Einzelbild herunterladen

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Tberhefsen)

Mittwoch, 5. Vttober 1921

nr. 235 Zwettes vlaü

Landes-

zenvcrein.

5. Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.)

©hmöe

allem. Bleich

rich, Ouftyminifler v Brentano, mlntfler Henrich, die Präsidenten der

Baler ist ihre Lau-

ob das. was gehört, auch

sie war zuckten.

»Froh bin ich, datz Sie konnnen! schon seit gestern weg! Künstler haben nen besonders Musiker f

Da erkannte Heinrich Wärhahn,

berg, 1. Oft. Der hiesige Schäl- . der durch den Krieg cingcgangen war. Hal sich wieder neu organisiert. Als Dor- sihender wurde Dachdeckermeister Meuer ac- wählt.

er vor einer knappen stimmte .

Maria empfing ihn. I war sie, ihre Mundwinkel

3d? störe doch nicht?"

Kreis Büdingen,

k. Ortender

SXi war WärhohnS Eigenliebe doch sehr ver­letzt. Sr wurde förmlich.

.Wenn man von einer Dame so etwas be­hauptet. muh man es auch beweisen können!"

.Wer natürlich kann ich das! ätns hier ist doch der alte Sitten ein guter Bekannter! Zweifel­los ein genialer Mensch, aber verbummelt! Seine Söhne halten ihn, sie verdienen ein Heidengeld im Diamanten handel, der Alte spielt sogar mitunter eine lächerliche Figur! Wenn er nicht gefährlich werden könnte, möchte es fein! Nämlich als Schma­rotzer! ätnd deshalb will niemand Fräulein Sitten heiraten. Es würde ein teures Vergnü­gen werden. Vielleicht können Sie es sich leisten.' Käme noch hmzu, auf die Dauer geht ihr Vater vom NHeine nicht weg, das bringt er einfach nicht fertig denn man würde ihn schnell vergessen, mrd die Weinkisten kämen nicht mehr ohne Rech­nung in sein Haus!"

Etwas Wahres mochte daran sein, Heinrich Wärhahn fühlte es. aber natürlich übertrieb man

.Wenn er wirklich die Weine und er führt gute kostenlos ins Haus geschickt be­kommt, dann mutz man ihn doch auch sehr gern haben!"

3ft auch auf seine 2Lrt ein Prachtkerl, gar nicht zu leugnen! üleberall ist er bei Sängerfesten Preisrichter und Sängerfeste finden hier in Massen statt! Sr kommt viel herum, ist ein guter Gesellschafter und dem Rheine hat er viele schöne Volkslieder geschenkt, na, da ist man nicht so. Ohne den alten Hupp Sitten ist nun einmal ein Sängerfest nicht denkbar. Das weitz er, und bas nutzt er!

Heinrich Wärhahn bedankte sich kurz für die

3.

Ein milder Dezembertag! Die Wärhahnschen Gespanne waren auf den Feldern und pflügten die letzten Stoppeln um. Der Herr war drautzen, irgendwo, da galt es -u schaffen. Stets hatte er das Fernglas bei sich, keine Bummelei entging ihm. Sonst hagelte ein Drmnerwetter auf die Knechte. Trotzdem hatte er nie über ßeutemangel 3U klagen. War eine Stelle bei ihm frei, meldeten sich zehn. Er zahlte nicht mehr als die andern Bescher, aber man atz bei ihm ausgezeichnet und reichlich. Heden Mittag und Abend prüfte er das Leuteessen, und Sonntag abends schnitt er dem ganzen Gesinde selbst die Würste vor Da bekam jeder ein tüchtiges Stück in die Faust, und so gute Wurst, wie die Mamsell Auguste ülhlemann machte, gab's nirgends auf Erden. .Der Saul braucht Hafer in den Leib, wenn er tüchtig schäften toa - und der Mensch gute Kost", war Christoph Wärhahns ständige Redensart. Was das mehr kostete, kam dreimal wieder ein. Außerdem wag­ten die Leute keine hochgeschraubten Forderungen zu stellen, weil sie wuhten, für jeden, der ging, sprang sofort ein anderer ein.

Christoph Wärhahn fühlte, datz er ansing zu altern. Seinen Sohn vermitzte er doch an allen Ecken und Enden. Wer fein Lebtag mit Anspan­nung aller Kräfte gearbeitet hatte, der ertrug es nicht mehr, ging etwas aus dem gewohnten Gleise. An den langen Winterabenden kam einer wie er wenn er Tag für Tag allein saft, leicht ins Grü­beln. Na, nächstes Hahr würde das wohl ganz anders fein, da war eine Frau im Hause, das beruhigte ihn immer wieder. Er grift nach den Briefen seines Sohnes und rieb sich vergnügt die Hände. Der war ja ein vernünftiger Kerl, dem ging der Verstand nicht durch! ilnb wenn seine Herzal^rliebste nicht allzuviel Dukaten mit- brachte, so war das noch lange kein Llnglück. Wenn

griff ans Herz! Lind hatte ihm nicht sein Vater gesagt, er brauche auf Geld nicht ängstlich zu sehen . . .? Eine gute Frau, die .einen Schutz im Blute habe, sei für das Geschlecht der Wär­hahns das Allernötigste. Lind die da vor ihm stand mit zuckenden Lippen, war eine gesunde Frau, und den Schutz im Blute hatte sie sicher auch. Den Kopf wart er in den Nacken, fatzte nach ihren Händen, ein schwacher Versuch von ihr, sich frei zu machen, aber er lieft nicht locker.

.Sie muffen hier raus, Maria!"

Rauh klang seine Stimme. 3hr stürzten die Tränen aus den Augen. Noch fester umklammerte e? ihre Hände, zog die sich ein wenig sträubende schlanke Mädchengestalt an seine Brust.

Fünf Minuten später wühle Heinrich Wär­hahn: sie hatte wahrhaftig einen tüchtigen Schutz im Blut . .

Es war ein abgekartet Spiel!

Hessische Volkskammer.

108. Sitzung.

St. Darmstadt. 4 Ott.

Der Hessische Landtag trat heute nach län­gerer Pause zu einer Tagung zusammen. Die Tribüne ist dicht besetzt.

Auskunft und ging an den Rhein bummeln Der Wmd pfiff ihm ums Gesicht, streute welkes Laub aus den Rhein. 3n wilden Schlägen pochte sein Herz . . Hm Kerne mochte das ja ftimmen, was ihm der Kommilitone gesagt, aber wenn es so war, dann mutzte Maria ja geradezu ein trostloses Leben führen! Herrgott, da tat man ein gutes Werk, man ritz sie aus einem solchen Hammerdasein heraus. Nach Godesberg fuhr er, sobald ihm die Erkenntnis gekommen war, mit scharfen Augen wollte er sehen,

Am Regierungstisch: Staatspräsident III - Finanz-

Der Schuh im Blut

Roman von Horst Dodemer.

... datz jetzt feine Stunde geschlagen hatte. Maria litt, das

Zur Regierungsvorlage die Errichtung einer Försterschule teilt Abg. Eiftnert (Svz.) in seinem "bricht u. a. mit, daft die Schule ihren Sitz in S ch o 11 e n erhalten soll und daft an Baulichkeiten erforder­lich sind zwei Schulräume, eine Dienstwohnung für den ständigen zweiten Forstlehrer und eine Dienstwohnung für die Lehrförster, wofür 600 000 Mark erforderlich sind.

Abg. Köhler (DVp.) tritt dafür ein, die Försterschule nach L a u b a ch zu verlegen, wo man bei Verwendung deS dortigen Gymnasiums erheb­liche Summen sparen könnte.

Abg. Reiber (Dem.) erbittet von der Re­gierung Auskunft über den Gang der Ausbildung.

Abg. Herbert (Z.) teilt mit, daft man nach eingehender Prüfung sich für Schotten entschlossen habe. Es wäre wünschenswert, daft die Vorlage heute verabschiedet wird.

Abg. Knoblauch (Soz.) wünscht ebenfalls vorerst Auskunft über den Lehrplan und tritt für Beibehaltung von Schotten ein, wo ausfchlieftlich Staatswälder zur Verfügung stehen.

2anbe8forftmelfter Dr. Weber: Die Vorlage ist notwendig geworden für unsere Forstwirtschaft. Wir bauen in der Försterschule auf der Dolks- schulbildung auf. Schotten ist nach sehr eingehen­der Prüfung gewählt worden. Was für uns gegen Laubach spricht, möchte ich hier nicht er­örtern. nur soll festgestellt werden, daft Erspar­nisse dort nicht gemacht werden könnten lieber den ganzen Bildungsgang werden noch eingehende Vorlagen gemacht werden.

Kreis Lauterbach.

rr. Schlitz, 3. Oft. Zur Wiederbeschaftuna neuer Orgelpfeifen anstelle der während deS Krieges abgelieferten stiftete Graf Wilhelm von Schlitz genannt von Görtz 1000 Mark. Gegenwärtig sind Bemühungen im Gang, unserer Höheren Bürgerschule, die bis dahin mit der Ober-Tertia abschloft, noch eine Unter-Se­kunda anzugliedern.

Kreis Schotten.

k. Ober-Seemen, 1. Olt. Auch im be­nachbarten Lichen ro t h wurde kürzlich ein Kriegerdenkmal durch den Ortsgeistlichen Breidenbach seiner Bestimmung übergeben. Gast­wirt W. Henning legte für die 8 Gefallenen des OrteS einen Kranz im Auftrage der Angehörigen nieder und Bürgermeister OchS übernahm das Denkmal in den Schuh der Gemeinde.

Kreis Wetzlar.

ra. Wetzlar, 3. Oft. Die von der Stadt Wetzlar angekauften Kartoffeln sind im An- rollen. Der Preis beträgt pro Zentner 68 Mark. Alle gröberen Werke hier sind bestrebt, ihre Arbeiter und Beamten hinreichend mit Kartoffeln zu versorgen.

sie nur sonst gesund und fröhlich war und natür­lich aus anständiger Familie. Es war nun einmal so in den heutigen Zeiten, ein Mädchen, das hunderttausend Mark mit in die Ehe brachte, war für hunderttausend Taler verwöhnt! Und das rümpfte die Nase, wenn es im Wärhahnschen Hause hinter die Kulissen gesehen hatte. Dein Hung wie er waren reiche, selbst bewuftte Bauern, die Enkelkinder mochten den Au fit leg Wetter fort- setzen. Und deshalb war er auf Henners Andeu­tungen lieber gar nicht erst weiter in feinen Briefen eingegangen. Sonst wurde der womöglich stutzig. Kam wieder ttn Frühjahr und sagte. .Vater, ich hab nichts Paffendes gefunden drautzen in der Welt, in der Nachbarschaft laufen reiche Bauerntöchter genug herum, die mich gern neh­men!" ... Gin Narr, wer sich nicht an die Na­tur hielt Die gab die letzten Fingerzeige! Wenn Starkes mit Feinem vernünftig gepaart wurde kam etwa- auf die Wett, das einen Fortschritt verstellte. Ob sich das nun um Vieh oder (be­treibe, Blumen oder Rüben handelte, erst mutzte veredelt werden. Und wenn die Veredelung an­fing zu zart, zu wenig widerstandsfähig zu wer- den, dann griff man ein und führte urwüchsige Kraft der schvach gewordenen Pflanze zu. Fehler liehen fich allmählich ausgleichen, der 2lnfang ®°r immer ein gewagter Wurf. Wenn nur die Väter mit solcher Erkenntnis auf die Kinder sahen, gab's vielleicht dann und wann ein schvarzes S<ftaf in der Familie, aber der Haupfitamm blieb gesund. Und darauf kam's an. Sein Ziel stand unverrückbar fest! Nachdem er den Wärhahns breiten Grund unter die Fütze geschoben, sollten sie auffleigen zu den ersten Geschlechtern im Lande. Von heute zu morgen ging das natürlich nicht. Aber das vierte oder fünfte Glied der Kette lieferte vielleicht einen Mordskerl k

(Fortsetzung folgt)

Schwurgericht.

(Sieben, 3. Olt. 1921

Unter Ausschlutz der Öffentlichkeit tojrbe heute gegen den Staufmann Hans Norgall von ©ieftcn wegen Notzucht Derbanbelt. Es waren 14 Zeugen und 3 Sachverständige geladen Die Anklage vertrat Amtsrichter Neuroth, die Ver­teidigung führte Rechtsanwalt Leun. Dem An- geklagten war zur Last gelegt fein Dienstmädchen vergewaltigt zu haben. Die Geschworenen ver­neinten die Frage wegen Notzucht, bejahten aber die weiter an sie gestellte Frage, datz der Ange­klagte an dem Mädchen mit Gewalt unzüchtige Handlungen vorgenommen habe, und billigte ihm mildernde Umstände zu. Das Gericht verurteilte ihn zu 6 Monaten Gefängnis. Der Haftbefehl gegen den Angeklagten wurde aufgehoben

Der Anttag Stöftler. die Vorlage zurückzuver- weisen, wird abgelehnt, die Regierungsvor­lage wird einftimmig angenommen.

Die Regierungsvorlage bett. Abänderung des Landwirtschaftskammergeseyes wird zurückgcsteltt.

Zur Kenntnis deS Landtages nach Artikel 32 der Geschäftsordnung werden fol­gende Vorlagen gebracht:

Negierungevorlage. den Grvtzschiffahrtswcg Rhein-Main-Donau betreffend. - Regierungs­vorlage, die Grubenfelder .Emst" und .Frie­drich V" der Gewerkschaft Friedrich betreffend. Regierungsvorlage. Ankauf eines Wohngebäu­des in Nidda zur Beschaffung von Bureauraumen für daS Kreievermessungsamt Nidda b.treffenb. Regierungsvorlagen, 'Bauliche Herstellung in Örn Bade Häusern zu Bad-Nauheim, sowie die 3n- flanblenung der technischen Anlagen in Bad-Nau­heim betreffend. Regierungsvorlage, die AmtS- kcsten der Oberlandmefter im Kreis- und Ka- tastervermessungsdienst: hier die Uebernabme der Instrumente unb Meßgeräte auf den Staat. Regierungsvorlage, Eenbarmenwohnung: hier in Heppenheim betreffend Regierungsvorlage. Er­haltungsarbeiten an der iXloficrruii'c Arnsburg betreffend. Regierungsvorlage, Neuanschft,nu­ll en für das Kraftwerk der Technischen Hoch­schule zu Darmstadt betreffend. Regieru.igs- vrrlage, Küchenanlage der Medizinische.' Klinik, der Frauenklinik und der Klinik für Hautkrank­heiten in Gietzen betreffend. Regierungsvorlage, Bauliche Aenderungen in der Medizinischen Klinit zu Gietzen- hier Verlegung und Ergänzung der Femsprechzenttage bett. Regierungsvorlage, die Verwendung der der Landes-Milch- unb Fett- ftelle gehörigen Personenkrastwagen betreffend. Regierungsvorlage, Verwendung von Mitteln der Landes-Milch- und Fettstelle für kranke und tuber­kulöse Kinder. Regierungsvorlage, die kauf­männischen Fortbildungsschulen betreffend. Re­gierungsvorlage, Amtögerichtsneub'u zu ©leben; hier: die innere Einrichtung betreffend, und schlietzlich die Regierungsvorlage betreffend Haus- meisterwohnung im Hustizgebäude in Mainz

Darauf tritt Vertagung ein. Nächste Sitzung Mittwoch i/210 ÜIhr.

Richtigkeit der Nachricht aus Ostvreuften. Der- artige Meldungen erweisen fich meistens alS un- tnaftr. Datz aber die Kartoffeln in Ostpreutzen bdlrger sind, als hier, mühte auch der Ad^ Büchner wissen. Die Bauern machen die groben Profite nicht, die werden namentlich in Herrn Büchner nahestehenden Kreisen ge­macht. Auch wer die Spekulationsgewinne ein- Jini) nicht die Dauern, sondern Streife, die ber Abg Büchner genau kennt.

Abg Schorn (Ztt.) tritt bei dieser Ge­legenheit für die Attpensionäre ein, die vielfach am Hungerruche nagen Anwärterinnen sollten ben Anwärtern gleichgestellt werden.

Abg Delp (Soz.) und Abg. Osann (D. Dpt.) weisen darauf hin, datz hier die Abhängig­keit vom Reich schuld ist, die auch den Grund zu der früher fast beseitigt gewesenen Gegensätzlich­keit zwischen Stadt und Land erneut gelegt bat Dann tritt eine Pause ein.

Nach der Pause wird zunächst die Angelegen­heit

Dr. Strecker Ur st adt erledigt. Der Vorschlag der Regierung wird gegen die Stimmen der Abgg. Osann (DD ), Köhler (DV.) und Kiel (USP.) angenommen

Abg. 11 r ft a b t nimmt am Regierungstifch Platz.

Dann wird die Vorlage über die Teuerungszuschläge

weiter beraten. Abg. Reiber (Dem.) begrübt es bab bie Regierung gegen bie Ortsllassenein- teilung eingetreten ist. Wenn es gelänge, diese Ortsllasseneinteilung wieder zu beseitigen, könnte man aufatmen. Die ganze Teuerungszuschlags­aktton ist ungenügend. Wenn man bedenkt, bab beute ein Zwanzigmarkstück 450 Mark kostet, kann sich jeber ausrechnen, was für Gebalt er in Wirklichkeit erhält. Die Besoldung mub ganz anders geregelt werden, dazu ist zunächst notwen­dig, daß gesündere Steuergesehe geschaffen wer­den, die den Finanzministern dauernde Einnah­men bringen, damit die Notenpresse eingestellt werden kann.

Abg. Kiel (USP.): Die heftische Regierung muftte gleich der braunschweigischen die Kartoffel- Preise gesetzlich festlegen 8090 Mark zu ver- Icngen sei Wucher. Er frage die Regierung, wie weit die Versetzung von G i e b e n in die höhere Ortsklasse gediehen fei. Gietzen sei teurer als Grotzstädte und die Beamten dort klagen sehr.

Finanzminister Henrich: Wir hoffen, datz wir die Reichsregierung bald davon überzeugen können, bab bie derzeitige Regelung der Besol­dung durchaus unsozial ist. Einstweilen find wir aber gebunden. Wir stehen nach wie vor auf dem Standpunkt, bab die Ortsklasfeneinteilung zu be- eitigen ist und höchstens die Wohnungszuschüfte differieren. Was die Rentner betrifft, so wirb diese Frage demnächst den Reichstag beschäftigen. Was dabei herauskommt, kann heute noch nicht gesagt werden. Die ganze Besoldungsfrage bedarf noch endgültiger Regelung

Damit schlieftt die Debatte. Die Regierungs­vorlagen werden gegen die Stimme des Abg. Stiel (UDP.) angenommen.

die Hilfsaktion nach Kräften zu fördern. 3n der Rot und HiftSberettschaft daN es keine 'Parteien geben.

Präsident Adelung teilt weiter mit, daft an Stelle des Abg Seel der Abg. Martin Reck- Vilbel (Soz.) in den Landtag eintritt.

Rücktritt Dr. Streckers Urstadt Dildimgs- Minister.

Staatspräsident Ulrich: Hch habe dem Haufe die Mitteilung zu machen, datz der Präsident des Landesamts für das Bildungswefen, Dr. Strecker, gebeten hat, ihn von seinem Amt zu entbtnben. Das ist, nachdem bie Ditte ausgespro­chen. geschehen. An seine Stelle ist von der Demo­kratischen Partei ein anderes Mitglied für diefeS Amt in Vorschlag gebracht worden, nämlich der Abg. U r ft a b L DaS Gefamtmtnisterium hat diese Regelung, soweit es in der kurzen Zeit dazu in der Lage war, gutgeheitzen. Hch frage sie vor und bitte, bk Zustimmung des Hau!es dazu zu erteilen. Die Verminderung der Zahl der Re­gierungsstellen wird dadurch nicht berührt. Es läge nahe, daS Amt durch em anderes Mitglied der Regierung mit übernehmen zu lassen. Der allein in Frage kommende Finanzminister ist aber durch sein Amt derart überlastet, datz er zu der Uebemahme des Amtes nicht in der Lage ist. Die Dienststelle des Abg. Urstadt als Direktor des Realgymnasiums wird für bie Zett feiner Leitung des Landes bi ldungSamtes offen gehalten Hch wollte das ausdrücklich feststellen, damit keinerlei Mitzverständnis aufkommt. handelt sich nur darum, durch einen Fachmann die Schul- abteilung vertreten zu lassen während des Restes ber Landtags dauer.

Dbg Delp (Dvz.): Zu der Mitteilung haben die einzelnen graft io nen noch keine Stellung neh­men können. Hch bitte darum, die Abstimmung bis nach der Pause zu vertagen.

Abg. Dr. Osann (D. Vpt.): Wir sind nicht in der Lage, unsere Zustimmung zu dem Vorschlag zu geben, da wir an der Regierungsbildung ja nicht beteiligt sind.

Abg. 'Brauer (Heft. Vpt.) gibt eine gleiche Erklärung ab.

Präsident Adelung: Nach der Verfassung hat der Landtag seine 3uftimmung zu erteilen. Wie sich die einzelnen Parteien dazu stellen, bas ist ihre Sache. Die Abstimmung wird vor­erst ausgesetzt.

Das Haus tritt dann in die Tagesordnung rin und erlebtet ohne Debatte die Regierungs­vorlagen über die Rechenschaftsablage ber San- deSkreditkasse für 1917, die Nachweisun­gen über Einnahmen unb Ausgaben für 1916 nach dem Oberrechnungskammergeseh, unb bie Derwaltungsübersicht der Staats- schulden Verwaltung für 1916 und 1917.

Die Regierungsvorlagen über die

Erhöhung der Teuerungszuschläge zu dem Grundgehalt und Ortszuschlag, sowie zu den Kinderzulagen betr. (entsprechend ber Rege­lung im Reich) gibt dem Abg. Dr. Büchner (Dem.) Gelegenheit, nach seinem Bericht bie all­gemeine Teuerung zu besprechen. Er weift aus die hohen Kartoffelpreise' hin unb erklärt, nach der Presie werden von den Bauern in Ost- preutzen an eingeschriebene Parteimitglieder Kar- 1 tofteln zu 25 Mk. den Zentner abgegeben. Das fei unerhört und beweise, welche Gewinne an ben Kartoffeln verdient werden. Ganz unerhört und aufs schärfste zu bekämpfen sei auch die Spekulationswut, die alle Kreise er- i griffen hat. Er möchte vor dem Lande feststellen, < daft Spekulation Diebstahl sei unb daft 1 jeder Spekulant dem arbeitenden Dolle das Geld au6 der Tasche stehle.

Abg. Dorsch (Hess. Dpt.) bezweftett die

Gerichtssaal.

mt Darmstadt, 3. Oft. Das Schwur« gerlebt verhandelte heute die dritte Anklage (von fünf) wegen g e w e r b « m ä ft i g e r Ab­treibung gegen die 36 Hahre alte Anna Marie Kaiser geb. Geist aus Fechenheim. Ein 19jäh- riges Mädchen aus Gr -Zimmern war wegen ihres Zustandes bei einer hiesigen Frau, um sich Rat zu holen unb hörte auf ber Nachhausefahrt die Adresse der Offenbacher Angeklagten, die sich auch als Kartenschlägerin betätigte. Wie die Ange­klagte nach anfänglichem Leugnen zugibt, nahm sie den Eingriff in ihrer Wohnung an dem Mäd­chen vor, beftrttt aber, daft sie wegen der Armut des Mädchens ttgendeine Forderung gestellt habe. Das Mädchen hatte auch fein Geld, brachte aber einige Tage später ein Huhn, da« sie der K. ver­sprochen hatte. Es liegen sonst keine Beweise gegen die Angeklagte vor, doch liegt der sehr starke Ver­dacht vor, daft die Angellagte das Geschäft Dieb- fach gegen Lohn betrieben bat Die Geschworenen verneinten aber die Frage nach Lvhnabtreibung, sondern erkannten sie nur ber Beihilfe zur Ab­treibung unter Zubilligung mildernder llmftänbe schuldig und die Angellagte erhielt ein Hahr Ge­fängnis, abzüglich 5 Monaten ^Intersuchungshast.

Tagung aus. Dr. Win sch-Berlin sprach über ben heutigen Stand der Heilwissenschaft und bet Naturhcilmethobe Neben ber Besprechung orga- msatorifcher Fragen wurde die Ausbildung von VeremSpslegerinnen angeregt die Veranstaltung pcakttscher und theoretischer LlnterrichtSkurse emp­fohlen. Es fanb eine entschiedene Aosage an alle die vielen Heilkundigen statt, die es für gut be­finden, sich als Vertreter der Naturheilkunde aus- ^ugebeii unb den guten Ruf und die Anhänger *&rc Zwecke auSzunüyen. Den Schlutz der Tagung bildete ein im Kath. Der- etnShaus veranstalteter Familienabend, dessen überaus reichhaltigen und schönen Da>-- bictungen die Besucher sehr befriedigt haben.

Landkreis (Rieften.

" Heuchelheim, 3. Oft. infolge ber Zu- fammenlcgung ber Heuchelheimer Gemarkung kommt ber vielbenutzte Feldweg Kinzenbach Heuchelheimer Mühle für bie Folge in Wegfall.

Aus Stabt unb Land.

Gieften, ben 5. Oft. 1921.

Die Hntereffenvertretung der geschädigten Ausländsdeutschen E. D. Berlin W. 9, Schellmgsfratze 1, ersucht sämt­liche Kriegsnoteninhaber, welche reichsdeutsche Rückwanderer unb Flüchtlinge aus bem ehemali­gen General-Gouvernement Warschau sind, um Angabe der genauen Adresse an obige Geschäfts­stelle zwecks Geltendmachung der GntschädigungS- anfprüche.

" Naturheilverein ®ieften. Am Freitag veranstaltete der Naturhettverein im Cin- hornsaal einen öffentlichen Vortrag. Der Redner des Abends, Dr. meb. Wilhelm Winsch aus Berlin, sprach über ben Wert ber Wärme Sur Erhaltung des Lebens und der Heilung von Krankheiten. Er sprach nach kurzer Einleitung über ben Wärmehaushalt des menschlichen Körpers, der selbst auf 37° E. ge­heizt fei unb eine kombinierte Wärmeregulierung besitze. Die Wärme sei auch ein vorzügliches Mittel zur Erhaltung unb Erhöhung ber Gesund­heit unb zur Heilung von Krankheiten. Die Ab­härtung des Körpers werde am besten erreicht durch richttge Kombinatton von heitz und falt, wie der Redner das in zwei seiner Schriften Heber Wärmekultur" undDer Weg der Selbst­hilfe in gesunden und franken Tagen" genauer avsgeführt hat. Die Wärme habe sich als ein vor­zügliches Heilmittel bei den verschiedensten Krank­heiten bewährt, so bei allen Erkältungskrankheiten und Katarrhen, bei Geschlechtskrankheiten, bei Nierenleiden und Zuckerharnruhr, bei Eiterungen und Dchmerzzuständen. bei Schwangerschaft und Geburt, bei Augen-, Ohren- unb Nasenleiden. Die sehr zahlreiche Versammlung spendete reichen Beifall und es kam noch zu einer interessanten Aussprache. Hm Anschluft an diesen Vorfrag fand am Sonntag die 1. Konferenz hessischer und benachbarter Naturheilvereine im Katholischen Vereinshaus statt, an der sich aufter dem Verein Gietzen die Naturheilvereine Fulda, Wetzlar, Hersfeld, Gersfeld unb Qllar- burg beteiligten, auch waren Gäste aus Wies- baben, Frankfurt, Darmstadt und Hanau erschie­nen. Die Verhandlungen nahmen einen sehr an­regenden Verlauf und alle Teilnehmer drückten ihre grobe Befriedigung über das Ergebnis ber

ämter unb RegierungSfommisiare.

?)räfibent Adelung eröffnet die Sitzung 0>» Uftr unb widmet zunächst dem verstör- denen 2lbg. Wilh. Seel-Mainz (Soz.) einen längeren Nachruf Hm Namen des Präsidiums hat der Schriftführer Abg. Stnoll einen Kranz r.icbergelegt Die Abgeordneten haben sich von den Plätzen erhoben und erheben sich wieder, als der Präsident die Katastrophe in Oppau bespricht, erläutert, was bisher geschehen ist und bittet.