Nr. UZ Zweite; Blatt
Swangsoerbänöt der Krantznlafien.
Der Verband der Bctriebskran- kenkassen für Südwestdeutschland <Sitz Mannheim) schreibt uns:
Schon eine Reihe von Jahren ist es ein großes Problem, die Grundlagen, insbesondere die Träger für eine reichsgescvlichc Ar beitslosenveriicherung, zu bestimmen. Das Reichsarbeitßminifterium ist auf den neuarti gen Plan gekommen, die Krankenkassen zu Zwanasverbänden zu vereinigen und durch ^rganiiationeu die Arbeitslosen Versicherung durchführen zu lassen. Dieser Plan ist von den sachverständigen Kreisen fast einmütig als verfehlt bezeichnet worden: er hat, wie verlautete, auch im Reichsrate tefc haften Widerspruch gefunden. Das hat zur Folge gehabt, daß die Reichsregierung die go- setzliche Arbeitslosenversicherung einstweilen nicht weiter verfolgt. Obwohl damit auch der Grund für die Errichtung von Zwanqsverbän- den der Krankenkassen entfallen ist, hält das« Reichsarbeitsministerium hieran fest und hat dem Reichsrate einen entsprechenden Gesetzentwurf unterbreitet. Otegen die geplanten Hwangsverbände der Krankenkassen müssen sich insbesondere die Greife der Praxis mit allem Nachdruck wenden. In den 36 Jahren, die nunmehr die reichsgesehlichc Krankenver^ sicherung besteht, ist in keiner Weise das Bedürfnis nach zwangsweisem Zusammenschluß der Krankenkassen hervorgetreten. Obwohl die Kassen schon immer die Ermächtigung haben, sich zu öffentlich-rechtlichen Verbänden zu vereinigen, ist von dieser Möglichkeit verhältnismäßig wenig Gebrauch gemacht worden: die bestehenden Verbände sind freier Natur und auf breiter Grrrndlage ausgebaut, sie haben auch ganz andere Aufgaben als sie das Reichsarbeitsministerium ;ben von ihm geplanten ZwangSverbänden zudenken will. Diese Ausgaben: Verträge mit Aerzten, Apothekern, Krankenhäusern usw., Ueberwachung der Kranken und der Beitragsentrichtung. Betrieb von Genesungsheimen und ähnl. mehr, werden wie bisher besser von den einzelnen Kassen erfüllt nach Maßgabe der jeweiligen Verhältnisse, als gemeinsam durch Organisationen. Bei der Eigenart der Krankenversicherung kommt auch ein Lastenausglcich auf breiter Grundlage «nicht in Betracht. Die Ev- sahrungen zeigen immer wieder, daß kleiner» und mittlere Krankenkassen leistungsfähiger sind als große Kassen. Die Zwangsverbände der Krankenkassen würden neue Verwaltungsstellen mit einer großen Zahl von Diensträumen und zahlreichem Personal bedingen. Die Verwaltungskosten der Krankenversicherung würden gewaltig steigen. Die ohnehin schon erheblichen Beträge für diese Versicherung^ zweige müßten erhöht! werden, ohne daß auf der anderen Seite entsprechende Vorteile zu verzeichnen wären. Während unter dem Drucke der öffentlichen Meinung die Zwangsverbände wegen der schlechten Erfahrungen, die damit gemacht worden sind, immer mehr aufgelöst werden, will das Reichsarbeitsministerium im anderen Bereiche wieder neue große Zwangs^ organisationen entstehen lassen. Es muß dringend gefordert lverdcn, daß sich der Reichsrat und gegebenenfalls auch der Reichstag eingehend mit diesem Plane des Reichsarbeitsministeriums beschäftigen. Sie werden dann zu der Ueberzeugung kommen, daß Zwangs- verbände der Krankenkassen überflüssig sind und das deutsche Vplk ungerechtfertigt 60 lasten?
Au§ dem besetzten Gebiet.
Linksrheinische Tabakindustrie und Zollgrenze.
Mit dem Inkrafttreten der Zollgrenze am Rhein wurde die l i n k s r h e i n i s ch e T a- b a k i n d u st r i e ganz besonders stark in Mit- letdenschaft gezogen, da außerordentlich hohe Aölle auf Tabakwaren jeder Art bei der Ausfuhr ins unbesetzte Deutschland entrichtet werden mußten. Der Absatz nach dem rechtsrheinischen Gebiet kam ins Stocken, da infolge des hohen Zolles die Preise linksrheinischer Ta-
Gießener Anzeiger (Gencral-Anzeiger für Gberhesfen)
btrfmaren rechtsrheinisch derart stark in die Vöhe gegangen wären, daß eine Konkurrenz mit den Erzeugnissen dieser Firmen vollstän big ausgeschlossen wäre. Die Zigarettenrndu- strie des besetzten' Ediktes wäre zweifellos ein Opfer der Sanktionen geworden. Die französische Behörde hat sich mm bereit erklärt, oie bisherigen Zollsätze wesentlich herabzuiel- zen. Der Zollsatz für grobgeschniuenen Rauch rabak betrug früher 4000 Mark für den Doppelzentner, für Feinschnitt 7500 Mk. Zigarren, waren mit 6000Mk., und Zigaretten mit 7500 Mark Zoll der Doppelzentner belastet. Die am 15. Mai eingetretene Ermäßigung ergibt nun folgendes Bild: grob- und seingeschnittencr Rauchtabak 100 Mk. für den Doppelzentner, Zigarren 150 Mk., Zigaretten 200 Mk. für den Doppelzentner. Ter Zoll für das Kilo gramm Zigaretten oder 1000 Stück ist demnach von 75 Mk. auf 2 Mk. ermäßigt worden. Für die E i n f u h r von Tabakwaren i n s besetzte Gebiet ist eine Zollherabsetzung jedoch nicht eingetreten. Dtc oben angeführten alten Zollsätze bleiben für die Einfuhr auch weiterhin bestehen.
Französische KriegsgerichtSurteite.
Mainz, 21. Mai. (Wolff.) In einer den ganzen Tag in Anspruch nehmenden Sitzung standen gestern vor dem hiesigen französischen Kriegsgericht unter der Anklage der Spionage zum Nachteile Frank reichs Johann Weber aus Klagenfurt, Ernst Wige aus Barmen, Georg Göckel aus Darmstadt, und Wilhelm Seliger aus Klein-Rechcn. Die Oesfentlichkcit war während der Verhandlung ausgeschlossen. Das Urteil lautete gegen Wige auf drei Jahre, gegen Göckel und Seliger auf ie ein Jahr, und gegen Weber auf sechs Monate Gesängnis.
Aus Stadt und (anb.
Gießen, den 23. Mm 1921.
Wettervoraussage für Dienstag:
Vorwiegend heiter und. trocken, sehr warm, östliche Winde.
lieber Nordeurvpa und den britischen Inseln hat sich hoher Druck entwickelt, dec sich nordostwärts fortpflanzt. Bei östlichen Winden ist vorerst mit Fortdauer der heiteren und trockenen! Witterung zu rechnen. Unter dem Einfluß der südlich der Alpen liegenden Depression imb der hohen Tagestemperaturen ist mit Warmegewittern zu rechnen.
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• * * Die oberhessischen Kreispreis- prüfungsstellen haben in ihrer letz m Sitzung in Gemcnnscha't mit der Provinz-Preis prüsungsstelle Oberl>cssen den Beschluß gefaßt, auch im laufenden Jahre den Markt des Frühobstes und Frühgemüses hinsichtlich der Preisbildung scharf zu überwachen, um eine Ueber- Vorteilung der kaufenden Bevölkerung zu vermeiden Das Publikum wird schon jetzt daraus aiifmcrfam gemacht, daß die Preisprüiungsstclle, sobald der Frühobstverkauf begirmL lausend in jeder Wock>e die angemessenen Verkaufspreise verö'fentlick'rn wird, und es wird gebeten, jede Preisübersor^- rung der zuständigen Preis prüsungsstelle oder der Provinz-Preisprü.ungsstelle Oberhofen, Gießer, zu melden.
** Der Korbmacher Karl Haßler aus Klein-Karben, der beftmntlkb ror Tunern gleich nach seiner Verurteilung aus dem Gießener Gefängnis ausgebrachen war, Hal nun in Württemberg zwei Landtäger, ine tjn wegen Einbruchörebstcrhls verlosten wollten, mit einer Armeepisüole erschießen wollen. Tv Schüsie verfehlten ihr Ziel. Daßler ging flüchtig: er hat geäußert, er werde jeden Beamten niederschießen, der ihn sestnehmen wolle.
* * Zur Fremdenlegion haben sich in letzter Zeit im Frankfurter Vorort Rödel beim nicht weniger als 14 Leute meist jüngeren Alters anwerben lassen. Der Polizei ist es jetzt gelungeir, den Werber dingfest zu machen.
* * T ie Zuckerbezugsscheine können von den Kleinhandelsgeschaften mor.ren auf dem Lebensmittealm t, Zimmer 8, in Empfang genommen werden.
* * T ie teueren Frachtko sten find wohl mit ein Sxnuxgrinib der hohen Lebensrnittel preise. Tie Güter'oadntarise bedeuten mol l sehr wenig für an sich teure Lutzuswaren, belasten aber
unerträglich he schwerwiegenden und verbältnis- mäßig wenig Boüetten LedenSmitkri Zunächst bat brr Zufuhr mro tem UuSlmche etkolidi cmge idnänft to-rben nun fern. Wie in Berliner Blattern ju lesen ist, kostet ein Eilgüterwagen von Soltau d bi5 naä Bert ■< n ie?i jngeiäbr 8800 Mk. Fra'l't Eine bollänbifckie Gurib wird mit einer Fracht von 1,50 Mk. unb ein jtloblfopf gar mit einer rracht rem 2 Mk belegt. Ein Bund Radies cden verteuert ich durch den Transport inn X Ps Um das doppelte ixrteuert sich der Transport au? Italien. Ein Eilgüterwagen Löstet 16 000 Mk Lransportgeld.
** Beihilfen an Ltaa tsdienstan- Wärter im Vorbereitungsdienst Tas hess.fche xsinh in i e üun la ne e.di gS A o:i- nirngen getuoj.en, nxmach int V^r.ereitimgsbicnsl '.enndlicbe Staat ^diensirniwäi ter, t-te Kriegsteilnehmer ivaren, mit AnsuäLn imtcr gewissen Voraussetzungen U.ntcrtxilL'iriuiltcn gewähr, werden können. TicS gilt nidxt nur für bie Rete r e n da r e, sondern auch für im Borlerrittlngs- dienst befindliche Staatsdr.'nstanwärter anderer Art.
* * Silberne Lo chtzeit feiern morgen dir Eheleute August Kalbfleisch, Straßenbahn wagen ührcr und Frau Eli ab.tta geb. Pstanz, Rodberg 1.
Kreis Büdingen.
na. Ntdda, 21. Mai. In der Lohnfort» rungsangelegen.hrit der ooerl^-> ischen Sägewerksindustrie ist der von den Arb i nehmern gestellte Antrag aus Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs des Sck'Iichtto,gr-an-stx>m 14. April vom Staats komm isiar abgelehnr worden mit Rüch'ichr aus die z. Zt. sehr ungünslup' wirtschaftliche Lage der Sagen e fd'xtrtcbc lejo >- derü in Ooerliessen. Eine Gleichstellmtg mit den Sägewerken in S.arkeubnrg und Rheinhessen lei nicht mtgezeigt, da dort ganz andere Produkttons- imd Absatzverhältnisse beständen.
vesstn Nlikiau.
mc. Frankfurt a. M., 26. Mm. Vers.ttie- benc hiesige Vergnügungsstätten smo 11 Zahlun gsschwie rigkeiten geraten, da der Besuch nicht mehr in dem i'eit(;ea icn Maße fT> vierte. So verteilt %. B. ein Kabarett tn der Schäfergasse lnrnderte von Freikarten, um mir Leute zu l< kommen, die das Lokal füllen und Wem trinken. Auch mit dem Tiele--au'.er geht es zu Ende. Zahlreiche diefer Stättcn des Lasters sind sckvn dnnegmtgen oder in bürgerliche Restaurants umgewandelt worden, andere werden nachfolgen, wenn jetzt erst die um 50 Pvoz. erhöhte Vergnügungssteuer mit ihrer ganzen Härte wirkt.
(ficricbi»iaal.
Gewcrkschaftskartkll und Schuhhändler verband.
pi. Fran kfurt a M., 21. Mai. Gleich Meßen hat auch Frankfurt seilten „Schuhkr.eg" Seit einten Mochgen weiden durch daS Gewerk- fdxiftörartcU unb den Konsumverein Schuhe aller Qualitäten, die durch den Kaufmann Max Emanuel direkt von den Fa'oriken in großen .Rasim eingekauft roerben, verkauft. Gegen diesen Verkauf f.'chren der Verb-md der Sclnil-warenHändler und die Scknihmack-erzwangSinnung etnrit crLt * terten Kampf. Tie Vertreter des Schuhw-iren- handcls beantragten den Erlast einer ernstwrili.eu Verfügung bei 'Getickck gegen Gnverksck^rftskattell, .Konsumverein und Emmiuel, in der sie bxe Einstellung des Verkaufs begehrten, ern Verbot verlmtgtm, wonach die Wire als girt und billig bezeichnet werde, bi? Entfernung eines Plakat forderten, in dem die Angabe entfalten war, die Preise beweglm sich bald unter dem Fab-r- katioiispreiS irfro. Emanuel hatte seuieru'its rine ernstweilige Verfügung gegen die Gegenseite beantragt, die es dm Vertretungm des Handels untersagm sollte, ifyn, wie es in dfient'rbrn An- zeigm geschehen war, als Schieber und Wucherer, der betrüge‘ritten Bankerott gemacht habe, nx-gen einer Sttafveniolgung in die Sckrvei; gefLÄen ^11^., zu be eichnm. Die Verhandlung über de Anttäge sirrd in er icr Ärndersitzung der Zirnlkammer des Lemdgeri-chs statt. Rechtsaniva.'t Pros. Tr. Si'-Heimer teq:e als Vertreter des Ge wcrkschastskertel s. des Sto,firmle eins u d Emanuels die Geschä lsor.nrni'ation des ^chuhverlausr dar. Aus Gru? d eidcssta.t.r'er Berjichrr-. ng m s er nach, daß Emanuel weder in Teutschand testrafl, noch wegm ei es Strarreriah'.ens ans Teutschland geflüchtet sei. Richtig sei nur, daß er in der edwii wechrmd des Krieges beim (ryitoiT von Waren, die für TeuiyKaaib bestimmt Wurm, Be.ordnungen deS schweizerischen Bimde-rrns zur Bekämpfung von Preissteigerungen üaerorten tyabe und deshalb mit anderen Schweizem unb Taut schm zu emer 0>efängnisstrafe von 5 Monaten unb einer Geld- str-ase von 5000 Frauken mit Landesverweisung be-
Montag, 25. Mai m
straft wordm sei. und tztoor in zweiter Fnsta»» unb ohne seine Anweim^u. unb ohne datz rr vertreten geivrint fr. Rr'cht San wall Tr Katz
Bertre:er her Sdnibroa.e.lmnbhT evflä tc. bitz die BeUratung Enumuejs in der Schwei; fcEM Aezeichenmg ms Sch..- er und Wucherer r< cbrserhfle v.’ian müffr das VnXikum vor solchen Existen-M warum Txc Unteriagiwg br- ganzen CkidWiit#* l*runeben recM f.hrtc jt v idxm an - 'inifnedM'.tivit Gründen Ter Anwalt teure i’hiudwm diesiger LxbRlhhänbler, dir den ^chubh.ind.eri'e.bmib vertreten, vor, wonach bran Einkain ei gner Strube die Mrndenrern.ibi bei Ware fefhd eilt sei Ins- lefonderc hob? fkh bei einem Back t ct >cl>uh nath.m, datz die .i?Tntrrkunx aus Pawe gewe,m )<i Tem» gegenüber fübrtr Pnc" Tr Stni'rimcr aus. datz dieselbe Fesksiellwig becüg.ich rinn' Schuld in einem hlejigen S-tnib.a r igo'chäf: genuidl worden sei. - Tas tz>e.ichr wies die Anträge des Schnlnvarrnhändierverlianbes sämtlich ab mit Au v nähme einer Eingabe in der ?lnvL c* des ibrwerl- schaitskartells, ivo cach Ba'ksischfcliuhe ..'emlteiOua- litdr* verkauft werden. Tie Nntersaaung eines Geschäits.'etnebs könne von privater Seite nrt't otrltrugt werden Tie Anzeige, dov unter dem Falrilationspreis verkauft nnhte, käme nicht tu Betvackst, weil sic schon turlvr fm": i lig ntfernt worden sei. Nur die Anga <■. dan die Backfisc!» schuhe von „feinster Quali.ät' seien, sänne nicht geduldet werden, weil "Niv ’^todiutbeiifctn einer solä'en hochklassigen Qualität nicht anzunebmey sei Die Schuhhandleo-Organisattan nage neun Zehntel, die Gegmseitr eüt Zehi.tel der Mosten Tic Entscheidung ü er den Anttag EinairuriSl Erlatz Tiner eiustw.i.iren Verfügung am llnte» lassimg beschimpsmder Aeukerungm gegen tim, wurde ans TÜttuod) vertagt i
Die Entßlhrung aus d/rn Kloftzer.
mc. Frankfurt a. M., 20. Mai. Dek 28jähriye Schlosser Johann Besse aus Budwriler im KrciS Trier, der hmte vor der Strafkammer wegen umfangreicher Diebstähle stand, die er mit Bandm ausgesülM hat, ist nicht nxmiger al» schon achtmal aus dem Gefängnis au.'gcbwchm. Seine 18jahrige Geliebte, die SchnriVrin Katharina Be nitz, die zwei uneheliche Kinder von ihm besitzt, bat er mit dem Automobil durch einm kühnen Handstreich auS eurem Kloster bei .Kvbletiz geraubt, wo sie von ihren Eltem untergebracht war. Auch hier in Frankfurt bat er daS Älädchen mit Gewalt aus dem Monikahcim geholt, indem er bcu Pförtner mit Niederschießm Probte. Dann hat er eine Unmenge toller Einbrüche in der Um* gebung von Frankfurt ^Resbadm, Kvblmz. Mainz usw. verübt, teils allein, teil- in Begleitung von Komvlizen. So erbeutete man in der cbemifdjal Fabrik Flörsheim 12 Schreibmaschinen, neben einer Unmenge anderer Sachen, die dann abend) nach der Polizeistunde m einer Derbrecherkasck'emme in der Moselstroße in Frankfurt berfchache.t wurden. Wurde B.'sse oder „Ro'enhanS", wie er in seinen Kreisen genannt wurde, einmal erwischt, dann brach er sofort aus Da die Gesellschaft hart^ nackig lmgiiet, ist ein großer Zmgmapparat auf geboten. Die Verhandlung dauert noch an
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Mainz, 21. Mai. fDolff.) Die Strafkammer oerutteilte sieben Eisenbahndieoe au- deideShrim und Dackmheim, die längere Zeit hindurch aus den Güterzügen auf der Strecke Mainz— Binom ganze Ballen Weißzeug und andere Stoffe stahlen, Mi Gefängnisstrafen von vier Uärnalen Mf zu drei Jahren.
L eip-i g, 21 Mm 'Wosff) Der Straf senat des Reich-gerichts verurteüte dm früherm Offizierstellvertreter G-v'g Brunning e r aus Rcu-Ulm und den Rrismdm Abraham B a i k e r wegen versuckr mVerratSmili- tärifcher Geheimnis c wtb iwien Tteb> stahlS m je zwei Jahren ZiickitbauS und fünr* jährigem Ehrverlust, i'errer den Scklosfer Iouph Grötzinger ine gen Unterhaltung von Bezieh- irngm zum Ententespionagebureau in Main- zu l*/< Jahr GejangniS
Kircbc ttnb Schule.
— Gegen privaten Einjährigen- ersatz. Als Erfaße für bie Einjahrigenprüfuna sind vom NrickBrerband deutscher freier Unterrichts- und Er,iehungsanstalten Schl ußprü- jungen empfohlen taorben. ES wurden mich junge Leut- aufgrijrbrrt. sich da-u zu melden, die keine Privatfchulr- besuchn. Ter preußische Mi. nifttr für Wl sew'ckist, Kunst unb VolkSbildima har icdoch die i t -,iolid)ullbllrgten ersucht, die Leiter und LehveNo.leg'en der unterstellten An staltm m geeigneter Weise daraus hin-zuweisen, daß nickt beabsichtigt ist, die Zeugnisse der Prüfungskamnrern die er Bereinigung staatlich an
Herrn Collins Abenteuer.
Roman von Frank Heller.
21. Fortsetzung. (Nachdruck nerboten.)
Dort war die Frmdc über Mqen reidien Kan- bibaren, der bereit war, alle Summen zu oD’cm und alle Versprechungen alzuoeben, groß: unb mit Paukm und Trompeten w.irde Mr. Johns als konservanver Kandidat für Sturewich mit der -politischen Rennbahn lanciert Shorewib, war eine Stadt an der Westküste die in den legten Jahren einen beinahe amerism i cbm Auttchwung gmom- men hatte und bar aut unglaublich swl; war. Einige Dechen vergingen, in baten Mr. Jotms iria> lässig damit beschäftigt war, Reden zu halten. Verftwechmtgm absugebai und Fühlung zu gewinnen, der liberale MtotbÜKtt, Mr. Walsh, des- gleichen: und endlich brach der Morgen des großen Wahltages an. Fahnen wehten, Wagm rollten herum die Stadt war blurnengeschmückt: endlich,
• gegen 9 Uhr abends, gaben die Transrarmte der Zeitunqm und Wahlbureaus das Resultat kund: Mr. Johns, konservativ, 9001: Mr. Walsh, liberal, 13 276: liberale Matorirät 427o. De G rünte b-S BoNeS hatte gesprochen; für Mr Zohns! - sie wie ein schneidendes Lwhngetächter, und er ging in fern Kämmerlein, nm seine Plane zu retrüneret.
Ein rascher Ueb-erscklag zeigte ihm, daß i n die WaUkoinp-tane mit dm Schecks du Pari, i- lasse an 10 000 Pfund gekoster hatte. 10 000 P'und harte er hinausgeworfen! Fortgeschmtsim ohne Sinn und Zweck! 9Ln eine unfähige Partei und eine Gesellschaft idwlischer Wahlmänrer. Er, der viele Jahre hindurch für em l'runi) 11? Woche ge- -arbeitet batte, der bat größten Teil seines Lebens fiijchr tn der Lage gewesen war, mchr als emc
Mahlzeit im Tage ernzunehnien, er hatte zur Bc- luftigimg dieser 10000 Pfund hinatisgeivorrm! Fest entf<hb$nen, nach guter aller ©i:tc den Gegner die Kriegs!vsten tragen M lassm, startete er eine Woche später die bri vd* Tigammogetrilschast, mit dem Sitz in Shorewich
Tie Dichlkampagne hacke ihm den verwwid- baxm Punkt der Stadt enthüllt, rbr amcri\ntfdxt5 SelbstverttaiZen und ihren Srodmuii. Tat; er dies nicht vergeblich erkennen gelernt hatte, zeigt der Prospekt der Ttgarmr.agceI f hart, der sib in E'- tenso int „Sdorewüt^ Guardian" wi.'bersand. „Shorewich", hieß es darin, „geniert. abgrieb?n von an bereit Bordellen, den einer Lage an der Küste des Atlantischm Ozeans. Jahrckm e de hindurch find )emc Wogen an unfern Strand gerollt, bald lteb!öfmd, bald verheerend, immer nutzlos. Tenn was ist das Resultat all dieser mächtigen Un- nix, dieses >kamp'es? Nichts: st» ist es t.t: Anbeginn gewesen, und io wäre es geblieben, wenn es nicht in diesen Za-en einem urigen Mamie gelungen wäre, daS Problem zn lösen, dreie gigantische, ungenütz'e Energie zu rerwe.tm " Es folgte eine beredte Beschreibung de? jungen Erfinders, Mr (Seoftren Maxwell rin Efutirmer Ingenieur, der, unbekannt, Mr Iobns Dege gekreuzt hatte. Kann er sich von diesem Finanzgeilu Geld ausgeborgt hoben? Man weiß es mbt;} und nach einem kürzere:! Erpose be- Tbeone — Tigammatheorie —, nach der er sein großes Problem lösen wollte, fährt der Zeitungspro-oe.t fort:
„Unsere Stadt ist mit Rertz stolz mir idrm „amerikanischen" 9lufsc5".vung tn den letzten Jahrzehnten; durch diese Unternehmung m d sie erhöhten Grund zum Stolz haben. Tie Wellen zu imtersoch-en, die ungeheuren Kraftressoureen zu verwerten, die in ihnen gebunden liegen, das ist ein Unternehmen, würdig der gvvtzeri Lepublik auj
der andern Seite jenes Ozeans, den Mr. Maxwell benvinqen will, ein Unternehmen, daS zeigt, bctz nick'-: alle Tatlrait und Energie am jener Serie des Weltmeeres zu finden ist."
Ter Pvoheck ist nn den le'anntesten Männern in 2b Terii' u 6 Umgel-img un erzerchnet, deren '"«lan: l !ost Mr. Johns bei der Watck- tanrr:gr -? gemack l .Art, unter andern auch von Du. Walsh, M. P Für sich selbst trä te der diskrete Börenmcnm einen P^itz in der Imfen unterra Ecke gut gomg gefunden. Tie Aktten wurden zu einem Preis von zwei Pfund per Stück Umcvrt, die Be eisrevung m der Stadt war allgemein, und binnen zioei Tagen wat das Äkttenkupi^u — 30 P^nnö — gezeichnet Mr. Johns selbst war mit 1000 Aktien engagiert Gehl es, dackste ct — einige Autoritäten hielten es für möglick» —, so ist es gut, im andern Falle hat em alter Börsen-uchs raxf) viele Dege aus seiner L'öhle.
Während Mr. ?l?arwellS Bvrarbeilen ihren Ansrnig nehmen, und während Mr Johns Agenten au' 'eine Hausse in den Aktien der neuen Gesellschaft hinarbeite.en. machte dieser m e Rechnung mit der Sonferva'iven Partei Das >ni ±en 3>m imb ihr vorging, ist von berben Seiten streng geheim gehalten worden: aber zwei Wochen .-.ach- bem fein Name mir eigene > Verlangen aus den konservativen Klu'.s gestrichen wo.den war, verließ Mr. Johns England. Anstatt in den konservativen Listen sand man fernen Namen li den liberalen: ein einl .i ender Scheck war der liberalen Kasse übergebe", worden, und mi: einem Sekretär mit garantierten ‘lantnuffen über Englands Kolonien verfehen, reiste Mr. Johns nach Afrika ab. Sein Wan nm ein dovrel'er^ Vergessenheit Über die nnZlücklich: Kampagne 11_ tore- nstch zu breiten unb sich langsam ecie Ltell.mg m der lloeral'n Panm. m nipdm. Zu bicjem
Belnifc wurde eben Irr Sekretär Mr Baß, mit* genommen, dessen Artikel üjct „die .‘-.Dlwnen vom liberalen Gestch spuntt betrachtet" di- Sache machen sollten Artikel waren nämlich Ernefi Iichns signiert.
Lange Monate i-inbuvch wurde Mr. Johns von verschrtdcnen DewrderungSmitteln von Afrikas einem Erd? zum andern qenrrgt. Tie prittrieten. den Sürnr ' und Urwälder A^statrikas wurden von den südafrikanischen opjcs abgelöst, vo.i vorüberrollenden G.e m und unendlichen Lwrizonteu, denen neu: Walbaünei und Iagdgrün e 'olgten, „Rbodesia", verkündete Mr. Baß — bis sich Mr Kohns endlich mit einem Seufzer der Erleichterung in flentnrttn nneberfanb. Nach Studien rohrten dem Nil entlang landete er schließlich tm Augmst in dem ausgeslorbenen V1 airo: und i~t Shepherds Hotel ereilt- ihn 'ein sdih'al in Gestalt einet jimg-n engln-ten SchampiUerin, Mrs. Tarn Bell, du dort hängen geblieben war.
Weiche Mächte Mrs. Bell bewogen, Mr. John- Flehen Gehör zu schenleu, wissen mir fie »elbü und das Kaivokontvr von Parts Baaik, was für Mächte es hingegen waren, die Mr ?ohns-zu ihr V>gen, ist leicht zu sagen Allerdings war Mrs. Dell ein bihcheu frei, unb t yrc Rede alles eher als ja, ja, nein, nein, aber in Mr Io^is Augen war sic ohne Makel. Ermge irirje Tage 'würben ui Kairo verbräche; bann fand ..!ir- B-?1l die Stadt zu gräßlich unheimlich, ein Llonddampser gtng gerade ru gelegener Zeit von Alexandna ab, und Mitte Sevtemb-er finden wir das Paar vn „Hot« de Paris" in Monte Carlo, wo sie sich ganz beruhigt ernüogfert harten, da die Stadt ausgestor- ken war. Mr. Baß war und) England voran s- geitfaidt worden.
(Fortsetzung fsloti


