Einzelbild herunterladen

Nr. 285 Zweiter Blatt

Parteitag der Deutschen Dolkspartei.

Stuttgart, 3. Dez

3n feinem TUR rat über b<t

Reform der Rechtspftege

führte bet TLbg Ka hl u a. aal. D.c TUtonn- Näne betreffen bauDtfä<b(W> Nc ®en4)t<t>?rta1- hiixj unb bat etralratx. 211c Angriffe aut N.e ILx^ikt)barte i bet Jtkbter muffen unr ablchncn Allerdings brauchen die JÜ4**r eine svz.alpoli- tische Toibübung. aber biefc birf nicht fr raxtb* eli Verben mit fozialiftllch-pvlitllcher 'Borbiltung. bte 2knNrungen bet der Auswahl ber Schöffen 'Bir Derlai^ien bie 3nq>ohuhe:unq ber Julli* <b<4jen bee 2er.fr rangen bei ber Auswahl ber Schöffen unb Geschworene» muffen wir beben!» lich fein. Otner bireflen Bollswahl wtdersp^e- cheti nnr. Tie Reichsregicruna tmU offenbar für Ne Terttauenimänner bie Verhättntswahl etn- fübten. Aach unserer Anstchi bat sich das bU- txrige Dabllysfem ber 2kmauen6m inner burch Kreis- unb CtameinNDertretjngcn vollkommen be­währt Der önltourf über Ne Beteiligung ber fiiauen am Schöffen- unb Defchwo enenamt bat ber Reichsrat abaelehnt. T. ift auch yir ge» Jeftgebenf ben Gntschridung noch nicht reif. Sine fo grunNogeube QLmbcrung bedürf te zum min- dessen eines Doll-entscheids. Gerade bic b,st.n Frauen werden von dem Rechte der Ablehnung des Amtes Gebt auch machen and baS Fraucn- richteramt würbe ein Klaffen Monopol toerben D e (julasfung ber Frauen zum Berufsrichtcrium leh­ren Vir grundsätzlich ab Die Gr Höhung der Deld- sfrasen unb Ne Einschränkung ber kurzen Fiei- hell-strafen ist grundfätzltch gerechtfertigt

2Lm b i'en Behandlung,tage berichtete zu­nächst R«ichSiagsabg KcmpkeS über bie not- gevoidu en Satzungsänderungcn. Der önttmirf wurde ohne Debatte angenommen

Hierauf erstattete Reichstagsabg^ K e nt p k e s den Geschäftsbericht Die MitglicNrzabl hat sich Im taten Jahre um 83 83b erhöht Die Jugendorganisation mit ihren 40 OCQ Mitgliedern Üeht nur noch der sozialdemokratischen nach, die N>pl>cft so viel Mitglieder hat. Die -Frau?' tnb nicht besonders organisiert doch ist die 3ahl der Frauenausschüsse von 350 auf 450 gestiegen 13 WahlkreiSver bände haben Beamtinnen einge­stellt. Der Redner gab ferner eine Uebeillcht über die Agitationst.itigkeit und begrübte das neue reich-hauptstädtifchc Organ .Die Zeit".

An Stelle des verhinderIon Finanzniinistcts a. D. Dr Becker sprach zunächst Reichslagsabg. Dr Hugo über

Reichsftnanzea unb Eleuerreform.

3cNr rmflc Finanzpoliliker in Deutschland ist überzeugt, bah es feine Möglichen« gibt, die Äricgfr'jit*J,abigung durch Steuern auszubilngen Die Kontributionen müssen aus ein erträglich Mas) zurückgeführt Verden, sonst ist eine Orb- nung und Sanierung der Reichs?in.anzen über­haupt ausgeschlossen. Zunächst must bei dcrReichs- unb Staatsverwaltung eingespart werden Aus dem Ftnanzministerium und kern Ministerium dos 3nnern ist jene Vielheit der Ministerien geworden, die statt der früheren 50 höheren 'Beamten jetzt über 350 erfordern. Auch wir sind jüc schade Hcranztehung des Besitze.) und des Konsums, sowie für schärfsten Lugrifs überall dort, wo Steuern erhoben werden können, ohne bah un­terer Wirtschaft da- Herzblut entzogen wird. Der Äonfum *Ni groben Masten darf infolge der Steuern nicht durch die erhöhten Preise zu sehr gciutnbert werden Die Gasthausstcuer soll gc- ftaffelt werden, sie soll 2V, bzw 10 und 20 Pro- Atnt betragen. DaS ist ein grober Unfug. Man oarf nicht wieder auS rein politischen Gründen das Volk in Klassen dntcilen. (Sehr richtig!) Wir leiden an einer WtSzehrung der Rohstoffe. Der Güterverkehr in Deutschland ist um 50 Pr?z gesunken. Unsere Wirtschaft verträgt am aller­wenigsten einen Singrifs in die Sachwerte. Ohne eine blühende leistungsfähige Wirtschaft muh un- fett gesamte Kultur dahinsiechen. (Leich. Beifall.)

Daraus erstattete ReichStagSabg Hepp den Bericht über

Landwirtschaft und Volks«rnährung.

Loch immer gibt es Streife, die der Landwirt­schaft fremd gegenüberstehen. Gewissenlose Heyer schüren die Unzufriedenheit unter Ausnutzung der jetzigen Neuerung. Riemand befiagt die hohen LebenSmittelp reise mehr alS die Landwirtschaft. Die Teuerung ist nur im Rahmen deS Zu­sammenbruchs unserer ganzen Wirtschaft zu be­trachten. Man gehe scharf gegen die Wucherer und Schieber vor, bessere die Tran-portmöglich­

Sietzener Anzeiger (Een ral-Anzeiger für Vberhesstn)

Montag, 5. vezembcr 1921

Jtrci'e fordert öbrrfsfi* nur 2-nähme gefangu cm Antrag auf Hllfrte:stung far Ne von Polen r.. d-j.ttgien NuU n Gläubiger, frühe eint Re'o!ui.rn, in der gegen Ne Vergewaltigung CberkNefteni vrr leit tert öxrb

2fbg Bicke » schiost tc.i Parteitag mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland und das deutsche Volk Die2kr amm'ung fang zum Schlutz das Deutsch tanN'.eb

der Kommunisten und Unabhängigen abgclebnt Zugrtiimmt wurde mit den bürgerlichen Stirn- men einem Antrag, das heute vvrge'.ragene und fön'« vorhandene Material zu drucken unb geeignete Auszüge an Ne Presse zu bungen.

teilen unb ermäßige die Frachttarife, ab.*r man hüte sich, einen ganzen Stand zu verurteilen' De Wirtschaftskrise ist ja eine .5>-ge der Verpflich­tungen. de das Äabinett Wlr.h dem Ausland gegenüber übernommen btt W r haben ureigen» immer wieder darauf aufmrifla n gemacht, hast die Grenze gegen Krrtvsfelvei'ch evungen geschloffen werden mist Von den Ducherverordn^n je i muh rücksichtslos Gebrauch gi mach werden (Le 'haf-e. Bestall ' Hdchftprei'c nu ei nicht.» ohne era'fung der Ware 3m Re.chstagsauslchutz Habei wir einen unabhängigen Antrag zu ja'l gebracht. Nr die Zwanjswirtlcha't für xirto'fe'.n wieder ein­fahren wollt.-, wir haben uns aber für eine scharfe Kontrolle des Han. lZ ausge'proche i Dis Brot­getreide ist zum gröhten T.il von brr Znangs- w.rtfchast befreit Hier zeigt sich besonders der Gtnfluh der (hittncitung bei Mar! Wir brauchen Maschinen, menfchlichc Arce l-kraft liinc schema­tisch bemessene Arbeitszeit ist zu verwerfen, der Besitz wird und muh ein gut Teil Sh-acrn tragen.! aber die Durchführung der Wirthfchen Steuer- Pläne bedeutet cm? Gefährdung des deutschen Privateigentum» durch die Gntenic (Sehr richtig! Für landwirtschaftliche Grundstüste darf bei der IkranlagLng nicht der gern'm sondern nur der Grtrag.w.'i t zugrunde geleit werden

Dann folgt-1 der Dortri] de» Rc.chstagsabg Senator B e y t h t e n - Ham over über.

Die Lage des gewerblich«» Mittelstandes.

Der selbständige Mittelstand lehn: d e Soziali- fierungSbcsirebungen ab ®r macht ein fünftel der deutfche'i Bevölkerung aus. 3n unserer Zeit, wo Ne Achtung vor ber Autorität immer mehr schwindet, ist das Dirken des MeisterS und Prinzipals von höchstem Werl ("Bcifalll Han­delsbetätigung und Zwang schlichen sich auS gehen in dem freien Kampf unter, aber Reue Tüchtige steigen empor, das ist der gefunbe. naturgegebene Proz.st Wir muffe.' baS Streben des Handwerk- unterstützen, sich ein- Organifation zu schassen Die Lchrlmt- gehören nicht in das Tarifwesen Die neuen Steuern dürfen nicht zu einer Konzentration der Betriebe und einer Ver­nichtung des Mittelstandes führen

3n der Rachmittagssitzung wurden bic Äuftutbrobtem: der ©zseatoatt

behandelt Reichs tagsaög Dr Runkel führte dazu als Referent u a. auS Die Familie ist ihre Hege- und Pstegestätte Darum fordern wir eine gründlich.- Ausbildung deS hrrauwachs.nden weiblichen Dcschlechta für die Erziehung des Äin- des. Die .Einf>citSfchulc malt fich in den ver­schiedenen Köpfen sehr verschieden. Sie darf nicht nur Kinder gleichen Alters zusammen unterrich­ten, fenbeni muh auch alle Beruf-- unb sozialen Schichten zusammen'ühren. Schon bie Grundschule olltc nach der Begabung differenziert werden, ©rohere Schulbc?irle mühten ihr Sch.ilwesen selb­ständig au-g^stolten. Der Aufstieg der Begabten in Stabt unb 2mb muh ermöglicht werben Für den Einheitscharakter ist auch ein einheitliches Grziehungsziel erforderlich Für uns kann Netto Ziel nur christlich national fein. Ss darf nicht Standesinteressen verfolgen. Die Volkshochschulen dürfen nur cm ganz beg'-en\tci8 Arbeitsgebiet haben, sie sollen den geistig weniger Durchge- bilbeten Achtung vor Methode und Grgebnissen ber wissenschaftlichen Arbeit beibringen.

Frau Dr. Gertrud Wolf. Mitglied deS Bayerischen Landtags, erstattete das Korreferat. Ss fehlte b.sher an der nationalen 3bee und ihrer Kulturaufgabe. Rur so gelang eS dem Feind, unS irieber^uringen. Wir müssen wieder lernen, uns alS eine einheitliche Geistesmacht mit einer gemeinsamen Geschichte und einem gemein­samen Ziel in der Welt zu betrachten.

3n der Aussprache schilderten zunächst zwei Vertreter der besetzten Gebiete bic Rot dieser Landesteile und ihre Treue zum Deutschtum Oberstleutnant Bauer forderte ein kräftiges Ein­treten für die Kriegsbeschädigten: er bedauerte, bah diese schon zum groben Teil inS radikale Lager gegangen find Die Versammlung erhob sich zu Ehren der Kriegsopfer von den Plätzen. Reichstagsabgeorbneter Thiel als Vorsitzender deS KriegSdefchäNgtenausschusteS stellte fest, bah sich diese Angelegenheit in der Vorbereitung be­finde. Gewert'chastsfetretär Drost gab der Hoch­achtung der Arbeiter und Mntcrbcamten für ötln-' nes Ausdruck unb wollte lieber die Eisenbahnen der Industrie übergeben als den Feinden. Der 2Ibg. Dauch bedauerte Ne besitzfeindliche Steuer­gesetzgebung Prof. Dr. Len k - Karlsruhe wies auf die Rotlage der deutschen Hochschulen hin

Rach weiterer Debatte wurde eine Sntschlie- stung B e r ck einstimmig angenommen, in welcher Abhilfe für Ne Rot der 5klein- und Sozialrentner gefordert wird, ebenso eine Enkschliestung Müh­sam, Ne bei Beratung der Steuergefetze bic Be­rücksichtigung ber wirtschaftlichen Rot weiter

Die Festungsgefangenen in Niederschönenfeld.

München 3 Dez i Wolff.! Der Ver- faffungsauslchuh des Landtags bc- hanbdir b<utc dir Verhältnisse in lieber» f 4) ö n e n f e I b. Es wurden einige Eingaben von Riederfchönenfelder Fel.ungsge!ai-.genen vorge- legt. nrnrin Beschwerden über die Art des Straf- . cilzugs und Wünsche wie auf Einsetzung einer pailaineniarifchen Unierfuchung-lommi'fion und bircLe llnterftellung unter das Zustizministeriurn vorgcbiacht n-erben

Zu den Anirä icn Acnderl (Aom ) auf Schaf­fung einer allgemeinen Amnestie für poiiliiche Stiaftatcn und Einstellung von Dertahien wegen politifchrr Vergehen und Ricllch sUSP) auf Vorlage ein?# Gesetzentwurfes zur Gewuhrung von Snas^reihet« ür politisch? Gefangene bean- «rag<n die Sog i Schusser und Änilling (Bavr. Vp.» Ablehnung unter Hinweis darauf, bah in Bayern da- System der individuellen Vegna- digung angcw.-ndc! werde Der Vertreter bc» Justizministeriums führte au-, bah in den letzten Wochen eine unerhörte Der- leuinberifche Pressehetze gegen bie Re­gierung namentlich in norddeutschen Blättern, gelührt wurde 3ur Recht-'rage crkliin. der Rcdn r. dast die Festung.'huit lanbesrechrlich ge- rrg.lt unb ihre Recht-gültigkeit und De.einbar- leit mit b?n rei hsgeletzlich.-n Bestimmung? i auS- blücklich aiurliinnt ist Die in Bayern geltenden T-ehimmungcn für jeftungegefangcnc seien sogar cünfticcr, nlr es nach den Vereinbarungen zwi­lchen Den Bundesstaaten ber Fall sein mühte

3n Riebe rfchönenfelb entwickelten sich Zustä.nbc. bic zu Sicherungsmastnahmen zwangen, weil die Beamten unb das Aussichtsperso.ial gegen den Tcrrordcrradilalen Gruppe her Gefangenen geschützt werben muhten. Diese Gruppe sei als direkt staat- gefährlich anzusehen. Es seien Leute, die auch für bi c Zukunft als staat-gefährlich angefeben werden mühten, was daraus bcrvor- qc. c bah sic ihren Aufenthalt in Riederschönen Mb dazu benutzen, sich zu wirtschaftliche unb politisch.u Führern in kommunistischem Sinne auszubilbeil bah sie Schriften über bic Zerstö­rung der technischen Rotbilfe unb über die Orga­nisierung einer roten Armee, sowie eines revo­lutionären Bürgerlrieaes ausarbeiteten, und dah sie Ne rücksichtslose Zerstörung unb ben schreck­lichsten Terror in diesen Schriften als bas Ziel ausgestellt hätten. Drohungen mit bem Ker­ker und Erschiehen würben nicht nur gegen bie Beamten und Aufseher, auch gegen anbers ge­sinnte Mitgefangene acrichtc»' Auhcrbem be­mühten sich die rabiialcn FestungSgefangenen, Außenstehende zu bestimmen, Revolver unb Brondskrsse in Ne Festung zu schmuggeln. In ber Festung wurden Totschlag-Werkzeuge gefunden. Der Redner legte ein grvsteS Paket auf den Tisch des Hause-, worin sich Keulen, Duahttaue und sonstige Werkzeuge befanden Auch wurden Eisenteile vvrgssegt. die von ben eisernen Bettstellen abgebrochen wurden. Ferner wurde ein eingehenber Plan für die gewaltsam,- besitznahme der ganzen Festungsanstalt vor­gelegt. Der Regierung-Vertreter verla- sodann eine Reihe von Briefen von Festung-ge- fangenen. worin gegen das Auftreten einzelner Gefangener Steltung genommen und diese al- charakterlose Lumpen und Wahnsinn-Politiker ge­schildert werben. In bem Briefe eines Arbeiter-, der in der Festungsanstalt beschäftigt ist, heiht es, er habe sich überzeugen müssen, Dah bic von ber kommunistischen Partei gegebene Darstel­lung über die Behandlung ber Gefange­nen nicht ber Wa hrheit entspricht. Abso­lut unrichtig sei es, bah den Festung-gefangenen da- Bricfschreiben verboten worben fei.

In ber Au-fprache nahm Rohhäup- t e r (Soz.) eine ablehnende Stellung zu An­trägen der äuherften Linken ein. Die allgemeine Amnestie für politische Gefangene lehne seine Partei ab. Seine Partei halte Ne Einsetzung eines Untersuchungsausschusses für zwcckinähig. Abg. Müller <Dem.) bedauerte, dah bic Re­gierung bie Oeffentlichkeit nicht auf bem ßaufen- ben hielt In ber Abstimmung würben bie An­träge Aenderl und Ricksch gegen bic Stimmen

Milglieder-Versammlung des NHeiN'Mainischen Verdaildes für Bolhsbilönnq.

Der Rhein-MatnifcheVerdandfür Volksbildung hielt tn diele Tagen ferne 22 Mitgliederversammlung in Lirn- b u r g ab Die Versammlung zeigte das wachsend» Interesse an Nr Volk-blldung. lic war von allen Seiten, namentlich auS dem Rl»e nlanbe. gut N- sucht Wie aus Nm Jahresbericht des CN* fchästsführers Dr Äarl Gebhardt her.'v.geht, umfahi der Verband ,etzt 500 körpeischaftUche und über 1000 Ginzel Mitglieder Der Ikrbanb hat. um zunächst diesenigen E nrichtungen zu schaffen, die Ne lokalen Organisationen zu schaf­fen nid': in Nr Lage sind, fein* Riafi im ver­gangenen Jahre in erster Linie dem Ausbau seines DanNrtbeaterS, des »Fiankfurter Äünflhrthea* ter- für Rhein und Main" und der vo'.k-b>!d-

Gr wird jetzt, nachNm diese AusgaNn tn befricN- gcnNr Weife gelöst find, sich der Durchführung -i es grr'zügigen Vollsbucheretplunes, le Durch­bildung des ^'Olksschulwesens und ber Umgestal­tung bes volkstümlichen MufikN>esens non Nr Not) empfangenden In eint produktive Mustkpflege zu- wenNn.

In einem knappen und rtnbrud.4rollen Re­ferat belichtete Dr Kuckhoff. Nr künstlerische Leiter brs .Frankfurter .chünstlertheaters" über bie Ausgaben und die Schlierig keilen bee Wander­theater- Der Hintfr i- auf Ne Opfer bic die Mitglieder übet ihre künstlerische Tätigkeit I'inauS zu bringen haben, erweckte in der 'Icv- lammlung ben Ausdruck unbedingter DcreitwUlig» keil, da- Theater in seiner schweren Arbeit mit allen Mitteln zu unterstützen

Gewerkschafts Sekretär Bibliothekar Gerhart Sauer sprach über die Entwicklung bcS Volks büchcrciwcfenS Gr wies b.'lonbcri darauf hin. bah bic Rot Nr 3clt und die auster- ordentliche Steigerung Nr Bücherpreise äußerste Ockonomie zur Pflicht machten, bah e- darum unzweckmät ig fei. ein und dasselbe Derk für die verschiedensten Bibliotheken einer OrieS zu beschaffen Gino Verständigung muffe sich bei aller Wahrung der weltanschaulichen W : rtchiede finben lassen Pflicht Nr einzelnen Bibliotheken sei eS, QualitälsarNi' zu leisten. In federn Ort? müsse eine Standbibliothek Nr VoikSbildungs- arNit dienen, mit der nach den örtlichen Orforbcr- nisten Wanderbibliothekien oerbunNn werden könntcr.

Gin weitere- Referat von Dr ttarl Geb­hardt bchanNltc da- Problem. .Arbeits­tag und V o l k - b i l du n g". Mil einem Bc- kennlni- zum achtstündigen ArNitStag verband Nr Referent bie Fvrberung, bah bie Volk-bii- bung die nun errungene Freizeit nützen müsse, um ben Arbeitstag bes Ginzelnen mit feinem Leben unb dem Leben ber Gesamtheit zu verbinden, um dadurch die Arbeit selbst zum Leben-wert zu machen unb so jene innere Ginheit zwischen Ar­beit unb Leben zu schaffen, bie Nr Mechanisierung NS Maschinenzeitalters zum Opfer gefallen ist.

Da- schwierige TNma des Kino- im Dicnstc d.e r Volksbildung bebanNIte Dr. Karl Breuer, Direktor de- katholischen Gymnasiums in Frankfurt a. M., ber in wertvollen Darlegungen auSführte. bah bie Volksbildung nicht ' an einem in unserer Zeil ständig auf baS Volk j cinwirkenben Mittel Nr Formung rorbcigeNn Dürfe, wie es das Kino darstelle Gr wies darauf bin, bah ber Rhein-Mainifche CJerbanb für Volks» I bilbung in seiner RNin-Mainischen Filmzenlrale für alle Vvlk-bllbungS-Organisationen, Körper­schaften. Vereine. eNnso wie für Privatkino- bic Möglichteil geschaffen haN, auf genossenschaft­licher Drunblage die gesamte Produktion Nr Filmindustrie au billigsten Grohabnchmerpreisen unb auf Grund sachverständiger Beratung und Sichtung zu beziehen, unb bah bic Rhein-Rkaini- schen LichtspiclNtrtebc bes DerbandeS insbeson­dere auch ben Lehrsllm bem Schulunterricht in organischer Weise burch begleitenN Vorträge einfügen

Die Tagung ergab eine erfreuliche Heberein- fltmmung aller Kreise in Nm Willen zur ge­meinsamen ArNit, nicht in Nm Ideal einer unmöglichen .neutralen Volksbildung, bie alle weltanschaulichen Hntcrschiebe verwischt fonNrn im Sinne einer qcmciniamcm Arbeit, bie bie Anschauung Nr anderen achtet unb bie der zen-

Spuren im Schnee.

Vornan von Sven Slvestab. Grmächtigte lleberfehung.

4 Fvrtsehung. (Aachbruck verboten.)

.Doll" höhnte er. .Meinst du. e» sei ein Toter, der am Telephon wartet, well es zufällig geroN in diesem Augenblick angclädtct hat?" Gr ergriff den Hörer und rief unnötig laut tn# Telephon hinein: .Ist jemand da 7"

Rur ein fernes Saufen lieh sich hören, aber lefae Stimme

.Zum Henker. Antwort! rief er nun. .Der ist dorr?"

DieNr keine Antwort. Uber nun fragte Nr Kapitän nicht noch einmal an Gin sonderbarer GeNrnkengang hatte Besitz von ihm ergriffen und ibn von dem Ort. an Nm er war. weit weg- gefüfart Seine Augen starrten in Ne Feme. alS ob er auf etwa- horche. Und immer noch war im Telephon keine Stimme zu hören, aber Nr Ka­pitän nahm trotzdem Nn Hörer nicht vom Ohr. Sin seltsames Saufen war in Nr Leitung und tönte in feinem Ohr wider Ss war niches onderes als da- gewöhnliche Saufen, das in jedem stummen Telephon zu vernehmen ift; allein unter Nm Sinfluh der nervösen Erregung, die den Kapitän ergriffen halte, erhielt bic»er Ton eine schreckhafte Bedeutung . Ss war ihm. alS spinne Nr Draht ein unverstänNiches Murmeln au# dieser Stille NvouS. ei^e geheimnisvolle Kundgebung auS weiter, unermeßlicher Ferne.

.Hörst du etwa-?- fragte Nr Apotheker .Rein, ich höre nichts. erwiNrte Nr Ka­pitän immer noch gei' esabwesend.

.Worauf horchst du dann noch immer7 .Habe ich das getan V fragte Nr Kapitän.

6r fuhr unwillkürlich zufannnLn, als sein Blick wieder auf Nn Apotheker fiel. Ss war ihm, al- lei er unendlich weit von diesem weggewesen, gan- allein mit bem wunderlichen Laut, der auS weites Ferne zu kommen schien.

,M>ch niemals haN ich jemand Id angestrengt horchen fch<n. sagte der Apotheker, jnNm er Dem Kapitän Den Hörer au6 Nr Hand nahm Dann rief er selbst in- Telephon, aber auch er erhielt keine Antwort Jetzt rief er NS Amt an und sagte, ihm fei angctlmgeli worden, aber er konnte keinerlei Aufklärung erlangen. Endlich legte er Nn Hörer weg

.TaS war irgendeine Störung. tagte er .Dergleichen kommt häufig vor. NtanderS Ni windigem Wetter.

Der ApotNker schaute durch- Fenster Der Kapitän folgte feinem Blick. Der Sonnenschein war trüber geworden, wie da- Licht einer Lampe, die heruntergeschoaudk worden ist. öin Winter- nebel zog unter Nm Himmel hin. und die wenigen unb schräg einfallenden Sonnenstrahlen vermech­ten nicht mehr recht, eine Wolkenbam zu durch­dringen. die von SuNn heraufgezogen kam. Dieta Wolkendank zeigte blutronN RänNr

.Siehst du. wie rot Nr Himmel wird?- fragte Nr Apotheker. .DaS verkündet einen Sturm. GS ist nicht zu leugnen, wir haben win­diges Wetter

Der Rauch der Schornsteine wurN herunter­gedrückt und trieb wie zerrissene Rudfetzen an Nn Fenstern vorbei.

.Ja, wir bekommen heute abend noch Sturm." stimmte Nr Kapitän bei.

So standen diele zwei Männer beisammen unb iprachen über ein auf ziehendes Unwerter, Währe.rd ihre ®cbavfcn ganz wo anders waren Damit verbargen fic voreinander etwas Bestimm­tes, bas anNrc, woran sie beide dachten

Plötzlich WurN Nr Apotheker von Cile ersaht ®r raffte seine Papiere zusammen und steckte sie in die schwarze Mappe

.Ich bin stelS pünktllch. erflärte er. .Es ist zwei cklhr, unb Nr AusstchtSrat wartet Dort kommt auch Larsfon zurück, um Ne Apotheke während meiner Abwesenheit zu versorgen "

.Dann nehme ich die Zeitungen mit, sagte ber Kapitan. .Du hast sie ja gelesen, unb ich möchte gerne sehen, waS Nin fl^yt

.Jawohl, nimm sie nur mit; ich brauche sie nicht mehr.

Die beiden Freunde gingen miteinander fort.

.Ich nehme an. bah Ne Herren vom Aus­sicht-rat Ne Zeitungen schon gelesen haben und wissen, was geschehen ist. antwortete ber Apo­theker .Aber noch weih keiner ben Grund. Wenn ich nun komme unb meine Papiere vorlege, wer­den sie ja alle» sofort begreifen

.Wäre das gar nicht zu verhindern gewe'en?

Der Apotheker zögert? eine Welle mit der Antwort, aber ehe sich Die Niben Herren vor dem BankgebäuN trennten, sagte er:

.Gerade solcher Möglichkeiten wegen habe ich meinen Auftrag erhalten; dafür bin ich Re­visor Ich haN nur meine Pflicht getan, und mehr alS feine Pflicht kann niemand tun. Unb ein Ausweg war nicht zu finden."

.Rein, keiner," erwiderte ber Kapitän hart unb ging seines Weges.

Der Apotheker sah ihm nach unb machte eine Bewegung, als ob er ihn noch einmal zurückrufen möchte, weil er nicht gern allein bleiben wollte. Aber dann nahm er sich zusammen und ging inS DankgebäuN hinein, merftoürbig zögernb and gebeugt, wie unter einer schweren Last

2lls der Kapitän nach Hause gekommen war, kam ihm feine Wohnung schon recht finster vor.

obgleich es nur wenig über zwei Uhr war Or yorchte auf jeben Glockenschlag, unb mit einem ge­wissen Rachdruck zog er immer wieder die Uhr aus ber Tasche unb betrachtete sie, und jedesmal hielt er sie eine kleine Welle in Nr $anb Einmal murmelte er vor sich hin:

.Sonderbar! Ds war genau ein Viertel vor zwei Uhr. Und bie Uhr tn der Apotheke geht immer auf Ne Minute richtig. Unb genau etn Viertel vor zwei hat bas Telephon angellingelt Und niemand gab Antwort ConNrbar So blieb er lange Zeit in tiefes 2lad^Xnlen ver­sunken.

Dann setzte er sich in seinen bequemen Schau­kelst uhl unb entfaltete Ne Leitungen Cr lieh seine Blicke im Zimmer umberttxmNm Rech nie­mals war ihm ausgefallen, wie finfier. niedrig unb still seine Zimmer im GrunN doch waren Das Tageslicht brang nur gedämpft durch die kleinen Fenster herein, unb Nc altmobifchen dun­keln Möbel waren auch nicht geeignet, Nn Raum freundlicher erscheinen zu lallen. AIS er die 3d- hing vornahm, meinte er, ben Druck jetzt schon nicht mehr lesen zu können Es schien bereit- not­wendig. Nc Lampe anzuzünNn Mehrere Male rief er laut seiner Haushälterin, aber er bekam keine Antwort. Maria war auegegangen, und er Ns and sich allein in Nr Btahnung. Run ja. was war da zu machen? Gr schaukelle ein wer g hin und her. Dann aber muhte er sich dennoch dazu bequemen, bei bem erbärmlichen Licht Ne Zeitungen vorzunehmen Gr empiand einen Ion- berbaren Widerwillen davor, etwa- über Doktor FlodinS Tob mi lesen. Aber endlich machte er vch doch an den Bericht.

(Fortsetzung folgt)