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Unterhaltung Erhebung Selehrung >

) Die Erscheinung, welche die aufgeregte

war ich eine Stunde geritten, und noch immer zeigte sich keine Spur von einer Herde oder Pflan­zung. Ich wurde ungeduldig und zürnte auf Mister Real. Warum sandte er mir nicht einen oder ein paar seiner faulen Reger oder seinen Jäger nach? Aber Anthony war nach Anahuac gegangen, konnte also vor ein paar Tagen nicht zurück sein. Aber ein Signal mit einem Flintenschüsse konnte mir der Kentuckyer doch geben. Ich hielt an; ich horchte, kein Laut. Tiefe Stille ringsumher die Vögel in den Inseln schwiegen; die ganze Aatur lag im Zauberschlaf. So weit nur das Auge reichte, ein wallendes, wogendes Meer von Gräsern, hie und da Daumgruppen, aber keine

) Charles Sealsfield (Karl Postl), der in Mähren geborene Bauernsohn, hat in einem innerlich und äußerlich sehr bewegten Leben erst spät seine deutschen Werke geschaffen, in denen er als Stilist meisterhaft ist und an dichterischem Wert die bekannteren Bücher Gerstäckers. der ebenfalls das amerikanische Wanderleben schildert, übertrifft. Seine Werke erscheinen im Verlag von Karl Pro-

Spur eines menschlichen Daseins. Dafür aber machte ich eine andere bedenkliche Entdeckung. In der Lichtung, in der wir ausgeritten, waren die Gräser häufiger, die Blumen (diener gewesen; die Prärie, durch die ich jetzt ritt, bot aber mehr einen Blumengarten dar, einen Blumengarten, in dem kaum noch das Grün zu sehen war. Der bunteste rote, gelbe, violette, blaue Teppich den ich je ge- chaut, Millionen der herrlichsten Prärierosen, Tuberosen, Dahlien, Astern, wie sie kein botanischer Garten der Erde so schön, so üppig aufziehen kann! Mein Mustang vermochte sich kaum durch dieses Blütengewirr hrndurchzuarbeiten. Eine Weile kannte ich diese außerordentliche Pracht an, es chien in der Ferne, als ob Regenbogen auf Regen­bogen über der Wiese hingebreitet zitterten; aber das Gefühl war kein freudiges, dem peinlicher Angst zu nahe verwandt. Balo sollte diese meiner ganz Meister werden. Ich war indessen wieder an einer Insel vorbeigeritten, als sich mir in der Ent- ernung von etwa zwei Meilen ein Anblick darbot, o wunderbar, daß er alles weit übertraf, was ich je von außerordentlichen Erscheinungen gesehen.

Gin Koloß glänzte mir entgegen, eine ge­diegene, ungeheure Masse, ein Berg des glänzend- ten, reinsten Silbers. Gerade war die Sonne Hin­er einer Wolke hervorgetreten, und wie jetzt ihre chrägen Strahlen das außerordentliche Phänomen leleuchteten, hielt ich an, in sprachlosem Staunen tarrend, aber toertn mir alle Schätze der Erde jebvten worden wären, nicht vermögend, diese Er- cheinung zu erllären. Bald glich es einem Silber- elsen, bald verwandelte es sich in ein Schloß mit Zinnen und Säumen, bald war es wieder ein rie- itger Koloß, aber immer von gediegenem Silber und über alle Beschreibung prachtvoll. Was war das? In meinem Leben hatte ich nichts dem Aehn- liches gesehen.*) Der Anblick verwirrte mich, es kam mir jetzt vor, als ob ich in die Zauberkreise eines bösen Geistes gebannt sei. Ich hatte mich wirklich verirrt, ich durfte nicht mehr zweifeln. Im Sommer oder Herbste mochte eine solche Irrfahrt minder gefährlich sein, weil dann die Inseln eine Fülle der süßesten Früchte lieferten, die wenigstens vor dem Hungertode schützten. Ich hidt es für unmöglich mich in den wenigen Stunden o gänzlich verirrt zu haben, daß nicht Mister Real oder seine Reger meine Spur einholen sollten. Heden Augenblick glaubte ich das Dellen der Hun^e, das Gebrüll der Rinder, das Lachen der Kinder hören zu müssen. Wirllich stand auch jetzt das Haus vor mir, meine Phan­tasie lieh mich deutlich die Lichter im gastlichen Zimmer' sehen, ich ritt hastiger; aber als ich endlich näher kam, lag wieder eine Insd vor mir. Was ich für Lichter gehalten, waren Leuchtkäfer, die mir wie Funkenregen aus der düstern Rächt der Insel entgegenglänzten und nun in dem auch über die Prärie hereinbrechenden Dunkd auf allen Sei­ten ihre blauen Flämmchen sprühen ließen, so daß ich auf einem bengalischen Feuersee umherzuirren

wächs am Halse nötigte ihn, den Kopf seitwärts zu neigen."

Der restaurierte Kurfürst bezog den Wiener Kongreß, begnügte sich, da er den Titel: König der Kalten" nicht erlangen konnte, mit dem Titel Königliche Hoheit" und erwarb das ehemalige Hochstift Fulda. Damit flieg die Einwohnerzahl Kurhessens auf 600 000 und die Einkünfte auf Drei Millionen Taler.

Die siebenjährige Verbannung hatte den alten Herrn nicht verändert. Alle Huldigungen seiner treuen Untertanen nahm er ohne ein Zeichen der Tellnahme entgegen. Als unter der Schar der loyalen Dürger ein alter Offizier mit einem un­geheuren Zopfe erschien, da schmunzelte endlich der Kurfürst befriedigt, wandte sich gegen seinen Ad­jutanten und tief aus:Gott sei gelobt, der hat ihn noch." Seine Derbarrnung erschien ihm nur, wie er sich ausdrückte, als ob er sieben Jahre geschlafen habe. Darum stellte er den Zustand her, der vor dem Siebenschlafe, also vor der französisch-westfäli­schen Herrschaft, gewaltet hatte. Die Räte, die 3er6m£ ernannt hatte, wurden wieder Sekretäre, die Kapitäns wieder Leutnants und die ganze Armee muhte wieder Zöpfe und gepuderte Haare, vier vorschriftsmäßig gepuderte Papilotten und ge­wichste Schnurrbärte tragen. Weil aber häufig Die Haare zu kurz waren, um die falschen Zopfe daran zu befestigen, muhten sie an die Unisormkragen gesteckt werden. Allen, die keinen amtlichen Titel hatten, untersagte der Kurfürst sichHerren" zu nennen. Ilm wieder ganz den alten guten Patriar- chenzustand herzustellen, wurden selbst Heroins ab­geschafften Fronen wieder hergestellt. Der Geiz des Kurfürsten trat noch stärker als früher hervor. Die Käufer von Domänengütern, die unter Hsromes Regierung veräußert worden waren, muhten die Güter zurückgeben oder sich durch Zahlung einer hohen Summe von der Rückgabepflicht befreien. Die Schulden des Kurprinzen mit 200 000 Talern muhte das Land übernehmen. Der alte wunderliche Herr starb endlich, nachdem er anher Podagra nur vorübergehend unpäßlich gewesen war, siebenund­siebzigjährig am Schlagflusse. Er lieh sich in der Kapelle der Löwenburg bei Wilhelmshöhe in einem Sarge von karrarischem Marmor begraben.

wähnte.

Ich war nicht so müde und matt, so hungrig und durstig, dah ich eine Abnahme meiner Kräfte gefühlt hätte; aber die Angst, die Furcht, die wunderbaren Erscheinungen brachten einen Tau­mel über mich, der mich wie einen Rachtwandler umhertrieb. Mechanisch tat ich endlich, was ich während meines vierwöchigen Aufenthalts im Lande andere tun gesehen; ich grub mit meinem Taschenmesser ein Loch in den schwarzen Wiesen­boden, legte das Lassoende hinein, stampfte das Loch wieder zu, und nachdem ich die Schlinge dem Tiere über Den Kopf geworfen und ihm Sattel und Zaum abgenommen, ließ ich es weiden, mich außerhalb des Kreises, den es beschreiben konnte, niederlegend. Zu schlafen vermochte ich jedoch nicht, beim von mehreren Seiten lieh sich ein Geheul vernehmen, in dem ich bald die Stimmen von Wölfen und Kuguaren erkannte, wahrlich nirgendwo eine sehr angenehme Rachtmusik, hier aber, in diesem Feu^rozeane, dieser rätselhaften Zauberwelt, Hang dieses Geheul so entsetzlich, dah es mir durch Mark und Dein drang. Meine Fibern und Rerven waren in Aufruhr, und ich weih in der Tat nicht, was aus mir geworden wäre, wenn ich mich nicht besonnen, daß mir ja meine Zigarrenbüchse und ein Röllchen Virginia treu geblieben, unbezahlbare Schätze in diesem Augenblicke, die auch nicht verfehlten, meine trübe Phantasie wieder heiterer zu stimmen.

Der Tag war schon angebrochen, als ich er­wachte. Mit den Träumen waren auch die trüben Gedanken verschwunden; ich fühlte mich hungrig, aber doch noch frisch und munter. Ich ritt an den herrlichsten Inseln vorbei. Der Morgen verging, der Mittag kam heran, die Sonne stand schon hoch oben am wolkenlosen Himmel; der Appetit begann sich nun stärker zu melden und wurde bald zum Heißhunger. Ich war oft der Verzweiflung nahe, meine Angst so entsetzlich, daß ich wie ein Kind weinte und betete. Ha, zu beten begann ich jetzt, und seltsam! wie ich das Gebet des Herrn anhob, war es mir, als ob eine Stimme vorwurfs­voll mir zuriefe, warum ich mich nicht früher an ihn gewendet, der allein hier helfen könne? Ich betete nun so hastig, flehte so inbrünstig, wie niemals noch in meinem Geben. Auch kam, als ich jetzt nach dem Gebete meine Augen zu ihm erhob, der in dieser seiner herrlichen Wdt so sichtbar thronte, ein unbeschreiblich fromme, kind­liche Zuversicht über mich! Es war mir, als müßte ich erhört werden. Ich wußte eS so gewiß, daß ich ganz getrost auf- und umherschaute, überzeugt, zu finden, was ich suchte. Unb wie ich so schaue, o unaussprechliches Entzücken! gewahre ich ganz in der Rahe, keine zehn Schritte von mir, eine Reitspur! Mein Mut und meine ganze Kraft war auf einmal wiedergekehrt. Rie hatte ich der For­schung inniger gedankt, als in dieser ötunpe. Während ich ritt, betete ich, und während ich betete, trat mir wieder die Gröhe meines Schöp­fers so siegend aus seinen herrlichen Werken vor die Augen! Ich öffnete sie jetzt weiter, denn je, um mich ganz von ihm und feiner Herrlichkeit durchdringen zu lassen. Es lag so erhaben vor mir so feierstill, so meerweit mit seinen, Hunderte von Meilen hinfliehenden Grasern, den geheim­nisvollen Inseln, die in den Strahlen der Rach- mittagssonne wirllich schwebend und schwimmend erschienen, während wieder hinten und seitwärts wogende Dlumenfdder, in den fernen Aether hin- aufschwellend, Himmel und Erde in eine und die-

Die Iakinlo-Prärie.

Von Charles Sealsfield.*)

Eduard Morse, General der Republik Texas, erzählt:

Wir waren ein halbes Dutzend Reiter, nämlich Mister Real, mein Freund, ich und drei Reger. Unfere Aufgabe bestand darin, die im Umkreis von vier bis fünf englischen Mellen zerstreuten Rinderherden dem Hause Reals zuzutreiben, wo die für den Markt bestimmten Tiere mit dem Lasso eingefangen und sofort nach Drazoria abgeführt werden sollten. Mein Mustang hatte, munter fort* prengend, bisher keine seiner Tücken gezeigt, aber eht wir waren noch keine zweihundert Schritte auseinander erwachte der alte Spanier. Etwa tausend Schritte von uns weideten nämlich die Mustangs der Pflanzung, und kaum hatte er diese gesehen, als er auch in Kreuz- und Quersprüngen ausbrach, die mich aus dem Sattel brachten.

Wütend erhob ich mich aus dem ellenhohen Grase. Mein nächster Rachbar, einer der Reger, prengte zu meinem Deistande herbei. Schreiend gebot ich ihm, abzusteigen und mir sein Pferd zu überlassen. Vergebens bat der Schwarze, dem Tiere nicht nachzureiten; ich wollte nichts Horen, sprang auf den Rücken seines Mustangs und schoß dem Flüchtling nach. Mister Real war unterdessen selbst herbeigeeilt und rief so laut er konnte, ich möge ja bleiben, ums Himmelswillen bleiben, ich wisse nicht, was ich unternehme; ich hörte nichts mehr, wie toll galoppierte ich dem Mustang nach.

Das Tier war der Pferdeherde zugesprungen und lieh mich auf etwa dreihundert Schritte heran- fommen, den Lasso, der glücklicherweise am Sattel befestigt war, zurechtlegen, und dann rih es abermals aus. Ich wieder nach. Wieder hielt es eine Weile an und galoppierte wieder weiter; ich Immer toller nach. Das wiederholte sich mehr­mals; schließlich war der Flüchtling beim Um­reiten einer Oase von Fruchtbäumen, einer soge­nannten Insel, verschwunden. Unter Verwünschun­gen gab ich meinem Pferde Die Sporen, um Der Pflanzung wieDer zuzureiten.

Zwar sah ich diese nicht mehr, selbst die Herde der Mustangs und der Rinder war verschwunden, aber das niachte mich nicht bange. Glaubte ich doch der Richtung ganz gewih zu sein, die Insd vom Hause aus gesehen zu haben. Auch fand ich allent­halben Pferdespuren, und so ritt ich denn un­bekümmert weiter.

Eine Stunde mochte ich so geritten sein. Ich sah nach der Uhr. Sie wies auf eins, Schlag neun waren wir ausgeritten. Ich war aflo vier Stun­den im Sattd, und wenn ich anderthalb Stunden auf die Rinderumkreisung rechnete, so kamen dritt­halb auf meine wilde Hagd. Es war gegen Ende März, der Tag heiter und frisch. Ich konnte keines­falls weiter als 10 bis 15 Meilen von der Pflan­zung entfernt sein, die Herden muhten jeden Augenblick auftauchen, und dann war ich ja ge­borgen! Diese ttöstende Stimmung hielt nicht lange an, es kam wieder eine bange; Denn abermals

Bilder aus der Geschichte der hessischen Fürstenhöse.

In Dem 3. Band Der von Gustav Mayer herausgegebenen SammlungSüDDeut- scheFürstenhöfe" (G. Braunsche Hos- buchDruckerei, Karlsruhe) finden wir anschau­liche Schilderungen Eduard V e h s e S aus der Geschichte deS hessischenHofes samt sei­ner Rebenlinien. Eins der interessantesten Ka­pitel daraus ist eine Darstellung Der bewegten Napoleonischen PerioDe, Die Das kurhessische Hof- und Kulturleben in seltsame Wechsel tauchte. Es handelt sich zuerst um die Regie­rung des Landgrafen Wilhelm IX., geb. 1743, gest. 1820). Das genannte Buch sagt Darüber:

Der Anfang seiner Regierung in Cassel lieh sich gut an. War sein Vater Prunkhaft und ver­schwenderisch. so zeigte sich Wilhelm IX. sparsam und haushälterisch. Hatte sein Vater die Franzosen bewundert und bevorzugt, so haßte sie der Sohn. Alsbald nach seinem Regierungsantritt machte er zu Pferde mit geringer Begleitung fast von Dors zu Dorf' eine Inspektionsreise, um die Beschwer­den seiner Untertanen zu erfahren.

Eine seiner ersten Maßnahmen bestand in der Aushebung des verderblichen Lottos zu Cassel und xu Marburg. Dann wurde die prächtige Oper und das Ballet aufgehoben. In der Kapelle wurden nur deutsche Künstler beibehalten. Sämtliche fran­zösische Abenteurer und Windbeutel in Zivil und <2Hilitär wanderten ab und nur wenige nahmen Pension. Die Truppen wurden reduziert, das Carolinum aufgelöst und mit der Universität Mar­burg verbunden. Die Professoren gingen teilweise nach Marburg, tellweise außer Landes. Der Be­amtenunfug und die Sinekuren hörten auf. Der neue Landgraf erlieft den Ständen das bisher Üb­liche Huldigungsgeschenk mit 100 000 Talern und erklärte, er sei, weit entfernt die Lasten seiner Un­tertanen zu vermehren, auf Verringerung der ßaften bedacht. Aber ehe die Stände audemanber- gingen, legte er' ihnen eine Rechnung vor, nach der sie ihm seit 1704 noch 1 100 661 Taler an Reichs-, Kreis- und Landessteuern schulden sollten.

Dieser Hang zur Sparsamkeit enthüllte sich aber schon nach kurzer Zell als richtiger Geiz. Wilhelm IX. kümmerte sich um die kleinsten Dinge in seiner Hofhaltung. Eigenhändig schrieb er auf einen Speisezettel, auf dem Zitronenscheiben zur Garnitur einer Speise erwähnt waren:Gelbe

dbe Glorie verschmolzen. So bot sich die Prärie fegen Westen dem Auge dar. Gegen Süden er- chien sie, wo möglich, noch zauberischer. Lichte, jolden und blau gewirtte Schleier umhingen da >ie entfernteren Inselgruppen, jetzt ihnen einen dunklen Bronzeschleier verleihend, der wieder in Der nächsten Minute durch einen leichten Luftzug in die hellste Farbenpracht aufflammte.

Doch zurückzu kehren zu meiner glücklich ge- unbenen Spur, so ritt ich wohl eine Stunde, al8 ich plötzlich mir zur Seite eine zweite Spur erschaute. Sie lief in paralleler Richtung mit der, welcher ich folgte. Wäre es möglich gewesen, meinen Hubel zu erhöhen, so würde diese ge- undene zweite Spur es bewirkt haben; so stärkte ie bloft meine Zuversicht. Immer ritt ich fort und fort. Die Prärie mußte doch irgendwo eix Ende haben. Freilich war das ganze südliche Texas eine Prärie, aber doch hatte diese Prärie wieder Flüsse, und in der Rahe derselben muhte ich auf Ansiedlungen stoßen, ich durfte nur dem Laufe eines Stromes fünf oder sechs Meilen olgen und war gewiß, auf Häuser und Pflan­zungen zu treffen Wie ich, so mich tröstend, fort­ritt und abermals schaute, ob Denn noch keiner Der Reiter zu sehen, entdeckte ich plötzlich eine Dritte Pferdespur, in der Tat und Wahrheit eine dritte Pferdespur, die wieder parallel mit den zweien, denen ich nachritt, fortlief. Run waren meine sell einigen Stunden gesunkenen Hoffnungen plötzlich wieder neu belebt. Hetzt konnte es mir doch gewiß nicht mehr fehlen; drei Reiter muhten eine bestimmte, zu irgendeinem Ziele führende Richtung genommen haben. Welche? war mir gleichviel, wenn sie nur zu Menschen führte.Zu Menschen, zu Menschen 1'^ rief ich jauchzend, mein Pferd zu erneuter Eile antreibend.

Die Sonne sank das zweitemal hinter Den hohen Baumwipfeln der westlichen Inseln hinab; die in diesen südlichen Dreitegraden so schnell einbrechende Rächt umgab mich abermals; von Den drei Reitern aber war noch immer nichts zu sehen. Ich fürchtete in der Dunkelheit die Spuren zu verlieren, hielt daher vor einer Insd an, schlang das eine Ende des Lassos um einen Baumast, die Schlinge um den Hals des Tieres und warf mich dann ins Gras.

Rauchen konnte ich nicht mehr; schlafen ebenso wenig. Kam auch zuweilen der Schlummer, so wurde er jedesmal durch krampfhaftes Auf- und Zusammenschrecken unterbrochen. Rimmer werde ich diese Rächt vergessen.

Kaum war die Morgendämmerung angebro­chen, so raffte ich mich auch wieder auf; aber es dauerte lange, ehe ich meinen Mustang gerüstet hatte. Der Sattel war mir so schwer geworden, dah ich ihn nur mit Mühe dem Tiere auf Den Rücken hob; sonst warf ich ihn mit zwei Fingern auf, jetzt vermochte ich es kaum mit Anstrengung aller meiner Kräfte. So mochte ich wieder eine oder zwei Stunden geritten fein, als ich plötzlich zu meinem größten Schrecken die drei Pferde­spuren verschwunden sah. Dis hierher waren Die Reiter gekommen unD keinen Schritt weiter. Sie mußten hier gelagert haben, denn ich sand das Gras in einem Umkreise von fünfzig bi- sechzig Fuft zertreten. Da plötzlich gewahre ich etwa- Weihes im Grase. Ich steige ab, gehe darauf zu, hebe es auf. Gott im Himmel! Es war t>afl Pa­pier, in Das ich meinen Virginia gewickelt, DaS ich die letzte Rächt weggeworfen I Ich war auf derselben Stelle, wo ich übernachtet! war also meiner eigenen Spur nachgeritten, im Kreise herumgeritten I

Ich stand wie vernichtet. In dumpfer Der« zweislung sank ich neben meinem Mustang nieder, nichts wünschend, als so schnell wie möglich zu sterben.

Wie lange ich lag, weih ich nicht. Lange muhte es gewesen sein, denn als ich mich endlich doch wieder aufraffte, war die Sonne ties anr westlichen Himmel herabgesunken. Ich war nicht nur körperlich, sondern auch geistig erschöpft, so Daß ich mir durchaus nicht erklären konnte, wie ich hierher gekommen. Später wurde mir diese- freilich klar. Was ich für fremde Reiterspuren gehalten, waren meine eigenen gewesen. Ohne Landmarke, ohne Wegweiser, war ich im Kreise herum und, während ich vorwärts zu kommen glaubte, rückwärts geritten. Ich war, wie ich später erfuhr, in der Hakinto-Prärie, einer der schönsten von Texas, an Die siebzig Meilen lang und breit, ein wahres Eden, die auch das mit dem Paradiese gemein hat, dah sie so leicht ver­führt. So ganz hatte mir die furchtbare Ent­deckung die Kraft geraubt, dah ich mich nur mit vieler Anstrengung noch auf dem Rücken des Tieres hielt und willen- und machtlos mich ihm überlieh. Rur so viel kann ich mich von diesen Stunden noch erinnern, daß mein Mustang clntge- male in der Lust herumschnaubte, dann aber eine entgegengesetzte Richtung und zwar fo_ rasch ein­schlug, daß ich mich nur mit größter Muhe in dem Sattd halten konnte. Wie lange ich so herum- geschleppt ward, weih ich nicht, noch wie ich bei ' einbrechender Rächt von Dem Rücken des Pferdes : kam Wahrscheinlich verdanke ich es dem Lasso, ; daß es so geduldig mit mir umsprana Wie ich die Rächt zugebracht, frage keiner. Wie ich wie- > ber auf den Rücken des Mustangfl kam, ist mir . noch heute ein Rätsel; aber hinauf kam ich, Dank : dem Lasso, den ich inftinltartig, wie der (Srtrin- i lende, keinen Augenblick aus der Hand gelassen.

Hetzt verschwamm alles so chaottsch vor meinen Augen, daß es Momente gab, wo ich mich nicht > mehr auf dieser Erde wähnte. Rur sehr dunkd : schwebt es mir vor, als wenn ich an Dlätter und Zweige gestreift, denn es sauste um mich wie Änaaen und Drechen der Aeste; auch hiell ich mich mit der letzten Kraft an etwas, was es mar, ob Sattel, ob Mähne, ober sonst etwas, weih ich gleichfalls nicht; dieser Halt entfuhr mir die Kraft verließ mich ich sank.

Ein Schlag, wie der Donner eines loflge* brannten Vierundzwanzigpfünders. bann eine ' Musik, wie aus höheren Sphären, glänzende - Lichtgestalten, ein sich vor meinen Dlicken öffnen- ' des Elysium!

Dann ein schnerzlicher Stich, der mir ghi* > hend durch Kehle und Eingeweide brannte! Run i etwas, als ob der entwichene Lebensfunke wieder zuräck'kehrte, die Lungenflügel sich öffneten, als ' ob es heiß durch die Glieder und Adern quölle, mir in Kopf und Augen dränge. Sie öffne*

Rüben tutfl auch!" Reicher als durch seine Spar­samkeit aber wurde der neue Landgraf durch die Seelenverkäuferei, die die Reichtumsquelle seines Vaters war und die der sonst seinem Vater so ; ungleiche Sohn weiterbetrieb.

Diese Seelenverkäuferei wurde bis in die Zei­ten Der französischen Revolution fortgesetzt. Wil­helm IX. galt als Der reichste Fürst Deutschlands. Er legte auch den Grundstein zum Reichtum der Dankiersdhnastie der Rothschilds, deren Stamm­vater Mayer Amschel Rothschild noch um 1790 ein kleines Wechselgeschäft in Frankfurt betrieb.

Zwei Reigungen teilte der Landgraf mit seinen Vorfahren: den Gamaschendienst und die Daulust. Um das Desertieren zu verhindern erlieft er einen Befehl, darin er anfünblgte, baft an Den Grenz- vrten beständig Husaren reiten würden, Die für jeden tot oder lebendig eingebrachten Deserteur fünf Taler bekommen sollten; die lebendig Zurück- gebrachten liefen zwei Tage hintereinander Spieft- ruten und kamen dann, wie der Wortlaut war, .auf ewig in unehrliche, Eisen". Die Armee blieb auf Dem Fuß von 14 000 Mann. Ha der neue Land­graf unternahm sogar, freilich vergeblich, mit ihr einen kleinen Feldzug, 1787, um Schaumburg- Lippe, als wegen einer unstandesmäßigen Heirat vermeintlich erledigtes Lehn an sich zu bringen. Um wieder zu seinem Gelbe zu kommen, schloß der Landgraf einen neuen Subsidientraktctt mit England auf vier Hahre, kraft deflen er wieder 12 000 Mann in englischen Sold gab und dafür ohne die Ginlleidungsentschädigung eine Subsidie von 675 000 Krontalern erhielt.

Seit dem Hahre 1787 begann der Landgraf großartige Reubauten. Sein Lieblingssitz war der Weißen st ein bei Gaffel: er ließ das alte von Land­graf Moritz erbaute, von Friedrich II. erweiterte Schloß abbreeften und ein neues durch Simon Lud­wig Dury und Huffow bauen. Seit 1794 hieß es W ilhelmshöh e". Gr ließ den Aquädutt, die Teufelsbrücke und den großen Waffersall, sowie den Wilhelmhöher Park errichten. Auch die Löwenburg wurde von ihm eftiaut. Deine zweite grobe Dauschöpfung war Wilhelmsbad bei Hanau. Hier hatte 1786 die große Versammlung aller deut­schen Freimaurer unter dem Vorsitz des Herzogs Ferdinand von Draunschweig stattgefunden.

Unterdessen kündigte sich der Sturm der fran­zösischen Revolution an. Der sparsame Landgraf bulbete Die Emigranten, ließ ihnen aber keine Unterstützung zugehen, er verbot Die revo­lutionärenrunden Hüte, ungeheuren Halstücher und Rockkeulen" und eine merkwürdige Aenderung trat mit feiner Dücherliebhaberei ein.In einer Kategorie mit den runden Hüten und Pantalons," schreibt unterm 15. Februar 1809 Graf Reinhard aus Gaffel an Goethe,standen ihm feit der Revo­lution Dücher." Rach dem Dasler Frieden kehrten auch die an England verkauften 12 000 Mann, die Den Feldzug in der Champagne mit den Preußen gemacht hatten, zurück.

Durch den Reichsdeputationshauptschluh vom Hahre 1803 wurde die Landgraffchaft Hessen-Cassel zum Kurfürstentum erhoben. Aus Dem Land­grafen Wilhelm IX. wurde der Kurfürst Wilhelm I. Aber die Landentfchädigung fiel kärglich aus. Für Rheinfels und St. Goar, die an Frankreich fielen, erhielt Der neue Kurfürst nur Fritzlar. Wilhelm hatte es eben aus Geiz untcrlaffen, wie Der Vetter in Darmstadt, die französischen Minister und Tei- lungskommissäre tüchtig zu schmieren. So kam die Katastrophe von 1806.

Rach Der HHromeschen Herrlichkeit, Die sieben Hahre Dauerte, Deren Schilderung wir übergehen, kehrte am 21. Rovember 1813 Der 70 Hahre alte Kurfürst in sein'Land zurück:

Karl von Raumer in feinen Erinnerungen be­schreibt Den Einzug in Cassel, Dem er beiwohnte: Voran eine Menge Dauern zu Pserde, zum Teil angetrunken, eine Schar weißgekleideter, vor Frost zitternder Mädchen, Schulmeister mit an­gestrengt schreienden Chorschülern, Rationalgarden zu Pferde und zu Fuß. Endlich kam der Kurfürst selbst, wohl von 200 Menschen gezogen. Er stand im Wagen, neben ihm Der Kurprinz. Der alte Herr trug eine mächtige Zopfperücke, ein großes ®e-

chaska in Teschen-Leipzig-Wien in acht kleinen ') Die Erscheinung, wdche die aufgeregte Dändchen neu gedruckt, und wir entnehmen aus j Phantasie des Verirrten so ergreift, ist eine Le­dern bekanntenKajütenbuch mit etlichen beirseiche, einer der riesigsten -oaume Mittel- und Kürzungen die berühmt gewordene Schilderung der, Südamerikas, der in dem seltsamen Schmucke eines Hacinto-Prärie, die in anderen Romanen des Dick)- T----t-af

terfl übrigens viele gleichwertige Gegenstücke findet. | . ,

ten sich.

Ich lag auf einer Rafenbank am Ufer eines schmalen, aber tiefen Fluffes. Mir zur Seite stand oiuxnnerua», wi u> w.u , mein Mustang, neben diesem ein Mann, Der. die

I langen silberweißen Moos hartes doppelt grotesk Arme gdreuzt, eine strohgeslvchtene Weidmanns- I erscheint. I flusche in Der Hand hidt.