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Nr. 26Z Zweites glatt Gießener Anzeiger (Gen-ral-Anzeiger für Vberhessen) Montag, 1^. November 1921

Parteitag der Demokratischen Partei.

Teenien, 12. Rvv. ilD-XT.) Aus bem a r i < U a g der Deutschen Dem okra- tllchenPartel sprach R a l h e n a u übrr bat örfflllungiproblem unb bie deutsche Wirtschaft. Gr fugte 5)le Stimmung bei unteren früheren ©jgner.i ist nicht einheitlich Die frernben Ctaatt- m ir.net mft*'cn mit ihren Parlamenten rechnen. Ne Immer noch auf ben Äneg eingestellt finb. Der Opiiattmut hat feinen 3n>ed in. unterer Lage Der Bcrluft Oberlchlesiens hat einen gn>- h.n Teil bet Kredits Deuilchlands im Auslände verdorben Di? Arbeitsteilung in der Welt ist zerstört Die Weltwirtschaft nur ein geschloffener Orgonitnw« bei dem Arbeitende und Äontu- micrenbe sich in bie Hände arbeiteten; bleler Organismus ift zerbrochen Wir können nur vor­wiegend Sachleistungen (elften. Der Weg der (Mbteiftung ift uns vertagt und kann nur untere Währung tpeiter zerrütten Der Ervort bringt Mb?r nicht bie Devisen öle man erwartet bat D«e Auslandsmärkte find an brr letzten Drenke ihrerZufnahmetoblqfelt. W»r müHen untere Wa­ren an Stellen liefern, an denen sie nicht ben Weg in ben Welthandel finden Eine solche Stelle ist das Wiederaufbaugebiet Rordlrankreichs SS wäre ein Fehler, die Reparationsleistung als etwas für uns rein Negatives zu betrachten. SS Ift etwas Grobes für uns im Urteil der Welt werm wir es In bie Hund nehmen, duropa wieder xur Otbnung zu verhelfen DaS ist die Alsgabe. die für ein Jahrhundert nicht vergebens lein wird Das find auch die Grundlagen des Wies­badener Abkommens Die Verständigung mit Frankreich ist nötig Dieses Ziel wurde verfolgt mit voller Kenntnis der englischen Reale- tu na Das Wiesbadener Abkommen ist eine Ver­besserung der Versailler Bestimmungen. Man bat getagt, man habe Onalanb mit Wiesbaden verärgert Deshalb habe eS uns in Cbetfdjte- fitn im Stiche ae aften Das stimmt nich', denn dir englifde Politik war in ihrer Haltung g gen über Oberfchlefien nicht frei Sowohl die ot- strntliche Mei u <i Örgla-M. wie auch die matz- gdxmbcn politi cp-m Kreiseinb m t d'e er (Int- M>ri>u xg nicht zufrieden. Wir haben nicht einen Moment ver äumt. diese Frage mit Oiglanö zu besprechen Wir sind der ileberzeugung. bah Onglanb die Mögllchkell b'runen wird, gewis e Korrek uren an der Gntsch.i u-ig vorzunehmen, vir Vredourh. der zur Iseit in Berlin weilt, hat In den Besprechungen, die ich mit ihm hatte, erklärt, bah er ben Weg nach Wiesdad-m für ben richtigen halte Auf bem Geb! ie der Sachleistun- aen war Wie haben der erste Schritt. Wir wer­den auch mit anderen Staaten zu ähn­lichen Vertrügen lommen müssen, bie nicht so schwer lein ttvrben, weil ei sich da nicht um zerstörte Gebete handelt. Die Ärebitaltlon der Industrie bedeutet eine grobe Opfer- Willigkeit. Ader die Form, wie sie fetzt angc- bütai wird, ist zu bcbauern. Bebingungslos hätte bie Industrie ihre Hilfe geben sollen. (Beisall.-

Bremen, 12 Rov. Der Parteivorsiyende ©enator Dr. Petersen sprach über die po­litische Lage Die Önltoitfluag bei vergangenen Jahres sei politisch gelennzcichnet durch eine Entradlkallslerung des Volkes. Die in­nere Zerlegung des LlnksiabllalismuS unb ber Forischrllt. den bie Sozialdemokraten aus bem Wege von Kassel b.s Görlitz gemacht Haven,

sind Etappen aus biesem Wege Der A e ch t s - radikalismus andererseits hat durch

die S rmorbung SrzbergerS einl-

germaben an Kraft verloren. Rach

etnem starken Bekenntnis zur demokratischen Re- publik bezeichnet der Redner es als die wichtigste Ausgabe aller Parteien, die alS Dräger der Re­publik zu gelten haben, moralische Eroberungen für diese Staates orm zu machen. Duzu könne die Ab chas'ung deS R- sormatonsfesteS, wie sie setzt In Thüringen beschlossen worben |et, nicht bei­tragen. Der sozialistischen Idee der Entpersön­lichung müssen wir das sozialliberale Ideal des Verantwortlichen Individuums gegenüberstellen. Einer Aeutzerung bet .Fiankfurter Zeitung", bah die Demokratie gegründet sei, um eine LlnkS- mehrheit zu bilden, stellte er ben Satz gegen­über: .Rein, wir sind gegründet worden, um einen Fels zu bilden in der Mitte, an dem sich

Radikalismus von rechts unb links breche " (Star­ker Beifall i Mit bei Koalition der Mille können wir die Ausgabe erfüllen, die uns Hau mann ge­fetzt, einen Ausgleich zwischen Burgerrum und Sozi albe motoai.k zu b w.iken. Mit scharfen Wor­ten wandte sich P.ter en gegen die Induft iriap:- täne. die für ihic Xrebtia:iisn bem S aute ^e bingungen auferiegen wollten, w.e der Banlter einem faulen Schuldicr gegenüber Die Fiug-, ob Schwarz-we h rot cd.r >^vwa.z- vt-golb ist |u. viele eine Herzenssache, sie i.l lerd.r polittsch ge­worden Lurch das parierpolUtschc (chezunk.

In der Diskussion in der Nachmittags! ihung sprach Staatstelretär a D Dr Hugo Preust Es sei wrmg?r ein Fehler der Personen alS ein solcher des Systems, nach dem bei der letzten Krills g. handelt wurde. Wenn wir wiederholt erlebt haben bah In Momenten auswärtiger Krisen die innere Organisation versagte, so ist festzu- fieilen bah nicht der Parlamentarismus versagt Hut. wie die Gegner behaupten, bie überhaupt ber Republik etwas am Zeuge flld;n wollen, sondern Las Zraktionsregtment! Die Stär.'e der parlamentarisch regierten Länder besteht gerade darin, bah sie verantwortliche Persönlichkeiten Herausstellen. Im Mai gab cs kaum zehn Mann im Parlament, die eine Ablehnung mit ihren Folgen auf sich genommen bitten! (Ruse. Obo!) Ls war das Gefühl vorhanden: Angenommen wird ja doch, aber es ist gut. wenn wir per­sönlich nicht balür sind! Nichts trägt so viel bei zur Diskreditierung der demokratischen Ein­richtungen als das .Däumchen-Berwechsel-Sptel" bei ben 2teglerungSbilbun icnl Die bisherigen Methoden der Koalition haben nicht zum Ziele geführt. Organisch frud>tbar kommen wir nur zur groben Koalition dadurch bah wir zunächst einai die kleine Koalition sichern. SS ist sehr fraglich, ob die demokratische Republik so ge­festigt ist. bah wir vor ßmU- oder Rechtsputschen gefeit sind Der Ruf nach der groben Koalition Darf nicht in einen KoalcktonS-MasochlSmuS auS- arten, eine Art Liebeshörigkeit zur Dolkspartei!

Abgeordneter Ruschke (Berlin) führt aus: Die oberlchlesische Gntsch.idung stellt einen Rechts- bruch bar. da fie nach dem Iraniölifch-polnischen Geheimabkommen getroffen ist Mit ber parla­mentarischen Behandlung ber Frage könne er sich freilich nicht ganz einverstanden erklären Die Fraktion habe Ihre Position bereits durch ihre Erklärung erschüttert, bah sie ihre Minister zu- rückziehe, wenn die Volkspartei nicht in die Koa­lition ausgenommen werbe. Er könne den Stand­punkt verstehen, bah daS Kabinett habe zurück­treten müssen; bann aber hätte man die erwei­terte Koalition nur ins Auge fassen dürfen für ben Augenblick, wo man mit ber Entente erneut über Reparationen reden konnte. Aufs wärmste sei es zu begrüben, tah ber Gedanke bet Recht-- Verwahrung In der demokratischen Fraktion ge­boren sei.

ReichstagSabg Korel 1, mit Händeklatschen empfangen, wies daraus hin. bah er jetzt der einzige demokratische Reichstagsabgeordnete sei. ber im befehlen Gebiet wohne. Korell versichert. eS liege ihm fern, ber Sozialdemo­kratie eine nationale älnzuveLästigkeit vorzu­werfen; eS hätte aber unbedingt verlangt wer­den müssen, bah wir der Entente gegenüber fest biteben. Er sei nicht der Ansicht, bah eS ein grober Unterschied wäre, ob Dr. Wirth oder Stresemann Reichskanzler sei. Herr Wirth sei populär bei ber Sozialdemokratie, aber man könne doch nicht behaupten, bah er eine Popu­larität habe, wie sie etwa Baumann besessen habe, der die Herzen aller demokratisch Den­kenden für sich hohe In Anspruch nehmen können. Per Redner fährt fort: Wir haben uns in der Fraktion nicht vor der Verantwortung gebrüllt Untere Zustimmung haben wir nicht als Ver­trauenserklärung aufgefabt Wir haben Gebier frclgegcben, weil gerade Leute, die ihn vorder nicht genug diskreditieren konnten, dringend um fein Bleiben baten. Sr. Korell, bebau re, bab Schiffer das Amt des Delegierten für Ober- schlcsien übernommen habe, ohne sich vorher mit ber Fraktion in» Benehmen zu setzen. Zum Schiust polemisierte Korell sehr scharf gegen die . Frank­furter Zeitung".

Prof. Rade (Marburg) begründete einen Antrag der Opposition Dieser erkennt die

Schw rngketten an. denen bie RetchstagSfrakiton gcger-überlanb, betont aber bab ihre Politik in CKUen Kreisen der Partei nicht verstanden wor­den |el

Erhöhung der Postgebühren.

Berlin. 12. Nov. (WTB.) W'.e früher bereits berietet wurde, hat das Reicksposk- minifterium Mitte Ohober mit dem Verkehrs- betrat über die Erhöhung der Post-, Telegraphen- und Fernsprechge­bühren verhandelt Dabei wurde über die Post- und Xelegrapbengtbührcn ein Einver­ständnis erzielt. Die Erhöhung der Fern­sprechgebühren hielt der Verkehrsbeirat für verfrüht, ohne aber an den in Aussicht ge­nommenen Gebührensätzen etwas zu ändern. Inzwisckxtn ist die neue DefoldungSerhöhung eingetreten, die m:t der Lohnerhöhung und der Steigerung der Materialpreife einen neuen Jahres fehlbetrag von 31,« Milliarden Mark hervorruft. Die Tteicbdregtcrung konnte es an- gesichtS dieser Sachlage bei den ursprünglich geplanten Gebührensätzen. bei deren Einfüh­rung schon P/« Milliarden Mark ungedeckt geblieben wären, nicht bewenden lassen und beschloh deshalb, diese Gebührensätze u m 50 P rozen t zu erhöhen. Demzufolge wurde im Vergleich zu der Borfrieg^cit bei Be­rechnung der künftigen Gebührensätze statt dem BerhältniS von 1 zu 10 ein solcl>eS v on 1 zu 15 zugrundegelegt. Diese Beichältnisrechnung wird indeh nicht bei allen Gebührenarten streng durchgeführt: zum Teil ist wie bei dem Paketverkehr eine mähigere Steigerung vorgesehen.

Die Verhandlungen mit dem Wiederherstellungs-Ausschuß.

Berlin, 12. Nov. Die offiziellen Ber- Handlungen zwischen der Reichsregierung und der in Berlin weilenden Reparations­kommission haben noch nicht begonnen. Die Kommission nahm gestern lediglich inoffiziell mit einigen Vertretern der deutschen Regierung Fühlung. Heute fanden in der Reichskanzlei Besprechungen zwischen dem Reichskanzler und den Vertretern jener Ministerien und Res­sorts statt, die an den Reparationbfragen interessiert sind. Die Regierungsvertreter, die gestern mit der ReparationSkommission Füh­lung genommen haben, erstatteten dem Reichs­kanzler Bericht. Irgendwelche Beschlüsse sind nicht gefaßt worden. Wie dasBerliner Tageblatt" erfährt, liegt der Beschlich über den endgültigen Standpunkt der Gewerkschaften zu den von der Industrie in Verbindung mit der Kreditaktion gestellten Bedingungen noch nicht vor. Die allgemeine Stimmung der Ge­werkschaften ist jedoch gegen die Bedingun­gen der Industriellen. Die Gewerkschaften werden voraussichtlich am Montag oder Dienstag endgültige 'Beschlüsse über die von ihnen einzunehmende Haltung fassen.

Aus Hessen.

Achtstundentag und Pfuscharbeit.

Auf Veranlassung der Hess. Hand­werkskammer hat das hessische Landes- Arbeits- und Wirtschaftsamt in einer Ver­fügung an die KreiSämter, die Handels­kammern. die Handwerkskammern und die Ge­werkschaften Stellung genommen gegen die besonders vom Handwerk stark bekämpfte Rebenbeschäftigung von in festen Diensten stehenden Arbeimeym.rn, der sog. Pfuscharbeit. Die Nebenbetätigung wird in der Verfügung alS ein unzulässiger Wettbewerb gegen­über den selbständigen Handwerksbetrieben und eine durchaus zu mißbilligende Beschrän­

kung ber Arbeitsmöglichkeit für Erwerbslos« bezeichnet. Unter Bezugnahme auf die in dem Revrstonsentwurf zum v-Stundentaggesey vor­gesehene Untersagung derartiger Arbeiten in Diensten anderer Gewerbetreibender empfiehl! das Landes-Arbeits- und Winsck»ck|tSämr, tn alle Tarifverträge Bestimmungen aufzuneh­men, wonach feder berartige Mihdrauch den Arbeitgeber aut Kündigung des Arbensver- tragf. oder sogar zur sofortigen Entlassung berechtigt. Ausserdem wird vorgefchlagen der zuständigen Gewerkschaft oder den Betriebs­rat zum Einschreiten zu veranlassen, auch sollen zur Bekämpfung Uel^erwachungsauSschüsse ge­bildet werden. Die Arbeitgeber werden auf- gefordert, eS zu oermciben, an derartige Per­sonen Aufträge zu erivilen. die oft nur Pfusch­arbeiten ausfuhren und mit Material arbeiten, das nicht immer in einwandfreier Weife be­schafft ist. Ebenso wird auf die Verantwor­tung des Arbeitgebers bei Berufsunfällen hin- gewiesen und gefordert, dah die Finanz­ämter tn den Sinzelfallen xur Erfassung des MehrverdiensleS in Kenntnis gesetzt unrden.

Aus Stadt und Land.

Dietzen, ben 14. Nov 1921

Postpa ketver kehr mit bem Auslande. Die Postpakete nach Maracaibo in Venezuela gelangen von jetzt an. sofern ein anderer Leitweg nicht vvrgelchrleben wird, zur Beschleunigung der Beförderung in direk­ten Paketposten über Hamburg oder über Am­sterdam mit holländischen Schiffen der Ge­sellschaft ..Kvn.k.ijke WesttndlU.e Maildiensf bis (Suracao und von da mit Anschluhdampser unmittelbar nach Maracaibo zur Versendung. Die Postanstalten nehmen wieder gewöhn­liche Posisrachtstücke bis 20 Kilogramm, unb solche mit Wertangabe nach Bri11 sch - In - bien nebst Britisch-Birma, sowie nach Eeylon an. Die Seebeförderung erfolgt durch Ver­mittlung von Spediteuren mit Schiffen ber Hama-Linie, bie alle 10 Tage von Hamburg über Bremen nach Britisch-Inbien verkeh­ren. Nachdem der Betrag, bis zu bem Post­anweisungen. Postaufträge unb Nachnah­men aus fremden Länbcrn nach Deutschland zugelassen werden können, von 3200 auf 5000 Mark erhöht worden ist. werden Nachnahmen auf Postpaketen und Postfrachtstucken aus Deutschland nachdemAuSland, von eini­gen Ausnahmen abgesehen, ebenfalls bis $u 5000 Mark zugelafsen. Dagegen bleiben für Nachnahmen auf eingeschriebenen Briefsen­dungen. Wertbriefen und Wertkästchen nach dem Auslande, ebenso für Postanweisungen unb Postaufträge nach frernben Ländern bie bisherigen Vorschriften über den Wetsibetrag unverändert. Nähere Auskunft erteilen die Postanftalten. Die rumänische Post- Verwaltung hat den Postpaketver­kehr wieder aufgenommen. Postpakete bis zum Gewicht von 5 Kilo nach Rumänien wer­den daher von den Postanstalten wieder zur Beförderung ancerorrmen. Weitere Auskünfte erteilen die Postanstalten.

Deutschnationale Volkspartei. Am Samstau fp ach im Hotel Einhorn Prof C u rt i u s (Heidelberg) über .Polttilche Er­zieh u n g". Der Redner ging aus von bem Ergebnis ber babifchen LanbtagStvahlen, d e für die Sozialbemokralte eine fchn?e.e Mederlage be­deuteten Nimmt man fie als Durchlchnittsb.ilpiel. fo kann man sagen, batz augenblicklich bie Politik von einer Partei geführt wirb, bie bei welle« nicht eine Mehrheit im Volke hinter sich bat, Ihrem ParteiwiUen to ll Prvl Q u r 11 u « einem starken SiaatSwillen entgvgengeleyt wil'en Rur auS einem ZufammenwUten aller Kräfte eine« Volles kann sich ein Weg in die Iukunft er­geben Die Gegenwart erforbert eS gebietcrtf*

Der Schutz im Vlut.

Romun von Horst Bobemer.

37. Fortsetzung (Nachdruck verboten.)

MU einem Knechte rieb Hans bie Siute mit Strotz t rod en. bann letzte er sich auf bie Futter­krippe. Im Wohnzimmer ber Eltern brannte noch Licht, er wollte ihnen heule abenb nicht mehr über ben Weg laufen Ja unb bann bte Hirlche bte Hirsche! Mit der Sauft hieb er auf ben Helzbeckel. knirschte mit ben Zähnen unb mußte doch morgen hörte er sich bie Hirschbrunst wieder an. Unb zerschlagen war er mb ein Ziehen tm Kopfe verspürte er. wie er sein Lebtag, leibst de.m grvtzten Katzenjammer nicht, gehabt hatte. Leise wollte er bie Hintertreppe hinaus. AlS er vor seinem Lchafzimmer anlangte, stürzte aus einer Tür die Gtcte ganz aufgeregt heraus.

.Denke nur Hans, Herr von Holtenau hat angcrulenl Er hat Mutter unb mich zu einer Scbrt tm Kraftwagen nach der Ebertalsperre bei Waldeck Hfl laben unb anschlie «nb zum Essen tm Fürslenhos tn Wlldungen. Nein, wie Ich mich f reueT

Ihr Bruder sagte nichts, schob nur die Unter­lippe vor unb verschwand in seinem Schlaf­zimmer. Gretels Zappelei nach dem RegierungS- asseslor, der bie WärhahnS doch elend schlecht behandelte, war ihm widerlich Schlietzlich mutzte die L-ache dcch irgendwie ein Ende nehmen!

n.

Am nädiften Tage fuhren die Sllem mll Gretel nach Kastel. Ss waren noch allerlei Be- Irrgungen zu der Kiaftwagensahn zu machen Der Henner begleitete leine Frau, well er nach ihrer Ansicht u.nbebingt ein paar neue Anzüge brauche.

.Run halt enbltch wieder mek - auf dicht AlS angehender Schwiegervater et: eSRegierung-- astestcrs iannft du nicht hcrumlaufen wie ein Bürger au3 einer KleinstadtI . . . Unb wenn mir beim ©ro oatcr nicht gleich beim ersten Male der Erfolg blühte, so warst natürlich du daran schuld Jawohl, du! Du haft alle3 mit deiner grenzenlosen Ungeschicklichkeit verdorben. Hat erst

Gretel ganz bestimmte Hostnungerr, Frau von Holtenau zu werden, nehme ich die Sache fest in die Hand! Patz mal auf, wie schnell uns bann Drotzvater bas Gut verschreibt - unb selbst­verständlich auch die nötigen Wertpapiere aus- händigt, bamit wir unterer Tochter eine an­ständige Mitgtft auszahlen tonnen, ausgesteuert, standägemätz, mutz fie doch auch werden!"

Der Henner sah gelassen bem Rauche Ieiner Zigarre nach. Im gegebenen Augenblicke wollte er sein« Frau an Ihre weisen Pläne erinnern, wenn sie nämlich mit langem Gesicht von ihrem Schwiegervater tarn. Lachte er sie letzt aus. wurde es doch nur Kratehl geben. Unb der langte so­wieso längst für ben Hausbedarf! . . . ©em Mädel aber schwamm in Wonne, daS war jetzt bie Hauptsache, da lieh es seiner Mutter keine Ruhe . .

Hans war zum Füllern früh In ben Stall gegangen. Sr hatte eine Heidenangst, datz ber Stute der taufeuchte Klee schlecht bekommen war; keinen Schimmer hatte er. wie viel sie etgenllich gefreffen hatte Aber der Fuchs nahm (ein Mcrgenfuller bis zum letzten Haferkorn au» Soll sei Dank! Und dahin zu reiten, wo man die Hirsche schreien hörte, würde er sich hüten. Um höchstens drei Wochen handelte eS llch noch, bann war bie Brunst vorüber. Sr nahm sich zusammen und ritt In den nächten Tagen nur hinaus auf die Felder, um bie Arbeit zu überwachen . .

Sin paar Tage später holte der Regierungs- assessor von Holtenau die Damen zur Fahrt nach ber Waldecker Talsperre frühzeitig ab ©ein Gc- sicht strahlte Sr war mit leinen Bedenken fertig geworden Nächstens sollte er ßanbrat werben in Schleswig-Holstein. 2Uft> writ von Hessen. Dort war bie Familie Wärhahn unbekannt. Schwiegervater und Schwager würde er schon verstehn, sch vom Halle zu halten. Sr war von ausgelassener Frvhlichkell.

.Wenn mehr Plaz wäre,:te ich mir er­laubt. die Herren zu b;:tcn. mitzukommeni"

Der Celonomietat winlle lachend mit der Hand ab.

.Ich wenigstens für meine Perion danke lehr Wenn ich nicht ur.bebingt mutz, setz ich mich nicht in eine solche Benzindrvlchte Außerdem hätte es uns auch heute gar nicht gepatzt, ich

muh heute nachmittag zu einer Aufsichtsrats- Übung der Zucke', sabrll Wadern, mein Sohn hat dringend geschäftlich in Kassel zu tun, und Hans soll heute hier bie Aufsicht führen. Bei Grotz- g:undbesitz ist nämlich Aufsicht ber ganze Ver­dienst, nicht nur der halbe!"

Ola, na, Herr Oclonomicratl

.Glauben Sie eS mir ganz getrost, Herr von Holtenau! Unb nun vergnügte Fahrt, das schönste He b itoctter, was sich üb rHaupt denken lätzt, haben Sie jedenfalls bestellt!"

Der Assessor satz Grete gegenüber, ber Lenker überhastete bie Fahrt nicht, man hatte ja den ganzen Tag vor sich. Dre Waldecker Berge prang­ten im Herbst bunten Farbenkleid. Grete war selig, wellte beherzigen, waS die Mutter ihr gesagt: .Kind, entweder oder! Du kommst sonst tnS Gerede. B.ing ihn dazu, datz er spricht! Ich werbe im gcg. denen Augenblick euch nicht lästig fallen! Unb wenn ihr euch ein bttzchrn viel zu sagen habt, ich werbe mich nicht langwellen! Unb nicht wahr, tu vergibt nicht, datz deine Muller eS war. die dir diese vorteilhafte Heirat er­möglichte!" . . Die gute Mutter! Sie dachte gewltz auch ein wenig an sich Run, sie würde sich freuen mit Ihrem Kurt, wenn sie ab und zu zu Besuch kam. Mll Mutter konnte man sich getrost überall sehen lassen! Unö bald wurde Holtenau Landrak In S^.'eswig-Holstein, da galt es, das S.sen schmieden, solang? eS heitz war. Tenn manchmal hietz es. au8 ben Augen, aus bem Sinn, Und doch sich nichts vergeben. Die Männer lieben es nun einmal nidjt, wenn ihnen ein Mädchen Herz zu offen entgegengetragen w:rd . Meisterhaft verstand es Grete. Holtenau den Kops heitz zu machen. Mll Befriedigung stellte es b c Mutter fest. Dem RegierungSastel or b ängte baS Blut zum Herzen. Eine Schönhell war er nicht, auj einem schmalen Geficht sprang eine «ehr gro'.e Hakennase, unter dem kurzg haUenen. blonden Schnurrbart lag ein breiter Mund und grobe, ab­stehende Ohren hatte er auch Aber er war ein Mann von tad.llo'er Lebensari, sehr Lug. ein guter Plauderer. Er zeigte nach rechts.

.Dort geht ein Weg ab In den Wald Ist es Ihren recht, fahren wir ein Stüa da hinein und frühstücken unte^ hohen Baumkronen Ich habe SinigeS mitgei.»--. ten!"

Maria sagte rasch:

.Tas ist ein ganz ausgezeichneter Gedanke, Herr von Holtenau

Tie G ele toirbe sie verstehen, brachte hok- fentlich den Assessor zum reden.

Unter alten Elchen packte Holtenau eine« Kcrb mit Telikatessen au«. Teller unb Etz- bc st ecke waren auch zur ötclü. Alten Burgunder schenkte er In Kristallgläser. Tie Grete ging ihm unter Lachen zur Hand.

.0, mein Herr, ©ie scheinen sich auf Pick« nickS zu verstehen.-

.Ist das denn ein FehterV

.Ader GoU b?wahre!" . . .

Hcltenau mutzte die Flasche schweren Weines fast allein trinken. Die Damen nippten nur. Maria sprach sogar bte Befurch ung aus. müde zu werden. Grete setzte ihr treuherzigstes Ge­sicht auf.

.LiebeS Mütterchen, hier ist's tostttch! ©» windstill! Ich denke, wir gehen ein halbes Stünd­chen im Walde (parieren !"

Herrlich sand Holtenau den Gedanken. Unb als er in die Tat umgeletzt werden sollte, stöhnte Maria.

.Ich bin eine alte Frau . . *

.C! . . . Oho . *

. Toch Herr von Holtenau! ©sich starken Wein tKrtrag ich nicht, am frühen Morgen noch dazu, nicht und wenn ich auch nur rin paar Mal die Lippen am Ctlale gespitzt babeF

Dic Grete bettelte. Die Mutter s.usz e, tat. als wolle sie sich zu bem Gnttchluste aufraffen, rnitzukommen. Holtenau lag nichts daran, er la* besorgt.

.Gnädige Fran, einen Bvrichlag zur Güte' Sie te.tzen sich In ben Kraftwagen, machen rin kleines Schläfchen in den Polstern, in spätestens einer halben Stunde melden wir uns wieder zur Stelle?"

.Aber alleripetestens. Syrx von HoltenauN

Die ®rcte Hetz ihr Kepfchen hrngm. tat. alb ob f ? sehr verlegen wäre, stocherte mit ihrem Sonnenschirm in bem weichen Waldbodrn. Hol­tenau «and das Bild entzückend, war fest ent- schtesten. biete halbe Stunde zu nützen.

iZorrsegung follUI