Neuerung ledigttch zu neuen ungeheueren Preis- Weigerungen führe. Die Entschließung fordert ein Steuersystem, das in erster Linie die von der Geldentwertung seither unberührt gebliebenen Sachwerte, insbesondere die in Industriewerken und der im Boden ruhenden Kapitalwerte ersaht, sowie das Reich an den Erträgnissen des mobilen und immobilen Kapitals teilnehmen läßt. Die letzte Entschliehung fordert eine Aenderung der Wirtschaftspolitik in der Richtung zur Gemein- wirtschaft.
Ein neuer Metallarbeiterstreik.
Schwab.-Gmünd. 18. Aug. (Wvlff.) Die im Deutschen und Christlichen Metallarbeiterverband organisierte Arbeiterschaft der hiesigen Edelmetallindustrie — es kommen über 4000 Arbeiter in Betracht — haben gestern abend in einer Massenversammlung im Stadtgarten mit allen gegen zwei Stimmen beschlossen, von Donnerstag ab in den Streik zu treten, da die Verhandlungen zwischen den Arbeitern und den Fabrikanten zu keiner Einigung geführt haben.
Aus Hessen,
Der Geist des hessische« AegierungsorganS.
3n der amtlichen „Darmstädter Zeitung", dem Organ der hessischen Regierung, lesen wir folgende weiteren Proben einer neuzeitlichen amtlichen Lonesart:
„Reaktionärer Klimbim.
Die hochwürdigen militärischen Feiern in München und Königsberg in Ostpreußen, Nm zur Zeit deutschnatwnalsten beiden Städten unserer Republik, haben ihr Ende erreicht. Den arohmäuligen Helden, welche durch ihre schlauen Krieasmanöver ein 7O-Millionenvolk in den Ab- gruno gestürzt haben, die sich tapfer hinter der Front herumdrückten, Sekt tranken. Kaviar speisten, die Mannschaften mit Maschinengewehren ins Feuer jagten, aste 8 Tage „auf Urlaub“ fuhren und sich — wie z. D. der heldenmütige Sohn des ebenso heldenmütigen Wilhelm, bei Eltville um ihr Quartier eine ca. 4y2 m dicke Beton- und Sandmauern zum Schuhe ihrer allerhöchsten Person bauen liehen, haben wieder einmal Gelegenheit gehabt, zu den „Kameraden". „ Kampf es- aerwssen", ..Brüdern" zu sprechen, dieselben „Brüder" die sie, wenn diese infolge ihres Hungers an der Front sich einmal zu Dorwürfen gegen ihre schlemmenden und prassenden Vorgesetzten hinreihen liehen, auf 5 Jahre ins Zuchthaus brachten."
An das hessischeGesamtkabinett wäre die Frage zu richten, ob es diese Stilübung parteipolitischer Gesinnungstüchtigkeit, in der die Gesamtheit des früheren deutschen Offizierkorps mit Prassern und Driickebergern zusammengeworfen wird, lobt und billigt? Rur in bedeutungslosen llei- nen Lokalblättchen der sozialistischen Rich- tirngen sind wir bisher hin und wieder auf eine derartige Ausdrucksweise gestoßen. Die angesehenen Organe sowohl der Mehrheits- spzialisten wie auch der Unabhängigen, die wir mit Aufmerksamkeit und oft auch nicht ohne Hochachtung vor dem Ernst und Geist ihrer Shriftstellenschen Leistungen zu lesen pflegen, würden sich wahrscheinlich bei der Aufnahme so minderwertiger Wendungen selbst für geschädigt halten. Aber der Leserkreis der amtlichen „Darmstädter Zeitung" — wie wird er erst sich mit derlei Stimmungsmache abfinden?
Aus dem Finanzausschuß.
an. Darmstadt. 17. Aug. Der Finanz ausschuh des Hessischen Landtags trat nach der kurzen Sommerpause heute unter dem Vorsitz des 2lbg. Eihnert wieder zusammen. Zunächst wurde über die Regierungsvorlage betr. den Grohfchiffahrtsweg Rhein-Main- 5) D n a u verhandelt. Don der Regierung wird mrtgetetlt, dah die Dorarbeiten und Erörterungen soweit vorgeschritten sind, dah auch für Hessen der Augenblick gekommen sei, hierzu Stellung zu nehmen. Es geht aus den Mitteilungen hervor, daß das gesamte Unternehmen zu einem wesentlichen Teil in die Hand einer gemischt-wirtschaftlichen Gesellschaft in Form einer Aktiengesellschaft gelegt wird.
Der Finanzbedarf für den ersten Teil der Ausführung, der einerseits mit der Donaukanalisierung oberhalb der Reichsgrenze beginnt und sich andererseits auf die Kanalisierung des Mains bis Würzburg beschränkt, wobei Würzburg durch einen Stichkanal unter Benutzung des Mainbettes erreicht wird, beträgt 1,2 Milliarden Mark. 600 Millionen sollen durch Aktien. 600 Millionen durch Schuldverschreibungen aufgebracht werden, das Reich wird mit 270. Bayern mit 156 Millionen beteiligt sein Der Antrag der Regierung,
Die Rothersteins.
Roman von Erich Eben st ein. Copyright 1919 by Greiner & Eomp., Berlin W 30.
•32. Fortsetzung. (Rachdruck verboten)
„Dann opfere ich es lieber. Wenn das der Preis ist, um den allein ich es mir erhalten könnte, so willige ich in alles, selbst in den Verkauf," antwortete Do ohne Zögern
„Bist du stcher, dah dich diese Entscheidung nie reuen wird?"
„Ganz sicher! O Rüdiger — verstehst du mich denn wirklich nicht?"
„Doch, mein Kind. Ich verstehe dich nur zu gut, denn ich glaube, ich würde an deiner Stelle ebenso handeln“
Ein heider Strahl der Freude brach aus Dos Augen.
„Aber dann ist ja alles gut. Dann brauchst du ja nur meine Ditte von vorhin zu erfüllen und in Monrepos alles beim alten zu lassen bis . bis ich später selbst wieder dort wohne? werde. Fahre doch bald einmal hin und sieh es dir an. Du wirst sehen es ist gar nicht so schlimm . . ."
„Dazu gebricht es mir in den nächsten Monaten an Zeit. Mit einem Tag wäre die Sach? nicht abgetan. Man muh das gründlich prüfen und sorgsam überlegen — auch, was sich aus dem Mrierhof machen liehe. Der Pachtvertrag des jetzigen Pächters läuft noch big zum Frühjahr. Vorher hätte cS keinen Zweck, Pläne zp machen Eins aber steht doch leider schon heute feft: du bleibst dann immer ein armes Komteylein —
bis zu 5 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen, und gemeinsam mit dem Reich und Bayern die gesamtverbindliche Bürgschaft für einen Betrag von 600 Millionen Mark zu übernehmen, wird vom Ausschuß einstimmig angenommen.
In einer weiteren Vorlage wird mitgeteilt, dah die im Besitze der Stadt Frankfurt befindlichen, zur Gewerkschaft Friedrich gehörenden Draunkohlenfelder Ernst und FriedrichV. dem hessischen Staate zum Kauf angeboten wurden. Bevor man dem Angebot näher tritt, sollen Bohrversuche stattfinden, deren Kosten auf Mark 100 000 bis 120 000 veranschlagt werden. Der Betrag wird genehmigt, da die erwähnten Gruben an Wölfersheim anschließen und der Betrag aus den Rücklagen der Gruben genommen werden kann. — Eine weitere Vorlage betrifft den Ankauf des von dem Oberlandmesser Böck in Ridda zur Beschaffung von Dureauräumen für das Kreisvermessungsamt in Ridda erworbenen Hauses: der geforderte Selbstkostenpreis von 157 000 Mark, sowie für Herstellung bis zu 5000 Mark wird gutgeheihen.
Zur Beschaffung der Einrichtung des Amt s- gerichtsneubaues in Gießen werden auf Grund einer Vorlage außer den aus dem Jahre 1914 noch verfügbaren Restbetrag von 27 000Mk. noch weitere 222 000 Mark angefordert und ge- genehmigt.
Die Klosterruine Arnsburg, die im Besitz des Grafen Solms-Laubach ist, bebarf nach einer Anregung der Denkmalpflege zur Verhinderung weiteren Verfalles dringend verschiedener Erhaltungsarbeiten, die auf 30 000 Mk. geschäht sind. Der Besitzer ist bereit, Zweidrittel der Kosten zu übernehmen, wenn der Staat das andere Drittel trägt. Der Ausschuß stimmt zu.
* Die Regierung teilt mit, dah die Errichtung der Forstwartschule in Schotten nunmehr beschlossen sei. Zur Errichtung der notwendigen Gebäude werden, voraussichtlich etwa r/2 Million Mark nötig. Der Ausschuß hat grundsätzlich hiergegen keine Bedenken und sieht der entsprechenden Vorlage entgegen.
Finanzminister Henrich macht dann Mitteilungen über den Stand der Verhandlungen über die Beamtenbesvldungsvorlage. Danach hat das Reich bei etwa 25 Prozent der früheren Beanstandungen nachgegeben, über andere schweben noch Verhandlungen, die man zu gutem Ende zu führen hofft, ein anderer Teil fa.nn..öorau!?^'$tt’<$ keine Berücksichtigung finden. Hierüber wird der Landtag zu prüfen haben, ob nochmals mit dem Reichsfinanzministerium verhandelt oder das Schiedsgericht in Anspruch genommen werden soll. Dom Ausschuß wird eine tabellarische Uebersicht über die Beanstandungen bzw. die Art der Erledigung zur Aufklärung der einzelnen Mitglieder gewünscht. Die erledigten Bewilligungen sollen sofort in Kraft treten.
Der Finanzminister gibt noch dem Wunsch Ausdruck, daß der Landtag noch Ende September oder Anfang Oktober vor seinem Auseinander- gehen kurze Zeit zusammentrete, damit noch eine Anzahl eiliger Vorlagen, tote das Mietsteuer- gesetz. das Gewerbesteuergesetz, die Beamtenbesoldungsvorlage, die Fvrstwartschule ufto. verabschiedet werden können.
Aus Stabt und Land.
Gießen, den 19. Aug. 1921.
Auszahlung von Kriegsgefangenengrrthaben.
Den aus England heimgekehrten Kriegs- aefangenen wird bekanntgegeben, dah die durch die Hauptkasse für das Kriegsaefange- nenwesen, Berlin SW 68, Schützenstraße 3, auf Grund ihrer dort vorgelegten Gutscheine ausgezahlten Gelder nur vom Reich geleistete Vorschüsse darstellen und daß die endgültige Abfindung erst nach Eingang der fremdstaatlichen amtlichen Guthabenlisten erfolgen kann. Die erwähnten Gutscheine sind durchweg unverbindlich, auf private Anfrage erteilte Auskünfte der englischen Regierung, die weder Unterschrift noch Stempel tragen und daher als amtliches Material nicht anzusehen sind. Denjenigen Heimkehrern, die aus England in der Zeit vom November 1918 bis Ende August 1919 zurückkehrten, wird dabei ein Umrechnungskurs von 50 Mark für 1 Lstr. berechnet, well dieser Kurs den Durchschnittskurs dieser Zeit darstellt. Für die nach dem 1. September 1919 aus England Heimgekehrten und für alle aus Frankreich Zurückgekommenen wird der Kurs des Entlassungstages aus dem Durchgangslager gewährt. Ein weitergehendes Entgegenkommen ist bei der FinanAage des Reiches nicht möglich.
Die Annahme der Heimkehrer, die fremdstaatlichen Regierungen hätten den ihnen noch zustehenden Arbeitsverdienst in bar an die
ob Heb deine romantische Idee nun ausführep ließe, was ich entschieden bezweifle, oder ob wir Monrepos verkaufen müßen. Es ist ja mögllch dah sich ein Liebhaber als Käufer findet, der mehr zahlt als das ganze wert ist, aber oiei wird es auch bann nicht sein. Keinesfalls genug, um dir ein unabhängiges Leben zu sichern.“
Do sah gedruckt vor sich hin. Mitleidig griff et nach ihrer Hand.
„Sorgen brauchst du dir deshalb aber nicht zu machen, liebe Dorothea." sagte er weich. „Es ist selbstverständlich, bah bu bann bei uns auf Grasenegg bleibst und dies deine Heimat ist.'
Zu seinem Erstaunen warf sie plötzlich ungestüm ben Kops zurück und sagte sehr bestimmt:
„Rein, das würde ich nie tun! Lieber
„Ich dachte, bu hättest dich eingelebt bet uns?"
„Ja — für jetzt — aber immer hier bleiben — wenn man mich nicht mehr braucht und wenn —" sie brach verwirrt ab.
Er glaubte sie zu verstehen.
„Du meinst, es könnte eine Zeit kommen, too Papa deiner nicht mehr bedarf? Aber bin dann nicht ich noch da? Glaubst du, ich würde jetzt, too ich dich erst kennen gelernt habe, tote du wirklich bist, nicht auch alles tun, um dir das Leben auf Grafenegg so angenehm als möglich zu machen und dir Schutz zu gewähren, wann immer du dessen bedarfst."
Do schwieg. Ein unruhiger Ausdruck. Öen er nicht begriff, lag auf ihrem Gesichtchen.
„Was wolltest du denn sonst auch anfangen, kleine Dv, fuhr er lächelnd fort, „ba bu nun einmal nicht ins Kloster magst? Irgendwo mußt du doch leben"
deutsche Regierung gesandt, ist unzutreftend. Barüberweisungen an Arbeitslohn haben noch nicht stattgefunden, sondern es sind nur teilweise Mitteilungen über die Höhe der bei der Entlassung der Kriegsgefangenen aus feindlicher Hand bestehenden Guthaben lGuthabenlisten) eingegangen. Die in diesen Listen vermerkten Guthaben im Gesamtbeträge von etwa 43 000 Lstr. sind bereits zur endgültigen Auszahlung gelangt.
Die Forderungen der Kriegsgefangenen bestehen nicht gegen das Deutsche Reick, sondern gegen die ehemals feindlichen Regierungen. Wenn das Reich eine vorläufige Anzahlung vor dem Eingang der amtlichen Gul- habenlisten leistet, so geschieht dies freiwillig und aus Entgegenkommen für die Heimgekehrten. Einen rechtlichen Anspruch darauf haben sie nicht. Sie müssen sich daher mit der zugestandenen Abfindung vorläufig begnügen und im jtbrigen das Ergebnis der in ihrer Sache unternommenen diplomatischen Schritte abwarten.
Ein weiteres Entgegenkommen der Reichsregierung besteht darin, daß auch ohne Beibringung von englischen Gutscheinen ein Vorschuß bis zu 100 Mark auf den verdienten Arbeitslohn gezahlt wird, wenn ein solcher Anspruch irgendwie glaubhaft gemacht wird.
Erweiterter Zugverkehr am IlScr Tag.
Aus Anlaß des ersten 116er-Tages werden am kommenden Sonntag auf ben von Gießen ausgehenden Strecken mehrere Sonderzüge bzw. Vorzüge eingelegt.
Gießen — Gelnhausen.
Der Personenzug, der am Sonntag früh 7,40 Uhr in Gießen eintrifft, kommt von Büdingen (sonst nur von Ridba). Außerdem wirb hierzu ein Vorzug von Ridba ab gefahren, ber in Gießen 7.30 Uhr eintrifft. Auf ber Strecke Schotten— Ribba verkehrt ein Anfchluhzug zu diesen Zügen, dessen genauer Fahrplan noch nicht feststeht. — Am Abend geht in Gießen um 8,00 Uhr ein Son- derzug ab, ber um 9,36 Uhr in Bübingen eintrifft. Auch für biefen Zug ist in Ridba Anschluß nach Schotten vorhanben.
Gießen — Fulda.
Zu dem Alsfelder Frühzug wird ein Vorzug gefahren, ber 7.50 Uhr in Gießen etntrifft. Abends geht ebenfalls ein Vorzug ab, der Gießen 7.20 Ähr verläßt.
Gießen — Frankfurt.
Morgens wirb ein Rachzug von Frankfurt bis Gießen gefahren, der voraussichtlich nach dem Hagener Schnellzug, also gegen 9 Uhr in Gießen eintreffen wird. Außerdem wirb vormittags noch ein Vorzug eingelegt, der um 12 Ubr in Gießen ankommt. Am Abend werden zwei Vorzüge nach Frankfurt gefahren: Gießen ab 5.22 Uhr und 8.21 Uhr.
Neuregelung des Pastwesens.
Abermals hat das Reichsministerium des Innern neue Pahbestimmungen herausgegeben, die sowohl für Inlands- wie Auslandspässe gelten. Inlandspässe durften auch bisher schon auf ein zweites Jahr verlängert werden. Die Gebühr für Die Verlängerung der Pässe beträgt aber jetzt nur die Hälfte der für die Reuausstellung vorgesehenen Kosten. Die Auslandspässe wurden bisher immer nur auf ein Jahr ausgestellt. Die Gesamtbauer des Passes bars nunmehr zwei Jahre betragen, entsvrechenb ist auch ber Sichtvermerk anzubringen. Am 1. Januar 1922 wirb voraussichtlich eine Reuregelung bes Pahwesens nach ben Vorschlägen bes vorläufigen Dölkerbunds- ausschusses für Verkehrs- und Transistoren erfolgen. Die neuen Dessimmungen bedeuten immerhin eine Verbilligung und Vereinfachung des Reiseverkehrs. Deutsche Pfadfinder, die Einladungen ins Ausland zum Besuch von dortigen Pfadfinderlagern erhalten, bekommen weitgehende Paßerleichterungen zugebilligt. Der Minister hat sich bei gemeinsamen Wahrten der jungen Leute für die gänzliche Befreiung vom Paß- und Sichtvermerkzwang ausgesprochen.
Wettervoraussage
für Samstag:
Heiter und trocken, warm. Oft- bis Rordost- toinöe.
lieber dem Festland und ber Rorbsee liegt ein ausgedehntes Hochdruckgebiet, unter dessen Einfluß die heitere Witterung anhalten wirb.
&
Beschränkte Vonntagsr u he am 21. Augu st. Der Verein der Detaillisten, c. D., bringt zur Kenntnis seiner Mitglieder, daß anläßlich der Feier des 116er-Regiments am Sonntag der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen und die Beschäftigung von Gehllfen und Lehrlingen von 11 Uhr vormittags bis 6 Uhr nach
mittags für Kolonial-, Feinkost-, Zigarren-, Zigaretten- und Taballäden gestattet ist
“ Die Technische Rothilfe überall. Von der hiesigen Dienststelle ber Technischen Rot- Hilfe wirb unS zum Eingreifen ber Rothllfe beim 6i) enbaf) ntoertftättenarbeilerftreit mitgeteilt, daß in Kassel 177, in Marburg 24, in Treysa 25 und- in Franken ber g 6 Rothelfer zur Unterstützung der Beamtenschaft und zur Durchführung des Betriebes eingesetzt waren. Die Eisenbahn-Direktion .Kassel hat bereits nach 'Beendigung des Strelles ihren Dank für die Hilfe und ihre volle Anerkennung über die Arbeit der Rothilfe ausgesprochen. Auch in Bremen, wo augenblicklich der Strell der Bremer Staatsacdeiter seinen Fortgang nimmt, ist die Technische Rothilfe in allen lebenswichtigen Betrieben eingesetzt.
-- Heizung der Eisenbabnzüge. Die Heilung der Eisenbahnzüge soll in diesem Winter wieder in vollem Umfange wie früher durchgeführt werden. Die in ben letzten Jahren von» Publikum so unliebsam empfunbenen Einschränkungen werden also Wegfällen. Rach den früheren Bestimmungen werden wieder in ber Zeit vom 15. September bis 15. Mai alle Personenzüge mit Heizvorrichtung ausgerüstet
Bornottzeu.
— Tageskalender für greitaa Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, „Das wandernde Bild" und „Ein stilles, behagliches Rest". — Astoria-Ltchtspiele, „Mit Düchle und Lasso, 3 Teil" und „Gaukelspiel des Glücks".
— DerWartburg-Vercin veranstaltet mit seinem Bruderverein aus Marburg kommenden Sonntag einen FamilienauSflug nach Schloß Friedelhausen, verbunden mit Wettkämpfen der beiden Turn- und Sportabteilungen der Vereine. Den Spielen vorauf geht ein WaldgotteSdienst. den Dekan Gußmann übernommen hat. Die ganzen Veranstaltungen des Tages werden auf ber Waldwiese im Schloßpark abgehalten, die vom Grafen Schwerin zur Verfügung gestellt wurde. Siehe Anzeige.
Landkreis Metzen.
X Langsdorf, 19. Aug. In dem aeftrigen Artikel über die Erneuerung des LangSdorser Rathauses ist in ber zweiten Zeile ein Druckfehler unterlaufen. Das Rathaus, ein alter Fach- toerfbau, stammt aus dem Jahre 1698 und nicht 1898.
LJ Lang-Göns, 17. Aug. Die Schneidergelellen Georg Schäfer, Karl Artz, Lang-Göns, Ludwig Fay-Grüningen und Otto Reu Hl-Dorf- Gill haben ihre Meisterprüfung bestanden. Obige Gesellen sind Arbeiter in dem Schneidergeschäft Konr. Ant. Arh-Lang-Göns.
* Wiefeck, 18. Aug. Die heutige Beerdigung des Oberbriefträgers i. R. Möser war ein Zeugnis ber Dankbarkeit gegenüber diesem Vorbilb ber Treue. Von 1892 bis 1913 war Möser hier Postbote: mit Kranzniederlegungen sprachen Postmeister G u t h i e r für das Postamt, Ludwig D a u p e r t als erster Vorsitzender für den Turnverein, dessen Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender Möser war, Schlossermeister Scherer für die GesangSabtellung des Verein-, die ihrem Senior am Grabe fang. In die Kirchengemeindevertretung tritt an feine Stelle Frau Luise Post, geb. Arnold, die zweite Frau in dieser Körperschaft.
Starkenburg und Rheinhessen.
rm. Darmstadt, 18. 2Cug. Die heutige TotengebächtniSfeier zu Ehren der Gefallenen und Verstorbenen sämllicher Krieger auf dem Friedhöfe an der Rtederamstädter Straße war von den Mitgliedern der verschiedenen Krie- gerbereinen und den Angehörigen ber Verstorbenen sehr gut besucht. An den Gräbern wurden Kränze niedergelegt. Die Feier wurde durch Glockengeläute vom Turm der Pauluskirche eingeleitet. Die weltbekannte Mercksche Fabrik hat sich einen Propaganbafilm anfertigen lassen, ber biefer Tage einer Anzahl geladener Gäste unter denen sich auch der Staatspräsident Ulrich, Rektor Walde von der Technischen Hochschule, Gelehtte und andere Inter- effenten, sowie Vertreter der Presse befanden, vor- gefübrt wurde. Siner der Inhaber, W. Merck, dielt eine Ansprache, in ber er ausführte, baß besonders im Auslande auf die 'Bedeutung, ber immer noch an erster Stelle stehenden chemifch- pharmaceutischen Industrie aufmerksam gemacht toerben solle. Die Dorführunyen gaben ein vortreffliches Bild über die in jeher Hinsicht ganz hervorragenden Einrichtungen.
Hessen-Nassau.
Das Ende des Frankfurter Äinoftreiks.
fb. Frankfurt a. M., 18. Aug Die 43 Frankfurter Kinos öffnen am Freitag wieder ihre Pforten zur Vorstellung. Die Besitzer haben in dem sechswöchigen AuSstande nichts erreicht, trotzdem ihnen von maßgebenden Seiten eine wohlwollende Prüfung ihrer Forderungen auf Herabsetzung der Steuern zugesichert war Sie betreten nunmehr den Rechtsweg zahlen aber während dieser Zeit die ihnen auferlegte hohe Billettsteuer.
„In diesem Fall würde ich es vorziehen, mir mein Brot selbst zu verdienen," murmelte sie scheu und entzog ihm ihre Hand.
„O bu? Die zu stolz ist, Geld von den Trolls zu nehmen, würdest bei fremden Leuten bienen? Welcher Einfall!" riet er halb überrascht, halb belustigt.
Do blieb ganz ernst.
„Ich würde dann natürlich ben Adel ablegen. Arbeiten, um unabhängig zu lein, ist gewiß ehrenhafter, als gegen feine Ueberzeugung zu handeln, oder Gnadenbrot elfen'" sagte sie stolz.
Es waren seine eigenen Ansichten, die sie ba aussprach. Unb doch setzten sie ihn tn Staunen Wie kam bieses Kind zu solchen Gedanken?
Dann ärgerte er sich plötzlich.
Warum wollte He denn überhaupt fort v Gerade jetzt, too er ihr gezeigt hatte, daß er ihre Denkungsweise achtete und zu allen möglichen Konzessionen bereit war? Sie mußte es doch mellen, daß feine Ansicht über sie sich gründlich geänbert hatte, und baß er ihr fortan ein aufrichtiger Freund fein wollte, nicht bloß der Vor' mund. Rein, gerade i^t hätten ihr keine solchen Gedanken kommen dürfen .
„DaS sind überspannte Ideen," sagte er gereizt. „Du hast ja auch nichts gelernt, womit bu dir dein Brot verbienen könntest. Willst du vielleicht Kindermädchen oder Mamfell werden? Doch auch zu letzterem würden dir ja alle Kenntnisse mangeln.“
Ein kleines verstohlenes Lächeln huschte über Dos Gesicht. „Wenn er wüßte," Dachte sie, „tote- vjet ich schon gelernt habe — zur Mamsell! Unb
tote ich mir Mühe gebe, jeden Tag noch mehr zu lernen."
Aber sie schwieg
Rüdiger erhob sich. Dio wundersame Stimmung, die ihn feit einer Stunde umfangen hielt, war verflogen unb eine seltsame Unruhe, die er sich nicht erklären formte, an ihre Stelle getreten.
„Wir wollen nun heimkehren," sagte er, durch Dos Schweigen noch gereizter, schroff. „Ich glaube. eS ist bald Zeit zu Tisch. Auch haben wir unS ja über die Hauptsache geeinigt. Dor dem Früh- jckhr werde ich kaum nach Monrepos fahren können, unb bis dahin mußt bu dich allo jedenfalls bequemen, auf Grafenegg zu bleiben.“
Do schwieg auch jetzt. Sie war bestürzt über seinen veränderten Ton, den sie sich gar nicht erklären konnte.
Schweigend durchschritten sie den Park
16. Kapitel.
Die seltsame Unruhe, welche Rüdiger um Schluß seiner Unterredung mit Do befallen hatte, wollte auch später nicht weichen.
Alle Augenblicke ertappte er sich auf dem Gedanken: Warum will'sie eigentlich fort von Grafenegg, da ich ihr für immer eine Heimat hier anbot?
Auch die geheimnisvollen Anbeutungen Her' thas. .er könne Do, wenn er sie jetzt zwänge, Grafenegg zu verlassen, alle Wege zrvn Glück verschließen,“ gingen ihm in Kops yerum.
Sie ließen sich nur auf eine Weise erklären. Do liebte jemanb heimlich unb Hertha hoffte, daß sich dieser jemand eine- Tages erfTären werde.
(Fortsetzung folgt)


