.) Er mü,te es jurückweisen. wenn man sage, die Regierung habe Frankreich in eine erniedrigende Lage geb.acht. Er treue sich über die bewunderungswürdige valtuna dec öffentlichen Meinung. Sie habe begriffen, dag die Interessen Frankreichs vertreten seien iBeifall links und in der Mitte.) Briand satt sobann, er habe seine Polittk erläutert, er übernehme seine Verantwortlichkeit; die Sam­mer möge die ihrige übernehmen. Sie solle sodann wählen zwischen feiner Politik oder einer anderen. Die andere Politik wolle er nicht mitmachen ohne zwingende Notwendigkett. (Dei.all links und in der Mitte.l Was die Sicherheit Frank­reichs anbetreffe, so behalte sich Frank­reich vor, alle erforderlichen Druck­mittel zu gebrauchen, wenn die Deut­schen ihre Verpilichtungen nicht halten würden. Wenn seine Sicherheiten in Frage gestellt werden, dann werbe Frankreich das habe er feinen Ver­bündeten mitgeteilt im Rechte fein, seine Sicher­heiten sicherzustellen. (Beifall links und in der Mftte. Der Ministerprä.ibent wird dauernd durch ironische Zwischenrufe von recksts unterbrochen.) Briand erklärt, er habe den Jahrgang 19117 TTdOJÜiftert, roeü es unerläßlich geweint in Tie j u n gen Leu te der Jahres blasse 1919 haben den Reichstag 50 Jahre nach dem FriedenSvertrag von Frankfurt baju geführt, die Niederlage Deutschlands anzuerkennen. Ich bin beauftragt, den Friedensvertrag at^uroenben. ES muß davon erinnert werden, daß der Frtedensver- trag von Versailles ein gect ngteres unb skärknes' SeutfdÄanbin bejua auf Kvhäsi-m unb Asimilie- rung der beutftfxm Stämme gesckwfien habe als ber Friedensvemag von Frankfurt Er rounbere fick, daß man chm Schwäche bei dem Gebrauch dieses Jnstrumemes vorwe.se Er hcke alle Pflick m gegeilüber dem Parlament durch die Besetzung Tu scldorsS und'Duisburgs cigüfU. Wg Tarlieu scheine die Vergangenheit vergessen zu haben unb nur an die Zumnft zu denken. Nach einer

srung der Verhm?l>mgen von Lon'vn unterflrcidit Briand die großen Anstrengungen der Belgier, um zu ben Ergebnissen von London zu kommen. Er hatte ruh'g von London zurückkehren fdnmm unb m..r? stärk r b klttcht worden, wenn mri da.' S.ubr g.biet besetzt hatte. Aber diese 2lrt von Popularllät hrbe er nicht gewünscht. (Beifall links unb in der Mitte. Von der Reckftcn roirb Brianb tobift un­terbrochen.) Briand fordert feine Kollegen auf, jrvv schen diesen beiden Arten von Politik zu wählen (Der Abg. Noblemaire ruft dazwtsckien, die Frage stehe doch viel h)her als eine ministerielle Frag? .

Briand sagt, der Abgeordnete Noblemaire l abe ihn nicht verstanden. Wmn es sich um die Inter­essen Franlr.'ichs ha idele, unb wenn er die flammet aufforbere, ihre Wahl zu treffen, bann banteje es sich um eine Frage des allgemeiiten Interesses. Die für ein iwft.'ttes Fran''eich feien, hätten zu bed.-nken, daß 239 000 Mann vor dem Ruhrgebiet ständen, das innerhalb 8 stundm besetzt werden könne. Er frage sich, was erfolgt wäre, roatn er zurückgekornrnen wäre mit der Erklärung, daß Frankreich isoliert sei. Man sage wenn man Frankreich vertrete, müsse man erklären: Ich will! Und wenn der andere sich nicht beuge, bann müsse man ihn brechen. Wenn er das getan hätte, dann hätte man ihm dies in 8 od.r 14 Tagen vorgeworsen. Briand sagte weiter, es sei ihm b i s jetztgelungen, die Einigkeit unter ben alliierten aufrecht zu erhalten. Er fei sicher, daß ihm das auch morgen gelingen werde, selbst in der Frage von Oben (Wien. Man habe nicht das Recht, zu vergessen, daß England fick;m August 1914 erhoben habe, um auf Frankrerchs Seite zu traten, unb daß Amerika das Meer über­schritten habe, um durch sein Öeer Frankteich bcizu- ftehen. Man müsse unermüdlich daran arbeiten, bic Einigkeit in der W lt aufrecht zu e halten, aber nicht nur im Interesse FrankreiÄ, denn das b r i- tische Volk h.be di' gleichen Interessen wie das ftanwiifcfce. Krm Do'k könne mehr so iso­liert leben Man könne im übrigen nicht glauben, baß die Stunde Frankreichs schm vorüber sei. wenn man an bie augenblicklichen StrmtkrSfte am Rh in denke. Er steige von der TribLv herab, indem er fuge die Lage Frankr-rcks sei weit davon entfernt, schlecht zu fein. Ti? Stimme Frankreich; sei geW t worden, liebevoll in Amerika unb in England wür- bige man die Festigtest unb die Mäßigung Frank- r-ticks und deshalb werde er, solang er ort der Spitze ber Regierung stehe, nicht auf die Politik der Festig­keit und der Mäßigung verzichten. (Le'Hatter Be fall in der Mitte, links, auf eurigen Bänken rechts und aut ber äußersten Stufen.)

Tie Sitzung wird darauf aur einige Zeit unter* brocken. Nach der Wiedereröffnung erhält bad Don der so iali'isde Abg Vincent Aurivl Er sprickt über die t anziellen ÄTaufdn des Frie­den svertrages von Versailles und erinnert^bacan, baß der Abg. Klotz von einer Sckuldsumme Teuttck- lands im Betrage von 463 Milliarden gesprochen habe. Er geht alsdann dazu über, das Abkommen von Paris gegen das Abkommen Djn London abzuwöecn. Er erstmert daran, datz bie stiscke Partei, ti? setzt in Deutschland der Regie­rung angehöre, die Piliche zur Repara^ttm anev- kenne und fragt, ob man etwa^die Polstt. der Zwangsmaßnahmen gegeriuer TQttschla^'d wei­ter verfolgen solle, damit die Alldeuchchm nf Teutschland ans Ruder kämen.

Tie Weiterberatung wird alsdann auf morgai nachmittag vertagt.

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Die tage in Gderschlcsien.

Oppeln, 24. Mar (WB. - lieber die Lage in ben schwer bedrohten Industriestädten des Zentralreviers liegen auch bis heult avend zu- ocrlänige Meldungen und Nackrichlen nicht vor. Im streife Rosenberg wurde bv Stadt Landsbcvg von den T-eutfcheii besetzt. Die da- Gebiet räumen- ben polnischen Banden haben bie weh. lose Bevöl­kerung in schwerster Weise ausaeplü. bert unb ge- branbichatzt Eme große Anzahe Deutscher ist ton ben Aufstänbischen mst flrafnoegen in da- Inter­nierungslager Pawvnkau, im Kreise Ludlinitz. ver­schleppt worben. Auch auS bem Kreise Oppeln werben Plünbereien der Polen in ber Gegend von Turama ^meldet. Im str i e Gcoßstrehliv wurden polnische Angriffe atgenriefen.

Sngltschc Trnppenfendung nach Oderichlcsien.

London, 24 Mai Reu er. Im Unter* ?taufe erklärten (Efambetlain, gegmwirttg de- änben fick feine englischen Streitkräfte in Ober- scküesien, o5nx>bl eine Au-ahl eng ischer Beamter in dem Ticnst der JNteral.i.erten Kommission flehen Nur eine unbedeutende Verletzung euie* cnglifcken Beamten fei gemeldet worden Vier englische Jniantertebatalllone würden vom Rhein nach Lcklesien geben. ES sei ti Erwägung ge­zogen worben, diese Streitmacht, fall- möglich, zu vermehren. Deutschland werde für dech Unterhalt dieser Bataillone feine Zahlung ju leisten haben.

Ta» verbot der Freikorps.

Berlin, 24. Mai. (Wolff.) Amtlich. Um eine Unterlage für die nachdrück­liche Unterbildung der Bildung von Freikorps und anderen Freiwilligenver­bänden für Oberschlesien -u geben, er­ließ der Reichspräsident auf Antrag des Reichsministeriums in Ergänzung ber be­stehenden Strafbestimmungen eine beson- dereVerordnunß.

Danach wird mit Geldstrafe ober Gv» fängniS bestraft, wer es unternimmt, ohne Gv« nehmigung der zuständigen Dienststellen Per­sonen äu Verbänden militärischer Art zusam- menzuschliehen, ober wer an solchen Verbän­den teilnimmt. Auch jede Art von Geld- unterstützungen solcher Unternehmungen ist danach strafbar, ebenso die Werbung und die Aufnahme von Werbeinseraten in der Presse. Die Verordnung bezieht sich auf das g a n je Rcichmit Ausnahme des Abstimmungsgebie­tes selbst, worin bie Verwaltung den Alliier­ten obliegt, denen auch die Regelung deS Selbstschutzes zusteht.

Der hard'ngsche plan für eine Gesellschaft der Nationen.

P a r i s, 24. Mai. (Wolff.) Nach enter Äbfel- m-ldmig derChicago Tribuns" aus Wasbingwn ist dort g'stern oteub bekannt geworden, das; der Botschafter der Vereinigten Staaten in London, iöarvey, ht großen Zügen den $) arbinq f d>c Plan für ernc Gesellschaft de rNationen besitzt, der dazu h-frimmt ist, ben gegenwärtige« Völkerbund zu ersetzen. Harvey ist auch ermächtigt roorbm, ben harbingschm Plan ben Vertretern ber fremben Regierungen sogleich mit ben Be­dingungen, die Amerika für einen offiziellen Schritt in dieser Angelegenheit stellt, bekannt zu ffbTt. Ter hardmgsch-ri G-scllschaft der Nationen frgt im allgemeinen ber Plan der fcaager Kon­ferenz zu Grunde. Er betont die Idee eine» Weltschiedsgerichts hofeS, vor dem Stiritinf iten in Uebertenstimmung mit bem inter­nationalen Reckt mnhandelt w-rden und Zwangs­maßnahmen ausgeschlossen fein sollen Sxxrven habe Anweisung erhalten, den Wunsch ferner Regie» mag zu übermrtteln, da dir rnteves'ierten Mächte fick im voraus im Sinne von Behandlungen untereinander äußern sollten. Als ein Zctchen eines aufrichtigen Wunsches für das Zustande­kommen i>*r neuen Gesellschaft der Notwnen wird zunächst die Anerkennung der amerika­nischen Rechte mit Rücksicht auf bie bis jetzt getroffenen Entscheidungen betrachtet

Neuyork, 24. Mai. ftzavaS ) Darbing hielt heute in fc®boten anläßlich der seierlichen Bestattung der amerikanischen Sol­daten eine Ansprache, in der er erklärte, A wolle nicht behaupten, daß das goldene Zett- alter angebrochen sei und daß es memaf8 wieder einen Krieg geben werde, aber er wünsche, daß Oie Bereinigten Staaten in ihrer Liebe zur Ge­rechtigkeit eine so ftarfe Nation würden, daß niemand wagen würde, ihren Zorn herauSzu- forbem.

Neu vork, 24. Mai. (Wo'sf.) Reuter mel­det, Präsident Larbing erklärte gestern abend bei einem Essen, es fei das Ziel der gegenwärttgen Regierung, eine Aera der Verständigung einzu- le.ten Er fuhr fort: Ich wünsche eine Ver­ständigung zwischen den Nationen. Ich wünsche, daß unser Amerika nichts mit der Nation zu tun bat, die nicht gewillt ist, sich an den Tisch zu ieyen unb offen ihre Karten zu -«gen.

Die Leipziger Verhandlungen.

Lo n d o n, 24. Mai. (Wolff.) Die L e i v - ziger Verhandlungen gegen die d e u V schen Kriegsbeschuldigten werden in der gesamten Presse weiter aufmerksam oev- folgt. Dem Berichterstatter desDaily Chra- nicle" zufolge sind bie brttischen Vertreter der