Ausgabe 
12.5.1921
 
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tetr Öttreoi dann reiferen gesamten L^hvermrch- tvuchS <ruS den Hochschulen entnehmen. Ich bitte, der Borlage zuzustimmen.

Abg. Tr. Diehl (Hess. Sut.): Aus den Ausführungen des Vorredners sind allerlei Be­denken zu entnehmen. In erster Linie, daß aus der Aufbau ickulle nichts tocrb, als eine neue Ttorm der Lehrerausbildung. Ich habe ein anderes Bedenken. Das liegt in der Tatsache, nne der Schulausschuß der der Beratung der Vorlage behandelt roorocn <ift. (Sehr richtig!) Es nxrr nach meiner Ansicht lpmrläßlich, daß der Schulausschuß nochmal gehört worden wäre. Wir hatten nicht nur finanzielle, sondern eine ganze Reihe anderer Bedenken, über die man binweggeganaen ist. Tas halte ich für einen Fehler. Ich will nun keine Schwierigkeiten Machen, möchte aber doch Vorschlägen, daß der Schulausschuß zu seinen prinzipiellen Bedenken nochmals Gelegenheit erhÄt. sich darüber aus­zusprechen. Ich erwähne nur die Frage des Inter­nes Ich beantrage al s Zurückvenixrisung <ui den Schulausschuß, damit dieser nochmals gehört wer­den kann.

Abg. Lenhart (Zentr.): Ich bin in der «unangenehmen Lage, eine andere Ansicht über triefe Vorlage äußern zu müssen, wie mein Kollege Schorn. Vor dflctrt ftinnne ich dem Herrn D. Ar. Diehl in seinen Bedenken bei. Ich war ge­radezu erschrocken, als ich in derTormstädteck Zta." schon die Aufforderung zu Meldungen las, inro unS war von der ganzen Vorlage noch nichts bekannt. Tem Schulausschuß war keinerlei Ge­legenheit mehr gegeben, sich zu äußern. Ich habe die große Besorgnis, daß wir zu unseren vielen schon vorhandenen höheren Schulen mm gleich Mit zwei neuen beglückt werden sollen. Ich erkläre ausdrücklich, daß ich kein Gegner der Ausbauschule bin, und erkenne an, daß sie Gutes wirken kann. Ich bin aber der Ansicht, daß es ein Unsegen ist, Menn hier m t der bestandenen EwänzungSprüfung Ar jedes Hochschulstudincki! die Berechtigung ge­währt werden ML Besonders, weil diese eine tzeislige Ueberlastung der Schüler befüräNcn läßt. Xrin^u kommt, daß der (ädjnile eine Reihe von Wrrvilegien gewährt werden soll. So die Tatsackie, daß sie nur 6 BesuckSjahre Vorsicht, daß sie den Begabunqsriegel" erhält, und daß sie Schulgeld- freiheü gvvähven soll. Wenn überall hie Schul- Felder um 50100 Prozent erhöht werden, ist ?ein Grund einzufehen, hier völlige Schrilgeld- freiheit eintreten zu lassen. Ein weiteres Privileg äst die Mögliclxkeit höl^ver Stipendien. Alle diese Privilegien sollen zweifellos Zugkraft ausüben. Ich frage, warum wünscht man diese Zugkraft? Daß in erster Linie Kinder vom Lande diese Sdiule besuchen sollen, begrüße ich, aber die Antwort ge­nügt nicht, Für Mich bekommt die Schule erfb dann Berechtigung, wenn gleichzeitig Seminare «abgcbauk werden. Herr Reiber hat aber sclion yefaflt, mit der LehrerbÄduna hat die Schicke eigentlich nichts zu tun. Rach der Verfassung soll die AufbousckMle der Totengräber der Lehrersemi- tnare werden Ms Bürger beuge ich mich dem äußeren Zwang der Verfassung, meine innere Lieberzeugung aber läßt Mch sagen, daß die Serni- tzrare ein so hartes Los keineswegs verdienen.« Nach der Verfassung hat die Regelung dieser Fvvge Einheitlich für da« Reich *u geschelieii. Daraus -ergibt sich, daß die Aufbauschule entweder tnird) ReichSgeseß eingeführt wird, ober daß Mindestens das Reich einheitliche Grundlinien zur Errichtung der Auftemschiulen erläßt. Keines von Leiden ist geschehen. Ich bin also der Meinung, daß uns zur Zeit noch überhaupt das verfassungs- Mäßige Recht zur Errichtung der Aufbauschule fehlt. Die Regierung wird das ja bestreiten und wird sagen, wir errichten nur die Aufbauschule, teijie neuen Lelwerbrldungsanslalten. Aber ich falte bem entgegen, daß gleichzeitig in den kommenden 6 Jahren die Seminare abgebaut werden sollen. Dazu Kommen die pädagvgi>ck>en Kurse. Praktisch wird also die Aufbauschule die Seminare und bä­ten t die Lehrerbildung ersetzen. Wenn ich das alles in Betrad# ziehe, konrnre ich *u dem Schluß, daß wir in Hessen der Reichsverfassung vergreisen. Und habet vergrößern sich meine Bedenken, daß der Schulaus'chuß uid# gehört worden ijL Meine persönlickie Stellungnahme, die ick in dem Ge­sagten zum Misdruck braditc, ist die eines alten Draktikers und eines Mmmes, dem von vielen Seiten schwere Bedenken gegen die Ausbauschule Vugetragen nniTben, eines Mannes, der die Aus- vilvungSmöqlichkeiten der alten Seminare zu schätzen weiß. Ich kann daher wicht für die Vor­lage stimmen.

?lbg. Tingeldeh (D. Vp): Wir haben gegen die Vorlage eilte ganze Reite von fen in formeller und ve-fassuna-S ecktlicker B -uchln'g In formeller Beziehung schließe ich mit» den beiden Vorrednern an. Ich bcbiure, daß das Landesamt für Bildungswesen nicht bte Trnge mit dem SckulmiSsch-utz emgel>end te'pvchen bat. Tie erste Vorlage war übetchiupt keine Negiti-ungs- vorlaae. Ich bin der Auslassung, daß Zeit in b Ge­legenheit genügend gegeben war, bcn Schulanssämtz HU befragen Heute bleibt uns nichts andere« Adrig, als irr Einrichtung, die fa in Hessen wohl r»r Tat werdeti wird, unsere Wünsche u d B^ denken mit aus den Weg zu geben. i'Sicler ist, daß der ReickSversassung vorgegriften ist. Reicks- reckt brickt aber La'desreckt. Ta das Reich ein neues Gesetz noch nicht erlassen hat. bleiben untere hessischen Gesetze in Betracht. Rack dem hessi- scken Gesetz sind ater nack Artikel 29 und 30 hie Seminare die LehrerbÜdunasstät'en. ES bct'e Mso zunächst das BnlkSschulgesetz geändert wer- , den nrilffen Wir haben die schwersten B denken gegen bte Bildung eines neuen Sckulwps ES Vmmt nickt darauf cm, welche« die theoretische Absicht des Landesbildungsamtes ist, fvnbern es uomtnt aut die praktische Wirkung an Drakli ch aber wird eS daraus hinaus kommen. Hitz die Auf- rausckule nichts anderes wird, als an umge- ftaltete« Lehre rseniinat. Daß die Fragen des

2ckrckgeldfre,beit auch schwere rinan- Sc*w®cn' bereits gesagt wordm. WutzioTbenilub schwe e und ernste Bedenfen e-- 7yen sZch aus der Benimmung bet Begabtenans- ^efe md der einjährinen Bewährungsfrist Tiefe WWff SU treten, ist a-^rorbnt t41

ftfÄ®; man die Schulen twicklrmg geschickt lick pktracktet, io galt es beim Humanifvifä *r Ovmnasmm tTK erster Linie der Geistesbtldun i den F-ragen des Dissens. In iweiter gmte bte Fragen des Dcklens. die sit'.lichen Fragen O wesentliche Aenderung brachten die fRealjinmafi Ich bm ter Ansicht, daß für das UntDcritaii- studium es keine bessere Vorbereitung als die des humanistischen Gymnasium- gibt. Untere Er. ziebungS- und Bildung«Prinzipien sind andere wie etwa die engk^lch-M, die nicht so aussckließlch auf das Geistige 'aufgebaut sind. Ich bezweifle, baß bte Aufbcälfkckick« mit dem vorgeschlagenen Schulprogramm genügende Vorbereitung für das llnukr iiiäL? itubium geben kann. Selbst wenn er

auf Grund von Ergänzmigsprüftmgen mitkommen sollte, wird das für die ceur geistigen Berufe nicht am Vorteck sein. Notwendig wird es fein, der sittlichen Seite besondere Aufmerksamkeit »uzu- wenben. Tazu ist der Religionsunterricht unbedingt notroenbig und wertvoll. In dieser Beziehung schließe uh mich Dem Herrn Abg. Lenhart an. Wir halten Den Religionsunterricht für den un­entbehrlichsten Gegenstand des Programms der Auibauschule. Nur Damit kann man das Ziel er­reichen Der gründlichen Ausbildung der einzelnen sittlichen Persönlichkeit. Ich mxkbtc also bitten, die Religionsstunden zu vermehren. Wenn wir grundsätzlich unsere Zustimmung zur Vorlage geben, geschieht es aus dem Grunde, daß wir uns dem Versuch, der in Hessen gemacht werden soll, nrcht emgegenstellen wollen.

Abg. Kaul (So-.): Im Schulausschuß war die Vorlage zur eingehenden Beratung im Herbst gekommen. Zu einer Abstimmung ist es nicht gekommen. Später hat man grundsätzlich der Schaffung von Aufbauschulen zugestimmt. Ter Schulausschuß hat allerdings dann keine Möglich­keit mehr gehabt, in irgendeiner Weise praktisch Stellung mi nehmen. Auch ich möchte wünschen, daß dem Schulausschuß nochmals Gelegenheit ge­geben wird xu einer Aussprad# mit dem Bckdungs- anrt. Zur Vorlage selbst möchte ich sagen, daß es Pflicht deS Landesbildungsamdes war, ange­sichts der finanziellen Lage be3 Landes zu prüfen, wie die Senrinaven für das Land praktiich nutzbar geMackst werden konnten, ohne die als notwendig anerkannten ReformtzKLn« zu vernachlässigen. Da­her kommt die ^'erkliüpsung der Aufbauschule mit den Seminaren. Die Verteidigung der Seminare durch Abg. Lenhart hat den Eindruck erweckt, als ob sie in erster Linie darauf zurüc^uführen ist, daß die neue Schule den Einfluß der Kirche herab- nrinbert. Ich bin der Ansicht, auch item zugegeben werden muß, daß die Seminare gut waren, das nicht bindern kann, das Bessere zu nehmen. Uno das Bessere ßoll die Auf­bauschule geben. T« rein yandiverkSmästige Aus­bildung der Lehrer, die oft das Schich'al unserer Jugend werden, soll einer freieren Geistigkeit wei­chen. Herrn Tingeldey kann ich nicht ohne wer­teres zmtimmen, toerat er das Hurnanistr's-che Gym­nasium als die beste Grundlage der geistigen Bck- dung bezeichnet. Die Bolksschullehrer sind von gleich gvoster Bedeutung für weite Kreise des Volkes, wie die Universitätslehrer für andere. Was die Berfassungsfragen tetrisst, so ändert bte 'Auf­bauschule eigentlich nichts an tem bisherigen Zu­stand. Ter pädagogische Kursus ist nichts anderes als das Seminar. Ob wir gezwungen srstd, nach der Reicksoerfassuna zu warben, bis vom Rerch die ReorgmirsaNon der Lehrerl ilduug durchgesMrt wird, erscheint mir doch se!hr ziveisekhaft. So weit ich die Stimmung tnt Hause beurteilen kann, scheint sie für die Aufbauschule zu «ein. Ich be­grüße das besonders darum, loeil uns die Aufbau- sckule der erste praktische Wert zur Einheitsschule zu sein scheint. Ich bestreite, daiz der iechsi'ährrge Schulbesuch ein ungerechtes Privileg ist. Der bis­herige längere Besuch der Schule war eigentlich eine Mißachtung der Bvlksschulbildung. Ich gebe Mi, daß das Neue noch UnHarbeiten enthält. Ich bitte, der Vorlage zuzustimmen.

Tarauf wird die Sitzung abgebrochen, Um dem Finanzausschuß Gelegenheit zur Beratung der Besoldungsordi'ung zu geben.

Nächste Sitzung Tonnerstag 9H, Uhr.

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Die Ausgestaltung des ForftinstitutS in Gießen.

Im Anschluß an den gestrigen Bericht über die Verhandlungen des Landtags in der Angelegenheit des forstlichen Hochschuluntev- richts tragen wir heute die Rede deS Abg. Kling spar ausführlicher nach, die unser Darmstädter Mitarbeiter auf der Tribüne nur undeutlich gehört und darum nicht so aus­führlich wiedergegeben hatte wie die Reden Dr. Streckers und des Tlbg. Urstadt. Es war bemerkenswert, daß Präsident Dr. Strecker sich dem Bedauern des Herrn Klingspor über die unsachlichen Auswüchse in der Polemik angeschlossen hat. Damit trifft Herr Dr. Strecker die Ausführungen des Herrn Professors Dr. Borgmann in Nummer 35 des Gießener Anzeigers, von denen Herr Borg­mann späterhin feftgeftellt hat, daß sie i m Einvernehmen mit der hessischen Regierung geschrieben worden seien. Es waren darin jene persönlichen Momente ent­halten, die wir nur mit Widerstreben ver­öffentlicht haben und die denn auch leider die folgende Auseinandersetzung so unzweckmäßig verbitterten. "Daß eine rein sachliche Klä­rung in der Oeffentlichkeit notwendig war, das ist wohl heute kaum noch strittig.

Der Abg. Urstadt hat in der Kammer seinen eigentlich doch schon längst erledigten und widerlegten Vorwurf gegen unser Blatt noch einmal aufgewärmt, indem er erklärte, der Gießener Anzeiger habe als einziges Blatt in Gießen doch die Pflicht gehabt, bte Inter­essen der Universität zu vertreten. Mit Nach­druck bemerken wir dazu, daß wir diese Pflicht ia auch erfüllt haben. Gerade als einziges Blatt in Gießen, das die Interessen aller Volksschichten Oberhessens vertreten muß, durften wir uns in der Frage deS Forstinfti- tuts nicht auf eine einseitige Darstellung be­schränken. Stimmungsmache haben wir nicht getrieben; dieser Borwurf hätte unS aber mit Recht treffen können, wenn wir die sachlichen Bedenken, die sick gegen Professor Borgmanns ersten Aufsatz erhoben, einfach unterdrückt hät­ten. Es ist sehr verwunderlich, daß Herr Urstadt bei feinen freiheitlichen und demokratischen "Anschauungen für das Recht und die Pflicht bet Dresse ein so geringes Verständnis ge- kigl hat'.

Wir lassen nunmehr die Ausführungen be-3 Abg. Klingspor hier folgen.

Abg. Klingspor sagte zu Beg.nn der spceckung . Meine Tarn und tze-ren. oie LuS- gefta timn dcS ForstinstitutL in G:e5eu iil in der Preise bervu5 ci Machend erörtert weben <yür und Gegen ist in einer Art und Wei e bo» ba::Delt worden, bie nickt inrmei der Sacke geinenl nat Soweit sachlich Darüber aeimxxber raube, koirntc baÄ nur al4 eine Älärung der Frage für zweckmäßiy aehalden werd n. Ler- oer ist aber em persünlicher Ton dabei etn-

yerösen, der der Sache nicht bient und bas Ganze in Mißkredit zu bringen droht. (Hört, hört! links.) Ich werde auf die'os Gebiet nicht folgen und werde mich nur auf sachliche Bemerkungen befebränten. Meine Damen und Herren. ES bestand der Wunsch, für Baden, Württemberg und Hessen eine Teilung Der Institute vorzunehmen, und zwar für Fvrst- wrrtschast, Landwirtschaft und Beterinärmedrün. Baden und Württemberg sind überein genommen, sie habenTld) insbesondere b^üglich deS forsd- wirtschastlichen JnsütutS auf Freiburg neeinigt. Die hessische Regierung hat sich dem nicht ange- schloffen. Die Gründe werden wir ja von dem Herrn Vertreter der hessischen Regierung hören. Es handelt sich also jetzt darum: Soll He^en isoliert Daneben, soll das bereits beslrhende Jri- Üitut weiter ausgebaut werden, soll eS zu einem zeitgemäßen auSgestolttt werden? Meine Damen und Herren, Sie werden es verstehen, daß ich aus egoistischen Motiven heraus schon verlangen muß, daß die finanzielle Frage einer gan- eingehenden Prü fung unterzogen wird. Aus lokalpatrivtiscken Gründeii bin ich natürlich sehr für den Ausbau des Instituts, ^ber die finanzielle Frage ist doch eine sehr schwer­wiegende, daß wir uichtohneweitereSdar- üb er hinweg gehen können. ES geht nicht an, bcn man das Institut Der Privatim terstützung anheim gibt, ionbecn wir müssen eine feste Basis schassen, wir müsseii wissen, tömten wir von 'eiben deS Landtags aus die Mittel beteiligen, die notwendig irnb, stehen uns diese Mittel zur Verfügung? Es ist unbedingt erforderlich, daß wir uns über diese Frage volle Klarheit schaffen. Ich persönlich glaube, wir werden uns schon dahin verständigen können, zu­mal das Institut schon besteht, daß eilte roefent» liche Erweiterung stattsinden kann und ftattfinden muß. Denn wir Dürfen nickt aus halbem Weg stehen bleiben, wir müssen sehen, daß das An­sehen der Gießener Univerfitäl auch nach dieser Richtung hin aewahrt bleibt, da- der Ausbau zeitgemäß gestaltet wird.

Die Regierungsantwort schiebt einen Teck des Ausbaues auf die Schultern der Stadt Gießen. Meine Damen und Herren, die Stadt Gießen war bereit, für diesen Zweck die sog. städtifche Kaserne zur Verfügung zu stellen. Das Militär hat sie aber bis heute noch nid# geräumt, und es ist fraglich, wann diese Räu­mung vorgenommen werden kann. Inzwischen haben sich die Schulbedürfnisse der Stadt Gießen derartig erweitert, daß für diese Zwecke ein derartiges Gebäude nötig sein wird. Der Oberbürgermeister der Stadt Gießen hält sich verpflichtet, im Interesse der Gießener Steuer­zahler auf diesen Umstand hinzuweisen, daß er in allernächster Zeit für Schulbedurfnisse ein Gv- bäude in ähnlicher Größe braucht, und daß es der Stadt Gießen nicht zugemutet werden kann .daß sie etwa zwei Mil­lionen ausgibt für ein Gebäude .das eigentlich ein Staatsgebäude sein sollte. Solange seitens der Negierung keine Mittel zur Verfügung gestellt werden, um für Schulzwecke einen Ersatz zu schassen, oder für sonstige Bauten, wird Gießen nick# ohne wei­teres bereit sein Dürfen, diese städtisch.' Kaserne dem Forftinstitut zu überlassen. Die Negierung muß sehen, in welcher Wjei.se sie für die finan­zielle Deckung dieser Sache sorgt.

Auf die Ausführungen des Präsidenten Dr. Strecker antwortete Wa. Klingspor: Meine Damen und Herren, ich darf wohl namens Der Stadt Gießen fageir, daß es ihr absolut nicht daran gelegen ist, Der Regierung Schnrierigkeiten bei dem Ausbau des Proiektes zu machen, aber ich glaube, daß der Herr Minister über die Lage in Gießen falsch unterrichtet ist, sonst könnte er nicht gesagt haben, es bestünden da in Der Nähe der Kaserne mir ivenig Wohnungen. In Der Nähe ter Kaserne find Arbeitersiedlungen bi großer Masse geschaffen Worten, und es wird noch stäncrig daran gebaut, wie mir der Herr Abg. BetteiS bestätigen wird, hinter der Kaserne nach dem Siechenhaus zu und jetzt an der Grüml>eigerStraße. Mo die Schule ist iti allernächster Zeit ein drin­gendes Erfordernis. Aber ich glaube, ich habe der Regterung ja den Weg gezeigt, aus Dem sie aus trieier Kalamität herauskommen kömite. Die Skaot Gießen wird versuchen, die Schulfragen folangt, ttrie es irgendwie geht, zurückzustellen, selbstver- ftändlick nicht m3 unendliche Es müßten nur fettens her Regierung der Stadt Gießen Die Mittel zugesichcrt werten, daß sie in der Lage ist, Schub gebaute und andere Bauten zu erachten, denn man kann eS unter den heutigen finanziellen Ver­hältnissen einer Stadt nicht zu mut en. Daß sie Millionenwerte brach liegen läßt in der Zeit ter wirtschaftlichen Kalamität.

Au» Statt und (and.

Gießen, den 12. Mm 1921.

Wettervoraussage

für Freitag:

Dunstig, wolkig, meist trocken, wechselnve Winde.

Von der BiSkava her erstreckt sich ein Aus- läufer des TiefS nack England. Das Hochdruck­gebiet über Mitteleuropa ist zu>armnengeschrumpft und lag gestern mit fernem Kern über Jütland Bei werterem Vorbringen des Tiefs werden wir mit wolkigem, noch meist trockenem 23ktter zu rechnen haben

*" Tas Do-nung-arnt ist, roie es uni mitteilt, teredxngf, entbefnlibe leüe ßolcker Wohn ungen, die im Derckälrnis zur Zahl der Bewohner als über groß zu bezeichnen sind zu beschlagnahmen. Zur Ettrrickteing von siomilienwobnung-en itixxb nickt geeignete Raume werden vom Wohnungsamt nickt in Amvruck ge­nommen, roenn sie an Stubauen vermietet fmb Meldungen Derartiger Zimmer rammt das stu- den tisck« W r önungSamt, Lttdwigstiaße (Zimmer 42), entgegen.

* Polizerbericht. In den letzten Tagen wurden m Gießen gestohlen: Turch Keller- ein brück 10 Flaschen WerßweinGroß-Drn- ternbeimer' und 4 Flafchm Rotwein. Ein L^hrr ad. Ma^, ..Tromant" schrarzern RakM-nbmi and Felgen und rast neuen Mänteln. Aus eurem Institut ein schworHerren» ü.b/r- r e he r rnu schwarzer Serbe' gefüttert. Ter r^Eder dal Sbitelinge unb zwei äuget* Seiten- tafcktn und zwei innere Brusttaicken. Bor An­kauf wird gewarnl

« 7 aitbcamte i des hiesigen

Dack- und Echlreß-InnitutS sans tn efcitt der letzten Nächte einen Herrn vollständig bewußtlos, betruntat, im Regen auf der Straße liegen. Der

Wächter trug ibn in em Hotel, wo sestgestüll wurde daß der Betrunkene über 24 000 Mk. in bar in ter Tasche trug! Für seine Bemühungen erhielt der Wachtmann, wie uns berichtet wird, ein gutes Taschengeld.

, Arbeitsjubiläum Der Dreher Heinrich Laudon aus Wieieck blickt heute auf eine 25iä&rige Xätigfeü bei Der Firma H. Sckaffstaedt, Fabrik gefundhettStechnifcher Anlagen G m. te H. Gießen zurück. Dem Jubilar wurden vom Firmen- inhaber, Mitarbeitern und Personal reiche Ehrun­gen und Gesckenke zuteil.

** Eine Protestverfammlung wegen der von der Regierung ak»elehnten Einstufung Gießens in die Ortsklasse B war am' Tienstag. abend von der Ortsgruppe des Teutschen B e - amtenbundes im Katholischen BereinSbaus teranflal c: irnnhen Ei e:ib<ch af i rent Drtree- sprach ausführlich über die Gründe ter Ablehnung und über bie nun bis zum 1. Oktober zu unter­nehmenden Schritte. Es wurden folgende E n t - sckließungen eingebrackt, auS denen bie Der- Handlungspunkte klar hervorgehen:

An die hessische StaatSregierung^ Tie heute zahlreich versammelte OncRcner Be­amtenschaft gibt ihrer Entrüstung bar über Aus­druck, daß ihrer auch von bet hessischen Regierung anerkannten Forderung auf Einstufung tn eine hötere Ortsklasse bei VerabichieDung Des Not geietzes nicht entsprochen worden ist. Tabei mußte mit Bekremden fesdgestellt werben, baß Preußen eine sehr große Anzahl von Orten in höhere Ortsklassen gebracht hat, troRbem eS sich um eine Reichs lache handell Gegen di« von Preußen nach einer Pressenväz gehegte Hoffnung, Demnächst die preußischen Forderungen restlos erfüllt zu sehen, muß im Interesse einer gleichmäßigen Behand­lung Einspruch erhoben werden. Aus Grund der einwandfreien Unterlagen für die i.t Gießen be­stehenden bedeutenden Teuerungsverhältnisse muß Die Beamtenschaft auf Versetzung in Die Orts­klasse Z bei ter endgültigen BerabschieDung DeS Gesetzes bestehen. Um Die für die Beladung in der Ortsklasse C entscheidenden Gründe zu erfahren, soll eine Abordnung zur hessisch?n Regierung ent­sandt werden. Es wird um Mttteilung ersucht, wann bie Abordnung vorstellig werden kann."

An die Reichsreaierung, die Reichs-- tagsfraktionen und hessischen Reicks^ tagsabgeordneten und an den Hessi - scken Landtag wurde die gleiche Entsck>ließung gerichtet, jedoch ohne die beiden letzten Sätze, an deren Stelle folgender Zusatz tritt:Weim trotz aller trorgebradüen Gründe, wobei auch noch auf die Nähe des besetzten Gebietes, sowie bte vielen Bade- und Kurorte der Umgebung und di« hier­durch hervorgerufenen NaeAeil« und Preissteige­rungen hingewiesen wirb, bie Versetzung nach Orts­klasse B nicht erreicht werden sollte, so muß diese Tatsache nach Ansicht der Gießener Beamtenschaft als dem Gevanken der Pflege der Reich>einhett nicht förderlich bezeichnet werden, so baß für Die Folge bie Gefahr entstehen kömite. Daß die Losung Los von Berlin" auch in unserer Gegend größte Berbrertnng färben könnte." Zum Schluß nlachte Herr Tetrse noch auf bcn BeamtMopyertag am 12. Mai aufmerksam.

Bornotizen.

Tayeskalenber für Donners» tag: Stadttheater, 7 Uhr, Tanzabend Hannelore Ziegler. OSwaldsgcrrten, 7V, Uhr, letzte Bor- freliung der Hagcndecksd-au. Hotel Öuitotn, 6 Uhr, Tegernseer Bauerntheater. Lichtfpiel theater, wie gestern.

Au- tem Stadttheaterbureau: Als erstes Gesamtgastspiel unsere- ©tabu bea* ters findet am nächsten Dienstag die Erstauf- ftibning te- fröhlichen SvielS wunder- ickönen Monat Mai" von Svannuth-Boten- stcdt statt. Der Vorverkauf findet Der Feiertag« wegen statt: Samstag von 101, Pfingstmontag von 1112l/8, Tienstao von 101 und 31/« bis 5 Uhr.

Opernga stf viele des Landes- thcaterS sind in Aussicht genommen für Mon tag, 23. Mai (W. A. Mozart: Eosi fan tut t e) und für Mittwoch, 1. Juni (R. 'Wagner: Siegfried). Sie bilden den Abschluß der gegen­wärtigen S vielzeit.

Die gemeinsame Tagung des Südweste deutfcheii und des 9iorbraeicheutstbei VerkxmdeS für römifd)-germanische Altertums- for, chung findet von Mtttwoch, 18. Mai, bis Freitag, 20. Mai, in Gießen statt. Ein« Anzeige ui heutiger Nummer gibt einen Ueberblick über bie zahlreichen öfftnilid) zugänglichen Verhand­lungen und Vortrag«. Jeder Altertumsfremid. vor allem die Mitglieder des Oberhessischen Geschtckts- Vereins, besonder- aber auch focborden und Schu- skn werden zu Den Veranstaltungen eingdabai, Don Denen reiche Belehrung und vielfache An­regung zu erwarten ist. Näheres über den In­halt der Bor trage wird noch mttgeteill.

, D ie Angestellten bei staat- tMen und kommunalen Behörden wer­ten in einer Anzeige vom Ortsveretn Gießen» «3 ZcMralverdandes der Angestellten »u einer Veriammlung eingeUten, die morgen aoend im Postkellcr statftind l. Es ist eine ÄuSsvrache über

Dr^rden an gestellten und Stellung nähme über den RrvisioliSrorsctüag zum Teillarif- vertrag vom 4. Juni vorigen Jahre- vorgesehen.

Starkenburg und Rheinhessen.

rm. Darmstadt, 12. Mai. Ein irre» gelaufener Marokkaner wurde gestern früh in bet Nähe von Weiterstabt burch die Sicherheilsovlizei festgenommen und der Polizei zugeführt. Man konnte sich anfangs schwer Der- ständigen unb erst später mtt Hilfe eine- Tol- metsckerS ftststellen. daß der afrikanisch« Soldat, der nach seiner Festnahme sehr betrübt war und Da3 schlimmste fürchtete, xur Besatzung in Wo» retben gehört und von bort Durch Die Infassen eine- Auws festgehalten und übet Die Grenze geführt wurde. Bon bort hat er sich angeblich verlaufen. Et wurde später dem französischen Kommandanten in GrieShcim an der Grenz« überliefert.

Hessen-Nassau.

Eisendahnbcumte alS Schieberhelfer.

fpd. FranUurt a. M., 11. Mm. Aus ftinem Bureau heraus wurde am Tienstag von bet Ei senbahn krimural voll ei her Eisenbahn- Cberfetretär Paul Schlarb Der haftet Schl art, gegen den noch ein zweites Verehren schwebt, harte einem Karlsruher Schiebet eine ge­fälschte, mir fingiertet Unterfck 11 u b mit einem Ei e^balmdiei st te^el reqeU e B?f «t rigung aut- gen eilt Hieraur nnuixt dem Scki.be. ei e Cfn- fuhtLenrilltgung für mehrere Eisenbahnwaggons Zigarren aus der Schweiz auSgeferttgt. Tiefe Ern- fuhrbenrintgimg hat bet Schiebet für 35 000 Mark bann nxiteroerfauft. Als Vermittlet und stiller Teilnehmer an dem einträg i '.xn Geschäft war der bei dem Werkstättenwnt besd-ajngte Eifern-