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Die Pariser Presse über die bestehenden Gegensätze.

Paris. 22. Dez. (WTB.) DerTemps" schreibt, die Besprechungen außerhalb des Reiches lärmten keinen Franzosen enttäuschen. Während der Dezember- und Januarwoche, die sonst ge­wöhnlich eine Pause mit sich gebracht hätte, bereite man Entscheidungen vor, die die Finanzen, die Sicherheit und die -Zukunft Frankreichs be­träfen. Jeder werde sich in Kürze über die beiden internationalen Diskussionen aussprechen können, Lbec die die Presse bis jetzt allein Mitteilungen gemacht habe, die Debatte über den deut- sthen Bankerott und die Debatte der Beschränkung der Rüstungen zur See, die sich in Washington vollziehe. Das französische Bolk sei tief überrascht worden, als es erkannte, daß das marttimeProgramm Frankreichs plötz­lich so lebhafte Diskussionen Hervorrufe, zu einer Stunde, da die Frage des deutschen Bankerottes die ganze Aufmerksamkeit der Alliierten verdient hätte. Man möchte wissen, ob die französische Re­gierung, bevor sie das eingeschlagene Programm dorgelegt habe, Gelegenheit gehabt hätte, das Terrain abzuhorchen. Man möchte aber auch andererseits wissen, warum so rasch und so voll­kommen eine Diskussion über das französische Programm veröffentlicht worden sei, während die Derhandlungen mit so viel Geduld geführt worden feien. Man möchte auch endlich wissen, wie man die Antwort BriandS an Hughes auslegen könne. Bon amerikanischer und englischer Seite habe man verstanden, daß Frankreich bedingungslos auf die Panzerkreuzer verzichte, die es verlangt habe. Die Konferenz in Washington werde auch vollkommen frei sein, der französischen Regierung die Leichten Kreuzer. 330000 Tonnen Ueberwasserschiffe und '93 000 Tonnen Li-Boote zu verweigern, die Frankreich für den Schuh seiner Küsten und Kolonien ver­langt habe. Wenn auch die Beschränkung der Seerüstungen augenblicklich der Gegenstand der französisch-amerikanischen Derhandlungen sei, so fühle man doch etwas heraus, daß unter diesem Problem, wie auch unter dem Reparationsplan, der Hauptgedanke der französisch-englischen Be­sprechungen schlummere. Darüber dürfe man sich nicht wundern. Gewisse Engländer, und nicht die geringsten, weil man sie im War Office ver­mute, bildeten sich ein, ein mächtiges Frankreich könne eine Gefahr für England werden und sie sicherten Groß­britannien gegen diese vermeintliche Gefahr. Der Ternps" sagt, es wäre unmoralisch wenn unter der Autorität Englands als Schiedsrichter ein gleicher Verdacht aus Frankreich, das überfallen wurde und aus Deutschland, das überfallen habe, ruhe. Das sei übrigens auch seltsam ungeschickt, weil England sich nicht über die kontinentalen Völker stellen könne, ohne gegen sich eine konti­nentale Solidarität zu schassen, drren es sich nicht zu rühmen haben werde.

Paris, 22. Dez. (WTD.) DasJour­nal des Debats^' verzeichnet die phäno­menale Tatsache, das; ein Ministerpräsident im Amt und ein ehemaliger Ministerpräsident der Reihe nach kxm Vorsitz der französischen Dele­gation in Washington geführt, Aufsehen er­regt und Reden gehalten hätten, in dem Augen- blüf, in dem die Fragen, die Frankreich inter­essierten. nicht auf der Tagesordnung standen oder doch nicht ernst diskutiert worden seien. Einer nach dem andern sei abgereist und nunmehr sende -er Präsident der Konferenz, Hughes, De­pesche auf Depesche an D r i a n d, der in London mit Lloyd George beschäftigt sei, um eine Ant­wort zu erzielen, gerade, als ob Frankreich auf der Konferenz in Washington nicht offiziell ver­treten gewesen wäre. Driand habe also in den Vereinigten Staaten geglänzt, als seine Anwesen- J)cU unnütz gewesen sei und er befinde sich dies­seits des Atlantischen OzeanS. wenn die rein fran­zösischen Fragen in Washington diskutiert wür­ben. England bilde sich ein, wenn man 1921 die rLI - Doote offiziell beseitige, sei es ge- gen die Llnttrscebootsgefahr gesichert. Welcher Irrtum! England klage Frankreich an. die Mittel zu behalten, um es zu bekämpfen und die groß­artigen Pazifischen Kombinationen, die es auf­richte. zu kompromittieren. Welche Llngerechtig- keit. wenn man voraussetze, daß die U-'Bvote offi­ziell durch die beratenden Mächte in Washington beseitigt wurden. Damit die Beseitigung wir­kungsvoll werde, müßten alle anderen Staaten der Welt ihr zustimmen. Aber ein Staat, der einen Angriff nor bereite, könne immer irgend­wo U-Boote konstruieren, die in Aktion treten würden, sobald ein Konflikt ausbreche. DasJournal des Debats" beschwert sich über die Haltung der britischen Presse und erklärt. Frankreich müsse die These weiterhin stützen, dag es tm gemeinsamen Interesse der Westmächte liege, während des Friedens eine Anzahl, ob Llntersee- oder Lieberseeschiffe zu besitzen, um ihre Verbindungen ficherzustellen und um zur rechter, Feil die Absichten übelgesinnter Mächte zu verhindern.

Italien und Frankreich.

Paris, 22. Dez. (WTB.) Kammerpräsi- bent Peret hat, wie die HavaSagentur mitteilt, eine Abordnung italienischer Zei­tung s ko r r e s p v n d e n te n in Paris empfangen, die ihm den Plan einer Konferenz zwischen den politischen Parteien Frankreichs und Italiens auseinanderseyte. Die Konferenz soll endgültig dem ständigen Ausbrechen von Uneinigkeiten beider Länder ein Ziel setzens Kammerpräsident Peret wird sich mit den ein­zelnen Gruppen der Kammer mit dem im ein­zelnen noch nicht festgelegten Plane befassen. Auch Senatspräsident Bourgeois hat die Ab­ordnung empfangen und ihr seine Unter­stützung zugesagt.

Italien und der Wiederaufbau Rußlands.

Rom, 22. Dez. (HavaS.) Die Kammer erörterte heute eine Resolution des republika­nischen Abgeordneten E h i e s a, die die Wie­deraufnahme der Handelsbeziehungen mit Rußland zum Gegenstand hat. Der Minister des Aeußern, Torretta . erklärte, die Re­gierung sei bereit, das Abkommen zu unter­zeichnen. aber sie müsse die italienischen Interessen schützen und dürfe die Würde des Landes nicht verletzen, indem sie irgendwelche Bedingungen annehme. Mit großem Interesse verfolge er die Initiative der Entente und die Versuche, die die wirtschaftliche Aus­beutung Rußlands durch Deutsch­

land ins Auge faßten. Einem diesbezüglichen Abkommen könne Italien nicht fernbleiben. Der Minister stellte schließlich fest, daß zwi­schen Rußland und Frankreich immer noch keine Vereinbarung bestehe, ebensowenig eine solche mit Amerika, und dah andererseits die Verhandlungen mit der Tschechoslowakei, mit Schweden und Dänemark unterbrochen wor- den seien.

Das englisch-irische Abkommen.

Dublin, 22. Dez. lWTB.) Die Debatte über das englisch» irische Abkommen wurde heute im Dail Sirea nn fortgesetzt. Der Chef beä Generalstabs der republikanischen Armee sprach sich für die Ratifizierung des Abkommens aus. Der Sinnfeiner-Minister für öffentlichen Unterricht erklärte das Abkommen für einen Ver­sklavungsvertrag und für ein Verbrechen gegen die Menschheit. Der Dail Eireann vertagte hierauf seine Beratungen biszumZ. Januar. Der Antrag auf Vertagung war von Collins gestellt worden, da es sich gezeigt hat, daß das Parlament infolge der unbeschränkten Redezeit seiner Mitglieder vor Weihnachten doch zu keiner Einigung gelangen kann.

Die Lage in Indien.

Kalkutta, 22. Dez. (WTD.) Eine Abord­nung indischer Rationalisten begab sich heute zum Vizekönig und verlangte die Einberu­fung einer Konferenz sämtlicher Parteiführer so­wie die Freilassung der politischen Gefangenen. Der Vizekönig lehnte dieses Ersuchen ab und er­klärte, er werde die bisherige Politik fortsehen, solange die Rationalisten fortführen, die Gesetze zu verletzen.

Ratifikation des Abkommens mit Bel­gien in der luxemburgischen.Kammer.

Paris, 23. Dez. (WTB.) Rach einer Havasmeldung aus Luxemburg hat die Kammer mit 27 gegen 13 Stimmen bei 8 Enthaltungen die Ratifizierung des bel­gisch - luxemburgischen Abkom­mens beschlossen.

Das belgische Rckrutenkontingent für 1922.

Paris, 22. Dez. (WTD.) Rach einer Meldung aus Brüssel hat der Kriegsminister in der Kammer einen Gesetzentwurf einge­bracht, durch den das Kontingent der Re­kruten für 1922 auf 113 200 Mann fest­gesetzt wird.

Amsterdam und Moskau.

DerRoten Fahne" zufolge hat das Zentralkomitee der kommunisti­schen Partei Deutschlands beschlos­sen. hei der Exekutive der kommunistischen Internationale zu beantragen, schleunigst Schritte zu unternehmen, um ein Zusammen­wirken sämtlicher Organisationen der Arbeiter­klasse (der zweiten Internationale in Amster­dam, der Wiener Arbeitsgemeinschaft, des internationalen' Gewerkschaftsbundes, der roten GewerkschaftSintsrnativnale und der kommunistischen Internationale) zustandezu- bringen. Die Ziele dieser gemeinsamen Aktion sollen u. a. sein die internationale Anullie- rung aller Kriegsschulden, die Verhinderung neuer Rüstungen, die Verhinderung von Ge­waltmahnahmen des französischen Imperia­lismus und die Anerkennung Sowjetrußlands. Von der Abftjmmuug in Ocdenburg.

Wien. 22. Dez. (WTB.) Bei der Ab- ft t m m u n g in Oedenburg entfielen, wie der Oedenburger Heimatdienst" meldet, in vielen Ge­meinden der Umgebung Oedenburgs trotz des Terrors bei 7885 Stimmberechtigten von 6765 abgegebenen Stimmen 54,6 Prvz. auf Oesterreich uno 45,4 Proz. auf Ungarn.

In Albanien herrscht Ruhe.

G e n f, 23. Dez. (WTB.) Entgegen umlaufen­den Rachrichten, dah in A l b a n i e n eine Revo­lution ausgebrochen sei, teilt die Untersuchungs­kommission des Völkerbundes mit, daß sich der Regierungswechsel in Albanien in vollkommener Ruhe und ohne Gewalttätigkeiten vollzog. Es herrscht völlige Ruhe.

Eine (Erklärung des Reichstagspräsidenten.

Berlin, 22. Dez. (WTB.) Dom Präsi­denten des Reichstages wird uns ge­schrieben : Durch die rasche Vertagung des Reichs­tages am letzten Sonntag vor Weihnachten ist die Anregung mehrerer Parteien unerledigt ge­blieben, die sich mit den Besorgnissen der deutsch stämmigen Bewohner des pol­nischen Abtretungsgebietes und an­derer Gebiete wegen der Möglichkeit einer spä­teren Wiedereinburgerung in Deutschland im Falle des Verzichts aus die Option befassen. Am 10. Januar endet nämlich die Optionsfrist für die Bewohner einer Reihe von Abtretungsgebie­ten in Polen, Danzig usw. Rach fast zweijähriger Bedenkzeit müssen die Optionsdeiechtigten sich endgültig entscheiden, ob sie die durcy den Frie­densvertrag automatisch erworbene polnische oder eine sonstige fremde Staatsangehörigkeit beibe­halten oder in die deutsche RcichsanMehörigkeit zurückkehren wollen. Wirtschaftliche und andere Gründe, wie die Erkenntnis der Schwierigkeiten, die sich unter den heutigen Verhältnissen auch in Deutschland dem Wiederaufbau neuer Gristenzen entgegen!!eilen, werden viele Deutschstämmige in den Abtretungsgebieten veranlagen, vielleicht so­gar zwingen, die neucrtoorbenc Staatsangehörig­keit des Landes, in dem sie lebten und leben, zu behalten und auf die Option für Deutschland augenblicklich zu verzichten. Die'e Deutschen kön­nen versichert fein, daß im Reichstag darüber Einmütigkeit herrscht, daß Vorsorge getroffen wer­den muß. damit den Deutschstämmigen aus den abgetretenen Gebieten, die fpälcr die Reichsange- böiigkit wieder erlangen wollen, keinerlei Schwie­rigkeiten bereitet werden, sondern im Gegenteil jede mögliche Erleichterung bei den vorgeschrie- benen Formalitäten gciräort wird. Sine solche Forderung des Reichstages an die Regierung wird die allgemeine 3uft immung der Parteien und auch bereitwillige Befolgung bei der Re- gierung finden.

Ein ßcHüertrag zwischen Danzig und Polen.

Danzig, 22. Dez. <WB.) Auf Grund des Art. 21? Ab'. 1 des Abkommens Dom 24. Ot­to der zwilchen der Freien Stadt Danzig and Polen zur Ausführung der Ergänzung der Pol­nisch-Danziger Konvention vom 9. Rovemder 1920 ist ge'em m Warschau von tem polnttchen Minister für Handel und Gewerbe, Strasburger, und den Danziger Senatoren Dr. Volkmann und I e w e l o w S k i eine Verein barang unterzeichnet worden, nach der die Freie Stadt Tanztg das Recht hat, für das Einfuhren be­stimmter Waffengattungen in ihr Gebiet Zoll- Ermäßigungen vom autonomen Zolltarif tm Rah­men eines festgesetzten Kontingents zu gewähren. Die ÄDTtingente find für den Bedan eines JahreS temeffen. doch müssen die Einfahren bis ztm 30. September 1922 bewirkt werden.

Um die wirtschaftliche Anpassung Danzigs an die polnischen Zollgesrhe zu erleichtern, wer­den Maschinen mit Zubehör für Danziger 3nt> i- ftrteile, Gewerbetreibende. Handwerker und Land­wirte. welch: ihre Betriebe auf die veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse einftellen, ober neue Betriebe aus dem gleichen Anlaß errichten, bis zum 31. Dezember 1922 zollfrei in das Gebiet der Freien Stadt Danzig hereingelassen. Die Errichtung oder Umstellung dieser Betriebe muß spätestens biS zum 31. Dezember 1922 im Dange lein.

Tie von der Danziger Regierung gestellten Anträge wegen ber Aufnahme von Waren in die Jollvergänstigungsliste werden, soweit wie mög­lich, berücksichtigt und die zukünftig von Dan­ziger Seite gestellten Anträge wegen der Auf­nahme von Waren in die Zollvergünstigungsliste werden mit größtem Entgegenkommen behandelt werden. Als Veredelungsverkehr wird auch be­handelt, trenn Danziger Betriebe Rohstoffe. Halb­fabrikate und Scrlig'abrilatc aus dem Auslände cinführen und die daraus erzeugten Fabrikate oder die gleiche Menge fron Halbzeugfabrikaten bzw. Ganzfabrikaten ober Waren derselben Act wieder ins Ausland zurücksühren. Tie Einfahren der genannten Materialien usw. genießen Zoll- freiheit. AuslärLftche Films können zoll'rei her- eingclassen werden, wenn sie lediglich zum vor­übergehenden Gebrauch eingeführt und nach läng­stens drei Monaten ausgeführt werden. Waren, die nachweislich spätes ms am 31. Dezember 1921, am 30. Sep ember 1922 ober am 31. Dezember 1922 zum Ei'enbahn- ober Schiffahrtstrans Port ausgegeben werden, sinb nach den an den ge­nannten Tagen geltenden Bestimmungen unbZoll­sätzen zollamtlich abzusertigen. Ausgenommen sind Waren, welche an den genannten drei Tagen in den Danziger Zollagern amtlich unverzollt sich befanden. Wegen der Behandlung von Zucker, Saccharin, Zigaretten und Spiritus sollen weitere Verhandlungen stattfinden, die möglich^ Mitte Januar 1922 beginnen werten. Zugleich soll we­gen des Abbaues der Wirtschastsgre.rzen vor dem 1. April 1922 ebenfalls verhandelt werden.

Aus dem Reiche.

Beschlüsse deS ReichSrates.

Berlin, 22.Dez. (WTB.) Der Reichs- rat hat in feiner heutigen letzten Vollsitzung vor Weihnachten den von der Regierung auf- gestellten Richtlinien für die Verwendung der im RachtragSetat für 1921 vorgesehenen 100 Millionen Mark zur Unterstützung not­leidender Kleinrentner nach dem Ausschußantrag, ferner einem Antrag der Reichsregierung, daß der ReichSarbeitS- minister ermächtigt wird, bis zum Betrage von 50 Millionen Mark vorläufige Zuschüsse zu leisten, auS denen diese Unterstützungen ge­währt werden sollen, angenommen. Ferner genehmigte der Reichsrat die Rovelle zum Ge­setz über den Verkehr mit Kraftfahr­zeugen, in dem die Haftvflichtsummen er­höht werden. Gemäß dem AuSschuhbeschlusse strich das Reichsratsplenum beim dritten RachtragSetat für 1921 an der PositionZen­trale für Heimatdionst" zwei Millionen ab und bewilligte nur 4 Millionen. Die nächste Sitzung findet am 12. Januar statt.

Die Beamtensorderungen.

B e r [ i n, 22. Dez. (Wolff.) 3m Reichsfinanz- miniflerium fand heute eine weitere Aussprache mit den Führern ber Spihenorgani- 'I a t i o n e n statt Die Forderungen der Organi­sationen vom 3. Dezember sollen nach der Lage der Verhältnisse modifiziert werden. Die Bera­tungen finden voraussichtlich in der ersten Hälfte des Monats Januar statt. Alle gegenteiligen, in der Presse verbreiteten Rachrichten sind unzu- treffenb. 3m übrigen legt bas Reichsfinanzmini- flerium Wert darauf, ausdrücklich festzustellen, daß es sich bei den durch die Presse bekannt­gewordenen auf die Ortsklassen A and b be­schränkten Vorauszahlungen eben nur um Vorauszahlungen der am Monatsende fälli­gen gegenwärtigen Bezüge, nicht um Vor­schußzahlungen auf die künftige Reuregelung banbelt.

Die Arbeitszeit des GifenbahnperfonalS.

Berlin, 22. Dez. 3m Reichsverkehrsmini­sterium wurde der Entwurf des Gesetzes über die Arbeitszeit deS Eisenbahnperso­nals auSgearbeitet. Der Entwurf macht einen Unterschied zwischen der Arbeitszeit als Zeit, ber wirklichen Arbeitsleistung und der sogenannten Dienstbereitschaft. 3n besonderen Ausführungs­vorschriften wird geregelt, ob und in welchem Umfang die Dienst Bereitschaft auf die Arbeitszeit anqcvccbnct werden kann SS besteht danach die Möglichkeit, daß die Dienstdauer der Beamten auf über acht Stunden ausgedehnt werden kann, sofern nur die Arbeitszeit acht Stunden innerhalb dieser Dienstschicht nicht überschreitet. Der ®nt- tourf macht somit schematisch den Achtstundentag Aum Achtstunden-ArbeitStag. Die Dienstschicht darf nach dem Entwurf höchsten- fünfzehn Stun­den betragen. Dieses Höchstmaß wird aber nur dort zur Anwendung kommen, wo infolge ein­facher Verhältnisse geringe Anforderungen an die Arbeitskraft des Personals gestellt werden.

Gereizte Etrmuumg unter den Eisenbahnern.

Berlin. 23. Dez DemVorwärts" und der .Freiheit" wirb vom Vorstanb des Deutschen Eisenbahnerverbandes geschrieben, daß aus allen Teilen deS Reiches Rachrichten eintref­fen, die auf den Ernst ber Stimmung unter den Eisenbahnern aufmerksam machen. Der Vorstand

hat das Reichsfinanzministerium und da- ReichS- verkehrsmimsterium auf die drohende Gefahr eines Sisenbahnerstrettes hingewiesen. Er ha: wei:er be­tont, dah er nicht mehr in der Lage ist, das Ver­hängnis aufzuhalten, wenn die für einen Teil des Personals bereite genehmigte Vorschußzahlung nicht auf die übrigen Beschäftigten ausgedehnt wird.

Generaloberst v. Beseler

Berlin, 22. Dez (Wolfs) Generaloberst v. B e f e l e r ist am DienStag abend im 72. Le­bensjahr gestorben.

Die neue braunschweigische Verfassung.

Braunschweig, 22. Dez. (WTB.) Die Landesversammlung hat heute mit 44 gegen 9 Stimmen die neue StaatSverfas- f u n g in dritter Beratung angenommen. Für die Verfassung stimmten ein Teil des Land^wahl- verbandes, die Demokraten, die Rechtssozialisten und die Unabhängigen, dagegen vom Landes- wahlverband die Welfen und die Deutfchnativ- nalen, sowie die Kommunisten Ein Konflikt ent­spann sich um den Artikel 2, in dem es heißt, daßdurch Umgestaltung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse alle Klassenunter­schiede zu befeiligen sind. Rach mehrmaliger Unterbrechung der Sitzung erklärte schließlich ein Vertreter der Rechtssozialisten, daß feine Partei, um die Annahme der Verfassung zu sichern, ange­sichts der ablehnenden Haltung der Kommunisten gegen die Vorlage ber Streichung dieses Artikcls zu stimmen, dessen Richtigkeit sie aber nach wie vor vertrete Die nächste Sitzung findet am 3. Januar statt.

Das Ergebnis der Frankfurter Sozialisten­tagung.

Frankfurt, 23. Dez. lieber das Er­gebnis der Frankfurter Sozial! st enkon- ferenz wird offiziell berichtet, daß die Un­abhängige Arbeiterpanei Englands und die französische Sozialistenpartei den Auftrag er­halten haben, sich mit der englischen Arbeiter­partei In Verbindung zu setzen, um eine i n - ternatio na le Konferenzallerpro- letarischen Parteien der von den Ver­trägen von Versailles und St. Germain be­rührten Länder etnzuberufen. Diese Konferenz? soll die wirtschaftliche Lage Europas und das Reparationsproblem prüfen.

Aus Stobt und Land.

Gießen, den 23. Dez 1921.

Die Weihnachtsbriesmarkc.

ES gibt beute bei uns Briefmarken in allen möglichen Farben, mit allen mög­lichen Bildern und Aufdrucken und zu aflin möglichen Zwecken Warum lolllcn wir nicht auch eine Weihnachtsbriefmarke Haden, zumal wenn sie den Zweck dieses Festes der Liebe und.des Spen­dens sinnig verkörpern würde? 3n verschiedenen andern Säubern sind solche WeihnachtSbrres märten gelegentlich, geschaffen worden Den ersten Versuch machte wohl Dänemark, bas vor einer Reihe von Jahren zu Weihnachten eine Brief­marke herausbrachte, die mit dem Bilde des Königs geschmückt war und zu Gunsten eines Krankenhauses für tuberkulöse Kinder verkauft wurde. Dieser Gedanke ist dann in größerem Maßstabe von dem amerikanischen Roten Kreuz ausgenommen worden. 3m Staate Delaware wurde zunächst durch private Kreise eine 1 Eent- Marke in 50 000 Stück hergestellt und zu Gunsten des Roten Kreuzes verkauft. Diese 50 000 Marken waren in einer Woche vergriffen, und so wurden noch weitere 350 000 hergestellt, die den für da- malige Zeit stattlichen Betrag von 4000 Dollars einbrachten. Das Rote Kreuz der Vereinigten Staaten hat dann Weiimachlsbrieftnarken für ganz Amerika in den Handel gebracht und damit ziem- ttche Beträge zur Bekämpfung der Tuberkulose erzielt. Die Briefmarke macht natürlich keine Postsendungen frei, sondern wird nur als Beglei­terin der Staatsmarke aufgeklebt. Sie verkörpert so recht den Geist der Weihnacht, der Menschen­freundlichkeit allen Armen und Rolleidenden und natürlich besonders den Kranken gegenüber predigt.

ZScttervoraussage

für SamStag.

Zunahme der Bewölkung, zeitweise Rieber­schläge, Temperatur wenig verändert, Winde au- westlichen Richtungen.

Das gestern noch über Frankreich gelegene Hoch ist von dem auS Rordwesten vordringenden tiefen Druck nach Osten zurückgebrängt worben. Ausläufer ber nörblichen Depression dürsten un­unbeständige Witterung bringen.

** Amtliche Personalnachrichten. Am 14. Dezember wurde der Ministerialamtmann Oberförster Karl Hesse zu Darmstadt zum stän­digen Hilfsarbeiter bei dem Ministerium der Finanzen, Abteilung für Forst- und Karner al- Verwaltung, unter Verleihung der Amtsbezeich­nung . Forstrat" vom 1. Rovember 1920 an ernannt. Am 17. Dezember wurde ber Haupt- staatSkafse-Oberbuchhaller Ludwig Deck au Darm­stadt zum Ministerial-Oberrevlsor bet dem Mi­nisterium der Finanzen ernannt. - Ernannt wurde am 14. Dezember der Drivatdozent und Borstanb des Photographifchen JnfHtutd an der Technischen Hochschule, Professor Dr. Fritz ßimmer zu Darmstadt, zum außer planmrßioen außerordent­lichen Professor an ber Technischen Hochschule zu Darmstabt. Am 16. Dezernber 1921 würbe der ehemalige Fvrstwart Otto Buch zu SichelSdorf zum Förster ernannt. liebertragen wurde am 17. Dezember dem Lehrer Philipp Ätef er au» Metz. z. 3t mit der Verwaltung einer Schuft!elle zu Spenblingen, Kreis Offenbach, beauftragt, eine Lehrerstelle an bet Volk-fchule zu Sprendlingen. Krei- Offenbach.

Steuerbücher. Unter Bezugnahme auf die am 13. b. Mts. erfolgte Bekanntmachung wird nochmals darauf hingewiefen, dah sämtliche Ar­beitnehmer und Befoll>ungSempfänger ihierzu ge­hören: Dienst- und Hau-personal, Arbeiter. An­gestellte, Beamte. Rubeaehalt-errtofänger usw.', bis spätesten- zum 24. Dez«nber 1921 im Besitze von Steuerbüchern sein müssen. Die Ausstellung der Steuerbücher erfolgt tm Ötabtbaufc Berg­straße 20. Zimmer Rr. 14. Vom 1. Januar 1922 ab bilden Steuerabzüge nur noch auf Drunb dieser Steuerbücher erfolgen.

* Lieber den Steuerabzug vom Ar­beitslohn findet sich im heutigen Anzeigenteile eine wichtige Bekanntmachung des Finanzamtes.