Spuren im Schnee.
Roman von 6t>cn Glvestad.
Ermächtigte Ucbcriehung.
5 Fortsetzung. (Rachdruck verboten )
blieb nicht der Mindeste Zweifel übrig. Tine Statt«, di« den Dotter ttinntc !>2t" ibn in 5tr penta gen an Bord deS Fährdvotes geben leben, und ein Herr, der ihn ebenfalls kannte, hatte ibn. als die Säbte aut Kober Sc« nxir. im Rauchsalon begrübt Tlan hatte gesehen, wie er Hut und Pelzmantel ablegte, man hatte ihn in dieser leit* len und um diele Zahreszeit ausfallenden Kleidung auf Ted auf und ab gehen teilen Und hi:r hatten mehrere Personen trnn der Dunkelheit deutlich geteden. wie er über Bord sprang und zwischen den treibenden Eisschollen verschwand. Die Zäcre befand sich Ni gerade ungefähr in dar Mitte zwischen der dänischen und der schwedischen Äüfle. Tie Fähre war angehalten und das Rettungsboot auSgesetzt worden, aber es war ver- gebens. Tie Leiche des Unglücklichen wurde nicht gefundene die Strömung mah:c sie erfaßt haben Dagegen hatte man im Rauch'alon feinen Pelzmantel gesunden, und ait den Papieren in der Man reit'..'che ging hervor, daß der über Bord äk- sprungene St (5 F. Flodin bieh und schwedischer Arzt war Beweggrund für die Ta! unbei. nnt.
Der Kapitän lieb die Zeitung sinken ünb lehnte sich in sciacn Stuhl larüa.
Beweggrund unbekannt'
3m Greift sah der Kapjtäi deutlich die 2uf- sichtsrals'rrung vor sich, rro d-.rier Beweggrund den ernsten, erschreckten. ;a bestürzten Mrtglie- dcrn borge (eg? wurde. Fälschungen, Unrerschlrike,
soviel man vorerst wußte. im Betrag von zwan- •igtaulenb Kronen — wahrscheinlich bedeutend mehr.
Plötzlich zuckte der Kapitän zusammen: daS Telephon batte angeläutet Dieder vernahm er diesen durchdringenden Klang, der die Stille um ibn her in Stücke ritz.
Ser Kapitän fuhr aus feinem St Z hie auf; ein heftiges nervöses Zittern hatte ihn befallen, und er fubtte. wie fein Herz in starken ötlägcn Dcxtlc Ader im nächsten Augenblick hatte er seine firmtok Erregung bezwungen .Di bin nervös." sagte er sich fefb'l. .Das ist das für ein Blödsinn! Du bist ja ganz verflucht nervös!"
Das Telephon befand sich im Rcbenzimmer Die beiden Gemächer waren durch einen dicken Türvorhang getrermi Der Kapitän wartete und lauschte. Vielleicht war feine Hauehälrerin inzwischen bcimgcLbrt, dann konnte sie taZ Telephon bedienen Da er ihren bekannten schleppenden Schritt nicht hörte, rief er ihren Barnen
.Maria — Maria!'
Keine Antwort Er wiederholte den Ruf und fügte einen Fluch hinzu. Sauttofe Stille.
Sv muhte er also doch felb: ans Telephon Er ging hin und schlug den Türvorhang zurück .'Der kann das sein?" dachte er
Bei dieser Frage fühlte er wieder ein sonderbares Zittern über den ganzen Körper, und es war ihm. als ströme ihm alles Blut eiskalt zu Herzen Aber er bist die Zähne zusammen und. ärgerlich über seine aufgeregten Rerven, eilte er ins Bodenzimmer Dort an der Dand, auf einem, kleinen Tisch stand daS Telephon. Starr blieb er davor stehen und betrachtete die blanfc Bickel- glocke. die ihm vorkam, wie die kalten bhitloicn 1
llr. 28b Zwertez Blatt
Gießener Anzeiger lGencral-Anzeiger für Gderhessen)
Dienstag, b. Dezember 1921
Vefferung der Handels- und Wirtschaftslage im Orient.
Dom O. P Austin
Statistiker der Beuyorker Rational 6iin Bank l^P S 6tue Besserung in der Handels- imb Dtrilchaftslage im fernen Osten lästi srch deutlich entnehmen aus den neuesten Zahlen- angab-n über den Handel der Bereinigten Staate« mtl dielen Zeilen der Dell 2MI>- ronb her Mamttt>ert der ameritanilchen Aas fuhr im September einen Rückgang von 4b Proz. gegenüber dem September 1920 erfuhr, ging , Der gleich«n Zeit die amerckanisch« A »luh- nach Asien dem Serie nach nur um ein geringes zu- ü k und ift 2ke Quantität ber dorthin auege- 'ührten Daren sogar erheblich gestiegen — rin Zeichen dafür wie sehr der amerikanische Handel ‘roh der Dettdepresfion in Ländern wie tthna. kipan ufto. lernen Absatz noch zu steigern weist ’inb be* weiteren für andere Länder ein efci ixn wie aulnabmefäbig diese Absatzgebiete trotz allem auch beule noch lind
Die QuaniiiatiDe Zunahme der Darenaussubr der Herein igten Staaten nach hem Orient ist brionbert darum auffällig, weil he zeitlich im wr- lemlichen zusammensällt mit einer industriellen Umwicklung in den belieferten Onentlänbcm D>c lihr auch die Bereinigten Staaten und Europa geneigt fein werden, weiterhin nach dem Orient chre Zndustrieerzrugnissc abzusetzen es wäre grundoerkchrt. an der Tatsache vvrbeisehen zu wollen, hast Japan in hohem Maste Lieferant für den Bedarf seiner Bachbarländer In 3nbu- strieerzeugnislen geworden ist Als wahrend des Krieges die Bemühungen der europäischen 3n- buftnefiaalen und teilweise auch der Bereinigten Staaten um die Märkte im fernen Osten ausletzten, wandte Japan in aller Stille, aoer lehr wirksam seine Aufmerksamkeit der Verlor - «ung dieser sreigcg denen Märkte au und schuf sich in allen Bachoarsiaaten ein großes Geschäft Das drückt sich statistisch darin aus. hast feine Ausfuhr nach den hauptsächlichsten Staaten Asiens und Ozeaniens von 26? (MO 000 Ben im .Zähre 1913 auf 964 000 000 Q}en im Zähre 1920 aefilegen ist Allein der Absatz nach China flieg von 155 000 000 Pen im Jahre 1913 auf 410 000 000 Den im Jahre 1920. nach Britisch- Ostindien von 30 000 000 Ben im Jahre 1913 aus 192 000 000 Pen im Zähre 1920. nach Austra- lien in der gleichen Zeit von 9 000 000 TJen auf 58 000 000 Den und nach Holländisch-Indien gar von 5 000 000 auf 107 000 000 Den.
So ziemlich der ganze groste Handel, den Zapan bn Orient an sich gerissen hat. während Europa und die Bereinigten Staaten damit be- schädigt waren. Material für den grosten Krieg zu it-lcrn. dreht sich um Z e r 1111 e n. vor allem Baumwvllwaren. und Orgeugniffc au» Ölsen und Stahl. Kupfer und anderen Metallen. Daß Japan stch setzt auch sehr bemüht, diesen seinen während der KrieaSzeit geschaffenen Außenhandel zu verteidigen, geht deutlich hervor aus den ric- ftgen Mehreinkausen feiner Fabrikanten an sol- dxn Rohstoffen, die für die Herstellung der gerade nach den Ländern des fernen Ostens gebenden Artikel benötigt werden
Dast die japanischen Industriellen die zelt- wetllge Lähmung, die ihre Industrien während der letzten paar Jahre getroffen zu haben schien, überwunden haben, gebt am besten hervor andern sehr beträchtlichen Aufschwung, den ihre Roh- ftofffäufe bei den Bereinigten Staaten genommen haben. Die Septemberberichte des Handel-devar- tements der Bereinigten Staaten weisen eine AuS- fuhr von nicht weniger als 32 276 000 Ibs Rohbaumwolle nach Japan aus gegen nur 273 000 Ibs im September letzten ZahreS. die Septemberausfuhr der Bereinigten Staaten nach Japan an Kupfer belief sich auf 12 000 000 Ibs gegen — nichts hn September 1920; die Ausfuhr an Zink auf 336 000 Ibs (0 Ibs im September 1920); an Zion- blech auf 3 096 000 Ibs sSeptember 1920 1 358 000 Ibs); an Das- und Brennöl auf 1 900 000 Gallonen
(September 1920 nichts); an Sohlleder 247 000 Ibs (140 000 Ibs hn Sept 1920); an Paraffin 2 230 000 Ibs (Sept. 1920 1 148 000 Ibs); an Farben und Farbstoffen für 200 756 Doll gegen 19 711 Doll, im September 1920; auch In der Zufuhr an Bauholz. Blättertabak. Oberleder und vielen anderen Rohstoffen war dem September 1920 gegenüber eine, Zunahme zu konstatieren
Chi weiteres wichtiges Moment in diesem Ringen Japans um die Beibehaltung der Kontrolle über die Mäickte Im fernen Olten befiehl darin, bah die Preise für die Rohstoffe, die eS jetzt kauft, bzw. kürzlich gekauft hat, weit unter denen vor einem Jahre liegen Die 32 000 000 Pfund Rohbaumwolle, die im September, allo im allgemeinen noch vor der Preissteigerung der Baumwolle, von den Bereinigten Staaten nach 3apan au-geführt worden lind. lohet cn 13,8 Cents pro Pfund gegen 41,5 Cent- für die geringeren Mengen an Baumwolle, die im Sep
tember letzt« Jahres gekauft worden sind, ähnlich find fast ausnahmslos alle Rohstotte. Ne Japan von den Bereinigten Staaten oder anders- woher einsührt, wesentlich billiger, als sie es nn Borjabnc gewesen sind
T-rn besten Beweis für die Aufnahmefähigkeit des Ostens liefert die Tatfache, dast die ‘Xue- fuhr der Bereinigten Staaten nach Alien und Ozeanien trotz der starken japanischen Stellung auf dielen Märkten in den drei Monaten Juli tue September von 34 000 000 Dollar auf 41 000003 Dollar im August und aus 44 00? 030 2ollar im September gefnegen ist. während in der teilen erheblich zuruckgma. Diele Dertsteigerung ?*r Ausfuhr nach allen Hauvll^ndern von Asten und Ozeanien, vor allem aber nach Japan deutet -Tuf eine noch gröhrre .Zunahme dem llmiange nach bin. da. wie oben gezeigt die Prelle für fast alle nach dem Orient g.b<* 'den Daren weit unter denen von vor einem .Vibre bleiben
Dir bessere Ca-K des Handels im Orient findet stch endlich auch belegt in t«n dem Handels- dcpartemcnt von feinen Bert re lern gekäste! ten Be- ie vom 11.-6 •
Innenhandel soeben veröffentlicht werden Sü berichten besonders von einer wachenden Anfuhr nach Dhina im Monat Septcm’er, te. gleichen nach Japan in der ersten Okloberhälstc und in aauf Australien von einer Besserung des ls und der Dirtschastslage im allgemeinen.
Die Hilfsexpedition des Deutschen Roten Kreuzes für Rußland.
Aus Kasan wird über das Hilfswerk des deutschen Boten Kreuzes berichtet:
Am Tage nach der Ankunft wurden die Krankenhäuser und sonstigen Fürsorge- anfkalten eingehend besichtigt. Anschließend fand eine Konferenz mit Vertretern der Regierung, des Russischen Roten Kreuzes und des Gesundheitsamtes statt, um über die Tertetlung der Medikamente Beschluß zu fassen. Da alle Krankenhäuser ohne Medikamente waren, wurde dem dringendsten Bedarf mit unseren Vorräten abgeholsen. 3n den 80—90 Hospitälern von Kasan und der Provinz liegen fast 9000 Kranke. Mit großer Freude ist das mehr und mehr Gestalt gewinnende Zusammenarbeiten der nationalen Aktionen unter der Oberleitung von Professor Bansen zu begrüßen. Mit der amerikanischen Hilfsorganisation ist ein Zusammenarbeiten in dem Sinne vereinbart worden, daß den Amerikanern die Organisation der LebenSmittel-Berteilung Vorbehalten bleibt, während uns die Organisation und Ausübung der ärztlichen Hilfe zufällt. Weiterhin ist mit der schwedischen Hilfsaktion eine hoch- erfreuliche Zusammenarbeit zu verzeichnen. In Kasan wird voraussichtlich eine bakteriologische Zentrale, sowie eine chirurgische Abteilung eingerichtet werden. In der Stadt sind auch eine Anzahl Privathäuser als Hospitäler eingerichtet, namentlich für Kinder und Arbeiter. Die hohe Zahl der Kranken in Kasan (4500 Betten auf 145 000 Einwohner) erklärt sich durch die Zuwanderung aus den Hungergebieten. Außer den zahlreichen Fällen von Flecktyphus treten auch Cholera und Pocken auf. Der deutschen Hilfsexpedition ist die frühere Aniversitätsapotheke zur Verfügung gestellt worden, und in den schönen Labora- toriumSräumen der LlniversitätS-Kinderklinik soll das Zentrallaboratorium eingerichtet wer- oen, während die chirurgische Abteilung im „Städtischen Orthopädischen Institut" Unter- hinft finden wird. In der letzten Sitzung des auf Veranlassung des Leiters unserer Expedition eingerichteten „Aerztlichen Arbeitsausschusses" wurde angeregt, alle im Gouvernement Kasan tätigen Hilfsorganisationen zu gemeinsamer Arbeit zusammenzuschließen. ilnb zwar sollen zwei Arbeitsausschüsse gebildet werden, einer für die Verteilung aller eingehenden Lebensmittel, der andere für die Verteilung der ärztlichen Hilfsmittel. Beiden Ausschüssen würden zunächst je ein bis zwei Vertreter der hier zur Zeit arbeitenden deutschen. amerikanischen und russischen Organisationen angehören müssen. Auf diese Weise dürfte am besten ein erfolgreiches Zusammenarbeiten gewährleistet sein und jeglichem Mißtrauen von Seiten Rußlands oder der helfenden Rationen vorgebeugt werden.
Das ausverkauste München.
Aus München wird uns geschrieben:
Die Münchener Hagen, jetzt könne man nicht einmal mehr an den Ufern der 31ar. im Schatten der heben Frauenrurme ein menschenwürdiges Dasein fristenk Der Spätherbst, der urplötzlich auf Schlittschuhe!', mit klirrenden Eiszapfen vom Gebirge hergesaust kam. hat sie j um die goldenen Früchte betrogen, die der lange, strahlende Sommer versprochen batte. AIS die Sonne so warm vom S)immel schien und in allen Gänen und Anlagen die Rosen und Relken blühten, hatten die Seelen sich langsam wieder umgestellt und nach allen durchkosteten Enttäuschungen und Erschütterungen an bessere Zeiten zu glauben begonnen. Der Boden unter den Fußen hatte sich gefestigt. Fleiß und Arbeit ica en sich, das stürmisch hin und her pendelnde Leben fand sein Gleichgewicht wieder, und es schien, als sollte aus dem kerngesunden Bayern für das ganze Reich Kraft und Genesung kommen. Die Okivberdult auf der Wies», die es in Glanz. Eiaenari, Ausstattung mit jeder Friedensdult aufnehmen konnte und täglich Tausende von Menschen beherbergt und erquickt hat, war wie ein weit geöffnetes grünes, mit Bändern und Fahnen geschmücktes Tor. durch das der Muu- ebener zu Freud' und Arbeit in den Winter schreiten wollte.
Jetzt hat der neue Bau einen Riß bekommen. Seit drei Wochen rast das Valutafieber durch die behaglich liebe Stadt, daß in ihr alle Pulse schlagen und das Herz wie wild in den alten Mauern hämmert. Es läuft durch die breiten vornehmen Straßen, durch die engen, krummen Gäßchen, in die entlegensten Winkel, bis in die Vororte, wo die Hauser sich In Gärten und im WaldeSgrün verstecken, fein schützendes Dach, kein fteundlich rauchen* der Kamin wird übergangen. Die Menschen werden aus ihrer behaglichen Häuslichkeit her- auSgehetzt und in Scharen zusammengetrieben, und alle, Große und Kleine. Arme und Reiche, drängen ins Innere der Stadt, in die Geschäfte und haben nur noch einen Gedanken und ein Ziel, alles verfügbare Geld flüssig zu machen und es in Waren, die man sehen und betasten kann, zu verwandeln. Diese .Hauftrut ist wie eine Hypnose, von der sich keiner freimachen kann. Alle sind von ihr besessen, selbst die. die im Krieg jahrelang ohne zu murren, gehungert und gedarbt haben. Die Ausländer kaufen: Franzosen, Engländer. Holländer. Schweizer, alles wohlgekleidete, sicher auftretende, valutaslarke Kaufleute, die sich wie eine Heuschreckenschwarm über das an Kunst und Geschmack reiche München gestürzt haben. Freilich, so trostlos wie in dem völlig ausgeraubten Wien sieht es hier nicht aus; die Rot ist noch nicht so groß, und trotz aller lockenden Annoncen gelingt eS den Fremden nur selten, altererbten Familienbesitz, unersetzliche Kulturgüter von Privaten zu erstehen. Aber in allen Geschäften sieht und erkennt man sie. Ohne nach dem Preis zu fragen, lassen sie in den Kunsthandlungen Dutzende von Gegenständen zusammenstellen. kaufen, ohne s sich um die Meterzahl zu kümmern, ganze Ballen von Stoffen oder kostbaren Spitzen. Damenroben. Herrenanzüge und zahlen dann in Bausch und Bogen. Mit den Ausländern um die Wette kaosen die neuen Reichen, die Schieber, die ihr Geld unterbringen möchten, und denen eS ganz gleichgültig ist. ob sie es in Flügeln. Klavieren, Billards oder Schreibmaschinen anlegen. Man könnte sich jetzt von früh bis spät in München die Beine ablaufen, eS wäre unmöglich, irgendwo noch ein Klavier, eine Schreib- oder eine Nähmaschine aufzutreiben. Sehen kann man diese Kostbarkeiten in allen einschlägigen Geschäften, sie stehen ober nur des Dekorums wegen da und sind alle mit den Adressen der glücklichen Besitzer versehen.
Die Kaufpanik hat aber auch das Bürgertum, das kleine Volk und vor allem die »Ge- scheerten", die Bauern mit den Truhen voller Papierscheinen ergriffen. Irgendwie hat es sich in der einstigen Residenz von Mund zu Mund herumgesprochen, daß die Preise bis zum Frühjahr ins Angemessene steigen und
dann plötzlich fallen werden Es handelt sich also darum, sich bis dahin mit allem Lebensnotwendigen einzudecken, und die Pessimisten mochten sich am liebsten auf Zghre hinaus sichern. Da drängt ttch tätlich durch die alten lieben Tore eine unglaubliche Menschenmasse, b'.c Geschäfte werde , bvfiürmt. lange Polonaisen. d e an die trostlosesten KrieqSzeiten erinnern, bilden sich, man weiß nicht wie. unh Polizisten müssen Ordnung schasien und dafür <orgen, daß immer nur eine beuimmte Zahl onn Menschen auf einmal in die Laden cm- golaflcn werde' Am schlimmsten sieht es in den Schuhwarenhari dl un gen aus. die gebräud)- Uchsten Rummern find überall vergriffen, und alle Preise werden bereitwillig und ohne Blurren bezahl' Die Hausfrauen decken sich mit Kaffee. Kalao. Fen. Reis und Mehl ein. und wie ein Schwindel ergreift es sie. wenn Ire an allen schwarzen Pretstasein die spruna- baften Steigerungen sehen, und es ist, als müßten sie den ganzen Laden zusammenlaufen und mit nach Hause schleppen.
Meberall sind die Dorortzüge, namentlich die. die vom Lande nach München fahren, zum Bersten voll. Schmer, mit Tascheir, Ruck- Mden und Koffern beladen, kehren die Bauern in ihre Höfe zurück. Sie haben solange das Geld in ihren Sckiränken sestaehalten. und nun fürchten sie. es könnte als leeres Papier In ihren Händen zurückbleiben; so kaufen ste. was ihnen zu Gesicht kommt. Kleider, Stoffe. Itänber und Spitzen, Spielwaren und glitzernde Weihnachtssachen für ihren Lhrislbaum. So jagt ein Rovembertag den anderen, vor den Toren wartet der Wcihnachtsmonat mit Rauhreif. Lichtern und goldenen Sternen und möchte blnelnbrtngen in das heiß pulsierende Leben der Stadt und den armen hetzenden von Unruhe und Sorgen getriebenen Menschen Glück und Frieden bringen. H. Schede.
Schwurgericht.
Gießen. 5 Dez 1921.
Die diesjährige vierte Schwurgerichtsperiode wurde unter dem Vorsitz des Landgerichtsrats Schnitzspabn mit der Verhandlung gegen den Tapezier Rathan Katzengold au» Lodz wegen Sttllichkeitsverbrechens eröffnet. An- llageVertreter war Staatsanwalt K n a u ß, Verteidiger Rechtsanwalt Aaron.
Katzengold hatte die nach den ärztlichen Gutachten volltommen verblödete, michin geisteskrante 20jäbrige Johanna L. au- Gedern mißdraucht.
Trotz seines Leugnens und deS ihm günstlaen psychiatrischen Gutachtens sprachen ihn die Geschworenen des Verbrechens gegen § 176 Ziffer 2 StGB, schuldig, billigten ihm aber gleichzeitig mildernde Umstände zu. beides gemäß den Anträgen des Staatsanwalts.
Or wurde daraufhin zu 9 Monaten Gefängnis PerurtetlL
Die Verhandlung fand unter 2 i 's dluß der Oessenllichkelt statt.
Gerichtssaal.
rnc. F r a n k f u r t a. M., 5. Dez. Vor dem Schwurgericht hatten sich 10 Personen wegen Herstellung falscher Zwanzigmarkscheine zu verantworten. GS wurden verurteilt: Betriebsleiter Maf Habel und Kaufmann Karl von Spiegel zu le 3‘/, Jahren Gefängnis. Ingenieur Paul Muller zu 3 Zähren Gefängnis. Kaufmann Ernst Müller zu 2'/, Jahren Gefängnis. Kellner Paul 3mmel zu 2 Zähren Gefängnis. Äon- Ditor Zofef Kanngieher zu 15 Monaten Gefängnis, der Zahntechniker Adam Strö- b e r t zu 12 Monaten und Kaufmann Heinrich Wehrfrltz zu 14 Monaten Gefängnis. Zwei Angellagte wurden freigesprochen.
dst G I ch l o ch 1. Rheinhessen, 5. Dez 6 4 Prozent Da ff erzu satz in der Milch. Die hiesige Ehefrau Ad Frank brachte Milch in den Handel, die mit 64 Prozent Daffer gefälscht war und dazu noch einen Fellentzua (önU rahmung) um 4 Prozent aufwies Das Schöffen- Amu Dörrstadt verurteilte die gewissen- nscherin zu 3 Tagen Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe.
Lippen eines Mundes, der ein entsetzliches Geheimnis fest verschlossen hielt, sich aber öffnen würde, sobald er den Finger daraus legte
Unb getrieben von einer unerklärlich leit- kirnen Eingebung, über die nachzudenken er auch gar keine Zeit barte, griff er in größter Hast nach dem LeitungSdraht und riß ihn von der Wand 2US er ihn zu stch Herzog, riefelten ihm Kaltttaub und trockene Farbe übers Handgelenk Acrgerlich und hitzig riß er weiter an dem Draht, vermopic- aber nicht, ihn loszureißen kam ihm vor, als werde bet Hpaht länger und immer länger, und dazu überkam ihn ein entteyliches Gefühl, das ihm wie heiße Angst durch den Körper lief: er meinte, er ziehe an etwas Lebendigem, an einer langen Hand, die einem Menschen angehörie. und er wartete darauf. auS der ^errifTenen Tapete eine Gestalt hernortreten zu leben Zeft nahm er «eine ganze Kratt zutammen. und endlich gelang es ibn:, den ganzen Leitungsdrabt abzureißen; mit allen DrabManrmern und Kontakten fiel er klirrend zu Boden
AIS der Kapitän umwandte, um in- andere Zimmer zurückzukehren. war er lehr blaß. Durch den Spalt zwischen den beiden Vorhängen meinte er. drinnen stch etwas bewegen zu sehen, und alS er ins Zimmer eintrat, sah er. daß der Schaukelltuhs. aus dem er vorhin erst auf- gestanden war. tick) immer noch lchaukelnd hin und her bewegte Die Dämmerung deS Dinlertages hatte nun von dem Zunmer vollständig Besitz ergriffen, und tiri drinnen in dieser Dämmerung schaukelte der Stuhl.
»Es Hebt au», als sitze jemand brüt." dachte er. Unb in diesem Augenblick gjaubhf er wirklich, daß lemarn? in dem Stuhle k«Se.
Ttoetn, plötzlich kam er zur Besinnung.
.Rimm dich tn acht!" ermahnte er sich ängstlich und ballte die Fäuste. ,Rimm dich in acht!"
ilnb dann ging er mit festen Schritten zu nnern Schrank, der zwischen den beiden Fenstern stand <Sr zog eine Schublade auf und nahm ein mit .Gift" gezeichnetes Fläschchen und eine dünne GlaSlpritze l.eraus ®r füllte die fkme Spritze, entblößte seinen Arm und führte die kleine Spitze unter die Haut ein. Der letzte Schimmer de» 'chwindettden Tageslichtes fiel vom Fenster her auf fehl Geiicht. und dieses Gesicht irug keinen anderen AuSdrLck als den grämlicher Tk/Tiim- inung. der für den Kokainillen wenn er Ruhe bei dem ihm zur lUxttoenbigteit gewordenen Betäubungsmittel sucht, so bezeichnend ist
Viertes Kapitel.
Während einiger Tage herrschtc vvlltommene Ruhe in der Gemeinde, wo der Unglückliche gelebt hatte Sonst war abcnM trotz der unfreundlichen Jahreszeit auf den Gasten daS LaKen und'Scherzen der Jugend zu hören getoefev ckllein fetzt hielten sich alle in den Häutern. Gs war, als wandle in der Abenddämmcrung ein eürfamer, trauernder Schatten umher, vor dem sich alles in tne erleuchteten Wohnungen flüchtete W) irgendeine Zwie'prache geführt wurde, geschah es leite unb vorsichtig. un2> Die JteDenben warfen 'cheue Blicke umher, als fürchteten sie. es könnt« irgendein unhehnlicheS Deien lau'chend In Der Röhe stehen.
(Fortsetzung folgt)


