Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger sm Gberhessen)
Ziveltes Blatt
llr. 235
Zreitag, Z. Gttover (921
Auricher Deviscamarkt.
7. 10.
Wechsel auf
Schweizer ‘Jranlca
Datum:
458
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gezahlt:
Kr.
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6. Fortsetzung.
(Rachdruck verboten.)
gen aus einem men wurden, z.
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«mftetbtm- Wotterb. 4043,45 4051,55
Brüssel-Antwerpen . 881,60 883,40
Thristiania. Kopenhagen Stockholm .
Geld 03 rief ö.Dfct
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183,20 500,50 472,- 126,-
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Zürich . . . Amsterdam Kopenhagen Sto^hol'm Wien.... London . . Vari« . . . Neuyork. .
Handel.
Frankfurt a. M., 7. Oktober.
Berliner Devisenmarkt.
182,80 499,-0
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Äolanb . . . veutschlanb. Wien .... Prag .... pari« . . . . London . . . Italien . . . Brüssel . . . Budapest . . Neuyork. . . Agra«. . . . Bukarest . .
London...... Neuyork .....
Vari«.......
Schweiz......
Spanien.....
Wien (alte«). . . Deutsch»Oesterr. . Prag.......
Budapest.....
Bulgarien .... Konstantinopel. . Buenos-Aires. .
Der Schuh im Mut
Roman von Horst Dvdemer.
Büchertisch.
- Franz Earl Enders. GeorgHirth. Verlag Walther E. H. Hirth, München.
— 3}o n Zimmer zu Zimmer, 70Schmoll- und Liebesbriefe des Dichters an feine Frau, von Paul Scheerbart. Verlag Alfred Richard Meyer. Berlin-Wilmersdorf.
Geld Brief
6. Okt.
3921,05 3928,95
866,60 868,40 1463,50 1466,50
2272,70 2277 30
2747,25 2752,75
177,30 177,70 487,- 488,-
Uhlemann sein Arbeitszimmer, um mit ihrem Herrn die wirtschaftlichen Angelegenheiten zu besprechen, soweit sie unter ihrem Befehl standen. Sie war klein und rundlich, trug im Racken ein dürftiges graues Zöpfchen mir einer Unmenge von Haarnadeln feftgeftedt Heute war es später geworden als sonst.
,Ra, Duste?" fragte Christoph Wärhahn und rieb sich die breiten Hände, ,was sagst du denn zu unferm Henner?"
Die Mamsell war leine Schönheit, schief stand ihr die Rase im Gesicht, die schmalen, willens' kräftigen Lippen kniff sie zusammen, sah erst stumm durchs Fenster in die Rächt hinaus und antwortete schließlich:
.Sie hat den Henner am Harren feil! Ich werde ihn von morgen ad .junger Herr" nennen!"
Der alte Währhahn lachte laut und hieb mit der Faust aus den Schreibtisch.
.Erstens, welche Braut hat ihren Schatz nicht am Rarrenseil? Wenn eine noch dazu so ein taufrischer, hübscher Kerl istl Und zweitens wird dec Henner für dich der Henner bleiben, und bu' wirst du auch weiter zu ihm sagen, hast doch die Mutterstelle an ihm vertreten l Altes HauS, du denklt doch nicht etwa, du wirst in die Rumpelkammer getoorf en ?**
-Herr Wärhahn, dann blieb ich nicht hier!" den Mann an, dessen getreu $ GehilN" n« länger als fünfundzwanzig Jahre gewesen war. Und der wuyte, welchen Dant er lciner Mamsell schuldete. Er hielt ihr die Hand hin.
.Du, wenn ich mich freue, sollst du's auch!"
Die willenskräftige Person naljrn die Hand wohl, aber Falten zogen sich auf ihrer Stirn zusammen.
(Fortsetzung folflti.
den Beleidigungsprivatllaqen, dab bestraft werden soll, wer unberechtigt Familiengeheimnisse ausp.'audert, das sog. IndiSkr t.onsde.rlt Richt befriebigenb geregelt ist der Fall der Erpressung, da jede Drohung unter Strafe gestellt ist, ohne dah auf die Schwere des angedrohten Uebels Wert gelegt wird. Gefordert muh werden die Bestrafung für Verletzung des Wahlgeheimnisses und die Bestechung eines Abgeordneten, letzteres um das parlamentarische Leben rein zu halten.
3n seinen Schlußworten führte Frank aus dah die Schaffung des neuen Strafgesetzes nicht übereilt werden darf. Sorgfältige, gewissenhafte Arbeit ist einem überhasteten Gesehemachen vorzuziehen. Bis zur endgültigen Schaffung des neuen Gesetzes muh sich durch Rovellen zum alten Strafgesetzbuch durchgeholfen werden. Die Hauptsache ist aber die Auslegung durch unseren trefflichen Richterstand, der nur dann hochgehalten werden taim, wenn er unabhängig, unabsehbar, unversehbar Recht spricht. Tine Wahl nach Der- hältniSwahlrecht wäre Unsinn.
In der Hoffnung, den glänzenden, sinnvoll- endeten Ausführungen des grohen Gelehrten recht bald wieder einmal folgen zu können, trennten sich dankbar für das Gehörte und die Anregungen, die Zuhörer. Seine früheren Schüler bereinigten sich dann im Gasthof Hindenburg nochmals um ihren hochgeschätzten Lehrer. Dr. L. S.
Warknotierungen.
Für 100 deutsche Mark wurden Datum:
.Vater, da bring ich sie bir!"
Veilchenblaue Augen sahen bittend den allen Wärhahn an, die Röte war Maria Sitten ins Gesicht geschlagen, liebreizend sah sie auS. Lind dann streckte sie ihm die Hand entgegen und sagte mit einem schüchternen Lächeln:
»Ich habe Ihren Sohn lieb, Herr Wärhahn, und will ihm eine gute Frau und Ihnen eine gute Tochter werden!"
Fest hiell Christoph Wärhahn die Hand, er schmunzelte vergnügt. Alle Wetter, so etwas Rankes lief auf hessischen Bauernhöfen nicht herum, sein Herrn er würde beneidet werden!
„Dann sei auch mir herzlich willkommen, liebe Tochter!"
Joseph Sitten trat unterdessen in feinen Gummischuhen von einem Bern aufs andere, schwenlle dabei seinen schwarzen, breiten, weichen Filzhut hin und her. Abseits dabei stehen das wollte er wahrhaftig nicht. Er verstand es doch, mit den rheinischen Bauern umzugehen. Die hatten ihn mehr als hundert mal bei Sängerfesten auf ihren breiten Fäusten durch die Säle getragen und: »Hoch. Jupp Sitten!" gerufen.
„ilnb ich denke, Herr Wärhahn, wir werden jute Freunde! Man jibt doch nicht so aus dem Handjelenk fein letztes Kind her. Ader " er schlug dem Henner auf die Schulter, .der soll sie mit Freuden haben!"
Da hiell auch ihm Christoph Wärhahn die Hand hm. Sein Bauernstolz erwachte. Dah die Dermögensverhättnisse der Sittens sich zum min- öeften nicht mit den feinen messen konnten, hatte ihm fein Sohn in den Briefen angedeutet.
.Freut mich zu hören! Ihre Tochter kommt in em weiches Rest!"
Es klang kühler, als es hätte klingen sollen.
881,60 883,40
2197,80 2202,20 2137,85 2142,15
1633,351636,65 1588,401591,60
größeren Komplet herauSgenom- B. ist die Fahrt auf der Eisenbahn ohne Fahrkarte als selbständigc-s Delik: aulgesührt bisher fiel es unter den Tatbestand des Betruges u. a. Reu eingesührt wurde die Cttasandrvhung für uneidliche falsche Aussage vor für Abnahme von Tiden zuständigen Behörden, desgl die Täuschung von Prüfung Sbehörden iGefängnis bis zu 6 Monaten oder Geldstrafe brs zu 3000 Mk.). Das Delikt der uneidlichen falschen Aussage unterzog Frank einer scharfen Kritik, weil dadurch die Gefahr, dah ein Meineid geleistet wird aus Furcht vor Strafe wegen falscher uneidlicher'Aus- sage, vergröbert würde. Wenn eine Tat im Zustande sinnloser Trunkenheit begangen wird und der Täter deswegen nicht bestraft werden kann, soll er nach dem Entwurf mit Gefängnis bis zr 6 Monaten bestrast werden. Sehr zu begrüben ist im Hinblick auf die mehr und mehr sich häufen-
Är. 117,80 2197, Sh.
Märkte.
Frankfurter Schweine- und Kleinviehmarkt.
Frankfurt a. M. 6. Ott. Amtlich Bei lebhaftem Handel wurde der Klcmviclnnarkl geräumt. Schweine hinterlichen bei gedrücktem Geschäft Heberst and. Aufgetrieben waren 630 Kälber, 1114 Schafe und 419 Schweine. An Preisen wurden angelegt für den Zentner Lebendgewicht: für Kälber, beste Qualitäten. 900 bis 1050 Mt. mittlere Qualitäten 800 900 Mk geringe Qualitäten 700— 800 Mk.. Hammel 250 bis 500 Mk., Schweine unter 80 Kg Lebmdgewicht 1000- 1300 Mk.. von 83—100 Kg. 1300 1400 Mk von 100—120 Kg. 1300 1475 Mk.. von 120-150 Kg. 1300-1450 Mk . über 153 Kg. 1300-1450 Mk Sauen und (Sber 1100—1330 Mk. Außerdem wurden 23 Rinder ohne amtliche Preisnotierung gehandelt. Die Marktpreise liegen um so viel über den Stallpreisen, als sie die nicht unerheblichen Gewichtsverluste, Spesen und Händlergelvinn in sich schließen.
Diesen Gedankengang wurde Christoph Wär- hahn nicht wieder los. Auch nicht draußen auf den Feldern. Sein Werk schritt der Krönung entgegen. Seine Aufgabe hatte er zum Abschluß gebracht, wenn der Henner eine Frau ins Haus führte, die seinem Willen entsprach.
Da hielt der Frühzug auf der kleinen Station. In zehn Tagen war Weihnachten, hoffentlich kam fein Sohn dann auf einige Wochen heim. Darum gebeten hatte er bisher nicht — und würde es nicht tun. er konnte ja nicht wissen, wie weit die Dinge in Godesberg gediehen waren.
Fünf Minuten später rih er das Glas an die Augen Da kam wahrhaftig der Henner und mit ihm ein aller Herr und eine junge Dame! Breitbeinig stellte sich Christoph Wärhahn hin drüclte das scharfe Glas fest an die Augen. Donnerwetter die konnte stch sehen lassen. — und der Henner hiell sie bei der Hand. Also einig waren sie! Unb khr Vater muhte mit dem Qauf der Dinge auch auch sehr zufrieden fein, denn er wirbelte seinen Regenschirm lachend durch die Luft . . . Langsam ging Christoph Wärhahn den Dreien entgegen. Schon von wettern winkte der Henner mit oem Taschentuchs. Aber die Hand seiner Braut kieh er nicht los. Also da war das dicke Wär- hahnsche Blut in Wallung geraten. Das war das Allernottgste. Die Augen kniff Christoph Wärhahn klein, um besser sehen zu tonnen. Ein Prachtmädel war das ja! Richt einmal der dicke Mantel tonnte den schlanken Wuchs verdecken! Die letzten zwanzig Schnitte lief ihm der Henner entgegen. *
Oupp Sitten aber lachte: wenn es nicht . jemütlich" zuging, war's nichts für den empfindsamen Mu- slkus.
.Weih ich! Hott ja! Schwer ist's aber doch, ferne einzige Tochter herzujeben! Sind die Ver- g ian8 jesichrrt was will man bann machen, perr Wärhahn? Sehen Sie nur, wie die beiden stch anstrahlen, und bat bleibt ble Hauptsache! ®at Herz jeht einem ba auf!"
Sie strahlten sich an, Christoph Wärhahn schmunzelte, schmunzelte bis zum späten Wend! Das mit Reben umsponnene Haüs, bie Gärten, tot altem bie Viehställe hatten entschieden großen etnbrud auf die Sittens gemacht. Die innere Einrichtung des Hauses lieh allerdings viel zu wünschen übrig. Da mochte seine Schwiegertochter ihren guten Geschmack entwickeln. Er war mit Henners Wahl vollkommen zufrieden. Die Maria hatte den ,Schuh im Blute!" Unb wie ihre Augen an dem Jungen hingen I Der war doch ein Mordskerl! Sich einen so hübschen Vogel einzufangen! Gerade so, wie er sich baä vorgestellt — nein, noch viel besser war ferne Wahl ausgefallen. Dah er freillch für den Anfang tief in den Geldbeutel greifen muhte, hatte ihm Herr Sitten gleich klar- gcmachl. Ra ja! Künstler pflegen das Geld nicht scheffelweise zu verdienen! Dafür wurde Maria die rechte Stammutter für die kommenden WärhahnS. Wenn erst die Heine Gesellschaft durch das grohe Haus stolperte! Er rieb sich die Stirn und lachte vergnügt vor sich hin. Run ging ihm bem ruhigen, kü berechnenden Manne der Verstand auf seine alten Tage noch mal durch! Ach nein, es war so gekommen, wie er es hatte haben wollen, und auf was er nun hoffte, war Wetter nichts, als was der Well Lauf, wenn bie Zett erfüllet war, mit sich brachte'
Die alle Abende betrat die Mamsell Augustes
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Vermischtes.
* Aushebung einer .Doktors ab ri^. Etne .Dottvrsabrik" betrieb in Berlin ein ge-
«r ödxmbt. ein alter Mann, der jetzt von der Kriminalpolizei verhaftet wurde. Schmidt gab fig» in Zeitungsanzeigen für einen Alademiker auÄ. Er bot feine Vermittlung für bie Erlangung ber Doktorwürbe an und verlangte bahir von ben Bewerbern Vorschüsse.
Säßen hat er nach Meldungen Ber- Itner Blätter auch bie versprochenen Dissertationen geliefert unb sich teuer b c - za h len lassen, in anderen bagegen sich darauf beschränkt, den Vorschuh einzust«ken unb bann ntjytä toeiler von sich hören lassen. Es ergab H<t>. bah er die wirklich abgegebenen Dvlloraroei- ten nicht selbst hergestellt, sondern von Studenten gegen Entgelt ha t anserti- gen laffen. Aus mehrere Anzeigen hin machten Kriminalbeamte Schmidt einen überraschenden Besuch und verhafteten ihn.
* Der .Schatz S t ö r t e be ke r s". Bei Reuhaus a. b. Oste wurde ein Schah gesunden, bon_ bem es zuerst hieb, er sei vom Räuber störte b e k e r vergraben worden. War dies auch nur eine unbewiesene Vermutung, so hat fid) bvch die Rochricht von dem ausgegrabenen Schatze bestätigt, und der Archivar des Kreises H a • dein gibt darüber folgende Mitteilungen: Eine flüchtige Prüfung des entdeckten Schatzes hat ergeben. dah es sich nicht nur um Silber handelt sondern dah alles, was auf den ersten Blick als Messing angesehen wurde, reines Gold ist lieber den Umfang des Schatzes konnten genaue Feststellungen noch nicht gemacht werden, da auS wissenschaftlichen Gründen ohne weiteres keine Teile entfernt oder eine gröbere Anzahl Stücke zur Prüfung herausgenommen werden Dürfen. Der Schatz besteht zur Hauptsache aus allerhand Gegenständen: Bochern. Schü'seln, groben bringen jedoch find irgendwelche Münzen noch nicht gesehen worden. Die Kiste, die eine Länge von mindestens zwei Meiern hat, ist völlig vermodert. Roch in einem Meter Tiefe liegt Metall, so dah es sich um etwa zwei Raummeter Gold und Silber handelt, deren Metallwert allein mindestens 20 Millionen Mark Wert hat. Der Wert dürste aber bedeutend erhöht werden, weil es sich um Kunstsachen handelt. Mil der Ausgrabung des Schatzes soll so lange gewartet werden, bis einwandfrei feststeht, wem der Millionenschitz heute zustehl und bie Sicherheit gegeben ist, dah er nicht ins Ausland verschoben wird. Rach den früheren Gesehen gehört alles bem Besitzer des Grundstückes unb zehn v. H. dem Finder. Die Entscheidung nach ben neuen Reichsgesehen steht noch aus. ---------
Fr 125,40 11,50
S 23,80 0,79
Der Entwurf eines neuen deutschen Strafrechts.
Vortrag von Pros. Dr. Ritter von Frank, derz. Rektor in München.
©leben, 4. Okt. 1921.
II.
Als Strafaufhebungsgründe keimt ber (Snt- Turf wie bisher den Rücktritt vom Versuch und >e Verjährung. Doch ist die Derjährungsunter- »echung anders gedacht. Genügte bisher zur Der- iLhrunaSunterhrcchung eine richterliche Handlung, x auf die Ergreifung deS Täters ober auf die I Verfolgung ber Straftat überhaupt gerichtet war, | otrb jetzt ein Beschlub des Gerichtes gefordert, I eurch ben die Ver-jährung. die im einzelnen ver- J lüigert ist, hinausgefchoben wird. Die Verjährung mbt, solange das Hauptverfahren eröffnet ist, | Hoch nicht länger alS drei Jahre.
Bezüglich deS Strafantrages wstd dessen Der- »blichkrit auf den Ehegatten und nahe Verwandte xu eingesührt.
AlS Sin-elstrasen kennt der Entwurf Zucht- i ^auS, Gefängnis. Einschliebung, Hast. Geldstrafen mb ben Verweis. Die Todesstrafe wird beibe- I "-alten, doch ist ihre Anwendung dadurch nicht m wesentlich eingeengt, dah sie nur wegen Mordes I verhängt werden darf und, wie bereits ausge- ihrl, auch bei Mord mildernde ilmftänbe zu- zebilligt werden können. Der Unterschieb zwischen Äord und Totschlag bleibt derselbe. Reu er- ! shevtt die Einschli bung. Sie ist die alte Festungs- ' hast, die nur als zeitige, nicht als dauernde J Strafe bei allen Verbrechen verhängt werden Kinn, wenn der Richter die Ueberaeugung gewinnt, dah die Tat nicht aus ehrloser Gesinnung ■ begangen wurde. Die stärkste Wandlung erfährt | die Hast Sie soll nur der Ersatz für uneinbring- I ltche Geldstrafen sein, eine soziale Forderung I wgunften ber finanziell schlechter Gestellten. Rur, | wenn neben ber Geldstrafe etne andere Freiheits- , I strafe verhängt wird, kann eine Umwandlung | ii diese flattfmben. Die Höchststrafe für Haft bc- I trägt 6 Wochen, die geschärfte Haft fällt weg, I die für Gefängnis fünf Jahre, doch nicht aus- lchlieblich So z. D. bei Jugendlichen, gegen welche I ja Zuchthaus nicht verhängt werden darf, und bei | frevelhaft verschuldetem Zweikampf, in diesem Falle ist der gesetzliche Strastahmen 5—15 Jahre Gefängnis. 3m übrigen steht auf Zweikampf die Otnschliebung. Am wenigsten wurde an der Verhängung der Zuchthausstrast geändert. Die Ehren - folgen für bestimmte Strafen bleiben bestehen, die Aberkennung der Fähigkeit zum Bekleiden öffentlicher Aemter und des Dienens In Heer unb Marine. Der Strafvollzug liegt zur Zeit noch bei ben Verwaltungsbehörden. Auch ber Entwurf gibt auf bie Frage, wie die Strafe vollzogen werden soll, keine Auskunft. Mm zu ber- hindern, dab durch falsche Mabnahrnen Gefängnis härter fein kann als Zuchthaus unb ber ganze Strafvollzug nicht mehr in das subjektive Ermessen ber einzelnen Strafanstaltsdirektoren gestellt ist. ist ein S t r a f vo l lz u g s g e se h in Bearbeitung. daS im nächsten Jahre dem Reichs- ä vvrgelegt werden wird. Als Srziehungsmab- ime bleibt bei guter Führung in der Straf - laü die vorläufige Entlastung bestehen. Der Strafrahmen für Geldstrafen geht von 5 bis 20 000 auf. Die Höchststrafe kann auf 100 000 Mk. erhöht werden, wenn ble Tat aus schnöber Gewinnsucht begangen wurde. Richt zahlbare Geldstrafen können auch durch freie Arbeit getilgt werden. Der Richter soll bem ui Geldstrafe Verurteilten deren Zahlung durch Gewährung von Fristen erleichtern. Die Umwandlung in Haft ist nur dann zulästig, wenn sie infolge schuldhaften Verhaltens nicht beigetrieben werden kann. Eine neue, sehr weitgehende Bestimmung ist. datz der Verweis nach freiem richterlichen Ermessen bei allen Verbrechen zulästig ist. Als Rebenfolge ist die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte — bei ehrloser Gesinnung, Mord unb anderen schweren Delikten obligatorisch übernommen. De- ldenklich ist nach Frank aus verschiedenen Grün- !bcn, dah ber Strafrichter auch Scbabenäerfat) aussprechen kann, sofern nicht mehr als 20 000 Mark gefordert werden. Die Polizeiaufsicht fällt weg, dafür tritt daS schon erwähnte, durch den Richter auSzusprechenbe Aufenthaltsverbot.
Vorsatz wirb bei allen Delikten geforbert Fahrlässigkeit nur ba, wo eS besonbers ausgesprochen ist.
Im besonderen Teil ist ein Teil ber Delikte gestrichen worden, die der modernen Auffassung nicht mehr entsprechen. So die Verbrechen gegen die Bundes fürsten. Dafür ist eingesührt als Hochverrat, wer es unternimmt, den Reichspräsidenten oder einen Landespräsi- ben t en an der Ausübung ber Regierungsgewalt hi hindern. Au herbem sind 16—18 neue Tatbestände geschaffen worden, bie alS Sinzelhandlun-
Kirche und Schule.
0 MarbUrg, 5. Okt. Mit bem heutigen Tage haben bie Verhandlungen der 38. Hauptversammlung des Hessischen Volks schul- lehrer-Dereins, die am Montag begannen, ihr Ende erreicht. Die Zahl ber Teilnehmer, die aus Kurhessen unb der angrenzenden Gebietsteilen berbcigeeilt waren, dürfte mit 1500 nicht zu hoch gegriffen fein. In bem Jahresbericht würbe erwähnt, bah bie Forderungen ber freien Entwicklung ber Volksschule noch nicht erfüllt seien unb 8000 Schulamtsbewerber auf Anstellung warteten Der Leiter bes Marburger Psychologischen Instituts. Prof. Iaensch, zeigte dann bie neuen Wege unb Ziele ber Jugendpsychologie. Das Ziel gehe dahin, das Institut zu einem Psychologisch- Pädagogischen Institut umzugestalten, damit es der zukünftigen Lehrerbildung dienen könne. 3m Anschluß an Betrachtungen des Herrn Mütze- Kassel über die Lehrerbildungsfrage hielt Herr Caster- Kastel einen Vortrag über Bildungs- Mittel unb die Wege und Ziele ber Arbeitsschule. Auch ber trüben wirtschaftlichen Lage der Lehrer in bezug auf die Desoldungsverhältnisse wurde gedacht. Anschliehend tagten noch bie Junglehrer und diejenigen, die noch nebenbei Kirchendienste verrichten. Abends fanden in den Stadtsälen wie hn Philippshaus Unterhaltungen statt. Bei der gestrigen Hauptversammlung sprach zunächst Herr Be r n h a r de - Weidebrunn „Heber die Kulturaufgaben des neuen Dolksstaates und der Landschule". Er empfahl u. a. das neunte Schuljahr und mehr Zwang bei der Jugendfürsorge. Herr Keller-Kassel schilderte bie Notlage des Marburger Psychologischen 3nstituts, worauf der Beitritt zum Universitätsbund unb Unterstützung des genannten Instituts mit 30 000 Mk. beschlossen wurde. Weiter sprach man noch über Lehrervereine, Lehrerräte usw. und abends sprach Schulrat K i m p e l - Kastel über das Thema „Der Kampf um die Schule". Es wurde eine Ent - schliehung angenommen, die sich für Gemeinschaftsschulen und gegen bie Zusätze im Schulgesetzentwurf auösprach Bei ben heutigen Schluh- tagungen würben besonbers geschäftliche Angelegenheiten besprochen. Rachmitagts wurde ein Ausflug nach den sog. Hansen Häusern veran statt et
(3n einem Teil der Auslage wiederholt.) Die Stimme eines englischen FinanzmanneS.
London, 6. OIL (WTB.) Der englische Finanzmann Paish erklärte in einer Rede über den Auhenhandel und die Crwe, bslosigkett: Die Hungersnot in England werde den Bolschewismus bedeuten. In Frankreich wo etne Hungersnot drohe, werde dies die Revolution bedeuten. Es sei für Deutschland unmöglich, die Waren, bie es brauche, mit seiner verminderten Erzeugung zu kaufen, um die Reparationen, die man von ihm fordere, zu leisten und zugleich den Wert der Mark hochzuhalten. Das augenblickliche Wiederauflebei^ des Handels sei nur zeitweiliger Art. Unter diesen Umständen müsse man zu allererst Europa auffordern, feine Produktionskraft wieberherzustellen und'durch bte notwendigen Kredite den Handel wieder in Gang zu bringen. Durch die Schaffung von Passiven unter den gegenwärtigen Verhältnissen vernichte man das eigene Volk. Alle Rationen tun dies, und es habe den Anschein, als ob die Staatsmänner der Welt wahnsinnig geworden seien
London, 6. Ott (WTB ) .Eveni ig Rew' schreibt in einem Leitartikel: Augenblicklich sei 'm England eine Bewegung im Gang, Deutschlau b seine Schulben zu erlassen. Das Blatt warnt vor dieser .Epidemie".
Amerika und der Wiederaufbau.
PariS, 6. Okt (WB.) Rach einer Meldung der .Chicago Tribüne" aus Washington veröftentlichte daS Spezialkomitee ber Handelskam mer ber Verei nig ten Staaten, das kürzlich von feiner Reise durch (Suroba zurückgetehri ist, seinen Bericht. Der Bericht gibt ber Ueberzeugung Ausdruck, dah bte Vereinigten Staaten unbedingt an ber Regelung der wirtschaftlichen unb finanziellen Schwierigkeiten ber gesamten Welt teilnehmen mühten. Der Bericht spricht sich ziemlich ausführlich über die Frage aus, ob die amerikanischen Truppen vom Rhein zurückzuziehcn sind ober nicht. Falls bie Truppen aus dem Rheinland zurückgezogen würden, womit eine gewaltige Ausdehnung der französischen Derwal- tungszone verbunden wäre, würde ein starker mähigender Einfluß verschwinden.
DaS italienische Wirtschaftsleben.
Rom, 6. Okt. (WTB.) Rach „Epoca" ist die diesjährige Zuckererzeugung fast doppelt so grob als im Vorjahre. Man werde keine Zuckereinfuhr benötigen. Die ©etreibeernte fei ebenfalls viel höher, es brauche nur halb io hki eingesührt zu werben alS im Jahre 1920. Eine Valutabesserung fei infolgedessen zu erwarten, beim es würden etwa 3 Millionen Pfund für Zucker unb 71i/2 Mill. Dollar für Getreide gespart
Das Eisenbahnunglück bei DatianolleS.
Paris, 6. Ott (WTB.) Die Zahl der Toten bei bem Unglück bn Tunnel von Batig- nolles hat sich nunmehr auf 17 erhöht. Zwei sind auf dem Transport gestorben. Mehrere Leichen waren halb verkohlt. Die Zahl der Verwundeten soll 100 erreichen.
* 18V-5
= 4.00
=■ 0.35
=3 5.95
= 41.25
=» 21.39
- 52.60
- 40.35
= 560.-
® 2 35
= -e«75


