Nr. 257 Zweiter Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Montag, UL Oktober 1921
Die Künftige IucKerversorgung.
Die Oeffentlichkeil har die verschiedenen Dachrichten über die bevorstehende neue Der- brauchSregelung des Zuckers mit großem Interesse verfolgt. Widerspruchsvolle, zum Teil den Tatsachen vorauSeilende Meldungen haben nicht dazu beigetragen, die für den Handel wie für den Derbrauch gleich wichtige Angelegenheit zu klären. ES erscheint deshalb angebracht, kurz zusanrmenzufassen, was nach dem heutigen Stand der Dinge über die künftige Gestaltung der Zuckerwirtschaft gesagt werden kann.
Am 15. September ist die Aufhebung der ZuckerzwangSwirtschaft erfolgt. Sie war von der Reichsregierung beschlossen worden, nachdem die maßgebenden Faktoren, der Dolfs - wirtschasksiche Ausschuß des Reichstages und der Ernährungsausschuß im ReichSwirtschaftS- rat, der Freigabe der Zuckerwirischäft grundsätzlich zugestimmt hatten. Bemerkenswert ist. daß auch die sozialdemokratischen Konsumvereine in der Tagung vom 23. Juni in Ba- den-Baden den freien Handel in Zucker befürwortet haben. Die Freigabe erstreckt sich auf den gesamten Zucker neuer Ernte. Für den Zucker alter Ernte gelten die bisherigen Bestimmungen vorerst weiter, soweit die Kommunalverbände in Frage kommen. Es bleibt diesen also die Möglichkeit, die noch vorhandenen .^uckervorrate auf Karten abzugeben. Ungefähr *n\ die Mitte Oktober wird dann der Zucker neuer Ernte zum ersten Mal aus dem Markt erscheinen. Vorher dürfte der diesjährige Zucker kaum in den Handel kommen, da durch die Trockenheit des Sommers sich die Einbringung der Rübenernte etwas verzögert hat.
lieber das Ergebnis der diesjährigen Zuckerernte läßt sich etwas Abschließendes noch nicht sagen. Allzuhoch gespannte Erwartungen dürfen jedenfalls nicht gehegt werden; man wird vor allem berücksichtigen müssen, daß die lange Trockenheit die zu erwartende Menge ungünstig beeinflußt hat. Die Zuckerernte im vorigen Jahr betrug etwa 20 Millionen Doppelzentner. Schätzungsweise wird sich die neue Ernte auf etwa 22—25 Millionen Doppelzentner Rohzucker belaufen, wobei zu bemerken ist. daß sich der Rohzucker zum Der- brauchszucker wie 10 zu 9 verhält, d. h. zehn Teile Rohzucker ergeben 9 Teile Verbrauchs» zucker. Im ganzen wird wohl mit einer Mitte l e r n t e zu rechnen sein; eine Zuckerknapp- hett ist jedenfalls nicht zu befürchten.
Auch die Befürchtungen, daß der freie Handel die Zuckerpreise plötzlich ganz erheblich in die Höhe schnellen lassen wird, sind wohl kaum begründet. Auf Grund der bisherigen Erfahrungen mit der Freigabe von Lebensmitteln ist allerdings anzunehmen, daß die unmittelbare Folge der Freigabe eine Steigerung der Preise sein wird, ohne daß jedoch die bisher im Schleichhandel gezahl- len Preise auch nur annähernd erreicht würden. Man glaubt an unterrichteter Stelle, daß der künftige Zuckerpreis im freien Handel ungefähr 5 Mk. für das Pfund betragen wird. In jedem Fall wird der voraussichtliche Kleinhandelspreis für Zucker beeinflußt werden durch die in Aussicht stehende Erhöhung der Kohlenpreise und die geplante Zuckersteuer, auch die Lohnerhöhungen.
Die kürzlich in der Öffentlichkeit auf- getauchte Behauptung, daß der inländische Zucker neuer Ernte teurer sein werde als ausländischer Zucker — eine Frage, die schon deshalb indiskutabel ist, weil die Einfuhr ausländischen Zuckers zunächst verboten bleibt —, ist vorderhand zu verneinen. Der Preis für InlandSzucker vorjähriger Ernte beträgt gegenwärtig etwa 630 Mk. für den Doppelzentner ab Fabrik. Der neue Zuckerpreis wird sich auf 700 Mk. stellen. Der Preis für AuS - landSzucker ab Hamburg beläuft sich auf rund 900 Mk. für den Doppelzentner. Hierbei handelt es sich allerdings um fiktive Preise, die nur für Transitverkäufe maßgebend sind, da. wie gesagt, ausländischer Zucker nicht nach Deutschland hineingelassen wird. Bei einem weiteren Sinken der deutschen Valuta wird
Der Schutz im Blut.
Roman von Horst Bodemer.
8. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Die Mamsell August Uhlemann blieb die Alte, Zähe, die ganz genau wußte, wie groß ihr Anteil war, der aus dem Dauer Christoph Wär- hahn einen Großgrundbesitzer und Königlichen Oeloromierat mit gemacht hatte. Rur wortkarger war sie, wenn sie durch die Ställe ging, oder in der Küche das Kommando führte .
Der Lekonomierat kratzte sich zwar mitunter hinterm Ohr und kniff das linke Auge zu. wenn die Rechnungen angeflattert tarnen. So teuer hatte e'r sich den Spaß doch nicht vvrgestellt. In den fünstlndzwanzig Zähren hatte er das Haus mir einmal neu decken und ein paar Fensterscheiben ein setzen lasten. Die Einrichtung war auch recht kümmerlich gewesen. Das hatte sich gerächt. Aber weggeworfenes Geld war es ja nicht! Und herrliches Meißener Porzellan war reichlich angeschafst worden, wunderbare Kristallgläser. Silberzeug. Wäsche, und der Henner hatte ein paar Kisten Wein geschickt, einen Göttertrank, wie ihn nicht einmal der Herr Landrat im Keller hatte, von den Fritzlarer Kneipen gar nicht erst zu reben. Za ja, klappern gehörte zum Handwerk. imD wenn der Aufstieg munter weitergchen sollte, dann mußte man sich nicht abschließen von der Welt und höchstens bann und wann mit den Honorationen am Stammtisch in Fritzlar einen Schoppen heben. Und das Richtige war es wohl auch nicht, wenn erwartete, bis die Schwiegertochter im Hanse war. Wie sah beim das aus? Als ob die erst die Türen eingetreten hätte. Und der Baron Züschen, ein hübscher Kerl und
der AuSlandSzucker erheblich, teurer sein als die inländische Ware; nur bei einem etwaigen Steigen der Mark würde sich Die Preisspannung verringern.
Eine Rede Driands.
Pari», 9. Oft (DTD 1 Ministerpräsident Driand hielt heute nachmittag bei einem zu leinen Ehren veranstalteten Bankett in 6 L R a - zaire eine Rede Sr sagte Siner schönen re- vublrkanischen Tradition zufolge wolle er vor der Wiederaufnahme der parlamentarischen Arbeiten feine Gedanken zum Ausdruck bringen und die Richtlinien mttteuen, nach Denen er die Politik zu orientieren gedenke Sr liebe die Polemik nicht. Die, die das Land vertreten, hätten die Pslichi alles zu tun. damit sie vermieden werde. Eine Kritik jedoch müste er widerlegen, weil der Ministerpräsident Frankreichs seine Autorität nicht vermindern lassen könne. Alle Angelegenheiten, die er im Rainen der Ration erledige, seien Weltangelegenheiten. Man habe gesagt, wenn er, Driand. gewisse Konzessionen verweigern werde, könne Frankreich einen besseren Ruhen aus dem Kriege ziehen. Frankreich habe die größten Opfer gebracht. Es hätte ein Anrecht auf die volle Reparation der erlittenen Schäden. Er habe aber gedacht, daß Frankreich nach dem Siege ein Anrecht auf den Frieden habe und ein Anrecht Darauf, in der Welt einen erst e n Platz einzunehmen. Wäre daS nicht der Fall, Denn wären die Männer, die Frankreich regieren, nicht auf der Höhe ihrer Aufgabe. Sr habe die Regierung übernommen in der Absicht, den Frieden ficherzustellen, damit er Frankreich sein Recht auf den Frieden gewährleisten könne. Das sei vielleicht keine Politik, die die Massen begeistere. Aber sie führe wenigstens nicht zu Eventualitäten, aus denen die Länder oft ruiniert herauSkämen. Während der Friedensverhandlungen habe Frankreich Konzessionen machen müssen. Wenn also die guten Franzosen, die den Frieden unterhandelt hätten, gezwungen gewesen wären, sich damit abzufinden, dann müßten sie die elementare Intelligenz besitzen, um äu begreifen, daß er, der erst zwei Zähre nach Dem Waffenstillstand zur Regierung gelangt sei, ohne ein vollkommenes Instrument in Händen zu haben kein vollkommenes Werk habe schaffen können. Wie seine Vorgänger, habe er, um die Ausführung des Friedensvertrages möglich zu machen im vollen Einverständnis mit Frankreichs Alliierten handeln müssen. Ohne diese Solidarität wäre die Ausführung des Vertrages unmöglich. Aber niemals könne Frankreich alles verlangen, was man ihm schulde, weil es Dinge gäbe, die man nicht bezahlen könne.
Driand lehnte es ab, sich auf^ine Prophezeiung einzulassen. Um den schlechten Willen des deutschen Militarismus zu besiegen, habe seine Regierung die Besetzung von Düsseldorf. Duisburg und Ruhrort beschlossen. Das seien Ereignisse von großer Bedeutung, die der Regierung nicht auf das Aktivkontv gebucht worden seien, während man von ihrem Debet großes Aufheben mache. Wenn man an 1871 erinnere, so vergesse man, daß der letzte Krieg alle finanziellen und wirtschaftlichen Vorstellungen umgestoßen habe. Man vergesse auch, daß die Forderungen Frankreichs durch das Schwanken der Wechselkurse ungeheuer vermehrt worden seien. Wie könne man da behaupten, die Forderungen Frankreichs seien verstümmelt worden, die Regierung habe nicht ihre Schuldigkeit getan ? Die Mobilisierung der Zahresklasse 1919 habe die Regierung nicht leichten Herzens unternommen. Das Ergebnis habe gezeigt, daß sie gerechtfertigt gewesen sei. denn am Zahres- tage des Friedensschlusses von Frankfurt habe Der Deutsche Reichstag die Aiederlage Deutschlands anerkannt. Hätte man die Zahresklasse 1919 noch länger draußen gelassen, dann hätte man den Kriegszustand unnötig verlängert. Seitdem habe Deutschlandgewissenhafterais in der Vergangenheit seine Verpflichtungen erfüllt, und es habe entwaffnet. Frankreich halte an. seinen Allianzen fest. Die Regierung aber vergesse nicht, daß das fran- zosifche Blut auf dem Boden Frankreichs für die Freiheit nicht allein geflossen sei. Frankreich werde, ohne etwas von seinem Recht auf Sicher- beit aufzugeben, nicht vergessen, was es den Alliierten schulde. Zetzt sei Frankreich nach U e&er- s e e ein geladen. Man werde dahin gehen, um eine Dankespflicht ab^utragen und um eine Pflicht gegenüber Frankreich zu erfüllen. Frankreich müsse gerüstet bleiben, solange seine Sicherheit nicht sichergestellt sei. Frankreich habe eia Anrecht auf Reparationen und auf seine Sicherheit. In dieser Richtung werde die
tüchtiger Landwirt, junger Rittmeister a D. aber ein bißchen Windhund, was das weibliche Geschlecht betraf, er sah neuerdings auch im Kreistage, hatte neulich mit Den Migen gezwinkert. Den schön geschwungenen blonden Schnurrbart zur Seite gestrichen und gesagt: »Herr Oekonomie- rat, großartig soll es ja bei Ihnen werden — und wissen Sie. als ich zu Weihnachten Ihre künftige Schwiegertochter in Fritzlar aus der Straße sah. Donner und Doria, es gehört sich eigentlich nicht, aber stehen geblieben bin ich Dod) und habe dieses Gebild aus Himmelshöhen gebührend bewundert! Also, daß sich die Wär- hahns so einpökeln wie bisher, das wäre einfach eine Versündigung an Der Menschheit, sonderlich am Kreise Fritzlar! . . . Maria sollte sich nicht nur in ein weiches, warmes Bett legen, sie sollte auch gleich Den gesellschaftlichen Verkehr vorsin- den, den sie sich wünschen würde — und Der zum Ausstieg Der Familie Wärhahn gehörte! Es war ja nun alles vorhanden, also warum nicht Den Herren vom Kreistag, mit denen er sich besonders gut stand, ei'. Herrenessen gegeben*f Die waren ja alle mehr wie einmal bei ihm gewesen, um sich Rat zu holen, und er bei ihnen, um sich an Ort und Stelle zu überzeugen, wie Die Dinge eigentlich standen . Bei Der nächsten Kreistagssitzung. Anfang März, lud er die Herren ein, alle sagten zu, auch Der Herr Landrat. Die Ernennung zum Celoiromierat sollte gebührend gefeiert weichen, sagte er zur «Mamsell. Die machte große Augen, erwiderte aber nichts. Die erste Delikateßhandlung Kassels bekam einen großen Auftrag, zwei Lohndiener wurden angenommen, es klappte alles au-gezeichnet und die ganz vortrefflichen Weine wurden m.t Andacht geschlürft. Man war sich einig, ganz wunderschön war es beim alten Wärhahn. Uni> das Musik-
Regierung feinen Augenblick schwanken. Die Regierung habe Vertrauen zu Der gegenwärtigen deuischenRegierung In Der Kammer werde er 'ich nuszusprechen haben Wenn ein genialer Geist Das Geheimnis besitze, alles besser zu machen, als er, so werde er ihm sosort den Platz räumen. Er klebe nicht an seinem Posten Aber bis zu diesem Beweis und solange er noch nicht die Barke im sicheren Hafen habe, wolle er die Hand am Steuer behalten
Driand sprach Dann von Den Reformen, die durchgeführt werden mühten, von Den Ersparnissen. Die man zu realisieren versuchen werde Ader cm Staat könne nicht immer so handeln wie eine Privatperson. Man müsse Arbeit schassen, um di« Zukunft sicherzu st el- len. Frankreich Tonne nicht zur Paralyse febretten. Das Land verlange eine umfangreich: Tätigkeit Es sei ein schönes und schickes Land. Das sei vielleicht ein etwas vulgärer Ausdruck, aber er gebe seine Gedanken richtig wieder. Wenn man den Sammer höre, wolle man sich die Obren verstopfen Der Krieg, der soviel Unheil und Trauer geschaffen habe, habe indessen den Gedanken für Einheit und Solidarität unter den Franzosen gefördert. Der Krieg habe manche Egoismen mit- einander verbunden und Solidaritäten gekbaften. Davon muffe etwas zurückbleiben. Die Republikaner, die regierten, könnten keine offene Partei- Politik treiben. Sie müßten für alle Franzosen regieren. Diese Politik der Etnbeit und der gewissen Stetigkeit wolle die Regierung praktizieren. Das republikanische Regime, das Frankreich seine Ehre und seine Allianzen geschaffen habe, habe das Recht, zu sagen: Ich bleibeI Die unerfahrenen jungen Abgeordneten hätten zu irgendwelchen aufrührerischen AVichten benutzt werden sollen. Aber sie hätten sich bald wieder gefunden und sie hätten jetzt alle den Wlllen, eine republikanische Politik zu treiben. Die Regierung werde mit Unterstützung der Kammcrn das Regime zwischen Den beiden Extremen ins Gleiä)gewicht bringen. Frankreich werde das Frankreich des Frieden- und Der sozialen Gerechtigkeit bleiben. (Lebhafter Beifall.)
PariS, 9. Okt. (WD.) Wie bei „TempS" mitteilt, spielte sich nach Der Beendigung der Rede Briands in St. Razaire ein Zwischenfall ab. Ein Camelot du Roi wollte eine Rede halten, wurde aber daran verhindert und verhaftet. Man hatte alle Mühe, die Menge zu- rückzuhalten, die tätlich gegen den Manifestanten vorzugehen drohte.
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Aus Stabt und Land.
Gießen, den 10. Olt. 1921.
M Zum besseren Schutz deS Bahn- betrieb- gegen verbrecherische Anschläge hat der Reichsverkehrsminister die Eisenbahn- Direktionen und Generaldirektionen ermächtigt, für die Ermittlung und Anzeige der Täter selbständige Belohnungen aus,^setzen. Sie sollen nicht unter 3000 Mk., in schlveren Fällen mindestens 5000 Mk., bei Unfällen 10 000 Mk. betragen. Darüber hinaus ist die Genehmigung des Ministers telegraphisch etn- zuhvlen. Die unmittelbare Untersuchung und die schleunigste Verfolgung soll mit allen verfügbaren Mitteln gefördert und alle Mah- nahmen, Belohnung, Verwendung von Spürhunden und Kriminalbeamten telegraphisch gemeldet werden.
** Falsche deutsche Reichsbanknoten vom 6. Juni 1920 werden augenblicklich in Frankfurt in großer Zahl verausgabt. Die Falfchfcheine unterscheiden sich in der Hauptsache von den echten Scheinen durch das ausfällige Hervortteten des Wasserzeichens und der Vortäuschung der kupferbraunen Fa- serstreifen auf der Rückseite dös Scheins durch schwache Strichaufdrucke. Bisher ist es noch nicht gelungen, die Falscheinfabrik ausfindig zu machen.
Kreis Birdinqen.
x H a i n ch e n. 8. Ott. Bei Der Versteigerung Der MaffegrunDstücke tourDen für etwa 180 Morgen runD 2 200 000 Mk. geboten, also Durchschnittlich runD 12 000 Mk. für Den Morgen. Die Ausgaben Der Feld Bereinigung betragen etwa 600 000 Mk., Doch sink) mehrere größere Arbeiten, wie z. V. Die WaldroDungen, Drainierungen und Wegebauten, noch nicht fertig. Ein größeres Kapital fvll Der Gemeinde zur Unterhaltung Der bei Der Feldbereinigung geschaffenen Anlagen überwiesen werben. Hoffentlich kommt bald Der ersehnte Regen. Damit Die schönen neuen GrunDstücke bald ausgestellt werben können.
zimmer nannte der Baron Züschen einfach hinreißend gemüttichl Ec schlug den kostbaiea Flügel auf, spielte fröhliche Lieder, trank dabei unentwegt und fiel beim Abschied auf der Diele dem alten Wärhahn gerührt um den Hals
„Allo, das war hvsfentlich nicht das letzte Mal! Lind gute Musik hör ich für mein Leben gern! Ich hoff auf gute Freundschaft — auch mit dem jungen Paare!"
Die Mamsell hörte es durch "Die angelegte Kücheittür. lieber Den Baron Züschen tourDe auf Den Hintertreppen viel gereDet Das konnte ja gut werDen! 11 nD wenn Dies Haus erst in Den Klatsch mit hereinkarn — obn« greifbaren Hintergrund pflegen auch Die tollsten Gerüchte selten zu fern — Dann formte es eine schöne Bescherung geben. Dann war sie aber auch noch "Da unD sorgte Dafür, daß Die Wärhahns sich beizeiten bedankten für den „Schuh im Blut" I . .
Zoteph Sitten war von feiner Reife nach Hellen hvchbefriedigt zurückgekehrt. In Ieiner Stammkneipe nahm er Den MunD tüchtig voll, vergrößerte den Besitz bedeutend und machte aus dem alten Herrenhaus ein ©djlofk Ließ nebenbei einfließen, daß Die Wärhahns unter Dem lefiten Kurfürsten beinahe geadelt worden wären, und zwar im Zahre 1866, Der Krieg und der Heber gang des Landes in preußischer. Besitz habe das leider verhindert. Run. was nicht sei. könne ja noch kommen . . Die Freunde lächelten, hoben Die Römer, sagten: »Wohl bekomm cs!" hatten im übrigen auch Den jungen Wärhahn kennen gelernt — und dachten sich ihr Teil. Der gute Zupp Sitten mußte aufschneiden, das war nun einmal nicht anders. UnD schadete ja weiter ; nichts, denn er brachte Leben an Den Stamm- ! tifch . . Daß er ziemlich geritten war. wußten. I sie auch. Er bearbeitete feinen Schwieger! ohn nach |
Starkenburg und Nheirrhcssen.
Ende des Darmstädter Buchdrücke rstreiks.
rm. Darmstadt, 9. Okt. Ser Buch- druckerftreik in Darmstadt hat mir Dem gestrigen Tage fein Ende erreicht. Die Gehilfenschaft hat in einer Versammlung am Samstag vormittag einstimmig beschlossen, die Arbeit zu den BedingungendesSchiedS- g e r i ch 1 S wieder aufzunehmen. Sie ist damit in die Tarifgemeinschafi wieder ausgenommen. Die Zeitungen werden nach achttägiger Unterbrechung wieder erscheinen. Die „Darmstädter Zeitung" ist schon am SamStag wieder erschienen, nachdem von der Regierung an den Verleger unter Berufung auf den bestehenden Vertrag die Herausgabe gefordert worden war. Mit dem Druck einer „RotauS- gäbe“ nur mit amtlichen Veröffentlichungen erklärte sich die Regierung nich: einverstanden, doch vermochte es der Verleger, unter persönlicher Mitarbeit und Heranziehung anderer technischer eigener Kräfte (da er doch kein Streikpersonal beschäfiigen durfte), daS Blatt in dem üblichen Umfang herauszubringen. Die „zeilungslose kmgirciligc Zeit", in her fehr viele den Wert ihres Blattes infolge des fehlenden Stoffes an Politik, Unterhaltung, Tagesneuigkeiten, wie auch der Znserate schätzen lernten, ist nun vorbei.
Hessen-Nassau.
Einspruch gegen die Ausschreibung einer Dü:genneisierstclle.
spd. Griesheim a. M., 9. Oft. Der hiesige Gemeindevorstand hat vor kurzem die Bürgermeistcrstclle mit dem Bemerken auS> geschrieben, daß sie nur mit einem f o- zialistischen Bewerber besetzt werde. Hiergegen ist von verschiedenen Seiten Einspruch erhoben worden, da das Ausschreiben im Widerspruch mit § 128 der Reichsverfassung steht, nach dem alle Staatsbürger ohne Unterschied nach Maßgabe der Gesetze und entsprechend ihren Leistungen zu den öffentlichen Aemtern zuzulassen sind. Man rechnet mit Bestimmtheit auf Erfolg.
«
spd. Usingen, 9. Oft. Zn Der Sakristei der Stadtkirche wurde durch Lehrer G. Steinmetz das städtische GerichtSbuch auf' gefunden, das mtt dem Zahre 1424 einseht und mit geringen Unterbrechungen bis 1513 führt. Das Buch bietet eine Fülle von Material über das mittelalterliche Gerichtswesen und alte Usinger Familien.
sj Marburg, 9.0kl. Der am 1. Januar 1920 nach neunjährigem Wirken von seinem Amt zurückgetretene UniversttätSkuratvr Geh. Oberregierungsrat Walther Hassen- fing ist in Koblenz, wohin er eine Reise unternommen hatte, im Alter von 66 Zahre» gestorben.
n Marburg, 9. Oft. Der 19 Zahre alte Sohn der Familie E. Döring machte sich an einem Tesch ing zu schaffen, wobei sich die Waffe entlud und den jungen Mann tötete.
Die Karloffelversorgung.
la. Lauterbach, 10. Oft In der letzten Ote« ineinderatssihung wurde die Abmachung mit einem hiesigen Händler, Der Den KartoffelbeDarf gegen eine Provision beschaffen will, gutgeheißen. Die Entgegennahme von Bestellungen mit Anzahlung von 30 Mark je Zentner unD Die Verkeilung an Die Besteller sott Durch die Stabt erfolgen.
fpD. Aus Oberhefsen, 9. Okt. Wenn vernünftige Landwirte Die veröffentlichten Richt- p r e i ! e von etwa 40 —45 Mk. für Den Zentner Kartoffeln als angemeffen bezeichnet unD anerkannt haben, so treibt trotjDem Der Wucher un- gebinDert fern Unwesen In erster Linie aber trägt an Diesen Verhältnissen eine unglaubliche Preistreiberei Schuld, die von den i n D u - skriellen Werken der naben Großstädte betrieben wird. Diese lassen di« Dörfer mit Auto- befahren und alle nur irgendwie erreichbaren Kartoffelmengen zu jedem Preise auflaufen. Keine Verwaltungsbehörde ist gegen diesen Unfug bisher eingeschritten.
[] Marburg, 9.Oft. Der Vorstand des Hess. Bauernvereins erläßt einen dringenden Aufruf, die Stadt besser mtt Milch
allen Regeln der Kunst. Bald hatte er eine ganz wundervolle Tapete entdeckt, und daß die Einrichtung „schwer Eiche" fein mußte, war selbstverständlich. Stoßweite ließ er sich die Kataloge kommen, sah sie in Henners Abwesenheit mit Maria durch. Und wenn Die manches doch für zu kostspielig fand, lachte er sie aus.
»Hat Der alte Wärhahn dir übrrhaupt schm, etwas abjeschlagen? Und der Henner kanns schon jar nicht! Sei doch nicht Dummi Zeh ihm ein bißchen um den Barl, die Leute haben es dazu!"
Ihrem Henner „um den Dari zu gehen" verstand Maria allerdings großartig. Sie ließ ihn oft nach einem Kusse zappeln, biS die Derven auf feiner Stirn tanzten, dann warf fie sich ihm an Die Brust, hielt ihm Die roten Lippen lachend hin und verdrehte ihm den Kops vvlllommen. Ost war das Endergebnis ein Brief Henners an feinen Vater, in dem Kataloge und Muster- Proben lagen. ,
Der alte Musikus legte dann die Rase in Falten, steckte die Hände in die Hosentaschen, zog die Schultern hoch und tat, als wenn et bremsen wollte.
„Kinder, nicht zu toll! Wenn erst meine jroße Oper rauskvmmt. Dann kauf ich dir da«, Maria! Henner, Die wird ein Schsager, ich hoff' auf die Million in einem einzigen Zahre! Aber der letzte Schliff fehlt noch einigen Stellen. So watt kann selbst Zupp Sitten nicht au- den Aer- meln schütteln! Za—a, und wenn man erst drin ist in Dem Betrieb! . . . Du hör mal zu" . Er spielte aus der „jrvßen Oper", Tang mtt halblauter Stimme dazu, schüttelte feine lange Mähne. „Zroßartig! Ach, bat verstehst du nicht» Ein janz jroßes Orchester jehört dazu!"
(Forffetzung folflt)


