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Zweites Blatt

Ar. 156

Die Rothersteins.

Roman von Erich Eben st ein.

Copyright 1919 by Greiner & Comp., Berlin XV 30.

(Nachdruck verboten.)

1. Kapitel.

Erzähle weiter, Mütterchen Wenk! Wie war Pst. schrei nicht )o laut, Kind! Wenn 6ein Großvater hört, das) wir uns duzen, wie tv Aner Kinderzeit. ich, die alte Haushälterin aus -aumtepos und du, die junge Gräfin Rvtherstein, oaS gäbe wieder schönen Verdruß! Du weißt, er kuag'j überhaupt nicht leiden, wenn wir zusammen schwatzen."

-2ch, Großpapa ist ja im Garten. Ich ,ah's vom Fenster oben, wie ihm Federlein mit ge­wohnter Feierlichkeit Zeitung, Fußbant und Pfeife zu den Grünbuchen nachtrug. Darum schlüpfte ich dann ja rasch zu dir herab. Es ist zu hübsch, wemn du von vergangenen Zeiten und von meinen Eltern erzählst. Aber fahre nun fort! Papa und Mama liebten sich also heimlich. Lind dann? Was geschah dann?"

»Dun, dann heirateten sie einander heimlich ontben tn England. Wie das eben früher Mode war. Das weiht du ja wohl schon."

Hatten sie sich sehr, sehr lieb?"

Zwei wunderschöne, veilchenblaue Augen, von langen dunklen Wimpern beschattet, starrten ge» spannt zu der alten Frau auf. Diese fuhr mit iprer verarbeiteten Hand ein wenig ungeduldin Uchtbraune, lockige Haar des junge? Mädchens.

Hessische Volkskammer.

99. Sitzung.

et. Darmstadt. 6. Juli.

Am Regierun^St sch: Staatspräsident Ul- rich. Finanzminister Henrich und Aegierungs- pertreter

Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um q45 Llhr Bor Eintritt in die Tagesordnung er­ledigt daS Haus

kleine Anfragen.

Auf diekleine Anfrage" der Herren Abg. Loos und Genossen vorn 1. d. Mts., betreffend das Veamtenbesoldungsgeseh, beehrt sich das Mini- flerium der Finanzen namens der Regierung das Folgende ergeben ft zu erwidern:

Sine Anweisung von Borschüssen auf die ein­zelnen Beamten gruppen und Beamten nach dem mrzlich verabschiedeten Besoldungsgesetz zu stehen­den Mehrbc-üqe ist nicht beabsichtigt und empfiehlt sich auch nicht, da es ganz abgesehen von den grundsätzlichen Bedenken, die gegen die Gewährung von Borschüssen bestehen infolge der vielen von dem Reichsrninister der Finanzen zu dem bemerkten Gesetz erhobenen Beanstandungen noch nicht sicher ist, ob die Mehrbezüge überhaupt und in welcher Höhe gezahlt werden können. Die Beanstandungen werden raschestens ihrer Erledigung zugeführt Antwort auf das Beanstandungsschreiben ist be­reit- vor einigen Tagen an den Reichsfinanz- minifter abgegangen; es steht also zu erwarten, bah mit der Anweisung der endgültigen Bezüge in kurzer Frist vorgegangen werden kann. Für die im Ruhestand befindlichen Beamten usw. und die Hinterbliebenen sind die neuen Bezüge unter Be­rücksichtigung der zu dem Ruhegehaltsgeseh und dem Hinterbliebenengesetz erhobenen Beanstan­dungen biS auf Ausnahmefälle vorläufig ermittelt und auch zur Zahlung angewiesen worden.

Staatsrat Seipp verlieft eine aus sachlichen Gründen ablehnende Regierungsantwort.

Flbg. Schreiber (Dem.) fragt, ob die Re­gierung bereit sei, dahin zu wirken, dah den Hin­terbliebenen der beimIngelheimer Mord" ge­töteten Elisabeth Roos die zugesagte Entschädigung durch die Besayungsbehorde endlich ausgezahlt werde

Staatspräsident LI l r i ch erwidert, die Reichs- reaierung sei bestrebt, eine erheblich höhere Ent­schädigung als 25 000 Franken zu erhalten, und die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen.

Darauf wird in die Tagesordnung eingetreten und die Spezialdebatte zum

Etat

bei Kapitel 53, Gymnasien usw., fortgesetzt.

Dbg. Zilch (Zentr.) wendet sich in längeren Ausführungen gegen die Ablehnung der Vor­stellung der Bürgermeisterei Alsfeld u. a. Städte und Gemeinden, die nicht gedeckten Ausgaben zu den höheren Lehranstalten auf den Staat zu übernehmen und verlangt eine andere Regelung der Freistellen dahin, baß auch Schulen, die auf Rote3 kommen, die Freistelle bewilligt werden kann. Zu den Ausführungen des Äbg. Kaul gegen diereaktionären Oberlehrer" mochte Red­ner feststellen, daß der größte Teil der Ober­lehrer demokratisch gesinnt sei, zum mindesten aber der Republik nicht feindlich gegenüberstehe. Einzelfälle sollte man nicht allgemein vor die Kammer bringen, sondern dem Landesamt für Dildungswesen mitteilen.

Abg. Kaul (Soz.): Obwohl ich die Schwie­rigkeiten nicht verkenne, die einer Vereinheit­lichung des Schulwesens entgegenstehen, bin ich doch der Ansicht, baß eine Innere Vereinheit­lichung des höheren Schulwesens unbedingt ge­schaffen werden muh. Es ist ein Gesetz über das höhere Schulwesen, gleich dem Volksschulgeseh, unbedingt zu schassen. Ich mache keineswegs ein­zelnen Oberlehrern den Vorwurf reaktionärer Ge­sinnung, sondern dem ganzen Geist, unter dem die tatsächlich demokratisch gesinnten Oberlehrer eben so sehr zu leiden haben. Die Verstöße am Schulfeiertag waren keineswegs so gering, wie es bargeftellt wird. Man sah in den Schüler­zügen nur schwarz-weiß-rote Fähnchen und im Mittelpunkt stand das LiedDeutschland über alles", das unter allen Umftänben eben ein nationalistisches Parteilied ist.

Abg. Schreiber (Dem.) bespricht die schwierige Eristenz der höheren Schulen auf dem flachen Lande, die vielfach schwer bedroht ist. Es müsse unbedingt dafür gesorgt werden, dah diese Schulen, die kulturelle Rotwendigkeit sind, erhalten bleiben.

2lbg Reh (Dem.) tritt ebenfalls für die Erhaltung der höheren Schulen auf dem Lande und in kleineren Städten ein.

Abg. Dr. Osann (D. Dpt.): Auch wir sind der Ansicht, dah die Erhaltung der höheren Schulen auf dem flachen Lande im Interesse des Staates selbst liegt, und dah diesen Schulen, soweit sie gefährdet sind, Staatszuschüsse gewährt werden. Auch für die Anwärter auf den höhe-

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefsen) Donnerstag, 7. Juli 1921

ren Schuldienst (deren Lage und Verhältnisse Redner eingehend schildert) würde das Aushören dieser Schulen von größtem Rachteil sein.

Abg. Hattemer (Ztr.) (schwer verständ­lich) tritt ebenfalls für diese Anwärter ein und befürwortet die vorliegenden Wünsche auf Aus­bau der Realschulen zu Oberrealschulen, besonders für Dad-Rauheirn.

Abg Air ft ab t (Sem): Wenn der Abg. Kaul konsequent wäre, hätte er nicht ein Gesetz für die höheren Schulen, sondern ein Schulgesetz verlangt, denn er ist doch auch für die Einheits­schule usw. Man müsse aber doch erst die Er­fahrungen auf diesem Gebiete abwarten. Erst wenn wir das Ganze wirllich überschauen können, wollen wir ein großes Schulgesetz machen.

Abg. Frau Balser (Dem.) tritt für eine Aufbauschule für Mädchen ein, damit begabte Schülerinnen der Volksschulen die Möglichkeit haben, sich entsprechend weiterzubilden und zwar auch hier mit der Einrichtung von Iahresnoten.

Abg. Brauer (Hess. Dpt.) mißbilligt den ständigen Wechsel der Beamten auf dem Lande, die nicht bobenftänbig werben unb bie Bevölke­rung niemals richtig kennen lernen. Man sollte unbebingt bie Schulen auf dem flachen Lande er­halten, damit das besser werde.

Abg. Wünzer (D. Dpt.): Es ist unver­ständlich, dah Abg. Kaul sich noch immer über das LiedDeutschland über alles" aufregt. Es ist durchaus kein Parteilied, sondern ein Bekennt­nis der Liebe zum gemeinsamen Daterland, das jeder fingen kann. Wenn Herr Kaul meinte, aus Rücksicht auf das Ausland sollte man das Lied nicht fingen, so kann er sich darauf ver­lassen, dah das Ausland, besonders die Fran­zosen, es gar nicht verstehen würden, wenn wir das Lied nicht mehr fingen würden. (Bravo.)

Präsident Dr. Strecker möchte auf die ein­zelnen Wünsche kurz eingehen. Im allgemeinen ist au sagen, dah die Schuldinge noch derart im Flusse sind, dah eine gesetzliche Regelung noch nicht an­gebracht erscheint. Die festen Llmrisse der deutschen Aufbauschule stehen fest. Wir haben diese Frage ständig im Auge. Die Erhöhung des Schulgeldes hat sich durchaus ^bewährt, wir konnten einer gan­zen Anzahl hon Schülern Freistellen bewilligen. Die Staffelung allein scheint uns jedoch noch keine Lösung der Frage unb wir erörtern bereits eine allgemeine Schulsteuer, zu ber auch Junggesellen unb kinderlose Eltern herangezogen werden sollen. Die Reform der Lesebücher haben wir dauernd im Auge. Die erheblichen Kosten spielen hierbei eine Rolle. Das Schulfest ist im allgemeinen so verlau­fen, wie wir es gewünscht haben. In Zukunft aller­dings wünsche auch ich. dah das Iugendseft unter der schwarz-rot-goldenen Flagge vor sich geht, die allein für deutsche derartige Feste in Frage kommt. Das LiedDeutschland über alles" ist eigentlich ein altes demokratisches Lied. Es ist zu bedauern, dah dieses Lied zu provokatorischen Zwecken von gewissen Kreisen ausgenuht wirb. Der Auffassung bes Abg. Wünzer ist beizustimmen. Freistellen kön­nen im allgemeinen nur an ausgezeichnete Schüler vergeben werben, man wirb also an ber Rote 2 festhalten müssen. Wo besondere Gründe vorliegen, soll das Lehrerkollegium entscheiden. Die Sorge für bie Anwärter auf den höheren Schuldienst be­schäftigt uns dauernd. Zur Oberlehrerfrage ist doch tzu sagen, dah noch, nicht alle Oberlehrer die repu­blikanische Einstellung gefunden haben, die ein friedliches und gedeihliches Zusammenarbeiten mit ber Regierung gewährleisten. Achtung vor ber Re­publik unb ihrer Verfassung müssen wir unbebingt verlangen. Die rebellische Stimmung in ben Ober­lehrerkreisen ist burch bie Presseangriffe gegen meine Person geschaffen worden. Sie erschwert den Weg zur Derstänbigung. Solange freilich, wie jetzt in ben Südwestdeutschen Schulblättern bei jeder Gelegenheit ber Kampf bis aufs Messer angebroht wirb, so lange ist eine Verständigung schwer. Die Herren sollten es doch lieber nicht auf eine solche Machtprobe an kommen lassen, in der die Regierung sicher die stärkere ist. Es fragt sich doch, ob solcher Kamps sich lange über zwei Monate Gehaltssperre erstrecken wirb. Redner nimmt bann Stellung gegen bie antisemitische Agitation der Verbände Deutsche Zagend". Was die höheren Schulen aus dem Lande betrifft, so ist die Regierung bie letzte, bie solche Schulen ohne zwingenbe Rot aufheben wird. Hier hat aber das Finanzministerium ein ge­wichtiges Wort mitzusprechen. Jedenfalls dürfen Sie uns das Vertrauen schenken, bah wir auch biese Frage mit dem ganzen fachmännischen Ernst behandeln, ben sie verdient.

Damit schlieht bie Debatte. Der Ausschuß- antrag wird angenommen, ber Antrag Schreiber, betr. Erhaltung der höheren Schulen auf dem Lande, ebenfalls.

Rach der Pause werden eine Anzahl von Kapiteln ohne wesentliche Debatte erledigt. Zu Kapitel 57, Volksbildung (Landeswander­bühne usw.), und 57a, Forderung der Kunst,

Ra, ich denke wohl, du dumme kleine Do! Warum hätten sie einander denn sonst aller Welt zum Trotz geheiratet?"

Lind sie waren glücklich nachher? Sehr? Voll­kommen?"

Das toik ich meinen! Der Himmel auf Erden war's, besonders seitdem du zur Welt kamst und obwohl ihnen dein Großvater das Geben schwer genug machte."

Lebten sie denn bei ihm hier auf Mon» repvs?"

Bewahre! Er wollte ja von deiner lieben Mama nie etwas wissen, die, wie er sagte, durch die bürgerliche Heirat seines Sohnes Karriere zer­stört hätte. Dein Vater war nämlich im Aus­wärtigen Amt und sollte eine Fürstin Onskaja heiraten. Darm hätte er einen Gesandtenposten bekommen. Llebrigens hätte ihr dein Großvater die Bürgerliche vielleicht noch verziehen, wenn sie nur nicht auch eine Schauspielerin gewesen wäre, die ihre eigene Familie deshalb verleugnete und verstieß."

Ist es denn etwas Schlimmes, Schauspielerin zu lein?

Gar nicht. Besonders, toenn man Talent hat und so eingezogen und zurückgezogen lebt, wie deine Mutter. Heutzutage heiraten ja viele Adelige Schauspielerinnen, und man denkt anders darüber. Aber damals war's schon etwas Llner- hörtes, daß der Träger eines uralten Ramens kurzweg eine einfache Schauspielerin heiratete, die noch nicht einmal berühmt war. Gar bei ben Rothersteins, bie sich immer für besondere Men­schen hielten."

bespricht Abg. Reiber (Dem.) bie Rheinische i Musikwoche unb polemisiert gegen volkspartei­liche Presseäußerungen, bie es beanftanbeten, baß Präsident Dr. Strecker und andere Regierungs­vertreter der Musikcooche beigewohnt haben, was in direktem Gegensatz zu den hier geäußerten Wünschen des Abg. Köhler stehe.

Abg. Dr. Osann (D. Vpt.- beanstandet ebenfalls diese Rotiz. bie unangebracht war. De- bäuerlich war bei ber Musikwoche eine gewisse Gegnerschaft in Mainz.

Abg. Engelmann (Eoz.) führt das aus­schließlich auf bie ungünstige Zeit zurück, in bie bas Konzert fiel. Das Kapitel wirb bann angenommen.

Zu ben Kapiteln

Universität unb Technische Hoch­schule

stellt Abg. Herbert (Zentr.) einen Antrag, ber bie Errichtung einer Zoll-Hochschule betrifft (auf ber Tribüne aber nicht verstauben wirb).

Abg. Kaul (Soz.) rügt Wieberum den reak­tionären Geist der Lehrkörper der Llniversität und Hochschule. LI. a. beanstandet Redner, daß das amtliche Derzeichnis des Lehrkörpers der Llni­versität Gießen noch sämtliche Orden aufzählt, die die Professoren besitzen.

Abg. Detters (Soz.) fordert, daß die Re­gierung bestrebt ist, Ausschreitungen der Stu­denten, wie jüngst in Gießen, zu verhindern. An­erkennen müsse er, daß ein großer Teil der Hoch­schullehrer bemüht ist, Bildung und Wissenschaft in alle Volkskreise zu verbreiten durch Vorträge usw. Die Verpflegung in ben Kliniken sei viel- fach unzureichend. Der Redner fragt an, ob die Regierung der Llniversität bei den Anwendung des Friedmannschen Mittels gegen bie Tuber­kulose Hindernisse in den Weg legen würde. Schließlich bespricht der Redner das Verhalten der Studenten selbst, das vielfach zu wünschen übrig lasse. Die Mensuren üben eine verrohende Wirkung aus. Der Staat sollte alle diejenigen zurückstellen und nicht anstellen, die die Spuren dieser Roheit im Gesicht tragen. (Heiterkeit.)

Abg. Din gelb eh (D. Vpt.) nimmt gegen diese Ausführungen ironisierend Stellung. Es wäre interessant, die Antwort des ehemaligen Ministers des Innern ober des Iustizministers zu hören. So reaktionär sollten doch die Herren der Linken nicht sein. Was den Aufwand be­trifft, ben bie ötubenten treiben sollen, so steht bem boch entgegen, daß heute 70 Prozent der Studenten mit einem Monatswechsel von unter 600 Mark auskommen müssen. Kein Arbeiter käme damit aus. Das spricht doch von größtem Pflichteifer unb stärkstem Ibealismus. (Bravo.)

Abg. D. Dr. Diehl (Hess. Dpt.): Es muß unbedingt anerkannt werben, daß kaum jemals so viel gearbeitet wurde wie heute. Die zerhackten oder ungehackten Gesichter sind keinerlei Maßstab für das Können der Studierenden. (Sehr richtig! Heiterkeit.) Daß die Orden in dem Derzeichnis mit abgebrueft wurden, ist wohl als Schönheits­fehler zu betrachten, doch find dafür nicht die Professoren und der Rektor verantwortlich zu machen. Dermutlich ist ber Druck einfach pro Kilo vorgenommen worden. Gegen bie Wünsche, den Einfluß des Lanbesbildungsamtes auf die Uni- versitätsverwaltung zu vergrößern, müsse man entschieden Stellung nehmen, das würde zur Ge­fährdung der akademischen Freiheit führen.

Abg. Dr. Büchner (Dem.) stimmt dem Abg. Dingeldeh zu, daß die Studierenden fleißig ar­beiten, doch kommen immer noch Ausschreitungen von Korps vor, die im Interesse des Ansehens und auch dem Ausland gegenüber vermieden wer­den müßten. - Redner fügt Spezialsälle an.

Abg. ilr ft ab t (Dem.): Gegenn die aka­demische Freiheit darf nicht eingeschritten werden, das schließt aber nicht aus, daß man gegen Ver­flöße Stellung nimmt. Die Mensuren sollte man nicht anders als Sport ansehen. Sie sind dann immerhin noch ästhetischer als der Boxsport. Aus­wüchse auf 'diesem Gebiete sind bestätigt. Die schlagenden Derbindungen erkennen heute die nicht- schlagenden voll an und sind durchaus gleich­berechtigt im studentischen Ausschuß, der einen wesentlichen Fortschritt bedeutet und sehr erfolg­reich ' arbeitet.

Abg. Kaul (Soz.) bespricht nochmals die Ordensaufzählung in den Derzeichnissen und 'be­zeichnet diese als Prvvokatton. Er verteidigt und erläutert dann in längeren Darlegungen sekne Anregung, den Einfluß des Landesbildung Samtes in der Verwaltung der Llniversität zu vergrößern. Mit den Mensuren brauchte man sich gar nicht zu befassen, aber sicher ist, daß die satisfattion- gebenden Studenten sich immer noch als eine be­sondere Klasse fühlen.

Rächste Sitzung nachmittag- 3 Llhr.

Aber Mamas Angehörige? Warum ver­stießen denn die meine arme Mama?"

Die Trolls? Ach, die waren auf ihr Geld, das sie mit ihrer berühmten Troll-Schokolade ver­dient hatten, genau so hochmütig und eingebildet, wie die Rothersteins auf ihren Adel. Die füllten sich entsetzlich blamiert vor ber Welt, daß eine von ihnen sich einbildete, Talent zur Bühne zu Haden. Schauspielerin, das war denen nur etwas Minderwertiges, Verdächtiges, und wenn Doris Troll nicht eines Tages kurzweg durchgegangen wäre fteitoiHig hätten sie sie nie ziehen lassen-

Dafür enterbten sie bie allen Trolls denn auch, unb deiner Mutter Geschwister gaben ihr nachher nicht einmal den Pflichtteil, der ihr doch gesetzlich zugestanden hätte. Obwohl sie damals in bitterer Rot war und die schwerste Zeit ihre- Lebens durchmachte. Denn der alte Troll starb just zwei Wochen nach deinem Vater. 3a, ja ein gutes versöhnendes Wort von den Ihren damals hätte deiner Mutter vielleicht Kraft ge­geben, weiterzuleben. Aber so"

Mama starb bald nach Papa, nicht wahr?"

Ja. Am Typhus, den sie sich bei seiner Pflege zugezogen hatte. Kaum drei 3ahre waren sie verheiratet."

Die alte Frau seufzte tief auf.

Do, die auf einem Schemel zu ihren Füßen saß, legte den Lockenkopf schmeichelnd an die Knie der Haushälterin.

Lind dann kamen wir nach Monrepos, und du wurdest mein liebes, gutes Mütterchen, ohne das ich sicher zu Grunde gegangen wäre. Aber weißt du, was mich wundert? Daß Großpapa uns überhaupt auf nahm, nachdem er doch fo häß­lich gegen Warna war,"

Aus Stabt unb Land.

Gießen, den 7. 3ult 1921.

*N Landes-Llniversität Gießen. Zum Rektor für die Zeit vom 1. Oktober 1921 bis 30. September 1922 wurde der ordentliche Professor für mittlere und neuere Geschichte Dr. G u st a v R o l o f f gewählt.

" Eingaben an das Kreisamt, die dienstliche Angelegenheiten betreffen, werden vielfach unter der persönlichen Adresse des Referenten mit oder ohne den ZusatzKreiS- amt" versehen. Das Kreisamt weist nochmals darauf hin, daß die Einsender sich alle Nach­teile, die aus einer derartigen unrichtigen Adressierung entstehen, allein selbst zuzu­schreiben haben.

* 'S i c Einteilung ber S i e n ft geschäfteam KreiSveterinäramt G i e- ß e n. Die amt-tierärztlichen Dienstgeschäfte des Kreisveterinäramts Gießen werden vom i. 3uli dieses Iahres ab wahrgenommen: In den Ge­meinden Gießen, Allendors a. b. Lahn, Großen- Linden, Heuchelheim. Kirchberg, Klein-Linben, Lang-Göns, Leihgestern. Lollar, Watzenborn- Steinberg unb Wieseck durch den Kreisveterinär- arzt Professor Dr. K n e II, Gießen, Wilhelmstr.21 In den übrigen zum Dienstbezirk des Kreisveteri­näramts Gießen gehörigen Gemeinden durch ben Amtsveterinärarzt Dr. Stein, Gießen. West- Anlage 51. Alle mündlichen, telephonischen und schriftlichen Ersuchen usw. aus den erstgenannten Gemeinden sind an das Kreisveterinäramt Gießen, Wilhelmstraße 21, Fernsprecher 1632, die aus den zuletzt bezeichneten Gemeinden an den Amtsveteri­närarzt Dr. Stein, Gießen, West-Anlage 51, Fern­sprecher 1080, unmittelbar zu richten. Der Antrag auf Vornahme der Llntersuchungen von Kadavern in Seuchefällen auf der Kreisabdeckerei Garben­teich ist aus dem ganzen Kreis Gießen an den Amtsveterinärarzt Dr. Stein direkt zu richten. Die Dienstbezirke und die Dienststellen­tätigkeit der Kreisveterinärärzte Blume in Grün- berg unb Dr. Engelmann in Ribba bleiben un- oeränbert.

Steuervortrag Der O r t s g e - Werbeverein, Hanbwerkerbund unb Kaufmännische Verein veranstalteten gestern abenb im Aquarium einen Vo.rtrags- a b e n b, bei welcher Gelegenheit Steuersyndikus Holthaus-Essen über Steuerfragen sprach. In seiner Einleitung wies der Referent darauf hin, daß bie Steuerpflichtigen nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte hätten, über bie eine Aufklärung dringend notwendig sei. Die Steuergesetzgebung sei heute so vielseitig, baß ber Gewerbetreibende sehr oft nicht wisse, wieviel Steuern er im Laufe des Hahres bezahle. Vom Reichsfinanzminister sei eine straffere Veran­lagung ber Steuerpflichtigen in Aussicht gestellt worden. Das gelte in der Hauptsache wohl für Gewerbetreibende und Kaufleute. Auch sei mit einem weiteren Ausbau der Gewerbesteuer unb einer stärkeren Belastung ber Gewerbetreibenden zu rechnen. Der Rebner hält bie beseitige Be­rechnung ber Unterlagen für bie Gewerbesteuer für zu kompliziert, teilweise zu Härten führend und schlägt vor, die Steuer nach bem Ertrag zu ermitteln, für kleinere Betriebe aber ein Exi­stenzminimum zuzulassen. Weiter bespricht der Redner ausführlich die Bestimmungen ber Reichseinkommen st euer, insbesonbere bie Unterlagen für die Steuererklärung. Bei dem Einkommen aus Grundbesitz weist er beson­ders darauf hin, daß bei dem Mietwert bet eignen Wohnung der Friedensmietwert nebst den ortsüblichen Zuschlägen einzusetzen ist. Bezüglich des Einkommens aus dem Gewerbebetrieb hält er es für dringend notwendig, baß bie Ge­werbetreibenden über ihre Einnahmen unb Ge­schäftsunkosten Aufzeichnungen führen. Die Be­rechnung des Einkommens nach dem Umsatz ober dergleichen sei unzuverlässig, könne auch infolge der Verschiedenartigkeit ber Betriebe unb ber Verhältnisse nicht allgemein Verwenbung finben. Der Redner bespricht bann ausführlich, welche Geschäftsunkosten, Ab­schreibungen usw. in Ansatz gebracht werben bürfen, um das Reineinkommen zu berechnen. Er weist besonders darauf hin, daß bei Mehraufwand im Haushalt infolge Mitarbeit ber Frau im Ge­schäft Abzüge zulässig finb, ebenso ist bei Reuan- schasfungen, soweit es sich um Ersatz hanbelt, bie Ueberteurung abzugsfähig. Bei bem Einkommen aus Kapitalvermögen macht ber Redner auf bie Auskunftspflicht der Danken aufmerksam, bie ber Steuerbehörde bei ungenauen Angaben bie Möglichkeit bietet, ben Steuerpfllchtigen zur Aus­sage ber Wahrheit zu zwingen, wenn er sich i*cht großen Unannehmlichkeiten unb finanziellen Schä­bigungen aussehen will. Rachtragsangaben seien .jetzt lnodj möglich Der Rebner bespricht bann wei­ter bas Einkommen aus Arbeit, sowie fon-

Ra, aus gutem Herzen hat er uns nicht genommen, das kannst bu mir glauben. Er tat es einerseits dem Romen Rotherstein zuliebe, an­dererseits, weil dein Papa es in feinem Testa­ment ausdrücklich bestimmte: im Falt feine ge­liebte Frau stürbe, solltest du hier eine Heimat finden, und mich dürfe man alsdann nicht trennen von dir."

Frau Wenks Blicke wurden finster.

Gehaßt hat uns der alte Herr redlich dafür, dich um deiner Mutter willen, mich, weil ich dieser allzeit treu ergeben war und nie vergessen konnte, wie unrecht et an ihr gehandelt hatte. Uebrigens habe ich mein Brot hier nicht umsonst gegessen, und deine Erziehung hat ihn auch wenig genug gekostet! Wenn unser Herr Pfarrer unb sein Fräulein Schwester sich nicht aus purer Rächstenliebe deiner angenommen hätten, du wüß­test bei Gott nicht mehr als jebee; Dorfkind in Vichelstein. Immer hieß es:Kein Gell) da!" Aber wenn etS auch, weiß Gott, nicht dick hat, ich meine, dazu müßte er Mittel unb Wege schaffen, um dich jetzt, wo du erwachsen bist, in standes­gemäße Umgebung zu bringen, damit du dich auch im Benehmen vervollkommnest. Sprachen und Musik allein tut's nicht zur richtigen Bil­dung . .

Eine bitterböse Falte stand auf Frau Wenks 6 tim.

Sind die Rothersteins denn so arm? fragte Do.Du sagtest doch einmal, es gäbe einen Familienfonds, und die Graienegget hätten einen großen fürstlichen Besitz, unb Großpapa bekäme eine Apanage."

(Sortierung folgt)