Unterhaltung ♦ Erhebung ♦ Selehrung >
Beflügelte Uirche.
Don Max Iungnickel*),
Wenn ehret Lehrer auf dem Dorfe ist 06er Pastor, so muß er immer eine Frau beiraten, die singen kann. DaS ist das aller- schönste urid das nrieat mehr alS ein Geld- '‘act rfoer als eine btaUkpolierte Älussteuer.
Ich will mm hier mal einen Gottesdienst, inr Dorfe, zeichnen, wie ich ihn mir teufe. Eigentlich möchte ich nicht Gottesdienst sagen. Das klingt zu sehr nach Bibelspruch und nach Gesangbuch — Morgenfeier der Seele, das ist wie ein schimmerndes Ausruhen; eine Stunde lang vom Herzen leben. Das ist schöner als Gottesdienst, wo so viele hingehen müssen, weit sie am letzten Sonntag nicht dagewesen sind oder weit sie ein Treues Kleid haben.
Draußen ist Frühling.
Die Natur sitzt geschmückt da und sinnt vor sich hin, in blühender Blaue. Die Kirche ist klein. WaS sind denn große Kirchen, wo immer so viel Plätze leer bleiben? Die Kirche muß immer voll sein. Ja, so voll, daß die Amber stehen müssen. Durch die bunten Fenster fällt die Sonne. — Die Kirchglocke läutet. Ihr Läuten fließt nicht an den Seelen herunter, kalt und mürrisch. Ihr Läuten blüht in den MenschenherAen auf.
Der Altar ist klein. Hinter der großen Bibel, vor dem .Kruzifix, steht ein großer Strauß mit Feldblumen und mit Birkem reifem und mit Weidenkätzchen. Der Strauß ist so groß, daß er bis an die Beine des gekreuzigten Heilands heranreicht. Ueber dem Christus hängt ein Bild, farbig, frischfarbig. — Eine barfüßige, zarte Magd, das Haar gescheitelt und in Zöpfen herniederfallend, geht an einem Feldweg vorüber. Sie hat einen Tragborb auf dem Rücken und ein Kind im »Arme. Ein freudiges Lächeln liegt auf ihrem Gesicht, wie sie da, zwischen den Ackerschollen, Hinschrcitet. Ein nehter Schein, wie der Schein von Himmels schlüsseln, seliges Gelb, »vebt sich, wie ein Heiligenschein, um ihren Kopf und um den Kopf des Kindes. In kurzer Entfernung steht ein Bauer an seinem Pfluge. Ein grobschlächtiger Kerl, knorrig Und ehrlich itrie ein Baum. Er sieht zu chr herüber unb nimmt seine warme Schirmmütze ab. Die Pferde drehen den Kopf zu ihr 'hin. Die Mutter Maria mit ihrem Kinde geht vorüber. Die Kirche füllt sich. Immer mehr, iminer mehr kommen. Nur die alten Frauen sind noch im Dorfe, die in den Stühlen sitzen müssen und die kleinen Kdrder in den Wiegen schaukeln.
Der Küster brennt die Kerzen cm. Und -nun sieht man auf dem Marienbild — da, ter Bauer, der am Pfluge steht intb seine Mütze ab nimmt, das ist ja ter Ränisch, Der (Großbauer: genau dasselbe Gesicht. Ja, ter Großbauer ist'S, der alle Jahre so und so viel für das Armenhaus gibt uno für die Schule, und ter auch das Marienbild bezahlt hat für die Kirche —.
Die Glocke hat ausgeklungen. — Die Kirche ist ü6erfüllt. — Und nun spielt der Lehrer die Orgel und die Gemeinde singt ein frühlings andächtiges Kirchenlied. Und nun begrüßt ter Pastor, ein junger Kerl, die Gemeinde. —
Der Wiltkommengesang ist verrauscht. — Der Pastor setzet sich zur Gemeinde.
Und nun setzt die Orgel wieoer ein. Feierlich, wie in Gebete gehüllt, murmelnd und brausend geht sie Dem Himmel zu. Ihr Herz wühlt sich immer mehr von ter Erdelos.
Jetzt erwacht sanft eine Geige und trippelt neben Der Orgel her, leichtfüßig wie ein frömmelnder Fant. Das ist die Kirmesgeige vom Dorfmusiker. — Dieselbe Geiger, die zu Tänzen anfspielt und zu reichen Hochzeiten und zu fidelen Kindtaufen. Jetzt wirst die Geige Rosen aus ihrer Melodie in da- brauende Orgelherz. Jetzt wird sie zudrina- licher, jetzt schmeichelt sie sich an die Orgel heran. Die Orgel aber knurrt sie an und schüttelt sie ab, als wäre ihr ter Umgang mit so einer Geige, die angesoffene Bauern' noch Aum Drehen bringt, sehr unangenehm und widerlich
Jetzt wachsen der Orgel die Flügel der Ewigkeit, die großen schwingenden Flügel ter Ewigkeit. In ihr Herz fällt, wie ein jubeln. Der, Aufschrei, die Stimme Gottes. In die Geige tropft, wie eure morgendliche Sonne, eine Engelsmelvdie. Und mm fliegen sie beite, engumschlungen, in die segnenden Wob- ken hinein. Und mm erhebt sich Die Stimme der Pastorfrau. — Der Pastor hat nämlich eine Frau, die singen kann. Und die Stimme »egett wie eine Nachtigall, auf imb nieder, drängend und zitternd, hinter der Geige und Orgel hei'. Ihtb nun sind sie im Himmel. Und ne erzählen sich alle drei, in ihrer heiligen Sprache, von ter Gute Gottes.
Die Herz«i der Bauern sind nicht mehr rn Her Kirche. Gott hat die Seelen ter Bauern m lerne ennqcn Hände genommen und läßt sie leuchtend über dem Dorfe aufflattern. Die harten Bauerngesichter sind weich geworden.
x n cmet unterer liebenswür-
htgflcn GrsalÜCT und 3cugvitDffcn, bat bei *vr mann A Wieckmann-Munck^-n. «n Mimt " m-r d-m Titel „Linder" erfcfeni-n lassen m'oem er rangt «ynuihroik, wenn auch nid« atro?' >- deutende Skizzen veröftenllickt. Am octem- >. BuchS flrten einige KaviNi über eine fctiicuci und Neubelebung ter protestantischen Kirche. itne ite dnPoewnwi' ckauuna Imignickls erwünschl tv UÖentt. Gerade zu Pfmgsten wird man die Ge- Mnfen ufer eine „Beflügelte Kirche" nicht ohne Jntercße lesen. e
Ueber die frischesten Frauenwattgen rieseln Tränen. DaS Wunder ist aus. — Und nun steigt der Pastor auf die Kanzel und spricht: „Geliebte Gemeinte, wir hören am heutigen Sonntag das Wort Gottes, late eS geschrieben steht, Prediger sieben, Bers zehn und also lautet: „So gehe bin und iß dein Brot mit Freuden, trmf deinen Wein mit gutem Mut; denn dein Werk gefällt Gott. Brauche das Leben mit deinem Weibe, das du lieb hast, solange du das eitle Leben hast, das dir Gott unter ter Sonne gegeben hat, solange dein eitel Leben währt; denn das ist dem Teil hn Leben und in deiner Arbeit, die du tust unter der Sonne. Amen." —
Herzliche Strahlen brechen aus den Augen des Pastors: „Liebe Gemeinde? Wenn wir alle Sonntage hier zusammenkommen, so heißt das soviel, wir wollen alle Soirw- tage unser Herz zu einem frommen Notenblatt machen. Wir müssen in der Woche etwas haben, wo wir uns daran aufrichten können. —»Seid fröhlich. So W3 Gott. Vergeßt aber den guten Mut nicht, wenn euch das Leben, mit Sorge und Traurigkeit, in die Krallen kriegt. Schlagt dann den Heiland nicht ans Kveuz. Flucht dann nicht auf den Herrgott. Blüht empor, ihr Mütter, an dem Herzen der Mutter Maria, die heimatlos durch teil Schnee wanderte und so glücklich war, weil sie ihr Kind hatte. Arbeitet und betet. Seid ein Strahl aus Gottes ewigem Auge. Wenn ihr Gott fühlt, dann ist Äott. —' Was soll ich große Worte machen.--
Ihr habt ja Gott soeben erfühlt.--Laßt
euch das Essen daheim gut schmecken.--
Und Sonntag kommt ihr wieder, dann tooV len wir wieder, mit Gesang und Orgel und einem schönen Wort, mit unserm alten guten Äott beisammen sein. Kommt am Sonntag wieder. Meine Frau singt dann ein herrliches Lied von Brahms. Johannes Brahms, oas war ein Musiker! Ihr wertet's ja am Sonntag hören. Der BrahrnS war in seinen ersten Jahren so ein Musiker wie unser Kramer da oben. — Ja, Kramer, du hast deine Sache heute wieder schön geniacht. Brahms spielte auch zuerst in Wirtshäusern und auf SHnte taufen für ein paar Groschen und für einen Teller warmes Essen. — — Hernach aber schuf 'er seine wunderschönen Melodien und ivurde berühmt. Und jedesmal, wenn er in feiner Heimatstadt ein Konzert gab, Dann wurde er bejubelt und bekam große Lor- beerkränze. Die nahm er, am andern Tage, und trug sie hinaus auf ten Kirchhof, ans das Grab seiner Mutter. —* Sonntag wollen rt>ir seine Wunder hören. Kommt nur alle wieder. Das wünsche ich mit ganzem Herzen. Amen.--"
Und nun verliest er noch das fröhliche Verzeichnis, wo die Geburten darauf geschrieben stehen, und das selige Verzeichnis mit den Hochzeiten, und dann das weinende Blatt, wo die Hände für immer von der Arbeit ausruhen und die Augen, die über die Felder schweiften, geschlossen sind. Und hernach noch ein kleines Kirchengebet, wo das Korn darin ist und die Haustiere und die Kranken und das Heimatland. Uni) hernach uoch ter Segen und ein kleiner Gesangbuch- vers und mit Glockentönen gehen sie alle wieder nach Hause.--
Kann's nicht so werden?
Und Gott ist immerdar im Dorfe.
Jo, es muß so werden.
Dann blühen die Bauernaugen auf, wenn sie tert Kirchturm sehen an Arbeitstagen, dann freuen sie sich oie ganze arbeitsgraue Woche lang auf die Morgenfeier der Seele am Sonntag.
Ja, es muß so werden.
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Am häufigsten iß von icner 14dk‘ *bei Cb- jektS die Rede", bte ten „Auch einer" Fr Th ü liefert tue Verzweiflung brad-i? und auch Die üomxigcnbnt Dichter sehr häufig feimzusuchen
Lrkynenmgen fahrender Sänger von heute.
..Man tarn zur Zeit ohne lieberfoeibimg von einer gedeihlichen „Mode" ter Tichterfahrten sprechen. Seit den goldenen "Tagen des Miirnrgesanges mag Aehnlicfes nitftt dagewefen sein. Nur ist es nunmehr den Sängern unendlich bequemer gemacht: he traben nicht mehr auf klapperndem Rößlein durch 2Vald und Ungemach, brauchen nicht mehr um bte Gastlichkeit der Burgherren besorgt zu sein und erhalten auch als Honorar nicht mehr dir abgetragenen Mantel der Ritter zugcmorsen, wie einst so manchem der fahrenden Sänger geschah. Ta- 9®^ ist, waS sie zu leisten haben, bebeuicnb ein- facher. <stc_ schlagen gemach ihr Büchlein auf und lesen ein ötüd daraus Dor, ivie eben auch andere ^utc fejen . ." Mit solchen Worten leitet Franz rcarl Ginzkey cm soeben bei der Wiener Literarischen Anstalt erschienenes Buck ein, in bem Karl de« Titel „Fahcente Sänger ..Erlebnisse deutscher- Dichter auf ihren ^rttagsreuen, von ihnen selbst erzählt, gesammelt biographisch nichtiger Beitrag ist 3t «ben verstorbenen lustig von leinet ersten c vlautett unb Datei zugleich von lenreTireiS£<ruer Anfängen erzählt: „Wahrend AÄ^,d-S verflosfmen SäkuüimS dünkte ich mrch Meister am zwei Instrumenten, die seit den Lagen der Lrvubabours nicht Mieter zusam- o-scr. Mein Biolinlehrer baue Itfem 1867 muf> m einem Der von ihm w- üktnr0^,c,n4?'tc Breslauer Stadt- r ich losgesprochen, enoem er mich Dort
ak Solisten au hotten l«tz. Nicht viel später, noch als Gymnaimit fand ich mich, „kraft der Laute Dä 1 icküug", ui men'.*'. Wonne in
nilieniour»
scheint. So erzählt Girrzfen von einem Poeten, der in der Schweiz ernste Sachen vorlas und damit emen gewaltigen Heiterkeitsersola hatte. Als die Leute gar nicht aus dem Lachen heraus kamen, raffte er gekränkt fein Manuskript lammen und lwach ms Publikum hinein: ,Lch lefe ernste Ge- Dichte, aber lachen dazu. Ta muß ich meinen Vortrag wohl beenden?" sJhnt lief ater ein Herr ovm Komitee herauf und beschwor den Tüfeer, sich doch einmal die Rückseite ter Blätter zu betrauten, von denen er vor gelesen. Ta wurde unser Dichtet selbst sehr heiter, denn er hatte einst aus Sparsam- test emen großen weiblichen Akt aus einer illustrierten Zeitung zerschnitten und auf die rück- wärtige weiße Fläch.' mit Fleiß zu dichten begonnen. Und nun hatte er dem staunenden Publikum bald ein Schulterblatt, bald ein rundliches Knie, halb eine andere Kostbarkeit ter grausam: zerschnittenen Dame hingehalten. . . . Gar vielerlei Tragikomisches von solchen Anfechtungen des Dichters weiß Otto Ernst zu erzählen.
Von Liliencron beruhtet er, daß biefer klagte: „Ich habe hier vorn einen künstlichen Zahn, der nicht festsitzt; wenn ich nun etwa vorlese „Teure Tinka!", dann habe ich immer eine Höllenangst, daß ter Zahn l-eraussprrngt und mit Donner- gepolter ins Publikum poltert." „Es braucht nicht das zu sein," fährt Otto Ernst fort, „ein wackelndes Pult, bei dem man bei jeder stärkeren Erregung Schaukelbewegungen macht, genügt vollkommen, u m das Lampen fieber mit Seekrankheit zu komplizieren, intb ein Pult, das man nicht vorher unter- lucht hat, wackelt immer. Unsere Vortragssäle sind in bet Regel so eingerichtet, daß es überall hell ist, nur nicht am Pult des Vorlesers. Aber bet wahre Teufel der Finsternis sitzt in ten Bogenlampen." Und nun schildert der Tichter anschaulich, wie bei einer besonders gefühlvollen Stelle die Lampe plötzlich etlifcht und bann bei bem zartesten Piano mit „Siiiiiii—pst—pst—pst— ks—ks—ks—puff!" wieder aufzischt. Emanuel Reicher las einmal Hölderlin „mitten im steinigsten Hamburg", wo mau gewiß keinen Hühner - Hof vermutete. Aber als er begann „Ihr wandelt droben im Licht auf weichem Boden, selige Genien", ba schrie ein Hahn mit prachtvollem Organ „Kükerüküüüh!" Reichets Munvnünkel zuckten. „Glänzeiche Götterlüfte rühren Euch leicht. . ." „Kükerüküüüh!" machte der Hahn. Reichert Schultern bebten. „. . . Wie der Finger der Künstlerin heilige Saiten." „Kükerüküüüh!" Reicher konnte nicht mehr. .
Einen nicht minder peinlichen Vorfall plaudert Ludwig Ganghofer in dem liebenswürdigen Brief aus, den er noch kurz vor seinem Tode als Beitrag sandte. „Es mac in Berlin. Ich bin kurzsichtig und brauche zmn Lesen eine andere Brille als zum Schauen in die Ferne. Und als ich bamalS in Berlin hinaustrat, hatte ich dis Lesebrille im Künstler-immer liegen lassen unb merkte bas erst zu spät. Erschrocken unb verlegen stammelte ich ein paar Worte von der Vergeßlichkeit, von der Brille, die ich dringend benötige — und sauste zur Türe hinaus. Bevor ich sie erreichte, rauschte ein brausendes Gelächter durch den großen Saal. Tiefe Heiterkeit verstand ich nicht. Verlegenheit i st ja komisch, aber doch nicht so? Ich kam sehr schnell wieder. In der munteren Unrufe, Die ten Saal erfüllte, klang irgendwo eine halblaute Stimme: „Alle Achtung, das ist fix gegangen!" Neues brüllendes Gelächter. So sehr ich mir auch ben Verstand zergrübelte, — ick kapierte die Sache nicht." Erft nachher erhielt Ganghofer von Berliner Freunden darüber Aufklärung, „welchen notwendigen zum Klappen eingerichteten Bestandteil intimster Häuslichkeit die Berliner Volkssprache als „yoHe" zu bezeichnen pflegt." Bon dem neckischen Kobold, der den Tichter so gern am Vortrags tisch äfft, handelt auch die reizende Plauderei Rudolf P r e s- bers „Tie Dame, die ten Husten hat". Es gibt nämlich eine solche hustende Tarne in jeder Stabt und in jedem Vortragssaal, und wemr der Rezitator das erst einmal weiß, dann wartet er nur noch immer auf dieses furchtbare Husten.
Der Erforscher des südlichen Sternhimmels. (Zu John Herschels 50. Todestage, 12. Mai.)
Am 12. Mai 1871 starb im 79. Lebensjahre Sir John Herfchd, einer Der berühmtesten Gelehrten seiner Zeit, der in ter Weüminsterabtei dicht neben dem Grabe von Newton beigesetzt wurde. Es Ivar Der Sohn jenes großen Astronomen William Herschel, Der aus Hannover flammte und seine Laufbahn als Militävmufiöcr begonnen hatte. Im Elternhause sah er das erhabene Vorbild eines gan^ Der Forschung unb den „himmlischen Tin- gern' geweihten Lebens vor sich, und es zeigte sich, daß er die Mathematische und astronomische Be- gabung^des Vaters geerbt hatte. Schon während seines Studiums in Cambridge verbesserte er die Differenzialrechnung, konstruierte du besonders wirksames Spiegelteleskop und widmete sich der Beobachtung der Doppelfterne, Nebelflecken und Sternhaufen, von denen er eine große Anzahl neu entdeckte und in verschiedenen Katalogen verzeichnete. Er widmete sich dann bei liebennüfung unb Verbesserung der Entdeckungen seines Vaters unb beschloß nach Erfüllung dieser Sohnespflickt, den südlichen Sternhimmel zu erwrschen, wie fein Vater es mit dem nötdlicfen getan halte. „Ich habe mir vvrgefeyt," sagte er, „die Erkenntnis der gairzen 06erfläcfe des.Himmel? zu vervoll ständigen, unb will zu bietan Zwecke bte Instrumente, mit denen ich die eine Himmelshälfte absuchte, nach der anderen hxmätx>rtteren, um bann die Ergebnisse von beiden Hälften des Himmel? miteinander $u vergleichen Er schiffte sich daher 1833 mit feiner Familie nach dem Kap der guten Hoffnung ein und durchmusterte Den ganzen südlichen Sternhimmel vier Jahre lang mit fernem 20füßigen Spiegelteleskop. Bä feiner Rückkehr nach England wurde er enthusiastisch gefeiert und als der „Entdecker des südlichen Himmels" begrüßt. Henä-el fei auch auf anderen Gebieten feine gooBc Scaabung envie;*n. Er war ein vorzüglicher Che- unter und bat besonders die Grfcfeinungen bti Lichtes studiert. Auch regte er die Verbindung der meteowlogiicl'en mit den astronomischen Beovach- ttmgen an, ein Gedanke, der ieitbem erfolgreich durchgenlbrt norden ist. Unter seinen zablrdchen Abbanblungen rmben sich auch solche phtlofopfescher Art, und wie icber große Lenker und Mathe- matiker femß er zugleich dne tebenhige Embll- dungsTrast, die chm m feckteri scheu Versuchen zu- uotten kam Er roar ein Freund der deutschen Literatur unb hauptsächlich ein Verehrer Schillers. äo übertrug er vorzüglich Schillers „Spazier- gang' ms Englische und in seinem Alter erfreute er nck <m emer Ucbertragang der Z<iaS.
Thürmgrns VolkStrachtenschau in Erfurt.
Dus Thüringen nnrb uns geschrieben: Wie heb bet ödmatgebanlc in allen deutschen Qtoucn )legfeft Bahn bricht, so haben neuerdings uuck dw Beittebungen, bd heimatlichen Festen bic Äolkstr achten von einst iptefer au rieben zu laßen, errreulickes Verständnis in allen Schichten der Bevölkerung gefunden. München bereitet für Pfingsten eine große bäuerische Volks trachtenschau vor, an der uch 80 Verdi» av: ben vcrichtedrnen Tdlen des Bavnmlcmbo.- fe teiligen werden, und in Erfurt wirb am letzten 3unif<mntoa (26. Ium) ein allgemeines Thü ringer Trachtenfest stattfinden. Gerade ba- schöne Thüringer Land, „Deutschlands grüne Her^", ist ein Gebiet, m dem die Volkstrack' dereinst eine Mannigsaltigkdt und eine Farben buntfeit entfaltet hat wie nur in wenigen an deren deutschen Gauen. Diel mag dabei die voli tische Zersplitterung des Landes in Dutzende lleincr- Gevrelsteile unb Tellchen beigetragen haben. Zu Thüringen hatte vor noch 150 Jahren fast jed. Torf seine eigene Tracht intb seinen eigenen Dio lett. .Das Thüringer Heimatmuseum m Erfu- fesitzt eine großartige Trachtenabteilung, bte du rn Ich geschlossenes Thüringer Trachtcnmuseum dantellt unb von jedem Besucher Erfurts in Au genommen werden sollte. Auch daS groß artige^ Thüringer Museum in Eisenach vesik: eine buntfarbige, interessante Trachtensammluug: W^.^(fe gilt m gewissem Grade von den vielen örtlichen vetmcttmuseen Tlmrtngens. Unvergeßlich hnd die Thürttrger Trachtenfeste, die vor bem Weltkriege unter dem früheren Gothaer Herzogs paar in Reinhardsbrunn stattfanden, bar neben der Wartburg immer mehr zu einem Hd matsvrt der Thüringer Hdmatleute geworden war. Tas fevorstehende Erfurter Trachtenfest ist eine Ve raust al tun g des Zweigvereins Erfurt, des Thü ringerwald-Devems. Dieser Verein hat dem Hei- matSgedanken von jefer Rechnung getragen; er wird bd fernem Vorhaben unterstützt von den Thüringer Jugend» und WanDerverermgungen. Die Trachten schau wird im Garten des Erfurter Bür gerschützenkorpS stattfinden. Wenn sic gdmgt, soll fte zu einer alljährlich wiederkehrenden Beran ftaltung werden.
Gezüchtete Perlen.
Erne Krisis ist im Perlenhandel ausgebrvcfen, bte toettrdefenbe Wirkungen auf ben ganzen Welt markt aus üben wird. Veranlaßt wmcken ist sie durch eine überraschende Entdeckung, die ein Japaner, K. Mikimotv, nach mehr als 40iäfeigen versuchen gemacht bat Mikimoto beschäftigt sich feit 1879 mit dem auch sonst vielfach versuchten Unternehmen, die Perlenauster durch künstliche Mittel zur Erzeugung ihres kostbaren Produktes anzuregen Zunächst glückte es ihm, Perlen zu erzielen, die von der Mutterbasis abgelost werden mußten und dann noch eine künstlicfe Umhüllung mit Perlmutter auf der Rückseite erhielten. Diese Halbverlen bdbntben *u zweiT ritteln aus fern natürlichen Perlmutter der Perle und zu einem Drittel aus künstlichem Perlmutter. Tann aber brachte er es dahin, durch Züchtung m der Auster Perlen fervorzurusen, bte den natürlichen fast vollkommen gtufen. Nack vielen Jahren geduldigster Versuche hat er ein- Methode der Perlenzücfeung auSoearbeitet, bic unter allen Umständen in der Perle den kostbaren Inhalt Hervorrufen kamt, der sonst nur zufällm entsteht. ,,T« Methode der Perlenzüchtung", erklärt darüber ein Vertreter seiner Firma m englischen Blattern, „ist genau dieselbe, wie die. auf der die natürliche Entstebuna der Perle beruht. Ein Reizmittel wird tu die Auster etngeführt, intb da durch wird daS Tier veranlaßt, feese fremde Substanz mit Perlmutter zu überziehen. Ter Kent dieser gezüchteten Perle ist ein Stückchen Perl mutter. während der Kern der natürlichen Perle. - der die Rdzung venm'acht, in einer kleinen Krabbe, einem Stückchen Seegras ober einem Sandkoni bestehen tarnt Ist das Llnvegungsmittel in die Muschel eingeführt, dann wird fte wieder in das Meer gebracht und bleibt dort wenigstens sechs Jahve. Je länger die Auster im Meer bldbt, desto größer wird die Perle. Die gezüchtde Berte ist von bem Naturprodukt auf ferne andere Weise zu unterscheiden, als daß man sie in zwei Hälften zerschneidet, und auch das ist nvck feine sichere Methode, denn viele natütlicfen Perlen weisen in lhi'-m Innern dieselbe Bildung auf wie die gezüchteten Perlen." Ueber triefe vollkommene Lehn lieb feit der Zucht per len mit den natürlichen gehen freilich nvck die Ansichten auseinander, und es gibt einige Sachverständige, die behaupten, man könne doch Unterschiede feststellen. Tatsache aber ist, daß die gezüchteten Perlen bereits vielfach als echte verkauft werden, und bte Perlenhändler fürchten dadurch dne ungeheure Entwertung dieses bisher io kostbaren Schmuckes. Sie haben lick deshalb an die Londoner Handelskammer mit dem Antrag gewendet, daß den Zuchtperlen Der Zutritt zum Markt nur gestattet werden sollte, wenn sie unter einer besonderen Bezeichnung verkauft werden, dir ihren Ursprung an gibt. Ta man aber die gelüfteten Perlen ja nicht mit einem Zettel ober Aufdruck versehen kann, so wird sich tnefe Maßnahme sehr schwer durchführen lassen.
Ein Bildchen.
Bon Carl Svitteler.
Den Raut hinauf, mit trotzigem Alarm fuchtelt ein Kittderschwarnt.
„Vorwärts! Hurra!" ।
Hut ab! Du schaust kein Spiel.
Den Himmel stürmen gilt das ernste Ziel.
Er ist so nah!
Siehst, wie er aus dem Grafe guckt dort oben ?
Zwei Glockentöne, leicht vom Morgenwind! gehoben, kommen vergnügt und ungezwungen.
dahergesunaen.
„Dv geht denn hier der Weg?"
„Wir wollen durch den Kindersternenhaufcn z über den Hügel weg
die lange Kirschenblütenstraße laufen." Gesagt. Ein Sang, ein Flug: verschwmrden m den Kirschen überm Hügelzug.
Ter Kinderfturm aber dort unten
bat einen Igel gefunden.
In Anbetracht dessen i)t der Himmel vergessen.


