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Die Rothersteins.

Roman von Erich Eben st ein. Copyright 1919 by Greiner L Somp., Berlin W 30. 51. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

VS gingen wilde Reden um, und die Leute seien alle auf feiten Hchetbingers. Man Wille nicht, was geschehen könne, wenn

..Gar nichts wird geschehen! ' unterbrach ihn Riidiger schroff und betrat ruhig die Fabrik. Es geschah auch nichts. Mochte nun fein furchtlofes Auftreten und die Entschlossenheit, die sich in seinem gebieterischen Blick spiegelte, die Leute tatsächlich eingeschüchtert haben, oder hielten sie nur den Qluflenbüa noch nicht für gekommen, zu offener Feinoseligkeit überzugehen genug, sie rührten sich nicht, als Rüdiger durch ihre Reihen schritt, um sein Bureau zu erreichen. Aber sie grüßten ihn auch nicht.

Pas eisige Schweigen und der versteckte Haß in ihrem Blick zeigten ihm doch, das) der Dogen nicht straffer gespannt werden durfte.

Es beschloß im stillen, Drömels Rat zu fol­gen und sich in den nächsten Lagen in der Sabrit nicht zu zeigen. 'Sah er deshalb kein Feigling war. hatte er ja bewiesen.

3m Grunde war ihm die Sache mit der Verhaftung von Vcheibingers Weib selbst äußerst peinlich. Er hätte viel darum gegeben, wenn der Förster ihr gestern nicht begegnet wäre. 3nuncr» htn der Mann hatte nur seine Pflicht getan, rind man mutzte den Dingen ihren Laos lasfen.

Vielleicht liest sich im stillen dann durch Unter* «jui&unfi irgend etwas für die Scheibingers tun.

Lloyd George, Brrand vud die Washingtoner Konferenz.

London, 9. Sept. (WTB.) -Daily RewS" meldet, es werde wegen der irischen Trage George fast unmöglich sein, an der Washmgwner Konferenz tellzunebmen. Man nehme daher allgemein an, daß die briti­sche Delegation mindestens zu Beginn der Konferenz den Premierminister nicht einschlie- s;en werde. Es sei jedoch durchaus möglich, dast Lloyd George später, wenn die irische Frage fortgeschritten sei, nach Washington kommen könne.

London, 9.Sept. (WTB.) Reuter zu­folge hat der Bericht, daß Verhandlun­gen vor der Washingtoner Konfe­renz in London stattfinden sollen, in japanischen Kreisen große Ueberraschung her­vorgerufen. Japan hat bisher nichts darüber erfahren und erwartet mit Spannung aus Washington einen Hinweis auf die Ansicht der amerikanischen Regierung über das Pro­gramm und über die zur Verhandlung stehen­den Fragen.

Paris. 9.Sept- (WTB.» Wie amtlich mitgeteilt wird, ist die Rachricht, daß Mi­nisterpräsident Briand nicht an der Ab- rüstungSkonserenz in Washington teilnehmen werde, unrichtig. ES entspricht dies in keiner Weise den Adsichten, die der Ministerpräsident geäußert hat.

Eine katholische Internationale.

Rom, 9.Sept. (WTB.) Der politische Sekretär der Vollspartei, Don Starto, und drei Abgeordnete der Vollepartei begeben sich nach Deutschland. Den Blättern zufolge werden sie mit führenden Persönlichkeiten des deutschen Zentrums über ein inter­nationales Abkommen unter den Katholiken Europas verhandeln. Don Starto und seine Freunde werden sich auf der Rückreise zu dem gleichen Zweck in der Lschechv-Slowakei und Angarn aufhalten.

Die Antwort der Sowjet- Regierung an den Obersten Rat.

London, 9. Sept. (Wolff.)Daily Herald" zufolge ist die Antwort der Sowjet- re g i e r u n g auf die vom Vorsitzenden der inter­alliierten Konferenz für die Hungersnot in Ruß­land. Rou lcnS. nach Moskau gesandte Rote bei der russischen Handelsdelegation in London eingefroren:

Tschitscherin erklärt in seiner Antwort, die Rote Aoulens mache, statt dem hungernden russischen Volle eine wirkliche Unterstützung zu bieten, Vorschläge, welche Zweifel an dem Wunsch Der Alliierten, Hilfe zu leisten, aufkonunen ließen. Die Ernennung RoulenS, eine- bitteren, ver­räterischen FeindeS der Revolution seit ihrem Beginn, der, wie nur irgendeiner, verantwortlich sei für den Bürgerkrieg, die Fremdeninvasion und die Blockade Rußlands, bedeute doch an sich schon ein Programm. Statt den Hungernden zu helfen, zöge der interalliierte Ausschuß es vor, die gesamte innere Lage Rußlands zu unter­suchen. Während tausende des Volkes infolge des LebenSmtttelmangelS stürben, schlage Aoulens der. Kommission vor, statt Lebensmittel für die Hungernden Statistiken über Rußland zu sammeln. Tschitscherin vergleicht die Bemühun­gen der Amerikaner, Dr. Ransens, der Deutschen und anderer mit der zynischen und äugen- s«peinlichen Verschleppung durch den Obersten Rat und nennt die Vorschläge des RsulLNs-Komitees einen ungeheuerlichen HVhn auf Kosten von Menschen, die Hun­ger» st erben.

Die Untersuchung der Unruhen in Mitteldeutschland.

Berlin, 9. Sept. (Wolfs.) Der Unter- fuchungsausschutz des Preußischen Landtages fetzte die Vernehmung der Generalzeugen fort. Ober- Präsident Breyer bekundete, dast die Entwaft- nunfl in den bürgerlichen Kreifen fast restlos durch­geführt worden sei, nur auf dem Lande |ei sie nicht ganz möglich gewesen. Den Aufständijchen Iden zahlreiche Waffen der Einwohnerwehren in die Hände gefallen. 2Iuf Defragen des Vor­sitzenden Kuttner bekundete der Zeuge, im xMibrc 1920 sei eher eine disziplinierte Rote Armee in Erscheinung getreten als im Zähre 1921. Er glaube nicht, dast eine Rote Armee sich der Auf­merksamkeit der Behörden entziehen könnte. Ueber die Gefahr eines Aechtsputjchcs befragt, be­

kundete der Zeuge, davon sei ihm nichts beton nt geworden. Organisationen feien nur mit Bil­ligung der Behörden als Selbstschutz bekannt ge­worden Organisationen mit politischen Zwecken hätten nicht beftanben. Abgeordneter von Dry­ander stellte fest, dast fti) unter den zur Be­stätigung vorgeschlagenen Arntsvor st ehern solche befunden hätten, die wegen Gelbdieb- stahls und gemeiner Verbrechen vor­bestraft leien. Weller seien unter diesen Per­sonen Schiffer gewesen, die dauernd aus dem Heimatsott abwesend waren, notorische21110 = h 0 listen und politische Agitatoren, di? für die Weltrevolution eingetreten seien. Der Zeuge be­stätigte die Richtigkeit dieser Angaben, ebenso die Mitteilung des Landrates in Sangerhausen, dast ein AmtSvorsteher vvrgeschlagen wurde, der in Riederlausitz an der Plünderung teilnahm. 3m Gegensatz zu diesem vom Oberpräsidenten stammenden Berichte teilte Hörsing als Be­richterstatter mit, daß nur einwandfreie Kandi­daten vorgeschlagen wurden.

Ausschreitungen in Dundee.

Bonbon, 9. Sept. (WTB.) Gestern kam es in Dundee (Schottland) zu neuen Aus­schreitungen. Fast alle Ladrnfrnster auf eine Entfernung von 1 \ Mellen wurden zertrüm­mert. Die Polizei ging mehrfach mll Knüp­peln vor. Schließlich mußte dis gesamte Po­lizeimacht aufgeboten werden.

Aus dem Reiche.

Zu den KnegsbeschuldigtenprozesseL.

Berlin, 9. Sept. (WTB.) 3n der Presse tauchen immer wieder Nachrichten auf, daß die Reichsregierung in den sog. Kriegs- beschuldigtenpro'z essen den Ober­reichsanwalt anwies, möglichst schwere (Strafen zu beantragen und die Angeklagten zu opfern, um der Entente den guten Wlllen der deut­schen Regierung zu beweisen. Es wird auch behauptet, daß das Auswärttge Amt kurz vor dem 'Beginn der Verhandlungen in Leipzig den Oberreichsanwalt veranlaßte, von der in Aussicht genommenen Darlegung über die völkerrechtliche Zulässigkeit des U-BvotkriegS Abstand zu nehmen. An diesen Rachrichten ist kein wahres Wort. Bezüglich des letzten Punktes ergibt sich dies schon daraus, daß der Oberreichsanwalt in dem Plaidoyer im Prozesse gegen den Kapitänleutnant Reu­mann wegen der Versenkung des Lazarett­schiffesLlandovery Castle" eingehend die Frage nach der Rechtmäßigkeit des Befehls, Lazarettschiffe zu torpedieren, erörterte.

Aus Stadt und Land.

G test en, den 10. Sept. 1921.

September.

Nun kommen jene stillen, klaren Tage: kleine, weiße Wolken am Himmel in ttaumvoller Ruh . .

tiefgrüne, weite Wiesen und Hügelhöhen in der Ferne mit braunrotbraunem Schimmer in den

Bäumen. . die Gärten aber alle noch im Sommerfestschmuck roter Rosen und bunter Astern und Malven und großer, golbner, bienumflogener Sonnenblumen . .

Die Schwalben nur, bie noch vor ein paar Tagen so laut unb froh die Luft burchzwitschert, flnb fort, unb da und dort steht halb verdorrt ein Strauch am Weg . <

Wir aber wollen,

wenn es kalt nun wird und rauh,

was uns der Sommer gab an Schönem, wir wollen still es mit nach Hause nehmen, unb uns dran freuen unb es hüten, bamit es burch bie Wintertage uns einem neuen Mai entgegentrage!

(Eäsar Flaischlen.)

*

LiZeitcrvoraussagc

für Sonntag:

Wolkig unb bebedt, zeitweise Rieberschläge, etwas kühler, Winde aus westlichen Richtungen.

Rördllch Englands hat sich ein ausgeprägtes Tiefdruckgebiet entwickelt, das, ostwärts ziehend, Einfluß auf unsere Wetterlage gewinnt. Die Be­wölkung wird zunehmen und bei westlichen Winden sind Riederschläge zu erwarten.

All biete Gedanken zogen quälend durch Rü­digers Kopf, als er heimwärts schritt. Am quä­lendsten der, daß er so unbeliebt bei feinen Leuten war, obwohl er eS ehrlich unb gut mit ihnen meinte und sich keiner Ungerechtigkeit bewußt war.

Was hatte er ihnen denn getan'« Daß in Scheibingcr ein Lump steckte, desien Entlassung auch durch bie folgenden Ereignis!e nur zu ge- rechtferttgt erschien, mußten sie ja nun doch selbst einfehen. Wie hätte er |onft so rasch und tief sinken können?

Aber freilich

Guten Abend, Rüdiger," jagte in die)em Augenblick Wagelones Stimme dicht vor ihm.

Sie stand im Parktor und reichte ihm bie Hand zum Gruß.

$u, wie finster du auSsiehst! Ober ist bir nicht wohl?" setzte sie besorgt hinzu.Du siehst fo bleich aus."

3brc freundliche Teilnahme tat ihm wohl in diesem Augenblick. Wärmer als sonst er­widerte er ihren Gruß. Dann erzählte er von den Vorgängen in der Fabrik und deren Urfache. Es war das erste Mal. bah er mit Magelone Uber derlei Dinge sprach, unb sie triumphierte innerlich darüber.

Endlich hatte sie ihn so weit! Aufmerksam Corte sie zu ilrib sprach bann genau io, wie Tic vermutete, daß er es zu hören wünschte: Ratur- lich dürfe man nicht nachgeben! Die Leute seien eben eineurteilSlole Bagage", aber mit hündisch unterttnirfigen 3nflinhcn. Wer ihnen den Herrn zeige, der regiere sie. Allerdings, darin habe Brömcl ja recht: reizen dürfe mau sie im Augen-

Die Kartoffelpreise.

Von unterrichteter Seite wirb uns geschrie­ben. 3n der Presse und im Publikum sind wieder­holt Defürchiungen laut geworben, daß die bies- jäljrtgcn Kartoffelpreise von 3ntcreffentcnfeite übermäßig in die Höhe getrieben werden Diese Befürchtungen dürften unbegründet fein Die Kartoffelpresse sind in der lev-en Zeit ständig gesunken und belaufen sich in den meisten Er-euqcrgebieten zur Zell auf 40 bis 45 Mark. Auch die Erntenachrichten geben tu besonderen Befürchtungen feine Veranlassung: wenn auch in einzelnen Gegenden infolge der an­haltenden Trockenheit nur mit einer geringen Ernte gerechnet werben kann, so lauten aus an­keren, für tk Karteffelproduk ion besonders wich­tigen Gebieten die Rachrichten durchaus gün- fi i g 3m 3ntereffc der Konsumenten selbst muß daher dringend empfohlen werden, vom Kauf zu übertriebenen Preisen Abstand zu nehmen.

Das Verarbeiten von Kartoffeln in Bren­nereien ttnrb in ähnlicher Weise wie im vorigen Zähre auf das notwendigste Maß eingeschränkt unb lediglich in einem noch zu bestimmenben Um­fang den Besitzern landwirtschaftlicher Brenne- reten, die im 3ntereffe der Viehhaltung auf J)ie Herstellung von Schlempe angewiesen sind, ge­stattet werden. Gin Aufkauf von Kartoffeln zur Verarbeitung in Brennereien wird in diesem Jahre in gleicher Weise wie im Vorjahre ver­boten werden.

Die Ausfuhr von Kartoffeln ins Zoll- audlanb ist aufS ftrcngftc untersagt. Die Grenzbehörden sind angewiesen, die unerlaubte Ausfuhr aufs nachdrücklichste zu bekämpfen.

Marktbericht.

Der heutige Wvchenmarkt war außergewöhn­lich stark beschickt. Obst war reichlich angefahren. Trotzdem waren bie Preise verhältnismäßig hoch BefonberS zu bemerken wäre, daß der Erzeuger­preis sich mit den Händlerpreisen auf eine Stufe stellt, was vom Publikum als sehr ungerecht empfunden wird. Es kosteten: Weißkraut 1,20 bis 1,40 Mk. das Pfund, Wirsing 1,001,30 Mk., Rot­kraut 1,301,60 Mk., Römischkohl 3050 Pf. baS Pfund, Oberkohlraben 4060 Pf. das Stück, Uw terkohlraben 30 Pf. das Pfund, Tomaten 3,50 Mk., Kartoffeln 7080 Pf. das Pfund, Zwiebeln 1,30 Mark das Pfund, Endivien 1,50 Mk. das Stück, Gelbe Rüben 1 Mk. das Pfund, Dirnen 0,801,50 Mart, Aepfek 1,201,40 Mk., Zwischen 1,60 bis 1,80 Mk., Fallobst 5060 Pf., Butter 28- 30 Mk. das Pfund, Gier 1,701,80 Mk. daS Stück, Ein- machgurken 3040 Pf. das Stück, Salat- und Senf- gurlcn von 1,503,50 Mk. je nach Gröhe.

** Die Butter kostet im Odenwald gegenwärtig wieder 22 bis 24 Mark pro Pfund- vor kurzem mußte man noch 30 Mk. bezahlen.

"Die Warenausgabe ta bei le des Lebensmittelamtes für die nächste Woche ist im heutigen Anzeigentell veröffentlicht, ebenso die übliche Bekanntmachung des Brenn- stof famteS.

AuS dem Stadttbeaterbureau. Roch ein letztes Gastspielvvrder Win­terspielzeit lief) sich für nächsten Dienstag ermöglichen, indem an diesem ^benb Fräalein Hannelore Selle vom Staatstheater in Kassel (früher Hoftheater) einen Tanzabend geben wirb. Der jungen Künstlerin geht ein sehr guter Ruf voraus, unb auch in Bao-Nauheim, wo sie am 12. September gastiert, sieht man Ihrem Auf­treten mit hohen Erwartungen entgegen. Außer den Tanzdarbietungen bringt ber Abend das köst­liche LustspielLottchens Geburtstag" des unver­geßlichen Ludwig Thoma, der dieser Tage ge­storben ist. Die in der Einladung zum Theater- Abonnement festgesetzte Zeit zur Erneuerung des Abonnements geht morgen zu Ende. Ab Montag kann den bisherigen Abonnenten ein Vorrecht nicht mehr eingeräumt werben. Alle weiteren Meldungen sind unter Angabe von ge­wünschten Tag und Platz an bie Stadtverwal­tung zu richten. Wie wir hören, sind für alle Vvrstellungstage noch schöne Plätze zu haben.

** Geschworenenauslvsung. Für die am 26. September unter Vorsitz von Landgerichts­rat C r a m e v beginnende 3. Schwurgerichtssitzung wurden folgende Geschworene ausgelost: Arm­brust, Karl Andreas L, Landwirt in Vilbel: Burlein, Ernst, Bürgermeister in Gelnhaar: We­ber, Heinrich II., Landwirt in Düßfeld: Vorbach, Karl, Mühlenbesiher in Okarben: Meyer, Ioh. Ludwig, Werkführer in Schotten: Pfannstlel, Fer­dinand !., Gastwirt in Ulrichstein: Jungblut, Alb., Rentner in Schlitz: Seeger, Eugen, Forstmeister in Schlitz: Schultheiß, Heinrich Friedrich, Land­wirt in Echzell: Dipp, Wilhelm, Landwirt und Schneider In Steinhelm: Göbel, Hermann L31» garrenfabvitant in Laubach: von Harnier, Wolf­ram, P/ajor a. D. in Echzell: Holler, Wilhelm, Landwirt in Eberstadt: Schiffmann, Wilhelm, Bergwerksdirektor in Hungen: Drennemann, Ru- blick auch nicht. Sicher wäre c6 gut, sich ihnen ein paar Tage fern zu halten.

Sie waren inzwischen langlam weitergefchrlt- ten. Wie gewöhnlich wollte Rüdiger nun rechts abbiegen, da der Weg an der Eremitage kürzer war, als der breite Hauptweg zum Schloß.

Da aber ergriff Magelone plötzlich mit ge­heimnisvollem Lächeln seinen Arm.

..Pst nicht dorthin, Rüdiger! Laß uns lieber durch die Allee und über den Weiher nach Haufe gehen."

..Warum?"

Well . - ." sie sah ihn mit gut gezielter Verlegenheit an .nun, vor dir brauche ich am Ende ja kein Geheimnis daraus zu machen. 3n bei Eremitage sind nämlich Do und Waldemar, um Abschied voneinander zu nehmen, ehe Herr Rußland mit seiner Mutter nach dem Süden reift. Es würde ihnen vielleicht peinlich fein, wenn du vorübergingest. Vor mir genieren sie sich weniger eine Frau du verstehst? 3ch bin ja selber jung, und Do weiß, daß ich sie lieb habe. Darum war ich auch bereit, hier ein wenig den Elefanten zu spielen und Dorothea zu beglei­ten, damit es bester ausfieht. Ader nun brauchen sie mich wohl nicht mehr."

Rüdiger war, wie vom Blitz getroffen, stehen geblieben, während alles Blut aus feinem Gesicht wich.

Dazu hast du dich hergegeben?" frug er fin­ster.Hier den Aufpasser zu fpielen?"

Wein Gott, lieh mich nicht so streng an. Riidiger! Was sollte ich Denn tun!? Wenn sie sich doch nun einmal lieben unb noch einmal leben wollten! Es ist doch fo begreiflich!"

Er schritt eine Welle stumm weiter. Rajch

dost, Landwirt. Ober-Erlenbach. Schaub, ZakvG Friedrich Aunuft, Landwirt in BüdeShrim. Schmidt, Adolf, Sanbtoirt in Wölfer-Heinr: Heß. Karl. Landwirt in Durg-Gräfenrode. Engter. Eduard, Konsul in Bad Salzhausen. Grölz. Kaspar. Kaufmann in Aidda: Euler. Heinrich HL Bürgermeister in Ober-Ohmen: Phllwpi. 2IMm. Bäcker in Ruppertenrod, Schmidt, Friedrich Zak. Altbürgermeister in Harheim: Schäfer. Heinrich. Bürgermeister in Ober-Widdersheim: Kornmann. Georg, Schuhmacher in Rieder-Ohmen: Driesch. Heinrich, Kaufmann in Gießen: Geiß, Äeinr II, Landwirt in Windhausen, Häuser. Ballbasar. Kaufmann .in Garbenteich: Winter, Hermann. Gärtner in Reichelsheim i W: Hölterhofs, Franz. Kaufmann in Gießen.

. Bornotizeu.

Tageskalender für Sonntag: Die Gießener Kunstsammlungen find von 11 1 Uhr unentgeltlich geöffnet.

Die neue K i r ch enver f assv n g der evangelischen Landeskirche in Hessen, deren Ent­wurf in den letzten Tagen von Prof S ch i a n im Gießener Anzeiger besprochen wurde, bildet am Montagabend in einer von der Volks- kirchlichen Arbeitsgemeins cha f t ein­berufenen Versammlung im MarkuSsaal Gegenstand einer eingehenden Aussprache, die durch ein Referat von Landaerichtsrat Reuen- Hagen, Mitglied boS VersassungSausschufteS des Landeskirchentags, cingeldtti ipteb. Zu der Ver­sammlung haben alle Evangelischen freien Zutritt. (Siehe Anzeige !

Landtreie Giehe».

-< Droßen-Linden, 10. Sept. Heute feiern ber Kirchenvvrsteher und Landwirt Philipp L u h "VI. und dessen Ehefrau Marie geb. Lang das Fest der goldenen Hochzeit.

Kreis Büdinaeu.

n. Gviß-Ridda, 6. Sept. Am letzten Sonntag feierte unsere Schule ihr Z u g e n d f e ft. Rachmittags bewegte sich ber Festzug durchs Dors auf die Festwiese. Dabei waren die Kinder schon kostümiert für ein Märchenspiel: König. Prinzessin, Prinz, Hofnarr, usw., dann Hand­werker wie Schornsteinfeger, Schneider, Schuster. Schmied, Däcker und Dauern und 'Bäuerinnen. Gesangverein Orpheus eröffnete die Feier mit dem schön borgetragenen Lied:Schön ist die Jugend". Daran aimiüpfend hielt Lehrer Lentz die Festrede, die in das LiedDeutschland. Deutschland über alles" ausklang. DaS Märchen­spiel wurde äußerst wllcksam wiÄeraeaeben. Sehr viel Zustimmung sanden auch die Reigen, Tänze und Gelänge der Schüler in ihren festlichen Klei­bern. Rach ber Kasfeevause begannen um 4 Uhr die 6 p ie le und um x/t6 Uhr die Wet t spicle.

Starkenburg und Rheinhessen.

rm Darmstadt, 10. Sept. Die Aus­schreitungen der Erwerbslosen im Arbeitsamt, die tun 20. August für die dortigen Beamten einen bedrohlichen Eharakter an­nahmen, haben diese veranlaßt, sich zu einem S e l b st s ch u tz zusammenzuschlioßen, der zunächst durch Verweigerung ber Auszahlungen usw. zum Ausdrua kommen soll. Weitere Schritte soll eine Kommission veranlassen Man ist ber Überzeu­gung, daß im WieberholungSsalle weder die Stadtverwaltung, noch die Polizei rasch genug ein- greisen kann, während Anzeigen und Verfolgungen er Täter durch das Gericht mit großen Schwierig­keiten verbunden ist Den Stadtverordneten wurde von diesem Schrllt der Selbsthilfe Mitteilung ge­macht, die in ihrer Mehrheit das Vorgehen billig­ten. Die Stadtverordneten genehmig­ten ferner, wie wir gestern bereits kurz mittellten, nach eingehender Aussprache die eilige Vorlage der Stadt, durch welche den städtischen Beamten unb Arbeitern eine Erhöhung der Teuerungszulage, wie sie vom Reich be­willigt wurde unb durch den Landtag in Aussicht steht, gutgeheißen wurde. Die von per Stadtver­waltung hieran geknapste Bebtngung, daß auf jeden Fall auch für Deckung durch entsprechende Steuern gesorgt werden mülfe. wurde abgelehnt, da die Mehrheit der Ansicht war, daß in erster Linie das Reich verpflichtet sei, für den Ersatz dieser Kosten zu sorgen, oder durch geeignete Steuerfreiheit die Stadtverwaltung zur Bestreitung dieser Ausgaben zu ermöglichen.

Hessen-Nassau.

Der Streik im Siegerlanb.

Herborn. 9.Sept. Hier fanden unter dem Vorsitz des Reichökommtssars Verhand­lungen mit den Kohlenbergbauarbeitern und den Metallarbeiterorganisationen statt, die in Gießen ihre Fortsetzung fanden. 3n den Ver­handlungen mit der Siegerländer Metallindu­strie gab der Arbeitgebewerband die Erklä­rung ab. daß er bereit sei, sechs Tage nach Wiederaufnahme der Arbeit sich mit der Ar­beiterschaft über eine Anzahl strittiger Punkte zu einigen, daß er aber Maßregelungen nicht vornehmen werde. Der Arbeitgeberverband erklärte sich zu Verhandlungen bereit, wenn und hastig, als könne er nicht schnell genug aus dem Bereich der Eremitage kommen. Magelone konnte kaum folgen.

Bist du mir böse, Rüdiger?" fragte !ie end­lich teile mit ihrer weichen, schmeichelnden Stimme.

Rein Borausgeletzt, bat). . - Dorothea auch Auhland wirllich liebt. Bist du dessen aber ganz sicher, Magelone?"

Sie tat sehr erstaunt.

Du zweifelst noch immer? Trotz des Bildes, daS wir in Waldemars Atelier sahen?"

Das heißt, ich zweifle durchaus nicht, bah Rußland in sie verliebt ist 3n bezug auf Doro­thea aber weiß ich noch nicht, was ich eigentlich bcnlen soll."

@r sah unruhig vor sich hin. Dann fuhr et zögernb fort:

Sie ist fo verschlossen. Es spricht ia man­ches dafür so. baß sie uns bie Detanntschaft mit Walbcmar verschwiegen hat Aber anderer^ 1eit6 verging eine so tanze Zeit, ohne das) sie ben Versuch machte, ihn zu sehen."

Du vergißt, daß erst sie ans Krankenzimmer, bann er an bas feiner Mutter gefesselt war. Uebrigen6 will ich dir. selbst auf die Gefahr hin, inbiskret zu sein, eine Tatsache verraten, bie wohl alle deine Zweifel beseitigen muh. Do |clbft bat mir gesagt, daß sie sich damals an ber Mauerbrelche bereits - geküßt haben. Unb Tie mag ein bummes, kleine-, unerfahrene- Mäbchen fein; aber sie wäre viel zu stolz, um sich von einem Manne küssen zu lassen, den sie nicht liebt, bai wirst du doch zugebeu T

Rüdiger antwortete nicht Mit fest zulammen­gepreßten Lippen fdxritt er stumm vorwärts.

.(Fvrlfehung folgt)