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Samstag, (5. August 192j

Gießener Anzeiger (Gen:ra!-Anzeiger für Gberhesfen)

Die neuen Steuern

unterliege I

Urteil haben kann. Don der Regierung ist diese Summe auf 42 Milliarden Papiermark beziffert

Derfügun

6ttebü°rrfge8rlT1«teefmieÄRÄ

tung indieser Sache durchaus aufdemrichti- A-» A-x'x

gen WJg e war.

gelegt, die ihn schändlich betrogen hatte, als sie der Holz-Exportgefellschaft bekannt mache!" ^ef ^ig We^^fe, ^^^^ernehmungen

sich für trank ausgab, die überhaupt eine ganz Blomberg ihm noch nc^. Denn ide ^ltwn sch Arbeitskräfte schwebten Rüdiger ideale

andere schien als diejenige, die in Wollenriet dre abredet, datz auch Rüdiger sich, falls ihm die Ml! die RrbeUs rg W»zirmut in und um

trauernde Witwe spielte! Dache ebenso, lukrativ, wie Dlomberg erschien, an Plane vor. Es gab in uno

(Rachdruck verboten.)

28. Fortsetzung.

berechtigt, als Dewertungsgrundlage den ge­meinen Wert oder die Gestehungskosten zu wählen.

trauernde Witwe spielte!

Es war ein harter Schlag gewesen, nicht nur für sein Herz, sondern auch für feine Ehrbegriffe Selbst wenn seine Liebe für Magelone hundertmal tiefer gewesen wäre, hätte er ihr dies heuch­lerische Lügenspiel nie vergeben können. Ruch lehnte sein korrekter Sinn sich gegen den Ort aus, an dem seiner Meinung nach eine vornehm empfin­dende Dame überhaupt nicht hingehörte.

teüunfl1^ 8bl/ Kommunion. 9: Hochamt m. Pr 11: Hl. Messe m. Pr. Rachm. 2: Festandacht m

Wollenriet, seit der Bauernstand immer mehr herab kam und man in den Dachauer Gewerken mit Dorliebe billige Arbeiter von auswärts her-

Die Rothersteins.

Roman von Erich Ebenstein. Copyright 1919 by Greiner & Somp., Berlin W 30.

Das Programm war also angenommen und wurde ausgesührt. Leider oder gottlob? Rü­diger wuhte es heute noch nicht.

Rur das wusste er: das) es bei ihm viel ge­kostet hatte. Einen holden Traum, der jäh zer- frört wurde, seinen Glauben an das Weib und Has Vertrauen, das er bisher in seine Menschen­kenntnis gesetzt hatte.

3rt einem mit grobem Luxus aus gestatteten und bis auf das letzte Plätzchen gefüllten Variete ioar es gewesen, wo ihm die Binde von den Augen und eine auskeimende, kaum sich selbst noch eingestandene Liede aus dem Herzen gerissen wurde.

Sie waren erst lange nach Beginn der Bor- Heilung eingetreten, und eine Kupletsängerin in sehr luftiger Toilette gab eben Lieder zum befrei) die an Zweideutigkeit nichts zu wünschen übrig Lehen.

älnd hier muhte sein vor Entsetzen förmlich starr werdender Blick diejenige erblicken, der seine schwärmerischen und deinen Gefühle gehörten! Ma­gelone in einer hochmodernen, ziemlich exzen­trischen Toilette von blahblauer Gaze, neben der als sehr lebenslustig bekannten Baronin Eeller und Edith Ruhland, umgeben von Offizieren, unter denen sich auch Zdenko Wendloh befand.

Magelone, die hier selbst die äutzeren, durch die Konventenz gebotenen Zeichen der Trauer ab-

Landkreis Gießen.

is. Steinbach. 12. Aug. Unsere seit 190'4 bestehende Was »erleitung mutzte schon einige Jahre nach ihrer Erbauung erweitert werden, Dj sie den Wasserbedarf der Gemeinde tm Sommer nicht deckte. Durch die anhaltende Trockenheit

Weder Anneliese noch Carola würden ein Vergnügen daran gefunden haben, sich in einer Prater-Varieteloge dem Sonntage Publikum zur Schau zu stellen. Don Edith Ruhland wunderte es ihn nicht. Sie hatte immer einen gewissen Stolz darein gesetzt, für .hochmodern" und »vorurteils­los" zu gelten. »Gleiches Recht für Mann und Frau" lautete ihre Devise, über die Frau Ruh­land grotzen Kummer empfand.

Schliehlich war Fräulein Ruhland als Mil­lionenerbin und Bürgerliche ja auch viel unab­hängiger als eine Gräfin Rotherstein .

Rüdigers erster Impuls war gewesen, vor Magelone hinzu treten. Aber er war so verstört und aufgeregt, dah er sich nicht die nötige Be­sonnenheit du traute, einen Eklat unter allen Um­ständen zu vermeiden.

So verabschiedete er sich nur hastig vonBlom­berg, sagte, datz er müde sei und schärfte ihm ein, gegen niemand, wer immer es sei, von seiner Anwesenheit zu sprechen, was Blomberg, einiger­maßen erstaunt, denn auch versprach.

.Aber vergib nicht, mich morgen um neun sifrr abzuholen, Daeit ich dich mit Uta Herren

Aus Stadt und Land.

Gietzen, den 13. Aug. 1921.

* ErsüllungderDetreide-Um- lagePslicht. Erzeugern, die ihre Liefer­pflicht voll erfüllt habssn, wird aufAnt rag von dem Kommunalverband eine Bescheini­gung ausgestellt, dah sie ihrer Verpflichtung nachgekommen und in der Verfügung über den Rest ihres Getreides unbeschränkt sind, mit dem Hinweis, dah eine Derfütterung von Brotgetreide oder Brotgetreidemehl gemäh 8 43 des Gesetzes über die Regelung des Ver­kehrs mit Getreide vom 21. Juni 1921 (RGBl. S. 737) nach wie vor verboten ist.

Er. 188 Zweites Blatt

dessen Geschäften beteiligen solle.

Diese Geschäfte hielten dann Rüdiger noch einige Tage in Wien fest. Aber er suchte Wage- lone nicht mehr auf, die glaubte, datz er, wie an­fänglich bestimmt, schon am Montag nach Grafen­egg zurückgekehrt sei.

Als er dann wirklich zurückkehrte, hatte er den Entschlutz gefaßt, die ganze Sache auch Rla- gelone gegenüber totzuschweigen. Gin offener Bruch mit ihr hätte ja nichts geändert an den Tatsachen, und nur den Unfrieden in der Familie vermehrt, der ihm oft schon peinlich genug zum Dewutztsem gekommen war. x

Er warf sich also ganz auf die Arbeit mb bemühte sich zu vergessen. Sein Plan, einen Teil des zu Grasen egg gehörigen Waldvesttzes zu opfern, das wertvolle Holz an die Export- Gesellschaft zu verkaufen und zur Verwertung des Restes eine Holzstoff-Fabrik zu errichten, gab ihm dazu die beste Gelegenheit.

Er hoffte in dieser Weise mit Hilft des Bargeldes, das ihm die Gesellschaft zahlen wurde, -nicht nur baß Darlehen zu tilgen, baä sem Datei auf den Ebreicher Forst aufgenommen hatte, und diesen zu retten, sondern auch noch Mittel genug, zu behalten, um den Fabrikdetried instand zu setzen.

Alle Derhältnisfe waren diesem Plan günfrig. Es gab Wasserkraft, günstiges Terram und so­gar schon ein vorhandenes Gebäude, eine au>- aelaDene Papiermühle, die sich leicht für den n^en betrieb umgestalten lietz. Allerdings ge- tzücle ste den Ruhlands, .Ader ste desaü nur

Katholische Gemeinde.

Samstag, 13. Aug.. nachm. 5 u. abdS. 8 Uhr. Gelegenh. z. hl. Beichte. - Sonntag. 14. Aug. 13 Sonntag nach Pfingsten. Dorrn. 6»,: Gelegenh z hl. Deichte. 7: Hl. Messe. 8: Austeilung d hl Kommunion. 9: Hochamt m. Pr. 11 Hl. Messe m Pr. Rachm. 2: Andacht. 3: ZunglingS-Kon- gregation. 31/2: Hausangestellten-Berein. _

haben die Quellen wieder lo nachgelassen, datz eine regelrecht Versorgung nicht mehr möglich ist. Da die Heruellung der iScmeinbcbrunnen gröber» Kosten verursachen und auch diese sehe niedrigen WcMerstand haben, befchlotz der G.'meinDe.at, bi» Wasserleitung nochmals zu cctocitcr 1. Unterhalb unseres Ortes, an der ©trabe nach Ribach. liegen starke Quellen in geringer Tic e, wc ch in - Sommer für die ganze Gemeinde das @.ci uxtflcr in Gärten und Felder lieferten und immer gleich tarf laufen. Diese sollen nunmehr der Leitung zugeführt werden. Die Entfernung i'i nicht zu grotz und die Kosten dürften sich lohnen. Die Vorarbeiten sind im Gange. Der Anschluß wird »öffentlich recht bald bewersttelligt, denn es mutz mmer noch mit einem weiteren ©inten des Wasser­standes gerechnet werden. Der Beschlutz des Ge» rneinderates findet in unserer Gemeinde allgemein« Anerkennung.

Starkenburg und Nheinstessen.

rm. Rimbach i. Odenw., 11. Aug. An einem Bahnübergang, der ebenso tote die übrigen ohne Schranken ist, und der schon wie­derholt der Schauplatz von Unglücksfällen war, ist ein Zigeunerfuhrwerk überfah­ren worden, wobei verschiedene Personen schwer verletzt, auch eine getötet wurde. Unter» suchung ist, eingeleitet.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

©ornitag. 14. August. 12. n. Trinitatis.

3n der © tadtkirche. Dorrn. 8 Uhr, zugl. Christenl f. d Reukonftrmterten a. d. Warkus- gemeinde: Pft. Becker. 9>/=: Pfarrassist. Ramge. Montag, 15. Aug., abds. 8: Dereinigung d ton- firmierten weidl. Jugend d. Martusgemeinde. - Donnerstag, 18. Aug., abds. 8: Zusammenkunft d Frauenvereins d. Martusgemeinde. 3n der ZohanneSkirche. Dorrn. 8 Uhr, zugl. Christenlehre f. d. Reukonfirmierten a. d. Zo- hannesgemeinde: Pfr. Ausfeld. 9>/,: Pfarrassist. Müller. Abds. 8: Bibelbesprechung im Zohannes- saal: Pfarrassist. Ramge.

14 Aug. Wieseck. Dorrn. i/210: Kirchweihe­gottesdienst (Kinderchor). - Opfer für die Innere Mission Sonntag, 14. Aug., norm. 10: Kirch­berg. 11: Christenlehre f. d. weidl. Jugend. Dorrn. 10: Kindergottesdienst Lollar. - Vachm. iy8: Saubringen. Rachm. I1/,: Mainzlar.

KreiS Büdingen«

/ Ortenberg, 12. Aug. Einer der be­kanntesten Männer des öffentlichen Leben- in hiesiger Gegend wurde heute unter grober Be­teiligung aus allen Gemeinden des AmtSgerichts- bezirks Ortenberg zu Grabe getragen, Justiz- bureauinspektor Karl Heuhenröder. Der Ortsgeistliche führte am Grabe noch einmal auß, was der Verstorbene seiner Familie, dem Staate, seinen Kollegen und Untergebenen, den verschie­denen Vereinen, der evangelischen Kirche und Kirchengemeinde und ihm selbst gewesen ist. Es sprachen ferner und legten prachtvolle Kränze am Grabe nieder: der Kirchenvorstand, das Amts­gericht Ortenberg, Krieger-, Turnverein und D. H C. der Verein mittlerer Iustizbeamten, Bezirk Riddä und Gietzen, Oberamtsrichter Dr. Fuhr für sämtliche Richter, die dienstlich mit dem Der- storbenen zu tun hatten. Sin Chor des Kirchen- gesangvereins schlotz die Trauerfeier. -Die Stelle wird durch Inspektor Knapp weiter versehen.

+ Ortenberg, 12. Aug. Für eine wür­dige Ehrung der Gefallenen unserer Stadt in unserer Kirche veranstaltete der Kirchenvorfrand durch Kriegskameraden der Gesallenen eine HauS- fammlung, die bis jetzt 6000,50 Mk. einbrachte. Es ist eine schone Gedenktafel vorgesehen, die unter Beratung durch den Hessischen Denk­malpfleger .Professor Walde entworfen und her- gestellt werden soll.

nun, -------, , , .

Volksbildung zu dieser Frage stellt. Em Vater hatte sich nämlich auf Grund des Art. 145 der Reichsverfassung geweigert, Lernmittel für seine Kinder zu beschaffen. Daraufhin erteilte der genannte Minister auf eine Anfrage der zuständi­gen Regierung den Bescheid, datz diese D e r fafsungsbestimmung erst geltendes Rechtwerde.wennein Ausführungs­gesetz dazu ergangen sei. Hierzu gehörten vor allem auch Bestimmungen über die Kosten dafür und deren Verteilung auf Reich, Länder und Gemeinden. Bis dahin verbleibt es bei dem bestehenden Recht, wonach die Beschaffung der notwendigen Lernmittel in erster Linie eine Pflicht der Eltern oder ihrer gesetzlichen Ver­tret e r sei. Rur im Falle des Unvermögens hät-

anzog

Wie schön wäre eS, dieser Rot adzuhelfen, diesen Armen Arbett zu geben, mit ihnen gemein­sam zu beiberfeiligem Vorteil zu arbeiten!

Papa hatte ihm ja freie Hand gegeben. E) tonnte also leinen Plan wohl ausführen. In der Tat hatten die Vorarbeiten zur Ausführung seines Planes ihn bisher so in Atem gehalten- datz er wenig Zeit fand, an anderes zu denken

Aber nun hatten Dos blaue Augen alles wieder aufgerührt in ihm. Er hatte die Grenzen des Parkes längst überschritten und wanderte stundenlang ohne bestimmtes Zier herum, bis er sich zufällig vor jener alten Papiermühle befand die er in eine Holzstoff-Fabrik umwandeln wollte Erst das führte seine Gedanken wieder in die Wirllichkeit zurück. Er betrachtete das noch gut erhaltene Gebäude, das gegenwärtig als Magazin benutzt wurde, mit kritischem Blick und fand, datz die Kosten der Umtoanblung verhältniSmätzig ge­ring sein würden. Gleich morgen wollte er lup mit Ruhland über den Ankauf ins Einvernehmen setzen und dann sofort mit den Arbeiten beginnen lassen Vorher aber mutzte er natürlich mit Papa sprechen. Dies sollte noch denselben Abend ge­schehen. Mit diesem Entschlutz trat er den Heim­weg an

Sein Vorsatz in bezug aus Do war Der» asleL. (Fortsetzung folgte

Gemätz den programmatischen Ausführungen bei Reichskanzlers Dr. Wirth vom 6. Juli d. I. hat die Regierung nunmehr in kurzen Umriffen die Entwürfe zu den neuen Steuergesetzen charak­terisiert. Cs find 15 an der Zahl, von denen die Entwürfe über die Zuckersteuer, die Sutzstofs- steuer und das Branntweinmonopol bereits tm Frühjahr bekannt waren. Die neuen Steuern sol- .....- . - --- . _ - ,.

len der Regierung bekanntlich in der Hauptsache banke eines allgemeinen Rvtopsers m Zukunft bie Mittel sür die Bezahlung der »Repa- aufgegeben werden soll. Die Regierung hat sich rationen schassen. Der augenblicklich cinge- ben Schwächen des bestehenden Reichsnotopfeis fchlagene Kreditweg ist natürlich auf die Dauericht verschlietzen können, die darin bestehen, dan nicht zu beschreiten. Gegenwärtig ist nur der in- Wertminderungen des einmal veranlagten Der- nere Etat gedeckt. Zum größten Teil ohne Del- mögens nur unzulänglich berücksichtigt werden tung ist der ausserordentliche Etat, während der I fönnen, während neugebildete Vermögen über^ ReparationSetal überhaupt noch keine finanzielle I nicht erfassbar waren. Man will daher Grundlage hat Die »Reparationen" erfordern be- ^biglich bas Gesetz über die beschleunigte Er- kanntlich jährlich 3,3 Milliarden Goldmark, von ^ung bes Reicl-snotopftrs vom Dezember V.Z. denen 2 Milliarden feste Leistungen unb 1Thl- Kut Ausführung bringen, im übrigen aber an die Kurden variable Leistungen darstellen. In Papier- Stelle des Restbetrages des Reichsnotopfers eine marf lässt sich diese Summe schwer auSdrücken laufende Vermögenssteuer setzen, die in Zeitab­ba man damit rechnet, datz ein erheblicher Teil jAntttcn von 3 zu 3 Jahren zu veranlagen ist btder Leistungen in Sachwerten aufzubringen ist, unb Steuersätze bis zu 1 Prozent enthält. Hierzu über deren Vergütung man bis jetzt noch kein allerdings ein vorübergehender Zuschlag tre- " n°:-----:f Xi ten und zwar auf die Dauer von 15 Jahren,

dem die physischen Personen mit 300 Prozent und bie nicht physischen mit 150 Prozent unterliegen. Ausgesprochene Absicht des Gesetzgebers ist es, den Druck auf das Betriebs- und Grundvermögen zu steigern, selbst auf die Gefahr hin, datz durch die Vermögenssteuer und den Zuschlag in vielen Fällen ein Eingriff in die Dermögenssubstanz er­forderlich wird. Im letzteren Falle soll aller­dings in schonender Weise vorgegangen werden: indem es der Entschliehung des Steuerpflichtigen überlassen bleibt, in welcher Weise er seine Steuer­last abbürden will. Grundlage der Wertermitt­lung ist der gemeine Wert auf Grund der Reichs-

Heiden zuletzt genannten Steuern eine ganz un­geheure Belastung der deutschen Wirtschaft bar- fr eilen, eine Belastung, wie man sie in normalen Zeiten auf keinen Fall hingenommen haben würde. Es läht sich eben auch kein anderer Grund zur Rechtfertigung gerade dieser Steuern heranziehen, als die grohe finanzielle Rot, in der sich das Reich befxnbet und der man in irgendeiner Weise Herr zu werden wünscht. Die Ergiebigkeit dieser Steu­ern ist auherordentlich grob, der Ertrag der Um­tob,fr euer wird ebenso hoch wie der der Einkom­mensteuer, d. h. mit 12 Milliarden Mark jährlich veranschlagt. Durch die Erhöhung der Kohlen­steuern um 10 Prozent verteuert sich die Tonne Kohle um rund 25 Mk. Dadurch kann der Ertrag der Kohlensteuer, die augenblicklich etwa 6 Mil­liarden jährlich einbringt, auf 9 Milliarden Mk.

. gesteigert werden.

Diejenige Kategorie von Steuern, die ein ganz besonderes Interesse erweckt, ist die Besitz­besteuerung. Man hat nach dieser Richtung

Börse und Erwerbsgesellschaften sind ebenfalls mit neuen Steuern bedacht worden. Das kommende Kapital-VerkehrS st euer- g e s e tz wird zu einer vollkommenen Zerschlagung des bestehenden Reichsstempelgesetzes führen Aus diesem werden die Rennwettsteuer, die Kraft- fahrzeugsteuex und die Dersicherungssteuer her­ausgenommen und zu besonderen Steuergesetzen ausgestaltet, natürlich unter gleichzeitiger erheb­licher Steigerung der bestehenden Sätze. Das Kapital-DerkehrSsteuergesetz hat zum Gegenstand alle Vorgänge, die der Kapitalbildung dienen. Insbesondere ist eine Erhöhung des Gründungs- stempels der Aktiengesellschaften von 5 auf 7°/o vorgesehen. Es ist flar, dah eine verschärfte 'Be­teuerung des Besitzes nicht an den Börsensteuern dd rüber geben kann. Sv ist eine Erhöhung der Börsenumsahst euer von 3 auf 6 pro Mille in Aussicht genommen. Ferner ist die Möglichkeit einer Devisenbesteuerung gegeben, die aber erst Platz greifen soll, wenn es die wirtschafttichen Verhältnisse für angezeigt erscheinen lassen. Die Erwerbsgesellschaften werden durch die Erhöhung der Körperschaftssteuer auf 30 Prozent getroffen. Mit Rücksicht darauf, dah die Körperschaftssteuer eine Doppelsteuer darstellt will der Gesetzgeber eine Milderung dadurch herbeiführen, dah das Dividendeneinkommen nicht so scharf wie bisher herangezogen wird. __

Unentgeltlichkeit der Lern- mittel in den Volks- und Fortbil­dungsschulen. Rach Art. 145 der Reichsver- fassung sollen der älnterricht und die Lern­mittel in den Volks- und Fortbildungsschulen unentgeltlich sein. Dementsprechend hatte die hiesige 11. S. P. in der Stadtverordnetenversamm­lung den Antrag gestellt, die Lernmittel in den ge­nannten Schulen unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Dieser Antrag, der von Der S. P. D. unter­stützt wurde, wurde namenttich auf das 'Betreiben der der Versammlung angehörenden Lehrer ab- gelehnt. Diese waren einstimmig aus pädago­gischen Gründen dagegen, weil die Kinder erfah- rungsgemäh die unentgeltlich geliefert t e n Lernmittel weniger gut behandelten, als die auf eigene Kosten angeschafften. Abgesehen hiervon erhalten die Kinder bedürftiger 5a- milien als solche gelten ohne weiteres alle dir, die ein Einkommen von weniger als 6000 Mk. haben die Lernmittel schon ohnedies unentgelt­lich. Ein Antrag des Stadtv. Simon, der dem­nächst den Finanzausschuh beschästigen wird, geht dahin, diese Summe auf 10 000 Mk. zu erhöhen., Die Mehrheit ging bei ihrer ablehnenden Haltung von dem Standpunkt aus, dah das Reich, falls eS derartige Bestimmungen treffe, auch d i e hierzu erforderlichen Mittel zur fügung stellen möge. Interessant ist tote sich der pr euhische Minister für

Die neuen Steuern werden auf jeden Fall einen geradezu ungeheuerlichen Druck auf die Wirtsckülft ausüben. Dabei soll gerne zugestanden werden, dah die Regierung bei Ausstellung ihres Programms bemüht war, die Lasten nach Mög- lichteit tragbar zu machen und eine gleich- mäßige 'Bcrlcilung auf den Wiitschaftskörper her- beizuführen. Ob die Steuern in der Tat tragbar darüber läht sich heute noch kein Urteil .1, darüber steht der Praxis das letzte Wort zu. Eine andere Frage ist, ob die Regie­rung mit den neuen Steuern ihren gesamten Gelobedars decken kann oder nicht. Rach dieser Richtung liegen allerdings berechtigte Zweifel vor, wenn man sich vergegenwärtigt, dah der durchschnittliche Bedarf der nächsten Jahre sich um 100 Milliarden Mark herum bewegen wird. Man wird daher gut tun, wenn man sich vor Ueberraschungen schützen will, dem letzten Satze der Regierungs­erklärung besondere Beachtung zu schenken, in dem es heiht, dah die Frage, ob und wie weit noch auf anderem Wege als dem der Besteuerung der Besitz zu den Lasten des Reiches heranzuziehen sei, noch der eingehendsten Prüfung des Kabinetts

6efl^a t b o L Gottesdienst, 14 Aug. Lich norm. y«8, nachm. V, 3._ -öu ng en, vorm 1/10 15. Aug. (Mariae Himmelfahrt). Lich vorm. 10, nachm. HS. Hu n g e n, norm. 8 Uhr

hm mit einem vollkommenen Umbau des bisher geltenden Systems zu rechnen. Das Haupt- und Kernstück der Desitzbesteuerung wird danach in Zukunft eine Vermögenssteuer bilden, die durch ein Vermögenszuwachsfreuergeseh und das einen vorübergehenden Eharakle^ tragende Gesetz über Die Abgabe vom Vermögens-mwachs aus der Rachkriegszeit ergänzt wird. Man könnte dies. letztere Gesetz vielleicht als das Rotopfer der I strch, da Rachttiegsgewinne bezeichnen, während der^Ge- | abgeben,

worden.

Bei den neuen Steuern handelt es sich, dar­über kann kein Zweifel sein, um die Ausschöp­fung der letzten Reserven der deutschen Wirt­schaft. Der ungeheure Druck, der infolge der Teuerung auf Den einzelnen wirtschaftenden Per­sonen lastet, wird durch die Steuer um ein Viel­faches verstärkt. Welche Wirkungen ein derartiger Steuerdruck schliehlich auf die Wirtschaft haben wird, läht sich kaum ahnen. Die neuen Steuern verteilen sich auf den Verbrauch, den Aufwand, den Verkehr und den Besitz. Die Regierung ist be- w H_____________

müht gewesen, dem Grundsatz einer »ausgleichen- abgabenordnung. Es wird jedoch eine verschiedene den steuerlichen Gerechtigkeit" Rechnung zu tra- -Dewertungsgrundlage für Sach- und Geldkapi- gen in der Weise, bah die ©efamtbelafrung durch ta(tcn oorgefeben deren Grundsätze vom Finanz- Grefte Steuern im Gleichgewicht steht Wieweit Minister nach Anhörung verschiedener Stellen er- ihr das gelingen wird, läht sich heute noch nicht Ia^en werden und die sich nach Dem jeweiligen überleben. Dazu muh man erst abtoarten, wie sich Mertfrand der Mark richten. In diesen Dorschrif- die einzelnen Steuern, die ja samt und sonders I |en die besondere steuerliche Behandlung der noch einer eingehendenBeratung bedürfen, in sogenannten Sachwerte, Deren Berechtigung Davon die Wirklichkeit umsehen werden. hergeleitet wird, Dah tatsächlich Das Sachver-

Zunächst kommt also ein Ausbau der Ber - mögen nicht wie Das Kapitalvermögen Der Ab­brauchs steuern in Betracht. Man ist in Die- wärtsbewegung Der Mark folgt.

Wie ,ch°n cefag. wird Ä-upM-de- bte gegebenen Steuersätze einfach um ein Viel- Besihsteuer in Doppelter Werfe ergänzt. Einmal faches zu steigern. Diese Steigerungen sinD teil-1 ist eine Vermögenszuwachs st euer ge- toeife ganz auherorDentlicher Ratur. Der Satz Der plant, Die an die Stelle Des ®eID- unD Besih- Zi-ckersteuer wirD etwa um das siebenfache erhöht, steuergeseheS zu treten bat Die GrunDsähe Der das Branntweinmonopol rechnet mit 5mal höheren Bewertung sind dieselben wie bei der Vermögens- Heftolitereinnahmen. Bier und Leuchtmittel toer- ((CUer; freigelassen sind Vermögen, Die nicht mehr den um Das vierfache erhöht währenD man sich ^ls 100 000 Mk. betragen unD ein Zuwachs, Der bei Den Zündwaren und Dem Mineralwasser mit 25 000 Mk. nicht übersteigt. Die Steuersätze be- einer Verdoppelung begnügt. Die Erhöhung der wegen söch zwischen 1 und 10 Prozent. Eine Zolle betrifft in der Hauptsache Waren, die ungleich höhere Belastung ist dem allerdings nur einem LuxusbedürsniS dienen. SS ist beabsichtigt, einmal zu veranlagenden Vermögenszuwachs aus den Zoll für Kaffee um 70 Mk. auf 200 Mk. jub>er Rachkriegszeit zugedacht, der zwischen 5 und steigern. Die neuen tragenden Pfeiler des Sy- 30 Prozent opfern soll. Hier bleiben Vermögen fremd der indirekten Besteuerung werden in Zu- 200 000 Mk., ebenso ein Zuwachs von nicht Linst Die Umsatz fr euer und die Kohlen- mehr als 100 000 Mk. unberücksichtigt. Bei diesem freuet sein. Die Umsatzsteuer soll von IV2 Pro- Gesetz ist eine doppelte Bewertungsgrundlage vor- zent auf 3 Prozent gesteigert, d. h. also verdoppelt gesehen während Kapttalvermögen und umlau­werden, während die Kohlensteuer von 20 auf s^ndes 'Betriebskapital nach dem gemeinen Wert 30 Prozent des Werte« erhöht werden soll unter angeseht werden sollen, ist für Grundvermögen gleichzeitiger Ermächtigung des Reichs!inanzmi- ^d stehendes Betriebskapital der Steuerpflichtige nistetS, vorübergehend eine Ermähigung auf 25 Prozent eintreten zu lassen. Man hofft jedenfalls mtt Hilfe dieser Einschränkung denjenigen Stein­kohlenrevieren in Deutschland, die eine geringere Kohle produzieren, und den Braunkohlenrevieren eine Erleichterung zu gewähren. Heber die Be­handlung der HauSorandkohle ist in der amtlichen LegierungSerllärung noch nichts gesagt, doch ist anzunehmen, dah in diesem Punkte noch eine Sonderbehandlung eintreten wird. Es unterliegt feinem Zweifel, dah gerade die Verschärfung der