Cr. 185
Ü« Giefctner Lnzeiger mit ee Dienstagsdrilag« „S|#ri»Umfd|«ne er- scheint ttglich. außer Sonn- und Feiertags. Monatliche ve,na,preise: mark 5.- einschließlich Trägerlohn, durch die Post bezogen Mark 5.75 einschließlich Bestellgeld. Fern sprech-Anschlüsse: für die Schriftleüung 112; für Druckerei, Verlag und Geichäflsstelle 61. Anschrift für Drahtnachrichten^ An,etaer Gießer».
pestschecklonta:
Frankfurt a. M. 11686.
Ul. Jahrgang
Mittwoch, 10. August 1921
Erstes Blatt
SiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Otnd und Derlag. Vrühl'sche Univ.-Vuch- und Steintruderei R. Lange. Zchristlettrm-, Seschäflrjtelle und Drnderei: Zchulstraße 7.
Annahme van Anzeige» für die Tayesnummer bi» zum Rachm ttag vorher ohne jede Verbindlichkeit Srtis für I mm tsSde für nzeigenv 34mmBreit» örtlich 40 Pf, auswärts 50 Pf.; für Reklame' Anzeigen von 70 mm Breite 180Pf Bei Platz. Vorschrift 20',Aufschlag. Hauplschristielter: Aug. Goetz Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Dr Reinhold Ienz; für den Anzeigentett: Hans Beck, sämtlich in Gießen.
Lothringen machen. Die Gesamtbevölkerung von 5 200 000 Menschen enthalte nur 1 200 000 Polen. Das britischeReich würde niemals eine Lösung annehmen, die daraus keine 2t ü d f i <Ö t nehme.
Lloyd George schlug alsdann vor, die Frage noch einmal durch Sachverständige prüfen zu lassen; sein Vorschlag wurde angenommen. Diese Prüfung müsse aus folgender Grundlage erfolgen: Alle Stimmen mühten für die Zuteilung des Gebietes an die eine oder die andere Macht gezählt werden. Diese Zuteilung könne nicht gemeindeweise erfolgen, sondern entsprechend der Mehrheit, die sich herausgestellt habe. Einzig und allein die Industrie- gebiete bildeten ein unteilbares Ganzes. Die Industriezvne, die viel ausgedehnter sei, als es der französische Vorschlag vorsehe, sei eine künstliche Schöpfung. Das Industriegebiet müsse Deutschland zugesprochen werden, das dort die Mehrheit erlangt habe. Die industriellen Gemeinden seien voneinander untrennbar, denn sie bildeten eine eigene wirtschaftliche Einheit. Lloyd George sagte zum Schluß, er verstehe vollkommen den Wunsch Frankreichs, Garantien tn bezug auf seine Sicherheit zu hadm. Der Oberste 2Üt werde sicher darauf Rücksicht nehmen. Wenn Frankreich aufs neue ungerechtfertigt angegriffen werde, so werde das gesamte britische Reich wie in der Vergangenheit an seiner Seite stehen. Aber Frankreich ser augenblidlich nicht in Gefahr, und es müsse von seinem Siege nur mit Mässigung und Billigkeit Gebrauch machen.
Der Berichterstatter der .Agence HavaS" fügt diesem Bericht hinzu, den Eindruck, den man aus der heutigen Vormittagssitzung gewonnen habe, sei der, das) man sich einem Kompromiß nähere. Die Tatsache, das) man die Sachverständigen gebeten habe, die Frage aufs neue in Betracht zu ziehen, scheine ein günstiges Anzeichen. Cs sei auch möglich, das) die privaten Unterredungen, die Driand und Loucheur heute beim Frühstück mit Lloyd George und Lord Curzon hatten, geeignet seien, eine Verständigung zu begünstigen.
Weiteres aus Lloyd (Heorges Rede.
Paris, 10. Aug. (WTB.) Das „Echo de Paris" gibt die Rede Lloyd Georges offenbar in einer von englischer Seite ausgehenden Fassung wieder. Eine Stelle verdient besonders hervorgehoben zu werden. Lloyd George sagte: Schlesien wäre 700 Jahre deutsch gewesen, das heißt während einer längeren Zeitperiode als die, die verflossen ist, seitdem die Rormandie zu Frankreich gehöre. Es ist wahr, daß Schlesien zu Oesterreich gehört hat, bis es von Friedrich dem Großen erobert wurde. Selbst wenn man von der preußischen Eroberung an rechnet, muß man doch zu- gestehen, daß Schlesien 177 Jahre zu Deutschland gehörte, also i^ne längere Zeitperiode als die, während der Frankreich Elsah-Lochringen besessen hatte, bis es ihm 1871 abgenommen wurde.
Die Antwortrede Briands.
Paris, 9. 2lug. (WTB.) Wie die Havas- agentur berichtet, hat in der heutigen Rachmiktags- sihung des Obersten Rates zunächst Präsident Briand das Wort ergriffen, um den französischen Standpunkt darzulegen. Er sagte zuerst, die Politik Frankreichs bestehe nicht darin, einem Verwundeten aus dem Schlachtfelde das Leben zu nehmen, aber nach jedem Kriege gebe es Sieger und Wiegte. Der Friedensvertrag von Derfailles spreche sogar ßar aus, daß die Besiegten auch noch die Verantwortlichkeit des Krieges trügen. Frankreich wünsche ebenso wie seine Verbündeten. den Besiegten ein gerechtes Schicksal zu bereiten, aber nicht etwa ein privilegiertes Schicksal. Die Alliierten hätten beschlossen, einemVolle zumWiederaufstchen zu verhelfen. Das sei das polnische Volk. Indem sie diesen Beschluß gefaßt hätten, hätten sie sich auch verpflichtet, ihm die Lebensmöglichkeit sicherzustellen. Die Grenzfrage sei sofort den Mitgliedern der Friedenskonferenz gestellt worden und das Problem in ethnographischer Hinsicht besonders studiert worden. Einstimmig hätten die Mitglieder der Friedenskonferenz Oberschlesien Polen in den Friedensbedingungen zugesprochen. Dadurch habe man Hoffnungen erweckt. Briand sagte, man könne deutsche Werke anführen, so u. a. Brockhatuch Konversationslexikon, daß Oberschlesien niemals für vollkommen Deutsch erklärt worden sei. Der französische Ministerpräsident spricht alsdann t-n4 s^nebnis der Volksabstimmung durch und sagt die Stimme eines Arbeiters hab: den nie - chen Wen wie tue Stamme eines Dauern, aber es gäbe eine moralische Erwägung, die im Zweifels- falle für die Interpretation der Volksabstimmung herangezogen werden müsse. Man habe die Aus- gewaick>erten abftiminen lallen, und ihre Stimmen könnten doch nicht den gleichen Wert wie die der Einwohner, die im ßanbe g blichen seien, haben. Diese seien auch viel interessierter an dem endgültigen Schicksal ihrer Heimat. Von den 200 000 Ausgewanderten, die an der Abstimmung tell- Smmen hätten, hätten 180 000 für Deutschgestimmt. Im ganzen genommen habe das Ergebnis der Volksabstimmung gezeigt, dah der deutsche Bewohner im Osten, der polnische im Westen wohne. Geographisch genommen sei also die Lösung leicht und wirtschaftliche Fragen kämen nur im polnischen Telle in Betracht. Es gebe dort bedeutende deutsche Industriezentren. Indem man einige von diesen Industriezentren gruppiert habe, habe man das Industriedreieck erzielt, aber um zu beweisen, wie künstlich diese Schöpfung sei, werde daran erinnert, dah 1870 In Kattowitz nur ein Gasthaus sich befunden habe. Im Indu- striebecken hätten die Polen 30 000 StimmenMehr- heit erzielt. Die ethnographischen Erwägungen
Ein englisch-französisches Äompromih in Vorbereitung
Die gestrige Sitzung des Obersten Rates in Paris muß außerordentlich interessant ae- wefen sein. Lloyd George und Briand haben gegeneinander Reden gehalten, deren Schärfe über die Wände des Konferenzsaales nicht hinausdringt. Wir müssen uns mit Havas- meldungen begnügen, die natürlich die Aussprache im französischen Sinne etwas färben und zurechtstutzen. Immerhin wird zugegeben, dah Lloyd George wiederum scharf gewarnt hat, den Bogen des „Siegers" zu Überspannen. Er ist jedoch geneigt, trotz seiner Heber* zeugung, daß das industrielle Oberschlesien von Rechtswegen, aus geschichtlichen, wie aus wirtschaftlichen Gründen, Deutschland zuzuteilen sei, den Franzosen kleine Konzessionen zu machen. Darum schlug er eine neue Sachverständigenberatung vor, worin die Nachzählung deS Abstimmungsergebnisses noch einmal auf besondere Weise erfolgen soll, so dah sich wahrscheinlich schließlich doch noch eine Teilung deS Industriedretecks ergibt. Das nähere ist aus den nachfolgenden Meldungen zu entnehmen. Herr Briand hat in seiner Erwide- rungSrede wieder allerlei Ausflüchte und besondere Zurechtlegunaen gemacht; jetzt beruft er sich sogar auf ein deutsches Konversationslexikon, so dah vielleicht über die mehr oder weniger klare Fassung in diesem Buche noch eine hochnotpeinliche, weltpolitische Untersuchung stattfinden muh. Wir übergehen aber diese Ausflüchte, die einer Widerlegung kaum noch wert erscheinen. Die Rechtslage ist nach den englischen Feststellungen, die uns ja keineswegs freundschaftlich gesonnen sind, ganz klar, und jedes Kompromiß wird ein Herd zu künftigen Konflikten sein.
P a r i S, 9. August. (Wolff.) In der heutigen, um 12 Uhr mittags stattfindenden Sitzung deS Obersten Rates werden General Le Rond, Sir Herald Stuart und General de Warinis sich über die augenblickliche Lage in Obersck)lesien atzssprechen, sowie über die verschiedenen Probleme, die sich aus ihr ergeben, insbesondere aber über die Frage der Sicherheit. Einer von ihnen würde, dem „Pe- ttt Parisien" zufolge, die Frage der Grenzziehung berühren. Heute nachmittag sollen alsdann die Regierungschefs die große Debatte ' eröffnen.
Paris, 9. Aug. (Wolff.) Havas. In der zweiten Sitzung des Obersten Rates ergriff an erster Stelle General L e r o n d das Wort, um für dieAvtwendigkeit der Entsendung von Truppenverstärkungen vor der Qlnrünbigung der Entscheidung des Obersten Rates einzutreten. Es gäbe eine deutsche und eine polnische Gefahr. Die Devöllei-ung sei nicht entwaffnet, die Freikorps nicht aufgelöst. Deutsche und Polen könnten jeden Augenblick über 100 000 Kämpfer verfügen. Lerond nannte Oberschlesien einen Bullan, beflen Ausbruch immer zu befürchten fei. Der englische Oberkvmmissar Str Harold Stuart erkannte an, daß die Bevölkerung noch immer Waffen besitze, er erklärte jedoch, daß die Truppen des Generals Höfer sich nur erhoben, um die polnischen Aufständischen au bekämpfen. Es sei nicht zu befürchten, daß die Deutschen die Waffen wieder ergreifen würden, wenn keine polnischen Angriffe erfolgten. Er schloß, indem er sagte, die Entsendung von Truppenverstärkungen sei unnötig, aber ein rascher Entschluß und die Aufrechterhaltung der Einheit der alliiertenAktion fei geboten. Der italienische General Martinis erkannte an. daß die Truppen, über welche die Obec-kommission verfüae, ungenügend seien. Er sprach sich für einen raschen Entschluß aus und die sofortige Zuteilung der Gebiete an Deutschland und Polen, damit die alliierten Truppen sofort nachher zurückgezogen werden könnten.
Hierauf ergriff
Lloyd George bas Wort zu längeren Ausführungen über die englische These. Lloyd George bezeichnete nach Havas das oberschlesische Problem als eines oer verwickeltsten, das je den Obersten 2tat beschäftigt habe. Die Verantwortlichkeit der Alliierten wäre ungeheuer, wenn nach der erfolgten Entscheidung ein Konflikt entstehen würde. Lloyd George erklärte, die Regelung der schlesisch-polnischen Grenze gehe besonders die drei Mächte an, die die Aufgabe übernommen haben, die Volksabstimmung gemäß den Tteftimmungen des Friedensvertrages durchzuführen, also Frankreich, Italien und Großbritannien. Die beiden letzten Mächte hatten in dieser Frage eine ziemlich gleiche Ansicht, der französische Standpunkt aber sei verschieden. Man müsse versuchen, die in Frage kommenden Thesen aus- zugleichen, denn der Weltfriede hänge von der Entscheidung, die getroffen werde, ab. Die Regelung der Frage könne nicht auf Kosten der Mehrheit der 'Bevölkerung Oberschlesiens geschehen. Zur näheren Kennzeichnung dieser Mehrhell entwickelte Lloyd Geovge die Geschichte Ober- schlesiens, das zum Tell deutsch und zum Tell österreichisch gewesen sei, deshalb habe man auch auf der Friedenskonferenz nicht zugestanden, daß feine Bevölkerung ein homogenes Ganze barst eile. Diese Ansicht fei «>urch das Ergebnis _ber Volksabstimmung bestätigt worden. Man dürfe nicht aus Oberschlesien ein neues Elsaß-
müßten vorherrschen. Sie hatten die französische Regierung geleitet, und in ihrem Entwürfe erhalte Deutschland die Mehrheit der Stimmen, die für Deutschland gestimmt hätten, aber auch Polen. Der englische Plan jedoch habe diesen Vorzug nicht; denn er will 70 Prozent der polnischen Stimmen Deutschland übertragen, während er nur 11 Proz. der deutschen Stimmen Polen zuspreche. Lloyd George habe heute vormittag bemerkt, damit das Industriegebiet leb n könne, müsse man ihm die Arbeiterzentren der ländlichen Kommunen angliedern. Wenn diese Arbeit gemacht werde, bleibe das Dreieck trotzdem eine Enklave in der polnischen Masse, und um cS dem deutschen Gebiet anzugliedern, stelle sich die Fratze des Korridors. Briand schloß mit der Erklärung: wenn sich die Alliierten nicht einigen können, werden bie Folgen unberechenbar sein. Die französische Regierung sei sich dieser Gefahr immer bewußt gewesen und habe die Frage geprüft, überzeugt davon, daß der einmütige gute Wille der Alliierten ^s gestatten werde, für das oberschlesische Problem eine Lösung zu finden, entspr«hend der Billigkeit der Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages und den Ergebnissen der Volksabstimmung. Die französische Regierung werde alles in diesem Sinne tun, was von ihr abhänge.
Ministerpräsident Donomi
appellierte alsdann im Ramen Italiens an die Solidarität der Alliierten, um zu einer einstimmigen Entscheidung zu gelangen.
Der Vertreter Japans, Baron Haya- s h i, drückte den Wunsch aus, dah eine Einigung über eine gemeinsame Formel gefunden werde.
Die Sitzung des Obersten Rates war um 6.55 Ahr beendet.
•
Paris, 9. August. (Wolff.) Rach dem „Petit Parisien" griff auch Minister Loucheur gestern in die Debatte ein, um nach den Auseinandersetzungen des englischen juristischen Sachverständigen Sir Cecil Hurst einige Ziffern richttgzustcllen. Loucheur bemerkte, daß der englische Vorschlag die Angerechttgkeit begehe, 9 Elftel der polnischen Bevölkerung Deutschland zuzusprechen und nur zwei Elftel dieser Bevölkerung Polen selbst.
Die neue Beratung der Sachverständigen.
P a r i s, 9. Aug. (WTB.) Rach dem „Temps" lauten die neuen Instruktionen, die den Sachverständigen für ihre Beratungen gegeben wurden, wie folgt: 1. Jede Stimme muß nach ihrem Wert in Betracht gezogen werden. Man kann nicht zulassen, daß die Stimme eines Bauern mehr wert sei, als die eines Handwerkers, noch dah das In- bufkieg .biet als eine künstliche Schöpfung angesehen werden könne. 2. Die iuöuftriellen Einheiten, die sich zugunsten Deutschlands mit 2 gegen 1 Stimme ausgesprochen haben, müssen Deutschland zuge- sprochen werden. 3. Die dem Industriegebiet benachbarten Gebiete müssen den Gegenstand ernsthafter Prüfung bilden, damit festgestellt werde, in welcher Weise sie diesem Industriegebiet angegliedert werden können.
Rach dem „Temps" sagte LkohdGeorge ferner, kein Doll, einschließlich des britischen, könne es zulassen, daß es in einen Krieg hineingezogen werde, der durch die Tatsache hervorgerufen sei, dah einer der Alliierten in ber Stunde des Triumphes Mißbrauch mit seiner Kraft getrieben oder eine Herausforderung der Gerechtigkeit begangen habe.
Paris, 10. Aug. (WTB.) Der .Petit Parisien" ertlärt, daß es nicht unmöglich lei, daß die Arbeiten der Sachverständtgen schon heute abend beendet seien.
Die Beratungeu der. kleinasiatischen Frage.
Paris, 10. August. (WTB.) Der Schluß der gesttigen Dachmittagssitzung des Obersten Rates wurde mit der. Prüfung der klein- asiatischen Frage ausgefüllt. ES äußerten sich hierzu Marschall F o ch und der englische Oberst Heywood, der kürzlich an der griechischen Front gewesen ist. Die beiden mlli- tärifchen Sachverständigen erklärten, über das endgültige Ergebnis des türkisch-griechischen Feldzuges könne man vielleicht erst nach Monaten urteilen, da die endgülttge Entscheidung so lange hinausgeschoben werden könne. Die Absicht der Alliierten sei es, in diesem Konflikt n e u t r a l zu bleiben. Eine andere Handlungsweise sei nicht möglich, da beide krieg- führenbe Parteien bis zur Stunde eine Vermittlung noch nicht angeregt hätten.
Die Konferenz der Finanzminifter.
P a r i S, 9. August. (Wolff.) In der heutigen Konferenz der alliierten Finanzminister sind die einzelnen Staaten wie folgt vertteten: Frankreich durch D o u m e r, Italien durch den Schayminister Soleri, England durch Sir Robert H o r n e, und Belgien durch Finanzminister T h e u n i S.
Die interalliierte Finanzkonferenz und die Befatzungskoften.
Paris, 9. Aug (WTB.) lieber den Verlauf der Dachmittagssitzung der interalliierten Finanzkonferenz wird gemeldet, daß man sich vor allen Dingen mit der Frage der Kosten der Besatzungsarmeen beschäftigte. Es wurde beschlossen. ein Komitee einzufetzen, bestehend aus den Finanzministem der alliierten Länder, um den Betrag der Kosten für bie Be
satzung biS zum l.Mai festzustellen. Dieser Ausschuß soll auch die Besatzungskosten für jede- einzelne Land prüfen. Während ein englischer Soldat 15 Eo bmarf pro Tag lofkt, tetr, g n die Unterhaltungskosten für einen französischen Soldaten nur 6 Goldmark. Minister Loucheur schlug zur Vereinheitlichung der Ausgaben einen Betrag von 11 Goldmark für jeden Mann vor. Bis jetzt hat die englische Delegation diesem Antrag noch nicht zugestimmt Der gleiche Ausschuß müsse auch prüfen, ob die Lieferungen Deutschland s die Kosten decken und wenn nicht, wie bai Defizit gedeckt werden soll. Ein weiteres Komitee soll die Desahungskosten nach dem l.Mai prüfen. Dieser Ausschuß wird morgen zufammentreten
französische Stimmen.
Paris, 10. Aug. (WTB.) lieber den gestrigen Tag und die über die Teilung deS Industriegebietes qngenommene Resolution schreiben die Morgenblatter. indem sie fast durchweg nicht mehr an der Möglichkeit einer Einigung zweifeln. Per tina ? sagt im „Echo de Paris", der gestrige Tag habe schlecht begonnen, was aber nicht bedeute, dah er schlecht geendet habe. Lloyd George habe in seiner Rede die eftra- Vaganten historischen Theorien wieder vorgebracht, die seine berühmte Rede vom 13. Mai ausgezeichnet hätte. Obzwar Pertinar die Antwortrede Briands schwach findet, erklärt er, die drei in Lloyd Georges Vorschlag für die Arbeit der Sachverständigen enthaltenen Richtlinien seien von Briand nicht restlos angenommen worden. General Lerond habe den franzos.schen Standpunkt aufrecht erhalten, aber was nütze daS alles, da die Deutschen zum gröhten Teil Befriedigung erhalten würden. Die Forderungen des Generals Lerond seien also ins ßeere gegangen. In der Angelegenheit der Verstärkungen habe man vor 14 Tagen in Berlin gedroht und in London eine fast brutale Sprache geführt. Pertinax schließt: Ist das eine französische Politik?
Englische Prcssestimmen.
London, 10. Aug. (WTB ) Lloyd Georges gestrige Rede auf der Pariser Konferenz bildet das Hauptthema der Preise. Der Ton der Blätter ist bezüglich der Aussichten auf eine Regelung der oberschlesischen Frage zuversichtlich.
.Daily Telegraph" zufolge bestehe guter Grund zu der Annahme, daß die internationale Spannung wegen Oberschlesien beträchtlich nachgelassen hat und dah mehr Aussicht auf eine- Lösung bestehe. Das Blatt erklärt, dah das ober» schlesische Industriedreicck zu Deutschland g HZr^ sei im Obersten Rat erneut mit größtem Rach druck hervorgehoben worden. Das Blatt weist jedoch auf die Möglichkeit hin, dah ein Kompromiß auf der Grundlage der Preisgabe des Grundsatzes der Unteilbarkeit des oberschlesischen Industriedreiecks gefunden werden könne. Offiziell liegen dem Blatt zufolge keine Anzeichen dafür vor. CS sei jedoch, wie verlautet, Tatsache, daß jetzt sowohl auf englischer wie auf französischer Seite die Reigung vorhanden ist. eine Grenzlinie, die das umstrittene Gebiet durchschneidet, in Erwägung zu ziehen. Wenn dies auch nicht die beste Lösung sei, so sei sie doch die am besten erreichbare.
„Daily Mail" berichtet, der durch die englischen, französischen und italienischen Ober- tominiffare verstärkte Sachverständigen-Ausschuß sei so gut wie angewiesen worden, eine Teilung des umstrittenen Industriedreiecks zwischen Deuthen—Gleiwitz—Kattowitz zwischen Polen und Deutschland vorzuschlaaen, das die englische Regierung bisher Deutschland zuteilen wollte.
Der diplomatische Berichterstatter deL „Daily C h r o n i c 1 e" meldet aus Paris, man nähere sich einer Lösung deS oberschlesischen Problems. In gut unterrichteten Kreisen glaube man, dah der Oberste Rat bald eine Regelung der ober- schlesischen Frage erzielen werde. Die Sachverständigen hätten, sich bereits an die Festsetzung einer neuen Grenzlinie gemacht, die von Rorden nach Süden anstatt von Osten nach Westen verlause. England müsse den Polen im Industriedreieck Boden überlassen und Frankreich müsse dagegen einen Teil des noch unentwickelten Gebietes von P 1 e ß und R y b n i k Deutschland zugestehen. Ein Punkt, der Eindruck gemacht habe, fei der dah in 15 Jahren das Industriedreieck wahrscheinlich von viel geringerem wirtschaftlichem Werte sein werde während der nicht aus- qebeutete östliche Bezirk entsprechend im Werte ft eigen werde. Der Berichterstatter deS „Daily Chronwle" erklärt, wenn die polittschen Grundsätze angenommen würden, hätten die Sachverständigen freie Bahn. Es sei jetzt wahrscheinlich, dah die Franzosen den Geist der von Lloyd George in seiner aeftrigen Rede niedergelegten Grundsätze annepmen würden. Wenn dies der ^all wäre, so sei damit die wirkliche Arbeit der Konferenz erledigt, und die Entente sei gerettet
Die Rote-Kreuz-Hilfe für Rußland.
Berlin, 9. Aug. (WTB.) Der Präsident des internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Ador, lud das deutsche Rote Kreuz ein, an der Konferenz in Genf am 15. August teilzunehmen. Auf der Konferenz soll die Frage der internationalen Rotekreuzhllfe für Rußland beraten werden. Der Präsident des deutschen Roten Kreuzes, Landesdirektor von Winterfeld t, antwortete Ador, dah das deutsche Rote Kreuz der Einladung entsprechen werde und drückte dabei aus, daß das deutsche Rote Kreuz auf dem Standpunkte stehe, dgh angefidftö bet Größe des russischen Problems nur auf breitester


