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dir. ver- nach Wie nach

dies bedeuten? Liebte ihn denn Magelone tt>irt- lich so wenig? Oder war es Hob die Angst, die sie an nichts anderes denken lieh, als an sich selbst? Sin leidenschaftlicher Zorn toaFlte in Do auf gegen die schöne Magelone. So also vergalt sie Rüdigers Liebe?

27. Kapitel.

Die Wagen waren fort. Der Fürst, der ihnen, zwischen Do uni) Hertha stehend, lange nachgeblickt hatte, wandte sich mit einem tiefen Atemzug ab, als die letzten Staubwolken berflat- terten.

Wie die Statten vom sinkenden Schiff, so ziehen sie dahin," murmelte er verächtlich. Dann winkte er Hampe zu sich und erteilte beherrscht seine Befehle.

Ein Bote sollte Herrn Brömel ins Schloß rufen. Es hatte keinen Zweck, dah er länger am Brandplah blieb, und hier gab es eine Menge zu beraten und zu schreiben, wobei er sich nützlich machen konnte. Den Leuten, die nachts vom Schloß mit der Feuerwehr ausgerückt waren, sollte der Tag frei und ein Fast Bier gegeben werden. Wenn die Wagen von UllerSfeld zurück'ehrten, sollte einer derselben sogleich zur Station Wolken- riet weiterfahren, um G'-as Rüdiger beim Elfuhr­zug zu erwarten.

..Wenn das erledigt ist, Hampe," schlost der Fürst,dann gehen Sie selbst zu Dr. Kaspar und verständigen ihn, dast ich selbstverständlich alle Krankenkosten der überf obren en Frau auf mich nehme, obwohl es ja nicht meine Pflicht wäre. Derrn ich lann doch nicht dafür, dah mir die Leute meine Pferde durch die Steinwürse scheu machten. Immerhin die Frau soll später auch

(Jagte plötzlich lebhaft zur Gräfin:Denke Edith Ruhland hat sich mit Mr. Parker lobt! Ratürlich in aller Stille. Aber gleich Ablauf 'des Trauerjahres will 'sie heiraten, schade, dast ich fte nun verliere, wenn sie Amerika geht!"

das aller Wahrscheinlichkeit nach einem groben Geweihträger zugehörte: beträgt doch der Kronen- durchmesser einer zutage geförderten Geweih- ftange etwa 8 bis 10 Zentimeter. 3n verschie- tenen Teilen der hiesigen Gemarkung trifft man gegenwärtig Apfel- und Birnbäume, die teilweise in voller Blüte stehen. Bei der dies­jährigen Versteigerung des Gemeinde­obstes wurden recht erhebliche Preise erzielt. CEie fast allerorts, fiel die Grummeternte unsrer Gemarkung sehr spärlich aus, nur die Wie­senbesitzer der sogenannten Kahn dürften zufrie­den sein, da jener Wiesengrund durch die Bieber ausreichend bewässert werden konnte.

? Lang-Göns, 21. Sept. In der letzten Gemeinderatssihung wurde beschlossen, die K i r ch e innen Herstellen zu lassen. Gleichzettig soll eine elektrische Lichtanlage eingerichtet wer­den. Für die neue Orgel wurde ein gröberer Zuschuh bewilligt. Ferner wurde die Errichtung eines Kriegerdenkmals beschlossen, das auf bem schönen Kirchenplatz errichtet werden soll

?? Lang-Göns, 20. Sept. Am Sonntag­nachmittag wurde die Feuerwehr alarmiert: es toar ein Waldbrand im Wehrholz ausgebro- chen. der bereits einen gröberen Umfang an­genommen hatte.

Hessen-Nassau.

Zwei junge Mädchen verschwunden.

fpd. Kassel, 20. Sept. Eine 24jährige Lehrerin, die vor einiger Zeit in Wies­baden in einem Herrschaftshause als Er­zieherin tätig war, begab sich von hier nach Holland, um im Haag eine gleiche Stelle an­zunehmen. Das junge Mädchen ist aus Wies­baden abgefahren, aber bisher in Holland nicht eingetroffen. Es ist nicht ausgeschlossen, dah der Lehrerin ein Anfall zugestvhen ist oder sie entführt wurde. Ferner wird seit dem 16. September die 21jährige Erna F. vermißt. Das junge Mädchen, eine hübsche Erscheinung, wollte nach Bettenhausen fah­ren, ist aber hier nicht eingetrvffen und seitdem ebenfalls verschwunden.

eine Rente bekommen. 3d> will mich weder kna- lerig noch unversöhnlich zeigen."

Das war viel aus diesem stolzen Mund, bet bisher nur hatte befehlen können. Do warf bem Fürsten einen dankbaren Blick zu. Sie hatte ihn vcrher gebeten, es nun nur in Güte noch mit den Leuten zu versuchen und ihnen entgegen* zukommen, wo immer sich Gelegenheit dazu biete

Dies war die erste Frucht ihrer Bitte.Ra, hab ich'- recht gemacht, Mädel?" sagte er nun, alS Hampe gegangen war.

.3a. Rur eins hättest du nicht an ordn en sollen, Onkel Ubald: daß der Wagen zur Bahn fährt, um Rüdiger abzuholen. Sr bars sich den Leuten jetzt nicht zeigen wenigstens heute noch nicht. Man kann nicht willen . .

Aber, wie zum Kuckuck soll er denn sonst nach Grafenegg gelangen ? Einen Aeroplan ha­ben wir leider nicht zur Verfügung!"

Entweder must er weiterfahren biS UllerS- felb ober sich zu Fuß auf Umwegen hierher be­geben."

.Das tut er nie! Da kennst bu Rüdiger schlecht. Er würbe bieS für Feigheit halten und es glatt ablehnen."

.Er weist noch nicht, was geschehen ist. man müßte ihn bitten"

Ich gebe dir mehr Wort, daß es ganz aus­sichtslos wäre! And wer sollte ihn überhaup bitten V Selbst wenn ich Persönlich zur Vahr führe, würde ja mein Anblick die Lei'te nux von neuem erregen."

(Fortsetzung folgt.)

Die Rotherfteins.

Roman von Erich Eden st ein. Copyright 1919 by ©reiner & Eomp., Berlin W 30. 60. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Indessen schien sich die schöne Magelone teine ।großen Sorgen darüber zu machen. Sie las eifrig einen Brief, den sie soeben erhalten hatte und

Aus Hessen.

Aus dem Finanzausschuß.

rm. Darmstadt, 21. Sept. Der Finanz­ausschuß des Hess, ßanbtagä lehnte in seiner heutigen Sitzung den Antrag des Abg. Her­bert, betr. die vierteljährliche Vorauszah­lung der Gehälter an die Staatsbeamten, wie dies schon beim Reich geschieht, aus wirtschaft­lichen und finanziellen Gründen ab. Der hierdurch entstehende Zinsverlust würde nach Mitteilungen der Regierung etwa eine Million Mk. ausmac^n. Ein Gesuch des Wohnungsamtes in Butz - bach um Verlegung der Oberförsterei Butzbach nach Hochweisel wird aus den von der Re­gierung geltend gemachten diensllichen und finan­ziellen Gründen abgelehnt. Zu dem Gesuch der Gemeinde Laubach soll die Regierung ersucht werden, dafür einzutreten, dah Laubach in eine höhere Ortsklasse verseht wird. Zum Schluß wird noch ein Initiativantrag des Ausschusses an- jenommen, durch den die Aenderung des § 181 )er LGO. im Sinne des Antrages Reh gesetzliche Regelung findet. Die Beratungen werden am Don­nerstag früh mit der Beamtenbesoldungsvorlage ortgesetzt.

Sieht, Drängte Magelone errötend,wir haben gar nicht mehr viel Zeit, denn ich muß unterwegs in Wilhelminenruhe an halten lasten. Ich habe von Eugen Ruhland noch Bücher, die ich ihm zurückgeben will, und dann gehört es sich, dah ich ihm in ein paar Worten zu Ediths Ster- Icbung gratuliere. Diese Verbindung war ein Herzenswunsch von ihm."

Du willst Herrn Ruhland einen Besuch ab­statten? Jetzt am Morgen und wo seine Mutter verreist ist?" fragte die Gräfin befremdet.

Za, ich laste ihn mir einfach in den Part herab ruf en," antwortete Magelone ärgerlich, und schlüpfte an der Gräfin vorbei zur Tür hinaus.

Do, die das kurze Gespräch zufällig mit an­gehört hatte, eilte ihr nach.

Magelone," stieb sie erregt heraus,was soll das bedeuten? Du fährst mit den anderen nach Allersfeld statt nach Wolkenriet?"

Ratürlich! Glaubst du, ich hätte Lust, mir im Dorf auch ©teine an den Kops werfen zu lassen?"

Ja, willst bu denn nicht Rüdiger entgegen, um ihn zu warnen? Du sagtest noch vorhin selbst, die Leute seien erfährlich erbittert gegen ihn.

Gewiß, aber das ist für mich doch kein Grund, seinetwegen meine Haut zu Markte zu tragen. Mag er auSessen, was er sich eingebrodt hat! And nun, bitte, halte mich nicht länger auf. Wir haben wirklich Eile! Wenn es dir leid tut, warne ihn doch selber!"

Sie schob Do beiseite und winkte ihrer Jung­fer, die mit allerlei Handgepäck wartend in der Halle stand.

Do starrte ihr fassungslos nach. Was sollte

itroden.

Auch der Fürst hatte Briefe erhalten. Siner davon war von Anneliese aus Oddensloh, die darin ihre Sterlobung mit Graf Wendloh an- zeigte. Der Brief war warm und glückstrahlend, wie Anneliese noch nie an die Ihren geschrieben hatte.

Dem Fürst fiel ein Stein vom Herzen dabei.

Gottlob, das war nicht nur eine glänzende Versorgung für Anneliese, sondern auch der Ab­schluß eines Herzensromans, an besten Erfüllung er schon kaum mehr geglaubt hatte.

Auf die anderen machte die Rachricht wenig Eindruck, denn man meldete soeben, daß die Wa­gen vorgefahren waren und SHagelone drängte hastig zum Aufbruch. Sllle erhoben sich

Wir haben ja noch Zeit," sagte die Grä­fin,der Zug geht erst in einer Stunde von Ullersfeld ab.

der Gewissenlosigkeit, die Politik des Wahnsinns. (Lebhafter Beifall.) Auf unserer Seite aber wird alles kämpfen, was die Demokratie und die Republik retten und schützen will, daß niemals wieder ein Restchen davon verloren gehen kann. (Stürmischer Beifall.) Für uns heißt es: Auf alle Fälle bereit sein für die große Abrechnung mit der Reaktion unter der Parole: Für die Republik, gegen die Reaktion, für Demokratie und Sozialismus, gegen die Ausplünderer des Volkes, für Freiheit und Recht und gegen den Meuchel­mord. (Langanhaltender stürmischer Steif all.)

Das Sozialdemokratische Parteiprogramm.

Es steht nunmehr fest, dah der Görlitzer So­zialdemokratische Parteitag das neue Partei­programm noch verabschieden wird. Die Prcgrammkvmmission hat den theorettschen Pro­grammteil nach dem neuen Entwurf von Fried­rich Stampfer und den praktischen Teil des neuen Entwurfes von Ouarck in Verbindung mit der Vorlage noch einmal durchgeprüft und ist zu einer neuen Redaktion des Programms gekom­men, die weitgehende Zustimmung gefunden hat.

Run, da paßt fie ja ganz gut hin ihrgn emanzipierten Ansichten," meinte die Gräfin

ve n Ha sses. ES ist eine Schmach und Schande, dach man tausende schwarzer Analphabeten im Lande hält, wofür wir Milliarden von Unter» Haltungskosten bezahlen müssen, statt damit die Steparationen abtragen zu können. «Sehr richtig. Bei uns gibt es Irrsinnige, die sich für deutsch- national halten und eine unverhohlene Freude an ber Besatzung haben. Rach ihrer Meinung muß öns Bvlk zum Rationalgefühl erzogen werden. Dabei könnte die Besetzung weiteren Gebietes nur nützlich sein. (Hört, hört!) Seit der An­nahme des Stersailler Vertrages und des Ulti­matums bestand für alle die Pflicht, auf die Er­füllung hinzuarbeiten, bis die Revision erreicht worden ist. Die Möglichkett der Erfüllung seht geordnete Verhältnisse in der Republik voraus. Daher ist eS notwendte, daß das ganze Volk sich auf den Boden der Verfassung stellt. Was die kommunistischen Putsche dem deutschen Stelle schadeten, kann kaum wieder gut gemacht werden Es steht fest, dah die kommu­

nistische Bewegung für die Republik nicht mehr in Betracht kommt Die Gefahren, von denen die Republik bedroht ist, kommen von einer an­deren Seite. Der Feind steht rechts! Der Reichskanzler stellte nach der Ermordung Erzber­gers ein Gesetz zm Schuhe gegen persönliche Ver­leumdungen und Ehrabschneiderei in Aussicht. Es ist höchste Zett, daß die Subjekte, die ehr­lichen Leuten die Ehre besudeln, hin- t er S chl oh und Riegel geseht werden. Wir müssen die Republik mit allen Mitteln, die uns da-

Stabtocrorbneten unb bie Stabtoerwaitung ergeht beshalb bie bringenbe Bitte ben veröffentlichten Entwurf einer grünblichsn Prüfung zu unterziehen unb eventuell bie Angelegenheit, solange zurückzu» stellen, bis eint gerechtere Lösung vielleicht unter Berechnung bes Flächeninhaltes ber Wohnungen unb Geschäftsräume - gefunben ist. Wie im übrigen bie Finanzverwaltting bei einer ICprojentigen Erhebung vom Mietpreise zu einem Steucrertrag von zirka 500 000 Mk. kommt, ist nicht recht verstänbllch; es dürfte hier nach Schätzungen eine viel höhere Summe herauskommen." D,

Oberschlesierhilfe.

3n der Woche vom 25. September 1921 bis 2. Oktober 1921 findet auch in der Stadt Gießen eine Haussammlung für die not­leidenden Oberschlesier statt, wie sie bereits für den Landbezirk des Kreises Gießen eingelei­tet worden ist.

Die Bezirksgruppe Gießen der Derbände heimattreuer Oberschlesier, das Rote Kreuz, der Alice-Frauenverein und die Stadt Gie­ßen richten aus diesem Anlaß einen kurzen Aufruf an Gießens Bürgerschaft, in dem es heißt:

Die Leiden der Oberschlesier, verursacht durch drei Aufstände und Einbrüche der Po­len, sind so sehr im Gedächtnis aller, daß ein besonderer Hinweis auf die Rot sich erübrigt.

Sie währt schon bald ein Jahr, sie wächst immer mehr mit der Länge der Zeit, und rasche, widerhvlte Hilfe ist dringend nötig.

Kunst und Wissenschaft.

Die Hessische LandeSwanderbuhne.

Dr. W. Darmstadt, 21. Sept. Die Hess. Landeswanderbühne, das Theater der Zentralstelle zur Förderung der Volksbildung und Jugendpflege in Hessen, eröffnete am Dienstag, 20. September, ihre zweite Spielzeit. In der Sommerpause er­fuhr die Bühne eine völlige Erneuerung in be­zug auf Personal und Ausstattung. Die Sleu- gefialtung bedeutet einen wesentlichen Fortschritt gegen früher. DaS starre Dühnengestell des Vor­jahres, das nur in großen Sälen verwendbar war, ist durch eine sinnreiche Eisenkvnstruktion ersetzt. Ein Gerüst aus Mannesmannrohren, die ineinanderschiebbar sind, ermöglicht es, den Spiel­raum zwischen 4 und 7 Meter in der Breite, 2,80 und 4,50 Meter in der Höhe und 2,75 und 4 Meter in der Tiefe beliebig groß zu gestatten, so dah auch Orte mit kleinsten Sälen besucht wer­den können. Außerdem führt das Theater einen Vorbau von 1,20 Meter Tiefe mit, vor dem sich der eigentliche Dühnenrahmen mit dem Haupt- Vorhang befindet. Der Hauptrahmen ist in Grün und Violett gehalten, das zusammen mit dem satten Gold des Vorhangs einen sehr stimmungs­vollen Eindruck macht. Eine zweite Heinere Bühne, die genau wie die größere ausgestaltet ist, wird für leichtere und heitere Stücke mitgeführt. Die Ausstattungsstücke und Beleuchtungsapparate geben denen stehender großen Bühnen nichts nach.

Die Eröffnungsvorstellung brachte Schillers Räuber. Sie bot Bühnenbilder in einfachsten Formen in starker ungebrochener Farbigkeit. Auch das Spiel bewegte sich durch­weg auf einer sehr klaren stilistischen Linie. Von allen Zugeständnissen an Raturallsmus ist ab­gesehen ohne irgendwelche Verstiegenhetten auf der anderen Seite. Alles ist so einfach wie mog- lich gegeben, ohne primitiv zu fein. Dafür ist btt Wirkung um so eindringlicher. Alles ist also ge­schehen, um die 2. Wanderung der Bühne durch Hessen erfreulich und segenbringend zu gestalten. Sie wird noch erfolgreicher als das erste Ma» in die bisher benachteiligten Landstriche echte, festliche Kunst in einwandfreier Darbietung bringen.

* Die Rückgabe der Beute - wagen. Beutegüterwagen sieht man "och vielfach auf den Reichsbahnen. Man fragt sich, wieso sie noch nicht zurückgegeben sind, da wir doch schon im Waffenstillstand von unseren Wagen und Lokomotiven abge­ben muhten. In der Tat ist ein Teil diesen Deutewagen noch nicht zur Uebergabe an die Gegenseite her gerichtet. Die belgischen Staatsbahn-Beutegüterwagen mit der Be­zeichnung M. G. D. Brüssel A, und die russi­schen Beutegüterwagen mit der Bezeichnung M. G. D. Warschau A, B unb C dürfen für den Verkehr innerhalb Deutschlands im un­besetzten Gebiet verwendet werden. Die bel­gischen StaatSbahn-Beutegüterwagen und die russischen Beulegüterwagen sind z. T. schon hierzu instand gesetzt und warten auf Ab­ruf. Belgische Privat-Beutegüterwagen wer­den jetzt beschleunigt und in übergabefähigen Zustand gesetzt, soweit sie nicht schon über- gabefähig sind. Sie werden den Sammel­bahnhöfen des Direkttonsbezirks Angeführt, von wo sie auf Abruf abgefahren werden. Ohne Instandsetzung sind die italienischen Beutegüterwagen nach Basel, die serbischen nach Nürnberg abzufahren.

Bornotizen.

Ta geskalenderfürDonnerS- tag: Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Heute Die Bettlerin von Stambul", ab morgen bis einschließlich MontagMiß Venus".

Landkreis Gießen.

k. A l l e n d o r f a. d. L d a., 20. Sept. Die Kartoffelernte ist hier bereits in vol­lem Gang. Der Ertrag wird gering sein. Wäh­rend bei normaler Ernte die hiesigen Land­wirte die anderen Verbraucher wohl alle mit Kartoffeln versorgen können, ist es in diesem ,ahre unmöglich. Die meisten Dauern, ernten nicht mehr, als sie für ihren eigenen Dedarf benötigen. Infolgedessen müssen von aus­wärts Kartoffeln bezogen werden. Solche wur­den schon angeboten, der Zentner zu 40 bis 45Mk.

is. Steinbach, 21. Sept. Die Erweiterungs­arbeiten an unserer Wasserleitung haben einen günstigen Erfolg. Die erschlossenen Quellen, die kaum 6 Meter tief in der Erde liegen, liefern täglich 400 Kubikmeter Wasser. Um die Quell­fassung ausführen zu können, mußte die Motor- Pumpe Tag und Slad)t arbeiten. Unsere Gemeinde wird nunmehr auch in den trockensten Jahren genügend versorgt sein, denn beim stärksten Ver­brauch ist noch Wasservorrat da. Bei der Er­bauung unserer Leitung im Jahre 1906 war all­gemein Stimmung vorhanden für das heutige Projekt. Wäre dieses damals schon zur Aus­führung gekommen, dann hätte unsere Gemeinde nicht an Wassermangel gelitten und die erheb­lichen Kosten für die zweimalige Erweiterung gespart.

w. H e u ch e l h e i m, 22. Sept. Stei den Aus­schachtungsarbeiten die zwecks Sterlegung des Bieberbaches zwischen Dorf und Heuchelheimer Mühle borgenommen werden, stießen die Erd­arbeiter auf die Knochenüberreste eines Skeletts,

Aus Stabt unb Lanb.

Gießen, den 22. Sept. 1921.

Sttaßeurcinigung und Müllabfuhr.

Der von der Stadtverwaltung veröffent­lichte Entwurf einerOrtssatzung über die Er­hebung von Gebühren für die Reinigung der Sttaßen und Fußsteige und für die Abfuhr von Hauskehricht" hat in weiten Kreisen der Bevöl­kerung Bedenken und Einwände ausgelöst. Wir teilten gestern bereits die ablehnende Stel­lungnahme des Gießener Mietervereins mit und erfahren heute, dah der Detailliften­verein am Dienstag Abend in einer gut besuch­ten Versammlung den Entwurf in der vorliegen­den Form ebenfalls als unannehmbar bezeich­net habe. Auch die nachstehende Zuschrift eines hiesigen Geschäftsmannes enthält viele durchaus berechttgte Einwendungen:

Der (Entwurf für Straßenreinigungsgebühren sieht eine Erhebung von 10 Prozent bes Mietpreises vor. Es mag bies ja für bie Erhebung ber Ge­bühren ein sehr einfacher Weg sein; bei genauer Prüfung wirb man aber finben, baß bies zu großen Unzuträglichkeiten unb Ungleichheiten führt. Nimmt man z. B. an, baß ein Geschäftslokal mit einigen Metern Straßenfront unb vielleicht 100 qm Flächen­inhalt 4-5000 Mk. Miete kostet, bann müßten hierfür 400 - 500 Mark Gebühren bezahll werben. (Eine 6-Zimmerwohnung mit doppeltem Flächeninhalt kostet 1200- 1400 Mark, mithin wären 120-140 Mark Gebühren zu entrichten.

Der Hausbesitzer, welcher sein Haus zum Friebenswerte ansetzt unb entsprechend auch seine Miete angibt, wird sich viel günstiger stellen als ein Mieter, welcher heute eine neue Wohnung mietet und entsprechend höhere Miete zahlen muß. Nimmt man ein Fabrikgrundstück mit großem Flächen­inhalt zum Friedenspreise von 200000 Mk. an, wo­für wohl als Mietertrag 10-12000 Mk angesetzt werden - hierfür wären 1000-1200 Mk. Gebühren ZU bezahlen und stellt dagegen Geschäftsräume in der Mitte der Stabt mit nur 100 - 200 qm Flächen­inhalt, aber sehr hoherMiete.so ergibt sich, bah berkleine unb mittlere Geschäftsmann viel härter herangezogen wird als ber wirtschaftlich viel stärkere Fabrikbesitzer. Die heutige Ungleichheit ber Mieten - es kommt hunbertfach vor, baß größere Wohnungen viel weniger dosten bzw. angerechnet werben als kleinere, welche neu gemietet werben - läßt bie Erhebung ber Ge­bühren auf ber (Brunblage bes Mietpreises als un» gerecht und ungeeignet erkennen. An die Herren

zu geeignet erscheinen, schützen. Weil sonst das Schicksal unseres Landes SIbenteurern, die einen Haufen Landsknechte zu sammeln verstehen, aus- aeliefert Wäre. Die Richter müssen sich loyal auf den Boden der Verfassung stellen oder den Ab­schied nehmen. Die Republik darf die republika­nische Reichswehr nicht dauernd monarchischen Offizieren und Freunden Kapps und Ludendorffs unterstellen. An die Spitze alles dessen, was zur Sicherung der Republik geschehen muß, ist die For­derung zu stellen, dah die sozialistische und demo­kratische Arbeiterschaft sich zur geschlossenen Front gegen die Reattion zusammenschließt. (Beifall.) Alle anderen Maßnahmen sehen voraus, daß im Reich und in den einzelnen Gliedstaaten Regie­rungen gebildet werden, deren Mitglieder nur aus solchen Parteien bestehen dürfen, die diese Ver­fassung anerkennen und berett sind, zu ihrem Schuh alle Machtmittel des Staates in Anwendung zu bringen. Immer wieder muß betont werden, daß es sich bei einer jeden Koalitionsregierung nicht um eine Gesinnungs-, sondern um eine Arbeits­gemeinschaft handelt. (Lebhafter Beifall.) Ob die Deutsche Volkspartei für eine neue Koalition in Frage kommt, muß durch ihre Stellung zu den Mindestforderungen ertoiefen werden. Wir müssen wegen des Stersailler Diktats phantastische Sum- men auf Bringen. Keinesfalls aber dürfen wir sdem arbeitenden Voll, den Steamten aller Grade, kleinen Rentnern usw. weiter Steuerlasten auf- öBürben, wenn nicht zuvor da zugegriffen wird, wo noch wirllich Werte unangetastet liegen. Der tötanb unserer Valuta ist geradezu trostlos. Für die plötzliche katastrophale Entwertung ber Mart fehlen objektive Gründe. Dicht das Stus land hat den Sturz der Mark herbeigeführt, der Sturz ist vom Inlande ausgegangen. Ster brecherische ^Spekulation deutscher Profitjäger haben das ver­schuldet. Diese haben vor und nach dem Kriege verdient. Sie haben vor und nach ber Revolu­tion ihre Geschäfte zu machen verstanden. Auch Diesen muß gründlich das Handwert gelegt wer­den. SBerm das Reich seine Sterpflichtungen aus dem Ultimatum erfüllen will, wird es sich aas- ständisch^. Zahlungsmittel verschaffen müssen. Das ftft aus den oben angeführten Gründen immer schwieriger geworden. Vertreter der In- tbu ffrie unbber Danken erklärten sich aus -eigener Initiative bereit, fremde De­visen zu beschaffen. Silan soll diesen Plan nicht !voü vornherein abweisen, aber ihn doch Mit großer Vorsicht behandeln. Das Reich »muß den Rotleidenden Slnteil an den Gr- teägniffen der Privatwirtschaft geben und ihre »Substanz sichern. Aber das wird nur gelingen, 1»enn wir den inneren Frieden sichern. Zu diesem Grundsatz hat sich die Sozialdemokratie be­gannt, seitdem vor drei Jahren die katastrophale ^Lage des Reiches llar geworden ist. (Lebhafter IDeifall.) Die Demagogen, die gegen das Ster» [fatHer Diktat Wettern und so tun, als ob wir (uns mir zu sträuben brauchten, Steuern zu be­fahlen, und daß dann alles in Ordnung wäre, treiben eine Politik der Gewissenlosigkeit. Es tfi die Politik des Lugs und Trugs. (Bravo.) nun hundertsten Male muß man die reaktionären Politiker fragen, wie sie das durch ihre Politll /ins Unglück geführte Doll wieder frei machen ^wollen, wenn nicht durch den ernsthaftesten Ster- ffuch der Erfüllung des Friedensvertrages bis !äu seiner Revision. Sonst gibt es nur ein Mittel: Den Krieg gegen die Entente. (Sehr listig.) Dann müssen Hergt, Helfferich, Westarp und Genossen mit hölzernen Säbeln und Schau- >keft>ferden ins Feld ziehen. (Große Heiterkeit.) 'Die Politik der Deutschnationalen ist die Politik

Wettervoraussage

für Freitag.

Wolkig, strichweise Riederschläge, südwestliche Winde. Das Hochdruckgebiet über dem Kanal hat an Intensität zugenvmmen. Die nördlich Irland und von dem Atlantischen Ozean nahenden De­pressionen gewinnen jedoch merllich Einfluß auf unsere Wetterlage. Wir haben deshalb mit wol­kigem Wetter und vereinzelten Riederschlägen zu rechnen.