Nr. 2^8 Drittes Blatt
1. v. M 0 11fe « De-
tung tm Buchhandel ferttggettellten, bann aber zurückgezogenen Broschüre .H
Die Erinnerungen des Generalobersten v. Moltke.
3m Stuttgarter „Neuen Tagblatt" Prüft dessen Chefredakteur E. Drackmann die Darstellung nach, die der Vertreter des „Matin", Sauerwein, auf Grund von Unterredungen irtlt dem bekannten, sehr verschieden beurteilten Anthroposophen Dr. Rudolf Steiner über den Verlauf der letzten Schicksals- tage im Jahre 1914, insbesondere über die entscheidende Beschlußfassung über den Auf- Marschbefehl und die Kriegserklärung gegen Frankreich vor kurzem in die Welt gesetzt hat. 3hr stellt er das Zeugnis des Kronzeugen der ganzen Darstellung, des Generalstabschefs von Moltke selbst, entgegen, indem er ausführt:.
Die Darstellung v. Moltke« liegt mir vor jn Rotten, die ich mir aus dem mir seinerzeit übergebenen, aber alsbald wieder 8urü<ferbetenen Seemplar der von Dr. Steiner bis zur Berbrei-
trachtungen und Erinnerungen" machen konnte. 3n den dort eingefügt gewesenen Erinnerungen deS Generals v. Moltke heißt es zu den von Sauerwein fälschlich aus den 31. Juli verlest en wichtigen Beratungen im königlichen Schloß in Berlin am Nachmittag de« 1. August 1914, die sich an da- um 11 Uhr früh au« London abgegangcne Telegramm de« Botschafter« Lichnowsky anschlossen, wörtlich.
Der Neichskanzler, der, wie schon angedeutet, das wichtigste Ziel seiner Politik darin sah, ein gute« Verhältnis mit England herzustellen. und der merkwürdigerweise bl« zu diesem Tage immer noch geglaubt hat, daß sich der allgemeine Krieg, zum mindesten die Teilnahme Englands an demselben, vermeiden lassen würde, war augenscheinlich über den Inhalt einer soeben vom deutschen Botschafter in London, Fürsten LichnowSktz, eingetrosfenen Depesche freudig er- 21, ebenso Seine Majestät der Kaiser. Die De- che teilte mit, daß der Staatssekretär Grey i Botschafter mitgeteilt habe, England wolle die Verpflichtung übernehmen, daß Frankreich nicht in den Krieg gegen uns ein treten werde, toeim Deutschland sich feinerfeit« verpflichte, keine feindselige Handlung gegen Frankreich zu unternehmen. Ich muß habet bemerken, daß auch in Frankreich bereits am selben Taye wie bei unS die Mobilmachung besohlen und die« uns bekannt war. E« herrschte, wie gesagt, eine freudige Stimmung „Nun brauchen wir nur den Krieg gegen Nußland zu führen." Der Kaiser sagte mir: .Also, wir marschieren einfach mit der ganzen Armee im Offen auf." Ich erwiderte Seiner Majestät, daß daS unmöglich fei. Der Aufmarsch eine« Millionenheeres lasse sich nicht improvisieren. SS sei das Ergebnis einer vollen mühsamen Jahresarbeit und könne, einmal aufgestellt, nicht geändert werden. „Wenn Seine Majestät darauf bestehen, da« gesamte Heer nach dem Osten zu führen, fo würden dieselbe kein schlagferttge« Heer, sondern einen wüsten Haufen ungeordneter bewaffneter Menschen ohne Verpflegung haben." Der Kaiser bestand auf feiner Forderung und wurde sehr ungehalten. Sr sagte mir u. a.: ,Ihr Onkel würde mir eine andere Antwort gegeben haben“, was mir sehr wehe tat. Ich habe nie den Anspruch erhoben, dem Feldmarschall gleich- Ä zu fein. Daran, daß es für uns eine Stata- herbeiführen mußte, wenn wir mit unsrer gesamten Armee nach Rußland hineinmarschiert wären, mit einem mobilen Frankreich im Rücken, schien kein Mensch zu denken. Wie hätte England es jemals, selbst den guten Willen vorausgesetzt, verhindern können, daß Frankreich unS in den Rücken fiel. Auch meine Einwendung, daß Frankreich bereits in der Mobilmachung begriffen fei. und daß es unmöglich fei, daß ein mobile« Deutschland und ein mobile« Frankreich sich ftiedlich darauf einigen würden, sich gegenseitig nichts zu tun, blieb erfolglos Die Stimmung wurde immer erregter, und ich stand ganz allein da. Schließlich gelang e« mir. Seine Majestät davon zu überzeugen, daß unser Aufmarsch der mit starken Kräften gegen Frankreich mit schwachen DefensivkrSften gegen Rußland gedacht war, planmäßig auslaufen müßte, wenn nicht die unheilvollsten Verwirrungen entstehen sollten. Ich sagte dem Kaiser, daß es nach dem vollendeten Aufmarsch möglich sein werde, beliebig starke Teile deS Heeres nach dem Osten überzuführen, an dem Aufmarsch selbst dürfe nichts geändert werden, sonst könne ich feine Verantwortung übernehmen Die Antwortdepesche nach London wurde dann demgemäß entworfen: daß 'Deutschland das englische Angebot sehr gern annähme, daß aber der einmal geplante Aufmarsch auch an der französischen Grenze auS technischen Gründen zunächst auSgefuhrt werden müßte. Wir würden aber Frankreich nichts tun, wenn es sich unter Kontrolle Englands ebenfalls ruhig Derbalten würde Mehr konnte ich nicht erreichen. Das ilnfinnige dieses ganzen englischen Vorschlags war mir von vornherein klar. Schon in frühem Jahren war mir vom Auswärtigen Amt davon gesprochen worden, daß Frankreich möglicherweise in einem Kriege Deutschland« gegen Rußland neutral bleiben könne. Ich glaubte so wenig an diese Möglichkeit, daß ich schon damals erklärt hatte: „Wenn Rußland uns den Krieg erklärt, müssen wir, wenn die Haltung Frankreichs zweifelhaft ist, ihm sofort den Krieg erklären." Jetzt forderte ich als Garantie für das Nichtlosschlagen Frankreichs die zeitweilige Aeberlasfung der Festungen Verdun und Soul an un8. Dieser Vorschlag wurde al« ein Mißtrauensvotum gegen England adgelehnt. Ich war im Laufe dieser Sache in eine fast verzweifelte Stimmung gekommen. Ich sah aus dieser diplomatischen Aktion, die hindernd in unsre Mobilmachung ein- xugreifen drohte, das größte Unheil für unfern bevorstehenden Krieg erwachsen. Ich muß hier einschalten, daß in unferm Mobilmachungsplan die Besetzung Luxemburgs durch.die 16. Division schon am ersten Mobilmachongstaa vorgesehen war. Wir mußten unbedingt die lurem- burgischen Dahnen gegen einen französischen Handstreich sichern, da wir fie zu unferm Aufmarsch brauchten. Um so schwerer traf es mich, als der Reichskanzler nun erklärte, die Besetzung Luxemburgs dürfe unter keinen Umständen erfolgen; sie sei eine direkte Bedrohung Frankreichs und würde die angebotene Garantie illusorisch machen. Während ich dabei stand, wandte sich der Kaiser, ohne mich zu fragen, an den
Siegener Anzeiger sGeneral-Anzeiger für Gberhessen)
Flügeladjutanten vom Dienst und befahl ihm, sofort telegraphisch der 16. Division nach Trier den Befehl -u übermitteln, sie solle nicht in Luxemburg einmarschieren. Mir war zumute, als ob mir da« Herz brechen sollte. Abermals lag die ©efabr vor, daß unser Aufmarsch in Verwirrung gebracht wurde. Was das heißt, kann im vollen Umfange wohl nur derjenige ermessen, dem die komplizierte und bi« aufs kleinste Detail geregelte Arbeit eines Aufmarsches bekannt ist; wo jeder Zug auf die Minute geregelt ift, muß jede Aen- derung in verhängnisvoller Weise wirken. Ich versuchte vergebens, Seine Majestät davon zu überzeugen, daß wir die luxemburgischen Dahnen brauchten unD fie sichern müßten Ich wurde mit der Bemerkung abgefertigt, ich möchte statt ihrer andere Dahnen benutzen. ES blieb bei dem Befehl.
Dann erwähnt v. QHpItfe, daß unmittelbar nach seinem Fortgang aus der Konferenz da« zweite Telegramm deS Botschafters Lichnowsky eingettoffen sei. das, wie wir wissen, 1.15 Uhr nachmittags in London auf gegeben wurde und lautete: „Der Privatsekretär Sir Edward Greys war eben bei mir, um mir zu sagen, der Minister wolle mir Vorschläge für die Neutralität Englands machen, selbst für den Fall, daß wir mit Rußland und Frankreich Krieg hätten; ich sehe Sir Edward Grey heute nachmittag", daS also -noch viel günstigere Aussichten für die deutsche Polittk eröffnete als das um 11 Uhr gesandte, seinem Inhalt nach in den vorstehenden Worten v. MoltkeS wiedergegebene. Als bezeichnend für die ganze Stimmung, die beim Kaiser und bei seinen Ratgebern in jenen Stunden' herrschte, fügt v. Moltke dieser Angabe Die Bemerkung bei, er sei überzeugt, daß, wenn dieses Telegramm auch nur eine halbe Stunde früher eingetroffen wäre, der Kaiser selbst nicht einmal für den zugestandenen Aufmarsch an der Westgrenze zu haben gewesen wäre. Erschüttert über die Vereinsamung, in der er allein mit seinen Forderungen dem Kaiser und sämtlichen verantwortlichen Stellen gegen» übergestanden hat, ist v. Moltke, wie er schreibt, aus dem Schlosse fortgegangen. Nachdem abends um 8'/r Ähr Lichnowsky dann telegraphiert und eine Antwort König Georgs an Kaiser Wilhelm keinen Zweifel darüber gelassen hatte, daß Lich- nowskys beide vorangegangenen, so günstig lautenden Telegramme auf einem Irrtum beruhten, und deshalb an ein Eingreifen Englands zugunsten Deutschlands überhaupt nicht zu denken sei, wie man in London daran auch nie gedacht hatte, hat sodann der Kaiser dem Generalstabschef mit den Worten „Tun Sie, waS Sie wollen", freie Hand für seinen Aufmarsch auch durch Luxemburg gegeben.
Don der schlotternden Angst und der sinnlosen Verwirrung, an die Sauerwein glauben machen möchte, ist nach dem wirklichen Bericht v. MoltkeS in der Konferenz vom 1. August also nichts zu finden getvesen, nur leider allzuviel von Dem verhängnisvollen Rechnen auf Englands WeltftiedenSwillen.
Aus Stadt und Land.
D i e b e n, Den 22. Oft. 1921.
Landtagswahl.
Wer noch keine WahlbenachrichttgungS- farte besitzt,
sehe M« Wählerliste ei«!
Stadthaus Dergstr. 20, Zimmer Nr. 14, letzter Tag der Offenlegung Sonntag, den 23. Oktober, von 8—12 Uhr vormittags. Gütersperre am Gießener Bahnhof.
In einem Telegramm der Eisenbahndioek- tton Frankfurt wird mitgeteilt, daß zur Hebung der Wagengestellung für den Kartoffelversand am Montag und Dienstag den 24. und 25. Oktober die Annahme von Frachtstückgut ge sperrt ist.
•
• • Teuerungszulage der Militärrentner. Den Empfängern von laufenden QEilitärtenten H ist mit Wirkung vorn 1. August an bis auf weiteres monatlich im voraus ein laufender Teuerungszuschuh zu zahlen; er beträgt für jede Witwe 25 Mk., für jede Waise (auch Vollwaise) 15 Mk., für jeden Sftcrn- teil 15 Mk. Der Teuerungszuschuß steht nicht den Hinterbliebenen von Berufsoffizieren, Deckoffizieren und Beamten zu, die nach den vor dem ReichSversorgungsgefeh ergangenen Militär-Ber- sorgungSgesetzen versorgt sind. Die Zahlung des Zuschusses für die Monate August, September und Oktober erfolgt für Die in Gießen wohnenden H- Smpfänger am Dienstag 25. Oftober, durch das Postamt in der Bahnhofstraße in der Zeit von 8—1 ilfcr vormittags und 2—7 Ähr nachmittags. Die übersandten Quittungen über die Nachzahlung sind vollzogen mitzubringen.
• * Für die Eisenbahnen im besetzten Gebiet wird am 26. Oftober die westeuropäische Zeit wieder eingeführt. In der Nacht vom 25. zum 26. Oktober wird daher Dort die Sisenbahnuhr von 12 ilbr nachts auf 11 Uhr nachmittags zurückgestellt. Die Stunde von 11 Uhr bis 12 11 br nachts erscheint demnach doppelt. Für das bürgerliche Leben soll die mitteleuropäische Zeit beibebalten werden Durch die Wiedereinführung der westeuropäischen Zeit wird das Berkehrsl-'ben im Nahverkehr im allgemeinen nicht berührt
• * Rot- und grüng estempelte Tau- fendmarktcheine. Die rotgestempelten Reichsdanknr ten zu 1000 Mk. werden von manchen Seiten noch immer Den grüngestempelten vorgezogen und vielfach sogar mit einem Aufgeld gehandelt. Demgegenüber weist Die Reichs- bam Darauf hin, daß beide Notensorten den gleichen Wert haben und eine Vevv.zugung Der einen oder der anderen Art durch nichts begründet ist. Die grüne ötcmjKlung. Die zellweite aus technischen Gründen Dorgenommen wurde, ist übrigens jetzt gänzlich eingestellt. Seit geraumer Zeit werden die betreffenden Noten der Rerchs- banl nur noch, wie früher, mit Dem roten Stem
Hcsten-Rasta«.
Die Massenheilmtgen Verbote«.
fpd. 5ra.ntfurt a. M., 21. Oft. Die von Dem Spiritisten Karl Waßma nn für Samstag abend am Schiller Denkmal ange kündigten Massen- heil ungen finb vom Polizeipinßdenkm aus sicherheitspolizeilichen Gründen verboten worden.
Landwirtschaft.
ra. Biedenkopf, 21. Oft Infolge der mangelhaften BerkehrSverhältnisse muh einstweilen im hiesigen Kreise von der Einrichtung einer fest begründeten landwirtschaftlichen W i n t e r s ch u l e abgesehen werden. In diesem Winter wird daher je ein landwirtschaftlicher Lehrgang in Battenberg und Biedenkopf abgehalten, Dem später ein zweiter in Rodheim a. d. Bieber und Gladenbach folgen soll.
X AuS der We11erau, 20. Oft. Endlich ist heute nacht ein durchweichender Regen niedergegangen. Sehr zu statten kommt er dem keimenden Roggen, der in Gefahr war, zu vermodern. Nun kann der Landmann den Winterweizen aussäen. Meistenteils sind die Aecker dazu bestellt und hei gerichtet Die letzten Dickwurz werden eingefahren; der Ertrag ist nur halb so groß wie im Vorjahre.
fpd. Frankfurt a. M., 21. Oft. Der 10- jährige Sohn einer in Der Robstvckstraße wohnenden Familie fand auf dem Flugplätze nahe Der früheren Zeppelinhalle eine vprengkapf el und legte sie zu Haus eauf Den Herd. Nach wenigen Augendllcken explodierte Da« Geschoß mit starkem Knall unD riß dem Jungen Die Finger weg. Gin zweites Kind wurde am Auge so schwer verletzt daß dieses al« verloren gilt. Zwei weitere Kinder derselben Famllie trugen im Gesicht erhebliche Brandwunden davon.
spd. Frankfur ta. M. 21. Oft Der Polizeipräsident weist Darauf hin, daß Herstellung und Verkauf von Schlagsahne — auch wenn sie aus Trockenpräparaten gefertigt ist — verboten bleibt Kunstprvdukte, die zu Magenverstauchungen von großer Wichtigkeit fino, Dürfen in Den Verkehr gebracht werden, aber mir unter Der ausdrücklichen Bezeichnung als „Schlagsahneersatz". Trotz des Verbotes ist in jedem (Safe echte Schlagsahne reichlich zu haben.
spd. Limburg, 21. Oft Dor einigen Tagen brachten wir Die Meldung, daß ein Primaner deS Weilburger Gymnasiums gewaltsam in Limburg von französischen Häschern aufgegriffen sei und in Die 5 r e m D e n l e g i o n verschleppt wer- Den sollte. Der junge Mann habe sich Dann Durch Flucht aus Dem Griesheimer Lager gerettet. E r- mittelungen Der hiesigen Staatsanwaltschaft haben nun ergeben, daß Der junge Mann sich f re iwillig in Wiesbaden und Griesheim der Fremdenlegion zur Verfügung gestellt hatte, hier aber abgewiesen wurde. Um nun sein Verschwinden aus Dem Ellern hause nicht eingestehen zu müssen, hatte er sich das „Märchen" seiner gewaltsamen Verschleppung ersonnen. Die Falschmeldung erhielten wir übrigens vom Vater deS Ausreißers.
pel vergehen, ohne daß natürlich dadurch die bisher grün gestempelten Noten ihren Wert verlieren oder ungültig werden.
Landkreis Gießen.
• Rodheim a. d. Horloff. 19. Oft. Der- Srten Sonntag veranstaltete der Gesangverein mnia aus Beuern hier ein Konzert. Die Volkslieder und Kunstchöre, fanden starken
Aus dem Amtsverkündigungsblatt.
” Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 149 vorn 21. Oftober enthalt: Bekanntmachung betreffend Aufhebung der Bekanntmachung über den Handel mit Tabakwaren. — Landtagswahl. Ausführung der Lande«- Feuerlöschordnung; hier: Ersatz von Metzgewinde durch Stortzkuppelungen. — Walzarbeiten. — Kreistierärzlliche Untersuchung der Deckhengste. — Gebühren der Feuer- Visitatoren. — Dienstnachrichten. — Feldbereinigung Heuchelheim. — Aenderung der Ortssahung über die Benützung der Gemeindeviehwage zu Treis a. d. Lda. — Gefunden, verloren. — Bekanntmachung des PolizeiamlS.
Die Sperre der Ortsdurchfahrt Lollar des Straßenzuges Gießen-Marburg wird aufgehoben.
Die Besitzer von Zuchthengsten sind verpflichtet, diese vor Beginn Der Deckzeit und während dieser in Abständen von höchstens vier Wochen durch den zuständigen Kreisveterinärarzt oder Anttsveterinärarzt untersuchen zu lassen wenn die Hengste zum Decken fremder Stuten benutzt werden. Die Besitzer von Zuchthengsten sind verpsiichtet, über die zugelassenen fremden 6tuten Register zu führen und diese den Behörden auf Verlangen zur Einsicht vorzulegen.
In der Gemeinde Dirlammen ist Dte OHaul- und Klauenseuche wieder erloschen die Desinfektionen sind durchgeführt. Der Sperrbezirk Dirlammen wird daher mit Wirkung vom 12. Oftober aufgehoben und die Ortsgemarkung Dirlammen aus die Dauer von zwei Wochen zum Deobachtungsgebiet erklärt. Die Gemeinden A l l- menrob, Frischborn, H 0 p f m a n n s f e l d und Hörgenau werden aus Dem Beobacht ungs- gebiet mit sofortiger Wirkung entlassen Das gefährdete Gebiet wird aufgehoben. Der Kreis Lauterbach ist damit wieder seuchenfrei.
Landwirt Karl Keil zu Grünberg ist zum FeDgeschwvrenen für die Gemeinde Grünberg ernannt und verpflichtet.
Heinrich Sert h. Ehrisrian Seipp, Beigeordneter Heinrich Koch und Gemeinderatsmib glieD Heinrich Peter zu Nonnenroth wurden als Mitglieder des Wiesenvvrftandes zu Non- nenrvth ernannt und verpflichtet.
Gefunden — verloren. In der Zeit tx>m 1.—15 Oftober wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 Infanterie-Seitengewehr, 1 Trauring, gez L. S. 6, 6. 20, 1 hölzerner Rechen, ein Kinderschiebfarren, 1 nicht sertiggestelltes blaues Damenjackett, 1 bunter Peiwenbeutel, 1 Heines Damenjackett, 1 bunter Perlenbeutel, 1 deine« schwarze Handschuhe, 1 silbernes Rasselchen lKin- derspielzeug), 1 cclber Glacehandschuh. 1 schwarzes Leder-Geldmäppchen, 1 brauner Klappjagd- stuhl, 1 Autodecküberzug, 1 HerrenoberhemD. 75 Mark in Papiergeld, verloren: 1 Dorsteck- nadel mit erbsengroßem Brillant, eine goldene
Samstag, 22. Moder 1921
Brosche mit Brillant, 1 Trauring, gez. L N. 10. 11. 07, 1 grüngrauer Her lens ilzhu t 1 silberne Damenuhr mit Lederarmband, 1 goldene Dvr- stecknadel.
Der Dienst mann Wilhelm Dender in Dießen hat seine Tätigkeit als Dienstmann auf- gegeben.
Turnen, Sport und Spiel.
Din Städlewettkampf im Kunstturnen.
Die AuSwahlmaimschaften von ‘Berlin unb Hamburg — je 10 Turner - werden sich am morgigen Sonntag in Berlin zu einem Sechslampf an Reck, Barren, Pferd (quer und lang), an den Ningen und In einer Kürfreiübung gegenüber- stehen. In der Hamburger Mannschaft stecken ganz vorchglichc Kräfte wie Sachse (Tshst. 1816), Mäht, Mülleger (6t. Pauli), Lüer (1316). die im Verein mit Den andern wohl imstande sein können. Den Sieg vom Vorjahre au wiederholen Berlin muß auf Die Dienste von Shm und Bösch (D. T.), Die erkrankt sind, und auf Hubert (T. I. B), Der beim Ausscheidungsturnen von Pech verfolgt war, verzichten. Die Hauptstützen der Berliner Mannschaft sind in Ehrhardt (B. T. D.), Ratt und Freudenberg (B. T.) zu erblicken. Qlur wenn die Einheimischen mit besseren Leistungen am Cang- pferd und an den Ringen als beim AuSscheidung«- tumen aufwarten, ist ein Sieg Berlin« zu erhoffen. Für den Laien wie für Den Fachmann werden e« spannende und interessante Kämpfe werden. Zur besseren ülebersicht für die Zuschauer wird nach jeder Hebung die Wertungszabl laut bekanntgegeben. Der jeweilige Stand deS Kampfe« wird mittels Lichtbild ständig angezeigt.
•
— Die Termine Der O!ympifchen Spiele 1 924, Die Frankreich zur Austragung überwiesen sinD und in PariS vor sich gehen sollen, sinh jetzt in großen Umritten festgelegt. Zum ersten Male seit Bestehen Der Spiele ist Der Wintersport mit einbezogen worden. Er bildet den ersten Teil und gelangt in Chamo ft im Januar und Februar zum Austrag. Im April und Mai folgen bann in Pari- die Spiele, wie Rugby und Fußball, und tm Anschluß daran beginnen am 3. Zuli Die eigentlichen Olympischen Spiele mit Den Entscheidungen der ausgesprochenen SommersportS, wie Leicht- athlettk, Schwimmen, Tennis usw. Sie dauern bis 17. Juli. Den Beschluß der Spiele bildet Der nächste Kongreß Der internationalen Athletik-Bereinigung. Einige Schwierigkeiten bereitet noch die Platzfrage. Am geeignetsten erscheint da« Pershing-Stadion, dessen Zuschauerräume jedoch bedeutend erweitert werden müssen, ilnb vorläufig fehlt bazu noch bas Geld. — Für bic Fußballspiele soll jetzt bie Teilnahme England« gesichert sein, bas zuerst schmollend wegen der Antwerpener Vorgänge (die bekannten Schießereien) abseits bleiben wollte. Aber die Tschechoslowakei hat sich bei Den Engländern entschuldigt, und so ist die Einigfell wiederhergestellt
— Erstes repräsentatives Hockey- Wettspiel in Marburg. Am morgigen Sonntag sindet auf bem Sportplatz Kämpfrasen in Marburg Das erste Hockehspiel zweier Auswahlmannschaften statt. Es treffen sich die Vertreter Des Maingaues, Der Im Hockehsport führend ist. und des heimatlichen Lahngaue«. Da beide Mannschaften In starker Ausstellung antreten, ift mit einem spannenden Spielverlauf zu rechnen, und werden die Freunde des Hockehsport« auf dieses Treffen aufmerksam gemacht. Spielbeginn 1 Ahr 30 Min.
— I n de r Großen Pardubitzer Steeple-Ehafe am Sonntag wird nur die alte Halbblüterin Pflicht Die deutschen Farben Dertreten, Da Fachinger die Reise nach Dorthin nicht angetreten hat.
«üchertifch.
— Heinrich Federer, Spitzbube über Spitzbube. Sine Erzählung. (Grotesche Sammlung von Werken zeitgenössischer Schriftsteller Band 146) Berlin, G. Grote. — Im fünfzehnten Jahrhundert spielt zwar diese Erzählung Des Schweizer Dichter«. Aber uns ist, alS sei sie in Motiv und Vertiefung herauSgenommen auS unserem Zeiterleben. Damals waren eS Die groben, wilbwüchsigen Schweizer, Die auf allen Schlachtfeldern der Welt zu finDen waren: um Gold- und Ruhmsucht. Alle Fürsten Europa« bemühten sich, Schweizer Landsknechte in ihr Heer einzustellen. Da entstand Der Schweiz, Dte unter ihrer Gold- unD Ruhmsucht fast sich selbst zerstörte, der Retter im Einsiedler und Waldhellige» Nikolaus von der Flüe. Echte Menschlichkell erfüllt dies farbige und bewegte Buch.
Krönst unb Wissenschaft.
Vorgeschichtliche Funde.
fpd. W ü r z b u r g, 21. Oft In der Nähe de« Rothofs stellte man eine dorfähnlicheSied- lun g aus DerjüngerenSteinzeit fest, die mit etwa dreißig Hütten stellen den fruchtbaren und sonnigen Berghang »wischen Herrenholz und Hart- wald beseht hielt Bisher wurden zwei Wohnhütten untersucht. Es handelt sich um ziemlich geräumige Hütten mit unregelmäßigem Grundriß, die teilweise stark in den Boden etngetieft waren und verschiedene Herd-, Abfall- und Schlafgruben enthielten. Die zahlreichen Kleinfunde bestehen hauptsächlich auS Resten von Tongefähen, Stein- werkzeugen und Tierknvchen und kennzeichnen die steinzeitliche Stufe der sog .Rössener" Äultur, Die bisher in Franken unbekannt war.
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