Einzelbild herunterladen

Nr. M Zweites Blatt

Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefien) Donnerstag, 4. August 1921

Französische Zeugnisse zur Schuldfrage.

Dach uni) nach kommt mehr Licht in btt Vorgänge in den verhängnisvollen Tagen vor bem ersten August 1914 Ommer deutlicher wird eS, daß das im § 231 des Friedensdik- bittates von Deutschland erzwungene Schuld- be/cnntnij sich nicht aufrecht erhalten läßt. Sehr wertvoll hierfür sind die Erinnerungen des französischen Botschafters in Petersburg, Paleologue. und des französischen XriegLministerS M e s s i m y, die vor kurzem erschienen, vor allem kommt in ihnen ganz ftar zum Ausdruck, das) Rußland und Frank­reich vor Deutschland mobil machten, so daß man nicht mehr von einem Angriff Deutsch­lands sprechen kann.

Paloelogue teilt mit, daß Rußland am 29. Juli abends die Mobilmachung von 13 Armeekorps befahl, ferner heimlich die allgemeine Mobilmachung anord­nete. 3n seinem jetzt veröffentlichten Tage­buch erlaubt sich Monsieur Palvologue eine t le ine Fälschung, indem er erzählt:Gestern abend hat die österreichisch-ungarische Regie­rung die allgemeine Mobilmachung empfoh­len? Run Hal sich aber glücklicherweise Mon­sieur Paleologue schon selbst im Jahre 1914 dementiert, denn im französischen Gelbbuch steht unter Rr. 100 seine Depesche vom 29. Juli 1914, in der er mitteilt, daß die russischen Maßnahmen veranlaßt.seien:Einerseits durch die hartnäckige älnnachgiebigkeit Oesterreichs, andererseits durch die Tatsache, daß acht österreichisch - ungarische Korps ^chonmobilisiertsin d." Die allgemeine 'Mobilmachung Oesterreichs erfolgte aber erst am 31. Juli 12 Ahr 33 Minuten nachmittags. Monsieur Paleologue bestätigt also die Tat­sache, daß Rußland von allen Mächten zu­erst die allgemeine Mobilmachung aussprach.

Frankreich behauptet, daß die französische Mobilmachung die Folge der deutschen Her­ausforderung gewesen sei. Run ist eS außer­ordentlich interessant, daß der damalige fran­zösische Kriegsminister Messimy mitteilt, daß der Ministerrat am 1. August nachmittags 1 Ahr schon die Mobilmachung beschloß, aber dem Kriegsminister poch freie Hand lieh, den Befehl noch einige Stunden zurückzuhalten. Die deutsche Mobilmachungserklärung erging nachmittags um 5 Ahr. Es ist also ein Mär- dien, daß die französische Mobilmachung von der deutschen verursacht wurde.

Wir wissen, daß der Zar, veranlaßt durch das Telegramm Kaiser Wilhelms, versuchte, die russische Mobilmachung rückgängig zu machen. Man erklärte ihm, das sei unmöglich. Genau dieselbe Tragödie erleben wir jetzt in den Mitteilungen MessimyS über Frankreich. Kurz vor 5 Ahr kam der französische Minister­präsident Diviani zu Messimh und fragte ihn, ob der Befehl noch aufzuhalten fei; eine An- terredung mit dem deutschen Botschafter ver­anlaßte Diviani dazu. Messimh antwortete: Es ist zu spät, der Mechanismus ist aus- gelöft.

Man kann auch nicht sagen, daß die En- tentemachchaber nicht mit der Mobilmachung den Krieg wollten, daß sie nicht wußten, welche Allgen die Mobilmachung haben würde. Pa- läologue teilt mit, daß der Zar Ssasonow, als er ihm den Mobllmachungsukas zum An- terzeichnen vorlegte,ganz blaß und mit zu­sammengeschnürter Kehle" erwiderte:Den- Len Sie an die Verantwortlichkeit, die Sie auf mich zu nehmen mir raten! Denken Sie daran, daß es sich darum handelt, Tausende und aber Tausende von Menschen in den Tod zu schicken!"

Diese französischen Zeugnisse muß man als Waffe gegen die Weltlüge der Allein­schuld Deutschlands zu verwenden wissen.

Die amerikanische Ausfuhr nach Deutschland.

fps.) Die Tatsache, daß die Exporte aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland im M a i die es Jahres ungefähr ebenso hoch waren wie im gleichen Monat des Vorjahres, während die Ausfuhr nach fast allen anderen Ländern bedenklich gesunken ist, läßt

die Frage wichtig erscheinen, welche Waren Deutsche land denn noch aus den Vereinigten Staaten bezieh! Die amerikanische Ausfuhr nach Deutschland betrug im letzten Monat 20 481 000 Doll, und in den mit Mai endenden letzten elf Monaten 350 980 000 Doll.; dieser letzten Zahl steht für den entsprechenden Zeitraum des Vorjahres nur eine Ziffer von 182 475 t-ÜO Doll, gegenüber. Die vollständige Aussuhrstatiftik für den Monal Mai, die das Handelsdepartement soeben ver- öffentlicht, zeigt, daß Deutschland in diesem Monat in Amerika mehr Kupfer und Schmieröl gekauft hat als jedes andere Land und baß seine Käufe von Baumwolle, Speck und Mehl auf der Ausfuhrliste an zweiter Stelle stehen.

Von der amerikanischen Kupferausfuhr im Mai erwarb Deutschland 7 073 000 Ibs, gegenüber von 6 765 000 von England und 4 454 000 von Frank­reich erworbenen. An Speck bezog England 23 041 000 Ibs., Deutschland 3 898 000 und Kanada, das an dritter Stelle kommt, 2 533 000. An Schmieröl sandten die Vereinigten Staaten nach Deutschland 3 739 000 Gallonen, nach Großbritannien 2 535 000 und nach Britisch;3ndien, das hier an dritter Stelle figuriert, 1 336 000 Gallonen. Die vier größten Käufer von amerikanischer Baumwolle im Mai waren Eng­land mit 159 104 Ballen, Deutschland mit 95 633, Japan mit 88 503 und Frankreich mit 39 554 Ballen. Die amerikanische Mehlausfuhr betrug 306 563 Ton­nen nach Großbritannien als dem größten Abnehmer, 181 980 Tonnen nach Deutschland und 145 098 nach Holland. An Kondensmilch nahm Kuba 3 248 000 Ibs., England 1 125 000 und Deutschland 713 000 ab.

Der Wert der amerikanischen Einfuhr aus Deutschland machte im Mai 6 455 000 Doll, aus, gegenüber von 4 849 000 Doll, im Mai 1920; aber der Betrag ist so geringfügig und die importierten Waren sind so mannigfaltig, daß Deutschland unter den wichtigsten Einfuhrländern für die auf der Regierungs- liste stehenden Gebrauchsartikel gar nicht figuriert, außer für Handschuhe, von denen die Vereinigten Staaten im Mai aus Deutschland 12 865 Paar im Werte von 147 355 Doll, bezogen.

Handel

Berlin, 3. 2lug. Börsen st immungs- b 11 b. Der fortgesetzte Rückgang des Markkurses, der hier ein weiteres Anziehen der Devisenkurse, besonders des Dollars bis 83, bewirkte, gibt der festen Tendenz an der Börse und der scheinbar unbesiegbaren Kauflust des Publikums immer neue Anregung. War auch die Grundstimmung nicht mehr so einheitlich und fest und das Geschäft im Großverkehr etwas stiller als bisher, so bleibt doch die Flut der bei den Großbanken einlaufen* ben Aufträge in den zu Einheitskursen gehandel­ten Industriewerten noch immer so groß, baß sie nicht bewältigt werben kann. 3n einzelnen bisher bevorzugten Papieren, wie Hösch, Thale, Augs* burg-Rürnbergec. Schcoartzkopfs und Hirsch-Kupser bestaub bet Kursnachlassen bis zu 10 Proz. Aea- lisationslust. Dafür traten anbere an beten Stelle, so baß von diesen Buderus, Kattowiher, Phönix unb Linke-Hoffmann weitere Kurssteigerungen von 520 Proz. erfuhren. Bezeichnen!» ist aber, daß bie Börsenspetulatwn sich heute in stärkerem Maße abwartenb unb eher realisativnslustig verhielt unb bieses wieberum mit ben fommenben neuen Steuern unb der bevorstehenden Entscheidung in Ober­schlesien begründete. Aus ben übrigen Amsahgebie- ten war bas Geschäft bei geringen Kursveränds- rungen wie bisher still. Als die Devisenpreise amllich wesentlich schwächer als am Bormittag notiert würben, verstärkte sich die rückläufige Kurs­bewegung in den Grobverkehrswerten. Auch die zu Einheitskursen gehandelten Industriewerte er­fuhren aus diesem Grunde überwiegend Rückgänge, besonders diejenigen, deren Kurse zuletzt fest- gestellt wurden.

Frankfurt a. M, 4. 2hig. Börs en* stimmungsbild. Die Spekulation zeiate eine stärkere Zurückhaltung, wobei man die Beobach­tung machte, daß der Berkehr nach ben letzt- tägigen starken Kurssteigerungen wesentlich ruhi­gere Bahnen einschlug. Rectti ationsneigung be­stand in Deutsche Petroleum, 785, 782 Schwächer lagen Benz mit 243, Winter Papier 282.. Ge­brüder Fahr 452, 450. Hansa Lloyd 159. ge­nannt. Höher gingen Marisfelder Kuxe um, 5375., 5475.. 5proz. Goldmexikaner im Ein­klang des Devisenmarktes abgeschwächt, 818.. Äektro Lahmeyer, die heute abend exkl. Bezugs­recht 40 Prozent notierten, waren unter Berück­sichtigung des Abschlags mit 235 1 Prozent niedriger. AEG. büßten 6 Prozent ein. Che­mische Aktien lagen still. Hirsch Kupfer, 388., verloren 6, Daimler-Motoren, 259- 5 Proz. Auch Montanaktien gaben im Kurse nach. Phönix, 970, büßten 22, Rheinstahl 597., 11 Prozent ein. Zuckerfabrik Offstein gut behauptet, 530, Seil- Industrie Wolfs, 330, gaben 5, Lüdenscheid-Metall, 750, 18, Bad. Masch* Fabrik Durlach, 569., 11 Prozent nach. Es bestand auf dem Einheits-

markt Reigung zu Abgaben. Die Börse schließt vorwiegend schwächer, bei allerdings bescheidenem Angebol.

Frankfurt a. DL, 4. August

Berliner Devisenmarkt.

Geld Brief Geld Brief

Datum: 2. August. 3. August.

2lmV<rbam- Botterd. 2512,45 2517,55 2517,45 2522,55

Brülstl-Antwerpen . 609,35 610,65 606,85 608,15

Thr.stiania 1041,45 1043,45 1344,«5 1 47/5 Kopenhagen 1218,75 1251,25 1256,75 1258,80 Stockholm 1683,30 1686,70 1680,80 1684/20

helsingsors 124/0 124,40 124,60 124,90

Italien 345,65 349,35 247.15 347,8' London 294,45 295,05 293,95 294,55

Beuyord 82,78 82,96 82,28 82,46

Paris ... 627.85 628,65 626,35 627,65

Schweiz 1351,601354,40 1353,601.56,40 Spanien 1048,95 1051,05 1347,95 1050,05

Wien (altes). . . . . -,- ,-

Deutsch-Oefterr. . . . 9,13 9,17 8,88 8,92

Prag 102,45 102,75 10',60 103/10 Budapest 21,17 20,23 20,47 20,53 Bulgarien, - -,

Konstantinopel . . .

Börsenkurse.

Frankfurt Berlin I Abend- Abend- Schluß- Schluß* | Kurs Kurs Kurs Kurs

Saturn:

6 */, Disch. Kriegsanl. 4'/. Disch. Reichsanl. 3*/, Disch. Beichsanl. 4 */0 Preuß. Konsols Darmstädler Bank . Deutsche Bank . . Disconio-Gesellschaft Dresdner Bank. . . Nationalbank f. D. . Mitleid. Ereditbank. H.-Amerik Pakets. . Norddeutscher Lloyd. Bock.Gußstahlwerk . D.-Luxemb. Bergw.. Delsenkirch.Dergw. . Harpener 'Bergbau . Oberschles. Eisenb.-B. Oberschles. Eisenind. . Phönix-Bergb -Aki.. Bad. Anilin- u. Soda Höchster Farbwerke. Elektr.A.E.G Schuckert-Werke. . . Felten-Guilleaume . Daimler Sui).. Eisen».- Aki. , Adlerwerke 4'/» Hess.Staatsanl.

Elektron Griesheim.

2.8.

77, 50

181' 156,-

422'-

336'50

284, -

339,- 342,-«

273^

3. 8. 2.8. 3. 6.

77,50 77,50 77,50

78,25 79,33

76,90 68,80

71,20 71,-

170,- 170,

302,- 301,75

- - 263,- 262.50

214,- 21<- 187,25 188,50

164,EO 164,50

180,- 178,75 -154,12 155, - - - 530,- 534,- 404 - 409,50 405,- 414 - 419,75 414,- 625'- 640,- 631,-

333,- 330,- 283 - 284,74

900,- 899,50 >97, 404, - 408,- 409,50 339,- 341,- 341,75 331,- 343,75 334,50

295, - 280,75

, - 558,- 558,- 259,50 268, - 260, -

613,- 619,75

290,- 289,-

-,- 67,75 68.50 -,- 350,- 348,-

Markuoiierungeit

Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt:

Datum: 1.7.11. 2.7 3.8.

Zürich ... Fr. 125,0 7,32 7,35

Amsterdam Fl. 59,23 3,92 3,95

Kopenhagen Kr. 88,83 8,20 8,10

Prag Kr. 117,80 -,-

Stockholm Kr. 88,8) 6,05 6,

Wien Kr. 117,88 1194,- -,-

London Sh. 97,3) 5,24 5,22

Paris Fr. 125,40 16,- 15,75

Neupork I 23,80 1,21 1,20

Züricher Devisenmarkt.

3. 8. 4. 8.

Wechsel auf Schweizer Franken

Holland 100 FI. » 186. - 186.25

Deutschland 100 9J>1l = 7.40 7.375

Wien.........100 Kr. = 0.675 0.675

Prag .« 100 Kr. = 7.55 7.55

Paris ...... 100 Fr. = 46.94 46.45

London 1 £ => 21.70 21.70

Italien 100 ß. - 25.80 25.525

Brüssel 100 Fr. - 44.85 44.80

Budapest 100 Rt. 1.50 1-50

Neuyork 100 $ = 609.- 608.50

Agram 100 Kr. 340 3.30

Bukarest 100 L. ----- 7.60 7.65

Märkte.

Frankfurter Obst- und Gemüsemartt.

Frankfurt a. M., 3 Aug. Heute waren wieder große Zufuhren an Obst. Gute Qualitäten sanden zu hohen Preise glatten Absatz, während geringe selbst zu niedrigen Preisen unverkäuflich waren. Das Geschäft in Falläpfeln, welches die letzte Zeit gedrückt war, belebte sich, da bie Keltereien mit dem Ankauf beginnen. Die Preise dafür ziehen an. Der ©emüfemarft zeigt ständig große Knappheit. An auswärtigem Ge­müse war nur geringe Zufuhr von Weißkraut und Blumenkohl vorhanden. Gurken fehlten Zwiebelpreise steigend. Im Großhandel wurde

bezahl! Aepfel 1.20-3.00 Mk. Falläpse. 0B0 bis 0.75 Mi.. Birnen 1.50-3.50 Mt.. Mirabellen 4.00b.00 Mk . Reineclauden 3.505.03 Mk.. Zwettchen 3.804.30 Mk., Heidelbeeren X30 bis 3.80 Mk., Himbeeren 6.007.00 Bll., Tomaten 3.504.50 Mk.. Blumenkohl 7.50 Ml., Weißlraut 0.90-1.30 M!.. Wirsing 1.50-1.80 Mk.. Bohne« 3,00-4.00 Ml., Kohlrabi 0.701.23 Mt.. ®Jbc Rüdeb 1.301.80 Mk., Salai 0.60-18) Mk.. En­divien 1.20-2.03 Ml.. Rettiche 0.631.20 Alk., Einlegegl rken 0.300.70 Ml, Ealatgirlen 180 bis 7.00 Mk.. Kartoffeln 1.00-1.05 Mk.. Zwie­beln 1.10-1.30 Mk.

(In einem Teil der Auslage wi-7«ttholt.) Eine amerikanische Handelsabordnung in Deutschland und Frankreich.

Paris, 3. Aug. (WTB.i Ha a-v Minister­präsident B r i a n d empfing heute eine ameri­kanische Abordnung der internatio­nalen Handelskammer, bi: eben von einer Reise durch Deutschland zurückgekehri war unb gestern mit Dourner unb Loucheuc Besprechungen gehabt batte, bei denen nach Havas folgende Fragen angeschnitten tourben; Flü'si imachung der deutschen Schuld, Regelung bei Schuld. 1 und Sta­bilisierung des Wechselkurses in Mitteleuropa Die Abordnung besteht aus dem Präsidenten bei dtanbart Oil Company. Bedforb. dem trüberen Präsidenten der amerikanilchen '2Irbcit»Iainmer. Fashy, deren jetzigem Präsidenten, Defries und dem Direktor des Stahltrusts, Lamont.

Polnischer Terror.

Berlin, 3. Aug. Dlättermeldungen aus B e u t h e n zufolge deuten alle Anzeichen auf einen neuerlich bevorstehenden polni­schen Putsch hin. Der polnische Terror greift immer weiter um sich. Aus Rikischacht haben die Grubenbeamten vor dem Terror fliehen müssen. Auch in Gieschewal unb Icmow wurden die ^Deutschgesinnten von polnischen Banden zur Flucht gezwungen. Aus Laurahütte unb Ricolau werben Zusammenrottungen cbcma'igev 3nfur­genten gcmelbet, die schwere ®efa'yren für die deutschgesinnten Teile de. Bevölkerung befurchten lassen. Die zuständigen Kreiskontrolleure sind ein­dringlich aus die Vlurmzeichen im oberschlesischen Industriegebiet aufmerksam gemacht worden.

Rach einer Meldung desBerl. Lokalanz" aus Rybnik wurde der Marlscheidet-Assisteift Wrobel von als Onswehr fungierenden Insur­genten aus dem Werkkasino in Ober-Radofchau mit Gewalt herausgeholt unb auf bem Wege zum Rächt lokal erschossen. Wrobel wurde besonders deshalb von ben Polen verfolgt, weil er seinerzeit als Führer der Ortswehr sich nicht für die pol­nische Sache hatte kaufen lassem

Teuerung und Lohnerhöhung.

Berlin, 3 Aug. Die Hauptvorstände- Konferenz ber Deutschen Gewerkvereine (Hirsch-Dunker- erklären in einer Sntschlie bung. daß infolge ber anbauernden Steige­rung auf vielen Gebieten des täglichen Bedarfs, insbesondere ber in Aussicht stehenden Verteue­rung des Brotes, der Kohle, der Wohnung usw an einen Lohnabbau nicht gedacht werden könne, sondern daß vielmehr eine Lohnerhöhung im gesunden Verhältnis zur Steigerung der Preise notwendig sei.

38 Grad Celsius hn Schatten.

Karlsruhe. 3. Aug. Wie gemeldet n>uO. wurden gestern nachmittag in der Rheinebene 38 Grad Celsius im Schatten registriert. Die Trockenheit hält weiter an.

Griechischer Dormarsch auf Konstantinopel?

L 0 n d 0 n, 3. Aug. (WTB.) Havas. Rach der Daily Mall' sollen sich die griechischen Truppen in Thrazien in bedeutender Stärke angefammelt haben, um gegen Konstant« - nobel zu marschieren.

Revolutionsgerüchte aus Portugal.

Madrid, 3 Aug. (WTB) Havas Eins Depesche aus Viga meldet: Es grassiert das Gerücht, daß in Lissabon eine Revolution ausgebrochen sein soll unb bie Armee vorsorg» licherweise strategische Stellungen eingenommen habe. Eine Depesche, bie direkt aus Lissabon stammt, betagt, daß alle Vorsichtsmaßnahmen in dieser Stadt getroffen worden seien und daß man Truppen aus ben verschiedenen Provinzen kommen lasse. Die Depesche fügt aber hinzu, daß in ber Stabt Ruhe herrsche, tote, übrigen? auch im ganzen Lande. In Lissabon würben alle Truppen zurückgehalten.

Im Flugzeug über den Rordpok?

Was hing ton. 2. Aug. (Havas.) Der Phy­siker Raulty beabsichtigt, im nächsten Monat den Rorbpol mit einem eigens dazu erbauteg Aeroplan zu überfliegen, dessen Gelchwindigleck auf 100 Weilen bei 53ftünbiger ununterbrochene Fahrt geschäht wird. Raulty wird drei 'Begleit« mitnehmen.

Die Rothersteins.

Roman von Erich Ebenste in. Copyright 1919 by ©reiner & Eomp.. Berlin W 30. 23- Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Später, wenn Hampe den Fürsten im Part floateten fuhr, ging Do plaudernd nebenher, und an schönen Tagen wurde dann der Kaftee in einem rosenrot gestrichenen Gartenhäuschen ein­genommen, vor dem zwei wunderschöne schattige Kastanien weißlackierte Gartenmöbel überwölk.en. Die Abende verbrachten beide Mädchen stets beim Fürsten, teils musizierend oder Karten spielend. Den Schluß bildete dann stets eine Schachpartie zwischen dem alten Herrn und Do, die seinerzett viel mit Pfarrer Andermatt gespielt hatte und dem Fürsten eine ebenbürtige Gegnerin war.

Diese Tageseinteilung blieb auch so ziemlich bestehen, feit Mamsell Dender ihren Einzug ge­halten hatte. Denn obwohl diese offiziell alle Obliegenheiten ihrer Vorgängerin übernommen hatte, stellte es sich doch schon am ersten Tage heraus, daß sie gewisse Ressorts ignorierte.

Sie erschien weder in der Milchlammer noch in der Gärtnerei zur befrimmten Stunde, und wäre Do nicht aus alter Gewohnheit zeitig auf* gestanden, so hätten Mägde und Gärtnerdurfchen wieder nicht Bescheid gewußt. Aber Do liebte feit jeher die kühle tauige Frische des Morgens und hatte beschlossen, von nun an wieder aus­giebige Morgenspaziergänge zu machen. Da sie nicht mehr bei Hertha schlief, sondern ein eigenes Gemach neben deren Zimmer bewohnte, konnte ihr Frühaufstehen auch niemand stören.

Am Morgen nach Fräulein Denders Eintritt nun wollte sie eben ihren Spaziergang antreten;

sie schlug dabei halb aus Reugier, halb aus Ge­wohnheit den Weg über den Wirtschaftshof em. Sie hatte am Abend zuvor der Mamsell erflärt, was sie zu tun habe und wollte sich nun im Vor­übergehen überzeugen, wie diese ihre Sache mache.

Aber Mamsell Bender war nicht zur Stelle. Rur der Meier, der laut scheltend im Hofe stand, aber sofort eine freundliche Miene aufsetzte, als er Do erblickte.

,Ru, da haben wir's ja!" sagte er. »Es bleibt einmal 'wahr, daß selten etwas Besseres nach- kommt. Die Miller war schon nicht viel wert, und die Qleue jetzt scheint noch fauler."

Aergern Sie sich nicht, Meier." sagte Do lachend,es tut ja nichts. Ich werde die Sache er­ledigen, und die Mamsell wird ja gewiß gleich erscheinen."

Aber sie erschien nicht. Am folgenden Mor­gen wiederholte sich die Szene, nur daß die Mam­sell doch da. wenn auch erst eine Stunde später und noch unfrisiert im Morgenkleid erschien. Als sie sah, daß die Milchkannen bereits plombiert auf dem Wagen standen und ein Gärtnerbursche eben unter Dos Aufsicht eine Ladung Gemüse daneben verstaute, entschuldigte sie sich verlegen.

,Ich hatte bis Mitternacht für die Komtesse zu nähen, die eine Toilette geändert wünschte. Es ist auch zu viel, was da alles von mir ver­langt wird! Den ganzen Tag auf den Deinen, die halbe Rächt nähen, und dann soll man schon wieder um vier ülhr im Stall flehen! Wenn die Herrschaft an so viel Bedienung gewöhnt ist, und die Komtesse schon keine eigene Jungfer haben

will, sollte man wenigstens hier eine Wirischaf* terin anstellen!"

Do muhte ihr im stillen beipflichten. Anne­liese, die mehr als alle andern im Haus an per­sönlicher Bedienung beanspruchte, nahm wirklich wenig Rücksicht auf die gegebenen Verhältnisse.

Wenn es Ihnen recht ist, Mamsell,'" sagte sie freundlich, .so wlll ich gerne Ihre Verpflich­tungen hier auf dem Wirtschaftshof übernehmen. Die Milchwirtschaft interef.iert mich, und das Frühaufstehen macht mir gar nichts, denn ich bin es von Kindheit an gewöhnt."

.Aber was werden die Herrschaften dazu tagen?*" wandte die Mamsell zögernd ein, obwohl ihre Augen freudig aufleuchteten bei dem Vor­schlag.

Es braucht gar kein Mensch von unteren Ab­machungen zu erfahren. Früh schläft ja ohnehin noch alles, und nach Tisch, wo ich das Buttern zu überwachen habe, halten sie Siesta. Riemand wird sich darum kümmern, ob ich spazieren gehe oder in der Milchkammer bin."

älnter diesen Umftänben nahm die Mamsell danlend an uno wirtschaftete von da an fcergnTiqt nur im Schloß herum. Sie klapperte vier nut ihrem Schlüsselbund, huschte geschäftig treppab und -ab, deckte zu den Mahlzeiten sehr zierlich auf und schmeichelte sich durch ihr geschmeidiges Wesen besotrders bei Anneliese sehr ein.

Do tarn es erst nachttäglich zum Bewußtsein, daß sie eigentlich furchtbar unbesonnen gehandelt hätte. .

Sie wollte ja doch gar nicht tn Grafenegg bleiben, sondern nach Monrepos zurück! Und da legte sie sich in aller Gedankenlosigkeit nun selbst ein Retz über den Kopf, was lle a» a=-^iegg

fesselte! Richt nur. daß sie Onkel llbatb an viele« gewöhnt hatte, das er nun nur schwer wieder entbehren würde, lud sie sich dazu auch noch feste Verpflichtungen auf, der Mamsell gegenüber.

Seltsamerweise fühlte sie sich aber durch diese Inkonseguenz nicht sehr bedrückt. Das süße, po­etische Traumleben in Monrepos schien ihr näm­lich gar nicht mehr so begehrenswert, seit sie eine s^ste Tätigkeit kennen gelernt hatte.

Die Tage wurden so kurz und köstlich dadurch» Es war ein wundervolles Gefühl, andern nützen zu können und etwas zu leisten!

Auch war es ja gar nicht so schlimm geworden aut Grasenegg, wie sie anfangs dachte. Ignorierte sie auch Anneliese, und fühlte sie instinktto die Abneigung ber Gräfin, so hatte sie doch auch nun hier Herzen gefunden, die ihr gut waren. Die Kinder hingen an ihr, Hertha hatte sie Heb, und Onkel llbalb erst recht, wenn es auch nicht tn seiner Ratur lag, es direkt auszusprechen.

12. Kavitel.

Rüdiger kam statt .Montag oder Dienstag" erst Ende der nächsten Woche zurück. Er kam auch nicht mit Magelone, sondern allein.

Magelone sei noch inaner krank, sagte er kur; Ein hartnäckiger Katarrh, der ärztliche De» Handlung e-. fordere, zwinge sie, wie sie ihm er­klärt habe, noch 'eurige Tage in Wien zu bleiben.

Anneliese, die fett Sonntag, wo sie vergebens auf Rittmeister von Wendlohs Kommen gewartet hatte, beständig in gereizter Stimmung war, fragt! spöttisch:älnb die liebe Tante Tllrike? Sie isi natürlich kerngesund?^

-Ja, ich glaube," antwortete Rüdiger zer­streut.

s Fortsetzung folgt)