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wahn veralbert, dem Zeitweiser für Bücherfreunde: »Die Fahne", Verlag Walter Seifert, 1
Stuttgart.
•) Wir entnehmen diese nette Groteske, f'e zu ihrem Teile auch den modernen Gespenster-
31m Heidekraut.
Von Johannes Schlaf.
Hoch oben lieg ich, im Heidekraut, hoch über den dunklen Wäldern, hoch aus dem sonnenglühenden Gellipp.
3d) denke, ich treibe auf einem endlosen Meer. Das Spiel seiner Wogen ist da- helle Himmelsblau, das unaufhörliche Rauschen und Wühlen des freie»
DergwindeS in den hohen Kronen. Vogelgezwitscher und wehende Düfte.
Summen, Schrillen und Knistern der Käfer, die hundert Geräusche der windbewegten Zwerge, blitzende Strahlen und ruhende, gleitende Lichter, wellende Farben und das Blinkern und Donnern der Wkldwafser — und meine Gedanken, meine dummen Gedanken....
Mit Strömen von Wärme und Acht rauscht die Welt Lieder durch meine Pulse, dunkle, grausige, süße Lieder der Einheit.
Heber die blauen Täler hin, in die wette, sonnige Welt hinein, schwatzt dich meine Sehnsucht, du liebes, unergründbares Rätsel, neckt sich mit kindlichen Torenworten die uranfängliche Kraft, ihr eiaenes Rätsel und ihres eigenen Rätsels Sinn „
Das Gespenst.
Von Manfred K y b e r*).
„Es spukt in der Küche, ich ziehe zum Ersten," sagte meine Köchin, als sie morgens das Frühstück brachte, und ihre Gesichtsfarbe war eine Mischung von Kalk und Käse.
„Das ist Blödsinn," sagte ich ruhig und beherrscht, aber es lief mir kalt über den Rücken, denn niemand kann solche Eierkuchen backen wie meine Köchin, und die Aussicht, ohne solche Eierkuchen zu leben, war entsetzlich.
„Es ist kein Blödsinn," sagte die gequälte Frau, „ich habe die ganze Rächt nicht geschlafen. Es hat geheult und gestöhnt und geschlappt wie mit einem Tuche. Es war ein Leichentuch, das geschlappt hat."
„Wann war das?"
„•Um Mitternacht." Ich überlegte.
„Lassen Sie mir einige Rächte Zeit," sagte ich schließlich, „ich werde dafür sorgen, daß es nicht wieder vorkommt."
Die Lage war klar. Ich hatte zu wählen zwischen einem Gespenst und den Eierkuchen. Ich setzte mich an den Schreibtisch und schrieb folgenden Brief:
Sehr geehrter Herr Gespenst!
Meine Köchin beschwert sich, daß Sie in der Küche spuken. Sie sollen heulen, stöhnen und mit einem Leichentuch schlappen. Ich ersuche Sie, das zu unterlassen. Meine Köchin kündigt mir sonst, und sie ist die einzige in der Stadt, die gute Eierkuchen backen kann. Wenn Sie spuken wollen, so beschränken Sie sich auf mein Arbeitszimmer oder wählen Sie die Stunden, wenn meine Köchln ausgeht. Ich gestatte mir hinzuzufügen, daß Sie sich starken exorzistischen Unannehmlichkeiten aussehen werden, wenn Sie sich meiner häuslichen Ordnung nicht fügen.
Hochachtungsvoll
Richt nur im Erntekranz und -straub und Erntemai Jletlte man sich das Sinnbild des Wachstumgeistes vor. In Mitteldeutschland, aber auch in der Rheinprovinz galt der Hahn als seine Deriorperung. In frieren Zeiten war es üblich, beim Mähen der letzten Halme einem Hahn den Kopf abzuschlagen und ihn auf einem buntgeschrnückten, mit Aehren umflochtenen Stabe zu befestigen. Beim Erntemahl wurde er dann verzehrt. Ober man begnügte sich auch mit der Rachbildung eines Hahnes aus Holz oder Papier. Auch dieser wurde im feierlichen Zuge auf dem letzten Fuder helmgebracht. Hat sich diese Sitte kaum noch erhalten, so erinnert doch die mancher- orts gebräuchliche Bezeichnung „Erntehahn" für Öen Ernteschmaus daran, welche grobe Rolle der Hahn einst gespiett hat.
Der Geist des Erntesegens konnte aber auch menschliche Gestalt annehmen. In Schlesien kannte man ihn als den „alten Mann", anderwärts heißt er drrzweg „der Alte". In vergangenen Zeiten wurde der Alte vollkommen als Gott verehrt und angebetet. Dies geht aus einer dem Jahre 1249 entstammenden Urkunde hervor, in der berichtet wurde, daß die dem Christentum wieder abtrünnig gewordenen Bewohner der ostpreußischen Gaue Pomesanien, Ratangen und Ermland dem päpstlichen Legaten schwören mußten, in Zukunft nicht mehr „den Alten" als Götzenbild anzubeten und ihm zu opfern. Später wurde es ein Er^ebrauch, die aus der letzten Garbe gebildete Puppe „den Alten" zu nennen. In manchen Gegenden gestaltete man ihn ganz menschlich, d. h. er wurde mit Hose, Weste, Rock und Hut be- kletdet und in dieser Form von den Schnittern m feierlichem Aufzuge dem Hausherrn auf den ^of gebracht Beim Erntefestmahl wird ihm ein (Sbrenblab am Tisch eingeräumt, und eine der Binderinnen eröffnet mit ihm den Erntetanz. Er muß bann den ganzen Winter über im Hanfe nber in der Scheune aufbewahrt werben.
Ist ber Glaube, daß man den Geist des Getreides im Erntekranz, Erntemal, im Hahn oder ’m »Alten" vom Felde mit heimbringt, sehr weit verbreitet so fehlt es auch nicht an der entgegengesetzten Ansicht, nach der er auf dem Felde überwintert. Da die Menschen die eigentlich ihm gehörende Ernte geraubt haben, kann er aus Rachsucht ihre Scheunen heimsuchen und bas Korn daraus wegführen. Um ihn zufriedenzu- stellen und ihn vor dem Verhungern zu schützen lassen die Schnitter daher vielfach ein paar Halme für ihn auf dem Felde stehen, ober ber Landwirt nimmt vom letzten Fuder einige Aehren legt sie auf den Acker, beschwert sie mit einem Stein, um ihr Wegfllegen zu verhindern, und hat durch dieses Opfer den Geist des Wachstums günstig gestimmt.
Die Ausnutzung der Wasserkraft.
Es gab _ einmal eine Zelt, da wurde das gute alte Mühlenrad sehr traurig; das war damals, als die Kohle ihm in der Form der Dampfmaschine die Herrschaft streitig machte. Zwar wurde es selbst von seiner Stelle als Kraftmaschine für die Getreidemühlen niemals verdrängt, und es klappern heute die Mühlen durch die Triebkraft der Wasserräder wie ehedem, aber die lieben Töchter der alten Mühle, die verfeinerten Mühlräder, die Turbinen, welche die Wasserkraft bedeutend besser ausnutzen, ihnen ist es verhältulsmäßig schwer gefallen, sich durchzusetzen. Erst im Jahre 1891 erlangte die Wasserturbine eine praktische Bedeutung, als von Lauffen am Reckar eine elektrische Kraftübertragung nach Frankfurt am Main durchgeführt wurde und die Turbinen in Lauffen dort eine Dynamomaschine in Atem hielten. Inzwischen haben die Turbinen (die Dampfturbinen sind hier nicht gemeint; sie bedürfen ja zur Erzeugung des Dampfes wiederum der Kohle) zahlreiche Konstruktionen durchgemacht (die Francis- und Peltonturblnen gehören zu den besten), ferner hat es die Ingenieurkunst fertig gebracht, die verfügbaren Wassermengen ber Flüsse und Seen so zu flauen, dah man nicht auf natürliche Wasserfälle angewiesen t, sondern über viel beständigere und mächtigere Gefälle verfügt (man denke an die Edertalsperre). Dabei sind die Unabhängigkeit der Wasserkraftquellen von der Kohle und ihr wirtschaftlicher Betrieb Faktoren, die gerade in der Rachkriegszeit zu einem wahren Wetteifer in der Anlegung von Wasserkraftwerken herausgefordert haben. Man baut heutzutage Wasserturbinen von 100 bis 1000 Mmbrebungen pro Minute und 100 bis 15 000 Pferdekräften als Leistung; dabei nutzen sie über 80 Proz. der hineingestectten Wasserenergie aus. ■linier wackeres Mühlrad kann wieder froh fein; es wird gerne weiterklappern und Mehl mahlen, wo es seine tüchtigen Töchter, die Turbinen, so ehrenvoll beschäftigt weih.
Das größte Wasserkraftwerk Deutschlands wird in absehbarer Zeit in Bayern entstehen. Es handelt sich hier um die Wasserkräfte an ber mittleren Isar bei München und am Walchensee in den bayrischen Alpen, deren Ausnutzung schon lange vor der Revolution geplant war und jetzt in die Tat umgesetzt werden soll. Die beiden Großkraftwerke werden ganz 'Bayern mit elektrischem Strom versehen, was ihnen durch Vereinigung mit anderen bestehenden ober noch zu schaffenden kleineren Werken gelingen soll. Zur Sicherstellung der Rentabilität des Bayemwerkes denkt man auch daran, die bayerischen Eisenbahnen zu elektrifizieren. Ratürlich werben noch einige Jahre vergehen, bis die Werke fertiggestellt sind, zumal die Finanzierung eines solchen Hnf mehmens ehr schwierig ist. Für Süddeutschland hat man emer eine stärkere Ausnutzung der Wasserkräfte von Reckar und Oberrhein ins Auge gefaßt, so daß die Zett nicht mehr allzu ferne liegen wird.
„Rein, man spukt im selben Hause, grundsätzlich," sagte Frau Sanftleben und klapperte demonstrativ mit ein paar Totenknochen in ihrer Hand.
„Was heißt „man“ spukt? Das ist doch mehr als veraltet — ich dachte, Sie wären selbständiger."
„Ich bleibe hier und ich spuke hier," sagte Frau Sanftleben.
Ich verlor die Geduld nicht.
„Gut, gnädige Frau," sagte ich, „bleiben Sie hier und spuken Sie hier. Aber nehmen Sie Rücksicht auf meine Köchin und meine Eierkuchen. .Wählen Sie eine andere Stunde."
„Zwölf Hhr nachts ist allgemein üblich. Es ist Gespensterusance. Auch empfangen Sie ja bann keine Besuche."
»Das möchte ich nicht unbedingt sagen," meinte ich, „aber wenn ich um diese Stunde Besuch empfange, so sind das Zeitgenossen anderen Datums und keine Damen von mehr als hundert Jahren, die phosphoreszieren und transparent sind. 3m übrigen handelt es sich weniger um mich als um meine Köchin, und meine Köchln fürchtet sich, weil Sie stöhnen und glühen und sich groteske Scherze mit Ihrem Kopf erlauben" — ich sah auf meine Rotizen — „ferner hauchen Sie einen kalten Grabesduft aus und schlappen mit einem Leichentuch."
Frau Sanftleben fuhr auf.
..Das ist kein Leichentuch, sondern ein Staubtuch. Ich wische Staub, mein Herr. Ich habe mein ganzes Leben lang Staub gewischt. Alles wird Staub. Auch Sie werden zu Staub werden."
„Das weih ich. Aber so lange ich noch nicht Staub bin, will ich Eierkuchen essen, und wenn Sie meine Köchin fortheulen und fortglühen, so bekomme ich keine Eierkuchen mehr. Frau Leonore Sanftleben, unsere Unterredung ist beendet. Ich frage Sie, ob Sie gehn wollen oder nicht? Ich lasse Ihnen fünf Minuten Bedenkzeit"
Frau Sanftleben phosphoreszierte in scheußlicher Weise. Dann nahm sie ihren Kops von den Schultern und setzte ihn auf den Schoß. Jetzt riß mir die Gedull).
„grau Sanftleben, machen Sie keine Kunststücke, hier ist fein Variete l" schrie ich sie an.
„Staub — Staub — Staub," laltte der Kopf auf ihrem Schoß.
©taub — Staub — eine herrliche Idee kam mir bei diesen Worten.
Staub war sie, Staub wollte sie und Staub solle sie haben! Ich ergriff den Vakuumsauger, schaltete ihn ein und preßte das Mundstück des Schlauches auf den phosphoreszierenden Busen von Frau Sanftleben. Der Schlauch, schluckte und schluckte, und Frau Sanflleben verschwand mit-- samt dem separaten Kopf, dem Glühen, Stöhnen und aller Transparenz und Phosphoreszenz im Dakuumapparat.
Es spukt nicht mehr und ich esse Eierkuchen.
Der Vakuumapparat aber arbeitet so wie nie zuvor. Frau Sanflleben hat ihren Beruf darin gefunden.
(Unterschrift).
Am anderen Morgen nahm ich das Papier wieder zur Hand. Es war ein Totenkopf brau gezeichnet mit einigen Knochen, die farbellenartig übereinander lagen. Darunter stand:
Ich bin kein Mann, sondern eine Frau. Ich kann spuken, wo ich will. Von meiner Spukstunde kann ich nicht abweichen. Grundsätzlich nicht.
Mit gespensterlichem Gruß
Leonore Sanftleben, Gespenst.
Die Portterfrau, die nachts zur Beruhigung Die Portierfrau, die nachts zur Beruhigung bei der Köchin gewacht hatte, erklärte, dah sie es auch heulen, stöhnen und schlappen gehört habe, dah es in der Küche glühwurmähnlich geleuchtet habe und dah sie, die Portiersfrau, selber gesehen habe, wie jemand mit dem Kopf unter dem Arm an ihr vorübergestrichen sei, wobei ein kalter, grabähnlicher Hauch sie, die Pvriiersfvau, berührt habe. Die Köchin kündigte.
Mir wurde erstatt, wegen der Eierkuchen. Frau Leonore (Sanftleben mußte fort Ich wußte ja nun immerhin einigermaßen, mit wem ich es zu tun hatte. Es war ein weibliches Gespenst, darum die Hinneigung zu den Küchenräumen. Cs war ferner eine Dame mit Grundsätzen, aber welche Dame bat keine Grundsätze? ilnb schließlich find Grundsätze doch dazu da, um überwunden zu werden, und besonders solche von Damen. Schön muhte Frau Sanflleben nicht sein, sonst würde sie den Kopf nicyi unter dem Arm tragen. Ra, wir werden ja fehen, dachte ich, setzte mich an den Schreibtisch und schrieb folgenden Brief: Frau Leonore Sanflleben, Gespenst, hier.
Sehr geehrte gnädige Frau!
Ich bestätige Ihnen dankend Ihre werten Zellen von ber gestrigen Rächt und bitte Sie höflichst, sich heute um Mitternacht zwecks einer Unterredung mit mir in meinem Klubsessel freundlichst materialisieren zu wollen.
Mit gespensterlicher Empfehlung hochachtungsvoll ergebenfl (Unterschrift).
Um Mitternacht sah ich an meinem Schreibtisch und wartete. Der Klubsessel stand seitwärts am Fenster, so dah er vom Mondlicht voll be- chienen wurde, um Frau Sanftleben die Materialisation zu erleichtern. Ich hatte beschlossen, die Angelegenheit höflich, aber sehr sachlich zu erörtern, und hatte mir kurz die nötigen Rotizen gemacht: heulen, stöhnen, schlappen, Leichentuch, glühwurmähnliches Licht, Grabeshauch, Kopf unter dem Arm.
Die Hhr schlug zwölf. Das Zimmer verdunkelte sich und unter der Sofaecke kamen stöhnende Laute hervor: Huh—Huh—Huh— in asthmatischen Abständen.
„Sind Sie das, gnädige Frau?" fragte ich
„Huh-huh!" U
„Sind Sie unter dem Sofa, gnädige grau ?“ „Huh-huh!"
Ich dachte an die Eierkuchen.
„Gnädige Frau, ich bin kein Teppich," sagte ich energisch, „ich kann nicht zu Ihnen unter das Sofa kriechen. Ich habe Sie gebeten, sich auf meinem Klubsessel zu materialisieren. Bitte, nehmen Sie Platz."
Auf dem Klubsessel erschien ein zitternder Schleier, formlos und unsympathisch.
„Gnädige Frau, entwickeln Sie sich jetzt bitte. Ich kann mich nicht mit einem Schleier, einem Gegenstand der Konfektion, unterhalten. Ich habe Frau Sanflleben, nicht einen Lappen hierher gebeten."
Jetzt wuchs der Schleier und wurde greulich ;roß. Wenn daraus Frau Sanflleben werden ollte, so muhte sie viel Raum für ihre ge- spensterliche Existenz benötigen. Endlich sah sie vor mir: im Reifrock, eine ältere Dame, durc^ ichtig und korpulent. Ihr Busen wogte, und sie phosphoreszierte heftig.
„Phosphoreszieren Sie bitte nicht so unangenehm," sagte ich, „ich habe Sie hierher gebeten, um mich über Ihre Spukangelegenheiten zu unterhalten, nicht um Ihre transparenten Eigenschaften zu bewundern oder Ihre felbfltätigc Leuchtfähigkeit festzustellen."
..Mein Herr!" sagte Frau Sanftleben, und in ihrem Kopf glühten zwei Augen auf, dah glühende Kohlen ein alberner Scherz dagegen waren.
„Brennen Sie keine Löcher in meinen Klub- essel." sagte ich, ..und nun will ich, um auf
| Wasser („weißer Kohle") treibt, seine Moto« mit Wasser laufen läßt, seine Lichter mit Waffe» brennt oder seine Herde mit Wasser heizt alles durch unmittelbare Verwandlung der Energie des strömenden Wassers in Energie der Elektrizität, die ihrerseits wieder in allen möglichen Energie formen auf tritt und verwendet werden kann
Außerhalb Deutschlands ist man nicht weniger eifrig bemüht, die Wasserkräfte für die Gewln- nung der Elektrizität nutzbar zu machen. So sind in Dänemark während des laufenden Jahres eine ganze Reihe Wasserkraftwerke eröffnet worden, von denen dasjenige bei Tange, in der Räh« ber Stadt Aarhuus an der Ostsee, das größte ist. Mit Hilfe des Flusses Gudenaa wird hier ein künstlicher See von etwa 20 Millionen Kubik- geschaffen; bas Werk liefert jährlich 10 Millionen Kilowattstunben. Das Bayern- Werk wird dereinst eine fast 20mal so große Lei- ftung^ausweisen. Richt weniger stark als das Wert x°n ^an8e ift bas noch jüngere bei dem Städtchen Darbe an der Westküste Jütlands.
In Dänemark, noch mehr aber in England bat man in jüngster Zeit den Gedanken gefaßt' die Kraft, die in Ebbe und Flut steckt, auszu-
-n Frankreich gibt es längst längs der - . mere Wasserkraftanlagen, bei denen sich
em Bassin während der Flut mit Wasser füllt, um dann das abgefangene Wasser während ber ®bbe em Wasserrad treiben zu lassen. 3 m großen müßten sich Ebbe und glitt überall da ausnutzen lassen, wo von
Ratur aus Einbuchtungen vorhanden sind, die mtt verhältnismäßig kurzen Dämmen vom Meer ab- geschnltten werden können. In England hat man die Mündung des Severn für diesen Zweck auf« Korn genommen. Die Flut ist hier sehr stark da der Severn in den Bristol-Kanal mündet und diefer frei an dem Atlantischen Ozean liegt. Der abschnurende Damm soll 51/., Kilometer lang werden, an einer Stelle, wo der Strom 4 Kilometer breit ist. (Sobald die Flut kommt, offnen sich automatisch eine Reihe großer Schleusentore, die sich ebenso wieder schließen, wenn die Ebbe eintritt. Dadurch wird ein großes Staubecken gefüllt. Kommt nun eine neue Flut, so öffnen sich wiederum die Schleusentore, aber das vorher abgefangene Wasser tritt mtt großer Gewalt Aurucf, und zwar in zahlreiche Wasserturbinen, bie in den Damm eingebaut sind. Der Damm selbst soll aus Eisenbeton gebaut werden, und seine Dimension soll so groß sein, bah bie Turbinen unb Dynamos bequem darin Platz finden. Rachtellig ist ber Umftand, baß eine solche Wasser- fraftanlage wegen des periodischen 'Wechsels von Ebbe und Flut mit regelmäßigen, stundenlangen Unterbrechungen arbeiten muß, aber diesem Rachteil gedenkt man durch sinnreich ausgedachte HUfs» anlagen aus dem Wege zu gehen.
O diese Mücke«!
„Der Mücken singend Volk, das zierlich feingebaut unb §art geflügelt, ätherisch fast, doch nichts als Blutdurst kennt," wie Heinrich Seidel dichtet, ist die stete Plage unseres Sommers und mancher, der von diesen Tieren arg zerstochen ist. wird auch gern wissen wollen, auf welche Weise ihm diese Wunden zugeführt werben Wie in einem Aufsatz in „Hebet Land und Meer" dar- gelegt wird, ist es eine geradezu teuflische Waffe, die die Mücken-Weibchen besitzen. Das Männ« chen, kenntlich an den feberförmigen Fühlern, ist nämlich ganz harmlos und nährt sich gleich den Schmetterlingen von süßen Pflanzen sästen Das Weibchen aber, das die Eier legt, bedarf nahrhafterer Kost und findet sie im Blut ber Menschen Beim Weibchen liegen nun in der zu einer Rinne ausgezogenen Hnterlippe, die von der gleichfalls langen Oberlippe bedeckt und so zum Saugrohre geschlossen wird, zwei spitze Radeln und zwei mit zahlreichen Widerhaken versehene Dolche. Dazu kommt noch als Fortsatz der Hnterlippe ein weiteres Stilett, der an den Setten sägeförmig ausgezackte der Gänge nach durchbohrte Stechrüssel, ein schreckliches Werkzeug, bas kraftvoll, aus dem umschließendenRohre vorgeschnellt, ein Tröpfchen giftigen Speichels in die Wunde legt, um bas Gerinnen des Blute« zu verhindern und durch stärkeren Zufluß mühelos saugen zu können. Hat sich das Mücken- weibchen auf diese Weise am Menschenblut gestärkt, dann fliegt es zu einem Wassertümpel und legt dort seine 200—300 flaschenförmigen Eier, aus denen nach 2—3 Tagen die Larven ausschlüpfen. Diese kommen so direkt ins Wasser, wo sie sich von verwesenden PflanzenteUchev nähren und, so lange sie nichts Höri, ruhig am Wasserspiegel wellen. Rach bet dritten Häutung verpuppt sich die Larve; doch auch die Puppe hängt an ber Oberfläche deS Wasser«, und zwar mit dem dicken Kopf nach oben, indem sie zwei kurze Atemröhrchen aus dem Wasser steckt. . Rach ungefähr 10 Tagen schlüpft die fertige Mücke aus ber Puppe.
Sitten und Bräuche zur Erntezeit.
Don Gerd Damerau -Kassel.
Alle die Zeiten des. Jahres, bie für unsere Vorfahren von besonderer Wichtigkeit waren, gaben bie Veranlassung zum Entstehen ber mannigfaltigsten Sitten unb Bräuche. Winter- und Fruhlingssonnenwende haben ihre gestatten zum größten Teil auf Weihnachten und Ostern übertragen, die Sommersonnenwende ist im IobanniS- fest aufgegangen. Keine Zeit des Jahres war aber unseren Ackerbau treibenden Altvordern so wichtig wie die Ernte. In ihr fand die ganze Jahresarbeit ihre Krönuna. Hab wie noch heute der Ganbtrirt nicht früher über den Erfolg seines Schaffens beruhigt ist, bis er alles wohlgebotgen in den Scheuern hat, und wie er machtlos zusehen muh, wenn Raturereignisse noch im letzten Augenblick alles zunichte machen, so fühlten sich auch die Menschen früherer Jahrhunderte durchaus nicht als die Beherrscher des geldes. Sie glaubten yielmehr, daß Gedeihen' und Segen von benj Walten ber gelbgeifter unb Korn- bämonen abhinge. Verschieben nach Art und Gestalt waren diese Geister des Kornfeldes. Während man In Mittel- und Rorddeutschland die Roggenmuhme oder Kornmutter als Schuhgeist des Erntefeldes betrachtet und in den vom Winde bewegten Halmen ihre Bewegungen sieht, jagen sich ober weiden anderwärts die Böcke, ober ber Wind treibt die Bocke durchs Korn, wenn es im Winde auf unb abwogt. In manchen Gegenden wiederum ist ber Bullkater ober bie Kornkatze das Schreckgespenst, mit dem man die Kinder ängstigt, nm sie von dem Betreten des Getreidefeldes zurückzuhalten. Alle diese Gestalten find sich in einem gleich: sie verkörpern den Geist des Wachstums, ber sich auf dem Felde aufhält. Ihn will man nicht erzürnen, damit er dem Acker nicht seine Ungnade zuwendet. Belm Mähen des Getreides flüchtet der Korngeist immer weiter vor den Schnittern, bis er endlich in die letzten Halme gejagt ist und dort gefangen wird. Daher pflegen Die Schnitter auch aus den letzten Halmen den Erntekranz zu flechten und ihn dem Besitzer des Feldes zu überreichen. Bewahrt er ihn bis zur Aussaat auf und streut er seine Korner wieder in den Acker, so bringt er dadurch den Geist des Wachstums wieder aufs Feld.
Richt überall ist jedoch der Erntekranz das Sinnbild des Wachstumgeistes. In manchen Gegenden^ wird die letzte Garbe blumen» unb bändergeschmückt auf den Hof gebracht unb ebenfalls gesondert ausbewahrt, auch eine blumen» unb ähren- umflochtene Harke nimmt vielfach die Stelle des Erntesegens ein. In Westdeutschland kennt man statt bes Erntekranzes den Erntemal. Hier wird aus dem letzten Fuder ein Birken- ober Rußbaum- zweig, an den man Halme von allen Getreidearien angebunden hat, heimgeführi. Um den Segen des GrntemaiS noch wirksamer zu gestalten,, bespritzt oder begießt man feine Heberbringer mit Wasser. Damit will man den Regen auf die Qaat des nächsten Jahre« herbeilocken, weil er für bas Gedeihen de« Getreides unbedingt notig ist. Mcht wenige find ber Ansicht, bah bie nächsi- jA&rige Saat verborren würbe, wenn man biefe Rachahmung bes Regenzaubers versäumte. Doch noch auf andere Art sucht man Einfluß auf die nächste Ernte zu gewinnen. Man will den Geist bas Wachstums zu höheren Leistungen anspvrnen und ihn bei ber Ehre packen, inbem man sich von ber Ernte enttäuscht zeigt unb die letzte Garbe eine Lügengarbe nennt. Auf diese Weise hofft man den Geist des Wachstums zu überlisten und ihm die Meinung beizubringen, er habe bei dieser Ernte seine Pflicht nicht erfüllt und müsse Im nächsten Jahre feine Anstrengungen verdoppeln.
den Zweck unserer Hnterrebung zu kommen, einige I in der ganz Süddeutschland seine Bahnen mtt Fragen an Sie richten. Warum spuken Sie hier, ™-rr- ' -~ - -- — ma
gnädige grau?“
„3dj bin in diesem Hause gestorben," sagte Frau Sanftleben und seufzte.
„Meine aufrichtige Teilnahme," sagte ich, „aber Ihrem Kostüm nach zu urteilen, ist das ziemlich lange her und Sie sollten sich darüber nicht mehr echauffieren. Außerdem — wenn ich sterben würde, so würde ich das doch eher als eine Andeutung auffassen, das Haus zu verlassen."


