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AttL Stadr «nd Cattö.

Gießen, Den 9. Fehr. 1921

«ehr ü«Nicht auf die Krieg», beschädigten.

Vor einiger Zeit würben aus Anregung tn der Stadtverordnetenversammlung in den Straßenbahnen Plakate mit der Aufforde­rung angebracht: Räumt denKriegsbe schädigten Sitzplätze ein." Es ift er- freul'ch. daß dieser Aufforderung in den mei­sten Fällen gern Folge geleistet wird. Anders allerdings auf der Eisenbahn. Wie uns von Kriegsbeschädigten geklagt wird, versucht das Publikum, roenn die Züge überfüllt sind, viel­rach die für die Kriegsbeschädigten reservierten Abteile zu stürmen, und zumql Frauen sollen sich dabei zu abfälligen Bemerkungen gegen die Kriegsbeschädigten hinreißen lallen. Es wur­den uns gerade aus Frauenmund empörende Aeußerungen gegen das billige Vorrecht der Kriegsopfer, in besonderen Abteilen es sich beguem morfxn zu können, milgeteilt. Jeder, der solche Bemerkungen hört, sollte ihnen sofort energisch entgegentreten, denn es macht den peinlichsten Eindruck, roenn sie von den Umstehenden schweigend hingenommen oder von den Kriegsbeschädigten selbst zu­rückgewiesen werden müssen. Wenn einer im Dienste des Vaterlandes seine gesunden Glie­der geopfert hat, so soll man ihm immer und überall mit rücksichtsvoller Zuvorkommenheit seine Achtung und Hochschätzung erweisen.

Die wir bei dieser Gelegenheit erfahren, befinden sich in den Gießener Laza­retten noch etwa 150 Kriegsbeschädigte, darunter etwa 80 im Reservelazarett Brau- qasse, die noch keine Heilung gefunden haben, darunter solche mit 10lomaligen Opera- tionen

Aschermittwoch.

Grau und trübselig hängt der Himmel hn>te morgen über der Stadt. Fasching ist in Gießen tznim gefeiert worden und dennoch fühlen wir Aschermittwochstimmung, weil sie uns naher liegt, als ausgelassene Lustigkeit.

Bunt war es emst in den Straßen. Mit Schellengeklingel nnd Peitschenschlag feierte die Deltlust lackende Triumphe. machte die stoßende, btongenbe Menschenmenge sich zu willigen Narren. Faschingslaune sprübte aus Wein und Sekt.

Tie Not der Zeit hat auch dem Fasch.ng sein buntes Gewand genommen. Kaum weniger grau als dieser Asckermittmochmorgen zog er vorbei. Fast unmerklich sind die Spuren, bte er hinter­lassen hat. Ein paar spärliche Kvnfettiblattchen im Rinnstein, wo sich früher ganze Berge anhäuften. Eine verirrte Luftschlange an irgendeinem Garten* girier weiter nichts. Was an lustigem Treiben vor sich ging, hatte sich fast ohne jeglichen karnv- vakistischen Charakter auf gefcNoffene Gesellschaften und einige Lokale beschränkt. Tie meisten Gießener hielten nur an dem all überkommenen Kreppel- essen fest.

Heute morgen ist der FastnachtSsvuk zerronnen. Die Rot der Zeit, über die sich mancher wohl gerne hinweggetauscht hätte, steht wieder hart vor uns

rvettcrvoranHsage

für Donnerstag:

Dunstig, wolkig und trocken, Nachtfrost, tags Ünlder, östliche Winde.

Tas nordöstlich von nnS liegende Doch bewegt sich langsam nach dem Innern Rußlands. Wir bleiben vorläufig noch unter seinem Einfluß, so daß mit Fortdauer der bestehenden Witterung zu rechnen ist.

Veranstaltungen.

Mittwoch: Stadttheater, 7 Uhr,Ter Tar- tflff" undTie Gezierten". Calä Leib, 71/, Uhr, Konzert und Vorstellung bet Chiemseer. Licht­spieltheater wie gestern.

** Die OrtSgruppe Gießen der D.eutsch-N at i onalenVolkspartei h e't, wie uns mitgeteill nrirb, am Montag abend ihn* die-jLhrige .Hauptversammlung ab. Der 1. Vor­sitzende berichtete über die verschiedenen Veranstal­tungen, Vorträge usw. Aus diesem Berichte war üu ersehen, daß der Vorstand eine lebhafte Tätig­keit entfaltet hatte, um das reichhalti.qe Jahns- Programm durchyiiführen. Auch die Frauragnivve White eine erfreuliche Erweiterung und Vertiefung ihrer Arbeit Die Iugendgrupve hatte c- sich vor 411cm angelogen sein lassen, unter ihren Mitglie­dern nationale Gesmnung zu pflegen und hock^u- halten. dasselbe gilt auch von der Studrmte gruppe. Die Mikglieder^abl ist in stetem Steigen begriffen, besonders in der letzten Zeit sirrd aaMmd* Neu anmeldungen erfolgt Die Kassenve.^ältnisse sind durrlwu- gut Der bisherige 1. Vorsitzende, Ober- Vostiekretär Ko hl Hase, wurde imtrr Ickbafter Zustirnmima nnstinnnig wiedergewählt Das Amt deS 2 Vorntzendert übernahm Prof. Dr. Woltler. Aucv bic Dadl der übrigen Mitglieder des engeren Vorstandes ging glatt von stottern Nachstehende Ent sckließung sand einfHmmige Aimahme: Dre heutige Hauptversammlung her Deut sch- nationalen BvlkSparter in Gießen er­hebt ernmü ig Vwtest gegen die wmerdnwS dcab- sübttgte Verschorfung der Versailler FriedenSbe- bmgnngnt durch Misere rotb iWigcn Feinde Wir ersuchen ine fliegtk'tung. unter k'ftnen Umständen nachzugeb'.'n, sondern alle neue i D' angsalierungen seitens der ebrntlirfra fiYi ilbigcn in Paris und London rundtvey abzulehnen. Besonders

mrtrQrt'tv1 1? die geplante AuSfuhrabgibe von 12 Prozent Srewäre das ferste Mittel, über Mill tonen deutscher BolkSgenospen weit über d^nFnedensverl^ag" hinaus bauerndes Elend, <5i«rruni und Hungersnot zu verhängen. Wir erwarten von h-bvr Negierung ein glatte» 9?cin ttecen bte sich fortwährend steigernde Dranasalterung imierrs Volkes, mag dann tonnnen waS kommen mag Ebenso weisen wir die An- vage gegen die frühere deutsche Regierung wegen ber 6^b am UYiegc mit aller Entsch ebendnt zurück. Das Schuldbekenntnis beruht ans Erpres­sung an einem wehrlosen Stoik und wi-h nid« verhindern, He e:gmtllchen KriegS!>etzer der Entente immer flauer und deut'über zu erte m m .

** Kleine Mitteilungen. Gestohlen wurde auS dem Schaufenster eines hiei gen Ge­schäftes während der Abwesenheit des Geschäfts­inhabers ein Marabukragen und ein Mu't im Werte von 450 Mk. Vor Ankauf wird nenxinit Sachdienliche Mitteilungen nimmt bte bieüge Kriminalpolizei entgegen.

** Dornokizen. Oberhessisch er Kun st verein. Die für die neue Ausstellung angemeldeten Kollektionen, u. <l auch die der 5tünstlergruvpe Münchens ,.Der Kreis" sind ein» getroffen, so daß die Eröftmrng der neuen Aus­stellung am Sonntag erfolgt. Litera- riichr Gesellschaft. Vie es unseren hie­sigen hieran* eben Kreisen bekannt ist, sand vor wenigen Wochen am LandeSthea er Darmstadt bie beoeuicrtte Uraufführung eines Schauspiels von Knut Ham,umKönigin Tamara mit großem Eriolge statt, ftnut Hamfum ist der Nobel­preisträger von 1920. lieber Leben und Wirken dreies nordischen Dichters wirb am Freitag Kasimir E ds chm i d Darmstiidt spachen, der dabei einen Ueberblick über bte gesamte moderne Literatur geben wird. Es tft nur lebhaft zu be­dauern, datz dem Plane der Gesellschaft die Aus­führung derKönigin Tamara" als Gastspiel des Landestheaters in unserer Vaterstadt, bei für viele ein hoher künstlerischer und literarischer Genuß sein würde, große Schwierigkeiten be­sonders finanzieller Art entgegen stehen. Am Donnerstag abend 8 Uhr spricht Dr. Theodor Heuß auf Einladung der Deutschen demo­kratischen Studentengruppe an der hiesigen Universität im Einhorn-Saal. Theodor veuß. ein im deutschen Süden wohlbekannter Politiker, gehört zu dein Kreis um Friedrich Naumann: er kommt auS der (Meterntenrodt des national-sozialen Vereins und suchte, nachdem diese Gruvve leider nicht die erhoffte Partei» L ldenk- Kra t zu envvtckeln vermocht hatte, mit Naumann und a ib.'ten organisatorischen Anschluß an den Linksliberalismus. .Heuß wirkt heute als Schriftleiter der von Paul Rohrbach frewtSgegebe­nenDeutschen Pvlüi^ neben derHilfe" die bedeutendste demokratische Zeitschrift. Der Wartburg-Verein veranstaltet am kom­menden Sonntag abend im Markussaal. Kirchstr. 9, einen Familienabend mit musikalischen Darbie­tungen und einen Lichtbildervortrag:Eine Wan derfa hrt durch das Bergische Land", teneS wichtige Stück Deu sckland zwischen Rhein, Ruhr und Wuvpet (jetzt zum Teil durch unsere Feinde besetzt), dar nicht nur in Sage und Geschichte ausgezeichnet ist. sondern vor allem künstlerische und NaturschönHei en in großer Zahl

1 ausweist. Sieh» Anzeige Der Vortragsabend d s T. O. B find t am Frei tag, nach wi? irr­tümlich angegeben am Donners ag abend statt.

Landkreis Gießen. Ntderfiille.

L) Lang-Göns. 7. Febr. Heute nacht wurde bei dem Flaschenbier- und Zigarrenhändler Georg Belte eingebrvchen. Der Ticb erbrach beit Tisch, in dem das Geld verschlossen war. Frau Belte erwackte durch das Geräusch und es gab einen Kampf Zwischen ihr und dem Ttc6. Das Geld fiel Mm Teil auf den Br/en MS der Che- matnt aus seinem oberen SckÜafzimimer zur Hilfe eilen wollte, war der Dieb verschwunden.

El Pohl - GönS. 7. Febr. In der Nacht von Sonntag aus Montag wurde em runqer Mann von hier, der ein Mädchen von einer Danqelell- schäft heimbegleitete, von 67 * trugen Burschen, mit denen er ternerla GtreihTfeit ge'hjfbt hafte und btt sich mit abgerissenen Latten und PrüaeOi versehen Titten, überfallen und nfederaeschia- gen. Er wäre wohl sicher zu Tode geprügelt wor­ben, wenn nicht einige Manner ihm zu Hilfe ge­eilt wären. Beim Hevannahen der Hilfe ergnften die Rohlinge die Flucht. Ter Ueherfallene obendrein ein Kri^ftnrxllade hegt fchroerfnant darnieder. Bereits fanb bähet Erhebung durch die Gendarmerie von Butzbach statt. Es wäre an- gebvacht, daß durch ernt eiemplarssche ®i"hxrtimg der Täter, die zum Teil ermittelt sind, ihnen de Lust izu weiteren ähnlichen Taten genommen würde.

u. H euchelhei m. 9. Febr. Um die Er­richtung eine- Gedenksteines für unsere im Kriegs Gefallenen werter gu fördern, fand am Sonntag die bereits schon fn'iber angrkündiate öffentliche Versammlung statt, die rocht gut besucht war. Die provifvrisch? Kommission zur Förde­rung deS TenkmallmueS wurde fceftü'igt und d'rrch weitere vier Miftckteder ergänzt. Bildhauer Köb- ding Gießen entwirMte ferne Idee *u einem von ihm vorgelegten Denkmalentwurf. Ergänzt wur­den feine Ausführungen durch Architekten Burg, her besonders über Schaffung eines geeigneten Hintergrundes sprach. In der sich daran anschlie- sendcn Aussprache wurde her vorliegmde Entwurf einstimmig gntaebeiften. Das Denkmal soll auf dem neuen Friedhof fernen Starckort finden.

Kreis AlSfeld.

x Homberq, 6 Febr Bor zahlreicher­schienenen Mitgliedern des hiesigen Ge» tverbevereinS hielt Architekt Leich um, Lehrer an der Gewerbeschule Gießen, einen Vortrag über das Bauen unter den gegen­wärtigen wirtschaftlichen Beschränkungen, be­sonders über die Errichtung von Klein­häusern. In 1»/,stündigem Vortrag sprach er über das gesamte Gebiet des Kleinrooh- nungsbaues und u. a. über die Beihilfe» hnpotbeken, über Ersparnisse, die durch Ein­schränkungen beim Kleinhausbau erzielt wer­den können, bie Konstruktionsteile und die baupolizeilichen Vorschriften, über bie Wärmewirtfchast, bie Typ sierung, bic vielen Ersatzbaustoffe und sog. Sparbauroeisen und schließlich noch über Bodenfragen, über da- Erbbaurecht und das WiederkaufSrecht Der Dorfitzendc dankte dem Referenten für seine Ausführungen, an bie sich eine Aussprache anscßloß

Oelsen-Nassau.

llncdrl che Eisenbahner.

st». Frankfurt a. M., 8. Febr. Tie Eisen- bahnkriminalpolizti nahm eine 12sövfige Fälscher­bande fest, die die Eisenbahnverwaltung durch Sus- stellung gesülschlerFrachtbriefe um mehr als 100000 Mk. geschädigt hrt. Unter her Gesell- schäft befinden sich neben Tiicnbahnau.'h.'lsern auch ocrfd&iebene Privatpersonen aus dem Kreise Friedberg.

Frankfurt und die Mefsezuschüffe.

fd. Frankfurt a. M., 8. Fthr. D e Stabt- verortmellnver'amml ing nnbm heute einstimmig eine Entschließung an. in der sie gegen die heute erfolgte grundsätzliche Ablehnung aller er­betenen Zuschüsse für die Frankfurter Melle durch bic Reich-re gierunq »chä ssten Pro - test erbebt. In der Enn'cdließung wird daraus fingeroie'en. daß allen anderen deutschen Mert» Oätüen große Zuschüsse gewährt würdm. während ürantfun trotz ie ner Bedeunmg als dtutfche-- 1 Bollwerk gegen Westen diese Zuschüsse versagt ipüt»

I octl Eme aus allen Frakrronen gefnlbee Kom- 1 miftivn soll nochmals in Scrlti bei allen maß- grhcnöni Stellen um GvoLprmig eines Zuickmues vorstellig werden.

* Kurze Nachrichten auS Helfen und den Nachbarstaaten. In Lang- Göns feierte am ^xunsrcg der Gesangverern Frohsinn fein 66. Stii tuvgs eit An Mitglied er, tne 25 Fahre dem Verem aug.'ivrvn, wurden Tu».ome derteilt Ter Ge s gxrnii Qienra xi tnrfr am Sonntag ei. en FamtiO ^».nb mit Thoatervors.ei- Lung und Konzen Einen gut befudten Fxi- millemmterhaliu gsab.iid t e a.tüalte e ebenda ls am Sonntag der FußbaMub A.e.iiwrntu 191U in Gebe rn. Am Montag ianb hier eine P. H. £- M itglieberverfammlung statt zur Beratung des diesiahrigen Wauherp.aues 14 Wanderungen anit» ben sestgnetzt. Wart« nnerste: ist Emst O.< hrim. Bet ci.ier Avcn u.tc ha.tui g des 5) imi-erni d Laubach wurde das Th aterftutfPr.ziv a' au,* geführt. Tie gute Aussütxruna mußte be.erts mehr­fach wiederholl werden. In Müschen Heim wurde gestern ein Heimlich erabeud der Ortsgruppe Mu>chetch?:m eteira-igsr K t.^gSgesan e er re.a - stattet. Tie Amp.a^L beeil steine. a> Horst aus Greßen. Durch 'Lspntden wurden 211 Mk. ein» gebnadu, die dem eii zigen oberfe'ufden Strie H- geiangenen m Avig on, Falk, üb rwxeien werden. Zwisck^n Dillenburg u d Herborn nn ein ta.wär s soh:cn c: Gütcrjaw Der abgerisse e Teil,- der tu etwa 200 Metern Abstand hinter bem ersten Zugkeil herr-oll2, tonnte g üLrckxrweiie tn Herborn zum Stehen g?b.acht werden, fo haß em Unglück vermieden wurde. Ein vom etaiur- gang zuiüäkchrender 0> aoeur aud Marburg richtete geilem vor SSdbmbaan'en etner Frau ein Hotzwägelchen, tos nm gestürzt war, wieder auf. Der 64 Iahrc alle Mann rouriie bei 1 einem LrüieS* werk vom Schlag aellvisen. Au> eteer Hocv- leitsfeier in Ende rndork rouibe nach der Trxunmg der üb.kfx T ank rerab o.gt Statt des Wernes retdue aber bte Wroiitean den Gasten eme Ar,miklösu! g, so laß cd c Dochzeitsgafte unter jdgveren Ve g <tungsecscher. u gen erk anlten; me * rcrc sind bereits geitorven. Seit Mitte Dezember wurden im Sba-tgebtet Frankfurt au, 1b Fixrum und SRdbdxn Jixrctoberf4Ke verübt, bei denen von den Tätern gühere Ge.d'ummen er­beutet wurden. Gin verha t In 18 ä riger Burßl e gab drei von ihm veiübte Ueberfäfle zu B i dem Versuck^ einen EilgüterMg ari, her Fahrt zu bevauden, fiel bei Mainz etn Efteni-ah arbdtrr, Bll ter 8 uumünbiger Kinder, vom Zuge I;c ab und wurde sofort g tötet. Der Arbeiter Lip­pert, bet vor einigen Mona eu eine Tt itümagb m Amberg ermoroe.e, routx< in Hose bej l'arib- gerichtsgebäudcs durch eine Abtellung Retchstt«l-r erschosien.

Der Wetzlarer Stttfl

Wetzlar, 8. Febr. 1921

Schon tn der fünften Woche streikt in Wetzlar und Umgegend die MelnHahl der industriellen Ar­beiter. Die BuderuSschen Eisenwerke, die Carv- linenhütte, das Herkuleswerk, Stahl- und Eisen­werk Aßlar, die g oßen optischen Werke von Leitz, Spinnerei und Weberei sowie bie Mitteldeutsche Gerbevei und Riemensaorik liegen völlig still, bte Kugellagerfabrik Holl mann hat wegen passir^er Resistenz der Arbeiterschast ebenfalls ihre Tore «-schlossen und bie Main-Weferhütte in Lollar sowie Die Carlshütte bet Limburg haben wegen Mangel an Eisen infolge bed Wetzlarer Streiks ihre Be- triebe ftülegen müssen. Zur Hat ftneni über 6000 Arbeiter und rin Ende des Streiks ist noch nicht abzusehen. Den äußeren .Anlaß gaben, wie überall, erneute Lohnforderungen, bie die Arbeit­geberschaft glaubte Diesmal nicht mehr zahlen zu können. Der staatliche SchlichtungsauSschuß ent­schied, daß öen Arbeitern mit einer Lohnerhöh­ung nidtf mehr geholfen werten könne, daß die solche nur eine alsbaldige Steigerung der Preise bewirke, bte die anderen Verbrauchergruppen, Be­amte, Privatangestellte, Rentner besonte s hart treffen würde, bejen Einkommen Li »e Erhöhung erfährt. Der staatliche SckslichtungSansschuß müsse bie Interessen b.T A Igemeinbeit im Auge bt biücn und könne habet einer schnn'oaren Besserstellung einer einzelnen Verbrauchrrgruppe auf Kosten aller anderen nicht zustimmen.

In besonderer Berücksichtigung der Notlage der Familien glaubte aber Der ScftlichtungsauS- sckiuß einer einmalig.m Beihilfe für Farnllienväter das Wort reden zu müssen.

Der SchlichtungsauSschuß ließ bie Jugend­lichen, bte bie Macht in den Gewerkschaften auS- Üden, leer ausgehen, darin liegt letzten En­des die Ursache für ben Streik, dessen verheerende Folgen der Lohnausfall beträgt bis heute zirka 6 Millionen Mark in unserem ganzen Wirtschaftsbezirk zu fühlen sind.

Tie älteren und oerhexratetnt Arbeitet hätten sich mit dem Schiedsspruch abgefunden, der Terror Der Ingen dl ickren brachte den St eik Die öffent- lidx Meinung steht infolge brfer klaren Verhält­nisse^ auf Seiten der Arbeitgeber. Insbesondere der Streik bet der Firma Lritz, die in ihrer sozialen Betätigung unbestritten als musterhaft anerkannt wird, wird als frivol bezeichnet.

Gegenüber der angeblichen Notlage der rügend» licken Arbeiter hat die Arbeitgeberschaft auf Bei» spiele von mafifokt Verschwendung von Jugend­lichen hingewiesen, die man in diesem Matze nickt für möglick halten sollte, denen aber nicht unter» spwcken unb die oerid iebentlich auch Don Arbeiter- kreisen anerkannt wurden. Z. B. wurde darauf hingewiesen, daß ein lu^rmdticher Arbiter einen Solütanz für 300 Mk. eritegetl und Scknapszcckvn von Iugendlichm pw Mann unb Abend von 2JO Mark nickt #u den Seltcnknten gehören. Eine Gastwinsckaft Hat bet dreitög^er Kirmes über 40000 Mk Einnahmen, gelegentlich eii er Kirmc- »ahlten 12 IunqenS, einer über 16 Jatoe im Stehen am Büffett 6 Stiriel Schnaps i«oen zu 200 Mk u. a. m. e

Inzwischen ift von dem Deutschen Metall- atbetler-Betband der Re ichSa r bei t s m i n i- fier um Vermittlung angerusen worden und am 4. Februar fand in der Handelskammer zu Gie­ßen unter dem Vorsitz der Vertreter dcS Reicks- arbeitSmmisters Geb Rat Dr. Koch eine Sit­zung statt, in der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlreich vertreten waren.

Stamme dieses Dones hegen die Begrifft do handeln, handeln, markten, feilschen, das tonn nicht der Zweck der heutigen Sitzung sein. Die Bebing- teigen für die Sichereröfinung der Betriebe sind in dem Schreiben an Herrn Baürat Sietmann oom 19. Januar 1921 wieder gegeben "belanntgegtben Stplarcr Anzeiger Nr. 16).

Zu Punkt 2 dieses Schreibens ist zu bemerken, daß bie Zahlung der Wirtschastsbethilfe durch Schreiben an die Zentralstrcilleicung vom 28. 1. Oüiebcrgegebcn im Wetzlar-r Anzeiger Dom 28. 1. Ar. 23) befristet und abhängig gemacht wurde von der Erkläruna zur Wicbetausnähme der Arbeit bis spätestens 1. Februar morgens. Tiefe Eik ärung ist nickt erfolgt, somit der Punkt 2 der Bedingungen für bie Wiedereröffnung der Bett t.be zurückge^Xten. Ich hoffe, daß bas gegönnte Schreiben vorn 28 Ja­nuar an bie Zenrralstverkleitung nicht mißoerstanlen worden ist. Nicht um einen Druck auf die 5nettra­ben auszuüben, ist bie Zusicherung der Wi tfl^astS- beihilse zurückgezogen worden, sondern einzig unb allein, weil her in den letzten vier Wochen erfolgte katastrophale Niedergang bet Wirtschaftslage die­selbe unmöglich gemacht hat Hierbei sei bemerkt, daß auch bte nickftbestreikten Firmen deS Lahn- Arbeitgeber-VerbandeS nicht mehr in der Lage sind, das Angebot der Wirtschaftsbeihilse aufrecht zu er­halten. Ob die Zusicherung unter Punkt 2 der Bv» tnnaungen, bie Wiedereinstellung unter Zahlung bei bisherigen Löhne vorzunehmra, noch lange aus reckt erhallen werden tonn, wird von Tag yu Tag »Wei­sel Hafter. Im besonderen betonen wir. wie dies schon in dem Schreiben an Herrn Baural Steernann zum Ausdruck gekommen ist, baß die WiedererSifmutg bet bestreikten Betriebe nur geschlossen dot- genommen wird, lieber bie v uns bekannt» gegebenen Bedingungen für bie Dieoereröfsnung brr Betriebe können wir in obigem Sinne nicht ver­handeln. Wenn wir der Einlabung der Regierung zu der heutigen Sitzung gefolgt sind, so taten nnr dies in staatsbürgerlichem Dllicbtbetoußrs 'in und in Achtung der Autorität bet Regierung, die ein Recht daraus h l. non uns zu hören, welche nwrtfd aftlichra Gründe uns «rbieten, weitere Lohnet hähungen w bcimUigat. Wir sind gerne bereit. Ihnen h er icbe nur gewünschte Auskunft über die wirtschaftliche Sage zu geben unb stehen Nhnen auf jede Frage Rede unb Antwort. Tie trösttise wirftchaftlicke Lage haben wir Ihnen schon gelegentlich der Sitzung vom 7. Januar im Kreis Haus ringt hmb gcfthiloert Sie hat sich in der Folgezeit nod) in einem solchen Maße verschlechtert, daß den Männern, die im Wirtschaftsleben straen, heute bte belle Verzweisurig an kommt. Leidet wissen wir, daß bie Herren von der 91rbeitnebmerfeite solchen Auslichtungen ohne jebe# Bersländnis gegenMe.st hen. Sie wo len solche Schilderungen nicht wobt haben, sie glauben e? nicht unb sogen,das sagt ihr uns bei lebet Lohnforderirng". So haben denn b esmal, roo da Worte versagten. Die harten Tatsachen sprechen müssen. Trotzdem ergreifen wir heute gerne noch­mals die Gelegnihiit, um Ihnen die Nutzlosigkrit des Streiks unb die Unmö^ichtoit weiterer Lohn­erhöhungen zu beweisen, ©ran di.' Herren der Arbeitnchmerfrite uns wiederum keinen Glauben schenken wollen, so sollten ste hoch wenigstens nicht achtlos an den amtlichen Beto Haiti idjunyn oor- übergi'Hen. Ich verweise bfierbolb auf die letzte Nummer des amtlichen ReickSarbeit-blatles vom 30. Januar, bie aerabewu erschütternd« Bilder von ber allgemeinen WrrtschaflSlage gibt « fürchter­liche Wirtschaftskrise geht durch die ganze Welt, lieber all Lohnreduzietungm und Berrir b*i n schr an- kungra Nut allein in Deutschland sind noch keine Lolmreduzrerungen tx>rgenx)mmrn. In Neuntgland sind die Löhne der Textilarbeiter am 1 Januar um 22 Prozent herabgesetzt worben, die Slo hl- fabriken der Barinigten Staaten kündigten für den­selben Zeitpunkt eine Herabsetzung der Löhne um 35 Prozent an. Die höhere Hälfte der Baumwoll­spinnereien liegra fttll: in denen, die noch nicht stillstehen, sol.en die Löhne so berabg.'setzt werden, daß die Arbeiter weniger alS vor ben Kriege verdienen.

Fast die gleichen Mitteilungen kommen auS allen Industriestaaten Wenn diesen Tatsachen gegenüber in Deutschland immer noch weitere Lobnsorderungra erhoben werden, so Helsen Worte nichts mehr, bann können eben nur noch die Harten Tatsachen sprechen. IH wiederhole iedoch. daß wir gerne diese letzte Möglichkeit ergreifen. Ihnen nicht nur di eallgerneine, sondern im be­sonderen auck die allgemeine, sondern im be­sonderen auch die wirtschaftliche Lage bet die­sigen Industrie datzulegen, in der Hoffnung, daß letzten Endes doch noch die Einsicht liegt Be­sondere Aufmetksamkrit verdient m die em Zu­sammenhang auch die jüngste Entwicklung bet Lchensmittclorrie Abgesehen von den Fleisch- preisen sind in den jüngsten Wochen Ratte all­gemeine Senkungen eingctteten, tue immer noch weitergehen."

Nack diesen Ausführungen zogen sich die Av- beitnehmer zurück. Bereits nach 2 Winuien kam eine Deputation wieder und etflärte dorch ben Mund deS Gewetkfcka tSsekretäls Schott:

Wir bedauern febr, bei dem durch He ©r- närunq des Pahnarbeilgefaer<rbanbe3 gevetgtenB manaelndra Verständnis für die Lage und die falschen Voraussetzungen ber Criflärnngen nicht verhandeln zu können. Zu einer Unterhaltung in dem gezeigten Sinne find wir nicht berge* kommen."

Der Sprecher des LabnarbeitgebetverbnndeS protestierte gegen diese Vorwürfe: wenn sie schon erhoben würden, so müßten sie auch bewiesen« werden, und die ArbeitneHmerseite hätte bwr die belle Gelegenheit, die angeblichen falschen BorauS- fe&Lngen zu widerlegen und mangelndem Ver­ständnis nad>inhelfen. Diele Auffassung wurde non feiten des RraicrunqSvertreterS Herrn Geh.-Rat Dr. Koch nach Kräften unterstütz', der fick tne größte leihet vergebliche Mühe gab. die erschie­nenen Arbntnehmetvetbände »u einer AuSinrnche zu bewegen, die feiner Meinung nach doch ge­eignet wäre, manche Mißverständnisse aus dem Wege zu räumen. Auch sein Hinwei». daß die Sitzung dock gerade durch bie Einqato des Metall- arbeitetverbandes an den Reick'arbntsminiftet veranlaßt nmrbe. b'icb ohne Erfola. Die Arbeit- nehmerfeite lehnte jede wei err Teilnahme an bet Sitzuna kategorisch ab, die habet als ergebnis­los geschlossen wurde.

Vie Metzger gegen die Hohen VIkhprelse.

mc. Frankfurt a. M., 8. Febr. Die Meister des Fleifchervetbandes von Hessen unb ber Provinz Heffen-Nasfau hielten

Der Verlaus btefer Sitzung charakterisiert die gearawättige StrnHagc An ein Nachgeben der bestreikten Firmen ist nicht mi denken, wie au8 dem folgend wacker^gebeneu Prototoll dieser Sit­zung zu ersehen ist

Ter Sprecher des Lahn-Arbeitgeber-VerbanbeS führte etwa folgendes au5:

__ gestern einen großen Bezirkstag ab. in

Im Bezug aui die h uttge Aussprache vermeide Dem über die Entwicklung der freien ich mit Abkcht das Sott »aöaniSna. ZmlFleischwirtlchaft Berrch^ '