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Die Nothersteins.

Roman von Erich Eben st ein.

Copyright 1919 by ®reiner L Eomp., Berlin30.

10. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

5. Kapitel.

Veit Rüdigers Heimtehr war manches an­ders geworden auf Grafenegg. Inspektor Deipert hatte die Kündigung erhalten und war. da er Aon drei Wochen später zufällig einen guten Posten in der Nachbarschaft sand, früher ent­lassen worden, als geplant gewesen.

Das grobe Personal im Schloß war reduziert worden, worüber besonders Anneliese wütend war. Denn Rüdiger hatte ihr die Jungfer gestrichen, weil er fand. KoralaS Kammerfrau könne sehr wohl auch die Komtesse mit bedienen. Umsomehr, als Hertha, die sich am liebsten selbst bediente, ohnehin selten etwas benötigte.

Anneliese beruhigte sich erst, als die Mam­sell sich Dienstbeflissen erbot, ihr stets mit Ver­gnügen behilflich zu fein, falls die Kammerfrau der Gräfin nicht zur Hand ein Anerbieten, das sie um fo weiblicher ausnützte, seit sie merkte, daß Mamsell MUler geschickter und flinker war als Karolas schwerfällige Frau Dom.

Freilich ergab sich bald, dah die Mamsell dadurch sehr häufig ihren eigentlichen Pflichten entzogen ward. Es gab manches Donnerwetter im Haus, wenn der ohnehin nicht sehr geduldige Fürst zuweilen drei-, viermal vergeblich nach der Mamsell Tüngelte und Hampe diese dann endlich in Annelieses Gemächern entdeckte, wo sie mit einem Mundvoll Stecknadeln am Boden kniete,

um irgendeine neue Garnierung an einer Toilette der Komtesse probeweise zu versuchen.

Auch in den Ställen gab es Veränderungen. Stallburschen waren entlassen, überflüssige Reit­pferde verkauft und der Diererzug. den der Fürst einst stolz gelenkt hatte, und der nur benutzt wurde, wenn befreundete Offiziere zu Besuch kamen, ausgelassen worden. Dafür wurden rein­rassige Schweizerkühe und ein Zuchtstier ange­tauft. Denn Rüdiger wünschte vor allem die Molkereierträgniffe zu heben.

Er selbst war jetzt, wo brauben auf den Fel­dern die Ernte begonnen hatte, wenig daheim und bemerkte daher die langen Gesichter nicht, die seine Anordnungen alle Augenblicke bei den Da­men hervorriefen.

Bettelwirtschaft,' nannte es Anneliese ver­ächtlich im Familienkreis. Man muh sich ja schä­men vor den Bekanntenl Wenn daS so sorlgeht, lasse ich mich von Dante Isabella nach Böhmen auf Schloß Adensloh einladen. Dort redet man wenigstens nicht immerfort vom Sparen, und so amüsant wie hier ist es auch.

.Besonders, wenn z. B- Graf Wend loh gleich­zeitig bei seinen Sltem auf Birkrid zu Betuch wäre," warf Hertha, die immer kleine Bosheiten für die schöne Schwester in Bereitschaft hatte, spöt­tisch ein. »Dort brauchtest du dann wenigstens keine Angst zu haben, dah Magelone ihn dir ab­spenstig macht."

Worauf Anneliese mit einem wegwerfenden Ach, Magelone! die bemüht sich ganz ver­gebens!" antwortete, innerlich aber wieder einmal wütend über der Schwester »taktlose Bosheit" war.

Denn Rittmeister Graf Wendloh. der ihr seit einem Jahre sehr den Hos machte und säst

jeden Sonntag aus Wien nach Grafenegg kam, lieb sich ja leider in der letzten Zeit wirklich mehr von Magelones Zauber umgarnen, als Anne­lieses Eitelkeit vertrug. Lind Hertha mußte ganz gut, daß nicht nur Anneliese, sondern die ganze Familie im stillen damit rechnete, Wendloh, der zu den reichsten Mitgliedern des böhmischen Feudaladels gehörte, werde sich als ernster Be­werber erweisen.

.Bettelwirtschaft", dachte aber auch Mage­lone jetzt oft halb verächtlich, halb beunruhigt. Die Eröffnungen Rüdigers und sein Appell än sie, mit gutem Beispiel voran zu gehen, hatten die schöne Magelone in eine recht unangenehme Lage gebracht.

Ihr ganzes Wesen war weder auf Sparen noch Entsagen angelegt. Als bettelarme Komtesse Labwiy hatte sie seinerzeit den künftigen Ma­joratsherrn von Grafenegg geheiratet in der Hoff­nung, dereinst den Fürstentitel zu bekommen und mit Hilfe des Rothersteinschen Reichtums das Le­ben aus dem Bollen zu genießen, llbalds Tod schien die Hoffnungen leider zu zerstören. Aber schon kurz danach beschloß sie, dieses Ziel 'den­noch zu erreichen, indem sie versuchte, ihren Schwa­ger Rüdiger zu erobern. Dazu war ja nun auch alles auf dem besten Wege. Denn daß Rüdiger in sie verliebt war, merkte sie bald.

Aber war das Ziel denn jetzt noch so lockend, nachdem Rüdiger ihr so unerwartete Andeutungen über den Vermögens stand der Rothersteins ge­geben hatte? v __

Freilich, der Prozeß, von dem der Sürst so zuversichtlich sprach, konnte alles wieder zu Glanz und Herrlichkeit wenden. Unb Rüdiger selbst ge­fiel ihr auch, obwohl seine strenge, ernste Art sie

Kunst und Wissenschaft.

F r a n k f u r t a. M., 16. Juli 1921. Frankfurter Theater.

(Erstaufführung.)

Die Frankfurter Kammerspiele, in denen vor einiger Zeil KotzebuesDeutsche Kleinstädter" mit gutem Erfolg aufgeführt wurden, gaben nun­mehr des Vielgelästerlen und Vielgespielken Lust­spiel .Die beiden KlingSber g", und wie­der lohnte der aufrichtige Dank und Beifall des Publikums die vom Regisseur Robin Robert wohl abgewogene, treffliche Vorstellung. Wer sich früher das landläufig absprechende Urteil über Kotzebue zu eigen gemacht hat. der muß ihm doch manches abbitten. Gewiß, er ist ein starker Thea- tedonner und weiß seine Stücke wirkungsvoll und gewandt aufzubauen: aber wenn das all­gemein zugestanden wird die Schattenseiten seiner Muse treten in dieser hübsch für unser Empfinden allerdings etwas durchsichtig einge- fäbelten DerwlcklungS- und Intrigenkomödie kaum zutage. Ein wenig Pikanterie, der durch den

Gtehener Stadttheater.

w Der Liebestrank.

J Schwans von Frank Wedekind Gießen. 17. Juli 1921

Der Liebestrank ist eines der ersten Stücke, die Wedevnr schrieb uni) dock sind schon alle ®e ft alten feiner einzigartigen Unetrwsll entstiegen. treten mu jener verblüffenden Selbstverständlich frit. die d z Hauptmerkmal feiner ganzen Dra matik ist in die seltsamsten Beziehungen zuein anb.-r W deknd wirbelt die Fäden st iner Mario­netten bweßeinanber und lacht mit kaltem zy nllchem Lack>cn. Roch dal her wunderlichste Mo­ra lapostel sich nicht mit dem blinden Fanatismus eines Monomanen umgürtet. Er mischt die Tragik noch meßt mit bev Burleske und klatscht dabei wie ein Morttatensänger mit dem Stock auf die Lein­wandSo ist da».Leben". Hier schreibt er einen Schwank. Das Burleske überwiegt, nur ganz selten starrt für Sekunden hinter ihm die tragt Maske (»in Schwank. Hier bin ich Clown, hier darf ichS fein Die Fäden wirbeln. Alle» Purzelt durcheinander ohrfeigen werden bezogen. Phy fisch undmoralisch. Fürstinnen entlarven sich als Trap->ku"stlerinnen, Kammerdiener als verkrachte Charakterdarsteller, Gräfinnen werden ZirkuSrei- terinnen und ZirkuSdreffeure Hauslehrer Gegen- föne sind nur dazu da, einander aufzuheben. Alle Sibbrcn zur großen Familie der Wedekindschen cftalten, kehren irgendwie verwandelt in spateren Stücken wieder: Schwiegerling als Marquis von Keith. Katharina al« Lulu, ..das wahre Tier, das wilde schöne Tier" Und alle werden durch- etnanber gehetzt eine» blödsinnigen Einsalle» wil­len. der so alt ist, wie vielleicht die ganze abend­ländische Literatur: den Liebestrank, der dem Fürsten die Liebe der Gräfin beschaffen soll, und der nur bann wirksam ist, wenn er beim Trinken nicht an einen Bären denkt ES erweist sich immer wieder, eine Idee kann noch so alt sein. eS braucht nur der Richtige zu kommen und sie ge­winnt alle Lebensfrische zurück. So in diesem Wedekind, der nicht der stärkste ist, der aber den Widerstrcbendsten zum Lachen vergewaltigt.

Die hervorragende Darstellung war in An­betracht des schwulen Tages besonders anerken­nenswert. Else Koop hatte in der Gräfin Katha­rina wiederum eine Rolle gefunden, in der sie ihrer ganz speziellen Begabung nachgeben konnte, die sich zum erstenmal fo ganz überraschend in StrindbergSKameraden" erwies. Man sollte sie nur mit solchen Rollen bedenken können und hätte an ihr eine Charakterdarstellerin, die sich an den besten Bühnen messen könnte. Sehr gut hatte sich auch Auguste M a r ck s in die Fürstin Lisaweta hineingefunden,die Sphinx", die für sich selbst das Leben enträtselt hat und den anderen um so rätselhafter erscheint. Elsbeth Dolmar, eine neue Kraft für den Winter, machte als Kammer­mädchen eine gute Figur, ließ aber noch keine Rückschlüsse auf ihre Fähigkeiten ziehen. Den Fürsten konnte man sich anfangs großfürstlicher vorstellen. Sobald aber Adolf Teleky den 5 ampf mit dem Bären aufzunehmen hatte, der ihm aufgebunben war, wurde er Herr der Situa­tion und blieb es bis zu seiner kläglichen Rückkehr in die weichen Pranken seinerSpinx". OSkarF e i- a e l traf den bramarbasierenden Zirkushelden durchaus richtig. Am besten gelangen ihm die Wiedererkennungsszane mit seiner ersten Frau und ihre abermaligeVerabschiedung". Wolf Leutheiser, der in letzter Zeit wieder mehr ßerbortrttt, bewährte sich auch diesmal in der Rolle deS Kammerdiener- Leboeuf vorzüglich.

Die Spielleitung (ebenfalls Adolf Telsly) nahm den Anfang des ersten Aktes etwas zu langsam und schwer. Sonst zeigte sie sich dem Stile Wedekinds völlig gewachsen.

Gießen hat sicher selten so gute Aufführungen wie in dieser Sommerspielzeit erlebt. Solange die heißen Tage noch anhalten, erscheint es jedoch gewagt, der Direktion eine Wiederholung zu emp­fehlen. 3m Winter könnte auch derLiebestrank" mit mehreren ausverkauften Häusern rechnen, zz.

bexaenukßten Humor das Verletzende genommen rst. Sentnnentalllät und Rührseligkeit, in be­scheidenem Maße aufgetragen, dazu die treffliche, allzeit amüsante mtfe en fetne und ein frisch belebter, nie langwelliger Dialog, das alles mach» das Spiel von Vater und Sohn, die sich in ihren Liebesabenteuern stets begegnen, noch heute zu einem durchaus unterhaltenden Theaterstück Und es gibt viel anspruchsvollere Werte, die mit weit weniger tauberen Mitteln arbeiten!

Die Darstellung war auf einen frisch au- greifenden Ton abgestimmi, das Larmoyantc trat mit Recht zurück. Zwei neue Kräfte führten sich recht glücklich ein: Hans H ü b n e r als alter Gras, stutzerhaft geschniegelt und gestriegelt, wie ein Junger verliebt und jeder Schürze nachjagend, blieb doch durch feine Gutmütigkeit sympathisch: mit edler Gradliniqkeit spielte HannS König den armen Baron v. Stein, eine Figur, der LessingS Lcllheim" Pate aeftanben haben maq. Den füh­renden weiblichen Rollen gaben Antonie ©teuer und Erna Heicke Frauenwürde und Reiz, Gustl Sieger zeigte in einer Eharge ihr schon mehrfach bewährtes komisches Talent, und Kurt Sellnick war ein offener feuriger Liebhaber, das verjüngte Abbild seines VaterS. 3m bescheidenen Rahmen der Kammerfpiele boten die Bühnenbilder Mar­tin D i 11 r i ch s zierliches Rokoko. So hatten der alte Kotzebue u n b das Theater einen guten Tag.

Mütter'schc Badeanstalt.

Wafferwärme der Lahn am 19. Juli: 19 Grad R.

Handel.

Berlin, 18. Juli. Dörsenstim- m u n g S b i l d. Die Devisenkurse erfuhren eine wesentliche Erhöhung infolge der kleinen Ab­schwächung des Markkurses in Amerika. Gleichwohl war der Kaufandrang anscheinend weniger stark, als man nach einer zweitägigen Unterbrechung deS Börsenverkehrs erwartet hatte. Angeblich veranlassen politische Ver­hältnisse eine Zurückhaltung in der Speku­lation. Das Geschäft konzentrierte sich auf ge­wisse Werte deS Montanmarktes und einige bevorzugte Spezialpapiere, so stiegen Bochumer, Mannesmann, Phönix, Rheinstahl und ferner AugSburg-Rürnberger, Maschinen, Deutsche Waffen um 1020 Punkte. Dem­gegenüber standen aber auch Abschwächungen von teilweise 10 Prozent, wie bei Katkowitzer Bergbau und Lothringer Hütte. Don Schiff- fahrtsaktien besserten sich Hamburg-Südame- rikanische Dampfschiffahrt und Hansa bemer­kenswert. Am Anlagemarkt behauptete sich der Kursstand. Morgen nur Devisen- und Bank­notenmarkt.

F r a n k f u r t a. M., 18. Juli. Börsen- stimmungsbild. Die Abendbörse ver­kehrte in unregelmäßiger Haltung. Die Grund- ftimmung des Marktes war fest. Allerdings machte sich im freien Verkehr auf dem erhöh­ten Kursstände einzelner Spezialpapiere auch eine Neigung zu Gewinnsicherungen geltend, so daß ein Teil der Aufbesserung an der Mit­tagsbörse wieder verloren gingen. Don Elektrizitätswerten waren Schuckert be­festigt, 285 bis 288 bezahlt. Lahmeyer konnten sich behaupten. A. E. G. schwäch­ten sich ab. Chemische Werte, mit Aus­nahme Elberfelder Farben, blieben gut be­hauptet. Mannesmann stellten sich bei eini­ger Nachfrage etwas höher, Luxemburger und Gelsenkirchen etwas niedriger. Don sonstigen Industriewerten sind Hanfwerke Füssen mit einem Gewinn von 18 Prozent hervorzuheben, der Kurs stellte sich auf 488. Höher gesucht waren Schuhfabrik Herz, Rettenmeher-Twoli, Hydrometer, Bercelinö Bergbau erhöhten ihren Kursstand auf 434, plus 7 Prozent.

3r ran R f u r t a. M., 19. Juli Berliner Devisenmarkt.

Geld Brief Geld Brief Datum: 15. Juli, 18. Juli.

2lmfterbam. fRotterb. 2375,10 2379,90 2422,55 2427,45 Brüssel-Antwerpen . 569,90 571,10 582,90 5 84,10 Thristiania 1005,90 1008,101010,45 1012,55 Kopenhagen 1182,-801185,201181,30 1183,70 Stockholm ...... 1578,401580,601605,85 1609,15 Aelfingfors 124,35 124,66 126,75 127,05

Italien 342,65 343,35 347,15 347,86

London 270,95 271,55 276.95 277,55

Neunork 74,54 74,70 76,92 77,06

Pari* 584,40 585,60 596,90 598,10

Schweiz 1236,251268,75 1260,201268,80 Spanien 964, 966,- 9'4,- 986, - Wien (altes). .... -

Deutsch-Oesterr. . . . 10,28 10,32 10,43 10,47

Prag......... 98,20 98,40 98,90 99,10

Budapest 25,07 25,13 22,07 22,13

Konstantinopel . . .

Berlin

Abend- Abend- Schluß-

bald em

, nur gc

76,50

170,

281

238,75

223,

n u

268,

330.

334,

8,75

6.40

Züricher Devisenmarkt.

Schweizer Franken

KurS 18.7. 77,50

573,50

311 -

38/

399,

568,

16.7.

8,12

414,- 339,75 312, 279,84 530.- 230.-

409,- 334,75 312,- 281,-

KurS

16.7.

77,50

6,30 1049,-

7,04

16,84

Sh. Fr. r

152,75

380*50

18.7.

7,90

4,10

8,65

100 100

100

100 100 . 1

100 100

>100 100 100

Börsenkurse

Sranffurt

Fl. Mk. Kr. Kr.

r- L.

Frankfurt a TL. 18 Znlt Getreide­markt Infolge der Trockenheit büeb die Rach- frage nach Futtermitteln bestehen. Die Vorräte der letzten Ernte in Hüllenfrüchten wird immer knapper und die neue Ernte läßt, trenn nicht

100 ß. ;

Märkte.

Schluß- Kurs

18.7.

77,50

79,»0

i 76,50

70,20

i 170,50

300,-

i 279,50

214,-

183,-

Jturä

15. 7.

77,50 79,60

76,40 70.30

170,50 300,

279,50 214,- 183,- 106,60 177,- 153.- 520,-

388,50 403,50 574,- 310,- 263,- 810,-

410,50 339,- 313,-

288 -

Wechfel auf Holland ...... Deutschland Wien Prag Paris London . .....

Italien Brüssel Budapest ..... Neuyork Agram ...

Bukarest

(3n einem Teil der Austage wiederholt.) Aus dem Entwaffnungsausschutz des Völkerbundes.

Paris. 18. Juli. (WB.) Der Ent was te ngsauslchuß des Völkerbundes

275,-

69,60

334,-

166,- 171,-

156,50 525,50

386,50 399,81

575,- 307,-

275,- 836,-

416,- 339,-

312,50 290, -

629,50 240,-

5 9, - 276,75

09,75 330,25

192.75

8.02

0.80

7.96

47.25

21.95

27.45

46.40

1.90

606.-

3.90

8.65

I Kr.

192.-

8.-

0.80

7.70

46.95

21.80

26.95

46.-

1.80

609

3.75

8.35

97,81

125,10

23,80

18. 7.

Datum: Zürich . . . Amsterdam Kopenhagen Prag Stockholm. Wien. . . . London . . Paris . . . Neuyork. .

hielt zwei Sitzungen ab 3n einer Vormittage- sitzung griff der ®cncral|cfretar des Allgemeinen Gewerlschastsbundes (C. G. T.), 3 o u b o u r. ar* Delegierter des internationalen Arbeitsamts in. die Debatte ein und wies auf die Begeisterung hin, mit der die Arbeiterbevülkerung den Gedan­ken ausgenommen habe, daß der Völkerbund daS Jriedenswerl fördern wolle. Seit dem Waffen­stillstand habe dieses Vertrauen dem PessimiSmuL Platz gemacht. Das Vertrauen müfte wieder hcr- gestellt werden. Deshalb müsse man die Enttvois- nungsfrage nach ihrer Gesamtheit in Angriff neh­men. Entgegen der Meinung des Engländers Fisher vertrat Zouhaux den Standpunkt, daß man zu keiner praktischen Lösung kommen könne, wenn man die Frage der Seerüstung von der Frage der Landrüstung trenne. Das Problem müsse trt seiner Gesamtheit beraten werden. Mcu» müsse eine allgemeine Lösung Vorschlägen. Dann wandte sich Iouhaux gegen die von dem Ita­liener Schanzer vorgeschlagene Kommission, die eine Statistik des augenblicklichen RüstungSsland^S aufftcllen solle. Statistiken seien Immer anfechi- bar. Er sei für eine Lösung durch internationale Beipflichtungen, damit den Völkern die nötigen Bürgschaften gegeben werden könnten, um zur Ent­waffnung zu schreiten und man immerhin mehr ah- komme von besonderen Verhandlungen der Staa­ten untereiuaiider. Zouhaux schlug deshalb vor, eine Kommission einzusehen, die eine Kontrolle der unter den Mitgliedern des Völker­bundes ausgetauschten militärischen Informationen ausübt. Iouhaux vertrat ferner die Ansicht, daß die private Herstellung von Waffen unterbunden werden müsse. Die ganze internationale Lage sei nach dem Kriege deshalb gefälscht worden, weil diejenigen, die Munition herstellten, den Mangel an Gleichgewicht zu ihren Gunsten hätten ausnutzen wollen. Deshalb müsse Der vom Völker­bund eingesetzte Ausschuß entschlosten zur Kon­trolle und Beschränkung der Wasfenindustrie schreiten.

An diese Aeußerung knüpfte sich eine all­gemeine Aussprache, in der sich der Italiener Schanzer vollkommen mit Zouheux hinsichtlich der Aufgaben des Böllerbundes einverstanden er­klärte. Eine Statistik der Rüstungen hält er je­doch für notwendig, weil sie die Grundlage zunr Handeln sichern könne. Der Engländer Silber erklärte, er wolle nicht die Frage der Landrüstun- ?,en von der der Seerüstungen trennen. Henn (Sng- and habe zu sehr unter dem Wettrüsten ge­litten. als daß es nicht den Wunsch haben sollte, zu einem greifbaren Ergebnis zu gelangen. Er müsse jedoch bemerken, daß das Kriterium für beide Rüstungsarten nicht gleich sei. Beim Schluß der Vormittagssitzung schlug Vlviani die Bil­dung von drei Unterausschüssen vor. Der erste solle die Frage des Waffen- und Munitions- Handels, der zweite Frage deS Durchsuchungs­rechts und der gegenseitigen Kontrolle der Aus­künfte über die militärischen Rüstungen bear­beiten, und der dritte solle den Vorschlag des Italieners Schanzer betr. die Rüstung-statistlk prüfen.

Neue Einroanderunyserschwerungen für Amerika.

Paris. 17. Zuli. (WTB.) Die Chikago Tri­büne meldet aus Washington: Der Vorsitzende de« Auswanderer-Ausschusses des Repräsentanten- ausschusses hat einen Geseyentwurs eingebracht, durch den für alle Einwanderer besondere Passe gefordert werden sollen. Die amerika­nischen Konsuln im AuSlande sollen die Ausstel­lung an solche Personen verweigern, die sie für unwürdig erachten.

1.32

19.7.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 18. Juli. Bei gutem Auftrieb sanken die Preise in Rindern und Käl­bern erheblich. Bei langsamem Handel verblieb bei allen Viehgattungen Lieberstand. 3m einzelnen ist zu bemerken: Aufgetrieben waren 1305 Stück Großvieh,, 31 Oesterreicher, davon 157 Ochsen, 76 Dullen, 1072 Färsen und Kühe: ferner 250 Käl­ber, 53 Hümmel und 1133 Schweine. An Preisen wurden angelegt per Zentner Lebendgewicht: für Ochsen 400700 Mk., für Bullen 350 dis 525 Mk., für Färsen und Kühe 150700 Mk. für beste Färsen, bis 675 Mk. für beste Kühe: ferner für Kälber 400675 Mk.. für Hümmel 400500 Mk., für Schweine unter 80 Kg. Le­bendgewicht 10001200 Mk., 80100 Kg. 1200 bis 1250 Mk.. 100120 Kg. 11751275 Mk., 120 bis 150 Kg. 12001250 Mk. Die Marktpreise lie­gen um so viel über den Stallpreisen, als sie die nicht unerheblichen Gewichtsverluste. Spesen und Händlergewinn in sich schließen.

Frankfurter Obst- und Gemüfemarkt.

Frankfurt a. 1, 18. Juli. Der heutige Obftmatft war sehr reich mit B rnen und Pflaumen befahren. Während die Preise für Birnen, beson­ders kleineren Sorten, nachließen, stiegen die Pflaumenpreise. Alles andere Obst war in nur geringeren Mengen angefahhren und wurde zu hohen Preisen glatt geräumt. Der Gemüsemarkt war nur mit holländischen Gemüsen, wie Blumen­kohl, Gurken, Weißkraut und Pfälzer gelben Rü­ben, genügend beschickt. Alle anderen Gemüse, welche sonst die Gärtner zu den Hallen bringen, waren schwach vertreten. Die Preise waren dem­entsprechend bei reger Kauflust recht hoch, beson­ders Bohnen zeigen eine Knappheit. 3m Groß­handel wurde bezahlt: Dirnen 1.503,50 Mark Aepsel 2,803,20, Pflaumen 3,303,80, Pfirsiche 4,50-7,00, Aprikosen 6-8, Mirabellen 6,50-3, Reinellauden 6,507, Johannisbeeren 3,303,60, Stachelbeeren 3, Heidelbeeren 3,203,80, Blumen­kohl 35,50, Gurken, holl. 4,25, deutsche 36, Senf­gurken 11,50, Salzgurken 1825 Pf. das Stück, Pfeffergurken 1015 Pf. das Stück, Weißkraut 0.901,20. Wirsing 1.201,80, Rotkraut fehlt, Gelbe Rüben 0,901,50, Salat 11 50, Kohlrabi 0,60-1. Zwiebeln 11,20, Kartoffeln 1,101,20.

ringe Aussichten auf reichere Ernte. Linien und Bohnen waren zu höheren Preisen gesucht 3n Futtermitteln war das Geschäft besonders leb­haft DaS Angebot ist knapp und teilweiie hie Rachsrage nicht zu befriedigen. Lebhafter geftflte tete sich ber Verkehr für Sämereien, wobei Rot- tlee und Luzerner zu anziehenden Preisen gesucht waren. Reis liegt weiterhin fest. Für Heu hatten die Preise angezogen. Rauhfutter sowie Strotz erfuhren weitere Besestiaung Mais anziehend Dav Geschäft war im allgemeinen ruhiger. Es ließen sich folgende Dotierungen feststellen: La- plata-Mais 280 -232, Futtererbsen 250 290. Bit- toriaerbsen 300340, Rangoonbohnen 195 200,

Linien geschäftSlvs Ackerbohnen 270230, Va­lencia-Reis. glaffiert. 740- 760, BurmareiS II gc- schäftslvs. Klccbeu 190 200, Preß-Strod 54 bi« 60, Biertreber 180190 Mk. per 100 Klgr.

Marknotierungen.

1.7.11.

Fr. 125,43

Fl. 59,20

Kr. 88,83

Kr. 117,80

Kr. 88,8)

......Kr 117,88

Datum

Dtsch Äriegeanl. 4*/, Disch 7teid)6anl. 3*/, Dtsch. 'Heid) nl. 4/, Preug Konsols Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . . Vi»conto-Vejell|chaft Dresdner Dank. . . Nationalbank f. D. . Mitleid. (Kreditbank. H..Amerik Pakets. . Norddeutscher Lloyd. Doch Gußstahlwerk . D.-Luxemb. Dergw.. Delsenkirch. Bergw. . Harpener Bergbau . Oberschles. Eisenb.-B. Oberichles. Eifenind. . Phönix.Dergb .Akt.. Bad. Anilin- u. Soda Höchster Farbwerke. Elektr. A. E. G Schuckert-Werke. . . Felten-Guilleaume, . Daimler . Dud.° Eisenw. Akt. . Adlerwerke 4°/0 Hetz. Staatsanl. Elektron Griesheim.

manchmal mit Besorgnis erfüllte. Aber das würde sie ihm schon abgewöbnen, wenn er erst ihr Mann war . . .

Das beste war, abzuwarten, es vorläufig nicht mit ihm zu verderben, also ieine Wunsche bis \u einem gewissen Grade zu erfüllen. Man brauchte deshalb andere Möglichkeiten z. B. Wendloh nicht zu vernachläfsigen und konnte sich auch für das aufgezwungene Sparen wohl anderweitig entschädigen. e

Dazu würde Edith Ruhland, die momentan zwar verreist war, aber dieser Tage zurückerwartet wurde, schon Rat wissen. Sie hatten ja schon einige Male zusammen kleine nette Ausflüge für ein paar Tage nach Wien unternommen, uni) sich dann dort köstlich amüsiert unter der Führer­schaft der Baronin Tellers. Eine lebenslustige Witwe, die Ediths Tante war.

Geld? Pah, das konnte man sich in Wien auch leicht verschaffen. Magelone wußte, wie leicht ißr verstorbener Mann stets Geld von einem gewissen MarkuS Löd eryalten hatte, dessen Adresse sie zum Glücr noch ausbewahrte

Die Schwierigkeit lag nun darin, unter einem guten Vorwand überhaupt fortzukommen. Denn Einkäufe wie bisher konnte^man jeßt bei Rüdigers Sparmanier ja nicht gut Vorschüßen.

Alle diele Gedanken huschten durch Magy- lones schönen Kopf, während sie jeßt in Dos Be­gleitung ihren gewohnten Morgenspaziergang au) der Promenade längs der Buchauer Straße machte.

Do störte sich nicht daran. Sie war lehr stiI5 und schweigsam geworden, feit sie im Fürsten hau la lebte, wo sie weniger heimisch werden konnte, »tc auf »rafenegg. (Sorffeftung folgt.)