Einzelbild herunterladen

Nr. 235

Der Siegener LnztiAtr erscheint täglich, außer Sonn» und Feiertags. Monatliche Sezugrpreise: Mk 5.50 einschl. Träger- lohn, durch die Post Mk. 6.50 einschl. Destell- gelb, auch bei Nichterschei­nen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Ferniprech - Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Siehen.

postscheälonlo: $ranffurt a. M. 11686.

Erster Blatt

171. Jahrgang

Hreitag, 7. Ottober 1921

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

druck rmd Verlag: Vrühl'sche Unio.-Vuch. vnd Steinömderei R. Lange. Zchristlettnng, Geschäftsstelle unö Druckerei: Schulstratze 7.

Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher obnejede'Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigenv 34mm Breite örtlich 55 Pf, auswärts 65 'Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 250 Pf. Bei Platz- Vorschrift 20 ' Aufschlag. Hauplschristleiter: Aug. Goetz Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil i D : Aug. Goetz; für den Anzeigente,!: yans Beck, sämtlich in Gießen.

Die Rückwirkung des Mark- sturzes und der Markhandel in Amerika.

Au» B e u h o r f wird uns geschrieben:

Der erstmalige Sturz der deutschen Mark auf unter I Lent hat amerikanischen Jnvestern und Mark-Spekulanten Verluste von vielen Millionen Dollar- zugefügt. Der ganze Betrag ist nicht wohl festzustellen, denn Mark-Beträge sind in Massen nach den Bereinigten Staaten, und zwar aus den verschiedenen Wegen gelangt. In Dank- kretsen werden die seit dem Waffenstillstand nach den Bereinigten Staaten gekommenen Beträge auf nicht weniger alS 100 Millionen Dollars geschätzt, die zu einem Durchschnittspreise von 2'/r Cents gekauft worden sind. Bach dieser Schätzung wären beim heutigen Markkurse mehr als 60 Cents von jedem in Mark angelegten Dollar verloren.

Die Botierung der Mark war wieder aufge- nommen worden seit dem Hochsommer 1919 und zwar mit 73/< bis 8 Cents; seit der Wiedernotie­rung nahm der Handel, dessen Mittelpunkt Beu- hork wurde, bald lebhafte Formen an. Kleine Bankgeschäfte wurden an den C<ken belebter ®c- fchäftstSrahen eröffnet, wo Papiermark zu Tau­senden gehandelt wurden und wo vor allem auch Kleinkapitalisten ihre 100 oder 500 oder 1000 Dol­lars riskierten tm Vertrauen, dah die Mark in absehbarer Zeit sich wieder auf ihren Friedens- Wert von 23,8 Cents heben werde. Zeitweise gab eS am Broadway nicht weniger als sechs solcher Geschäfte, die Tag und Bacht geöffnet waren; man konnte zwar auch andere Währungen dort kaufen, aber das Hauptgeschäft bestand in Warkverkäusen. Hausierer vertrieben die Papier­mark auf den Straßen und dem flachen Lande. Gin ganz unternehmender Mann vertrieb durch eine große Schar Agenten Mark von Tür zu Tür. Selbst Teilzahlungen wurden von den Verläufern zugestanden und manche Leute zahlen noch heute Dollars für ihre entwerteten Papiermark.

Das Hauptgeschäft in Mark wurde natürlich an der Börse getätigt. Die Transaktion war dort einfach, nachdem die alliierten Regierungen den Geldverkehr mit Deutschlqnü wieder gestattet hatten. Und so wurden Tausende von neuen ame­rikanischen Konten während der Jahre 1919 und 1920 bei deutschen Banken eröffnet, die Wechsel darstellen, die von amerikanischen Bankiers auf ihre Berliner Derbindungen gezogen worden waren.

Einige Bankiers, die sehr stark in deutscher Mark gebandelt haben (in Darbeträgen wie an der Börse) behaupten, daß diejenigen, die Be­träge in Mark angelegt haben, nicht so sehr auf ein schnelles Steigen gerechnet haben, sondern lediglich ihren Glauben an eine Wiedererstarkung der deutschen Industrie und der deutschen Wäh­rung auf lange Sicht gestellt haben. Aber zwi­schen der gegenwärtigen Botierung für die Pa­piermark und ihrem Bormalwert von 23,8 Cents steht, wie die amerikanischen Banllreise es sich allzu simpel erllären, die deutsche Botenpresse, während man in Amerika noch nicht zum vollen Bewusstsein der Wirkung von Faktoren gekommen ist wie der kürzlich fällig gewesenen Reparations­leistungen.

Deutschlands Reparationszahlungen zum zum 1. September fielen zusammen mit einer erneuten Steigerung des Papiergeldumlaufs (zwi­schen dem 20. August und dem 3. September) von 68 423 000 000 auf 71 960 0C0 000 Papiermark. In der gleichen Zeit ging die Goldreserve der Reichs- banl von 1 091 543 000 auf 1 023 708 000 Mart zurück; die Golddeckung beträgt nunmehr nur noch 1,4 Prozent.

Der Sturz der Mark auf unter 1 Cent hat die Aufmerksamkeit auch der amerikanischen Welt aus die deutschen Finanzen in dramatischerer Weife gelenkt als je eine Bewegung zuvor. Zu diesem Zusammenbruch chat die wilde Spekulation in Deutschland selbst beigetragen, die um jeden Preis der Papiermark sich entledigen wollte, um sie in Börsenpapier oder sonstigen Besitz umzu- wandeln.

Wie wird sich darnach der amerikanische Spe­kulant zu Markwerten stellen? Sieht er, bzw. glaubt er an eine Möglichkeit, irgendwie seine Markguthaben noch verwerten zu können, wenn die Entwertung weiter bestehen bleibt? Wir ziehen hier die Aeuderungen von Mr. E. H. Bewsicld, einem anaesebenen Bankier, an. der vorschlägt, die gekauften Mark vornehmlich in deutschen Kom­munalpapieren anzulegen, die übrigens schon seit längerer Zeit in den Bereinigten Staaten lebhaf­ter gehandelt werden. ,Infolge der Berbillig tng des deutschen nichtgesicherten Geldes werden Pa­piere mehr gefragt, die materielle Werte dar­stellen, wie z B. deutsche Hypothekenbriefe und Industriepapicre. weil jedermann in Deutschland Papiere zu erwerben wünscht, hinter denen fak­tische Werte stehen. Wir werden wohl die deut­schen Mark, vor allem soweit sie in deutschen Danken liegen, am besten dazu verwenden, etwa deutsche städtische Papiere zu kaufen."

Das Abkommen über deutsche Sachlieferungen an Frankreich.

(Berlin, 6. Olt. (WD.) Minister Ra­th e n a u und L o u ch e u r haben heute in Wies­baden in Bollmacht ihrer Regierung das Abkom­men über deutsche Sach ieferungen an Fra k eich abgeschlossen. Die TInterzeichnung ter Beden- abkommen erfolgt voraussichtlich am Freitag. In dem Hauptabkommen bekunden beide Regierungen ihren Willen, den Wiederaufbau der zerstörten I Gebiete Bordfrankreichs durch Lieferung bzw. De° Pellung von Mnrichtungs- und Betriebsgegenstän- I

den sowie von Baustoffen in möglichst grobem Umfange zu bewirken. Es handelt sich mithin um Sachlieferungen im Sinne der Anlage 4 des Teils 8 des Friedensvertrags. Die Durchführung der Lieferungen soll beiderseits durch pri­vatrechtliche Organisationen erfolgen. Die Lieferungen der deutschen Organisationen lau­fen neben den Lieferungen des Reichs aus An­lage 3 (Schiffe), Anlage 5 (Kohlen und Kohlen- Produkte), Anlage 6 (Farbstoffe und chennsch- pharmazeutische Produkte) zu Teil 8 des Ftie densVertrags. Zu dem Verfahren der Anlage 4 zu Teil 8 des Friedensvertrags kann nach der Kündigungsfrist von einem Jahr zurückgekehri werden. Die deutsche Regierung darf jedoch diese Kündigung frühestens am 1. Quai 1923 für den 1. Mai 1924 aussprechen. Für die Lieferung aus dem Abkommen gilt die Einschränkung, dab sie Frankreich lediglich für d i e Zwecke des Wiederaufbaus verwenden darf. Die zu Gunsten Deutschlands btzw. der Lieferungsorgani- fation auf Grund des Abkommens entstehenden Kredite und die dieser Organisation gehörigen, in Frankreich befindlichen Waren und'Darbeträge sind dem in § 18 Anwge 2 zu Teil 8 des Frle- densvertrages evtl, vorgesehenen Zugriffe Frank­reichs entzogen. Zu Lieferungen ist die deutsche Organisation nur insoweit verpflichtet, als sie mit den Produttionsmöglichkeiten Deutschlands und den Bedingungen seiner Rohstoffversorgung und den In­fi er en Bedürfnissen seines sozialen und wirtschaftlichen Lebens vereinbar sind.

Der Gesamtwert der Leistungen auf Grund der Anlage 3, 5 und 6 zu Teil 8 des Friedens­vertrages und der Lieferungen auf Grund des Ab­kommens soll bis zum 1. 5. 1926 7 Milli- erben Goldmark nicht überschreiten. Die Lieferungen sollen erfolgen durch unmittelbare freie Vereinbarungen der deutschen und französi­schen Organisationen. Q3et dem Baumaterial eit- scheidet beim Bichtzustandekommen einer Verein­barung eine Kommission über Lieferungsmöglich­keit, Preis, Transport-, Lieferungs- unD Ab- nahmÄ>edingungen endgültig. Die Kommission fehl sich aus drei Mitgliedern einem Deutschen, einem Franzosen und einer dritten, gemeinsam be­stimmten oder vom Schweizer Bundespräsidenten ernannten Person zusammen. Für die Preis­festsetzung, soweit sie nicht in freier Vereinbarung erfolgt, stellt die Kommission einvierteljährlich ein Preisverzeichnis für alle in Frage kommenden Gegenstände aus. welches ungefähr dem no ma'en französi ch'n Inl n^p eis le^ Ietreffenbei Er,<u - nisses abzüglich der französischen Zollgefälle und der Transportkosten des betreffenden Bst ll- vierteljahres entspricht Ist der in bei Preisver­zeichnissen erstellte Preis nichtiger al3 Der gleiche Preis für die gleichen Waren in Deutschland, so ist Deutschland nur verpflichtet, zu liefern, soweit diese Preisdifferenz nicht grober als 5 Prvz. ist. Der Wert dieser Qkrtuftlieferungen wiederum kann höchstens 5 Prozent des Gesamtwertes der Liefe­rungen des betreffenden Jahres betragen Kommt für Spezialmaterial eine Verständigung nich' zu­stande, so kann die französische Regierung auf das Lieferungsverfahren n"ch Anlage 4 zu Teil 8 des Friedensve träges zurückgreifen, e^vch nur. sow it die Gegenstände in den Deutschland früher über­gebenen Listen bereits enthalten sind.

Die Zahlungen an die deutsche Lieferungs­organisation geschehen durch die deutsche Regie­rung. Dieser wird der Wert der Lieferungen auf Reparationskonto gutgeschrieben. Dabei unter­scheidet das Abkommen dreiZeitabschnitte: Dis 1. Mai 1926, biS 1. Mai 1935 und die Folge­zeit. Die Lieferungen Im ersten Zeitabschnitt wer­den Deutschland nicht im vollen Wert, sondern nur mit 35 Prozent des Wertes gutgeschrieben. Beträgt der QBert der Lieferungen aus dem Ab­kommen in einem Jahre weniger als eine Mil­liarde Goldmark, so werden in diesem Jahre 45 Prozent des Wertes dieser Lieferungen gut­geschrieben. Der Höchstbetrag, der Deutschland in einem Jahre einschließlich der Lieferungen aus Anlage 3, 5 und 6 zu Teil 8 des Friedensver­trags gutgeschrieben werden darf, ist eine Mil­liarde Goldmark. DerBetrag des in den einzelnen Jahren nicht gutgeschriebenen Wertes der Liefe­rungen trägt einfache Jahreszinsen zu 5 Prozent. Am l.Mai 1926 werden die Restbeträge zu­sammengerechnet. Die so gewonnene Summe ist in zehn gleichen Jahresraten bis zum 1. Mai 1936 nebst den fällig werdenden einfachen Zinsen gutzuschreiben. Bei den Lieferungen vom l.Mai 1926 ab wird grundsätzlich der volle QBert, nicht nur 35 beziehungsweise 45 Prozent gutgeschrieben. Jedoch darf die jährliche Gut­schrift einschließlich der fälligen Jahresraten auS den Restbeträgen der Zeit vom 1. Oktober 1921 bis 1. Mai 1926 zusammen mit dem Wert von Cieferungen aus Anlage 3, 5 und 6, soweit sie nicht bis dahin erledigt sind, auch jetzt eine Milliarde Goldmark nicht überschreiten. Beträgt der Gesamtwert der Leistungen einschließlich der Lieferungen in Ausführung der Anlage 3, 5 und 6 bis zum 1. Mai 1926 mehr als 7 Milliarden Goldmark, so ist der überschiehende Betrag in- nerhalb dreier Monate ab 1. Mai 1926 Deutsch­land voll gutzuschreiben ohne Rücksicht auf die Regelung der sonstigen Gutschriften. Am 1. Mai 1936 ist wiederum festzustellen, welche ^Beträge etwa Deutschland noch gut hat. Dieser Saldo ist nebst 5 Prozent Zinsen und Zinseszinsen in vier Halbjahrsraten 1936 und 1937 abzutragen. Alle Gutschriftbestimmungen gelten mit der Maßgabe, dah keine Iahresgutschtift höher sein darf als der Antell Frankreich (52 Prozent) an den gemäß Artikel 4 des Londoner Zahlungsplans ^ur Ver­teilung unter den Alliierten gelangenden deutschen Annuitäten. Ab 1. Mai 1936 kann Deutschland alle Leistungen ablehnen, soweit durch ihre Aus­führung der von Frankreich in einem Jahre

äußersten Falles gutzuschreibendeBetrag (52 Prozent Annuität) überschritten werden würde.

Paris. 6. CIL (WD.) Wie der .Temps" heute abend meldeL habe sich der deutsche Botschafter Dr. Mayer während seines Besuches beim Ministerpräsidenten Driand über 5ic augenblickliche politische Lage in Deutsch- fanb ausgesprochen. Im Laufe der Unterhaltung habe er, ohne ein positives Verlangen zu stellen, von der Aushebung der mllitärischen Sanktionen, also der Besetzung von Dusfeldors. Duisburg und Ruhrort gesprochen und auf den großen Ein- druck hingewiesen, den diese Maßnahme auf die öffentliche Meinung in Deutschland auszuüden im- stande sei.

Die Riesenhöhe der Vesayunqskoften.

Paris, 6. Ott. Auf Grund des heute vor» mittag mitgeteilten Deschlusses der Reparatlons- komnnssion für die Derechnung der Desahungs- kosten les 1.5.1921 den Durchschnittskurs desje­nigen Vierteljahres zu verwenden, in des en Ver­lauf die Ausgaben gemacht wurden, betragen diese Kosten für die Zeit vom 11. 11. 1918 bis 3 0. 4. 192 1 in den Währungen der einzel­nen Desahungsmächte: Amerika 287-067 610 Doll, Frankreich 2 304 850 470 srarzösi che F.an:s, Eng­land 52 881 298 fjfj- 6 erling Belgien 378 731.90 belgische Francs, Italien 15 207 717 Lire Auf Er­suchen Frankreichs hat die Reparation kommi im beschlossen, den Durchschnit skurs deZ Vierteljahrs in Goldmark umzu-ech en. Heraus ergeben sich folgende Ziffern: Arne ila 1 167 l-27 830 Eold- mark, Frankreich 1 276 450 838 Gol mark, England 991 016 860 Goldmark, Belgien 194 7(6 228 Gold- mark, Italien 10 061 861 Goldmark, zusammen für die Zeit vom 11. 11. 1918 bis 1. 5. 1921 rund 3639>/2 Millionen Goldmark.

Die amerikanischen Truppen am Rhein.

Paris, 7. Oft. (WTD.) Bach einer Mel­dung derChicago Tribüne" aus Beuhork erfährt der Washingtoner Korrespondent desBew Vork World", daß auch nach der Qtatifüierung des Frie­densvertrages mit Deutschland durch den Senat die amerikanischen Truppen aus dem Rheinland nichtzurückgezvgenwerdensollen. Um Deutschland die finanziellen Lasten der Okkupation zu erleichtern, soll nur eine Verminderung vorgenommen werden.

Amerika als Gläubiger.

Paris, 6. Ott (Wolff.) HavaS. Aus Lon­don wird berichtet, daß Präsident Har di na den brennenden Wunsch hege, dah der Kongreß die Qkrtoaltung ermächtigen möge, die Zah­lungsbedingungen der Schuldner­nationen zu erleichtern. Er hoffe, daß der Kongreß den Gesetzentwurf über die Rück­zahlung Der fremden Schulden annehmen werde, was seiner Ansicht nach die Lage wesentlich bessern würde.

Entstaatlichung der Eisenbahn?

Berlin, 6. Oft. In einem Aufsatz deö Tag" warf der frühere Eisenbahn­minister Breitenbacy die Frage auf, ob die staatliche Leitung der Eisenbahn heute noch in der Lage sei, das Riesendefizit die­ser Verwaltung aus der Welt zu schaffen, oder ob diese Aufgabe nicht der Privatwirt­schaft überlassen bleiben müsse. Wie die Blätter jetzt hören, wird am nächsten Sams­tag in München eine Versammlung der EisenbahndtrektivnS - Präsiden­ten diese Frage einer Sachverständigenprü­fung unterziehen. An der Konferenz werden Vertreter des ReichSverkehrSmini- steriumS teilnehmen. Bei der Besprechung handelt eS sich vorläufig nur um einen Mei­nungsaustausch, nicht um die Erörterung ir- gendwelcher Maßnahme. Im Laufe dieses Monats wird auch im Sachverständigenbeirat des ReichSverkehrSministeriumS die Frage zur Besprechung gelangen.

Die neuen Eifenbahnfahrpreise.

Wie derLokal-Anzeiger" erfährt, wer­den die ab 1. Dezember in Kraft tretenden Eisenbahnfahrpreise nach folgenden Einheits­sätzen berechnet werden: 4. Klasse 17 Pf., 3. Klasse 26 Pf., 2. Klasse 43 Pf., und 1. Klasse 77 Pf. pro Kilometer. Die Erhöhung gegen die bisherigen Fahrpreise beträgt 30 Prozent.

Die Kreditangebote,

Ebenso wie der Reichsverband der deutschen Industrie haben jetzt auch laut ,2. T." Die 03 a n- ten, der Handel und die Landwirtschaft besondere Koimnissionen gebildet, die die Frage des Kreditangebots an Die deutsche Regierung bearbeiten sollen. Die Ausschüsse werden in Der nächsten Woche mit Dem Reichskanzler Dr. Wirth über Die Ausbringung Der Goldmilliarche verhan­deln.

Heber die amerikanischen An le i he- angebote an Die deutsche Industrie berichtet das .D. T.", daß, nachdem der Plan der deutschen Industrie, eine Goldmilliarde zur Reparations­leistung aufzubringen, am 17. September imOleto- hork Herold" veröffentlicht worden war, berti s am 20. September in Berlin das erste Angebot einer Anleihe von einer großen amerikanischen Finanzgruppe ein traf. Vor etwa einer Woche fragten andere Dankgruppen in Berlin an, ob man deutsche Unterhändler nach Amerika schicken würde. Mit diesen amerikairischen Finanzleut en

finden bereits Konferenzen im Tlllsland statt. Gestern traf in Berlin die Mitteilung einer Drit­ten amerikanischen Finanzgruppe ein. wonach heute zwei Finanzleute nach Berlin kommen wurden, um über eine amerikanische Airleihe zu unter­handeln. Wie das Blatt weiter mitteilt, stehen deutsche Industriekreise mit Tertrc:em der valuta- stärksten Länder Europas in Verhandlung Auch diese AngelegenheU soll sich dem Blatte zufolge günstig entwickeln.

Die Arbeitslosenfrage tm englischen Kabinett.

London, 7 Ott. (WTB) I r drr Kabinetts- fihung legte gestern nachmittag Lloyd George die Stellung des Kabinett-ius chu'les zur Be­kämpfung der Erwerbslosigkeit Dar S e tehe eine Ausgabe von etwa 50 Millionen Pfund Sterling für unmittelbare Unterstützungen vor. Di? Kabi- nettssihung faßte keinerlei endgültige Beschlüsse bezüglich der Gesamtvorschläc'e H ue morgen ft i- det eine wettere Kabinettssitzung ft itt, um einen vorl uf g m Entwurf du Maßnahme r a zune men

LautDaily Mail" trat gestern in Dem Kabi­nettsrat erneut zutage, daß ein All cUmiitel gegen die Arbeitslosigkeit nicht eittbecki worben ist und aus den augenblicklichen Verhältnissen nicht her- vorgehen kann.

Der Ausverkauf der Wiener (tzeschäfte.

Wien, 6 Ott. (WTB.) Der Ausverkauf der Wiener Geschäfte 'ch eiter unter dem Einfluß des tiefen S andes Der österreichische r Va­luta in beängstigender Weise fort Im V.rlause des heutigen Tages kamen zahl eiche Land ewoh- ner in die Stadt, um alle erschwinglichen Waren zu tiufen. Der Andrang war derartig daß viele Geschäfte vorübergehend schließen mußten.

Zur bevorstehenden Entscheidung über Oberschlefien.

Lpndon, 6. Oft. HavaS meldet: Die Vertreter der englischen, italienischen und französischen Regierung werden sich am 8. Ok- tobet in Paris versammeln, um daS Eingrei­fen der Truppen der drei Mächte vorzuberei­ten, sobald die Lage in Oberschlefien durch den Völkerbund geregelt sein werde.

Aus dem Reiche.

Der Versuch der Umbildung des preuhischen Kabinetts.

Berlin, 6. Oft. (Wolff.) An Den heutigen Desptechungen über die Umbildung De« preußischen Kabinetts beim preußischen Ministerpräsidenten Stegerwald nahmen außer dem Landtagspräsidenten L e i n e r t laut DerB. Z a. M." vom Zentrum Die Abgeordneten Herold Stieler unD ©rate, von Den Demokraten Die Die Abg. Oefer, Janssen imD Schreiber, von der Deutschen Dollspartei Die AbgeorDneten v. Krause, v. Campe und Leidig und von Den Sozialdemokraten die Abg Bartels, Sie- ring und Limbertz teil.

Ltcckbriefe gegen die Urheber des Kapp-Pntsches.

Leipzig, 6. OIL (Wolff.) Der Oberrei4** anwalt erläßt einen Steckbrief wegen Hoch­verrats gegen General- Landscha s tS * irek! ck: Kapp aus Königsberg, Major a .D. Padst, Oberst a. D. Dauer, Den Arzt und Vollswirt- schaftler G. W. Schiele aus Baumburg a. ö., Den Schriftsteller Karl Schnitzler, Den Schrift­steller Trebitsch-Llncoln, General 7> Ins. a. D. Fr hm. v. Lüttwih, Korvettenkapitän Ehrhardt. Die Reichsregierung setzte eine De- lohnung bis 50 000 Mark für Den aus, Der zur Aufklärung des Sachverhalts oder zur Ergreifung eines Der flüchtigen AngeschulDigten beiträgt.

Bevorstehende Aufhebung deS bayerischen Belagerungszustandes.

DaS bayerische Gesamtministerium erläßt den mit der Reichsregierung getroffenen Vereinbarungen entsprechend im bayerischen Staatsanzeiger" eine Verordnung, durch die der Ausnahmezustand in Bayern mit Wirksamkeit ab 15. Oktober aufgehoben wird. ---------

Die Lebenshaltungskosten.

Berlin, 6. Oft. (Wolff.) Die Inder- Ziffer Der Lebenshaltungskosten für September, Der Die Ausgaben für Ernährung, Heizung, Beleuchtung und Wohnungsmlete zu Grunbe liegen, stieg nach Berechnungen Des Statistischen Reichsamts gegenüber Dem Vor­monat um 17 Punkte oder 16 v. H. auf 1062. Gegenüber dem Stande vom Januar 1921 (944) beträgt Die Steigerung 12,5, gegenüber dem Sep­tember 1920 36,3 v. H. Die Erhöhung der Lebens­haltungskosten ist in der Hauptsache auf Die Preis st eigerungenfürLebensmittel zurückzuführen. Die 3nDeRiffer für Die Ernäh­rung« kosten allein stieg von 1399 im August um 1,4 v. H. auf 1418. Gegenüber Dem Januar 1921 beträgt Die Steigerung der Ernährungsausgabcn 12,1 v. H. 3m Derichtsmonat trugen zur Er­höhung Der teilweise recht erheblichen Preissteige­rungen für Bährmittcl. Hülsenfrüchte, Schweine­fleisch, Speck, Eier, Mllch unD Fische bet Außer­dem kommt in der SeptemberzH-l Die im August eingetretene Brotpreiserhöhung erstmalig voll zum Ausdruck. Demgegenüber ermäßigten sich in fast allen Erhebungsgemeinden Kartoffeln und Gemüse nicht unbeträchtlich. Auch die Aus- toenitungen für Heizung und Beleuchtung fliegen im Durchschnitt erneut Die Entwicklung war im Berichtsmonat innerhalb des Reiches nicht völlig ausgeglichen. 3n einer Reihe von Gemeinden I war Die Preisermäßigung für Kartoffeln und