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vnrck un6 Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Stetnöruderci H Lange. 5chnftlettung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulstrahe 7.

50 Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breitel 80 *p| Bei Platz. Vorschrift20" ^Aufschlag. Hauprschrislleiter: Aug. (sioetz Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Ienz; für den Anzeigenteil: Han» Geck, sämtlich in Giehen.

Nr. (63

Ter »tetzener Anzeiger mit der Dienstagsbeilag« .Sport-Umschau- er. scheint täglich, außer Sonn, und <jr*iertags. Monatliche Sezuarvreife: Mark 5.- einschließlich Trägerlohn, durch die Post bezogen Mark 5.75 einschließlich Bestellgeld. Fernsprech. Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Aineiaer Gießen.

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Erft« Blatt M. Iahrgcmg Zrettag, s5. Zuli 192t

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JBSBfKr für die Tagesnummer

Glehener Anzeiger05

General-Anzeiger für Oberhessen

Besichtigungsreisen.

Herr Prof. Dr. H. Kraemer schreibt uns:

DerGießener Anzeiger" bringt in Dr. 159 vom 11. Juli einen Bericht über die Besich- ttgungSreise der Abgeordneten der Hessischen Volkskammer Wir entnehmen ihm mit lebhaiter Genugtuung, daß der Anschauungsunterricht an­regend gewirkt haben soll, und daß manch gutes Wort verschiedener Herren von Verständnis für die Vachlage zeugte. Hoffen wir, daß sich den Worten bald die Kraft und die Tat gesellen möchten.

Aber dürfen wir denn hoffen? Sehen wir nicht mit bitteren Gefühlen, daß auch der fürchterlichste Anschauungsunterricht während der Kriegszeit und nach dem Versailler Frieden so wenig an Erkenntnis gebracht hat? ^Inendlich erscheinende Jahre wachsender Dot und Verzweif­lung haben uns immer wieder gezeigt, wie furcht­bar es sich rächen muhte, daß man in Deutsch­land vor dem Kriege die Bedeutung der Land­wirtschaft nicht hinlänglich erfaßte. Aber haben denn wirklich die Führer des Volkes daraus zu lernen vermocht? Dun. da wir vor den Krüm­mern der früheren Volkswirtschaft stehen,_ sollte man Hessen dürfen, daß selbst den blödesten Augen llar würde, was es zu tun gibt. Es gilt heute doch wohl ohne Zweifel, durch bessere Wisgesla'tunn deS landwtrtschaftlichenLlnterrichts- wcsens die Kultur des Bodens zu heben und zahlreiche Jünger mit Verständnis, Begeisterung und sozialem Wollen zu erfüllen. Aber gerade an den unglaublich beengten Raumverhällwsien deS landwirtschaftlichen Institutes der Universität Gießen ist die Besich- tigungSreife der hessischen Abgeordneten vorüber- gegangen! Wahrhaftig, man fand nicht zur 6endenbergftra6e!

Georg Hansen, der gewiß kein Agrarier ge­wesen, hat in einem herrlichen Buche überDie drei Bevöllerungsstusen" die Ursachen des Unter­gangs aller Weltstaaten aus deren städtisch-kapi­talistischer Entwicklung und ihrem Mangel an Sinn für weitsichtige Agrarpolitik erklärt. Ein herrliches Buch! Das Buch der Bücher für jeden, der über seine Parteibrille hinweg mit liebenden Augen baä große gemeinsame Vaterland sucht. Dom, die italienischen Hanbelsrepubli'en, Vva- nien, die Diederlande sie alle sind 'denselben Gesetzen erlegen, und England hnt sich dadurch noch geholten, daß es die Arbeitsteilung zwischen dem kapitalistisch-industriellen Mutterland und den agrarischen Kolonien durch seine Flotte zu schützen vermochte. Und wir? Der gesunde und erfri­schende Bevölkerungsstrom, der beim Gleichgewicht der Kräfte vom Lande in die Städte abströmt, war auch bei uns am Versiegen. Doch hielten wir vor dem Kriege mühsam das Gleichgewicht aufrecht, doch die Zeiten waren schon ernst und bedrohlich, £>er innerpolitische Kamps zu unbe­sonnen geworden, und die Bedeutung der 2anb- wirischaft als Quelle Der Kraft wurde nicht mehr erkannt. Dun gilt es, in gesteigerter Arbeit den sozialen Gedanken durch Das landwirtschaftliche Genossenschaftswesen zu fördern, gilt es, den Boden zu verbessern, Fortschritte in Saat- und Erntemethoden zu machen, bessere Sorten und Dasien von Kulturpflanzen und Haustieren zu erzielen, um durch vermehrte Erzeugung die Lebensmittel wieder billiger liefern zu können. Das ist doch ober nicht denkbar, wenn nicht alles geschieht, um der Bildungsstätte der Landwirte an der Hochschule besiere Daseinsbedingungen zu bieten.

Der Geist ist's, der lebendig macht, gewiß i Wenn aber die materiellen Unterlagen und bte Raumverhältnisse für das Studium der Land­wirtschaft so lläglich bleiben sollen, wie sie es zur Zeit immer noch sind, so muß auch der beste Geist sich schließlich beengt, verdrossen und er­müdet fühlen. Dicht den Landwirten fehlt es an dem Verständnis für den Wert ihrer beruflichen Schulung die Dichtlandwirte machen vielmehr den Eindruck, als wenn sie vor lauter engem Fach­wissen den Blick für die großen Zusammenhänge verlieren, die so eindringlich von der Geschichte gelehrt werden. Dazu kommt wohl auch noch, bewußt oder unbewußt, viel mittelalterlich hoch­mütiger Geist, der die Wissenschaft umsomehr schätzt, je mehr sie weltabgewandt ist und sich nicht mit den Fragen des profanen Erwerbs­lebens befaßt.

Herr Strecker hat von den Sorgen um die Landesuniversität und dem Wettbewerb der an­deren Hochschulen gesprochen. Das war alles sehr schön und wir danken ihm dafür ganz verbind­lich. Aber ist nicht die Grupve der Studierenden der landwirtschaftlichen Abteilung schon die zweit­größte geworden? Freie Bahn für unsere tüch­tigen jungen Leute, dann wird ihre Zahl sich noch mehren, während uns anderenfalls ein großer EroduS droht. 3m Wettbewerb mit den Dach­barhochschulen wird sich Gießen umso besser er­halten. je mehr es sein landwirtschaftliches Institut mit besonderer Hingebung pflegt. Jetzt aber drän­gen sich die Studierenden in den viel zu kleinen Hörsaal und den Vorraum desselben, und alles, alles ist in drangvoll fürchterliche Enge gebunden. Hätten die Abgeordneten der Volkskammer auch nur einen Blick in diese Räume geworfen, so wären sie erschüttert von bannen gezogen. Der Eindruck, von dem derGieß. Anz." schreibt, wäre dann erst recht ganz unvergeßlich geworden.

Wie schon betont: Viel gute Worte sind bei dieser Besichtigungsreise gesagt worden. Das ist schon ein Trost, und wir zweifeln auch nicht daran, daß eine zweite Desichtigungsreise sich zur De- richtigungsreise gestalten und 'den Ver­hältnissen des landwirtschaftlichen Institutes gel­ten wird. Dis dahin darf ich noch einmal das Duch von Hansen empfehlen.

Betrachten wir die Entwicklung der fogenann- ten Kulturländer, so können wir eine bestimmte Stufenfolge erkennen. Den Anfang macht dabei der reine Agrarstaat, der den Kricgssorderungen tech­nisch, industriell und geldlich nicht hätte gewachsen sein können, der sich aber völliger Gesundheit der Derven und guter sittlicher Verhältnisse erfreut Dann folgt auf höherer Stufe das Gleichgewicht der landwirtschaftlichen und industriellen Kräfte, die Entwicklung des Handels und blühender Ge­werbe, und der starke Strom gesunder, lelftungd* fähiger und nervensrischer Menschen vom Lande in die städtischen Zentren der Arbeit In der drit­ten Phase der Entwicklung kommt es zum Meber- gewicht der städtischen, gewerblichen, industriellen und Auhenhanbelsintereffen, zur lleberschähung der kapitalistisch leistungsfähigsten Gruppen; end­lich droht die Aleberfühung der Städte, die Ent­völkerung des Landes, der wllde Konkurrenzkampf, die rücksichtslose Interessenpolitik, die Abnahme der Volksgesundheit und die Zunahme von Ent­artung und Verbrechen. Wo wir standen, braucht nicht näher erörtert zu werden.

Werden wir lernen aus dem Anschauungs­unterricht der wirtschaftlichen Entwicklung? Im allgemeinen kann man wohl beobachten, daß die deutschen Bildungsstätten für unsere jungen Land­wirte feit dem Zusammenbruch in weitsichtiger Weise mit den nötigen Mitteln ausgestattet wer­den. Wir hoffen, daß es auch hierzulande geschehen, und daß der Geist der neuen Zeit mit ihren neuen Dotwendigkeiten auch In Hessen richtig erkannt wird. Wir hoffen---

Der neunte

Kriegsbeschuldigten-Prozeh.

Leipzig, 13. Juli. Der erste deutsche Zeuge, der Kanallotse Walter P o p i tz, war seinerzeit Obersteuermann aus dem ^1-Doot 86. Er sagt aus: Wir haben das Schiff beim Heran- kommen als Lazarettschiff erkannt, waren aber solchen Schiffen gegenüber sehr mißtrauisch in Erinnerung an die Ll-Dootsallen. Das Schiff fuhr im Zickzackkurs, was uns verdächtig erschien. Wir machten ein Torpedo fertig, denn für ein Tl-Boot besteht keine Möglichkeit, Schiffe anzu­halten und zu untersuchen. Dach langem Zögern sind zwei Torpedos abgefeuert worden, von denen einer das Schiff traf. Menschen zu retten ist für ein Tl-Boot nicht möglich. Wir fuhren dann nach dem Schiff heran, denn unser Kom­mandant' hatte ein Interesse daran, Beweise zu erlangen, die unser Mißtrauen gegen das Ho- spitalschifs rechtfertigten. Der Kommandant lieh von einigen Rettungsbooten die darin befindlichen Offiziere deshalb ausfragen. Der Zeuge sagt weiter, es sei möglich, daß einige Schreckschüsse abgegeben worden seien, um die Leute gefügig zu machen; er hat nicht gesehen, daß jemand durch die Schüsse verletzt worden wäre. In der Dunkelheit habe man, wie die englischen Zeugen richtig aussagten, ein Doot zweimal untersucht. Der Kommandant Patzig hatte nach der Ver- fen'ung a le Mann tu'ammengenfen und mlt-e- teilt, daß über bie Versenkung nicht weiter gesprochen werden solle. Es bestand also ein Schweigegebot.

Verschiedene deutsche Zeugen, meist Offiziere stellen dem Angellagten ein gutes Zeugnis aus.

Obe^gnaschiristenmaat Drod bcku bet: Wir haben das feindliche Schiff stundenlang verfolgt. Als die Torpedierung erfolgte, war ich im Ma­schinenraum. Kurze Zeit darauf wurde in dem Maschinenraum gemeldet, daß das feindliche Schiff sinke. Es sei geborsten. Darauf bin ich auf bas Deck gegangen. Die See ist ziemlich hoch ge­gangen. Um bie Menschen, die im Wasser herum- schwammen, sind wir vorsichtig herumgefahren. Dann haben wir einige Offiziere, die sich in den Rettungsbooten befanden, nach dem Deck des U-Dootes gerufen. Ein Rettungsboot haben wir bei dieser Unterredung leicht an unferm U-Doot befestigt. Es war nicht beabsichtigt, dieses Ret­tungsboot bei unferm Tauchen mit in die Tiefe zu nehmen. Es war nur leicht befestigt. Die Meinungen über die Versenkung des Hofpital- schiffes seien unter den Mannschaften geteilt ge­wesen. Einige hätten gesagt: Das ist eine Strafe gewesen für die Engländer. Ausgefallen sei, daß der Kommandant mit den Offizieren allein auf Deck geblieben fei und zwar eine Stunde lang.

Oberleutnant Knoefe war ein halbes Jahr leitender Ingenieur auf U-Doot 86 und gibt an: Dach mehrstündiger Verfolgung entschloß sich der Kommandant zur Torpedierung, da er an» nahm, das Schiff habe auch Munition an Dord tote vorher ein Lazarettschiff, das wir leider hatten passieren lassen. Man konnte nicht feststellen, toic- viel Rettungsboote heruntergelassen worden sind. Ich habe genau nur zwei erkannt, von denen das eine voll besetzt war. Wir sind an dieses herangefahren, und ich habe dann gesehen, daß ein Offizier und ein Heizer des gesunkenen Schiffes von unserem Kommandanten vernommen wurden. Die beiden konnten dann auch in ihr Rettungs­boot zurückkehren. Da dann auf unferm Doot das Signal zum Tauchen gegeben wurde, bin ich mit der Besatzung unter Deck gegangen. Es wurde aber nicht getaucht, und die Offiziere schienen eben geblieben zu fein. Kurze Zeit später hörte ich Schüsse und ich glaubte, es werde auf die Rettungsboote geschossen, weil die Engländer vielleicht irgendwelche Schwierigkeiten machten. Am nächsten Tage war die Stimmung unter der Besatzung außerordentlich gedrückt, aber niemand hat etwas gesagt. Ich habe deshalb zum Kom­mandanten gesagt, ich hätte das nicht getan. Darauf antwortete mir der Kommandant: Ein I zweites Mal würde ich es auch nicht tun.

Das Gutachten des Marinesachverständigen, |Korvettenkapitän Saalwächter aus Berlin,

sagt aus: Schon von Anfang deS Krieges an ge­langten Dachrichten zu uns, daß mit Lazarett­schiffen Mißbrauch getrieben werde. Es war auch sehr auffallend, daß man fo viele Lazarett- chisse sah. Ich selbst bin an einem Tag fünf olchen Schiffen begegnet und sagte mir damals, das ist ein bißchen zu viel. Man kam schließlich bei der deutschen Regierung dazu, den Hospital- chiffen eine bestimmte Fahrtrinne frei zu lassen. Der Fall hier lag aber vollkommen klar, da das Lazarettschiff sich auf einem Gebiet befand, in dem es nicht versenkt werden durfte. Die Ver­antwortung trifft den Kommandanten. Ich muß aber weiter bemerken, daß nach der Rückkehr eines jeden Ll-Dootes genau geprüft wurde, ob es genau die völkerrechtlichen Vorschriften ein­gehalten hatte. Man bezeichnete daher den Ab- miralftab als sogenannte Ll-Bootfalle. Komman­dant Patzig wußte, daß er nicht den Beweis liefern konnte, daß das Lazarettschiff nicht tor­pediert worden war, und daß er streng verurteilt werden würde. Tim der deutschen Regierung keine Dachtelle zu bereiten, hat er jedenfalls den Mannschaften verboten, über die Torpedierung zu sprechen.

Zwei weitere Zeugen, Koch aus Leipzig und Bruhn aus Hamburg, bekunden, daß schon 1917 die Engländer Heine Fischdampfer ober Handels­dampfer mit in Zivil gekleideten Matrosen und Geschützen ausrüsteten. Bruhn ist durch eine solche TI-Bootfalle in englische Gefangenschaft geraten. Zeuge Schiffer Lühring gibt an, daß ein englischer Zerstörer auf sein Fischerboot gefeuert habe, auch dann noch, als er sich in ein kleines Doot gerettet habe. Von dort hätten ihn eng­lische Matrosen am Kragen herausgezogen und auf dem Zerstörer mitgenommen. Der Zeuge ist dann als Gefangener nach England gebracht wor­den. Der nächste Zeuge, Handlungsgehilfe Meyer, den die Verteidigung geloben hat, erklärt auf das Destimrnteste, daß im Dezember 1916. als er Gefangener in Toulon war, auf Schiffen, die das Rote Kreuz zeigten, Munition verladen worden ist. .unter die­sen Schiffen befand sich auch das Lazarettschiff Llckndoverh Eastle". Zeuge Denneman n aus Hamburg hat in einer französischen Hafen­stadt beobachtet, daß aus Hofpitalschiffen Mu­nition und sonstige Kriegsgeräte sowie auch voll bewaffnete Truppen ausgeladen worden sind. Zeuge Godau war auf einem T1-Doot, bas von einem feinblichen Schiff versenkt worben ist. Als sich die Mannschaft in ein kleines Doot ge­rettet hatte, kam nach etwa eineinhalb Stunben ein feinblicher Dampfer, rammte bas kleine Doot und fuhr weiter. Kapitänleutnant C r o m p - t o n ergänzt bie Aussage bes Zeugen bahin, bah es ber englische Hilfskreuzer ..Dara- l o n g" gewesen ist, der das deutsche TI-Doot 41 versenkt und bie in ber See schwimmenben beut- schen Matrosen beschossen hat.

Briands Antwort auf Schiffers Rede.

Paris, 14. Juli. (Havas.) Ministerpräsi- bent Driand äußerle sich heute Journalisten gegenüber über die Rede des deutschen Iustiz- ministers Schiffer. Er bedauerte den Minister, daß fein Amt ihm in die grausame Dotwendigkeit versetze, den skandalösen Freispruch des Generals Stenger und andere Urteile des Leipziger Ge­richtshofes, die auch in Delgien und Großbritan­nien Entrüstung hervorgerufen hätten, zu decken. Es fei ein Tlnglück, baß Schiffer sich ebenfalls burch fein Amt verpflichtet geglaubt habe, die ungualffizierbaren Kundgebungen der Menge gegen die französischen Delegierten in Leipzig zu entschuldigen. Wenn man die deutschen Zeitungen lese, die von fortgesetzten Herausforderungen an- gefüllt seien und wenn man die Ereignisse in Oberschlesien kenne, dann könne es niemand in den Sinn kommen, daß es Frankreich sei, das den Haß groß ziehe. Zum Schluß erklärte Drianb, daß die Zurückziehung der Akten und die Zurück­berufung der Abgesandten Frankreichs wenigstens dic> Wirkung haben werde, den in Leipzig Der* b le'e en F cunben und Te bündeten denD uhen einer besseren Gerechtigkeit zukommen zu lassen.

Der Lusitania-Schwinde!

wird nunmehr auch von amerikanischer Seite offen zugegeben. Laut Dr. 45 derDachrichten aus dem Dorbwesten" (Portland, Oregon, TI.S.A.) vom 4. Dovember 1920 erklärte ber vormalige Reu» Yorker Hafenkollektor Dubley Fielb M a l o n e, der seinerzeit selbst den amtlichen Dericht über die La­bung der Lusitiana abgefaht hat, baß wie biefer fein Dericht melde die Lusitiana bei ihrer Abfahrt 4 2 0 0 Kisten Patronen für bie englische Regierung an Dord gehabt habe, in denen nahezu 11 Tonnen schwarzen Pulvers enthalten gewesen seien.

In Deutschland hat man schon im Mai 1915 gewußt, daß bie Lusitania, dieses anscheinend fo harmlose Paffagierichiff, eine ungeheure Menge Munition für unsere Feinde führte, und nur so war ja auch die zweite Explosion und vor allem das außergewöhnlich rasche Sinken des ungeheuren Schiffes zu erQären. Auch Amerika und die ganze Welt hätten es wissen können. Der Bundessenator La Follette hat, als ihm vom Senatsausschuh für Wahlen der Prozeß gemacht wurde, auf Grund des ihm zustehenden Rechts vom Schatzamtsdepar­tement eine Abschrift des Berichts des Deuhorker Hasenkollektors bezügllch der Ladung der Lusitania auf feiner verhängnisvollen Todesreise verlangt, aber die Abschrift wurde verweigert, weilder Bericht dem Geheimarchiv an­geh ö r e". So konnte Wilson, der alte Schwindler, jene berühmte zweite Rote an bie beutsche Re­gierung senden. Follettes Prozeh wurde immer wieder verschoben und zuley' ganz fallen gelallen.,

Die Well wurde wieder einmal belogen, Amerika in den Krieg mit Deutschland gehetzt. Entsetzlich aber, bah man über 1000 Frauen und Kinder mit ber Lusitania fahren lieh, um nach der sicher vor- auszusehenden Torpedierung die Deutschen als die Kriegsverbrecher verleumden zu können.

Wo bleibt die Gegenliste?

Der Abg. Dickes von der Deutschen Volkspartei hat im württernbergtschen Landtag folgende kleine Anfrage an die Staatsregierung gerichtet:

Durch Presseäußerungen erfährt man, daß das Kabinett Fehrenbach-Simons mit der Ab­sicht umging, vor Beginn der Leipziger Ver­handlungen gegen die sogenannten deutschen Kriegsverbrecher die längst feriiggestellte Liste feindlicher Kriegsverbrecher der Oefsentlichkeit zu übergeben, daß jedoch Im Gegensatz hierzu die Regierung Wirth als eine ihrer ersten Regierungshandlungen die weitere Zurück­haltung angeordnet habe. Ist das Staatsmini­sterium in der Lage, darüber Auskunft zu geben, ob diese Darstellung richtig ist, und, wenn ja, welche Gründe die Reichsregierung zu diesem Entschluß bestimmt haben? Ich frage ferner: Ist das StaatSministerium be­reit, bei der Reichsregierung dahin zu wirken, daß endlich diese Zurückhaltung, deren ver­hängnisvolle Folgen die letzten Tage uns ge­zeigt haben, aufgegeben und der Welt durch die Vorlage gewissenhaft geprüften und ein­wandfreien Anklagematerials gezeigt wird, in welch erschreckend großem Umfang von feiten der Feinde gegen die Gesetze des DöllerrechteS und gegen die Gebote der Menfchlichkell ge­fehlt worden ist?

Die deutsch-französischen Verhandlungen.

Berlin, 14. Juli. (WTB.) Die Ver­handlungen, die in Paris von dem Staats­sekretär Bergmann, dem Präsidenten G u g - genheimer und dem Ministerialrat Ku ntze mit dem Minister Loucheur geführt wurden, betrafen in der Hauptsache die Frage ber Preis­festsetzung für deutsche Sachlieferungen an Frankreich und die Frage ihrer Verrechnung im Rahmen des Zahlungsplanes des Londoner Ultimatums. Sie wurden gestern zu einem vor­läufigen Ende gebracht. Ihr vorläufiges Ergeb­nis unterliegt nunmehr der Prüfung der auf beiden Seiten zuständigem Stellen. Die deutschen LInterhanbler find nachBerlln zurückgekehrt. Wenn ai^ch nicht in allen Punkten eine völlige Eini­gung erzielt wurde, fo führten die Verhandlungen doch zu einer toefentl i chen Klärung der Haupfragen, fo daß zu hoffen steht, daß man schließlich zu einer Einigung gelangen wird Außer den beiden Hauptfragen wurden bei den Verhandlungen einige Debenfragen geklart. Es handelte sich dabei um technische und Preisfragen auf dem Gebiete der Kohlonlicf-rnng ferner um die Ablösung der RestitufionSverpflichtungen so­wie Diehlieferunaen. Dabei wurde davon aus- gegangen, die Debensraaen gleichzeitig mit den Hauptfragen weiter zu behandeln und zu einem gemeinsamen Abschluß zu bringen.

Frankfurt a. M, 14. Juli. In Er» aänzung ber burch bie Presse gegangenen Mel- bungen über die Reparationsbespre­chungen zwischen dm Vertretern der deutschen Regierung und dem französischen Tlufbmitmnifte- rtum berichtet der französische Korrespondent der Frankfurter Zeitung" u. a.. daß außer den Haupti«igen in den Besprechungen noch ein an­deres Problem ber Lösung ndheraebra-bt zu sein scheint. Man hat auf französischer Seite Der» stänbnis gezeigt für das deutsche Verlangen auf Einstellung des Weiterverkauf- von Reparationskodle und die Freigabe der deutschen KohlenauSfuhr, sowie hinsichtlich des Dreises der deutschen oberfcbie* fischen Kohle. Man hofft, baß in allen dielen Punkten ein Einverständnis erzielt werden wird.

Ein Druck der Entente auf Bulgarien.

Paris, 14. Juli. (Wolfs.) Zu der gestrigen Meldung, daß sich der Boffchafterrat mit der Durchführung deS FriedenSvertrageS von Deuilly befaßt habe, berichtet derPetit Parifien", der Botschafterrat habe festgestellt, baß die südslawische Behauptung über die Verheimlichung von MannschaftS- und Waffenbeständen durch die bulgarische Regierung begründet sei. Er habe sich daher über die Notwendig­keit verständigt, Maßnahmen zu ergreifen, um Bulgarien zur völligen Durchführung der Entwaffnung zu zwinaen.

Der Londoner Berichterstatter des Blat­tes meldet, daß das enalische Auswärtige Amt die Regierungen von Frankreich. Italien, Rumänien. Südllawien und der Tfchechollo- wakei ersucht habe, ihre Vertreter in Sofia zu beauftragen, einen diplomatischen Schritt zu unterstützen, den der brifische Geschäfts­träger im Auftrage seiner Regierung beim bulgarischen Ministerpräsidenten unternehmen werde, um dessen Aufmerksamkeit auf die Gefahr zu lenken, die die bulgarische Politik mit ihrer Begehrlichkeit nach Thrazien bar- stelle. Die Regierungen von Rom, Bukarest