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Unterhaltung Erhebung Belehrung

Was wird aus dem Gold?

Die Frage nach Verbleib und Verwen­dung der riesigen Goldmengen, die seit An- ang des Weltkrieges nach den Vereinigten Staaten gekommen sind, wird im Handelsbe­richt der Neuhorker National Eith-Dank we­nigstens teilw i e beantwortet. Da-nach wären zu dem bereits großen Vorrat an Goldwaren in den Vereinigten Staaten noch weitere Wa­ren, solche des täglichen Gebrauchs und Kunst­werte, im Werte von 300 000 000 Doll, hin­zugekommen.

On VvrkriegSjahren verbrauchten die Vereinigten Staaten jährlich 2530 Millio­nen DollarsNeugold" für Gebrauchsgeqen- stände und Kunstwerke, wobei der Ausdruck .Neugold" die Mengen Goldes bezeichnet, die zu dem vorhandenen Vorrat an Goldwaren neu hinzugekommen sind. Der größte Teil deS von Goldschmieden. Goldfabrikanten usw. verwendeten Edelmetalls wurde direkt bei den verschiedenen Münzen gekauft; die Ankäufe beliefen sich vor dem Kriege jährlich auf durch­schnittlich 35 000 060 Doll,neuen" Materials und 8 000 000 Doll,alten", d. b. schon ein­mal verarbeiteten Materials. Als im Jahre 1916 die amerikanische Goldeinfuhr auf 500 Millionen Doll, hinaufschnellte und die Ein­nahmen fast sämtlicher Amerikaner erheblich stiegen, wurden für 41 000 000 Doll, neues Gold seitens der Münzen und für 10 000 000 Dollars altes Gold verkauft; im Jahre 1919 waren es für 56 000 000 Dollar neuen und für 20 000 000 Doll, alten Materials; im Jahre 1920 überstieg das verarbeiteteNeuqold" dem Werte nach 60 000 000 Dollars, während für 1921 die Mengen mit 40 000 000 Doll, zu be- wert«^-'sein dürften. Seit Kriegsbeginn ist amerikanisches Neugold im Werte von über 300 000 000 Doll, abgegeben worden, seit 1880 rund für eine Milliarde Dollars. Das meiste davon wurde zu Waren verarbeitet, die in den Vereinigten Staaten abgesetzt worden sind; denn die Ausfuhr der Vereinigten Staa­ten an Goldwaren ist verhältnismäßig gering und erreicht selten den Wert von 1 Million Dollars im Jahr.

Auch in anderen Weltteilen ist der nor­male Verbrauch von Gold für Gvldwaren usw. erheblich. Llnteriuchungen des Munzbureaus der Vereinigten Staaten hierüber ergaben, daß für solche Zwecke in der kurzen Zeil von 18s0 bis 1910 der Weltverbrauch an Gold rund zwei Milliarden Dollars betrug, wovon 20 Proz. auf die Vereinigten Staaten entfallen und rund l*/s Milliarden auf Europa und Amerika -.usammen.

Die interessante Frage nach dem Verbleib des Goldes stellt sich etwa wie folgt dar: von der Gcsamtförderung der Welt an Gold seit der Entdeckung Amerikas, die auf etwas über 18 Milliarden Dollars geschätzt wird, sind nicht ganz 9 Milliarden in gemünzter Form oder als Grundlage für den Goldumlauf nachweis­bar. Wenn auch die restlichen 9 Milliarden nicht ausschließlich zu Goldwaren verwendet worden sind, so ist doch augenscheinlich dieser Anteil wesentlich größer, als bisher vermutet vvrden war. Bei einer Weltförderunq an Gold in den Jahren 1890 bis 1910 im Werte von 6 Milliardv.i Dollars wurde Gold im Werte von 2 Milliarden zu Waren verarbeitet, d. h. daß etwa ein Drittel der Weltförderung zu Waren verarbeitet wird.

Drei Viertel des in den Vereinigten Staa­ten verarbeiteten Goldes wird zu Schmuck­stücken, LIHren usw. verarbeitet, für 4 000 000 Doll, wird zu dentalen Zwecken, jür 1 000 000 Doll, zu Blattgold verwendet. Während des Krieges ist allerdings ein Teil der Goldwaren, meistens veraltete und nicht gebrauchte Schmuckstücke, wieder Münzzwecken zuoesührt worden, und zwar in Höhe von 100 000 000 Dollars.

Aus Otto Ernsts Hermannsland".

Otto Ernst gibt in seinem neuesten No- manHermannöland" (Verlag von L. Staack- mann, Leipzig), in dem er von der Erziehung und dem Werdegang Hamburger Jungens künstlerisch erzählt, viele fesselnde Proben sei­ner pädagogischen Erfahrung. Aus dem Kreis interessanter Lehrertypen hebt er einen Mann hervor, der im Verkehr mit der Jugend und im Unterricht einen besonders glücklichen Takt besaß, so daß seine Schüler mit Begeisterung on ihm hingen:

Sollte es wohl von ungefähr gewesen sein, daß sie mit diesem Manne durch dick und dünn gingen? Sollte es von ungefähr geschehen sein, daß sie aus dem Rückmärsche ganz von selbst zu singen begannen:

..Ich hab mich ergeben Mit Herz und mit Hand Dir Land voll Lieb und Leben, Mein herrlich Hermannsla'dl"?

Er führte sie an der Mutterhand ihrer Mutter­sprache in die Heimat der deutschen Seele, in daS Leben ihrer Vorfahren zurück! Und tat cs, wo er konnte, mit Humor. Wie eS Meister Hildebrand gelehrt!

Unter Hermann« Klassengenossen war natür­lich auch ein ..Schmidt", und natürlich hatte er unter seinem Namen zu leiden.

..Herr- Schmidt, Herr Schmidt WaS bringt die Jule mit?"

riefen sie. AlS Sorgenfrei das ln_ einer Pause vernommen hatte, begann er die nächste Stunde

Ich hab'diese Nacht viel dar ibrr nachgedacht warum wohl so viele Leute ..Schmidt " heißen" (Große Heiterkeit und Sammluna sämtlicher Blicke auf Friedrich Schmidt.)Habt ipr 'ne Ahnung'?"

Schweigen

.Was heißt denn .Schmidt"?" .Schmied?" sagt einer unsicher.

Jaja, verlaß dich drauf, Schmied heißt eS. i Na? Also woher die vielenSchmidt"?"

.Es ist ein sehr verbreitetes Handwerk," sagt einer.

Ist es und war es. Sogar im Himmel vertreten. Nämlich?"

,Tukan, Hephöstos," riefen verschiedene.

Seht Ihr? Das einzige Handwerk, das im Himmel vertreten war. Gab's auch 'n Bäcker im Olymp?" (Stürmische Heiterkeit: .Nee!" Gustav Becker hatte den Schmidt nämlich am eifrigsten gefoppt.) .Aber gab eS nicht noch einen berühmten Schmied im Altertum?"

Hermann wußte es von Weidenbach her. Dädalus," rief er glänzenden Auges.

Richtig. Und mir ist es so, als hätten wir Deutschen so waS AehnlichrsI"

.Wieland der Schmied," rief wieder Hermann.

Also, mein lieber Schmidt." sagte der Doktor, du hast sehr alte und vornehme Ahnen. Ich ver­steh' aber noch immer nicht, wozu so viele Schmiede nötig waren?"

Unsere Vorfahren waren Jäger und sehr kriegerisch, sie brauchten Waffen."

Aha, jetzt geht mir 'n Licht auf. Taten sie nichts als Jagen und Kriegen?"

Doch, sie bauten auch den Acker."

Ja, wenigstens die Hörigen und die Frauen.

Mit den Händen?" (Heiterkeit.)

Nein, sie brauchten Pflüge dazu Hacken Spaten" usw.

Wer machte die?"

Der Schmied."

Was macht 'n Schmied sonst noch?"

Er beschlägt Pferoe macht Hämmer, Zangen, Nägel. Radreifen" usw. usw.

Jaja: wie sangen wir, als wir noch Stu­denten waren?

..Es ist kein Dörflein so Hein,

Ein Hammerschmied muß darin fein!"

Du siehst, mein lieber Schmidt, deine Ahnen waren sehr nützlich«, wichtige, unentbehrliche Leute." (Schmidt fühlte sich gründlich wieder­hergestellt und lächelte ahnenstolz.)

Forschen wir einem anderen seltenen Namen nach. Die Hörigen jedes Gutshofes hatten natür­lich einen Obersten, der sie anleitete und beaufsich­tigte. Wie hieß der?"

Schweigen.

Wie hieß derOberste des Hauses" bei den fränkischen Königen, Pipin der Kleine z. 03.?" Major domus."

Ola, merkt ihr was? Nicht? Niebuhr, sag' mal zehnmal ganz schnell hintereinander major"!"

..Majormajormajormajor..... machte Nie­

buhr.

Unna? Klingt euch daraus nicht ein wohl- bekannter holder Name...?"

Meyer! 11" brüllten fast alle zugleich mit Entdeckerjubel.

Na also. Jeder, der Hörige oder Diener unter sich hatte, einen Hof. ein Gut verwaltete oder in Pacht hatte, in der Schweiz auch ber Oberste der Gemeinde, hieß Meier, im Althoch­deutschen noch meior oder meiur." (Gr schrieb es an.)Daher die vielen Meier."

Die meisten Meyer schreiben sich aber mit h"," rief einer.

Ja, es war einmal ein Meier, dem war fein Name zu deutsch und daher nicht fein genug: da hängte er sich ein griechischesh" ein. Unb da ein Narr bekanntlich viele macht" (Große Heiterkeit.)Uebrigens: wie hieß denn der Oberste der Gemeinde in Deutschland?"

Bürgermeister!"

Als es noch gar feine Bürger gab? Na? Gr heißt ja in manchen Gegenden noch heute sol Der Vorsteher eines Dorfes ?"

Schulze!"

Aha, jetzt kommen wir unfern Schulzen auf die Spur." (Heiterkeit.)Wir haben ja zwei in unserer Klasse."

Einen!" rief man.

Zwei," sagte Sorgenfrei.

Nee, einen," beharrten die Jungens.

Zwei," sagte Sorgenfrei kaltblütig.Wenn die Herren nur ibre Obren aufmachen wollten"

Schulteh," schrie ein Findiger.

Siehste. Wenn ich nicht irre, haben wir in einer anderen Klasse noch einen Schulzen." (Schweigen.)Einen plattdeutschen."

Schult 1" riefen sie nun.

Wer kann das WortSchultheiß" über­setzen?"

Keiner.

Nicht mal du, Schulteh?"

Nicht mal er.

Jetzt lebt so ein deutscher Jüngling schon vierzehn Jahre und weih nicht, was er eigentlich istSchultheiß" braucht man nicht zu über­setzen. Gr ist ein Mann, der den Leuten heißt, was ihre Schuld und Schuldigkeit ist, ein Richter also. Aber einen ehrwürdigen Namen haben wir ganz vergessen, nicht schlechter als Meyer und Schmidt, oft zusammengenannt mit Schulze . . . ."

Müller!" erscholl es zwanzigtönig. Unb man entdeckte bad ganze gewaltige Geschlecht ber Mütter, Möller. Moller. Miller, Müllner, Mähler, Mühllng, Mühlmann, Mahlmann, Möhl- mann usw. usw.

Wo kauften denn die alten Germanen ihr Brot?"

(Lachen.)

15ie backten es selbst."

Richtig. Also Mütter gab's schon, aber Backer noch nicht. Dein Adel, wie du sichst, mein lieber Becker, ist jüngeren Datums. Die alten Deutschen verfertigten überhaupt das meiste, was sie brauchten, selbst, die Frauen z. B. die Leinwand. Als das aufhörte, wen brauchte man da?"

..Den Weber!" rief Adolf Weber unb leuchtete.

Unb was wird sich bann so nach unb nach angeschlossen haben?"

Schuster Schneider Maurer Schlos­ser Zimmermann Tischler Jäger - Zischet."

Immer, wenn ein Name einschlug, war ein Glücklicher mehr in ber Klasse

..Wieviel Schneider haben wir hier eigent­lich?"

Einen!" riefen die Jungens

Wie unvorsichtig! Unb dabei seid ihr schon

. einmal bineingefallen T

Aber fie konnten beim besten Willen feinen i zweiten Schneider entdecken.

Woher beißt denn ber Schneider Schneider?" Vom Zeugschneiden."

Natürlich. Man kann aber noch andere Dinge schneiden. Und es gibt noch ein anderes Wort für schneiden. Paßt auf, jetzt werden wir von Döring etwas lernen; ber kommt vom Lande. Döring, wie heiht das grob geschnittene Korn?.

Schrot," sagte Döring.

Jawohl. WaS sagt man auch für schneiden?" Schroten."

Schröter!" schrie auf einmal die ganze Klasse.

Siehst du, Schröter? Nu bist du 'n Schnei­der und weiht es gar nicht. Und wenn man dein t" nun weich spricht, bann"

Schröber!" riefen bie Jungens.

.Und wenn man noch maulfauler ist?" Schröer!"

Richtig, unb wenn sich ber Selbstlaut ändert?"

Schrader??"

Jaja! Lauter Schneider. Es gibt auch viel mehr Bauern, als man ahnt. Wieviele haben wir hier in ber Klasse?"

Keinen."

..Ich zahle 23."

Das war bie ganze Schülerzahl. Man lächelte etwas verletzt. -

Ach, ihr meint: wegen eures Benehmens? Nee! Ihr seid doch feine Kerls! Unb ayherbem benehmen sich die Bauern wohl anders, aber nicht schlechter als andere Leute. Trotzdem seid ihr alle Bauern. 3m Ernst! Fischer, wie nennst du Preuh, weil er neben dir sitzt?"

Preuh!" tagte Fischer. (Große Heiterkeit.) Aber Fischer! Wie nennst du einen Men­schen, der nah bei dir wohnt?"

Jetzt dämmerte e< . Nachbar!" sagte Fischer. Richtig.Nachbar ! Na, Kinder? Wie hatNachbar" wohl früher geheißen?"

Nachbauer."

Natürlich. Es gibt noch Leute, die so mit Namen heißen. Der Nachvar ift, derNah­kauer". K nder, tai war f'ir unsere Vorfahren, di. ost meilenweit voneinander wohnten, eine wichtige Sache: ein Nachbar in der Not! Bei einer Feuersbrunst z. B. Ihre Häuser brannten leicht. Warum?"

Sie waren aus Holz gebaut.

Wie sind sie denn dazu gekommen, mit Steinen zu bauen?" (Schweigen.)

Woher kommt wohl das WortMauer", althochdeutschmura"?"

Dom lateinischen murus.

Unb Kammer?"

Von camera.

Unb Pforte?"

Von portg."

)Ilan brachte mit Hilfe des Lehrers ans Licht: solarium Söller, cella Keller, pila Pfeiler, fencstra Fenster, spicarium Speicher, tegula Ziegel, scindula Schindel und an­deres mehr.

3, Jungens, das ist doch merkwürdig, daß beinahe das ganze Haus aus dem Lateinischen kommt! Wie erklärt ihr das?"

Und ein offener Kopf sagte:Die Römer haben den Steinbau nach Deutschland gebracht."

Und der Doktor brachte sie durch vinum, mustum, pressa, calix, bicarium, cupa, vinitor, pix usw. usw. darauf, daß die Römer Wein, Most, Presse, Kelch, Decher usw., unb durch cerasus, persicum, prunum, pirum, lens, vicia. cepula, radix, caulis usw. usw.. daß fie Obst und Gemüse in das waldfinstere Germanien ber Jäger und Fischer gebracht haben.

Und als Hermann Stahmer einmal auf dem Schulhofe lautHallo!" gerufen hatte, trat Sorgenfrei vergnüglich lächelnd auf ihn zu und sagte:Du weißt ja gar nicht, was du sagst."

Hermann sah ihn verdutzt an.Ich hab' Hallo gerufen. "

Ja, hallo. Was heißthallo"?"

Hallo heißt - hallo!"

Ja, das meinst du so In deinem jugend­lichen Leichtsinn. Frag mich nachher mal"

Unb Hermann fragte, sowie der Doktor am Pulte stand. Und ber Doktor führte feine Schar an die Furten ber deutschen Ströme, wo bie, bie hinüber wollten, am Ufer ftanben unb dem Fergen drüben riefen:Halloooo!" oberHo- laaaa!, b. h. holen, hol mich, hol über! Wie einst Hagen an ber Donau gestanden: er begonde ruofen vaste über fluot:

nu hol mich hie, verge, sprach der degen guot. und er erzählte, wie die Römer Drücken über die Ströme bauten unb über biefe Drücken das Christentum kam, wie Donar (b. h. bie heidni­schen Germanen) solche Drücken zertrümmerten und Christus (will sagen: die Römer) sie wieder aufbauten, wie gerade da. wo solche Furten ge­wesen (wie die Frankenfurt) ber große Christo­phorus verehrt würbe, ber bas kleine Christ- lind mit großer Mühe durch die Flut trug, wie die Fergen von den Strömen verschwunden, ber Ruf der Harrenben aber noch burch bie Jahr- taufenbe herüberhalle unb heute noch über einen deutschen Schulhof töne. Unb wenn bie Schul- glodc dem Lehrer bas Wort abschnitt, bann rief sie lebhafte Entrüstung bei allen Lebenbi­gen hervor;schade!" riefen sie; denn sie hatten ihr Vaterland gesehen, hatten Vergangenheit er­lebt; lebendige Zeugen waren hereingetreten in die Schulstube, Zeugen, bie bie Einführung des Qteinbauö, des Weinbaus noch mlterlebt, die öen deutschen Urwald noch gesehen hatten, ja, die schon dabei gewesen waren, als die Germanen aus Asien kamen, Zeugen, deren Züge noch den Abdruck des Erlebten zeigten, die ihre Gesichts- färbe wieder bekamen, die Augen aufschlugen, die Lippen öffneten und erzählten! Wie Schein­tote, bie zum Leben erwachen! Lebendige Zeu­gen! Deutsche Wörter waren es. die allo zeugten, wenn man sie anblies mit warmem Hauch«! Den Jungen, tnenn sie nur einen Hellen unb war­men Funken in sich trugen, ward wundersam selig und heimelig und heilig umS Herz in sol­chen Stunden, unb sie verstanden es gut, als dieser Mann Ihnen sagte, daß daS WortElend" uif.. küngüd) nur so viel bedeutete wieanderes Land', alsoFremde", daß unser Volk es eben darum zum Ausdruck für tiefstes Unglück machte.

Hohe Temperaturen.

Während die tiefste, bisher erreichte Lempe» ratur bei rund 269 Grad unter Null liegt (sie wurde erre chl bei der Aerflüsiigun, des He.iums). geht cs bei den Temperaturen über Null in die

Tausende. 3n den Kryptolöfen. bei denen der elek­trische Strom durch ein Gemenge aus Karborun­dum, Graphit und Ton geschickt wird, können Tem­peraturen von 2222 Grad er ;<u jt we >en als Rost dieser Oefen eignet sich vorzüglich a.ich ein Körper Namens SilunDum. Die T?mver.-.tnr des elektri­schen Lichtbogens erreicht sogar 4)2) Grad: in den Bogenlicht-Oefen werden die zu erhi:>cnd.m Me­talle dieser Glut unmittelbar auigJeat. Solchen Temperaturen gegenüber verlieren die Metalle ihre Widerstandskraft Ellen unb Stahl schnelzen bei 1100 bis 1402 Grab, Gold und S.'.oe. noch eher, Platin bei 1820. Tantal unb Wollra.n in bei Nähe von 3000 Grad Bemerkenswert ist ferner, daß neuerbinaä auch die Soment-m »,r. bk man zu 6.0) Grab b rech e at, berhoffe wo-- ben ist. dadurch, daß man be i eletir . . Licht­bogen In hochgespannter Luft brennen ließ.

Zum Metten derartig ! ? er ? ; e.aturet kann man natürlich bie Flüttigkrii unb Gas- thermometer nicht gebrauchen, inan bcntzt bann vielfach ein entsprechend toibe a:. bif äbige* Thermoelement, das n: t seiner Oni'teik in den Ofen gebracht wird, helfen Tein '.rat :r .Lmc(,cn werden sott unb dessen freie Enden mit einem na < Temperaturnraden geeichten Galvanometer nei bunben sind. 3nftrumente zum Messen hoher Temperaturen heißen allgemein Pnrrr eter 3n der Technik benutzt man gern daS Ho'.born-Kurl baum-Pyrometer Das ist ein Fernrohr, mit dem man ein flüssiges Metall ober die Glut eines Ofens betrachtet, unb bamit bie Leuchtkraft eine» im Fernrohr (an der Stelle des vom Obiektiv entworfenen reellen B lde5 ber Glühmasfe) befind l ich en, elektrischen Glühfadens vergleicht 3 ft de: Glühfaden heißer als der Öfen, bann hebt er »ich hell ab, im umgekehrten Fall, dunkel; hebt er sich gar nicht ab, dann besitzen Ofen unb iMüMaben bie gleiche Temperatur. 3m Stromkreis des Glüh­fadens befinben sich ein Regulierwiderstanb tum Einstettcn verschiedener Stromstärken unb bamit verschiebener Helligkeiten, außerdem ein nach Wärmegraden geeichtes Galvanometer. Wenn auch die bei dieser Einrichtung erzielte Genauigkeit nicht allzu groß ist, so besitzt der Apparat doch den Vorzug ber Handlichkeit unb Bedienung auch von weniger funbtger Seite.

Die Erforschung der menschlichen Hörgrenz«.

3n der Erforschung ber Hönähigkeit bes menschlichen OhreS finb genauere Ergebnisse er­zielt worben durch bie neuesten Untersuchungen von Professor Martin G i l b e m e i ft e r. über die Hermann Radestock in derNaturwissenschaftlichen Wochenschrift" berichtet. Gildemeister hat für seine Forschungen ganz neue Apparate konstruiert, durch die viel sichere Ergebnisse möglich waren. Bei 51 Versuchspersonen, die aus Schülern. Studenten, Mädchen. Lehrern. Beamten, Kaufleuten. Land­wirten unb verschiedenartigen Arbeitern bestauben, hat er seine Versuche burchgeführt. Alle diese Per­sonen im Alter von 647 Jahren besaßen, wie durch sorgfältige Voruntersuchung gestellt

wurde, ein Normalgehör. Aus den mmen-

gestellten Hörproben ergibt sich nun jff Reihe interessanter Tatsachen. Verhältnisman^ feilen hört jemand mit dem rechten unb linken Ohr gleich aut; vielmehr ist ber Hörunterschieb zwischen bei- ben Ohren öfters sehr groß unb bleibt genau so groß auch nach vielen an verschiedenen Tagen vor­genommenen Prüfungen. Eine allgemein? Bevor-, zugung de- rechten oder linken Ohres in der Hör­fähigkeit ist nirgends nachzuweilen. Eine große Rotte aber spielt da- Lebensalter. Kinder und jungen Leute bis zu 20 Jahren hören die hohen Töne am besten Doch findet auch hier schon eine langsame, allmähliche Abnahme statt die dann von 20 bis Mitte der 30er Jahre immer deutlicher her­vortritt. Bis Mitte ber 40er erhält sich bann ber Durchschnittswert auf annäherr.b gleicher Höhe und finit bis zum Greisenalter wieder sehr be­trächtlich herab. Die Abnahme der Hörsähigkett beträgt vom 6. bi- zum 47. Jahre durchschnittlich 7000 Schwingungen, geht also von 20 000 bis auf 13 000 herunter Die Schwankungen des Hörens, bie durch da- körperliche Befinden von einem Tage zum andern veranlaßt werden können, betrugen nie über 200 Schwingungen.

Herbstgang.

Von Stephan Zweig.

Traumstill die West. Nur ab und hu ein heisrer Schrei

von Naben, die verflatternd über Stop­peln streichen.

Der düstre Himmel drückt wie mattes, schweres Blei

ins graue Land. Und sacht, mit leisen, sammetweichen

Schleichschritten geht ber Herbst durch Grau und Einerlei.

i In worteschweres Schweigen wandre ich hinein,

der unbefriedigt von dem Sommerglanz geschieden.

Die letzten lauten Wünsche schlummern langsam ein.

Mir wird der Herbst so nah. Ich fühle seinen Frieden.

Mein Herz wird reich und groß im stillen Einsamsetn.

Die Schwermut, die die dunllcn Dörfer überweht,

hat meiner Seele diel von ihrem Glück gegeben.

mein Abendgang wird fegenr-fromm wie ein Gebet,

und glockenrein und abendmtld scheint mir mein Leben,

seit es des Herbstes düstres Druderwort versteht.

Nun will ich ruhen wie das müde dunkle Land .. .

Tiefselig zieht mein Träumerschritt in leise Stunden,

und sanfter fühle ich der Sehnsucht heiße Hand.

Mir ist, als hält ich einen treuen Freund gefunden.

der mir oft nahe war und den ich nie ge­kannt .,,