Nr. 275 Zweites Blatt
Kjehener Anzeiger (Generalanzeiger für Gderheffen) Mittwoch, 25. November 1921
Die Notlage desgeitungsrrir ens.
Der interfraktionelle Reichstags- anslch ; für das J«i’a dal in bie en
lagen dne inLabung an bic Berrreter der Der- legetütgantfationen erlatlcn. um diesen Gelegen» hdt »u geben über die Ichwere üage. in der ftch frei Zetru-igSwefen augenblicklich befindet, zu te* rtzchren Die 2ldgeordneren des 2üißk uifed waren detxlUQ i>en dem Gefühl der Bedrohung der beitfcixii Presse, die au» den steigenden virtschust- Scheu Schwierigkeiten dieser Zage erwächst durchdrungen äiru erschreckende Auswirkung dreier Rotlage zeigt die Tatsache, dal; ein öeitunge- korresponoe." in Holland mehr als 703 003 Mark für das 3abr beanspruchen muh. um überhaupt Üben *u können, zeigt der Umftanb, dah eine Berichter i iung über die Abrüstung skonlerenz Mm Wat hington für Deutschland der boten Holten rvegen nicht in Betracht kommt, dah <il,o die Urte lieb ilbunq des ganzen deutschen Aolkes, feiner Führer und oeroulwortltchen Leiter ohne eine Möglichkeit der .Kontrolle und Rachprüfung der fremden Berichterstattung überant- »ortet und damit zum mindesten den Beein- fluNungen von Reuter und HavaS auSge'enl ist. Was es bedeutet, wenn wir noch weiter und aus die Dauer in auhenpolitischen Dingen lediglich von fremden Aachlichtenque"ei informiert werden. das ausgumessen, ist nlu>; schwierig.
Hiermit erschöpft lich aber die Auswirkung der gegetuoartig.'n Rottage in national-politischer Hinsicht noch nicht 3n Deutschland zeigt sich Mute das gleiche Bild wie in Oesterreich das Ausland-kapital will deutsche Leitungen te die Hand bekommen Gibt es hiergegen noch eine Abwehr, wenn die Rotlage der Zeitungen chronisch geworden sein wird?
(Ze schwerer der deutschen Presse da» Durch- kommen gemacht wird, desto weniger wird sie in der Vdflc fein, ihre kulturellen Aufgaben zu pflegen und die Sigenarten der bcutldxn Stämme in sich weiter zu tragen. Die mühte notwendigerweif» i>erflachen und würde immer mehr genötigt sein, ihr Gesicht nach den billigsten und uniform- Men Zügen zuzuschneiden und damit den L ha ratter der ganzen Struktur des deutschen Dolles zu verwischen. Der Sinfluh einer Presse, die dieser Schematisierung ausgelieferi wäre, ist in ihrer Gefühl süi das kulturelle Dasein eines Dolles sattsam bekannt. Man braucht nur auf den Rorth- cltfsc-Äonzern verweisen, der In Amerika ebenso gut wie in Paris seine Ableger besitzt und von dem es heißt dah es ihm auf dem Wege Über die letztgenannte Stadt bereits gelungen ist, sich in Deutschland fesizufeyen.
Ss ist noch in frischer Erinnerung. dah der Reichstag und der zuständige ReichStagSausschuh zweimal beschlossen haben, die Regierung zu er- fuchei- da» Z e i t u n g - d r u cl p a p i e r zu einem ermäßigten Frachtsatz durch Derseyung in die Gütertariftransportklasse B befördern zu lassen. Diese Entschließung war sogar einstimmig vom Reichstag gesoßt worden, wurde jedoch vom Reichsverkehrsmlnisterium nicht be- r ü ck s t ch t i g t. Unb dazu tritt nun noch daZ weit größere Hemmnis, daS den deutschen Zeitungen von der A.ichssinanzncrwaltuiig durch die Belastung mit der Inseruten-L u f u i steuer auserlegt wird Die ganze Unsinnigkeit einer Finanzpolitik, die ein DermitllungS- und DerkehrSinstitut höä)- ster Bräponderanz, wie eS die Presse barstellt, mit erhöhten Sondersteuern langsam erdrosselt, zu kennzeichnen, soll hier nicht nochmal- versucht fein. E- gilt aber anläßlich der bevorstehenden Beratungen bei Reichstages über bk Abänderung des Umsatz st euergeseheS die Der- ! re ter de^ Deutschen Reiches zum letzten Male darauf aufmerksam zu machen, dah doch auch sie daS größte 3ntercffc daran haben, daß eine unabhängige und gesunde Presse dem deutschen Dateriande erhalten bleibt, und dah sie mithilft, über die Rot der Zeit hinwegzukommen, und bei den Aufgaben deS Wiederaufbaues kräftigste Stütze ist.
Sitzung der Stadtverordneten.
Dlehen, 23. Rov. 1921.
Die gestrige Stadtverordnetenversamm- £ung, die in Abwesenheit des erkrankten Ober» LrgernteisterS von Bürgermeister Ären- zien geleitet wurde, hatte sich insbesondere mit zwei Dorlagen zu beschäftigen, die von allgemeinem Interesse sind, mit der A n - Passung der Gehälter und Löhne der städtischen Angestellten und Arbeiter an die neuen RetchSsätze, und mit dem Dau Programm für daS Jahr
1922, bzw^ da ein solches noch nicht vor- gelegt werden konnte, mit der Finanzierung der vorgesehenen Bauten. Beide Dorlagen wurden nach eingedender Aussprache in Der von den Ausschüssen vorgesch'.agenen Fassung mit kleinen Deründerungen angenommen. £tn< ausgedehnte Beratung fand ferner über die geplante Vergnügungssteuer statt.
Die Akustik tin Lryungsfaale war diesmal etwas besser, weil man ben Fahnenschmuck wieder angebracht hatte. Hoffentlich lüht sich eine endgültige, zufriedenstellende Lösung finden.
Anwesend lind Bürgermeister Ärenzien. die Beigeordneten und 27 Stadtverordnete
Zur Anpassung der Gehälter unb Löhne der städtischen Angestellten unb Arbeiter an die neuen Reichvläye wird oorgeichlogen. mit Rückwirkung vom 1 Oktober ab den stäbtitchen Beamten chre Gehäller entsprechend den Reichslätzen zu zahlen, den Arbeitern mit demselben ,zritpunkt die mit den 2lrbeitnehmern verein- batten höheren Löhne zu zahlen, unb den Magi- siratsmitgliedern 90 Prozent bet Gehalts zu getrübten. wie es in ben diesbezüglichen Blusen der Reichs besoldungsordnung vorgeiehen ist. Rach eingehendet Aussprache, in der von den Tteb- nem sämtlicher Parteien eine Revision der Be- soldungsordnung unter stärkerer Berücksichtigung der unteren Stufen verlangt unb vom Bürgermeister Ärenzien für die nächste Zeit in Aussicht gestellt wurde, lehnte die Deriammlung einen Antrag des Stabtv Schmahl, über die Gruppen 1- 9 gesondert abzustimmen, ab und nahm die Dorlage In der vorgeschlagenen Form an.
Die Rückzahlung der ben auherplanmä- higen Beamten biS zur Sinftufung in bie neue BefoldungSorbnung zuviel gezahlten Bezüge würbe vvrlchlagögemätz für erledigt erklärt.
Der nun zur Beratung stehende Entwurf einer Dergnügungssteuer-Orbnung würbe, nachdem sich bei der ersten Abstimmung UnQar beiten ergeben hatten, in der zweiten angenommen. Ein Dertagungsantraa wurde ab- gelehnt, desgleichen eine von dem Stadtv. Dr Ärauömüllcr vorgeschlagene Aenberung
Das Gesuch ber hessischen Arbeits- gemein schäft für bildenbe Kunst in Daimstabt um Gewährung eineS ZahresbeitrageS tolrb vorschlagsgemäß abgelehnt, bagegen für bie hauptamtliche De rwaltun g beS Fulba- Lahn-Äanal-BereinS ein Betrag von jährlich 5000 Mk bewilligt
Für zwei Rechenmaschinen für bas Ötabtbauamt unb daS RechnungSaml genehmigt die Versammlung bie Ausgabe von je 9000 DU.
Zu dem nächsten Punkt ber Tagesorbnung: Bauprogramm für bas Zahr 1 922 erklärt Bürgermeister Ärenzien. baß ein Bauplan noch nicht vorgclegl werben könne die Stabt- Verwaltung beantragt, ben Rest aus bem vom Reich überwiesenen Fonbs von 2 Millionen in Höhe von 640 000 Mk. für städtische Zwecke zur Erbauung von Wohnungen in ber verlängerten Bleichst iahe zur Derfügung zu stellen. SS ent- spinnt sich eine lebhafte Aussprache, die schließlich in folgenbc Anträge zusammen gefaßt wirb: Stabtv. Winn beantragt, die 640000 Mk. zu teilen zwifchen bet Stabtverwaltung unb ben Dangen off e nfchaften. ba bie private Bautätigkeit auf jeden Fall gefördert werden müsse.
Stabtv. Winn beantragt weiter, bas Stadtbauamt zu beauftragen, in 14 Tagen eine Dorlage für bas Bau Programm im Jahre 1922 auSzuarbeiten.
Stabtv. Fourier beantragt, bie Doriage zu vertagen, bis daS Bauprogramm aufgestellt ist.
Bei der Beratung wirb bie Dorlage in ber urfprün gliche n Form angenommen, jedoch mit ber vorn Stadw. Winn beantragten Fvrberung auf Dorlegung eines Bauprogramms seitens beS StadtdauamteS innerhalb 14 Tagen.
An Zuschüssen auS Mitteln ber probukllven Erwerbs lvsenfürf vrge werden an bie Da ugenofsens cha f t 1894 6000 Mark, unb an McUniDer|ität®icßen 2000 Mark bewilligt
Der Jahresbeitrag für den Der- band ber Elektrizitätswerke am Mittelrhein wird vvn 30 000 auf 100 000 Mark erhöht.
Dem Gesuch deSTcchnikersvchmanb um Gewährung einer Entschädigung für Benutzung seines Fahrrades zu dienstlichen Zwecken wird entsprochen.
Tlach längerer Aussprache wird der Antrag Michel unb Genossen, ber die Hin- Wtebung eines zweiten Sachveritändigen, eines Mieters, bei Streitfällen vor dem Mieteini-
gungftamt wünscht, mit ber Begründung des Aechrsauslchalles abgdebnt da»-, der Antrag einen gesetzlich unzulässigen Eingris, in die Rech.a des Titetrtrnffung6amic# dari'.eUen würde und utwerbie» durch eine frühere Bersügung erledigt fei.
Der Ärebit von 20 000 Mark für Mc Umzäunung ber städtischen Dcnnis - Plätze wird bewilligt. da nach den bisher etn- gelaufenen Bestcllungcii für das nächste ?abr mit einer baldigen Amortisation zu rechnen ist.
Die tn ä:o<k kommendestädltlchenMo- biliare werden Im Werte von 1 Million Mark versichert
Dem Gesuch nm Ersatz des Gin- bruchsschadens im Schulg.daude bei Höheren Dlädchenschule in Höhe von 409.10 Mart enrb ent'prvchen Stadw Muller regt in dce- lern ^Zusammenhang an. es möge eine ÄontroUr erngc richtet werden, für städtische und staatliche Gebäude gemeinsam, wodurch auch bie ÄunMgung von drei lange tm Dtenste stehenben Stadt^chun- leuten widerrufen werden könne Bürgermeister Grenzten stellt in Aussicht. baß ber Anregung Folge geleistet werde
Für die Beschaffung vvn Gegenständen für bte Entlausungsanstalt brr Stadt-Mädchenschule, bie durch Einbruch entwendet wurden, wird ein Rrebtt von 1000 Mart genehmigt.
Aul Antrag werden noch zwei Punkte der Tagesordnung für bie öffentliche Sitzung hinzu- gelugt Der erstere forbert bie Srhöhungbes Jahresbeitrages für bie Historische Ävm m i 1 s i on von 100 auf 1000 Mark, wvburch die Stadt Gießen ermächtigt werde, ein stimmberechtigtes Mitglied tn die Kommission zu entsenden. -- Ferner wird beantragt, die Er» werbSlosenfürsorge nach ben jeweils vom Reiche zugelassenen Höchstsätzen zu regeln. Beide Anträge werden angenommen.
Die öffentliche Sitzung wird darauf um IMi Uhr geschlossen
Aus dem -lmkHvcrkiindtgttNgoblatt.
•• Das AmtsverkündiaungSdlatt Rr. 167 vom 22. Rovember enthalt: Landtagswahl 1921. hier Mitteilung des Wahlergebnisses — (Sinlommenftcueranteile ber ®cmeinben für 1921 Wochenhilfe. Famillenwvchenhilfe unb Dochenfürforge — Viehseuche
Handel.
Berliner Devisenmarkt.
Geld Brief Geld Brief
Datum: 21. Nov. 22. Non.
Amsterdam-Rotterb. 9515,45 9534,65 9890,10 9909,90 Brüstel-Antwerpen. 1888,10 1891,901923,05 1926,95 tbriftiania 3846,15 3553,85 3996, - 4004, - Kopenhagen 4935/ 5 4944,45 5194,80 5205,20 Stockholm 6333,66 6346,35 6553,10 6L66 69 Helsingfsrs 532,45 533,55 544,4 5 545,55 3t alien 1083,90 1086,10 1143,85 1161,15 London 10 3,901088,101121,35 1123,65 Reuhvrk 270,47 271,03 280,71 281,29 Paris 1958, 1962, 1973,- 1977,- Schweiz 5034^95 5105,13 5294,75 5305,30 Spanien 3721,25 3728,753846,16 3853,85 Wien «altes) . . . .
Dentsch-Oesterr.... 9,48 9^2 9,28 9,22
Prag 279,70 280,30 292,70 293,30
! Budapest 29,07 29,13 29,67 29,73
Buenos Aires . . . 88,40 88,60 90,90 92,10
Bulgarien , - -, —
Äonstaniinvpel ...
Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt:
Datum: 1.7.14. 21.10. 22.11.
Zürich Fr. 125.40 1,96 1,90
Amsterdam Fl. 59.20 -1,01
Kopenhagen Är. 88 80 2,15 2 < 6
Prag Är. 117.80 34.50
Stockholm Är. 88.80 1,65 1,66
Wien Är. 117.80
London Sh. 97.80 —1.74
Paris Fr. 125.40 5,12 5,12
Züricher Devisenmarkt.
22. 11. 23. 11.
Wechsel auf Schweizer Franken
Holland 100 Fl- — 187. - 187.60
Deutschland 100 Mk. — 1.925 1.925
Wien 100 Ät. * 0.19 0.17
Prag 100 Är. = 5.30 5.6-3
Paris 100 Fr = 38.4» 37.75
London 1/ - 21.25 21.22
Italien 100 2. - 22.10 21.85
Brüssel 100 5r. *= 37.15 36.60
Budapest 100 Är. - 0.575 0-575
Reuyork 100 $ = 531 - 531.- Agram 100 Är. — 1.70 1.75
Bukarest....... 100 2 =
(In einem Teil der Auslage wiederhoU.) Die Erklärung der übtic,en Derlreier nach btt
Rede Driands.
Parts. 22 Rov t WTB) Der Sonderberichterstatter der Ä (Cntur HavaS meldet aus Washington .'lach Br.and ergriss Balfour das Lorr er erklärte daß die fo freimütige Etllärung Tktanb-3 in bezug auf die Be- unrubigang und die Befürchtungen Frvnlrelchs ren allen Mitgliedern ber Xommistlvn voll gewürdigt werde Er fügte hin^u dav England und bt.- Bereinigten Staaten Infolge ihrer g«*- graphifchen Lag lern von vielen Gefahren unb Schrri.»igleuen ftd> iKlänben, benen Frankreich auegefent lei Balfour erkannte ml t Traurigkeit an. baß bie Rebe bie Bri » a n b gehalten habe, keine augenblicklich ermutigenden Perfpektiven für die Lösung ber Frage ber militärischen Abrüstungen gebe, aber bie Beweggrünbe. bic Frankreich beherrschten. feien diejenigen, für die Großbritannien gekämpft habe, und es feien diejenigen, die inchl aulvhbnrt bätlcn, ben Geg nstanb 1einer Bestrebungen zu bilden Brland habe die Befürch. tung a.iSgefprvchen Frankreich könnefich m o • ralif ch ifoliert fü hlcn. das würde-ein. traurige Sache fein. Die Freiheit der Welt im allgemeinen und in Frankreich im be- sonderen müsse aufrecht erhalten und gegen jede Politik ber Beherrschung ber Frankreich benachbarten 2lationcn fieber gestellt werden.
Der italienische Delegierte Schau- -er erklärte, baß obzwar Italien ber An'KV« sei. baß ein Siscltivbestand von 200 000 Mann für bic ltallenifch> Armee notmenbig sei. die italienische Regierung bie Frage neuer Herabsetzungen prüfen würde
Admiral Äato erklärte für 3aßan: 3<«>an wolle für fein Heer nur die für dir Landes- Verteidigung abfolut notwendige Effektivstärke.
Der belgifche votfchafler »artle ' de Warchienne sprach vvn ber Verletzung ber belgischem ReutralitSt. Gezwungen, über feint Sicherheit zu wachen, habe Belgien tm Oißie 1920 mit Frankreich ein rein befen- live» Abkommen gegen einen benttchen Angriff adgesthlosfen Es könne feine Bewaffnung nicht weiter IxrrdMehen; >ebvch fei kein Start mehr gegen ben 5drfeg, In dem es fo viel gelitten habe, al» Belgien
Siaatsfektetär Hughes dankte Brland. ber fo beredt und so volllommen Frankreichs Lage und Politik definiert habe. Das Herz Amerikas habe sicher vibriert. alS es während deS Ärieges ben Wert Frankreichs, feine Opfer gesehen habe Die Erimterung an seinen Widerstand für die Sache der Freiheit werde in Amerika unauslösch- lichllein Die Worte Briands würden vvn einen Ende zum anderen der amerikanischen Staaten wider hallen und würden begreifen lassen, daß. wenn es auch Schwierigkeiten und Hindernlstt auf dem Wege des ewigen Friedens gebe. Frankreich ledvch ben Willen habe, ihn zu «reichen.
Die Wah< ber badischen Regien»-.
Äar lsru he, 21. Rvv 3n der heutigen Sitzung nahm ber Landtag die Wahl bet Regierung vor. die verfaffungsrnäsUg nah feder Lanblagsneuwahl zu erfolgen hat. Rach einer Vereinbarung unter den bisherigen Äoalitions- parkeien (Zentrum, Sozialbenwkratie, Demokraten), die von den 86 Lan dkogsma ntxi tm ülwr 61 verfügen, wurde auch die neue Rsgrentug Mieder- auf Grund der bisher'.-n Ävalttivn gebildet Bei ben heutigen Wahlen lauteten vvn 81 abgegebenen Stimmen 58 auf die bisherigen Minister Remmele (voz.) Inneres, Engler (Svz > Arbeit-Ministerium. Äöhler (Ztr.) Finanzen. Trunk <3tr.) Justiz. Dr Hummel ( Dem ) 5Vultu6 und Unterricht, und auf bic vtaatH- rätc (nur im Tiebenamt tätige ÄabinettSmUattv- ber): van Eyk (Ztr). Weißhaupt (3tr.) unb THarum (Soz ) öd barm würbe mit 56 von 79 abgegebenen Stimmen llnterrichtsmlnistrr Dr Hunvnel (Dem.) zum vlaatspräft- benten unb der b-sl«rlge Staatspräsident Zustizminister Trunk (3tr ) zum stellvertretenden Staatspräsidenten gewählt. — Bei sämtlichen Wahlgängen enthielten sich Deutschrrattonale, Deutsche Vollspartei. Äommunislen, M. v. P und Landbunb der Stimme.
Prof. Staudinger f.
Darmstadt. 20 Rvv. Im Alter von 73 Jahren starb hier Pros. Dr. FranzStau- d i n g e r. der sich um die Äonsumgenossenlchasts- bewegung große Derdienste erworben hab Pros. Staudinger. der bi- zum Jahre 1907 im Lehrberuf stand, bekannte sich polittfch schon vor ber Revolution zur sozialdemokratischen Partei.
Der Schuh im Blut.
Roman von Horst Bodemer.
44. Fortsetzung. (Rachdruck v«boten.)
.Run hab ich eine Frage! Wir sprachen vorhin von ber Ehrlichteitl Haben Sie biete Rächt in meinem Revier gewildert
„Äeinc Spur! Ti ich t wieder fett damals! Ich weiß telbß nicht recht, wie ich in bte Walber gc- Ftnuncn bin, ich hatte mit ein paar früheren vchullameraben scharf gezecht und . .
.SS genügt mir! Ich glaube Ihnen unbedingt! Außerdem wußte ich ba» schon von Ihrem Herrn Großvater, ber auS Sorge um Sie in Meter Tracht bei mir war!"
.Ich habe ihn rufen hören! Vor bem Wilderer, den Sie in Gewahrsam haben, hat men gjferb gescheut, ich fiel herunter — unb bi hat ber mir gesagt. Sie hätten eine Liebschaft mit meiner TRuitcr gehabt! Richt eher wollte ich u Großvater zurücllehven, biS ich Älarheit hatte. Sie werben bas verstehen, Herr 'Baronk"
.Volllommen! älnb we-l ber Mann das gesagt hat, werde ich ihn n:d)t laufen lassen, wie es meine Absicht war. sondern ihn den Gerichten übergeben. Ss könnte sonst au-sehen, als ob ich irgendeinen Anwurf auf mir ober gar au» ihrer Frau Mutter sttzen lassen mußte! . Unb nun bars ich Ihnen wohl einen Wagen anbieten! Ihr guter Herr Großvater ist in Sorge um Sie!"
Jetzt blickten HanS V-ärHahns Augen stahl- hart Den Ävps warf er in ben Racken.
.Ich danke Ihnen, Herr Baron, ein für alle Mal. unb wenn es sich irgend vermeiden läßt, werde ich Ihnen aus dem Wege gehens"
Adalbert Iüschen war ein ritterlicher Mann. Er verbeugte sich stumm und geleitete HanS Wär- Hahn biS zu der breiten Freitreppe vor bem Sch4vßportal.
Degen sechs Uhr erwach'.e der Oefonomierat. In Äleibcm unb Stiefeln lag er auf Hansens Bett. Er war sofort im Bilde. Eilte hinunter in Me Äüche zur Mamsell, f tagte sie, ob sein Enkel enMich zurückgekehrt sei. Stumm schüttelte sie den Ävps. machte sich am Feuer zu schaffen Und als ihr alter Herr gar nichts entgegnete, jagte sie endlich
.Der Henner ist vor einer halben Stunde weg- gegangen, über die Felder, zur Bahnstattva. Gr will mit dem ersten Zuge nach Wildurgen fahren!"
Seine Hand legte der Oekvnomte.at auf DusteS Schulter.
,Ru hör endlich auf! Jeden Tlugcnbild kann ba» Äüchenmrdchen vorn Melken kommen. Hal ber Henner denn gar nicht nach HanS gefragt r
.Er ist in seinem Zimmer gewesen unb hat Sie auf seinem Bett liegen leben!'
.Muß ich fest geschlafen haben: Alles Haus, bte Rocht hat mich fürchterlich mitgenommeni ®ib mir eine Tasse beißen Äafkc! Warum zittert denn beine Hand Jetzt beißt 5: Ruhe ist bie erste Bürgerpflicht! Der eigene Vater lauft aus bem Haute: Da müffen wir alten Leute es fdxffen! Ich hab keine ®ctulb u warten. biS ich um acht Züschen an rufen kann Dann erst läßt fich übersehen, was zu tun ist. Hol mir mein Fernglas runter, ich geb auf Me Anhöhe hinter ben Gärten. Punkt acht bin ich zurück!
Die TEamtell lief davon. Der Odorcmtorat teilte nicht sehen, wie tbr Me Tränen aus den Augen stürzten. Mit bem Henner hatte sie vor
hin eine erregte Aussprache gehabt, zur Ter- ^weiflung hatte sie seine Gleichgültigkeit gebracht. .Laß bas nur Großvaters Sache lein,“ hatte er gesagt, .an HanS ist bvch Hopfen unb Malverloren! Mein Gott, Me arme Grete! Hoffentlich läßt sich ber Schaben gut auSheilen. Sin entstelltes Mädel ist ja ein enttetzli-er Anblick!" Sie hatte ihm vorgestellt, baß er doch nichts daran ändern tonne, der HanS aber, wenn er wieder eine tolle Dummheit gemacht, bei schnellem Zagreisen hofsenllich zu retten wäre Ader Me TJor- i-alkungen hatten gar nichts genutzt Die Achseln hatte ber Henner gezuckt unb ertoibert: .Ich maH's ja bvch falsch nach Drvßvaters Ansicht, mag ber selbst sehen, wie er ben Schaben einrenkt. wenn bas überhaupt' noch möglich ist!" Sie hatte nichts mehr entgegnet, aber Me Wut war in ihr hvch^tiegen .Der Schaß im Blute" batte in ihren Augen Me WärhahnS vergiftet Der Anficht war sie schon lange.
.So. ba wäre laS Fernglas. Herr Ceto- nomierat'“
Der schnitt sich gerade ein Stück Brot ab. steckte es in Me Tasche, hing fich bas ,Fernglas um unb verließ ungewaschen unb ungekämmt bas Haus.
Breitbeinig flanb Thristvph Wär Hahn auf bei Anhrchc. bas Dtas an ben Augen Der stur- milchen -lacht war ein sonnenheller He. bst morgen gefolgt Er fuch.e Mc Wege ab. Me aus ben ,fü- r<tencr Wäldern kamen. Plötzlich ging ein Ruck durch lernen Äö«.per. Das Dlas druckte er fester an bie Augen Da kam ja ber Hans anmarschiert. Ganr deutlich erkannte er ihn Das verletzte Bein zvg er ein wenig mehr nach als sonst. Das Slas ließ ber alte THann finken. Sr zitterte am ganzen Äörver. Sin ilnglnd war dem Zun
gen nicht zugestvtzen. das blieb Me Hauptfach-, dann konnte alles noch gut werden. Vorausgesetzt. Hans schwindelte ihm nichts vor. sonst prügelte er ihn grün und Mau, und Gott mochte wisteu, welch harten »nttoluh er dann faßte. Sinseifen von dem Enkel ließ er sich nicht Du, nahm er sich fest vor ... Da nahm er immer wieder das ' Glas an Me Augen Jetzt konnte er Hänschens Vefjcht fchon ganz deutlich erkennen Sehr bleich war es, aber Himmelkreuzdonnerwetter, es lag etwas aus diesem Gesicht, was er bisher auf dein noch nützt gesehen. Daris VerzweislungV War es der Wille, einen festen Entschluß zu einer ganzen Tat ausreisen zu lassen? Herrgott im Himmel droben, wenn bas der Fall war! 5*0x5 alle gute Her^ hämmerte, hämmerte, trieb ihm ben Schweiß auS ben Poren, baß er auf der von Runzeln durchzogenen Stirn perlte . .
Als Hans noch zwei Kilometer entfernt war, hatte er schon Großvater gesehen Das Herz wurde ihm ganz weit. Seinetwegen stand der liebe, gute Großvater da oben. Unb bas Glas hatte er an ben Augen. Gut war es, baß ber Großvater ba oben stand, von ba aus tonnte er leine ganze schöne Besitzung überblitfen, Me er sich criämpst hatte In Gottes freier Raurr würde feinem Enkel das Reden leicher werden. Tenn nun wußte ber. was er wollte. Sin Anlauf sollte bas wirtlich nicht bloß werben. Roch war lange nicht aller Tage Abend, und auf ben Äobf gefallen war er auch nicht. Jetzt hieß es, zeigen, baß auch ein junger Wärhahn verftanb, fich durch Säs Leben zu beißen - als ganzer Mairn. . Länger wurden Hansens Schritte.
.Großvater — lieber Großvater!“ (Fortsetzung folgt)


