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Nr. 240 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Donnerstag, 15. Oktober ^2l

Na, nun kommt I'

11. Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.) 5.

Henner gewesen sind! Und ich fef>e, das) Sie mir mit Mißtrauen entgegenkommen. Dazu liegt wirklich gar kein Grund vor. Recht herzlich bitten möcht ich Sie, mich stets darauf aufmerksam zu machen, toemt ich etwas tue, was hier nicht landesüblich ist. Vorläufig kenne ich hier Sitten und Gebräuche noch nicht, jede Gegend hat andere, und wir am Nhein denken in manchem wohl

Parteitag

der Hessischen gentrnmspartei

Man schreibt uns:

einen Küchrnstuhl fallen. .,

.Ich will gewiß nicht in Ihr Reich em- brechen, bin gekommen, um sofort um Ihr jxt-

Kindesseele, um Schule und Erziehung.

Die Schulfrage betrachten wir als eine Gewissensfrage ersten Ranges. Der Redner ver­teidigte sodann die Koalitionspolitik der Zen­trumspartei, die immer die mögliche und richtige war. Vertrauen und Treue ist die Grundlage für ein ersprießliches Zusammenarbeiten von Abgeord­neten und Wählern. Einigkeit muh in unseren Reihen herrschen, weil die Gegner von rechts und links auf Uneinigkeit bei uns spekulieren. Das Zentrum in Hessen erstrebt eine breiteRegierungsbafis, weil nicht genug Parteien zur Verantwortung herangezogen wer­den können.

Unter dem Eindruck der Rede beschloß die Versammlung, von einer Nussprache abzusel-en. Der Parteitag sprach sodann der Fraktion seinen Dank und Vertrauen aus und beauftragte den Vorstand der Partei, eine Dertrauenslundge-bung an den Reichskanzler Dr .Wirth zu enden.

Gewalt antun. Er ist, wir wiederholen es in dem oben umschriebenen Sinn, kein Poll» tiker. Man kann deshalb im Zweifel fein, ob es seiner Zeit geraten war, ihn von demokratischer

Hahns gut und bequem zu leben! Den Henner sollte sie aber nicht in solch Lotterleben hinein» ziehet, darüber wollte ste wachen«

Die Männer waren jetzt den ganzen Tag aus den Feldern, ließen sich kaum Zeit zum Mittag­essen und zur Erledigung der Post, abends waren sie müde. Dann setzte sich Maria an den Flügel, spielte und fang. Das war eine Stunde, auf die sich besonders der Oekvnomierat den ganzen Tag freute. Der Henner strahlte dann über das ganze Gesicht. Sah verliebt auf die schlanken, weißen Hände seiner Frau und auf die bieg- same Gestatt. Daß sie sich langweilen könne, auf den Gedanken Tarnen die beiden Männer nicht. In den großen Gärten war der Frühling mit seiner Vlütenfülle eingezogen, vorn Luginsland hatte man einen köstlichen Dlick, der lange Hain­buchengang fing an zu grünen, der Flügel stand Maria den ganzen Tag zur Verfügung. Durch die großen Ställe konnte sie wandern und Mann und Schwiegervater einen Besuch auf den Fel­dern abstatten. Sie sagten ihr immer, wo fie anzutreffen waren.

Das alles tat Maria, stellte sich auch dann und toorm zur Arbeit der Mamsell, sobald sie aber merkte, daß sie der lästig wurde, ging sie mit freundlichem Gruße davon. Maria glaubte, sie nach und nach ganz auf ihre Seite ziehen zu können und irrte sich gewaltig. Woche um Woche verfloß, und die junge Frau dachte noch immer nicht an ernstliche Arbeit, das biß­chen Staubwischen und Blumen pflücken für die Vasen zählte nicht . . Der Mamsell aber waren Langschläfer verhaßt. Es gab doch nichts schö­neres, als ein Morgen auf dem Lande!

(Fortsetzung folgt.)

Maria war selig.

.Nein, wie schön das alles ist« Ich danke dir vieltausendmal! Henner, hier muh man ein­fach glücklich Tein!-

Der Schwiegervater bekam einen ber)haften Kuh Er rieb sich vergnügt die Hände.

Sa5 hat alles ein Heidengeld gekostet, aber das schadet nichts! Und Kleinigkeiten werden auch noch fehlen, dafür sind Weihnachten, Geburtstag und andere Familienfeste ba!

Der Henner besah stolz alle Einzelheiten, tm Zimmer seiner Frau an einem Fenster stand auf einem Auftritt ein sehr zierlicher Nähttsch.

.Hier mußt du dich ja wohl fühlen, Mama! Ja, Vater, und nun erzähl mir, wie weit ihr mit der. Feldbestellung seid!"

Da schob ihn Maria zur Tur hm aus.

.Geht nur rüber, ich beseh' mir erst mal die Herrlichkeiten allein und fange an, die Koffer aus­zupacken!" r . -

Der Oekvnomierat freute sich über feinen Zun­gen So war's recht, zuerst kam immer Land und Stall Wenigstens für WärhaHuschs Blut: . .

Maria huschte, sobald sich die ^Hanner ent­fernt hatten, die Hintertreppe hinunter ^r Mam­sell Die stand in der großen Leutekuche und kochte Kartoffel suppe für das Abendbrot. Sie war allein. Das Küchenmadchen mu^e beim Melken helfen. Den großen hölzernen Rührlöffel m der Hand, sah die Mamsell die junge tfrau mit gefurchter Stirn an. Sollte der Kampf um die Herrschaft hier unten schon heute beginnen« Maria erriet den Gedanken, ließ sich lachend auf

Seile aus auf einen politisch wenig bequemen Ministersessel zu sehen, anstatt ihn aus einen Platz zu stellen, der feiner ganzen geistigen hohen Begabung auf andere Weise gerecht wurde.

ES freut uns, daß jetzt auch von demo­kratischer Seite die gleichen kritischen Beden­ken gegen Streckers Poiittk geltend gemacht werden, wie wir sie immer hegten. Seine pazi­fistische Betrachtungsweise war in der Tal den deutschen Bolksinteressen höchst abträg­lich. Wenn einPolitiker- für reale Dinge und nüchterne Tatsachen keinen Blick hat, dann muh er im Ministeramt die größten Fehler machen, dann darf man sich aber auch nicht darüher wundern, daß von vielen Seiten mit einiger Heftigkeit seit Jahr und Tag sein Rück­tritt gefordert wurde.

Der Schutz im Blut

Roman von H 0 r st B 0 d e m e r.

Die Hessische Zentrumspartei hielt am Sonntag in Frankfurt a. M. im .Restau­rant Storch" ihren Parteitag ab, der stark besucht war. Eröffnet wurden die Verhandlungen durch den Vorsitzenden, Rechtsanwalt Bockius (Mainz). Er begrüßte die Minister von Brentano und U e b e l sowie alle Abgeordneten der Frattivn des Hessischen Landtages. Sein besonderer Gruß galt dem anwesenden, um die Hessische Zentrumspartei verdienten Geh. Iustizrat Dr. Schmitt (Mainz). Der Parteitag, so führte Dr. Bockius aus, hat seine Bedeutung durch die bevorstehenden Landtags­wahlen, zu denen er den Auftakt geben soll. Schwer wird der Kampf werden, weil sich der Geist der Bevölkerung im Zustande der dauernden Revolu­tion befindet. In Wehmut gedenken wir der großen Führer die von uns geschieden sind: eines Hitze, Burlage und Erzberger.

Generalsekretär Diehl (Mainz) erstattete Bericht über Organisation und Agitationsfragen. Der Redner gab einen Rückblick über den Ausfall der letzten Wahlen. Der Ausbau der Organisation ist in der Hauptsache durchgeführt. Zwecks Aus­gleichs der Etandesinteressen, und zur Verminde­rung der hervorgetretenen Kämpfe der Standes- organisattonen wurden für bie Berufsstände Zu­sammenkünfte veranstaltet oder für die nächsten Wochen vorgesehen. Die Jugendbewegung dürfe nicht vernachlässigt werden und deshalb seien die Windhorstbunde und Iungzentrumsgruppen zu unterstützen. Auch sei der Zusammenschluß der Ge­meindevertreter der Partei zu fördern. Der Redner gab dann Richtlinien für die Kandidatenaufstel­lung am 16. Oktober und Weisungen für die Wahl­arbeiten. Eine dringende Aufgabe sei die Aus­breitung der Parteipresse. Der Wahlkampf werde schwierig sein infolge der schlechten wirtschaftlichen Verhältnis^. Besonders der Zentrumspartei, die aufbauende Arbeit leisten wolle, würden Schwierig­keiten gemacht werden. Die Partei könne keine aus­gesprochene Rechts- oder Linkspolitik treiben.

Hierauf begann eine äußerst anregende A u s- s p r a ch e, die ausklang in dem Grundgedanken, erst die kultu»llen und ideellen Güter und dann die wirtschaftlichen Vorteile in den Vordergrund zu stellen. _ . w

Arn Nachmittag sprach der Abgeordnete Nuß über die bevorstehenden Landtagswahlen. Die Poli­tische Lage, so führte er aus, ist heute so, daß wir nicht wissen, was morgen ist. Auf den Ernst der Lage ist die Partei eingestellt. Auch das hessische Zentrum hat Anteil an dieser schick­salschweren Arbeit Aber Hessen ist nicht das Reich und die Zentrumsfrattion im Hessischen Landtag ist nur ein Teil des Landtags. Daraus ergibt sich, an den Reichskanzler Dr. Wirth zu die Leistungen bet Fraktion nicht beliebig aus­gedehnt werden können. Politik ist die Kunst des Erreichbaren, und den Kritikern sagen wir: Seht euch mehr dafür ein, daß die Fraktion stärker wird. Die Lehre aus Himmelshöhen ist das Fundament der Zentrumspartei. Wir sind eine Wiederaufbau­partei. Wir sind eine Partei für Kirche und Vater-

nähme von Wohn- und Schlafzimmer für mich. 1 trauen zu werben. Ich weih, was Sie meinem Unten sind die Dureauräume und das Eßzimmer. Schwiegervater und vor allem meinem guten i" > SSpTTHPi- aewesen fin

land. In biefetn Geiste lebten und starben die Füh- 1 bleiben und den Notwendigkeiten des TageSkeme rcr unserer Partei Das Zentrum trat ein für' »<***< re- ;r» »-i- mux-rhrion es in

sozialen Fortschritt und nicht für sozialen Rück­schritt Wir vertreten das Interesse aller Stande und haben auch den Mut ihnen zuzurufen: .Hort auf mit dem zerstörenden Klassenkamps von unten und dem Standesdünkel von oben. Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern. Die christlich- nationale Arbeiterschaft Hessens fordert, daß sie im Arbeits» und Wirtschaftsminister ^um in Darm­stadt eine würdige Vertretung findet. Auch mit kommunalpclitischen Fragen Haden wir uns zu be­fassen, um anregend und befruchtend zu arbeiten. Der Kamps im politischen Leben gebt auch um die

meinöen nicht noch für das Land Ettra-Abgaben zahlen. Die Grund- und Hausbesitzsteuer ist un­sozial. Die Grundsteuer ist unbezahlbar für die Landwirtschaft.

Präsident Raab vom Landesarbeits- und Wirtschaftsamt: Das Gesetz ist notwendig, um die Mittel zur Förderung des Wohnungsbaues her- beizuschafsen. Der Reichsfinanzminister hat für Hessen 50 Millionen Mark Wohnungsbauvorschuß gegeben. Diese Summe müssen wir in 20 Zähren tilgen. Die Gemeinden haben es durchaus nicht so schwer, die erforderlichen Steuern zu veranlagen und zu erheben. Die Finanzämter sind zu diesen Vorarbeiten nicht bereit ; aber den Gemeinden fällt es viel leichter. Den Zwang zur Bildung von Ge­meindeverbänden wollen wir nicht ins Gesetz brin­gen. ES gibt eine Anzabl Gemeinden, die noch keinen roten Pfennig zur Wohnungsnotabhilfe bei­getragen Haben. Der Einwand, sie Hätten keine Wohnungsnot, ist nicht stichhaltig. Die Leute in derartigen Gemeinden sind oft geradezu skanda­lös unter gebracht. Es handelt sich hier lediglich um ein Ausbildungsgesetz, um den Vorschriften des Reichsfinanzministeriums nachzukommen. (Zu­ruf des Abg. Kiel: .Dann müssen aber die besitzenden Klassen mehr herangczogen werden!") Wir dürfen den Boden des Reichsgeseyes nicht verlassen. Herr Abg. Kiel! Von Ihrem Stand­punkt aus haben Sie schon recht. Ich hoffe, daß der Landtag seine Zustimmung zur Regierungs­vorlage geben wird.

Um 11 Uhr tritt das Haus in eine Pause ein.

Nach zehn Tagen war das junge Paar zu Hause Dem Henner zuckte es in den Fingern. Die Frühjahrsbestellung war in vollem ©angc, den Winter über hatte er gefaulenzt wie noch nie in fernem Leben. Wozu sich außerdem in den Gasthöfen rumdrücken, wenn es 5" Hause viel schöner war? Maria teilte seine Anfuhr. Das Gefühl, über das sie doch immer wieder lachen muhte, wurde sie nicht los: schleunigst mußt du dich mit der Mamsell Auguste Uhlemann gut firnen. Ihr Bruder Ernst hatte es ihr am Hoch­zeitstage noch einmal eingeschärft. Und der war ein sehr fiuger Mann! . .

Im Wagen holte ste der Oekonvmierat glück­strahlend von der Dahn ab. An der Haustür wurde das junge Paar von der Mamsell be­grüßt. Henner schlug sie auf die Schulter.

Weihe meine Frau nur in alle Geheimniste /rrünblicb ein, vorläufig hat sie von einem Land- haushatt ja noch Teine Ahnung!"

Maria ärgerte sich über die Worte, drückte aber der Mamsell Hand mit einem liebenswür-

Hessische Volkskammer.

Darmstadt, 12. Oft

Am RegierungSttsch: Staatspräsident Ulrich, FinanPninistcr Henrich, Zustizminister v. Dren- tano, Präsidenten Neumann und Raab.

Um 10 Uhr eröffnet Präsident Adelung bie Sitzung und teilt mit. daß der Abgeordnete Strecker sein Mandat niedergelegt habe.

Staatspräsident Ulrich .Auf Anfrage des Abg Kiel, bett. Pferdebestandsaufnahme und Achselklapp:n W. II, teilt das «reisamt Gie­ße n nach Rückfrage bei dein bortigen Reich« »ebrregiment folgendes telephonisch mit:

Es hat sich in der Sache um allgemeine Feststellungen auf Grund einer bereits im_i5rnb- iabr 6 3. ergangenen Verfügung des Reichs­wehrministeriums gehandelt, derzufolge ermittelt werden sollte, ob Dorspannpferde zu erhalten seien fall- die Truppe einmal Plötzlich ausrücken müsse DaS Regiment sei anscheinend aus Er­sparnisgründen nicht einmal mit so viel Pser- den ausgerüstet, als es zur Bespannung seiner planmäßigen Fahrzeuge benötige. Es feien daher Reichswchrofsiziere beauftragt gewesen, Ermitt­lungen, die bereits im Frühjahr begannen und sich durch den Sommer fortsetzten, in einer Reihe von Ortschaften bei Pferdebesitzern anzustellen. ob sie bereit seien, für den Fall des Bedarfs dem Reichsw:h> Regiment Pferde zu vermieten. Kein Offizier habe den Auftrag gehabt, hierbei von inneren Unruhen zu reden, und es werde nach Ansicht des Reichswehrregiments für ausgeschlos­sen gehalten, daß ein Offizier Bemerkungen der gedachten Art (eS handle sich um innere Unruhen) gemacht habe Nach Auffassung deS Reichswehr­regiments müsse es sich um ein Gerede von Leuten handeln, die sich daS nur zusammengereimt hätten. Insbesondere habe der zufällig auf dem Bureau des Reichswehrregiments anwesend ge­wesene Offizier, der vor acht Wochen in H a u s e n und vor vier Wochen in Großen - Du s e a die Umfrage gehalten habe, erklärt, daß eine derartige Aeuherung nicht gefallen sei.

Zur Frage 2 deS Abg Kiel über unvvrschrifts- mäßigeS Tragen von monarchistischen Ab­zeichen hat der Vertreter des Reichswehr­regiments informatorisch bemerkt, daß kein Reichs- wehrsoldat vorschriftswidrige Abzeichen tragen dürfe. Bei der fraglichen Beobachtung dürfte es sich möglicherweise um nicht aktive Teilnehmer an der 116er Feier oder etwa um entlassene Leute gehandelt haben. (Abg. Häuser: Stimmt nicht!) Dem Kreisamt Gießen selbst sind Fälle verbots­widrigen Unisormtragen« nicht zur Kenntnis ge­kommen. _

Heber finen Gesetzentwurf, betr. Abänd e - rung des Gemeindeumlagengesehes, berichtet Abg. Delp (Soz.). Abg. Sarnes macht kürzere Ausführungen zu dieser Frage. Der Aus- schühantrag, betr. Genehmigung der Regierungs­vorlage, wird nach Ausführungen und Zustimmung unter Vorbehalt für spätere Zeiten des Abg. Lux (Soz.) ein stimmig in beiden Lesungen angenommen.

Sinern Ausschuhantrag über Zustimmung auc Regierungsvorlage, betr. die Organisation der Bauverwaltung und des Dermessungswesens samt Desoldungsordnung, wird ohne Debatte z u -

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 13. Okt. 1921.

♦♦ Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurden am 24. September der Ober- pfleger Anton Bick zu Gießen zum Ober­wärter, der Heizer Otto E s p a ch zu Gießen zum planmäßigen Heizer, die Oberpflegerin Anna Allgaier zu Gießen zur Oberwärterin und die Laborantin Dina Stahlhacke zu Gießen zur planmäßigen Laborantin, sämtlich an der Klinik für psychische und nervöse Krankheiten au Gießen. Uebcrtragcn wurde am 24. September >cm Lehrer Georg Laub zu Ulrichstein eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Laubach, Kreis Schotten, am 28. September dem Lehrer Ernst P10 ch zu Grünberg eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Lollar, Kreis Gießen, und dem Lehrer Konrad Reidt zu Hopfmannsfeld eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Heuchel- > e i m, Kreis Gießen.

Dauer der Telephongefpräche. Im Ortsverkehr wurden bisher zahlreiche De- fehtmclbungen dadurch herbeigeführt, daß Teil­nehmer lange Zeit hindurch, u. U. bis zu/< Stun­den, sich ost über sehr nebensächliche Dinge unter­hielten. Wurde bann einer von ihnen von an­deren Teilnehmern verlangt, so konnte die ge­wünschte Verbindung auch wiederholt nicht her- gestellt werden. Derartige Dauergespräche blockier­ten außerdem zeitweilig die zwischen den Aemtern vorhandenen, dem allgemeinen Verkehr dienenden Verbindungsleitungen. Durch die neue Fernsprech- ordnung ist die Telegraphenverwaltung jetjt be redjtigt, Ortsgespräche nach einer Dauer von fünf­zehn Minuten durch Trennung der Verbindung zu beenden, wenn der Betrieb eS erfordert. Im Fernverkehr darf die Dauer eines Ge­sprächs stets bis zu 6 Minuten betragen. Auch über 6 Minuten Hinaus darf ein Gespräch aus­gedehnt werden, wenn die Leitung nicht von an­derer Seite beansprucht wird. Liegt aber eine An­meldung für ein dringendes Gespräch vor, so wird das im Gange befindliche Gespräch nach einer Dauer von 6 Minuten, oder, wenn diese bereits überschritten ist, nach Ablauf 'der für die Ge­bühren berechnung maßgebenden Zeiteinheit unter­brochen, in die d^Aufforderung zurGesprächsbean- digung fällt. Liegt dagegen eine Anmeldung für ein nichtdringendeS Gespräch vor, so darf 'das tm Gange befindliche Gespräch bis zu einer Höchst­dauer von 15 Minuten ausgedehnt werden, wenn es als dringend angemeldet war oder wenn vom Ablauf der Zeiteinheit an, in die die Aufforderung zur Gesprächsbeendigung fällt, die Gebühr für dringende Gespräche ent­richtet wird. Werden auf Grund gleichzeitiger Anmeldungen mehrere Gespräche zwischen den­selben Teilnehmern in unmittelbarer Folge ab- gewickelt, so ist für die 6 Minuten überschreitende Gesprächsdauer in jedem Falle die Gebühr für dringende Gespräche zu entrichten. Heber fünf­zehn Minuten dürfen derartige Gespräche nur ausgedehnt werden, wenndie Leitung nicht > von anderer Seite beansprucht wird. Wird die Leitung beansprucht, so wird sie für 1 das nächste, nach der Reihenfolge in Betracht ; kommende Gespräch eines anderen TellnehmerS : frcigemacht.

Landkreis (Yietzen.

t. Rödgen, 12. Okt. In der vorigen Woche 1 wurde in der hiesigen Kirche der Dau einer : neuen Luftheizung fertiggestellt. Der Ofen toar I von der Firma Esch u. Co. In Frankfurt a. M ge-

gestimmt.

Zu der Regierungsvorlage über den A u s - bau des Kraftwerkes Wölfersheim spricht Qlbg. Dorsch (D.-N.) und bringt ver­schiedene Beschwerden der anwohnenden Dauern vor, die sich darüber beklagen, daß das ab­gebaute Gelände nicht wieder genügend berge­st ellt und brauchbar gemacht wird. Die Gruben werden nur notdürftig mit Asche zugeschüttet usw. Auch sollte die Regierung für genügendes Tausch­gelände sorgen, damit M Dauern, denen Land enteignet wird, dafür anderes Gelände gegeben wird. Schließlich möchte er noch auf einen Schön­heitsfehler Hinweisen. Man hat auch hi Wölfers­heim die früheren Hoheitszeichen halb entfernt. Man müsse doch ganze Arbeit schaffen und die Grube gleich .Ulrichshoffnung" taufen. (Hetter- fcit.) Die Vorlage wird genehmigt. x

Heber den Entwurf eines Gesetzes, betr. die Erhebung einer Abgabe zur Förderung desWohnungsbaues, berichtet Aeg. Delp (Soz.). Die Gemeinden, welche angeblich keine Wohnungsnot au verzeichnen haben, müssen eben­falls zu der Abgabe verpflichtet werden. Wir benötigen in Darmstadt 1500 Wohnungen. Dazu werden 150 Millionen Mark innerhalb fünf Jah­ren verbraucht werden. Don Reichs wegen wird eine lOOprvzentige Mietsteuer eingeführt.

Abg. Drau er (Dtschnatl.) hält die in der Regierungsvorlage vorgesehenen Abgaben für un­gerecht. Wenn schon vom Reiche eine lOOprozentige Mietssteuer durchgeführt wird, können die Ge-

Aus Hesien.

Dr. Strecker fein Politiker!

Die demokratischeWormser Bolks- zeitung" bringtaus demokratisch-parlameu- ' tarischen Kreisen" Ausführungen, denen wir folgendes entnehmen:

Ihm ist der liebertritt zweifellos Heber- zeugungssache und er mag lange mit sich ge­rungen haben, bis er diesen Schritt tat. Als er aber einmal zu diesem Entschlüsse gelangt war, da frug er auch nicht mehr nach den Folgen. Er suchte keine Verständigung mit seinen bis­herigen Freunden, gab sich keine Rechenschaft dar­über, wie dieser unvermittelte Schritt gerade vor Beginn der Wahlbewegung auf seine bisherige Partei wirkte, aber auch nicht darüber, welche materiellen und p 0 lit ischen Folgen für ihn selbst daraus entstanden. Ganz der ungetrübte Idealist, wie wir ihn all die Jahre her kennen gelernt hatten, der ganz auf sein Innenleben eingestellt ist und den harten und kantigen Wirklichkeiten des Lebens vielfach fremd gegenüber- steht. Gewiß hat dieses fast gefühllos und rücksichtslos anmutende Verlassen der bis­herigen Kampf- und Gesinnungsgemeinschaft seine Freunde vielfach verletzt und erbittert, aber gewollt hat er das sicher nicht. Wir be­haupten: Dr. Strecker ist kein Sozialist im Sinne des Marxismus, oder er war es schon seit langem, ohne sich dessen recht bewußt gewesen zu fein. Wir haben eher den Eindruck, seine ganze politische Haltung, auch sein Parieiwechsel, ist bedingt durch seine pazifistischeDetrach- t u n g s w e i s e der Außenpolitik. Nicht als ob wir den Pazifismus ablehnten, ganz im Gegenteil, wahrhaft demokratische Politik muh die Verständigung und Versöhnung der Völker auf gleichberechtigter Grundlage als einen wesent­lichen Destandteil ihres politischen Wollens an­erkennen. Aber man muh doch prüfen, ob b e i d e n anderen Volkern auch die Voraussetzun­gen für eine pazifistische Politik gegeben sind, sonst gerät man ebenso leicht in die Gefahr, dem eigenen Volke unrecht zu tun. Hierin liegt der Schlüssel, warum Dr. Strecker gerade hinsicht­lich seiner paziststischen Aeuherungen von den politischen Gegnern, denen er das Nichtverstehen ost etwas gar zu leicht machte, so scharf und gehässig bekämpft wurde. Und welches Ur­teil ziehen wir aus dieser Detrachtung? Dr. Strecker ist im Grunde kein Poli­tiker, am allerwenigsten ein Par­teipolitiker. Er ist ein Mann, der hin­reihend und überzeugend für reine, von den Schlacken der Wirklichkeit befreite Ideale zu reden und zu schreiben vermag, der unsere Denker und Dichter zu erfassen weih und den Zuhörern näher zu bringen sucht, aber er ist fein Mann, der die rauhe politische Wirklichkeit zu erkennen vermag wie sie tft, der auf dem unebenen Doden der nüchternen Tatsachen seine Ideale so zu verwirllichen versteht, dah.sie lebenssähig

anders als die Leute hier in Hesien. Und sich da an die Männer mit Fragen wenden, über die sie womöglich lachen werden, das möcht ich nicht! Nicht wahr, so lieb werden Sie fein?"

Die Mamsell zog die Augenbrauen hoch. Sollte sie eingewickelt werden? WaS sich ge­hörte, mußte man doch wissen! Die junge Frau schien keine Lust zu haben, sich die schmalen, weißen Hände hart zu arbeiten. Und wer nicht arbeitet, den brachte die Zeit von ganz allein auf dumme Gedanken. Flitterwochen nahmen schließ­lich auch einmal ein Ende. Jedenfalls blieb es fürs erste die Hauptsache, dah die junge Frau ihr keinesfalls die Herrschaft in der Küche streitig machte.

Frau Wär Hahn, ich werde mir Ihre Worte merken. Ich glaube, Sie verkennen mich. Ich habe mein öebtag hart gearbeitet. Es ist mir gut bekommen, aber redselig wird man da nicht!"

Ich verkenne Sie gar nicht, liebe Mamsell! Sie werden das selbst sehr bald fühlen. Wir werden ganz gewiß sehr gut miteinander aus- kornmen, das fühle ich!"

Noch ein Händedruck, dann ging tne junge Frau. Die Mamsell aber stemmte die Fauste in die Seiten, in der linken hatte sie noch immer den großen hölzernen Rührlöffel, lachte einmal. kurz auf. Dieser Frau kam's ja doch nur darauf an, vom mühsam erarbeiteten Gelde der Wär-1

&'9Cn3d^dbcnie, 2ie werden nicht allzu streng mit mir ins Gericht gehen!"

Die Mamsell sagte gar nichts, kniff die Lippen zusammen, druckte die ihr gereichte Hand M Der Oekonvmierat tneb das junge Paar xnß »uch vor allen Dingen euer Nest an., nh ick meine Sache gut gemacht habe, will ich Sffa? Ihr habt den ganzen Oberstock mit Aus-1