Nr. 235
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Erster Blatt
171. Jahrgang
Hreitag, 7. Ottober 1921
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
druck rmd Verlag: Vrühl'sche Unio.-Vuch. vnd Steinömderei R. Lange. Zchristlettnng, Geschäftsstelle unö Druckerei: Schulstratze 7.
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Die Rückwirkung des Mark- sturzes und der Markhandel in Amerika.
Au» B e u h o r f wird uns geschrieben:
Der erstmalige Sturz der deutschen Mark auf unter I Lent hat amerikanischen Jnvestern und Mark-Spekulanten Verluste von vielen Millionen Dollar- zugefügt. Der ganze Betrag ist nicht wohl festzustellen, denn Mark-Beträge sind in Massen nach den Bereinigten Staaten, und zwar aus den verschiedenen Wegen gelangt. In Dank- kretsen werden die seit dem Waffenstillstand nach den Bereinigten Staaten gekommenen Beträge auf nicht weniger alS 100 Millionen Dollars geschätzt, die zu einem Durchschnittspreise von 2'/r Cents gekauft worden sind. Bach dieser Schätzung wären beim heutigen Markkurse mehr als 60 Cents von jedem in Mark angelegten Dollar verloren.
Die Botierung der Mark war wieder aufge- nommen worden seit dem Hochsommer 1919 und zwar mit 73/< bis 8 Cents; seit der Wiedernotierung nahm der Handel, dessen Mittelpunkt Beu- hork wurde, bald lebhafte Formen an. Kleine Bankgeschäfte wurden an den C<ken belebter ®c- fchäftstSrahen eröffnet, wo Papiermark zu Tausenden gehandelt wurden und wo vor allem auch Kleinkapitalisten ihre 100 oder 500 oder 1000 Dollars riskierten tm Vertrauen, dah die Mark in absehbarer Zeit sich wieder auf ihren Friedens- Wert von 23,8 Cents heben werde. Zeitweise gab eS am Broadway nicht weniger als sechs solcher Geschäfte, die Tag und Bacht geöffnet waren; man konnte zwar auch andere Währungen dort kaufen, aber das Hauptgeschäft bestand in Warkverkäusen. Hausierer vertrieben die Papiermark auf den Straßen und dem flachen Lande. Gin ganz unternehmender Mann vertrieb durch eine große Schar Agenten Mark von Tür zu Tür. Selbst Teilzahlungen wurden von den Verläufern zugestanden und manche Leute zahlen noch heute Dollars für ihre entwerteten Papiermark.
Das Hauptgeschäft in Mark wurde natürlich an der Börse getätigt. Die Transaktion war dort einfach, nachdem die alliierten Regierungen den Geldverkehr mit Deutschlqnü wieder gestattet hatten. Und so wurden Tausende von neuen amerikanischen Konten während der Jahre 1919 und 1920 bei deutschen Banken eröffnet, die Wechsel darstellen, die von amerikanischen Bankiers auf ihre Berliner Derbindungen gezogen worden waren.
Einige Bankiers, die sehr stark in deutscher Mark gebandelt haben (in Darbeträgen wie an der Börse) behaupten, daß diejenigen, die Beträge in Mark angelegt haben, nicht so sehr auf ein schnelles Steigen gerechnet haben, sondern lediglich ihren Glauben an eine Wiedererstarkung der deutschen Industrie und der deutschen Währung auf lange Sicht gestellt haben. Aber zwischen der gegenwärtigen Botierung für die Papiermark und ihrem Bormalwert von 23,8 Cents steht, wie die amerikanischen Banllreise es sich allzu simpel erllären, die deutsche Botenpresse, während man in Amerika noch nicht zum vollen Bewusstsein der Wirkung von Faktoren gekommen ist wie der kürzlich fällig gewesenen Reparationsleistungen.
Deutschlands Reparationszahlungen zum zum 1. September fielen zusammen mit einer erneuten Steigerung des Papiergeldumlaufs (zwischen dem 20. August und dem 3. September) von 68 423 000 000 auf 71 960 0C0 000 Papiermark. In der gleichen Zeit ging die Goldreserve der Reichs- banl von 1 091 543 000 auf 1 023 708 000 Mart zurück; die Golddeckung beträgt nunmehr nur noch 1,4 Prozent.
Der Sturz der Mark auf unter 1 Cent hat die Aufmerksamkeit auch der amerikanischen Welt aus die deutschen Finanzen in dramatischerer Weife gelenkt als je eine Bewegung zuvor. Zu diesem Zusammenbruch chat die wilde Spekulation in Deutschland selbst beigetragen, die um jeden Preis der Papiermark sich entledigen wollte, um sie in Börsenpapier oder sonstigen Besitz umzu- wandeln.
Wie wird sich darnach der amerikanische Spekulant zu Markwerten stellen? Sieht er, bzw. glaubt er an eine Möglichkeit, irgendwie seine Markguthaben noch verwerten zu können, wenn die Entwertung weiter bestehen bleibt? Wir ziehen hier die Aeuderungen von Mr. E. H. Bewsicld, einem anaesebenen Bankier, an. der vorschlägt, die gekauften Mark vornehmlich in deutschen Kommunalpapieren anzulegen, die übrigens schon seit längerer Zeit in den Bereinigten Staaten lebhafter gehandelt werden. ,Infolge der Berbillig tng des deutschen nichtgesicherten Geldes werden Papiere mehr gefragt, die materielle Werte darstellen, wie z B. deutsche Hypothekenbriefe und Industriepapicre. weil jedermann in Deutschland Papiere zu erwerben wünscht, hinter denen faktische Werte stehen. Wir werden wohl die deutschen Mark, vor allem soweit sie in deutschen Danken liegen, am besten dazu verwenden, etwa deutsche städtische Papiere zu kaufen."
Das Abkommen über deutsche Sachlieferungen an Frankreich.
(Berlin, 6. Olt. (WD.) Minister Rath e n a u und L o u ch e u r haben heute in Wiesbaden in Bollmacht ihrer Regierung das Abkommen über deutsche Sach ieferungen an Fra k eich abgeschlossen. Die TInterzeichnung ter Beden- abkommen erfolgt voraussichtlich am Freitag. In dem Hauptabkommen bekunden beide Regierungen ihren Willen, den Wiederaufbau der zerstörten I Gebiete Bordfrankreichs durch Lieferung bzw. De° Pellung von Mnrichtungs- und Betriebsgegenstän- I
den sowie von Baustoffen in möglichst grobem Umfange zu bewirken. Es handelt sich mithin um Sachlieferungen im Sinne der Anlage 4 des Teils 8 des Friedensvertrags. Die Durchführung der Lieferungen soll beiderseits durch privatrechtliche Organisationen erfolgen. Die Lieferungen der deutschen Organisationen laufen neben den Lieferungen des Reichs aus Anlage 3 (Schiffe), Anlage 5 (Kohlen und Kohlen- Produkte), Anlage 6 (Farbstoffe und chennsch- pharmazeutische Produkte) zu Teil 8 des Ftie densVertrags. Zu dem Verfahren der Anlage 4 zu Teil 8 des Friedensvertrags kann nach der Kündigungsfrist von einem Jahr zurückgekehri werden. Die deutsche Regierung darf jedoch diese Kündigung frühestens am 1. Quai 1923 für den 1. Mai 1924 aussprechen. Für die Lieferung aus dem Abkommen gilt die Einschränkung, dab sie Frankreich lediglich für d i e Zwecke des Wiederaufbaus verwenden darf. Die zu Gunsten Deutschlands btzw. der Lieferungsorgani- fation auf Grund des Abkommens entstehenden Kredite und die dieser Organisation gehörigen, in Frankreich befindlichen Waren und'Darbeträge sind dem in § 18 Anwge 2 zu Teil 8 des Frle- densvertrages evtl, vorgesehenen Zugriffe Frankreichs entzogen. Zu Lieferungen ist die deutsche Organisation nur insoweit verpflichtet, als sie mit den Produttionsmöglichkeiten Deutschlands und den Bedingungen seiner Rohstoffversorgung und den Infi er en Bedürfnissen seines sozialen und wirtschaftlichen Lebens vereinbar sind.
Der Gesamtwert der Leistungen auf Grund der Anlage 3, 5 und 6 zu Teil 8 des Friedensvertrages und der Lieferungen auf Grund des Abkommens soll bis zum 1. 5. 1926 7 Milli- erben Goldmark nicht überschreiten. Die Lieferungen sollen erfolgen durch unmittelbare freie Vereinbarungen der deutschen und französischen Organisationen. Q3et dem Baumaterial eit- scheidet beim Bichtzustandekommen einer Vereinbarung eine Kommission über Lieferungsmöglichkeit, Preis, Transport-, Lieferungs- unD Ab- nahmÄ>edingungen endgültig. Die Kommission fehl sich aus drei Mitgliedern — einem Deutschen, einem Franzosen und einer dritten, gemeinsam bestimmten oder vom Schweizer Bundespräsidenten ernannten Person — zusammen. Für die Preisfestsetzung, soweit sie nicht in freier Vereinbarung erfolgt, stellt die Kommission einvierteljährlich ein Preisverzeichnis für alle in Frage kommenden Gegenstände aus. welches ungefähr dem no ma'en französi ch'n Inl n^p eis le^ Ietreffenbei Er,<u - nisses abzüglich der französischen Zollgefälle und der Transportkosten des betreffenden Bst ll- vierteljahres entspricht Ist der in bei Preisverzeichnissen erstellte Preis nichtiger al3 Der gleiche Preis für die gleichen Waren in Deutschland, so ist Deutschland nur verpflichtet, zu liefern, soweit diese Preisdifferenz nicht grober als 5 Prvz. ist. Der Wert dieser Qkrtuftlieferungen wiederum kann höchstens 5 Prozent des Gesamtwertes der Lieferungen des betreffenden Jahres betragen Kommt für Spezialmaterial eine Verständigung nich' zustande, so kann die französische Regierung auf das Lieferungsverfahren n"ch Anlage 4 zu Teil 8 des Friedensve träges zurückgreifen, e^vch nur. sow it die Gegenstände in den Deutschland früher übergebenen Listen bereits enthalten sind.
Die Zahlungen an die deutsche Lieferungsorganisation geschehen durch die deutsche Regierung. Dieser wird der Wert der Lieferungen auf Reparationskonto gutgeschrieben. Dabei unterscheidet das Abkommen dreiZeitabschnitte: Dis 1. Mai 1926, biS 1. Mai 1935 und die Folgezeit. Die Lieferungen Im ersten Zeitabschnitt werden Deutschland nicht im vollen Wert, sondern nur mit 35 Prozent des Wertes gutgeschrieben. Beträgt der QBert der Lieferungen aus dem Abkommen in einem Jahre weniger als eine Milliarde Goldmark, so werden in diesem Jahre 45 Prozent des Wertes dieser Lieferungen gutgeschrieben. Der Höchstbetrag, der Deutschland in einem Jahre einschließlich der Lieferungen aus Anlage 3, 5 und 6 zu Teil 8 des Friedensvertrags gutgeschrieben werden darf, ist eine Milliarde Goldmark. Der ‘Betrag des in den einzelnen Jahren nicht gutgeschriebenen Wertes der Lieferungen trägt einfache Jahreszinsen zu 5 Prozent. Am l.Mai 1926 werden die Restbeträge zusammengerechnet. Die so gewonnene Summe ist in zehn gleichen Jahresraten bis zum 1. Mai 1936 nebst den fällig werdenden einfachen Zinsen gutzuschreiben. Bei den Lieferungen vom l.Mai 1926 ab wird grundsätzlich der volle QBert, nicht nur 35 beziehungsweise 45 Prozent gutgeschrieben. Jedoch darf die jährliche Gutschrift einschließlich der fälligen Jahresraten auS den Restbeträgen der Zeit vom 1. Oktober 1921 bis 1. Mai 1926 zusammen mit dem Wert von Cieferungen aus Anlage 3, 5 und 6, soweit sie nicht bis dahin erledigt sind, auch jetzt eine Milliarde Goldmark nicht überschreiten. Beträgt der Gesamtwert der Leistungen einschließlich der Lieferungen in Ausführung der Anlage 3, 5 und 6 bis zum 1. Mai 1926 mehr als 7 Milliarden Goldmark, so ist der überschiehende Betrag in- nerhalb dreier Monate ab 1. Mai 1926 Deutschland voll gutzuschreiben ohne Rücksicht auf die Regelung der sonstigen Gutschriften. Am 1. Mai 1936 ist wiederum festzustellen, welche ^Beträge etwa Deutschland noch gut hat. Dieser Saldo ist nebst 5 Prozent Zinsen und Zinseszinsen in vier Halbjahrsraten 1936 und 1937 abzutragen. Alle Gutschriftbestimmungen gelten mit der Maßgabe, dah keine Iahresgutschtift höher sein darf als der Antell Frankreich (52 Prozent) an den gemäß Artikel 4 des Londoner Zahlungsplans ^ur Verteilung unter den Alliierten gelangenden deutschen Annuitäten. Ab 1. Mai 1936 kann Deutschland alle Leistungen ablehnen, soweit durch ihre Ausführung der von Frankreich in einem Jahre
äußersten Falles gutzuschreibende ‘Betrag (52 Prozent Annuität) überschritten werden würde.
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Paris. 6. CIL (WD.) Wie der .Temps" heute abend meldeL habe sich der deutsche Botschafter Dr. Mayer während seines Besuches beim Ministerpräsidenten Driand über 5ic augenblickliche politische Lage in Deutsch- fanb ausgesprochen. Im Laufe der Unterhaltung habe er, ohne ein positives Verlangen zu stellen, von der Aushebung der mllitärischen Sanktionen, also der Besetzung von Dusfeldors. Duisburg und Ruhrort gesprochen und auf den großen Ein- druck hingewiesen, den diese Maßnahme auf die öffentliche Meinung in Deutschland auszuüden im- stande sei.
Die Riesenhöhe der Vesayunqskoften.
Paris, 6. Ott. Auf Grund des heute vor» mittag mitgeteilten Deschlusses der Reparatlons- komnnssion für die Derechnung der Desahungs- kosten les 1.5.1921 den Durchschnittskurs desjenigen Vierteljahres zu verwenden, in des en Verlauf die Ausgaben gemacht wurden, betragen diese Kosten für die Zeit vom 11. 11. 1918 bis 3 0. 4. 192 1 in den Währungen der einzelnen Desahungsmächte: Amerika 287-067 610 Doll, Frankreich 2 304 850 470 srarzösi che F.an:s, England 52 881 298 fjfj- 6 erling Belgien 378 731.90 belgische Francs, Italien 15 207 717 Lire Auf Ersuchen Frankreichs hat die Reparation kommi im beschlossen, den Durchschnit skurs deZ Vierteljahrs in Goldmark umzu-ech en. Heraus ergeben sich folgende Ziffern: Arne ila 1 167 l-27 830 Eold- mark, Frankreich 1 276 450 838 Gol mark, England 991 016 860 Goldmark, Belgien 194 7(6 228 Gold- mark, Italien 10 061 861 Goldmark, zusammen für die Zeit vom 11. 11. 1918 bis 1. 5. 1921 rund 3639>/2 Millionen Goldmark.
Die amerikanischen Truppen am Rhein.
Paris, 7. Oft. (WTD.) Bach einer Meldung der „Chicago Tribüne" aus Beuhork erfährt der Washingtoner Korrespondent des „Bew Vork World", daß auch nach der Qtatifüierung des Friedensvertrages mit Deutschland durch den Senat die amerikanischen Truppen aus dem Rheinland nichtzurückgezvgenwerdensollen. Um Deutschland die finanziellen Lasten der Okkupation zu erleichtern, soll nur eine Verminderung vorgenommen werden.
Amerika als Gläubiger.
Paris, 6. Ott (Wolff.) HavaS. Aus London wird berichtet, daß Präsident Har di na den brennenden Wunsch hege, dah der Kongreß die Qkrtoaltung ermächtigen möge, die Zahlungsbedingungen der Schuldnernationen zu erleichtern. Er hoffe, daß der Kongreß den Gesetzentwurf über die Rückzahlung Der fremden Schulden annehmen werde, was seiner Ansicht nach die Lage wesentlich bessern würde.
Entstaatlichung der Eisenbahn?
Berlin, 6. Oft. In einem Aufsatz deö „Tag" warf der frühere Eisenbahnminister Breitenbacy die Frage auf, ob die staatliche Leitung der Eisenbahn heute noch in der Lage sei, das Riesendefizit dieser Verwaltung aus der Welt zu schaffen, oder ob diese Aufgabe nicht der Privatwirtschaft überlassen bleiben müsse. Wie die Blätter jetzt hören, wird am nächsten Samstag in München eine Versammlung der EisenbahndtrektivnS - Präsidenten diese Frage einer Sachverständigenprüfung unterziehen. An der Konferenz werden Vertreter des ReichSverkehrSmini- steriumS teilnehmen. Bei der Besprechung handelt eS sich vorläufig nur um einen Meinungsaustausch, nicht um die Erörterung ir- gendwelcher Maßnahme. Im Laufe dieses Monats wird auch im Sachverständigenbeirat des ReichSverkehrSministeriumS die Frage zur Besprechung gelangen.
Die neuen Eifenbahnfahrpreise.
Wie der „Lokal-Anzeiger" erfährt, werden die ab 1. Dezember in Kraft tretenden Eisenbahnfahrpreise nach folgenden Einheitssätzen berechnet werden: 4. Klasse 17 Pf., 3. Klasse 26 Pf., 2. Klasse 43 Pf., und 1. Klasse 77 Pf. pro Kilometer. Die Erhöhung gegen die bisherigen Fahrpreise beträgt 30 Prozent.
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Die Kreditangebote,
Ebenso wie der Reichsverband der deutschen Industrie haben jetzt auch laut ,2. T." Die 03 a n- ten, der Handel und die Landwirtschaft besondere Koimnissionen gebildet, die die Frage des Kreditangebots an Die deutsche Regierung bearbeiten sollen. Die Ausschüsse werden in Der nächsten Woche mit Dem Reichskanzler Dr. Wirth über Die Ausbringung Der Goldmilliarche verhandeln.
Heber die amerikanischen An le i he- angebote an Die deutsche Industrie berichtet das .D. T.", daß, nachdem der Plan der deutschen Industrie, eine Goldmilliarde zur Reparationsleistung aufzubringen, am 17. September im „Oleto- hork Herold" veröffentlicht worden war, berti s am 20. September in Berlin das erste Angebot einer Anleihe von einer großen amerikanischen Finanzgruppe ein traf. Vor etwa einer Woche fragten andere Dankgruppen in Berlin an, ob man deutsche Unterhändler nach Amerika schicken würde. Mit diesen amerikairischen Finanzleut en
finden bereits Konferenzen im Tlllsland statt. Gestern traf in Berlin die Mitteilung einer Dritten amerikanischen Finanzgruppe ein. wonach heute zwei Finanzleute nach Berlin kommen wurden, um über eine amerikanische Airleihe zu unterhandeln. Wie das Blatt weiter mitteilt, stehen deutsche Industriekreise mit Tertrc:em der valuta- stärksten Länder Europas in Verhandlung Auch diese AngelegenheU soll sich dem Blatte zufolge günstig entwickeln.
Die Arbeitslosenfrage tm englischen Kabinett.
London, 7 Ott. (WTB) I r drr Kabinetts- fihung legte gestern nachmittag Lloyd George die Stellung des Kabinett-ius chu'les zur Bekämpfung der Erwerbslosigkeit Dar S e tehe eine Ausgabe von etwa 50 Millionen Pfund Sterling für unmittelbare Unterstützungen vor. Di? Kabi- nettssihung faßte keinerlei endgültige Beschlüsse bezüglich der Gesamtvorschläc'e H ue morgen ft i- det eine wettere Kabinettssitzung ft itt, um einen vorl uf g m Entwurf du Maßnahme r a zune men
Laut „Daily Mail" trat gestern in Dem Kabinettsrat erneut zutage, daß ein All cUmiitel gegen die Arbeitslosigkeit nicht eittbecki worben ist und aus den augenblicklichen Verhältnissen nicht her- vorgehen kann.
Der Ausverkauf der Wiener (tzeschäfte.
Wien, 6 Ott. (WTB.) Der Ausverkauf der Wiener Geschäfte 'ch eiter unter dem Einfluß des tiefen S andes Der österreichische r Valuta in beängstigender Weise fort Im V.rlause des heutigen Tages kamen zahl eiche Land ewoh- ner in die Stadt, um alle erschwinglichen Waren zu tiufen. Der Andrang war derartig daß viele Geschäfte vorübergehend schließen mußten.
Zur bevorstehenden Entscheidung über Oberschlefien.
Lpndon, 6. Oft. HavaS meldet: Die Vertreter der englischen, italienischen und französischen Regierung werden sich am 8. Ok- tobet in Paris versammeln, um daS Eingreifen der Truppen der drei Mächte vorzubereiten, sobald die Lage in Oberschlefien durch den Völkerbund geregelt sein werde.
Aus dem Reiche.
Der Versuch der Umbildung des preuhischen Kabinetts.
Berlin, 6. Oft. (Wolff.) An Den heutigen Desptechungen über die Umbildung De« preußischen Kabinetts beim preußischen Ministerpräsidenten Stegerwald nahmen außer dem Landtagspräsidenten L e i n e r t laut Der „B. Z a. M." vom Zentrum Die Abgeordneten Herold Stieler unD ©rate, von Den Demokraten Die Die Abg. Oefer, Janssen imD Schreiber, von der Deutschen Dollspartei Die AbgeorDneten v. Krause, v. Campe und Leidig und von Den Sozialdemokraten die Abg Bartels, Sie- ring und Limbertz teil.
Ltcckbriefe gegen die Urheber des Kapp-Pntsches.
Leipzig, 6. OIL (Wolff.) Der Oberrei4** anwalt erläßt einen Steckbrief wegen Hochverrats gegen General- Landscha s tS * irek! ck: Kapp aus Königsberg, Major a .D. Padst, Oberst a. D. Dauer, Den Arzt und Vollswirt- schaftler G. W. Schiele aus Baumburg a. ö., Den Schriftsteller Karl Schnitzler, Den Schriftsteller Trebitsch-Llncoln, General 7> Ins. a. D. Fr hm. v. Lüttwih, Korvettenkapitän Ehrhardt. Die Reichsregierung setzte eine De- lohnung bis 50 000 Mark für Den aus, Der zur Aufklärung des Sachverhalts oder zur Ergreifung eines Der flüchtigen AngeschulDigten beiträgt.
Bevorstehende Aufhebung deS bayerischen Belagerungszustandes.
DaS bayerische Gesamtministerium erläßt den mit der Reichsregierung getroffenen Vereinbarungen entsprechend im bayerischen „Staatsanzeiger" eine Verordnung, durch die der Ausnahmezustand in Bayern mit Wirksamkeit ab 15. Oktober aufgehoben wird. ---------
Die Lebenshaltungskosten.
Berlin, 6. Oft. (Wolff.) Die Inder- Ziffer Der Lebenshaltungskosten für September, Der Die Ausgaben für Ernährung, Heizung, Beleuchtung und Wohnungsmlete zu Grunbe liegen, stieg — nach Berechnungen Des Statistischen Reichsamts — gegenüber Dem Vormonat um 17 Punkte oder 16 v. H. auf 1062. Gegenüber dem Stande vom Januar 1921 (944) beträgt Die Steigerung 12,5, gegenüber dem September 1920 36,3 v. H. Die Erhöhung der Lebenshaltungskosten ist in der Hauptsache auf Die Preis st eigerungenfürLebensmittel zurückzuführen. Die 3nDeRiffer für Die Ernährung« kosten allein stieg von 1399 im August um 1,4 v. H. auf 1418. Gegenüber Dem Januar 1921 beträgt Die Steigerung der Ernährungsausgabcn 12,1 v. H. 3m Derichtsmonat trugen zur Erhöhung Der teilweise recht erheblichen Preissteigerungen für Bährmittcl. Hülsenfrüchte, Schweinefleisch, Speck, Eier, Mllch unD Fische bet Außerdem kommt in der SeptemberzH-l Die im August eingetretene Brotpreiserhöhung erstmalig voll zum Ausdruck. Demgegenüber ermäßigten sich in fast allen Erhebungsgemeinden Kartoffeln und Gemüse nicht unbeträchtlich. Auch die Aus- toenitungen für Heizung und Beleuchtung fliegen im Durchschnitt erneut Die Entwicklung war im Berichtsmonat innerhalb des Reiches nicht völlig ausgeglichen. 3n einer Reihe von Gemeinden I war Die Preisermäßigung für Kartoffeln und


