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Ul. Jahrgang

Mittwoch, 10. August 1921

Erstes Blatt

SiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Otnd und Derlag. Vrühl'sche Univ.-Vuch- und Steintruderei R. Lange. Zchristlettrm-, Seschäflrjtelle und Drnderei: Zchulstraße 7.

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Lothringen machen. Die Gesamtbevölkerung von 5 200 000 Menschen enthalte nur 1 200 000 Polen. Das britischeReich würde niemals eine Lösung annehmen, die daraus keine 2t ü d f i <Ö t nehme.

Lloyd George schlug alsdann vor, die Frage noch einmal durch Sachverständige prüfen zu lassen; sein Vorschlag wurde angenommen. Diese Prüfung müsse aus folgender Grundlage erfolgen: Alle Stimmen mühten für die Zuteilung des Gebietes an die eine oder die andere Macht gezählt werden. Diese Zuteilung könne nicht gemeindeweise erfolgen, sondern entspre­chend der Mehrheit, die sich herausgestellt habe. Einzig und allein die Industrie- gebiete bildeten ein unteilbares Gan­zes. Die Industriezvne, die viel ausgedehnter sei, als es der französische Vorschlag vorsehe, sei eine künstliche Schöpfung. Das Industrie­gebiet müsse Deutschland zugespro­chen werden, das dort die Mehrheit erlangt habe. Die industriellen Gemeinden seien voneinander untrennbar, denn sie bildeten eine eigene wirtschaftliche Einheit. Lloyd George sagte zum Schluß, er verstehe vollkommen den Wunsch Frankreichs, Garantien tn be­zug auf seine Sicherheit zu hadm. Der Oberste 2Üt werde sicher darauf Rücksicht nehmen. Wenn Frankreich aufs neue ungerechtfertigt an­gegriffen werde, so werde das gesamte britische Reich wie in der Vergangenheit an seiner Seite stehen. Aber Frankreich ser augenblidlich nicht in Gefahr, und es müsse von seinem Siege nur mit Mässigung und Billigkeit Gebrauch machen.

Der Berichterstatter der .Agence HavaS" fügt diesem Bericht hinzu, den Eindruck, den man aus der heutigen Vormittagssitzung gewonnen habe, sei der, das) man sich einem Kompromiß nä­here. Die Tatsache, das) man die Sachverständigen gebeten habe, die Frage aufs neue in Betracht zu ziehen, scheine ein günstiges Anzeichen. Cs sei auch möglich, das) die privaten Unterredungen, die Driand und Loucheur heute beim Frühstück mit Lloyd George und Lord Curzon hatten, ge­eignet seien, eine Verständigung zu begünstigen.

Weiteres aus Lloyd (Heorges Rede.

Paris, 10. Aug. (WTB.) DasEcho de Paris" gibt die Rede Lloyd Georges offenbar in einer von englischer Seite ausgehenden Fassung wieder. Eine Stelle verdient besonders hervorgehoben zu wer­den. Lloyd George sagte: Schlesien wäre 700 Jahre deutsch gewesen, das heißt während einer längeren Zeitperiode als die, die verflossen ist, seitdem die Rormandie zu Frankreich gehöre. Es ist wahr, daß Schlesien zu Oesterreich gehört hat, bis es von Friedrich dem Großen er­obert wurde. Selbst wenn man von der preußi­schen Eroberung an rechnet, muß man doch zu- gestehen, daß Schlesien 177 Jahre zu Deutschland gehörte, also i^ne längere Zeitperiode als die, während der Frankreich Elsah-Lochringen be­sessen hatte, bis es ihm 1871 abgenommen wurde.

Die Antwortrede Briands.

Paris, 9. 2lug. (WTB.) Wie die Havas- agentur berichtet, hat in der heutigen Rachmiktags- sihung des Obersten Rates zunächst Präsident Briand das Wort ergriffen, um den franzö­sischen Standpunkt darzulegen. Er sagte zuerst, die Politik Frankreichs bestehe nicht dar­in, einem Verwundeten aus dem Schlachtfelde das Leben zu nehmen, aber nach jedem Kriege gebe es Sieger und Wiegte. Der Friedensvertrag von Derfailles spreche sogar ßar aus, daß die Besiegten auch noch die Verantwortlichkeit des Krieges trügen. Frankreich wünsche ebenso wie seine Verbündeten. den Besiegten ein gerechtes Schicksal zu bereiten, aber nicht etwa ein privile­giertes Schicksal. Die Alliierten hätten beschlossen, einemVolle zumWiederaufstchen zu verhelfen. Das sei das polnische Volk. Indem sie diesen Beschluß gefaßt hätten, hätten sie sich auch verpflichtet, ihm die Lebensmöglichkeit sicherzustellen. Die Grenz­frage sei sofort den Mitgliedern der Friedens­konferenz gestellt worden und das Problem in eth­nographischer Hinsicht besonders studiert worden. Einstimmig hätten die Mitglieder der Friedens­konferenz Oberschlesien Polen in den Friedens­bedingungen zugesprochen. Dadurch habe man Hoffnungen erweckt. Briand sagte, man könne deutsche Werke anführen, so u. a. Brockhatuch Konversationslexikon, daß Oberschle­sien niemals für vollkommen Deutsch erklärt wor­den sei. Der französische Ministerpräsident spricht alsdann t-n4 s^nebnis der Volksabstimmung durch und sagt die Stimme eines Arbeiters hab: den nie - chen Wen wie tue Stamme eines Dauern, aber es gäbe eine moralische Erwägung, die im Zweifels- falle für die Interpretation der Volksabstimmung herangezogen werden müsse. Man habe die Aus- gewaick>erten abftiminen lallen, und ihre Stimmen könnten doch nicht den gleichen Wert wie die der Einwohner, die im ßanbe g blichen seien, haben. Diese seien auch viel interessierter an dem end­gültigen Schicksal ihrer Heimat. Von den 200 000 Ausgewanderten, die an der Abstimmung tell- Smmen hätten, hätten 180 000 für Deutsch­gestimmt. Im ganzen genommen habe das Ergebnis der Volksabstimmung gezeigt, dah der deutsche Bewohner im Osten, der polnische im Westen wohne. Geographisch genommen sei also die Lösung leicht und wirtschaftliche Fragen kämen nur im polnischen Telle in Betracht. Es gebe dort bedeutende deutsche Industriezentren. Indem man einige von diesen Industriezentren gruppiert habe, habe man das Industriedreieck erzielt, aber um zu beweisen, wie künstlich diese Schöpfung sei, werde daran erinnert, dah 1870 In Kattowitz nur ein Gasthaus sich befunden habe. Im Indu- striebecken hätten die Polen 30 000 StimmenMehr- heit erzielt. Die ethnographischen Erwägungen

Ein englisch-französisches Äompromih in Vorbereitung

Die gestrige Sitzung des Obersten Rates in Paris muß außerordentlich interessant ae- wefen sein. Lloyd George und Briand haben gegeneinander Reden gehalten, deren Schärfe über die Wände des Konferenzsaales nicht hinausdringt. Wir müssen uns mit Havas- meldungen begnügen, die natürlich die Aus­sprache im französischen Sinne etwas färben und zurechtstutzen. Immerhin wird zugegeben, dah Lloyd George wiederum scharf gewarnt hat, den Bogen desSiegers" zu Überspan­nen. Er ist jedoch geneigt, trotz seiner Heber* zeugung, daß das industrielle Oberschlesien von Rechtswegen, aus geschichtlichen, wie aus wirtschaftlichen Gründen, Deutschland zuzutei­len sei, den Franzosen kleine Konzessionen zu machen. Darum schlug er eine neue Sachver­ständigenberatung vor, worin die Nachzählung deS Abstimmungsergebnisses noch einmal auf besondere Weise erfolgen soll, so dah sich wahrscheinlich schließlich doch noch eine Tei­lung deS Industriedretecks ergibt. Das nähere ist aus den nachfolgenden Meldungen zu ent­nehmen. Herr Briand hat in seiner Erwide- rungSrede wieder allerlei Ausflüchte und be­sondere Zurechtlegunaen gemacht; jetzt beruft er sich sogar auf ein deutsches Konversations­lexikon, so dah vielleicht über die mehr oder weniger klare Fassung in diesem Buche noch eine hochnotpeinliche, weltpolitische Unter­suchung stattfinden muh. Wir übergehen aber diese Ausflüchte, die einer Widerlegung kaum noch wert erscheinen. Die Rechtslage ist nach den englischen Feststellungen, die uns ja kei­neswegs freundschaftlich gesonnen sind, ganz klar, und jedes Kompromiß wird ein Herd zu künftigen Konflikten sein.

P a r i S, 9. August. (Wolff.) In der heu­tigen, um 12 Uhr mittags stattfindenden Sitz­ung deS Obersten Rates werden General Le Rond, Sir Herald Stuart und General de Warinis sich über die augenblickliche Lage in Obersck)lesien atzssprechen, sowie über die verschiedenen Probleme, die sich aus ihr ergeben, insbesondere aber über die Frage der Sicherheit. Einer von ihnen würde, demPe- ttt Parisien" zufolge, die Frage der Grenz­ziehung berühren. Heute nachmittag sollen als­dann die Regierungschefs die große Debatte ' eröffnen.

Paris, 9. Aug. (Wolff.) Havas. In der zweiten Sitzung des Obersten Rates ergriff an erster Stelle General L e r o n d das Wort, um für dieAvtwendigkeit der Entsendung von Trup­penverstärkungen vor der Qlnrünbigung der Entscheidung des Obersten Rates einzutreten. Es gäbe eine deutsche und eine polnische Gefahr. Die Devöllei-ung sei nicht entwaffnet, die Frei­korps nicht aufgelöst. Deutsche und Polen könnten jeden Augenblick über 100 000 Kämpfer verfügen. Lerond nannte Oberschlesien einen Bullan, beflen Ausbruch immer zu befürchten fei. Der englische Oberkvmmissar Str Harold Stuart erkannte an, daß die Bevölkerung noch immer Waffen be­sitze, er erklärte jedoch, daß die Truppen des Ge­nerals Höfer sich nur erhoben, um die polnischen Aufständischen au bekämpfen. Es sei nicht zu befürchten, daß die Deutschen die Waf­fen wieder ergreifen würden, wenn keine polnischen Angriffe erfolgten. Er schloß, indem er sagte, die Entsendung von Truppenverstärkungen sei unnötig, aber ein rascher Entschluß und die Aufrechterhaltung der Einheit der alliiertenAktion fei geboten. Der italienische General Martinis erkannte an. daß die Truppen, über welche die Obec-kommission verfüae, ungenügend seien. Er sprach sich für einen raschen Entschluß aus und die sofortige Zuteilung der Gebiete an Deutschland und Polen, damit die alliierten Truppen sofort nachher zurückgezogen werden könnten.

Hierauf ergriff

Lloyd George bas Wort zu längeren Ausführungen über die englische These. Lloyd George bezeichnete nach Havas das oberschlesische Problem als eines oer verwickeltsten, das je den Obersten 2tat be­schäftigt habe. Die Verantwortlichkeit der Alli­ierten wäre ungeheuer, wenn nach der er­folgten Entscheidung ein Konflikt ent­stehen würde. Lloyd George erklärte, die Rege­lung der schlesisch-polnischen Grenze gehe beson­ders die drei Mächte an, die die Aufgabe über­nommen haben, die Volksabstimmung gemäß den Tteftimmungen des Friedensvertrages durchzu­führen, also Frankreich, Italien und Großbritan­nien. Die beiden letzten Mächte hatten in dieser Frage eine ziemlich gleiche Ansicht, der französi­sche Standpunkt aber sei verschieden. Man müsse versuchen, die in Frage kommenden Thesen aus- zugleichen, denn der Weltfriede hänge von der Entscheidung, die getroffen werde, ab. Die Rege­lung der Frage könne nicht auf Kosten der Mehr­heit der 'Bevölkerung Oberschlesiens geschehen. Zur näheren Kennzeichnung dieser Mehrhell ent­wickelte Lloyd Geovge die Geschichte Ober- schlesiens, das zum Tell deutsch und zum Tell österreichisch gewesen sei, deshalb habe man auch auf der Friedenskonferenz nicht zugestanden, daß feine Bevölkerung ein homogenes Ganze bar­st eile. Diese Ansicht fei «>urch das Ergebnis _ber Volksabstimmung bestätigt worden. Man dürfe nicht aus Oberschlesien ein neues Elsaß-

müßten vorherrschen. Sie hatten die französische Regierung geleitet, und in ihrem Entwürfe er­halte Deutschland die Mehrheit der Stimmen, die für Deutschland gestimmt hätten, aber auch Polen. Der englische Plan jedoch habe diesen Vorzug nicht; denn er will 70 Prozent der polnischen Stimmen Deutschland übertragen, wäh­rend er nur 11 Proz. der deutschen Stimmen Polen zuspreche. Lloyd George habe heute vor­mittag bemerkt, damit das Industriegebiet leb n könne, müsse man ihm die Arbeiterzentren der ländlichen Kommunen angliedern. Wenn diese Arbeit gemacht werde, bleibe das Dreieck trotzdem eine Enklave in der polnischen Masse, und um cS dem deutschen Gebiet anzugliedern, stelle sich die Fratze des Korridors. Briand schloß mit der Erklärung: wenn sich die Alliierten nicht einigen können, werden bie Folgen unberechenbar sein. Die französische Re­gierung sei sich dieser Gefahr immer bewußt gewesen und habe die Frage geprüft, überzeugt davon, daß der einmütige gute Wille der Alli­ierten ^s gestatten werde, für das oberschlesische Problem eine Lösung zu finden, entspr«hend der Billigkeit der Bestimmungen des Versailler Frie­densvertrages und den Ergebnissen der Volks­abstimmung. Die französische Regierung werde alles in diesem Sinne tun, was von ihr abhänge.

Ministerpräsident Donomi

appellierte alsdann im Ramen Italiens an die Solidarität der Alliierten, um zu einer einstim­migen Entscheidung zu gelangen.

Der Vertreter Japans, Baron Haya- s h i, drückte den Wunsch aus, dah eine Einigung über eine gemeinsame Formel gefunden werde.

Die Sitzung des Obersten Rates war um 6.55 Ahr beendet.

Paris, 9. August. (Wolff.) Rach dem Petit Parisien" griff auch Minister Lou­cheur gestern in die Debatte ein, um nach den Auseinandersetzungen des englischen juristi­schen Sachverständigen Sir Cecil Hurst einige Ziffern richttgzustcllen. Loucheur bemerkte, daß der englische Vorschlag die Angerechttgkeit be­gehe, 9 Elftel der polnischen Bevölkerung Deutschland zuzusprechen und nur zwei Elftel dieser Bevölkerung Polen selbst.

Die neue Beratung der Sachverständigen.

P a r i s, 9. Aug. (WTB.) Rach demTemps" lauten die neuen Instruktionen, die den Sach­verständigen für ihre Beratungen gegeben wurden, wie folgt: 1. Jede Stimme muß nach ihrem Wert in Betracht gezogen werden. Man kann nicht zulassen, daß die Stimme eines Bauern mehr wert sei, als die eines Handwerkers, noch dah das In- bufkieg .biet als eine künstliche Schöpfung angesehen werden könne. 2. Die iuöuftriellen Einheiten, die sich zugunsten Deutschlands mit 2 gegen 1 Stimme ausgesprochen haben, müssen Deutschland zuge- sprochen werden. 3. Die dem Industriegebiet be­nachbarten Gebiete müssen den Gegenstand ernst­hafter Prüfung bilden, damit festgestellt werde, in welcher Weise sie diesem Industriegebiet an­gegliedert werden können.

Rach demTemps" sagte LkohdGeorge ferner, kein Doll, einschließlich des britischen, könne es zulassen, daß es in einen Krieg hineingezogen werde, der durch die Tatsache hervorgerufen sei, dah einer der Alliierten in ber Stunde des Trium­phes Mißbrauch mit seiner Kraft getrie­ben oder eine Herausforderung der Ge­rechtigkeit begangen habe.

Paris, 10. Aug. (WTB.) Der .Petit Pa­risien" ertlärt, daß es nicht unmöglich lei, daß die Arbeiten der Sachverständtgen schon heute abend beendet seien.

Die Beratungeu der. kleinasiatischen Frage.

Paris, 10. August. (WTB.) Der Schluß der gesttigen Dachmittagssitzung des Obersten Rates wurde mit der. Prüfung der klein- asiatischen Frage ausgefüllt. ES äußer­ten sich hierzu Marschall F o ch und der eng­lische Oberst Heywood, der kürzlich an der griechischen Front gewesen ist. Die beiden mlli- tärifchen Sachverständigen erklärten, über das endgültige Ergebnis des türkisch-griechischen Feldzuges könne man vielleicht erst nach Mo­naten urteilen, da die endgülttge Entscheidung so lange hinausgeschoben werden könne. Die Absicht der Alliierten sei es, in diesem Kon­flikt n e u t r a l zu bleiben. Eine andere Hand­lungsweise sei nicht möglich, da beide krieg- führenbe Parteien bis zur Stunde eine Ver­mittlung noch nicht angeregt hätten.

Die Konferenz der Finanzminifter.

P a r i S, 9. August. (Wolff.) In der heu­tigen Konferenz der alliierten Finanzminister sind die einzelnen Staaten wie folgt vertteten: Frankreich durch D o u m e r, Italien durch den Schayminister Soleri, England durch Sir Robert H o r n e, und Belgien durch Finanz­minister T h e u n i S.

Die interalliierte Finanzkonferenz und die Befatzungskoften.

Paris, 9. Aug (WTB.) lieber den Ver­lauf der Dachmittagssitzung der interalliier­ten Finanzkonferenz wird gemeldet, daß man sich vor allen Dingen mit der Frage der Kosten der Besatzungsarmeen beschäftigte. Es wurde beschlossen. ein Komitee einzufetzen, be­stehend aus den Finanzministem der alliierten Länder, um den Betrag der Kosten für bie Be­

satzung biS zum l.Mai festzustellen. Dieser Aus­schuß soll auch die Besatzungskosten für jede- ein­zelne Land prüfen. Während ein englischer Soldat 15 Eo bmarf pro Tag lofkt, tetr, g n die Unterhal­tungskosten für einen französischen Soldaten nur 6 Goldmark. Minister Loucheur schlug zur Ver­einheitlichung der Ausgaben einen Betrag von 11 Goldmark für jeden Mann vor. Bis jetzt hat die englische Delegation diesem Antrag noch nicht zugestimmt Der gleiche Ausschuß müsse auch prüfen, ob die Lieferungen Deutsch­land s die Kosten decken und wenn nicht, wie bai Defizit gedeckt werden soll. Ein weiteres Komitee soll die Desahungskosten nach dem l.Mai prüfen. Dieser Ausschuß wird morgen zufammentreten

französische Stimmen.

Paris, 10. Aug. (WTB.) lieber den gestrigen Tag und die über die Teilung deS In­dustriegebietes qngenommene Resolution schrei­ben die Morgenblatter. indem sie fast durchweg nicht mehr an der Möglichkeit einer Einigung zweifeln. Per tina ? sagt imEcho de Paris", der gestrige Tag habe schlecht begonnen, was aber nicht bedeute, dah er schlecht geendet habe. Lloyd George habe in seiner Rede die eftra- Vaganten historischen Theorien wieder vorge­bracht, die seine berühmte Rede vom 13. Mai ausgezeichnet hätte. Obzwar Pertinar die Ant­wortrede Briands schwach findet, erklärt er, die drei in Lloyd Georges Vorschlag für die Arbeit der Sachverständigen enthaltenen Richtlinien seien von Briand nicht restlos angenommen worden. General Lerond habe den franzos.schen Stand­punkt aufrecht erhalten, aber was nütze daS alles, da die Deutschen zum gröhten Teil Befriedigung erhalten würden. Die Forderungen des Generals Lerond seien also ins ßeere gegangen. In der Angelegenheit der Verstärkungen habe man vor 14 Tagen in Berlin gedroht und in London eine fast brutale Sprache geführt. Pertinax schließt: Ist das eine französische Politik?

Englische Prcssestimmen.

London, 10. Aug. (WTB ) Lloyd Ge­orges gestrige Rede auf der Pariser Kon­ferenz bildet das Hauptthema der Preise. Der Ton der Blätter ist bezüglich der Aussichten auf eine Regelung der oberschlesischen Frage zuver­sichtlich.

.Daily Telegraph" zufolge bestehe guter Grund zu der Annahme, daß die internatio­nale Spannung wegen Oberschlesien beträchtlich nachgelassen hat und dah mehr Aussicht auf eine- Lösung bestehe. Das Blatt erklärt, dah das ober» schlesische Industriedreicck zu Deutschland g HZr^ sei im Obersten Rat erneut mit größtem Rach druck hervorgehoben worden. Das Blatt weist jedoch auf die Möglichkeit hin, dah ein Kompromiß auf der Grundlage der Preisgabe des Grund­satzes der Unteilbarkeit des oberschlesischen In­dustriedreiecks gefunden werden könne. Offiziell liegen dem Blatt zufolge keine Anzeichen dafür vor. CS sei jedoch, wie verlautet, Tatsache, daß jetzt sowohl auf englischer wie auf französischer Seite die Reigung vorhanden ist. eine Grenz­linie, die das umstrittene Gebiet durchschneidet, in Erwägung zu ziehen. Wenn dies auch nicht die beste Lösung sei, so sei sie doch die am besten erreichbare.

Daily Mail" berichtet, der durch die englischen, französischen und italienischen Ober- tominiffare verstärkte Sachverständigen-Ausschuß sei so gut wie angewiesen worden, eine Teilung des umstrittenen Industriedreiecks zwischen DeuthenGleiwitzKattowitz zwischen Polen und Deutschland vorzuschlaaen, das die eng­lische Regierung bisher Deutschland zuteilen wollte.

Der diplomatische Berichterstatter deL Daily C h r o n i c 1 e" meldet aus Paris, man nähere sich einer Lösung deS oberschlesischen Pro­blems. In gut unterrichteten Kreisen glaube man, dah der Oberste Rat bald eine Regelung der ober- schlesischen Frage erzielen werde. Die Sachver­ständigen hätten, sich bereits an die Festsetzung einer neuen Grenzlinie gemacht, die von Rorden nach Süden anstatt von Osten nach Westen ver­lause. England müsse den Polen im Industrie­dreieck Boden überlassen und Frankreich müsse dagegen einen Teil des noch unentwickelten Ge­bietes von P 1 e ß und R y b n i k Deutschland zugestehen. Ein Punkt, der Eindruck gemacht habe, fei der dah in 15 Jahren das Industriedreieck wahrscheinlich von viel geringerem wirtschaft­lichem Werte sein werde während der nicht aus- qebeutete östliche Bezirk entsprechend im Werte ft eigen werde. Der Berichterstatter deSDaily Chronwle" erklärt, wenn die polittschen Grund­sätze angenommen würden, hätten die Sachver­ständigen freie Bahn. Es sei jetzt wahrscheinlich, dah die Franzosen den Geist der von Lloyd George in seiner aeftrigen Rede niedergelegten Grund­sätze annepmen würden. Wenn dies der ^all wäre, so sei damit die wirkliche Arbeit der Kon­ferenz erledigt, und die Entente sei gerettet

Die Rote-Kreuz-Hilfe für Rußland.

Berlin, 9. Aug. (WTB.) Der Präsident des internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Ador, lud das deutsche Rote Kreuz ein, an der Konferenz in Genf am 15. August teilzunehmen. Auf der Konferenz soll die Frage der internationalen Rotekreuzhllfe für Rußland beraten werden. Der Präsident des deutschen Roten Kreuzes, Landesdirektor von Winter­feld t, antwortete Ador, dah das deutsche Rote Kreuz der Einladung entsprechen werde und drückte dabei aus, daß das deutsche Rote Kreuz auf dem Standpunkte stehe, dgh angefidftö bet Größe des russischen Problems nur auf breitester