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249 Zweites Blatt

gum Kohlenmanyel.

1 Vieh en. 22. Oft. 1921.

Don der Direktion des Städtischen Gaswerks d uns geschrieben:

DieKöln. Ztg." brachte vor einiger 3cit Rotiz aus Essen, wo:mch in der Konferenz Gewerkbereins chrisllich:r Bergarbeiter ^ine rtiiet;ung gefaßt wurde, in der auf die durch Iwachsende W e l t k o h l e n e r-e u g u n g ) den abnehmenden Verbrauch zunehmende ittigung des .Kohlenmarktes hinge- >ltn wird, die schädliche IDtrfungen für den chen Kohlenbergbau und die deutsche Volks- ltchast herbejfnhren könne. Auch der Führer

Freigewerkfchastlichen Drrgarbeiter-Organi- ign, Herr Hue, soll kürzlich auf die Sättigung i Kohlcnmarktes hingewiescn haben

Lolche Aeul'erungen maßgebender Führer I ! äußerst bedenklich und haben die Wirkung, |hi die Bergarbeiter die Arbeit strecken und daß d 2eistungcn sinken. 3m Auhrbczirk stellte sich

Förderung Im 3ull 1913 reichlich auf 10 QRU- 52N Tonnen während im 3uü ds. 3s. nur

^ütflionen Tonnen gefördert wurden, trotzdem Belegschaft sich gegen früher um rund 142 000 nn verstärkt hat.

-In England und Amerika ist eine lieber- I- Aktion an Kohlen vorhanden und viele Gruben i > , ihren Betrieb wesentlich einschränken müf- c Auch im Saarbecken ist Absatz für die ge­irrten Kohlen nicht vorhanden, und es wer- V deshalb Feierschichten eingelegt. Mangel ;i Sohlen herrscht nur in Deutschland. ;al die Erzeugung zurückgegangen ist und weil

<m den Feindbund beträchtliche Mengen ab- : *i müssen. Der Stand deS Geldmarktes ver- :ri'l uns aber. Kohlen vom Ausland oder aus ** Saarbecken zu beziehen. Ein Zentner Saar- Vdt'1 kostet heute ab Zeche rund 4,25 Franks oder K) dem letzten Kurse umgerechnet 47,60 Mark, storzu kommt noch die hohe Fracht und die ! Menst euer.

Der Ernteausfall in Polen.

Man schreibt unS aus Posen:

4 3n unserer ehemaligen Provinz Posen ist et < rntcauiSfaU der beste in ganz Polen Er stellt ch nach bester Quelle wie folgt das: Roggen: jm Weizen unter mittel! Gerste und $afcr: '06lrd>1; Grünsutter: fehlt vollständig: Kartoffeln: l^t' cns 30 Zentner vom Morgen: Zuckerrüben: mä1 i

5j3u wird bemerkt: Trotz der guten Kömer- 'iiT: vird daS Ernteergebnis in feinen Auswir- MUai katastrophal bezeichnet. Don der Kar- '«»ernte werden 10 Zentner vom Morgen zur teiat, 10 Zentner für Deputat gebraucht, so

nur 10 Zentner statt etwa 6070 Zentner neattciler Zähre für die Ernährung der städti- 'Nr Bevölkerung übrig bleiben. Infolge des

Der Reichskvmmisfar für die Kohlenverteilung 'n engeordnet. daß die Belieferung der iCdan ft alten allen anderen Beziehern, mit r«LiNiger Ausnahme der Entente u. der Eisenbahn cHr^iliefen hat und daß die Lichtwerke ihre vollen Ifri'inucntc lausend erhalten. Diese sind 1916 r^jeftent und seitdem nicht erhöht worden, troh- :ki eine Menge Gasanschlüsse infolge der Petto- Q ton not usw hergestellt werden mußte. Die Kon- ix r.te werden seit Monaten nach Aufhebung Xr ^Oberschichten im Ruhrbezirk nicht einmal Clll beliefert, unb Gaswerke, die in dem von der Ahhc belieferten Gebiet liegen, leiden daher seit Tmcten ganz beträchtlich unter Kohlenmangcl. Iflk DaSwerke leben heute von der f-ßrnd in den Mund und wissen oft nicht, ob 1 it morgen noch in der Lage fin^, den Gaswerks- »eb aufrechtzuerhalten oder ob sie gezwungen den Betrieb slillzulegen oder den Gasdruck i!i> Rohrnetz am Tage so einzustellen, daß die Gas- kaum benutzt werden können. Der Kohlen- arrft wird nun noch eine weitere Verschlechterung oajebren, da der kohlen reichste Teil O b e r s ch l e - ss iui 8 den Polen auszuliefern ist.

SV vom Reichskvmmisfar für die Kohlen- ilung angeordneten Sperrstunden m ü f - itr. daher noch weiter bestehen blei- "t Das GaSrohrneh wird bekanntlich ab* . tli>e r r t von l1/«SVi Ahr nachmittags und k N5»/, Ahr nacht«; während der Zeit von

Uhr früh btS l1/, Ahr mittags wird das Gas- unter geringerem Druck gehalten. -Slten Abendstunden wird der Gasdruck wie bis­ch« «stehen bleiben.

Ser Schutz im Blut.

Roman von Horst Bvdemer.

iiL5orlfct)ung. (Rachdruck verboten.)

,-thn Minuten später war es »der lieben Marie" -ugetuschelt worden. Die warf den Mw in den Racken, lachte hell auf.

Ja, wer es nicht hier hat," sie zeigte aut iXB Stirn, .dem ist doch nicht zu Helsen. Der riu Baronin darf mans also nicht Übelnehmen!"

3te stand in der Rahe, hörte es, mußte es

htitci, fuhr fünf Minuten später, ohne ihren "-Hai"1 zu benachrichtigen, nach Hause . . Als AH« Eert Züschen das erfuhr, machte er nun ge- 'lti> der lieben Frau Marie" aus Biegen und 'Äht m den Hos So arg, daß auf der Rück- ssto der Henner wagte, seiner Frau leise Vor- nxtoe $u machen. Da kam er aber an die rechte i t.3ch weiß, was ich tue! Ich brauch kerne dkiften von dir! Und wenn die Baronin t» ich fei eine Chansonette, dann soll sie sich die Chansonette gründlich ärgern : So 'rckbich daß Wir die Züschens ein für allemai

rnb und das soll mich freuen! Schon um carn-illen I

De Männer schwiegen, ganz wohl war aber

lchto vorgefahren. Die Hölle hatte ihm seine heiß gemacht.

gekoml

.Siebe, beste Frau Marie, ich bin um den Schaden cinzurenken!"

..Was denn für einen Schaden?" E? wandte sich an die Männer.

grauen nehmen gleich alles übel! Ich hab morgen die Leviten gelesen bekommen. Ra- h glaub ich kein Wort, aber meine Frau

beton nicht ....

Bereits am nächsten Mittag kam Albert-

u^tet, die liebe Frau Marie hätte mit dem Ita nach der Stirn gezeigt und behauptet, da fehle cs ei meiner Herzallerliebsten!"

,llnb nun soll ich das wohl zurücknehmen? habe es wahrhaftig behauptet! Denn die ii Baronin hält mich für eine ChansonetteI"

Gießener Anzeiger (Gencral-Anzeiger für Gderhessen)

Montag, 24. Oktober (921

gänzlichen Ausfalles der Futterernte wird jetzt bereits daS geringe Erträgnis der ersten Heuernte und lehr stark Roggen gefüttert. Die landwirt­schaftlichen Arbeiter und andere Ziegenbesitzer treiben allgemein nachts ihr Vieh auf dtc Zucler- cübenfelder und lassen sie abweiden, so daß in- folge des Mangels an Rübenblättern, die durch die andauernde Trockenheit schon bedrohte Rü­benernte verschlechtert und der Zuckergehalt ge­ring fein wird.

Infolge deS Futtermangels wird das Vieh bald abgeschlachtet werden müssen: in den meisten Gegenden ist damit bereits begonnen worden. Zu Weihnachten, so nimmt man an. wird es kaum noch Milch und Butter geben. Die fönst so aus­gebreitete Schweinezucht ist so zurückgcgangen, daß Schweinezüchter, die in normalen Jahren 60 bis 70 Schweine mästeten, sage und schreibe drei Schweine im Stall haben.

In Westpreuhen liegen die Derhältniffe noch ungünstiger, und Kongreßpolen und Galizien bleibt, abgesehen von strichweisen besseren Erträ­gen, hinter Posen zurück.

Dcrrch Einfuhr kann der Mangel nur zum kleinsten Teil ausgeglichen werden, da Polen nicht in der Lage ist. die Ausfuhr zu bezahlen. Man erwartet daher für nächstes Frühjahr Hungersnot, wie sie jetzt in Rußland herrscht. Der gegenwär­tigen Steigerung der polnischen Mark muß zweifellos kürzere Zeit nach dem etwaigen An­fall von Teilen Oberschlesiens an Polen, wieder eine Baisse folgen, weil die realen Werte des Staates nicht mehr vorhanden ober ganz unren­tabel geworden find.

Die in Deutschland bestehende starke Speku* latton in polnischer Mark ist möglichst zu be­kämpfen. Einmal ist der Ankauf polnischer Mark in Deutschland nur ein Vorteil für Polen, und darum auch indirekt ein Schaden für Deutschland, dann aber ist die Spekulation gefährlich, weil letz­ten Endes eine weitere gar vollständige Entwer­tung der polnischen Mark aus oben bezeichneten Gründen eintreten muß.

Aus Hessen.

Wahlvorfchläge der Hessischen (Deutsch- nationalen) Dolkspartei.

Die Kandidatenliste der Deutschnationalen Volkspartei lautet: 1. 0tarlen6urg: 1. Abg. Prof. Dr. D. Diehl, Friedberg: 2. Schriftsteller Rudolf Kindt, Darmstadt: 3. Frau Prof. Heräus, Stadtverordnete, Offenbach: 4. Schlossermeister Georg Werner, Reichelsheim i. O.; 5. Landwirt Georg Martin Eckerth, Dietzenbach: 6. Metall­arbeiter Konrad Wild. Offenbach. 7. Lehrer Jacob Müller, Hüttenfeld: 8. Förster Friedrich Hechler, Riedernhausen i. O.; 9. Schneidermeister Ludwig Dauer, Darmstadt: 10. Landwirt Ludwig Fröh- ner III., Messel: 11. Pros. Dr. H. Geist, Ober­lehrer i. P.. Darmstadt: 12. Ludwig Philipp Hech­ler IV., Alsbach: 13. Obertelegrapheninspektor Ludwig Seibel, Offenbach: 14. Buchhalter Georg Grund, Pfungstadt: 15. Iustizinspektor Heinrich Jochim, Offenbach: 16. Rentner Robert Winken­berg, Auerbach a. d. B.: 17. Prokurist Johann Matthaes, Offenbach: 18. Postsekretär a. D. Christian Süß, Landesgeschäftsführer, Darmstadt. ll. Ob er Hessen. 1. Studienrat Prof. Dr. Ferdinand Werner, Butzbach: 2. Landwirt und Schmiedemeister Eiser, Muschenheim: 3. Amts­gerichtsdirektor u. Stadtverordneter Earl Schrnahl, Gießen: 4. Schreinermeister und Bürgermeister Rausch, Schadges: 5. Pfarrer Widmann, Gedern: 6. Landwirt Gg. Stoll II.» Dad-Rauheim: 7. Land­wirt Alfred Rompf, LanggönS: 8. Schornstein- fegermeister Haub, Homberg (Oberh.): 9. Lehrer Krausgrill, Diebach a. Haag: 10. Frau Direktor Balser, Friedberg i.H.: 11. Weichenstelleranwärter Otto Feuerstein, Gießen: 12. Buchhalter Rudolf Weitzel, Hirzenhain: 13. prakt. Arzt Dr. Lenn, Reichelsheim (Wetterau): 14. Gastwirt Otto Pfannstiel, Dermutshain: 15. Kaufmann Karl Seibel, Gießen: 16. Landwirt H. Stein, Stumper­tenrod: 17. Oberbibliothekar Prof. Dr. Emil Heu­ser, Gießen: 18. Postasfistent Dahmer, Lauterbachs III. Rheinhessen: 1. Pfarrer Eßlinger, Auerbach , 2. August Böhm, Mainz: 3. Weinberg­arbeiter Reichardt, Rierstein, Mitglied des Reichs­wirtschaftsrats: 4. Wilhelm Raab I., Landwirt, Schwabsburg: 5. Dr. med. Theod. Raiser, Stadt­verordneter, Worms: 6. Albert Köth, Weinguts- besiher, Pfaffenschwabenheim: 7. Hans Schmidt, Ingenieur, Worms: 8. Ernst Jungk, Fabrikant, Wöllstein: 9. Frau Emma Schindel, Worms: 10. Georg Köhm, Bureauvorsteher, Osthofen.

»Aber um Himmelswillen ich bitte Sie!" »Oh, da fragen Sie den Hauptmann von der Artillerie mit dem Monokel! . . Sagen Sie selbst Baron, hab ich nun recht in ihren C2Lugen?" Das war kein Spaß mehr! Drohend hatten die letzten Worte gelungen und die schön ge­schwungenen Rasenflügel bebten.

»Ich kann mir das wirklich nicht denken! Es wird viel gellatscht auf solchem Feste! Außerdem hat meine Frau jetzt Grund, leicht reizbar zu fern! Es liegt mir sehr viel daran, keine Ver­stimmung zwischen uns auf kommen zu lassen, liebe Frau MarieI"

Langsam erhob sie sich jx>n ihrem Stuhle. Jetzt war die richtige Minute. 2ti)alb?rt Züschen sollte an Sie Zeit fernes Lebens denken. Erst sprach sie ruhig, aber schroff, dann drängte die Entrüstung in ihr die Worte schneller auf die Zunge.

»Ich bin für Sie nicht »die liebe Frau Marie". Das war schon immer eine Anmaßung von Ihnen! Geduldet habe ich sie, weil ich im Stellen stets herzhaft über Sie habe lachen müssen: Lachen, Baron! Ich tinll Ihnen sagen, wer ich bin. Keine Chansonette und auch kein Liebchen: Eines freien Dauern anständ.ges Weib! Eine Wärhahn! And da ist die Tür!"

Der Weltmann brach durch das Staunen. Er erhob sich.

»Rach Ihren Worten wär ich von ganz allein gegangen!"

Eine förmliche Verbeugung nach den beiden Männern hin . Eine Minute später fuhr der Wagen zum Hofwr hinaus. And als das Rollen verklang, legte sich um die Lippen der jungen Frau ein liebreizendes Lächeln. Eine Hand streckte sie ihrem Manne, eine ihrem Schwieger- bater hin.

..Sv, das wäre abgetan: Ihr seid nun wohl überzeugt, daß ich eine Wärhahn geworden bin!"

9.

Seitdem hatte Mana die Männer fest in der Hand. Erst war es ihr eine Desriedigung. daß sie solche Macht besaß, dann mißbrauchte sie sie.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 24. Ott. 1921.

^Icifrf)vevforquiifl und fyki|rf)Vrcife.

Als Folge der Futternot hält die starke Beschickung Cer Schlachtviehmärkte an. Im Mo- nat August wurden auf dem Frankfurter Diehmarkl im Vergleich zum Monatsd irch- schnitt des Jahres 1913 (letztere Zahlen in Klam­mern beigefügt) auf getrieben: Rinder 10 549 (603t), Kälber 5740 <6.04 . Schafe 22c3 (1377), Schweine 6579 (18 447). Die'er Zustand kann jc- doch nur von vorübergehender Dauer sein Die Bevölkerung wird sich auf eine erhebliche Einschränkung des Fleischge nasses in absehbarer Zeit einrichten müssen, da die Land­wirtschaft in nicht mehr allzuserner Zeit ihren Viehbestand soweit verringert haben wird, daß sie fast gar kein Vieh mehr den Sch.'achtvieh- märiten zufähren kann. Eine erhcbliäe Aen- derung der Viehpreise wird natürlich auch eine entsprechende Aenderung der Fleischpreise nach sich ziehen.

»

Amtliche Personalnach richten. Durch Entschließung des Ministeriums der Justiz wurden die Referendare August Böhmin Mainz, Ferdinand E l b e r t in Darmstadt, Rudolf Horn­berger in Büdingen, Walter Leun in Darm­stadt, Dr. Wilh. Menges in Dann stad t, Franz Reu11er in Offenbach, Alfred Schneider in Darmstadt, Karl Schröderin Mainz, Dr. Hugo Speckhardt in Darmstadt und Adolf Steeg in Dingen zu Gerichtassessoren ernannt Durch Entschließung des Landesamtes für das DildungS- toefen wurde der Lehramtsreferendar Alexander Müller aus Herbstein zum Lehramtsastessor er­nannt.

Hcffcn-Naffau.

DieBerufe der Zukunft.

Im alten Stadtverordnetensihungssaal in Frankfurt begannen am Donnerstag die Vor­träge über »Derufsberatun g". Das ein­leitende Referat hielt Stadtrat Möller über daS Frankfurter Wirtschaftsleben". In eindring­licher Weise warnte der Redner, der als Fach­mann einen wvhlbe^ rundeten Ruf genießt, so­genannte Modeberufe zu erlernen. Dahin rechnete er in erster Linie die verschißenen Zweige der Metallindustrie, wie Schlosser, Mechaniker, Elektromonteur usw. Er ließ sich bei seinen War­nungen dabei von folgenden Gesichtspuntten lei­ten: Durch den Verlust des Saargebietes und Oberschlesiens wird die deutsche Metallindustrie in kurzer Zeit ihre führende Rolle ausgespielt haben. ES tritt große Arbeitslosigkeit ein, die sich in der Entlassung der eben ausgelernten Me­tallarbeiter am ersten auswirken wird. Als zu­kunftsreichste Berufe bezeichnete Stadlrat Möller in erster Linie das Bau- und Holzgewerbe, die Kleiderindustrie, das Dankgewerbe und den Deruf als Stenotypisten. Aussicht auf Vorwärts- kommen habe künftig nur, der über eine gründliche Ausbildung und ein umfassendes Wissen in seinem Berufe verfüge. Das gelte vor allem für die Stenotypisten, die gegenwärtig am meisten gesucht seien. Die Ausbildung dieser Leute auf einer sogenannten »Presse" verwarf der Redner mi aller GntschiÄ>enheit.

Sturm auf Frankfurter Geschäfte.

mc. Frankfurt a. M., 23. Ott. Trotz aller Mahnungen und Warnungen der Frank­furter Presse hält der Sturm auf die Ge­schäfte seitens des Publikums an. Am Samstag war der Andrang in den meisten großen Warenhäusern auf der Zeil so stark, daß sie zeitweise geschlossen werden muhten. 3m Innern bestand ein lebensgefähr­liches Gedränge. Einzelne Geschäfte haben MMwnenumsätze erzielt.

DomWunderdoktor".

mc. Frankfurt a. M., 23. Oft. In dem gegen den HomburgerWunderdoktor" M ü 1° ier-Czernh schwebenden Verfahren wur­den jetzt drei Gutachten erstattet, von denen das eine nicht weniger wie 80 Seiten umfaßt. Sämlliche Gutachten sprechen die Ansicht aus, daß es am besten fei, wenn man denWun­derdoktor" in einer Anstalt unterbringt.

Am die Hauptwache.

fpd. Frankfurt a. M.. 23. Oft. Der Barmer Bankverein hat jetzt sein An­gebot auf die Erpachttmg der .>zauptwache von 300 000 Dk. auf 400 000 Mk. jährlich c r - höht. Der Magistrat ist mit diesem Angebot aber noch nicht zufrieden und glaubt, weit mehr hcrautfcblagcii zu können. Bisher betrug der jährliche Pachtpreis, den die Hauptwache als Kaffeehaus brachte, 42 000 Mark. Der Magistrat stellt bei der Hergabe der Haupt- wache nur die Bedingung, daß der bauliche Charakter des Gebäudes unter allen Amftän- den gewahrt bleibt. Auch das an der Ecke Kaiserstraße und Gallusanlage gelegene be­kannte KaffeeAfloria" stellt demnächst fei­nen Betrieb ein und geht in den Besitz der benachbarten Dresdener Bank über, die die Räume zu Banlzwecken verwenden will.

Die Genossenschaftstagung in Wiesbaden.

O Wiesbaden, 21. Oft. Der Rachmittag des ersten Tages des 58 Genossenschaftstagcs (Schulre-Delinsch) brachte etn Referat des Dch Regicrungsrats Dr. Schröder (Kasse!) über die Baugenossenschaften und die Mielsgcsetzge- bung, an welches sich ein erschöpfender Meinungs­austausch anknüpfte. Abends vereinigten sich die Teilnehmer zu einer Festvorstellung im staatl. Theater (Andine). Der zweite Tag brachte ein ganz besonders interessantes Referat des Mitgliedes der Anwaltschaft Dr. Meyer (Char- lottenburg) über die Steuergesetzgebung mit be­sonderer Beziehung zum Genossenschaftswesen und der Erleichterung, die diesem bei der Besteuerung zuteil werden muß. Ein weiteres Referat von Direktor Sepp (Freiburg) behandelte die Pflege des Effekten-Kommissionsgeschäftes und gab der Ansicht Ausdruck, daß es dringend nottue, das Publikum vor der Spekulation zu warnen, zumal der Hausse an der Börse endlich eine Baisse fol­gen müsse. Der Anwalt Dr. C rüg er referierte sodann noch über den geschäftlichen Verkehr der Genossenschaften untereinander. Der Schluß des zweiten Tages bildete ein Festessen in den Räu­men des Kurhauses, an welchem 900 Personen teilnahmen. Der dritte Tag brachte noch Refe­rate von Verbandsrevisor Schumacher über Bürgschaftswesen, und von K 0 r t b a u s übci die Erfahrungen der Warengcnossenschasten in der Rachkriegszeit. Verbunden mit der Tagung war eine sehr interessante A u s st e l l u n g für Detriebstechnik. Der ganze Verlauf des Genossenschaftstages war vorzüglich, der Besuch so zahlreich wie bei keiner früheren Tagung. Bei aller Zurückhaltung, die sich die Redner aufer­legen mußten, gab sich doch ein erfreulicher Aus­druck der unlöslichen Zusammengehörig­keit mit dem besetzten Gebiete kund.

fd. Frankfurt a. M., 21. Oft. Der Ma­gistrat hat einer Steuerordnung zugestimmt, wo­nach von dem in Frankfurt gekelterten und von dem hierher eingeführten A e p f e l w e i n eine Steuer von 30 Mark für das Hektoliter er­hoben werden soll. Bei einer Erzeugung von rund 70 000 Hektolitern Aepfelwein rechnet der Magistrat mit einem Steuerertrag von rund zwei Millionen Mark.

fd. Fran ksu r t a. M.. 21. Oft. Rach Fest­stellungen des städtischen Statistischen Amtes zählte Groß-Frankfurt am 1. Oktober rund 472 000 Einwohner.

Schöffengericht.

Gießen, 21. Oktober- 1921.

Bei einem Gärtner und Händler aus Klein-Linden wurde eine Wohnung aus 2 Zirnmern nebst Küche nach dem Auszuge des bisherigen Mieters durch das Wohnungsamt für einen dortigen Rangierführer beschlagnahmt. Als nun dieser einziehen wollte, stellte sich her­aus, daß der Hauseigentümer in dem einen Zimmer Möbel untergebracht und das andere als Schlafzimmer für sich selbst eingerichtet hatte. Da er trotz wiederholter Aufforderung nicht räumte, wurde die Zwangsräumung durchge­führt, so daß der Rangierführer einziehen konnte. Der Hauseigentümer bereitete ihm jedoch der­artige Unannehmlichkeiten daß er notgedrungen anderswo Unterkunft suchte und unter Zurück­lassung aller entbehrlichen Möbel eine Dach­kammer bezog. Wegen dieses widerspensti-

Launisch wurde sie, suchte an Henner zu ergrün­den, wie weit ihre Macht reichte, und der gab nach, bevor sie rwch mit dem Fuße aufstampfte. Sogar ihren Schwiegervater forderte sie von Zeit zu Zeit^heraus. Der wußte sich dann nicht zu helfen, machte sich schleunigst aus ihrer Rähe Die Mamsell behairdelte sie von oben herab, führte im Haushalte allerlei Neuerungen etn. Die tat, was ihr geheißen wurde, stöhnte nur manchmal auf, unb wenn sie im Garten war, schielte sie nach dem Hainbuchengang. Der Tag mußte doch endlich kommen, an dem ihr Herr dort wieder, den Kops voller Sorgen, auf und ab wanderte' 2Iber so weit lieh es Maria doch nicht kommen. Dann und wann war sie von hinreißender Lie­benswürdigkeit zu ihrem Schwiegervater, und der war dankbar dafür. Herrgott ja, mit Frauen hatte er verlernt umzugehen, oder war über­haupt in seinem langen Leben nie recht dazu gekommen, sich näher mit ihrer seelischen Ver­fassung zu beschäftigen. Uni) dann war feine Schwiegertochter aus höherer Bildurgsschicht als die gewesen, aus der seine Frau gestammt hatte. -Heber dreißig Jahre waren ins Land feitdem gegangen, die Frauen mochten seitdem in ein anderes Verhältnis zu den Männern gekommen sein, allerwegen parierten sie ja nicht mehr so wie damals. Das war in seinen Augen ein großer Rachteil der neuen Zeit, aber man mußte sich mit ihr als vernünftiger Mensch abfinden, so gut es ging Lind der »Schuß im Blute" bei ihr war eine schöne Sache, der man auch Rechnung tragen mußte. Ihm liess heute noch kalt und warm über den Rücken, wie sie den Baron .aus dem Handgelenk abgeschüttelt" hatte! Der Teufel auch, die eroberte sich und ihren Kindern die Stel­lung einmal, um die er sich durch Entgegen­kommen und HUfsbereitschaft rrdlich bemüht hatte, und diele gesell'chasllichc Stellung hatte er lich trotz seiner hervorragettden Leistungen nur teil­weise sichern können. Letzten Endes wollte dte Welt keine Leisetreter, und eine Kampfnatur wie er hatte volles Verständnis dafür. Mochte sie die Kinder erziehen, wie sie eS für gut hielt, den

richtigen Schliff würde sie ihnen schon beibringen Ja, und da hatte er wohl allen Grund, um dem Ausstieg seines Geschlechts keine Hindernisse in den Weg zu legen, seine Schwiegertochter bet gut<r Laune zu erhalten. Hatte sie sich doch gegenüber dem Baron stolz als eine Wärhahn gerühmt! Großmütig stellte er ihr reichlich Geld für ihre und der Kinder Kleidung zur Verfügung, drängle sie von Zeit zu Zeit zu einer Reise mit ihrem Henner. Dann konnte Maria so herzlich dankbar sein, daß es ihm warm unter der Weste wurde.

Der Baron Züschen hatte sich nicht wieder unter seinem Dache oder auf feinen Feldern blicken lasten. Lind wenn man sich zufällig in Fritzlar auf der Straße traf, ging man mit höflichem Gruße aneinander vorüber. MU dem Oekonomte- rat hatte der Baron aber bald verstanden, em leidliches Verhältnis wieder herzustellen. Man traf sich bei den Kt.ets'.agefitzu.igen, am Stamm­tisch in der Kaiserpfalz, setzte sich nicht gerad-.' nebeneinander, schüttelte sich aber die Hand und trank sich gewissenhaft einmal gegenseitig zu Die Baronin hatte ^.wei Jungen daS Leben ge­schenkt, kränkelte recht ost, lebte manchmal ein paar Monate bei ihrem Vater, der Oe'anbter auf dem Balkan geworden war, und halte sich einen Heinen, aber wie sie sagte, »sehr gediegenen" Kreis zusammengestellt für ihren Verkehr, wenn sie in Züschen weilte. Höhere Regierung? beamte aus Kassel, ein paar Offizierfamilien und was sonst tn Fritzlar .tonangebend" war ... Im Laufe der Zeit war der Baron, trotzdem er noch nicht vierzig Jahve all war, recht still geworden. ®r widmete sich jetzt recht eingehend der Bewirt­schaftung seines großen Delitzes und der Jagd Fuhr Pferde ein und freute sich schon auf Öie -iage, an denen er mit seinen beiden Jungen spazieren reiten würde. Unö gestand sich tm ßtiflen doch ein, daß er sich sein Leben ver­pfuscht hatte! Flotter, fröhlicher Relterofftzler hätte er bleiben sollen l

(Fortsetzung folgt)