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Die Stimmung in Indien.

London. 13. Dez. (WTD.) Die Blätter enthalten Berichte aus Indien, die auf die Berschä rsung der Lage hindeuten. Der Emp» fang des Prinzen von Wales in Alahabad wurde von dem größten Teil der indischen Bevölkerung vollkommen boykottiert. Die festlich ge­schmückten Ströhen der Stadt waren von der «drgeborenen Bevölkerung fap ganz verlassen. Der Verkehr ruhte vollständig. Während der Fahrt bei Prinzen durch die Straßen unterblieb jede Kundgebung. Der Wohnort von 150 000 Menschen glich einer toten Stadt.

Aus Stabt und Land.

Dieven, den 14. Trz. 1921.

Was versteht man unter Erhebrrngs- und AuszahlungökurS?

Im Eisenbahn-Güterverkehr mit dem Auslande sind zur Berechnung der Frachten und Aebengebühren usw. infolge der stetig schwankenden Valuta sogenannte Umrech.

'md Freiheit der Abstimmung «Evrechender

-hlovrgang geteährlersrrt ist. beschloß die Dun- deLregierung tm Einvernehmen mit allen voll- Aschen Parteien der Aationaldersammlung a n der Volksabstimmung nicht teilzu- nehmen und da- Ergebnis der Abstimmung Mcht anzu erkennen, falls die Genernlk-mmiHion an dem von ihr beschlosser-»« Termin fest- halten wird.

mrngsrurfe geschaffen, die den Güterabferti­gungen mit jedem eintretendcn Wechsel be­kanntgegeben werden. Die Güterabfertigungen haben die Pflicht, die diesbezüglichen Kurs­zettel an den Schaltern anzuschlagen.

Im Empfang gilt der in den Kurs­zetteln erscheinende ErhcbungskurS für alle in ausländischer Währung an Fracht, Nachnahme. Vebengebühren usw. zur Ein­ziehung oder Wciterabferttgung überwiesenen Beträge, ferner im Versand für die in aus­ländischer Währung berechneten, in Mark um­zuwandelnden Frankaturbeträge.

Der AuSzahlungSkurS gilt für die vom Absender im Frachtbrief in ausländischer Währung angegebenen, in Mark auszuzahlen, den Nachnahmen auf der Versandstatton.

Soweit nach den besonderen Besttmmun- gen der einzelnen Verkehre Umrechnungen auf den Versand- oder Empfangsstationen vorgeschrieben sind, gilt für die Umrechnung der Frachten und sonstigen Gebühren sowie der Nachnahmen bei direkter Abferttgung im Versand der Kurs des Tages, an dem der Fnacht vertrag abgeschlossen worden ist, im Empfang der Kurs des Tages des Eingangs der Sendung auf der Empfangsstation, bei Frankaturrechnungen auf Sendungen aus Deutschland für die zurückgerechneten auslän­dischen Frachten usw. der Kurs des Tages der Ankunft der Frankaturrechnung auf der Ver­sandstation; bei Sendungen aus dem Auslande für die zurückzurechnenden deutschen Frachten usw. der Kurs des Tages der Rückrechnung der Franlaturrechnung von der Empfangs­station. Für die Umrechnung der ilnter- wegskosten gilt der Kurs des Tages, an dem sie entstanden sind. Bei unbehandelten also nicht direkten Sendungen gilt der Kurs des Tages der älmbehandlung. Ist in einem Verkehr die Aufgabe von Nachnahmen in aus­ländischer Währung zugelassen, so erfolgt die Auszahlung in Markwährung nach dem Aus- zahlungskurs des Tages, an dem der Fracht- vertrag abgeschlossen worden ist. (Frachtver­trag gleich Tag der Aufgabe und eisenbahn- ertigen Annahme des Gutes.)

Amtliche Personalnachrichten. Durch Entschließung des Hessischen Landesamtes für daS Vlldungswefen wurde der Studienrefe­rendar Wilhelm Gröber zum Studienassessor ernannt. 1kixi-tragen wurde am S. Dezember dem Schulamtsanwärter FriÄwich Langner aus Darmstadt eine Lehrerste'le an der Volts- schule zu Eichrlsachkn (Kreis Schotten).

L. U. Don der LandeSuniversi- t ä t. Der . ordentliche Professor für Altes Testament an unserer Universität, Dr. Hans Schmidt, hat den an ihn ergangenen Ruf an die Universität Kiel als Nachfolger des Geh. KonsiftorialratS Prof. Dr. Sellin ab- gelehnt.

' GiebenerHochschulgesellschaft. Professor Dr. von Aster hielt am 10. De- Scmber in dem bis zum letzten Platz gefüllten groben Hörsaal der Universität einen Vortrag über Nietzsche. Der Vortragende zeichnete in klaren Umrissen ein Bild von Nietzsche Per- önlichkeit und seinem Schaffen. Er führte etwa das Folgende aus: Zwei Züge drücken der Per- önlichkeit und dem Schassen Nietzsches iyren Stem­pel auf: einmal die Sehnsucht nach dem Freunde, dem Meister, dem er Jünger sein, nach dem höheren Ledensthpus, zu bem er verehrend auf­blicken kann, und dann der leidenschaftliche Waor- hastigkeitsgedanke. d. h. der Kampf gegen ,-de Art von Selbstbetrug. Dieser Wahrhaftigkeitv- >rang läfjt ihn einen unermüdlichen Kampf geqe i ich selbst führen, er bekämpft nichts schärfer und leidenschaftlicher, als eigene Ideale, in denen er einen Sell ibetrug zu erkennen meint, an denen aber doch zugleich noch ein Stück sei >es Herzens hängt: auch der in lachte Konsequenzen gebende Atheismus Nietzsches, der die Gottesidee bis in ihre letzten Vermeidungen zu verfolgen flicht hat dieselbe Wurzel Die erste Periode s<-i-es Scha^ ens ,Geburt der Tragödie, UnzeikgemästeSc- trachlungen) steht unter dem (Smfluh Schopen- Ixrucrs und Richard Wagners: der tiagifjw Künstler, der hier als höchster Lebenstypus und Erzieher. Weister der Menschheit erkfr i?t. wild n<xt> dem Druch mit Wagner ersetzt durch den Freigeist derfröhlichen Wissenschaftden furcht- los Erkennenden, der an der Gefährlichkeit feiner Wahrheiten sich erfreut. In der Zarathustra- Periode verwirft er den Künstler wie den Freigeist als die bloF.cn Zuschauer des Lebens zu Gunsten des Ideals des instinktkräftigen Uebermenichen zu dem die Eondvttieri der Renaissance Modell

Der Prozeß Iagow.

Leipzig, 13. Dez. (WTD.) In der heuti­gen Verhandlung erklärte der als Zeuge ver- iwmmene Generalmajor Thayffen. der zur Zett des Kapp-Putsches Kommandeur des 6. Re­giments in der Alexanderkaferne war, er habe in der Nacht des 13. März das Wilhelmsviertel besetzen lassen . Das Regiment bekam dann aber wieder den Befehl, abzurücken. Wo sich die Re- gierung zu dieser Zett aufhielt, wuhte er nicht. Geheimer Oberrcgierungsrat Dr. D o h 6 sagt, er sei am 11. März von seinem Vorgesetzten im Polizeipräsidium von Iagow zu Kapp gerufen worden Kapp habe zu ihm von politischen For­derungen und einer Gärung in der Marine­brigade gesprochen und ihn nach der Stimmung bei der Sicherhettswehr gefragt. Er habe von einer Aufregung bei dieser nichts sagen können. Am Morgen des 13. März erfuhr er. baß die Regierung geflohen und Ztz.ipp und Lüttwih im Vrsitze der Macht waren. Im Ministerium des Onnem Körte er dann, daß Iagow das Mini­sterium deS Innern auf Wunsch Kapps über­nommen habe und gewisse Aenderungen im Per­sonalbestand des Ministeriums vornrchmen werde.

General a. D. Märker sagte auö: Nach Dresden kam ein Fernfvruch Lüttwitz', daß der Regierungsumschwung ohne Blutvergießen voll­zogen fei Gin zweiter Funkspruch meldete," dast die Minister sestzunehmen feien. Mich über­raschten die Vorgänge vollkommen. Dereits tm Juli 1919 sprach Oberft Vauer davon baff fcie Regierung in Weimar gestürzt und die Nationalversammlung aufgelöst werden müßte. Bauer forderte mich auf, hierbei zu helfen. Gr richtete einige Tage später eine Reihe von Forderungen an Lüttwih für den Fall, daß es zu einer A-mderung in der Re­gierung kommen sollte. Von einer monarchisti­schen Aenderung war keine Rede. Anfangs März 1920 hatte ich keine Besprechungen mit Männern deS Kapp- Unternehmens. Für mich war es flar, oafj das Unternehmen scheitern müsse. In Dres­den erklärte ich mich zum Schutze der Minister bereit, andererseits war ich auch bereit, die An­ordnungen Lütlwitz' zur A u f r e ch t er ha l - Jung der Ordnung auSzuführen. Märker schilderte dann, tote er. nachdem er seinen Plan ttot bem Reichs- und sächsischen Ministerium ent- totdeü hatte, mit schließlicher Zustimmung Roskes, der anfänglich nitt den Hochverrätern nicht ver- hat^cln wollte, und mit der Zustimmung Eberts "Och Berlin fuhr, um Kapp auf den verfassungs- mäntgen Weg zurückzuführen. Am Sonntag sagte der 3eune. kam ich nach Berlin und nahm an etner Kabinettssitznng unter Kapp teil

General a. D Maerket fuhr fort: Aman- deren Morgen bekam ich eine Liste mit a ch t F o r- 2»e4Uon überreicht und zwar: Neuwahl des Reichspräsidenten und der Fachminister, Schaffung etner zweiten Kammer. Amnestie für alle Vor­kommnisse seit dem 18. November 1918 usw Auf eine Frage bemerkte der Zeuge: Wenn auch in Berlin die Sache für Lüttwih aut zu stehen schien so war Dcrlin nicht daS Reick. Ick fuhr nach Stutt­gart und trug NoSke die Ginbrücke vor. Ebert v«a7Uaßte mich, einer Versammlung des Reicks- kadinettS und Parlamentarier süddeutscher Kabi- nette beizuwohnen, die sehr stürmisch verlies und den Gegensatz zwischen Süddeutschland und Berlin offenbarte.

Ministerialdirektor Meister sagte auS daß Ne Sekflramme, in denen die Absetzung von Ober- praf ident en und Regierungspräsidenten ocrffigt touröe. mit Iagvtos Unterschrift abgingen. Der Z-uge forderte dann die Beamten des Mini­sterium« auf. der alten Regierung treu zu bleiben Daraus wurde er in Schutzhaft genommen -p.LS!Fi-"rtrC-17ä,it,?2*. °. ® S'rlch: Sn der Xetchslanzlei sand ich in der Nacht zum 13. März

Aus dem Reiche-

Das Körperschaft? ft'uergeseh.

Berlin, 13. Dez. (WTD.) Der Reichstags­ausschuß für S t e u e r s r a g e n hat sich heute mit dem Entwurf des Körperschafts st euer- gefehes beschäftigt. Nach längerer Aussprache entschied sich der Ausschuß gegen den Antrag der Deutschen Voltspartei, der Die Befreiung von der Körperschaftssteuer nicht auf gewerbliche Betriebe des Reichs, der Länder und der Gemeinden aus- dehnen will. Angenommen wurde mit 13 gegen 12 Stimmen ein anderer volksparteilicher Antrag, wo­nach auf Bankunternehmen, welche von Gemein­den betrieben werden, die Befreiungsvorschrift nur Anwendung findet, wenn ihnen durch ihre Satzung der Betrieb von Geschäften, die dem eigentlichen Sparkassenverkehr fremd find, unterlagt wird.

Ein Entwurf gegen die Nebenarbeit der Beamten.

Dem Reichstag ist lautVoss. Ztg." der Entwurf eines Gesetzes über Kürzung der Ruhegehälter und Wartegel­der derjenigen Versvrgungsberechttgten zu- gegangen, die ein Einkommen aus gewinn­bringender Besckäfttgung außerhalb des Reichs- oder Staatsdienstes beziehen. Der Entwurf sieht vor. daß bei pensionierten Be­amten, OffizierSpensionären oder ehemaligen Staatsbeamten, wenn sie außerhalb des Reichs- oder Staatsdienstes mehr als 10 000 Mark verdienen, das Recht auf Bezug des Teuerunqszuschlages und nach dessen Wegfall auf Bezug des Zuschusses zum Ruhegehalt oder Wariegeld bis zur Höhe von 50 vom Hundert des 10 000 Mark übersteigenden Be­trages ruht.

dkr meinen Re'lch?Tvntst^r und den Nrichspräft- tenten anwesend. Dir Reicks Minister auherSchlsfer rcijun noch nachts ab. E^qen Morgen mürben wir alle durch Offizier? Maanfchalten tm Austrage der neuen gutung für verhaftet er- Särt Bis zum Nachmutag waren wir in unserer Bewegungsfreiheit bechrankt. Am 16. März wurde ich in das Justizministerium gebeten; es sanden dort Besprechungen zwi chrn den Partei- uhrecn statt. Major Pabst erhob die bekannten politischen Forderungen. Don Stuttgart hatte ich >ie Weisung, wir sollten unS auf keinerlei Zu­geständnisse einlassen. Das Geschäft des Minister­präsidenten führte ich unbehindert weiter, bis die Kapp-Regierung verschwand.

Reichsbankoräfident Havenstein sagte auS, daß er wiederholt aufgefordert wurde, Geld für Kapp zur Verfügung zu stellen, was er jedoch ab­lehnte.

Pfarrer Traub bekundete: Am 12. März abends fragte mich Kapp, ob ich evtl, bereit wäre, in die Regierung einzutreten. wenn er die Macht erhielte; ich behielt mir Bedenkzeit vor. Kapp äußerte mir gegenüber, er wünsche keine Reaktion und keine Verfassungsänderung. Das Wort Diktatur fiel nicht.

Traub bekundet weiter: Wangenheim hatte nur für die Volksernährung Interesse; mit einem Landwirtestreik drohte er nicht. Iagow trat in ben Beratungen nicht mit Fuhrerideen hervor, vielmehr erschien er als stiller Teilhaber des Unternehmens. Der Zeuge betrachtete das Vor­gehen KappS immer nur unter dem Gesichtspunkte Der bolschewistischen Gefahr. Schiele trat in der sogenannten ^avinettsbecalung nicht mehr als andere hervor. Kapp führte immer die Unter­haltung unb hatte die Entscheidung. Direttor Mvlkcnthin, der den Rarionalverband deut- lcher Offiziere gründete und früher leitete, war mit Bredcreck am Morgen des 13.. März am Brandenburger Tor. Der Zeuge befürchtete einen Linksputsch. Kapp habe gesagt, der Zeuge, der mit Ehrhardt in die Reichskanzlei zog, solle jeden Beamten, der der neuen Regierung nickt gc« horchen wolle, entlassen. Der Zeuge Geheimer Postrat Soenksen wurde am 13 März zu Kapp gerufen der alle Zeitungen verbieten und den gesamten Post-, Telegraphen- und Fernsprech­verkehr einstellen lassen wollte. Auf den Hin- weis bees Zeugen, baß die Gegenseite zweifellos durch die drahtlose Telegraphie Nachrichten ver­breiten werde, habe Kapp sich bestimmen lassen, den Post betrieb nicht zu verbieten.

Weileiverhandiung: Mittwoch vormittag.

gestanden haben. Der Uebermen'ch endlich tdn mehr unb mehr zurück hinter Zarathustra, den Prediger tes Ülevermenschen, dem . Herren men- fchen" mit der alles Große geradlinig verehrenden Seel«, der im Gegensatz zu den .SHihennaturea. die nichts Großes sehen Birnen, ohne die eigen« Kleinheit sogleich peinlich baue, en zu empfinde« und vom Wachtt.ieb des Ohnmächtigen be erricht, den Starken alsböre zu ächten versuchen.

- Das Weihnachtsgeschäft bleibt nach verschiedenen und vorgebrachten Klagen von Geschäftsleuten auch weiterhin flau. Man setzt nun seine letzte Hoffnung auf hen kom­mendenGoldenen- Sonntag, der betracht« lich besser sein muß als seinsilberner- Vor­gänger, wenn er die Geschäftswelt zufrieden stellen soll. Zu wünschen ist es die-er, daß ihrer durch vielfach sehr geschmackvoll einge­richtete Fensterauslagen, verbunden einer wirksamen Empfehlung in der Tagespresse, aufgcwandten Mühe die nächsten Tage doch noch den klingenden Lohn bringen.

' Anlagemusik am Donnerstag, bem 15. Dezember, mittag« 12 Uhr. am Liebig-Denk­mal (nur bei günstiger Witterung). 1. Armeemarsch Ar. 224 (Grohherzog Friedrich von Baden) von I. Haefele. 2. Chor bei Friedensboten aus bet Ober .Rienzi" (Der letzte der Tribunen) von R Wagner. 3. Ouvertüre zur Oper .Das Nachllaget in Granada- von K. Äreußcr. 4 Abschiedsständ- chen" (Solo für Flügelhorn) von A. Herfuri 5. Armeemarsch Nr. 205 (Seht, er kommt Preis gekrönt) von W. Doigt.

' Der Obst- und ©arten 6aut>« retn Gießen hielt im ,Psäl«er Hof- eine Wttglieder» Derfammlung ab, in der der Vorsitzende des Ver­eins. Lehrer Decker, einen Vortrag über .Bodenbearbeitung, Düngung usw." hielt. Der Redner begrüßte zunächst die Erschienenen und gab dann einen Rückblick über daS letzte Ernte- jahr, daS manchem Gartenbesitzer viel« Ent­täuschungen gebracht babe. Jedoch soll« man hier­durch dir Hoffnung für daS kommende Jahr nicht linken [affen. Man müsse vielmehr alles au - bieten und nichts unterlassen, um die unbebüt(1 notwendigen Vorbereitungen für eine gute Ernte zu schaffen Hierzu sei in erster Linie eine gründ liche Bodenbearbeitung von größter Wichtigkeit Wo das Stürzen des Landes noch nicht vor­genommen sei. müsse daS jetzt noch geschehen, damit der Frost richtig in da« Erdreich eindringen könne. Gerade dies laste im Frühjahr eine belfere Bearbeitung des Landes zu und bilde gleichzeitig auch eine energische Vetämpfung des UnqcAlder». In höchst interessanten Ausführungen wandte sich der Redner dann auf baS Problem der Dün­gung Kali. Stickstoff,' PhoSphorsäurr und Kalk in cttlSrctch nd genügender Zusammenfebung feien die Vorbedingungen für ein gesundes Wachstum und einer guten Grnte. Am wirksamsten aller Dünger seien die organischen Düngemittel, die jedoch leider in der Stadt nicht in genügenden Mengen vorhanden feien. Es sei daher emp­fehlenswert, Komposthausen zu errichten. Der beste Dünger sei brr Kahdung, der alle Sub­stanzen in sich vereine, die eine Pflanze benötige, und auch die Wirkung sei eine gleichmäßige. Die natürlichen Dünger bereicherten den Hoben vor allem an HumuS, was einen ganz besonderen Vorteil bedeute. Auch ©rünbüngung sei baber febr empfehlenswert Künstliche Dünger auf die Dauer allein zu verwenden, fei unratfam. Bel der Verwendung dieser Wittel sei zu beachten, daß sie in richtiger Zusammensetzung und zur rechten Zett angewandt würden. Es sei deshalb sehr zu empfehlen, sich mit der Anwendung dieser Dünger bestens vertraut zu machen. Im Handel seien h-mtr wieder Volldn igung-n In Mischungen erhältlich, die man emvfrblen könne Rach weiteren interessanten Betrachtungen schloß der Redner seinen Vortrag mit den Worten, daß die Gartenbesitzer, toenn sie alle Ihre Kräfte daran setzen würden, viel zur Verdeckerung ihrer vebens- verkältnisse in d.'r jetzigen Zeit beitragen FT-nntcn. Die Ausführungen wurdm von den Anw« sen­den mit großem Interesse herfotgt; der 2. Vor­sitzende dankte namens de Versammlung. Nach Austausch verschiedener Wesnimgen unter den Mitgliedern endete die Versammlung gegen 11 Uhr.

* Männer- und Frauenvereini­gung der W attbäudaemein d«. Es ist au unterem Bericht ül»er den Familienadenü der MattbäuSgenici.ide noch nackzutragen. daß das Kruseguartctt <Da!er und Sobn. Herr Dauberts- häufet unb Mulch) stimmungsvoll Stücke yo«, NielS Gabe, Vogt u. a. ro'-trug und viel Beifall fand Etwa tausend Personen nahmen an dem Familienabend teil.

^ornotizen.

TageSkalender für Mittwoch etabfthcatcr 7 Uhr. _Dis Postamt" unb ist an allem schuld". Ast^ria-Lichtspel«: »Der TodeSflieger". Lichtspielhaus. Vahnhofftraße. .Moral".

Spuren im Schnee.

Aoman von Sven E l d e st a d.

Ermächtigte Ueber'enung.

12. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Siebte- Kapitel.

Die Stadt mit ben beiden hohen Kirchtürmen fmg an zu erwachen. C'.c ersten Vauernwagen rempelten auf den Marktplatz; in den Wirt- utwftcn touscken die Scheuerfrauen ben Fußboden cui«2inI> txnldKafenc Kellner stellten die Stühle -lwecht; auch einige Läden wurden schon ge­öffnet. Es toar aber immerhin noch dunkel, daß in den Häusern Licht gebrannt werden mutzte. Tas gelbe Lampenlicht mifchte sich mit der an- wvchenden Worgenrvle. und in dieser sonderbaren Beleuchtung bekamen die Gestchter der Menschen ein tz-ttsMn^ Aussehen; es toar. als stünden s-e im Widerschein eines fernen Brandes Wieder war es ein taltcr Morgen, ohne Schnee, mit stahshartem, klingendem Frost.

In der toestlichen Vorstadt trafen an diesem Morgen zwe, Vckannte zusammen und grühfen einander nur mit einem .Kopfnicken, denn, in der scharfen Kälte mochten sie nicht gern d e Mützen abnebmen. Der eine war ein Kau! mann, der andere ein Metzger, beide im Begriff, ihre Läden aufzumachen. .Kall!" tagte der eine. .Verflucht kalt!" bestätigte der andere. .Sonderbarer Win­ter!" meinte der erste. .Ja," erwiderte der an­dere .Wo zum Henker bleibt denn der Schnee?" »Da hast bu Äxht," tagte ber erste. .Letztes Iadr haben wir schon Ende Oktober Schnee gehabt, und beute haben wir . . . ja. den wievielten haben wir denn heute?" .Heute haben wir den zweiten Dezember," dehauptele ber Metzger

-Nichtig, ja," sagte der Kaufmann, ohne sich zu überlegen, daß das nicht stimmte, denn es war der erste Dezember. ..Richtig, ja, heute schreiben wir den zweiten Dezember, und nun haben wir diese Hundekälte schon vierzehn Tage lang, und noch ist leine Schneeflocke gefallen älnd jetzt kommt doch Ixrld Weihnackten."

Während der Kaufmann so sprach, fielen dem Metzger zwei Männer auf. die zur Stadt herein­kamen. Er deutete auf fic hin.

.Wenn die einen Wagen bei sich hätten, würde ich darauf schwören, es seien Zigeuner" sagte er. »Sieh doch mir die schwarzen Gesichter!''

.Was tragen sie denn auf den Sch.illern'C fragte der Kaufmann. .Sind das Mandolinen? Dann sind eS vielleicht herumziehende italienische Musikanten."

e3^$.düxi Wanderer näher tarnen, zeigte c« sich, bah es keine Mandolinen waren, was sie auf den Schultern trugen, sondern ganz gewöhn­liche Bündel mit Kleidern ober Mundvorrat Die beiden waren ärmlich gctlcibct aber ihre grrhen klotzigen Stiefel paßten vorzüglich zu ihren regelmäßigen, taftfeften Schritten Sie sprachen nicheS miteinanber; so. wie der Kapttän sie ge­sehen hatte, gingen sie auch jetzt noch stumm nebeneinanber her. Sie starrten vor sich hin und schritten gleichmätzig auS. Jeder stützte sich auf einen dicken Knotenstock.

-Halt!" rief ihnen ber Metzger scherzend entgegen. alS sie vorüber!chrttten. .Do kommen die Herren her?"

Sofort kehrten sie ihre Gesichter dem zu. der sie angeredet batte, aber sie verlangsamten ihren Schrill nid):. Ss toar gerade, als es ihnen schwer würde, anzuhalten. nachdem fic einmal in Lauf gekommen waren; die vier Stiefel Tnarfctierten gleichmäßig und <"ftfest aus der

hartgefrorenen etra^-e weiter. Auch in ihren Ge sich fern lag nichts, bas annehmen liest, datz sie verstanden hätten, was ihnen zugerufen worden, war Ihre Augen teeren auf ben Metzger ge­richtet toie die Mündungen von zwei doppel­läufigen Gewehren. Aber sie schritten vorbei

.Ich habe schon öfters solche Leute gesehen," sagte ber Kaufmann.

.CM find Pvlacken. Im Norden laufen fic masten haft herum und suchen Arbeit aut ben Höfen. Ss find brauchbare und friedliche Leute, aber sie find entsetzlich dumm und verstehen selten was man zu ihnen sagt."

älntcrdessen gingen die beiden Polacken wei­ter. Augenscheinlich waren sie in der Stadt be­kannt und gingen einem bestimmten Ziele zu Nachdem Ne ein Stück in der Hauptstraße zurück- gelegt hatten, schwenkten sie in eine Seitenstraße ein und T lieben dort vor einem geringen Diris- bau« stehen. Zuerst aber txrgetotHerten sie sich, ob fic auch am richtigen Haus anqclommen feien. Das geschah jedoch nicht, indem sie den Namen über der Tür lafen. denn sie konnten offenbar nicht lefen; statt dessen zählten Ne bc Schorn- steine auf dem Dache und achteten aus 'die Farbe, der Fensterrahmen und auf ähnliche Kennzeichen. Aber Ne sagten auch habet kein Wort zueinander. Endlich schien alles zu stimmen, denn sie traten in« Haus ein.

Ein schlampiges, rothaariges Dienstmädchen kam ihnen entgegen, und nun geschah das Merk­würdige, daß einer von ihnen den Wund auf- nuubte. Wit harter, urangenehm klingender Stimme bat er um älnterkuuft.

.Zimmer!" sagt« er unb zeigt« ein Zwei- [rrmenfiüd vor. in das er zuerst hineütbih. bann machte er das Kreuzeszeichen darüber Sie de-!

kamen ein Zimmer unb legten sich sofort zum schlafen nieder.

Während si« schliefen, erwachte die Stadt immer mehr zum Leden Der helle Tag brach an. Die ülhren bei- beiden Kirchtürme schlugen eine Stunde rurch ber anderen. Ss wurde Mittag und Nachmittag, und die Dämmerung schlich sich wie­der zur Stadt herein, die müden Wanderer schlie­fen weiter.

Inzwischen hatte tn dem Städtchen, wo ber Apott-e'er und brr Kapitän wohnten, unb das merlenweU von der Stadt mit den beiden hohen Kirchtürmen entfernt lag. da» ß^b-m leinen üb- fi<ten Verlauf genommen. Duck hier bildete die Käftc den allgemeinen Gesprächsgegenstand. Wan war es müde geworden, von Doktor Flodin und seinem unheimlichen Tode zu reden, und deshalb fing man allmählich wieder an. sich über daS Wetter zu unterhalten Dieter Tag war übrigens auch ungewöhnlich kalt unb unfreundlich Der Cfftoinb brachte eifioen Frost mit aus bem go tealtigcn Herrfcherreich der Kälte brühen über ber Ostsee. Die Sonne Hatte keine Wacht.

Schwere W'lle.lbänr« zogen am Hinrmel Hin. unb wenn bi« Wollen einmal einen Augenblick wichen, »so lag ein dichter Nebel zwischen Him­mel und örbc Hinter diesem Nebel wurde dann bic Sonne als eine blutrote Kugel sichtbar, die keine Warm« spenden konnte. Der Tag neigte sich frühzeitig Die Straßen waren beinahe immer menschenleer, und wer überhaupt tm Freien war. lief eilig und machte, daß et wieder nach Hau le kam.

(Fortsetzung folgt)