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Nr. 193

Derkfceiur Anzeiger mit der Dienstagsbeilage $P*rt-Umfd?aie er. Idjtuii täglich, außer Sonn, und Feiertags. Monatliche vezuqrprels«: Mark 5.- einschließlich TrSgerlohn, durch die Dost bezogen Mark 5.76 einschließlich Bestellgeld. Fernsprech. Anschlüsse: fürdieSchnftlertung 112^ für Drudteret, Verlag und Geschäftsstelle 51 Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Gießen.

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50 Df.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 180Df Bei «platz' vorschnft 20 ".Aufschlag. Haupischristleitrr: Aug. Goetz. Verantwortlich für «Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Ienz; für den LnzeigenteN: HonsDech, sämtlich in Bietzen.

Erster Blatt 1U. Jahrgang Zrettag, 19. August 1921

Annahme von Anzeigen

für die Tagesnummer

EletzenerAnzelger

General-Anzeiger für Oberhessen

der

Er-

die

Reihe

der

Aus dem Reiche.

Die Besprechungen beim

Ein Ausstand in Anatolien.

Paris. 18. 2Lug. (WTD.) Der ,3ntranfi- geant" meldet aus Konstantinopel, baß nach ar­menischen Blättern die Aufstandsbewe-

klärung anläßlich der letzten Ersatzwahl sagte Lloyd George, der politische Hori­zont des Landes habe sich in den letz­ten Monaten sehr verändert. Die in­dustrielle Welt Englands sei von einem ver­söhnlichen Geist erfüllt. Die Beziehungen zwischen Unternehmern und Arbeitnehmern bes­serten sich. Die Aussichten in der Industrie seien günstiger als seit langer Zeit. Der gesunde Menschenverstand des englischen Bolles werde der Aufreizung zum Klassenkampf, der Streiks und Drohung mit der direkten Aktion überdrüssig. Der englische Arbeiter wolle, das melanchollsche Bei­spiel des ruinierten Ruhlands vor Augen, aus seiner eigenen Heimat nicht ein neues Ruhliand machen.

Bezüglich der Abrüstungsfrage erklärte der Erste Minister: Wir haben mit gröhter Freude die Einladung der Bereinigten Staaten angenommen. Ich hoffe, dah das Ergebnis den Weg zum Frieden weifen wird, der den pazifischen Ozean zu einem wirklichen Friedensozean macht. So lange die Rationen gegeneinander rüsten, wird es Kriege geben. Ich hoffe aber ernstlich, dah ein Übereinkommen erzielt werden wird, um alle Rüstungen innerhalb vernünftiger Grenzen zu halten. Lloyd George forderte schllehllch die Li­beralen aus. ihm bei seinen Aufgaben zu helfen und ihm keine Hindernisse in den Weg zu legen.

Die amerikanische Hilfe für Rußland.

Paris. 19. Aug. (WTB.) Rach einer ,Matin"-Meldung aus London gibt nach einem Telegramm aus Washington Hoover bekannt, dah die Amerikaner mit den Sowjets über die Bedingungen derHilfsaktion einig ge­worden sind. Die Aktion würde sofort ihren An­fang nehmen.

Havas über die Vorbereitungen des Völkerbundes.

Lturmfzenen im Berliner Ltadtparlament.

Berlin, 18 Aug. (Wolff.) In der Sitzung kommissarischen Stadtverordneten-

Der Herr Krvnanwalt spricht also wieder von den Grausamkeitender Deutschen". Wenn England und Frankreich auch nur ver­einzelte sogenannte Kriegsverbrecher aufzu­weisen hätten und wenn deren barbarische Taten nicht entsetzlicher wären, als die der bcrurtciltm Deutschen dann wäre der sitlliche Hochmut, den man jetzt wieder in London gezeigt hat. allenfalls begreiflich. So aber hat der Herr Kron- cmwall Pollock eine Rede gehalten, die, was Unvoreingenommenheit und Gerechtigkeit an­langt immer noch auf einem recht tiefen Riveau steht.

Neue (Erklärungen Lloyd Georges.

Lvbdvn. 18. Aug. (Wolff.) In einer

Die interparlamentarifche Konferenz.

Stockholm. 19. Aug. (WTB.) Die inter­parlamentarische Konferenz hat Brantings Antrag auf Einschränkung der Rü­stungen mit 42 gegen 18 Stimmen angenommen.

gung in Konia im Südosten von Anatolien sich über das ganze Bilajet ausdehnt. Die Menge hat den Palast des Gouverneurs angezündet und die während der letzten Unruhen Festgenommenen befreit. Rach dem türkischen Blatte Kiul sind von 5000 kemalistischen Soldaten, die zur Unterdrük- kung der Bewegung entsandt worden finb, über Hälfte zu den Aufrührern übergetreten.

Reichskanzler.

Berlin, 18. 2lug. (Wolff.) Die

Besprechungen des Reichskanz­lers mit den einzelnen Parteien über die politische Situation wird heute abgeschlos­sen. Heute werden die Deutschnatio­nalen im Reichskanzlerpalais erscheinen.

London. 18. Aug. (WTB.) ImUnter- hause erklärte Lloyd George bezüglich der Reichskonferenz, die Konferenz habe sich mit der gesamten auswärtigen Politik Englands beschäf­tigt, mit der oberschlesischen und lleinasiatischen Frage, mit Reparationen, der Entwaffnung Deutschlands und dem englisch-japanischen Bünd­nis. Mit Aegypten sei auf der Konferenz eine gemeinsame Verständigung in be­zug auf die politischen Richtlinien erreicht worden, eine Tatsache, die nicht nur dazu beigetragen habe, ihm und Lord Curzon in Paris mehr Kraft zu verleihen, sondern auch auf die ganze Welt Ein­druck gemacht habe.

Der englische Kronanwalt über die Leipziger Prozesse.

London. 18. Aua. (Wolff.) Rach einer Reutermeldung sagte der Zweite Kronanwalt Pollock bn Unterhaus über die Leipziger Prozesse Italien habe im Obersten Rat cr- llärt. eS sei ihm gegenwärtig unmöglich, bevor eS mit der Verhandlung italienischer Fälle eigene Erfahrungen gemacht habe, sich eine Meinung dar­über zu bilden ob die Leipziger Prozesse fort­gesetzt werden sollten. Daher sei beschlossen wor­den. dah französische, belgische, italienische und englische Iuristen darüber entscheiden sollten, wie man die Leipziger Prozesse zu beurteilen habe. DaS Problem der Aburteilung der Kriegsbeschul- digten sei sehr schwierig gewesen. Es sei bisher «düngen, in den verhandelten Fällen Berurtei- ingen zu erreichen, obgleich einige, die die An­gelegenheit vom Standpunkt der Rache ansähen, enttäuscht sein würden. Pollock äußerte sodann Zweifel darüber, ob irgendwelche Schuldigerklä­rungen in einem Lande bei Anllagen, die von einem anderen Lande erhoben würden, jemals eine dem Richtmaß deS anklagenden Landes ent­sprechende Genugtuung ergeben würden. Pollock sagte weiter: Was auch immer das Endergebnis sein mag. so muh daran erinnert werden, dah wir zum er st en Male in der Weltge- fchichteein besiegtes Land dazu gebracht haben, seine Schuldigen vor Gericht zu stellen. D i e Gerichte des besiegten Landes ha­ben bereits einige ihrer Landsleute für schuldig befunden. Grausamkeiten be­gangen zu haben, und Urteile gefällt, die. wenn wir sie auch für unzulänglich erachten, doch das Brandmal des eigenen Landes tragen. Wenn die SchuldiAen vor die Gerichte der Sieger gestellt toorben waren, hätte man sie in Deutsch­land als Märtyrer ansehen können. So aber wird es den Deutschen niemals möglich sein, zu sagen, dah sie nicht barbarische Grausamkeiten (!) unb Greueltaten (!) an Kriegsgefangenen be­gangen hätten: denn deutsche Gerichtshöfe haben sie vor aller Well verurteilt.

Sitzung des Reichsrates.

Berlin, 18.Aug. (WTB.) Der Re i ch S- rat hielt unter Vorsitz Dr. RathenauS eine öffentliche Sitzung ab. ES waren bereits sämtliche Steuervorlagen eingegangen, die den zuständigen Ausschüssen übertoUfen wurden. Der Reichsrat erledigte eine große Reihe klei­nerer Vorlagen, darunter auch die Crmäßi- gung der Kohlensteuer für den Bezirk deS niederschlesischen KohlensyndllatS.

Paris. 18. Aug. Havas meldet: Man cr- lläre in den Kreisen, die dem Völkerbund sehr nahe ständen, dah. um die ordentliche Sitzung des Völkcrbundrats. die normalerweise am 1. Sep° tember eröffnet werden müßte, der auherordent- lichen Sitzung zeitlich nahezubringen, der Zeit- punll für die letztere auf den 29. August festge­setzt worden sei. Andererseits entspräche es den Überlieferungen des Völkerbundes, jede seiner Sitzungen mit individuellen Studien und Vorbe­sprechungen vvrzubereiten. Man könne also sagen, dah die Prüfung der oberschlesischen Frage tatsächlich im Schohe deS Völker­bundes bereits begonnen habe. Leon Dourgois. der in Gvian in der Sommerfrische war. habe Gelegenheit gehabt, mit Balfour in St. Gervais zusammenzutreffen. Darauf hätten in Paris weitere Besprechungen zwischen den Mit- iliebem des Dölkerbundrates stattgefunden in Gegenwart des Bicomte Ishij, Quenonos de Leon und zuletzt von Leon Bourgois. Was das Ber­ühren betreffe, das man annehmen werde, so sei darüber noch nichts festgesetzt: obwohl das Ak­tenmaterial darüber dem Böllerbund noch nicht übermittelt sei, sei man doch darüber einig, dah Uebereinftimmung zwischen den Dclegierten Frank­reichs und Englands vor allem anbent wünschens­wert fei. Man fei der Meinuna. dah der Bölker- bunbrat am 29. August sich darauf beschränken werde, Has Verfahren zu regeln und allgemeine Ansichten auszutauschen. Darauf würde das ange­nommene Verfahren seinen Lauf nehmen und der Völkerbundrat werde sich gegen Ende S e p - tember versammeln, um seine Beschluss e zu fassen.

Die militärischen Verstärkungen.

London. 18. Aug. (Wolff.) Der .Morning Post" zufolge verlautet, dah die bv i t i s ch e Re­gt e r u n g bereit sei. zwei weitere Bataillone zur Aufrechterhaltung der Ddmung biS zur Grenz- rcgulterung nach Oberschlesien zu entsen­den. toeim Frankreich und Italien die gleiche An­zahl Truppen schicken.

Der gemeinsame deutsch-polnische Ausrus.

K a t t o w i h. 18 Aug. (WTV) Der Aufruf, den die polnischen Parteien und Gewerkschaften auf Grund der in der gemeinfamen Sit­zung der polnifchen und deutschen Vertreter getroffenen Abmachungen heute er­lassen haben und der im Wortlaut dem deut­schen Aufruf gleicht, ist unterzeichnet vom Obersten Volksrat für Oberschlesien, gezeichnet Josef Ry­mer. sowie von den Vorsitzenden der nationalen Arbeiterpartei, der polnischen sozialen Partei, der christlichen Volksvereinigung, der polnischen Volks- Partei für Schlesien, der oberschlesischen Volls­pariei. der polnischen Derufsvereinigung, dem polnischen Zentralverband der Gewerlschaften und dem Verband der schlesischen landwirtschaftlichen Vereine.

Der amerikanische Bankier Vanderlip über die Unausführbarkeit des Wirth'schen Progran.ms.

Berlin, 18. Aug. (Wolff.) Frank E. Vanderlip, der heute von Berlin nach Prag abgereist ist. gewährte dem hiesigen Vertreter dec Associatet Preß eine Untenebung worin er unter anderem erklärte: ^Deutschland arbeitet schwer. Von der Oberfläche aus gesehen, läht vieles darauf fchliehen, dah Deutschland sich er­holt: unter der Oberfläche aber sind die nationalen Finanzen in einem heiklen Zustand. Es scheint keine Hoffnung zu bestehen, das Budget inS Gleichgewicht zu bringen. Reues Papiergeld muh anbauemb hergestellt werben. Das wirb Bazu führen, bie Preise weiter in bic Höhe z u treiben, bie Mark zu entwerten unb die Stellung der Regierang schwierig zu gestalten. Ich habe mit dem Reichskanzler und den führen­den ^Ministern gesprochen und habe den Ein­druck gewonnen, dah sie sich auf das ernstlichste bemühen: doch glaube ich, dah sie an einer Aufgabe arbeiten, bie zu groß ist. um erfolgreich zu sein, unb früher ober später wirb man eine QI en ber u n g oder einen Auf­schub in ben Reparationsforberun- gen eintreten lasten müssen.

Versammlung Groh-Berlins tarn eS heute zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen der Rechten unb den Kommunisten. Rachbem ein Antrag auf Bewilligung von 100 000 Mark für Sowjetruhland mit grober Mehrheit angenommen worden war, wurde ein Magistratsantrag auf Bewilligung von 10 000 Mark für das Oberschle­sierhilfswerk besprochen. Der Unabhängige Schneider lehnte namens seiner Partei jebe solche Beihilfe für bie Verbände heimattreuer Oberschlesier ab. Der Deutschnationale K i m - b i l äußerte sich gegen diese Haltung unb sprach alsbann mit scharfen Worten von ben Maßnah­men ber russischen Kommunisten, auf welche bie Katastrophe zurückzuführen sei. Hieraus entstand ein ungeheurer Tumult, der in eine Schlägerei ausartete Die Kommunisten stürzten auf die Rednertribüne los und es entftanb ein allge­meiner Wirrwarr, wobei es zu Tätlichkeiten kam. Die Sitzung mußte unterbrochen werden. Rach der Wiedereröffnung mißbilligte der Stadt­verordnetenvorsteher entschieden alle tälllchen und wörtlichen Angriffe. Da eine ordnungsmäßige Fortführung ber Erörterung wegen ber herr­schen den Erregung nicht möglich war würbe bie Sitzung geschlossen, ohne baß über Die Beihllse für Oberschlesien ein Beschluß gefaßt würbe.

Eine Tagung der Ausländsdeutsche«.

Hambura. 16. Aug. (Wolff.) Im Rahmen ber Kultur- und Sportwoche fand gestern abend im Curiohaus eine Tagung ber Auslandsbeutschen statt. Direktor v. K u e h l begrüßte bie erschienenen Ehrengäste, barunter ben Ehrendoktor ber ham­burgischen Universität Prof. Dr. v. Melle. In längeren Ausführungen gab Dr Schönemann von ber Universität Kiel ein Bilb von ben Lei­stungen. bie bie beutsche Kultur im AuS- I a n b e geschaffen hat.Wo Immer in ber Welt Kulturtaten vollbracht würben, ba war," so sagte der Redner,bie beutsche Kultur irgendwie dabei. Wir gewannen im letzten Jahrzehnt nur deshalb nicht mehr Einstuh, weil nicht zielbewuht genug gearbeitet wurde. Lernen wir aus den Fehlern, so brauchen wir um bie Zukunft ber beutschen Kul­tur im Auslanbe nicht bange zu fein."

Als zweiter Rebner gab Prof. Dr. Külz von ber Unlberfität Hamburg, einen ileberblirf über ein Spezialgebiet ber deutschen Kultur im AuS- tanbe unb verbreitete sich in längeren Ausfüh­rungen über bie befonbere Bedeutung ber mebl- zinischen Wissenschaft. Teils freiwillig, teils unfreiwillig mußte bas Ausland ben kultu­rellen Einfluß ber beutschen Mebizin anerkennen. Einer ber Größten unter ben Großen, Robert Koch, verlebte bie Hälfte seiner Auslanbsforscher- zeit in englischen Diensten. In seinen Bahnen läuft auch heute noch im Auslanbe alles Denken unb Forschen auf bem Gebiete bet Seuchenkrankheiten. Auch anbere beutsche Gelehrte toirften bahn» bredjenb in ber Medizin im Auslanbe. Aus biesem Gebiete muß bas Wirken ber deutschen Kultur im Auslanbe erneut einsehen. Diesen, von leb­haftem Beifall gefolgten Ausführungen folgte ein Vortrag bes Prof Dr. MenbelSsohn-Var- t h o l d y. Gr wies in seiner Rede über bie Ko­lonialpolitik auf bie große Zukunft unb Bebeutung hin, bie bas Auslandsdeutschtum für uns haben wird. Die Erfahrungen unb Kenntnisse der Aus­ländsdeutschen als Kolonisatoren werden für Deutschlands Stellung in der Kolonialpolitik von großem Bortell sein. Die Vortragsreihe schloß als letzter Redner Generalkonsul R o s e l i u S (Bremen) mit einigen Ausführungen über daS Auswärtige Amt. Rach Schluß ber Vorträge ver­einigte bie Teilnehmer ber Tagung ein geselliges Beisammensein im Hochzeitssaal deS EurioHauses. Entschließungen des allgemeinen deutschen

Gewerkschaftsbundes.

Berlin, 19. Aug. Der BundeSauS- s ch u ß des allgemeinen deutschen Gewerk- schaftsbunbes faßte am 18. August eine Reihe Entschließungen. Die erste Entschließung ent­hält einen Aufruf an die deutsche Arbeiterschaft, sich gegen bie brvhende Herabbrückung ihrer Lebenshaltung mir aller Kraft zur Wehr zu sehen. Die Gewerstchaften hätten bie Pflicht, ben Kamps ber Arbeiter um ausreichenbe Lohn­erhöhungen mit allen Mitteln zu unterstützen. Die Durchführung ber ersorberlichen Lohnbewegung sei Ausgabe ber einzelnen Verbände. Der Vorstand des QL D. G. D. würbe beauftragt, ben Verbän- ben in ber bevorstehenben allgemeinen Lohn­bewegung jebe mögliche Hilfe zu leisten. Zur Her­beiführung einer geschlossenen Einheits­front aller Lohn- unb Gehalts­empfänger sei bie bereits eingeleitete Ver­buch ung mit anberen Gewerkschaftsrichtungen, so­wie mit ben Gewerkschaften ber Angestellten und Beamten aufrecht zu erhallen. In ber zweiten Ent­schließung wirb bic Erhöhung des Einkommens rm« Unfaü-, Alters- ober Invalibeuren ten sowie ber Unter ftüßungSsatze der Erwerbslosen und Kranken gefordert. Die drille Entschließung ver­langt hinsichllich ber neuen Steuer Pläne rrc | Minberbelafttmg des Verbrauches, besten

Bismarck und die schwarzen Truppen Frankreichs.

Gegen die völkerrechtswidrige Verwen­dung unzivilisierter Völler legte Bismarck schon 1870/71 Verwahrung ein. In einem Auszug aus einem Runderlaß Über bie Verletzungen der Genfer Konvention unb des Kriegsrechts durch französische Offiziere unb Soldaten, heißt es wörtlich:

Die von ben Turkvs unb Arabern an ben Verwundeten verübten Grausamkeiten unb ge­schlechtlichen Bestialitäten sinb ihnen selbst nach dem Grabe ihrer Zivllisation weniger anzurech­nen, als einer europäischen Regierung, welche diese afrikanischen Horben, mit aller Kenntnis ihrer Gewohnheiten, auf einen europäischen Kriegsschauplatz führt. DasJournal des SO bats'? hat sich soviel menschliches Gefühl und Scham bewahrt, um Entrüstung darüber zu äußern, baß Turkvs ben Verwundeten ober Gefangenen mit dem Daumen bie Augen aus bem Kopfe drücken. Aber dieInd^pendance Algörienne" unb nach ihr andere französischeBlätter richten an die neuerdings gebildeten afrikanischen Sold- truppen, die Gums, indem sie ihnen einen Einfall in Deutschland empfehlen, folgende Ansprache: .Wir kennen euch, wir schätzen euren Mut, totr wissen, daß ihr eneraisch, ungestüm, unterneh­mend seid: geht und schneidet Köpfe ab, je mehr, desto höher wird unsere Achtung vor euch steigen. Fort mit bem Erbarmen! Fort mit ben Gefühlen der Menschlichkeit! Die Gums werden Ehre cin- legen wenn wir ihnen bic Losung geben: Tob, Brand, Plünderung!'' Man mag es auf Rech­nung ber Turkvs schreiben, baß nicht nur Leichen, sondern auch Verwundeten in dem Dorfe Coulours bei Dilleneuve le Roi die Köpfe und in bem Dorfe Au?on bei Troyes und anderwärts Rasen unb Ohren abgeschnitten sind. Die Regierung ber nationalen Verteidigung Frankreichs hat Kräfte ciTtfeffelt. welche sie nicht zu beherrfchen unb nicht innerhalb der Schranken des Völkerrechts unb ber europäischen Kriegssitte zu halten vermag. Wenn wir biefer Erscheinung gegenüber zur Hanbhabung des Kriegsrechts in einer Strenge genötigt sinb, welche wir bedauern unb welche Weber in bem beutschen Vollscharakter, noch, nach Ausweis der Kriege von 1854 unb 1866, in unserer Tradition liegt, so fällt die Verantwortung dafür auf die Personen, welche ohne Beruf unb ohne Berech­tigung bie Fortsetzung des Rapolevnischen Krieges gegen Deutschland unter Lossagung von den Tra­ditionen europäischer Kriegführung übernommen unb ber französischen Ration aufgezwungen hoben."

Was würde Bismarck jetzt wohl zu der schwarzen Schmach sagen?

Die Proklamierung der Republik Baranya.

Belgrad, 18. Aug. (Wolff.) DaS Presse­bureau meldet auS Fünfkirchen: Die Proklamie­rung ber jugoslawischen Republik in Fünfkirchen hat überall Anklang gefunden. In Barvs, Siklos, Mvhacs, Szigetvar unb Bil- lanh würben Volksversammlungen abgehalten, bie Entschließungen annahmen, in denen einmütig die Republik ausgerufen wird. Die Bevöllerung ver­langt, baß Schutztruppen ausgestellt unb bewaffnet werben, um eventuell einen ungarischen Einmarsch abwehren zu können. Gestern fanden zwischen Vertretern ber sübslawischen Re­gierungen unb Mitgliebern ber Ententekom­mission Verhanblungen statt. Die Ententever- treker verlangten, baß bie Räumung sofort be­ginnen unb bis zum 20. August beenbet sein müsse. Der englische Oberst Gosset, bem bie süb­slawischen Befehlshaber unb Aegierungskommis- fare erflärten, baß bie Räumung nicht beginnen könne, well noch keine Weisungen ber sübslawi­schen Regierungen vorlägen, erklärte öffentlich, baß bie Ungarn jebenfalls am 20. August ein­treffen werben.

Die ungarischen Truppen im Gebiet von Baranya.

Budapest, 19. Aug. (WTB.) Die Räu­mung des von ben Serben besetzten Gebietes von Baranya hat gestern begonnen. Die un­garischen Truppen wurden von der Bevölkerung mit Begeisterung begrüßt.

Die Bildung eines ungarischen Volksheeres.

Budapest, 18. Aug. (WTB.) Der Landes- Verteidigungsminister D e l i tz k a legte in der Ra­tionalversammlung einen Gesetzentwurf über bie Bildung einer neuen Rationalarmee entsprechet ben Verfügungen beS Friebens von Trianon. Ihre Stärke soll 35 000 Mann ein­schließlich ber Offiziere betragen. Die Ergänzung ber Armee erfolgt burch Anwerbung von Berufs- solbaten, bie sich verpflichten, zwölf Iahre bzw. Offiziere zwanzig Iahre zu bienen. Währenb ber Dienstzeit wird bie Mannschaft^ auch zu bürger­lichen Berufen ausgebilbet. Die Degrünbung hebt bie burch Vaterlanbsverrat herbeigeführte Zwangslage hervor, infolge bereu Ungarn ge­zwungen gewesen sei, sich feinblichem Diktate zu unterwerfen unb ber Möglichkeit eines berechtig­ten Selbstschutzes zu entsagen. Ungarn tat bies allerdings in ber Hoffnung auf eine allgemeine Entwaffnung, bie jeboch nicht erfolgt sei.