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Nr. (05

Der 6ienener Anzeiger mit der Dienstagsbeilage .rpnetUmschan' er. scheint täglich, außer Sann- und Feiertags. Monatliche Hezve-preisi: Wert 5 - etnschließlich Trägerlahn, durch die Pssl besagen Mark 5.75 etnlchlietzlich Bestellgeld. Fern sprech-Lnschlusf«: fürdieSchnstleirung 112; für Druckerei, Verlag und </ie!chästsstelle 51. Anschrift sür Drahtnach. richten: Xnuiaer »le^ei.

voßfchetnoit«:

Sranffert a. M. 11686.

Crfter Blatt

M. Jahrgang

Samstag, 7. IHal 1921

sietzenerAmeige

General-Anzeiger für Oberhessen

Vrvck und Verlag: vrühl'sche Univ.Vllch. und §teindruckerei B. Lauge. Schriftlettn-, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulstratze 7.

Annahme tei Lnzeiaen sür die Tagesnummer oi» zum Nachm-ttag oorher ohnejede Verbindlichkeit Preis für 1 mm höbe, Anzeigen v 34 mm Breit, örtlich 40 Pf, ausroartr 50 Ps; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 180Ps Bei Platz. Vorschrift 20' .Aufschlag, tzauprschriftletter: 2lng. Goetz Verantwortlich für Politik: Aua. Goetz, für den übrigen Teil: Dr Reinhold 3enj; für den Anzeigenteil: Han» Leck, sämtlich in Gießen.

wochenrSMick.

DaS Londoner Ultimatum und der Regierungswechsel wir haben jetzt zwei große Sorgen statt nur eine. Denn niemand scheint recht zu wissen, was jetzt eigentlich geschehen soll. Bei Dr. Simons hakten wir immerhin das Gefühl, daß er dachte, schaffte und auch ein Ziel verfolgte. Damit ist es nun aus. War es nötig, daß er ging?

Wir glauben nach wie vor, daß sein Schiss nicht durch -eigene Schuld gescheitert ist. Je­den andern, welche Segel er auch gezogen ha ben würde, hätte der zornige olympische Rat­schluß ebenfalls zerschmettert. Die Kritik schilt ihn von zwei Seiten her. Die eine macht gel­tend, daß er nicht schnell genug richtig ge­handelt habe: was damit gemeint fein soll, bleibt allerdings etwas unklar. Doch wurde vermutlich verlangt, daß er schon vor 2 bis 3 Wochen ein neues deutsches Angebot direkt nach Paris oder London hätte richten sollen. Uns dünkt, diese Kritiker sind noch viel hoff­nungsseliger als Dr. Simons gewesen, der immer vorausgesagt hat, daß vom Einsatz der amerikanischen Karte unter allen Um­ständen nicht sehr viel erwartet werden dürfte. Denn wir kennen ja die Seelenstimmung der Franzosen, und der Londoner Kantpf hat sie uns aufs neue gezeigt, die nichts von Ver­handlungen und neuen Vorschlägen wissen wollte. Der deutsche Vorschlag wäre, auch wenn er erheblich mehr als der des Dr. Si­mons geboten hätte, von den Gewalthabern a b g e l e h n t worden. Dann wären wir ver­mutlich so weit wie jetzt auch. Oder womöglich noch schlechter dran?

War das Zwischenspiel von London mit dem Auseinanderprallen der Zerschmette­rungstendenz und der Mäßigungstaktikschäd­lich für uns, oder gleichgültig, oder vielleicht nutzbringend? Wenn wir uns in Paris oder in London auf die Knie geworfen hätten statt in Washington hatten dann der englische Liberalismus und die City-Kreise, mit denen Lloyd George Reibungen durchzumachen hatte, sich mehr oder weniger gegen die lieber* spannungsvolitik Frankreichs ins Zeug ge­legt? Man sollte meinen, da hätte der deutsche Geist des Beharrens und des Widerstandes doch eine kleine Wirkung getan! Aber wir hätten so könnte gesagt werden die Ohrfeige" Amerikas nicht bekommen. Ja, wenn wir nichts angeboten hätten, so wäre uns auch nichts abgelehnt worden das ist ganz richtig. Aber wir hätten von Washing­ton doch auch nicht eben irgend einen Gunst­beweis erhalten? Es mag fein, daß Amerika wenig oder gar nichts für uns tut. So viel ist aber sicher, daß Präsident Larding infolge des Vorgehens unserer Regierung nichts von seiner etwaigen uns günstigen Jnterven- tionspolitik aufgeben wird sofern er eine solche befolgen wollte. Es stehen nicht alle politischen Aktiva in den gewechselten Noten, von denen die Rückantwort aus Washington für uns freilich eine arge Enttäuschung war. Es wäre auf alle Fälle leichtfertig und ober­flächlich, wenn man ohne genaue Kenntnis deffen, was sich hinter den Kulissen abgespielt hat, urteilen wollte, der Versuch des Dr. Si­mons in Washington hätte unsere Lage ver­schlechtert.

War es nun empfehlenswert oder nötig, daß das Kabinett FchrenbachSimons ange­sichts der Londoner Entscheidungen zurück­trat? Um diese Frage zu beantworten, müßte man wissen, ob das Londoner Ultimatum mit Ja oder Nein beantwortet werden soll. Es ist kaum denkbar, daß Dr. Simons es auf sich genommen hätte, die Forderung einer Schuld­summe von 132 Milliarden Goldmark zu un­terzeichnen. Wollte'er konseguent und charak­terfest bleiben, so gab es für ihn nutr das Nein. Die Entente will jährliche Ratenzah­lungen von 2 Milliarden: dazu ferner eine variable Abgabe auf die deutsche Ausfuhr. Eigentlich brauchten keine deutschen Sachver­ständigen mehr zusammenzutreten, beim sie haben ja bereits ihr Urteil gefallt. Die For­derung wird unsere Leistungsfähigkeit über­steigen. Würde Dr. Simons, wenn er hätte im Amte bleiben wollen, die Möglichkeit be­sessen haben, all die nach dem Ultimatum ein* setzenden Parteibestrebungen und Unenffchie- denheiten oder Widerstände zu übersteigen und stark und konseguent zu bleiben? Es lag nicht in seiner Macht, mit einem Nein unter allen Umständen durchzudringen. Eine neue Bera­tung war nötig, und schon diese Notwendig­keit gebot chm, zurückzutreten.

Auch wenn das Nein die neue Losung fein sollte, ist in unserem parlamentarischen System eine Neubelebung der Politik des Widerstandes, sind neue Männer mit unzwei­felhaften Impulsen der bisherigen Lei­tung vorzuziehen. Fällt die Entscheidung aber auf die Annahme des Ultimatums, dann soll man nur recht gründlich darüber nach­

sinnen, welche Lände man berufen will, das Diktat zu unterschreiben . . .

Ein Blick in die führende Parteipresse verstärkt die Ueberzeugung, daß das Kabinetl Fchrenbach gehen mußte. DieK ö l n. Z e i tung" stellt es ausdrücklich fest, die Führer der herrschenden Parteien hätten diesen Rück tritt erzwungen. Das Blatt nimmt den Mi­nister Dr. Simons gegen die Vorhaltung in Schutz, er habe Amerika gegenüber würdelos gehandelt und feiin feiner Hoffnung auf den bescheioensten Erfolg betrogen" worden. DieKöln. Ztg." trennt sich von unserem Standpunkt darin, daß sie erklärt, die logische Folgerung wäre gewesen, nun Herrn Simons Gelegenheit zu lassen, den Weg, den er einge­schlagen, weiter zu gehen, statt mitten im Strom die Pferde zu wechseln.Schließlich," so lautet der Schluß dieser Betrachtung,er scheint es uns vorschnell, mit großen Worten, die sich den Anschein geben, mehr zu bedeu­ten als sie finbj die Nachfolger des Kabinetts Fchrenbach auf ein Programm festzulegen, das mehr verspricht, als diese Männer vielleicht halten können, und von der Zurückwei­sung eines Ultimatums zu sprechen, dessen Inhalt uns bisher nur vom Hörensagen be­kannt ist."

Es ist richtig, die Gebundenheit des künf­tigen Kabinetts an die leidigen Parteiverhält­nisse wird wohl annähernd so aroß sein wie die des Kabinetts Fchrenbach, Denn die bis­herige Regierungskoalition soll ja erhalten bleiben. Die Männer, die jetzt an die Spitze des Reiches treten, gehen an eine so schwierige und undankbare Ausgabe, wie sie selten Staatsmännern ausaeladen wurde. Das Schauspiel, das uns die politischen Parteien gegenlDärttg bieten, ist nach allen Seiten hin fatal. Die KoalitionsParteien konnten bisher in tage Ian gen Beratungen noch zu keinem Endergebnis kommen. Manche wollen ab­lehnen, andere wollen annehmen. Auf die Sozialisten aller Richtungen ist überhaupt kein Verlaß. DerVorwärts" hat zwar vor einigen Tagen in einerVorrede" sich dafür eingesetzt, daß eine Parole des Mutes unb nicht der Angst befolgt werden soll, aber es war ein Spiel mit Worten. Man konnte und man kann aus den Darlegungen des Blattes auch herauslesen, daß das Ultimatum an­zunehmen sei. Mit einer gewissen Schaden­freude schieben die Organe der Mehrheits­sozialisten sowohl wie der Unabhängigen die Bürde der Verantwortung ausschließlich auf die Schultern des Bürgertums.Das Bür­gertum", so ruft betVorwärts", muß noch einmal zeigen, ob es führen kann!" Die Freiheit" ist gleichfalls dafür, die Arbeiter- fcf*aft dürfe jetzt ihre Zukunft nicht kom­promittieren, und sie schließt chren Aufsatz mit den Dorten:Unser Tag wird kommen!^

Ist dies der Parlamentarismus, sind dies die Segnungen demokratischer Regie­rungsweise, daß in unglückseligster Stunde des Vaterlandes die Parteien ihre Interessen ge­geneinander ausspielen? Uns dünkt, der Tag wird kommen, wo unser Volk sich darauf zu be­sinnen hat, was geschehen kann, um solche Unzulänglichkeiten für die Zukunft aus dem Wege zu räumen.

Pie Bildung der neuen Regierung.

Berlin, 6 Mai. (Wolff.) Die Vor­bereitungen zur Bildung der neuen Re­gierung sind im Gonge. Eine endgültige Entschließung kann naturgemäß erst erfolgen, wenn die Stellung der für die Zusammenset­zung der Regierung in Betracht kommenden Parteien zu der wichtigsten politischen Gegen­wartsfrage, der Beantwortung des Ul­timatums, geklärt ist. Das zur Beurtei­lung dieser Frage erforderliche vollständige Material dürfte noch im Laufe des heutigen Tages eingehen.

Ablehnung des Ultimatums?

B c r 1 i n, 6. Mai. (Priv.-Tel.) Heber d e Stel­lung der Parteien zu dem Entente-Hltima- t u m wissen derSolalany-ioer" und dasTag­blatt" mitiufrilen, daß sowohl in der benwfraiifcvn Fraktion als aucb im Zentrum und in der deut­schen Volks Partei die Stimmungüberwiegt, das Ultimatum abzulehnen, und zwar, wie der Loürlanzeiger" betont, in allen Punkt.m. Bei ber Entwaffnungsforderung habe man zu berücksichtigen, daß die Polen in diesem Augen­blicke unsere Ostgrenzcn mehr beim je bebroben. Unter diesen Umständen gelte die Entwaffnung un­serer östlichen Festungen als ausgeschlossen. Für die Frage der Kriegsschuldigen werde, dem Blatte zufolge, hcrvorgehoben, daß sie eine Ehren- rrage barftelle. lieber die finccvädlen Punkte hätte man vielleicht verhandeln raten, aber nach dem Ultimatum würden die Alliierten nicht daran den­ken, mit sich Darüber sprechen zu lassen

Wie dasTageblatt^ erfährt, wird morgen Vormittag 11 Uhr der interfraktion eile Ausschuß yifammentreten, nachdem sich vorher die Fraktionen über die Annahme oder Ablehnung des Ultimatums entschieden haben werden.

Wie derVorwärts" fests^cklt, ist in den ganzen bisherigen Verhandlungen über die RegierungS bÜbung der Name des Fürsten Bülow nick! genannt worden; auch ist eine Süiforbcrwtq des Reichspräsidenten an den Fürsten, nach Berlin zu fommen, nicht erfolgt. Gleichfalls fei an inormier ter Stelle von einer Kombination Schivander nichts bekannt.

Berlin, 6. Mai. (Privattelegoamm. > Ti: Deutfche Allgemeine Zeitung" be zeichnet das Ultimatum als unerträglich uno sagt: Auch heute noch find die Deutschen bereit, zu einer Einigung mit den Gegnern zu gelangen und in Jahren härtester Arb.it herzugeb 'n, was sie auszub ringen vermögen, nenn aber der Oberste Rat ton uns verlangt, daß wir unsere D ft- feftungen entwaffnen sollen, in dem Au.geü­bt ick, da die Polen schnöde Gewalt gegen uns ver üben, dann gibt es auf diese Forderung nur einl Antwort, die einer ehrenhaften Nation würdig ist: Nein und tausendmal nein!

DieTägliche Rundschau" schreibt: Uns bleibt nur eins übrig: Passiver nationaler Widerstand. Solange wir uns nicht selbst auf- geben, sind wir nicht verloren. Auch das fübreitve ZentrumsblattGcrmani a" bczeickmet bie For­derung nach Entwaffnung der östlichen Festun­gen zu erfüllen, unmöglich in dem Augenblick, wo die Polen an den Grenzpsählen des Reiches rütteln.

Berlin, 6. Mai. Das Ultimatum der Entente wird bshcr nur von wenigen Blättern besprochen. Wahrend die Blätter der Rechten es für unannehmbar erklären, schreibt derBor wärt s", die Hoffnung, daß die Räumung des Ruhrreviers in einem späteren Zeitpunkt zu billigeren Bedin­gungen als den jetzt gestellten erreicht werdeni rönne, fei außerordentlich gering. Ti? kommende Regierung stehe vor einer furchtbaren Entscheidung. Sie wird sich fragen müssen, ob sie zu Beginn ihrer Tätigkeit so wichtige Gebiete für ganz un­absehbare Zeit der militärischen Gewalt des Aus­landes audfiefem oder ab*r Bedingungen aus sich nehmen will, zu deren Ersüllung Herkuleskräsde notwendig sind.

Vie Zahlungsbedingungen für Deutschland.

Paris, 6. Mai. Havas. Die Repa- rationsk-ommission hat in ben ersten Nacknnittaasfttmben ben Wortlaut 6c3 Schriftstückes veröffentlicht, welches gestern Nacht um 11 Uhr in offizieller Sitzung Herrn v. Oertzen zngesbellt wurde. Dieses Schrift­stück enthalt die Bedingungen für bie von Deutschla nb zu leistenden Zah- lungen. Die Note bestimmt, daß Deutsch­land folgende Schuldverschreibungen aus- neben und der Reparationskommission aus^ händigen muß:

1. Schuldverschreibungen für 12 Mil^ liarben Goldmark, Serie A, bie am 1. Juli ju übergeben sind;

2. Schuldverschreibungen der 38 Milliar­den, die am 1. November zu übergeben sind, Serie B;

3. Schuldverschreibungen über 82 Mil­liarden, die ebenfalls am 1. November zu übergeben sind, Serie C.

Die Schuldverschreibungen werden durch bie Einkünfte und Hiffsguellen des Reichs und der Länder sichergestellt, und zwar genießt Serie A eine Priorität ersten Ranges, Serie B eine Priorität zweiten Ranges, Serie C eine Priorität dritten Ranges. Deutsckckand wird jährlich zahlen:

1. 2 Milliarden Goldmark:

2. nach Belieben 25 Proz. des Wertes seiner Ausfuhr oder den Gegenwert dieser Summe;

3. 1 Proz. auf seine Ausfuhr oder auf den Gesamtwert seiner Ausfuhr.

Die zwei Milliarden sind vierteljähr­lich zahlbar, und zwar am 15. Januar, 15. April, 15. Juli und 15. Oktober. Deutsch­land wird innerhalb 25 Tagen 1 Milliarde Goldmark zahlen: ebenso wird innerhalb 25 Tagen die Garantiekommission gebildet werden. In derselben wird ein Amerikaner Vertreter sein tomten. Der Ausschuß wird bie Gelder der See- und Landzölle über­wachen sowie diejenigen der 25prvzentigen Ausfuhrabgabe und alte anderen Abgaben, Steuern oder Einnahmequellen, die von Deuffchland vorgeschlagen und von den Alli­ierten angenommen werden. Deutschland wird auf Verlangen einer jeden Verbandsmacht Sachlieferun^en und Arbeiter für die zer­störten Gebiete zur Verfügung stellen.

Die Note stellt fest, daß sie in keiner Weise eine Aetckerung der Bestimmungen bar­ftelle, welche bie Durchführung des Vertrages sicherstellen.

Amerika und die Entente,

Washingtons. Mai. (Wolfs'' Havas meldet: Der britische Botschafter überreichte gestern im Staatsdepartement die amtliche Einladung der alliierten Regierun­gen an die bereinigten Staaten, sich im Obersten Rat, in der Reparativ ns kom- misscon und im Doffchafterrat vertreten zu lassen. Nach einer weiteren Havas-Meldung nehmen fast alle Neuyorker Blätter diesen Vorschlag günstig auf.

Heben im englischen Oberhaus.

London, 6. Mai. (Wolfs.) Im Oberhaus hielt Lord Curzon gestern eine ähnliche Rede wie Lloyd George im Unterhause. Dabei erflörte er nach Havas u a.: Ter letzte Gedanke, der uns kommen kannte, wäre der an eine WiederauinahnE des Kampfes. Auch die Franzosen mit denen wir uns in den letzten Tagen br'prncfm haben, sind weit davon entfernt, eine Wiederaufnahme deS Kampfes und eine Besetzung herbeizusehnen. Falls man wirklich zu einer Besetzung gezwungen sein sollte, bat mln in Frankreich nicht den ge­ringsten Wunsch, in dem befefcten Okbiet pi bleiben: die Franzosen haben un-3 in dirier Beziehung wiederholt hie entschiedensten Versiclie- rungen gegeben Italien und Japan sind der glrirfvn Ansicht wie wir. Kurz und gut: die Vcr« Ixmbßregimmgcn würden einmütig nur mit dem allergrößten Widerstreben die Notwendigkeit einer Besetzung deutschen Gebietes inS Ange fassen. Die Besetzung wird nicht notwendig fein, wenn Deutschland, daS heute in der Lage ist, die Dinge m ihrer nackten Wirklichkeit zu sehen, sich ehrlich Mühe gibt, seine Beruf tickstungen zu erfüllen. Man bat alle möglich.'», Mittel erwogen und ist fch'ieß- lich zu der Ikberseugung gekommen, daß man u einer Drohung schreiten müsse, um Deutsch­land zu der Einiicht zu bringen, daß eS »mdlvh einmal aufhören muffe, die (veduld Europa- auf die Probe zu stellen.

Weiter bemerkt Eurzvn, die Haltung Ame» rikas sei von roeittragarber Bedeutung, MimaC jetzt. Man habe in den Zeitungen le en föiuten, daß bie Regierung der Bereinigten Staaten c8 ab* gelehnt habe, sich mit der deutschen Frage »u be­fassen. Die (Geduld Europas imb Amerikas sei also ersckwpst und Teutfrfianb werde sich nicht ben: Befehl der Siegers beugen müssen, sondern nauf einfach die feierlidjcn Verpflichtungen zu erfüllen haben, die es durch UntcrfdTri t be FnetenS- vertvages angenommen habe. Tie alliierten Ro- gicrungcn feien in vollster lieberrbrflinrm ung zu diesen Forderungen gelangt. Er müsse anerken­nen, daß noch rienttdS brsher auf bei vielen Stone serenzen, die feit ranrmrbr zwei Jalrren statt ge­funden hätten, bie endgültigen Beschlüsse mit M- eher (Eintotüti gfei t yiftanbetretmmen seien, wie auf der jetzt abgeschlossenen Londoner Rtonfft» rercj. Bei keiner früheren Ittonfercns hätten sich die Teilnehmer mit gleicher Wärme und Herzlich­keit getrennt. Er bofie, daß Itoutfdianb sich vorn dem Ernst der Lage Rechensrfwft ablegen- und feine Haltung danach regeln werbe Er Ix>fTr ferner, daß die lange Zeit des Feilschens, der passiven Resistenz und brr Verscsteppung-versuche auf bec einen Seite und drs Ab wartens und ständigerr Unterhandelns auf der aitbe et Seite nunmehr an. ihr Ende gelangt sei und man sich überall, ein- scküießlich Teutschlands, in absehbarer Zeit dem Wer? des WieleraufbaueS Europas toibmen könne, das das höchste Ziel aller sein müsse.

Lloyd George erffärte hinsichtlich bei W iede rau fba uS Nvrdsran kre ich-, bay es möglich sei, baß bis zu einem geni len Maß: auch Arbeitskräfte gestellt roürtei. Diese Fr ne erzeuge tedoch außerordentliche Schurigtaten, bi es auch in Frankreich ebenfo wie in England Ge­werkschaften gebe Ter Prozeß, des Wiederaufbaus Frankreichs iDerb* vielleicht tont bis zehn Jahre beanspruchen Hieraus b.'faß.e sich der Premier- minister mit der geplärrten 25prvzen 11 g e >r Steuer aufbie deu ts che Ausfuhr, b"*n Ertrag voll fominen vm der SBieberterftelfurg bei bcutfärn Au s^chanbe's cKänce Eine .lli>mn i - fion werde ernannt werden, bic shren Sitz r i Berlin haben unb bie Einsammlung dieser Steuer bann- auf sichtigen würde.

Keynes über die £aae-

In, 6 Mai. ^WTB.) DieKölnische Zeitung" veröffentlicht einen Aufsatz von Pro­fessor Maynard Keynes. Der Verfasser nennt die Entscheidung des Wiederhcrstel' lungsausschusses, daß Deutschlands ganze Zahlungspflicht nach dem Vertrage 132 Mil­liarden beträgt, zwar unzweifelhaft einen Triumph für den Geist der Gerechtigkeit, hält ober seine Kritik an dem Vertrage aufrecht. Auch die neuen Vorschläge des Verbandes seien unausführbar. Deuffchland könnte 26 Prozent Ausfuhr ober zwei Milliarden jähr- sich zahlen, aber keineswegs beides. Trotzdem kommt der Verfasser zu dem Schluß, daß Teuffchlarrd, da ein dauernder Welffriede das höchste Interesse aller fei, den Plan nicht zu­rückweisen sollte.

Der polnische Aufstand.

Oppe In, 6. Mai. (WTB.) Nach den bis abends vorliegenden Nachrichten ist die L a g - im Aufstandsgebiet unverändert ernst. Die polnischen Insurgenten veffuchen immer noch, nach Norden Boden zu gewinnen. Nachdem Groß-Sttehlitz von den Ausständi- lchen wieder geräumt wurde, werden nunmehr Angriffsvorbereitungen der Aufrührer in Richtung Cosel-Leschnitz festgestellt.

Oppeln, 6. Mai. (DTB.) Tie In­teralliierte Kommission veröffent­licht heute abend ein offizielles Kom­mun i o u e, das deutlich das Bestreben ver­rät, den ungeheuren Emst der Situation zu verschleiern und den taffächlichen Vorgängen