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17.1.1921
 
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Ur. 13 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)Montag, 17. Januar 1921

seuche im Sommer diese > x\ab.c.-

abltcierung ihre volle örfnilbi.ildl zu tun, es n:d:i

d.c

aus

teilt

seil Monaten nur noch gai

ihrer furchtbaren folgen lern

und keilte

An die Mütter und grauen im Ausland.

unb Frauen des Auslandes!

irnfe betrogen hat soll Hm bis an das Cmbe Signes Tod kein Zweifel mehr besteht^Und es ift belogen, und oettogen vor, darüber auszuiprechen. Gegen

Fortsetzung 85-

Pkachdruck verboten.)

liefern, und so ain Schuld tragen. Ga Müchorte an erster

nxldx*r Äbs

ie.;annt mürben, iickm ; 3 ae.iit e Mengen L*?

daß neben den v.elcn Laudioineu vornehmste Pflid i halleu, ge.ub.

C-ü e.. für il in der Mil

DieFrauen Hessens haben sich we- gen der von unseren Feinden geforderten A b - «lieferungvonMilchkühen zusammen­geschlossen und gemeinsam einen Appell an Sie MLiter ,und Frauen des Auslandes ge­richtet, dessen Wortlaut hier folgt:

Mit nachstehendem Aufruf wenden nnr uns heute an Euch. Wir flehen Euch an Hn un­sere r großen 9!ot. Gequälte Menschenherzen wenden sich an Euch. Helft uns, Ihr Mütter

Vie Bildung eines Helfischen Ltaaisgerlchtshos.

Ihre Pflicht, sich darüber auszusprechen. Gegen mich oder gegen den Untersuckpingsrichter."

Gegen welchen Untersuchur'gs.ichter? Ich weife von keinem, llnd ich habe mich um keinen

weniger zahlreickre tt eS auch lei, ihren I r

KidOt

Ich will damit sagst, daß nach allem, rnf ich eben gehört habe, für mich über Ihren unten an

inrr gelitten

fet daher an alle .<tubbal:cr der A tfruf gerichtet, angesichts der DkilL:ot ut der Siadt Gielen und

zu kümmern."

Aber Sie werden nickt mehr verhindern kön­nen, datz er sich um Sie kümmert. Einen Zeugen, der der Verstorbenen so nahe stand, wird er sich schwerlich entgehen lassen."

Sempers Gesichtsausdruck wurde immer ge­spannter. Seine leidenschaftlichen Augen bohrten sich t'örmlid) in das Antlitz des andern ein.

Sie reben Unverständliches. Signe hat sich selbst getütet Was geht das einen Untersuchungs­richter an? Und wozu bedarf es meines Zeug­nisses?"

Sie wissen also gar nicht, daß man sie für das Opfer eines Mörders hält? Wollten Sie mir im Ernst ein reden, daß Sie es nicht wissen?"

Nein, davon weiß ick nichts. Aber wenn man ihren Mann beschuldigt, sie gemordet xu haben, fo will ich beschwören, daß er es getan hat."

Auf Grund welcher Beweiset _

Ah, Beweise: Wozu braucht es Bewene/ eie wollte frei fein von ihm. Ist das nicht Beweis genug?"

Nickt ganz. Und davon, daß man ihn oer- dächtigt, ist sclbswerständlick keine Rede. Aber ein anderer, der ebenso schuldlos ist an ihrem iofre, iip.t unter jenem Verback« im Gefängnis Wer ihn durch feine Ansage recktfertigen tonnte uiu> es aus irgend welchen niedrigen Beweggründen unter­läßt, ist ein Schurke."

Semper stand unbeweglich Dann fm.ch er sich iangfam mit der Hand über Stirn und Haar.

Deutschland soll 640000 Milchkühe an seine früheren Feinde abliefern. Wißt Ihr, was das bedeutet? Deutsche Stinber sterben Hungers, weil ahnen die Milch, die sie so nötig zu ihrer Ernährung brauchen, fehlt. Durch den Krieg isßu nser Milchvtehbestand stark zurück­gegangen und dadurch ist die Mtlchversorgunq vollkommen ungenügend. In letzter Zeit Hai eine schreckliche Seuche unser Land durchzo­gen unb den Viehbestand weiter verringert Tritt nun tuxf) die Ablieferung der 640000 Stück Milchvieh hinzu, dann wird unsere Hin derstcrbltchleit noch viel gewaltiger und unser Elend noch viel größer werden, auch dann, wenn die Ablieferung nur nach und nach in kleinen Mengen erfolgen soll.

Statistisch ist festgestellt, daß jetzt schon infolge der Unterernährung der letzten Jahre 10 Ibis öO Prozent, in manchen Gegenden 70 bis 80 Prozent unserer Kinder skrofulös, rachitisch und tuberkulös sind!

Was soll werden, wenn die Ablieferung Der geforderten 640000 Milchkühe noch l)in- zukommt?

Es heißt unser Volk mit restlosem Siech- tunt schlagen, wenn man unseren werdenden Müttern, .unseren Kindern, Iugendlchen und Mranfcn auch nur einen Teil der Milch nimmt, die jetzt nur noch in winzigen Men­gen zur Ausgabe gelangt.

Bei unseren Ernährungsver- haltnissen können wir unmöglich a urf) 'n u r einen Liter Milch entbeh­ren. Jede Fortnahme von Vieh und .Milck) würde unsere Qual vergrößern und die

tember, im Monat November zeigte sich ein wei- teresZurückgeben der zur Verfügung stehen- bei Mttchnunge um 4uOJ Liker, unb im Dzemlxr um roeiterc 9uOO Xiitcr. Es ist zur Genüge besannl, baß bunt gt-iDoLig.n Ausfälle »um gr.'ß.en Tcü auf bic gerade auck in unterem MilöZgelnet derr- ideube Tiaul - unb Klauenseuche zurückzu- führen smd, waren doch im X'auic des Jahres 1920 fast alle der 32 Gerneuiden, die zum Milck>gcbiei Gießen gehören, barumer 12 in ganz bei anders schwerer Weise von diefer >scuckie befallen, die monatelang andauerte und meist ein voriges Vc.- i'iegen der Mttuck.li.sc:ung bei Let-cfiC den O.t zur Folge Halle. Ta;u lommt noch, bau in den litz'en Mona n des Iarr.s eriabruag gemäß fo- ivieso die Milckck/.i ftru ig nadXäiu (.Iiädihgk t der Llühe, fdüemt.rc 5iUtcn>cruä.tm,ie), um sich gegen Früh al)r wieder zu heben. Es fei noch erwähnt, laß nicht nur in der heißen Jahreszeit, foiihcm aud; in den tetzigen Monaten unter der vom v-anb nach der Molkerei gelieferten Mild) mandY Manne sauer gewordener Milck sich siiidet, bic natürlich als Hran[eumiLt nicht in Betracht kommen la.in, waS an manchen Tagen einen nicht unnK|entlid)cn Aus all bedingt

Während nun in den Nkonitten Juli bis August

Seinen Luhhalter zu versenden, was dann auch gefchib. Zn bicjcni war zum Ausdruck tcbrad)t, daß Erkrankungen des S k e l e 11 f v ft e m s Ixi Er- wackl'enen unb i-ci .mindern, fmve auch die Lun­gen t u b e r l u l o f e m einem Umfange auftreten, daß bei längerer Fortdauer her Scrbaltnilfe das Hinfiechen des kommenden Geschlechts als unverm.idlid a ngeuoninien werden muß. Weiterhin heißt es darin:

Es wird nicht verkannt. das; der Milckwieh» bestand der Vanbnn.tc bu.dfbic Maul - unli Älau* n

Putter ober Käse an Schlcickrhändlcr ober .vom ftcrer abzngebcn, sondern den g.-samt n Uemrjdyife au die Sammelstelle abzuli.fr rn Dar ii? Milch nur den wi. stich. Bebü.ittgen und insoe on <re ben Üindern zukomnu, dafür find ?te umfassendsten Maßnalimen get raffen. Es ist ein Notschrei ber Un- mündigen unb ber kraulen Bevölkerung der Stadt Gießen, ber ins Lmib hinaus gebt unb donenllick seinen Weg zum Herzen aller Landtvirte tuibct."

Wir können heute bereits die erfreuliche Tat- sackte berichten, da'; i n Gezenjatz au be t letzten Wochen deS Dezember sick -n - die M j l ck b e lie­fe r u n g b rc t3 gehoben Hal s.' ba . au er der jeden Tag zu bc.ie,er,ioe,i ßkuppe 1 auch die übrigen Gruppen abwechselnd ein über den andern Tag mit Milch versehen werden konnten. Es darf wohl die bestimmte Hoffnung ausge­sprochen werden, daß alle Kuh Halter des Milchgebietes Gießen im Interesse ber notleidenden Kinder und Kran­ken der Stadt alles tun, um die Milch - anlieserung zu heben.

Ich glaube, ick werde verrückt," murmelte er. llnd noch einmal:Ick glaube, ich werde verrückt."

Erich, der seine letzten Worte mit erhobener Stimme gesprochen hatte, trat bart an ihn heran.

Uber Sie dürfen letzt nicht verrückt werden. Hören Sie, Herr Semper? Sie müssen en Ver­stand fetzt ebenso energisch >u ammenfaifen rote Ihr Ehrgefühl. Zwischen Ihnm und S.g e Fall- ner ist etwas geickchen das können «ie nicht mehr leugnen Und wir müllen es willen. Tenn es handett sich um das Leben und die Ehre eines rechtschaffenen Mannes."

Lassen Sie mich zu nnr kommen. Fck begreife hoch nichts von dem, was Sie fragen. Gar nichts begreife ich Ick strenge mich an. Sie zu ver­stehen Aber m meinem Ä|#re ist nichts alS ei» wüstes Durcheinander." *

Za, hat Ihnen berat hier niemand davon er» Mlt? §xrben Sie es nicht aus der Zeitung er­fahren ?"

,^Zch lese keine Zeitungen. Ich spreche mit fernem Menschen."

Tann allerdings müssen Sie es toom von mir erfahren. Der Hausar^ meiner Familie, Tr. Ger- mermg, der auch Signes Arzt gewesen war, wird beschuldigt, ihr statt einer harmlosen Arznei Gut verabreicht zu haben. Ein selten gebrauchtes, un­bedingt tÄrliches Gist: Eoniin."

Er mochte selbst nicht wi len, was ihn veran­laßt hatte, diesen Namen mit besonderem Nach­druck auszusprechen Semper aber bewegte nur oerneinenb den Stopf.

Ich kenne es nicht. Ich habe nie davon ge­hört."

Es wiw, wie ich mir satten ließ, ans dem Saft der Schierlrngspkstrnre p nxmnen."

(Fortsetzung folgt)

Die mild}Verfolgung der Stadt Siehe«.

Gießen, 15. Ian.

Zu der m voriger Woche bekannt gegebenen Aenderung in der Belieferung t>?r MEezugc- berethtigten wird uns von der ärztlichen Prusnngs- stelle'folgendes mitgetellt: .

Tie m den Monaten, Juni, Mi imb August v. Js. einigermaßen ausreichende Milchbelieierung der Stadt verschlecksterte sich im Laufe des Monats September ganz erheblich, um im Oktober und No­vember nock mehr zu sinken; |o konnten im Mo­nat September 20000 Ltter weniger zur Ver- teilung gelangen als im Monat August, un Mo­nat Oktober 7000 Liter weniger a.s im -2ep-

öieKalkner aufLinöenhöhe

Roman von Reinhold Ortmann.

n Zuchthaus saß?"

Ta war allerdings eine höchst vernunMgc Erwägung. Aber bei Ihrer dankenswerten Often- herzigkeit werden Sie mir nun v^lleickt mich noch eine andere Frage beantworten Diell J^au eigne Offner etwa jetzt den Augenttick rur gekommen, .Iren Schwur einzulösen?"

-Ob sie ihn für gekoinmcn hielt, ist gslerchgilttg. Jedenfalls war ich entichlossen, sie dazu zu zwin- 9°I"Tesbalb also waren Sie in Tiefenbrunn er- sHienen. Das ist sehr interessant"

hatte den Anschein, als wolle ^emper chm

-m die Lchle fahren. , annr+w.

, Kommen Sie mir nicht mit solchen Worten. Deinen Sie, ich hätte das alles ausgesprochen, um Ihnen eine interes.ante Geschickte zu^ersa.ilen.

Nicht? 9hm ich hätte in der gern er^ fahren, warum Sie es getan haben."

,Werl ich's dem andern nicht gönne, daß er sie betrauert, daß er die Erinnerung an sie .wie einen Schatz hegen und pflegen darf. Die Gewitzhett, ditz sie ihn von der ersten Stunde an in ihrem Innern

fahren mußten.

Weitere Gruppen (IIV) umfasen dann die übrigen Perionen. die nach den .Bestimmungen lRichtlinien über die Abgabe von Zusatzkarttn für Lebensmittel auf Bescheinigung eines Arztes, Kreisblatt vom 14. Nov. 1916) Anspruch auf Milckzusatz haben, und zwar sollte hier die Bc- liefeninq nadi Maßgabe der jeweils zur Verfügung stehenden Milchmenge erfolgen. Die Zugehöngkrit zu der betreffenden Gruvve wird von nun an eweils auf den Ausweiskarten durch Stempel» aufdruck befanntgegebai.

In der Amialme, daß in den Kreisender Landwirte noch nicht genügend be­kannt ist, welch schreckliche Folgen der Milch not sich unter der städtischen Bevölkerung besonders unter den Kindern bemerfbar mackt. wurde toeiterlyin m der genannten Sitzung der Lebensmitteldeputatton beschLosien, ein Merkblatt zu Beginn des Jahres an die em-

bat; andererie muß abet auch gc agt werde

die Versorgung der kranken mit Vollmilch, wie sie nack bcu reich-sgesetzicken Bestimmungen über die Dew.lliguna an Kranke geregelt ist, einigermaßen üujrcd'ii eri alten irnrden tmuite, miiKtc in teil Tolgenhcn Monareti das immer mehr sich steigernde Teiriit dazu führen, daß nur eine teilmeiie Be­lieferung der Milck b. rng>berecktigten criolgcn ko,mlc, indem die i'. Liu:r mit > » üiter bel,eiert wurden, und bxicmgcn Hra.ilni, beieii Maren aus 7_, Ltter lauteten, zunu-ist gar nickt beließ?rt werden lonnteii. In den letzten Wockx'ii des De­zember mußten sogar wochenlang V«. V» und li Li­ter aussalten. Das hierun.cr aber gerate die Kinder vom 3. bis 6. Lebensjahr fallen, ür welche die Mllch zum Auckau ihres im Wachs- um des leidlichen Orgaiisrnus cm drt.igendes Er- ordenns ist, mußte als eine außerordentliche Harte empfunden iverden, denn gerade diese Slin.er sind cs, bei welchen si b Die Folgen des Krieges als UntcrcnLuiilung, Slrophulo e, Rack.itis und N.i- gung zu Katarrhen in ersckwecke.ider Weise le- mertbar madjen. Solange also mit einer Derartig schlechten Milchbelieberung gerechnet werden musste, iiKir eine Aenderung des bislseiigen Verteiluiigs- systems ersorderlvck, camit b.i etwaigem Ausfallen der Milck nicht auch die betrofren^n, für die die Milch unumgänglid) notwendig erschien.

Es mag noch darauf hingetvie e.i iverden, daß gerade Gießen einen beionders hohen Bedarf an Milch hat wegen der vielen Kliniken und anderen Krankenanstalten, trelche nur die allernotwendigsten Milchmengen crl a ten, so daß sie auch zur Zeit großer Milchknapphnt un­gekürzt mit Milch »criorgt werden mußten.

Eine eingel-ende Besprechung ber gesckild rten Verhältnisse in einer Sitzung der Lebensrnittel" deputatton Ende Dezernk^r führte dann auch au einer ent pvechenden Einteilung ber Milch- bezugsberechtigten in Gruppen, wie ne ja bereits zur Bekanntgabe gelangt sind; zu Gruppe I, die unbedingt täglich zu beliefern ist, gehören hiernach die Kinder bis zum 6. Lebens- lahr sowie diejenigen Schwerkranken, bei denen eine tägliche Versorgung jnit frischer Kuhmilch wegen einer schw ren Erkrankuno mit bedrohlichen Erscheinungen (hohes Fieber, Unmöglichkeit der Aufnahme fester Nahrung u bgLl.auf Grund eines ärztlichen Ältestes bewilligt wurde; es liefe firf) hierbei, um auch wirllich eine tägliche Beliefe­rung dieser Gruppe bei der großen Zahl der Kinder (über 3000!) zu gewährleisten, nicht um- gefc.i, daß die einzelnen Iahresklassen ber Kinder für die Tauer der ungünstigen Lieferungsverhält­nisse eine geringe Kürzung der zu Zeiten normaler Milchversorgung zuslelsenden Milchmengen er-

feine5 Lebens das Herz zersleifchen.

Eine verspätete Rache also! Und aui Kosten des 'Rufes einer Frau, die Sie angeblich leiden­schaftlich geliebt haben."

Unb wenn ich ebenso guten Grund hatte, mich an ihr zu rächen, wie an Ihrem Bruder ? Dan man em Weib mit jedem Blutstropsen heben und es zugleich aus tieffter Seele hassen kann, ist Ihnen als gewöhnlichen Menschen natürlich eben­falls unverständlich." . , _

Ich habe es noch nicht an mir selbst erfahren. Für unmöglich halte ick es nicht. Und ick kann mir nun wenicestens ein Bild machen von dem, was hier zwischen Ihnen und meiner Schwägerin vor- gegangm ist. Zie wollten sie zwingen sich scheiden zu lassen. Und sie lehnte es ab roed |ie em ge­sickertes Dasein in behaglichem Wohlstände jetnem Leben vorzog, das zwischen überschwenglichen Leli»- ketten und Abgründen bn Verzweirlu ig h n cmd her schwankte. Und um ihrer Weigerung willen lernten Sie sie hassen."

Veräcktlick schüttelte ber Blldhmier den Kopf.

Armseliges Geschwätz! Aber Sie sagen, daß Sie sie nickt getonnt haben. Darum will ich wegen Zhrer jämmerlichen Andeutung nicht mit ^nen richten. Ich denke, ich hätte Ihnen nun überhaupt nichts mehr zu sagen." .. , ..

.Vielleicht doch! Ich mochte namlick noch über die Zusammenhänge au gcklärt sein, die zwischen Ihrmi Hiersein und dem plötzlichen Tode meiner Lckwägerin bestehen."

Harold Semper sah ihn groß au. _ Zusammenhänge? Was wollen sie damtt

Gietzcncr Strafkammer.

G i e ß e n, 14. Januar 1921.

Der Knockt Otto Z. aus Leipz g, l.i B.nstadt in Stellung, und der Knecht Lorenz Sck. aus Frankfurt, waren zusammen mit einem dritten Angeklagten, der zur Hauptverh'.ndlung mcht er­schienen war, im September v Zs. in/die-^chnine der Witwe K. in Bönstadt eingeb ungvn und hatten dort einen Sack SB eigen gestohlen, den ber dritte Angeklagte an fick nahm Z. und ed n. iaur> den von diesem mit Geld abg fnndcn D12 An geklagten waren geständig Zm Hinblick auf ihre bisherige UnbestrastheU wurden sic lagen des Ein bruchsdiebstahls mit ber gesetzlichen Mindesbstraf2 von drei Monaten Gefängnis bestraft.

Das Dienstmädchen Katharina W. aus Michelau war im April v. Js. bei dem Sohn ue5 Bürgermeisters in Harn-Gründau in Stellung. Eines Tages reinigte sie die Amtsstube der Bür­germeisterei. Ihr Blick fiel auf den offen Ibalienen- ben Dienstftem pel der Süngcrnu-i, crct. Unb schon kam ihr ber Gedanke, bei Stempel nutz bringend -u verwerten Sie fertigte zwei Schreiben an Büdinger Geschäftsleute pn unb versah bte Schriststücke mit ber Unterschr ft unb bem Dienst stempel des Bürgermeisters. In btden ^chnnben stand, daß das betreffend Geschäft gebeten wttde, ber Ueberbrirugerin em Paar SonntagSickuhe bzw. ein Kleid auszuhändigen. Ter Bürgerm n,er werd- in der nächsten Woche kommen und bezahle Ti- Stiefel im Wette von 276 Mark erschwindelte sick die W. auf diese Weise. Bei d m Kleid blieb। eS beim Betrugsversuch. Denn das betrvffenbe Wc- schäst händigte das Kleid nicht auS. Die Ange klagte war fifjon wegen Diebstahls vorbesttaft. Des> halb und wegen ihres raffinierten VorgehcnS wurde sie wegen BetrugS und Urkundens al- chung mit zwei Monaten Gefängnis beitrait Die Angeklagte war aus der Untersuchungshaft vorgeführt worben, ba sie zu einer früheren fcaupt*- Verhandlung nicht erschienen war. Nach der Ver» urteilung wurde ber Haftbefehl aufgehoben.

Aus der Strafhaft vorgefuhtt wurde ber Fri­seur Christian ft', aus Dietzenbach Im August v. Js. war er von der Zellenstvafanitatt Butzbach aus im Johanntter^spital Nieder^Weisel unter- gebrockt. Diese Oselegenhrit benutzte er um zu entfliehen. Er nahm dabei eine Dose und eine S ck l a s d e ck e mtt. ft., ber rm ganzen schon sechs­mal vorbesttaft ist, ist rückfälliger Lieb. Deshalb wurde er zu vier Monaten GMangma txTurttiLt.

Schmerzen der Müller vermehren.

Amerika, in Erkenntnis unserer Notlage, hat sich bereit erklärt, uns Milchkühe zu lie> fern. Wir freuen uns heczlick) auf diese Zu^- weisung, sdie, wenn sie auch nur klein ift, uns doch -mit Trost erfüllt, daß man uns helfen will. Die Zuweisung wird aber bei lueitem nicht so groß sein, wie allein der Verlust ist, den uns die schreckliche Seuche in den letzten Monaten gebracht hat. Wir können nicht zu­lassen, daß man uns von dem wenigen, was wir haben, noch einen beträchtlichen Teil nimmt.

Kürzlich wurde von ärztlicher Seite nach­gewiesen, daß, wenn unseren Ernährungs- Verhältnissen nicht bald tatkräftig abgeholfen wird, mit ziemlicher Sick/erheit gerechnet wer­den imufe, daß in den nächsten Jahren M i l- lionen deutscher Kinder dem Un­tergang geweiht sind! Kommt nun noch die Ablieferung des geforderten Milchviehs hinzu, so sehen wir unsere Kinder unrettbar verloren.

In dieser unserer Not wenden wir uns an Ouch. Helft uns in unserer verzweifelten Lage, Ihr Mütter und Frauen des Auslandes. Helft uns, indem Ihr durch Eure Fürsprache an maßgebenden Stellen uns unterstützt, daß von der Lieferung des gefor­derten Milchviehs Abstand genommen wird. Helft uns, indem Ihr mit uns den Schrei er­hebt: Rettet die deutschen Kinder! Helft uns aus Menschlichkeit! Helft uns als Mütter und Frauen, damit unseren unschuldigen Kindern in letzter Stunde nock; Rettung kommt."

(Folgen die Unterschriften von 31 Frauenveceinen, von den weiblichen Land­tagsabgeordneten und Stadtverordneten von Darmstadt, Mainz, Worms, Offenbach und Gießen.)

rfdi-ife an Müch nickr üb cnynig unseres Volks mii >' cmcm.cn, di. fr..hrr al.'

Ick machen keinen Anspruch darauf, für einen z'.wöhnlicken Menschen zu gelten. Unb was geht (S Sie an, ob ick mich willig fügte ober ob ich wie e il Rasender mtt ihr kämpfte! Ick hätte den andern umbnngen können, um sie ihm nicht für emen Dag unb für eine Stunde zu lassen gewiß! llver rar sie mir etwa weniger verloren, wenn ick mei­nen Kopf auf den Block legen mußte ober wenn ich

Ian Hessischen Landtage ist von dem Gelamt- ntmifeerium ber Entwurf eines Gesetzes nebst rinbimg. betreffend den S taatsger i chts- I of, »ugegangen. Ter Entnmrf end'a.t Ans- 1 chrungsbestirnmungen zur HeifisckLN Vcrfchiung !OTi 12. Dezember 1919 Er zerfällt m 4 «b- ifinittc. Ter 1. Abschnitt handelt von der Sil» gng bes 2taatsgerickUSlwfs und ergänz: bic mer- feer bereits in den Artikeln 47 fr. ber Verfafiun-i ichaltenen Vorschriften. Der Landtag walut hier» »ock alsbald nach seinem Zusammentritt nach den l Grundsätzen der Vechättnisivall aus feiner Mitte r« Mitglieder für die BiL n g d-s EtaatSgenckst^ »'S und cbmiooieie Mitglieder für bc.en »ertre- 1 n:g larauf wählt das £jerlanle.geridit a.-S : ; c.t Mitgliedern d.r Äollcgialgcriditc bc5 Landis 'vt Miigllicker unb eben oviele Mikg.ie^er fm ien Ve t.itung Der Staaisgerickü hoi letzt fick iS 13 Perfonen zusammen, eini'ch.irirli ck l-'ineS -HiiBcnbrn. ber stet) d r Vrä>ident bes £ e » ing bei unb in b f en Verinn.ernng der milälter.c 5 eriandeSgeiiuck^rat fei' mufi

TCr 2. Abschnitt handelt vom Verfahren bfi jifedrung einer Wahl ober des Ergebnisies einer 'Oilräbftimmuig ober bei Streit, ob ein Mitglied Landtag) das Reck»: der MitgluLsckraft oerlortm ut Tas Verfahren letzt sick zusammen ans einem Lrmi11elungsverfahreu, das von einem ? »m Pr is denten d?s eia tsgeristtS f au 0 - nden R t f'.i dc 2ta t?gc.i. t:< op (te* it-terftatter geleitet wird, und einer oifent- II chen mündlichen Ve rhandl ung vor l<m StLitsgericktShoie. Tiefer ist !Sesd:lußiah,g, □mit außer dem Präsidenten mindestens drei Vier- -l ferner Mttglteder erschienen sind -ter Gericktts- .ct mt)<tieibrt mtt ein acher Stimmenmehrheit.

Ter 3 Abschnitt handell vorn Verfahren bet Anklagen gegen M ' tstNeder des Ge- 4 m t m 1 n 1 ft e r i u m 5. Die Grundlag-- des Ver­ehrens bildet bet im Landtage zu fallende An- üiigebefd'iulj (Art. 47). Die Tieiistvenicktungen trt 5ta it^ai-ro tti beim Staatsgerick t dof versteht i er General st aatsanwalt beim £ bei land 's g ?ri cht Der Anklagebesch' wttd trom Präsidenten b's Landttigs dem GenemlstaatSanwa't übermittel unb ifon diesem dem PräsLenten d's Staatsgttichtsho s bßrgelegt. Der Präsident beschü fet die Eröffnung i<r Voruntersuchung und betraut mit deren Füh­lung ein ritt/ter.ichcs Mitglied des G'richtshos:'. .yilr die Voruntersuchung sind bic Bestimmungen der Ättafprozeßordnung im allgemeinen maß- Erbend. Zn ber Voruntersuchung ist ber Bnchul^ ;>igte über die Anklage zu vern'hmen. Nack schüfe t-er Voruntersuchung sind dem Besck>uldigten di! 4 rgebniiie des Verfahrens schriftlich ob!r zu Pro» Ml mit zuteilen. Er kann bic Ergänzung der Vor­untersuchung beantragen. An die Voruntersuchung ckließt |ich bte HmiptVerhandlung an, die von den Grundsätzen ber Oefsentlick'cit und Münd', tchk'it be* ,,rrscht wird. Eine Verhaftung ober Vorführung de- Beschuldigten zur Haupt Verhandlung ist aus- schlossen Es kann in seiner Abwes-nh.'tt verhau- 1-elt werden, wenn er unt*r Hinweis auf diese Mog- i(bleit geloben worden ist. Der B.'schulb,gte Tann sch durch einen Recküsanwolt vettreün lallen; ber -caatsgerichtshof kann indessen das pettönliche Er­scheinen des Besckmldigten unter bem Hinweise an- urbnen, daß bei seinem Ausbleiben ein Derttetev nicht zugelasien werbe. Für die Beweisaufnahme gelten im wesentlichen di? Vorschriften ber Straf- 1 Prozeßordnung. Eine Beschränkung des Umfangs i^r Beweisaufnahme im Sinne d?s § 244 Abs. 2 er Sttafprozeßordnung stndct jedoch nicht statt, i&genfeanb ber Utteilsfindung ist bic in dnn An- llagebeschlufe des Landtags bezeichntte Tat, wie sich i icse nack dem Ergebnisse b?r Verhandlung bantellt.

Tie Wieb?raufnahme des durch vrch skräftiges Urteil geschlossenen Verfahrens ist unter den Vor­aussetzungen ber §§ 399, 402 ber Strasprozefeord- mmg möglich. Der vierte Mschnttt enthält Ueb:r- aangd- und Schlußbestimmungen.