Ausgabe 
4.5.1921
 
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Nr. 103

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Erster Blatt

M. Zayrgcmg

Mittwoch, 4- Mai 1921

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dntd und Verlag: vrShl'sche Univ.-Vuch- und bteindruckerei R. Lange. Zchriftleilung. Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulstratze 7.

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verhinderte Verschlechterungen, neuever- besserungcn am Einkommensteuergesetz.

Don Finanzminister a. T. Becker, M. d. R.

Unter oben stehender lieberschrift geht burrf) die foAialbcrnnfratiirfK Presse ein Aussatz des mehrheitssorialbcinokratischen Abgeordneten Keil, der den Nachweis versucht, die Rechtsparteien unter Führung der Abgeordneten Tr. Heljserich und £r. Becker hätten die Novelle zum Einkommen­steuergesetz zum Anlaß einer allgemeinen Ent­lastung der großen Einkommen benutzen wollen, dieser Plan sei aber von der sozialdemokratischen Fraktion erheblich durchkreuzt worden

Ueber die m i r t s ck a s t ' ck ä d i g en o e n Wirkungen der Erzbergerschen sogenannten Steuer-« rcfjrm oeftehen unter denen, die von wirtsckafllicken Tingen auch nur einige Sachkunde besitzen, obne Rücksicht aus ihre parteipolitisck;e Ueberzeugung. heute keinerlei Meinungsverschiedenheiten mehr Wer sich bemüht, diese Steuergesetzgebung in ,hren Sröbsten Fehlern zu verbessern, dars des Tankes er Wirtschaft und der an ihrem Gedeihen inter­essierten Kreise, mögen sie Unternehmer oder Ar­beiter sein, gewiß sein. So wie cd aber Menschen gibt, die zu gewissen Zeiten weiße Mäuse sehen, so sehen gew fse politische Richtungen, deren Ziele allerdings die Erzbergersche Steuergesetzyebung be­wußt ober unbewußt färbert, auch hinter dem Nkrmloststcn und vernünftigsten Verbesserungsver- such das Bestreben einerallgemeinen Entlastung der großen Einkommen". In Zentrum und Temo- kcafte finden sich solche Steueröolitifer nur noch in wenigen ausgewachsenen Exemplaren, da diese Parteien im letzten ^alytc doch manches hinzu- ?!elernt haben; die Lozialdemokratie aber steckt riber auch heute noch voll solcher Scheuklappen» Politiker, unb nach dem oben erwähnten Artikel zu urteilen, ist deren Zahl leider noch nicht in Abnahme begriffen.

Tie Do schlage der Regierung zur Aenderung des Einkommensteuergesetzes enthielten nennens­werte Verbesserungen des geltenden Rechts über­haupt kaum; die verabschiedete Novelle bringt deren dank der verständigen Zusammenarbeit der Regierung unb ber bürgerlichen Parteien auf Initiative der letzteren eine ganze Reihe. Erwähnt seien davon nur die Herabsetzung der Steuersätze für die Einkommen unter 103 000 Mark, die Heraufsetzung des Betrags, der für die Familienangehörigen vom Einkommen als steuer­frei abgezogen werden darf, die Schonung oer Kleinrentner, die Vorbereitung ber Aus­gestaltung des Lohnabzugs zur Lohnsteuer, bie Vereinfachung des Lohnabzugs selbst (allgemeiner Abzug von lOPrvz. statt der seitherigen Staffe­lung), die vernünftige Regelung der A b s ch r e i - bungssragen, die von allen wirtsckiastlich interetfierten Kreisen verlangte unb aus wirtschaft­lichen Gründen bringend notwendige Zulassung der steuerfreien Sitbung von Rücklagefonds, die Förderung des Kleinwohnungsbaues durch steuerliche Vergünstigungen, unb anbered mehr, alles Tinge, die durch Anträge oder durch Mitarbeit gefördert zu haben, ich mir allerdings zum Verdienst anrechne.

Zu ber Kritik unserer Tätigkeit ber Verab­schiedung ber Novelle, wi? sie ber sozialdcmokra- til'die Ärtffel bringt, möchte ich folgenbed bewer­fen: 1 Gewinn e aus Beränßerungs- Geschäften. Tos geltende Recht ertiärte alle Gewinne aus einmaligen Beräußerungsgcschäften au Einkommen und machte sie damit einkommeit- Itruerpflichtig Wenn al;o emand z B ein Grund­stück. einen beme-ftilheii Gegenstand ober ein Wert- ixtvier veräußerte, unb batet einen Betrag erzielte, der über den einerzeitigen Ansckxrfftinqsprcis hin- auSging. hätte er bäumt, Iran nid>t eine eer eng- begi ersten yeefcHdien Ausnahmen gegeben war, Einlommensteuer leahlen müssen. Mein vernünf­tiger Mensch w.rb aber von Ausnahmefällen abgesehen eft'Ln Klären Mehrerlös als Ein­kommen betrachteit. Er ist im allgemeinen 9kr> mögms.n mng und kann durch kein Steuer griev ymi Ei ttomwen umacftiemvelt raerben. Wem: man sich im Laufe ber Der Handlungen im Steuer aus schuß des Reichitagcs dazu entschlossen hat, unter Freigabe aller übrigen einmaligen Gewinne bie Spekulationsgewinne in der Steuer pflicht M belassen, üo ist dies ein Ausweg der zwar r.'vu- <dren Ströimrngen Rechmmg trägt, aber gerade weg eit« ber auch in dem 'o,iab>emo lratischen Artikel erwähnten SdarncrühCiten bei ber Auslegung des Begriffs ,,Sp.'Vulrrionsgewiim'' bie größten Lbenfcit har Ob femanb aus Svekulationsgründ m lauft ober verkauft, kann schließlich nur er selbst wissen, eine Kontrolle ber Richtigkeit seiner An­gaben da.über rorrb indes auch dem findigsten Steuerbixmren nur in den seltensten Fällen mög­lich sein Unörnitrodicrbare Steuervorschriften aber erziehen tet Steuerzahler geradezu zur Steuer- hintcrzielmng unb sind bcsbalb bas schwer,« Uebd. Tes!xt. b laben auch bie la.be5redn!iten ähnlichen Vorschriften niemals betonteren Anllmig auch nickt einmal bei den Steuerbehörden selbst gefunden, ihr finanzielles Ergebnis war gering fügig, die moralisckie Sdübtgintg dagegen, die sie zur Folge hatten, war groß.

2. Tas Ei wmmemteuerae etz und auch die Novelle dazu haben mit dem alten guten Grund'atz b.*r Besteuerung nach dem durchschnittlichen Einkommen aus mehreren vergangenen Jastrcn gebrochen und dafür die. Besteuerung nach dem Einkommen eines Jahres cütgcfübrt. xamit vt an sich ber sllusglei zwischen gutem unb ichlechten Jahren in der Besteuerung nicht mehr möglich. Tie bürgerlichen Parte'en haben deshalb einmütig bei dito iien. den ernxrg.n Ber.lu't wenignens eine? Jahres auf ben. Gewinn des nächstfolgenden Jahres anred;nen zu lassen. Es bleibt das in. E. ehr zweifelhafte Verdienst der Soziatdemotratic, diesen vernünftige.i Ausgleich zwischen Verlust- und Gcwinnjahren dadurch verhindert zu haben,

regen der Oberschte-

ges erwartet.

interalliierten Regierungskommission heben.

Die Antwort 2Imerifa$.

Berlin, 3. Mai. (Wolff.) Ter amen* kanische Geschäftsträger Dresel überreichte heute mittag 12 Uhr dem Minister des Aus- wärtigen folgende Antwort der Ver­einigten Staaten:

Die Regierung der Bereinigten Staaten hat das Memorandum betreffend die Repa­rationen erhalten, das Dr. SimonS dem Kom­missar der Vereinigten Staaten am 24. April übergeben hat. Zur Antwort erklärt die ame­rikanische Regierung, daß sie sich außer­stande findet, zu dem Schluß zu gelangen, daß diese Vorschläge eine für die alliierten Re­gierungen annehmbare Grundlage der Erörterung bilden. Indem die amerikani­sche Regierung daher wiederholt ihren ernsten Wunsch nach einer raschen Regelung dieser Lebensfrage ausdrückt, legt sie dec deutschen Regierung dringend nahe, sofort den alliier­ten Regierungen unmittelbar klare, bestimmte und zweckentsprechende Vorschläge zu machen, die in jeder Be- zichung ihren angemessenen (just) Verpflich­tungen gerecht werden.

KabinettSrat in Berlin,

Berlin, 3. Mai. (Wolfs.) Heute nach* mittag 3 Uhr tritt das Kabinett zusanv- men, im Laufe des morgigen Nachmittags der auswärtige Ausschuß des Reichstages. Eine Mitteilung über das Ergebnis der Londoner Konferenz wird im Laufe des Ta-

Lqanberen Erfolge erzielt Hat Tie Zahl ber bi- durch gefckaf euen Kleinwohnungen ist nickt Ü. er­mäßig grotz, eher ist eine Verteuerung des Bauens zu neryidTtcn. Unser im Wohnung:- unb im Sleueraussckxutz gestellter Antrag, Einkommens- :ele, die zum K.einwolhnungs^au verwendet w.r- ten, steuerfrei zu lassen, bat bestell' bei allen

benufratic hat natürlich dagegen yesp ochen u b gestimmt, weil bie Stwerfrsth.il io dem Unte - nehmer zugute komme! Taß ben Vorteil der Wo- - nungsgeleaenheit überhaupt und vor allem der lilligcn Wohnung dock ber Arbeiter hat, überiab sic dabei anschei.iend Auch ein Btisp et arbeitet freundlicher Politik! Tatzllne irohve; bnen Kau tclen, die dabei vorgesehen fti b, dem Truck te. sozialdemokratiickVt Fraktion zu rerdanken sei. 11 im wesentlichen geflunkert.

Was der Arftkel im übrigen noch bezügftd) emifiner Vergü istrgui'gcm enthci t, 11 so zi-m von allen Par'reien des Reichstages leschlos e'i worden. Vicl.eicht aster hätte es doch di' teTiinität verlangt, irenn Derr?eff biiam Tut* merksam gemacht häkle, da,; die Überlastung b? Lohn- unb Gdhaltseinvommen, von ber er svri.i t, den holten S euersätzen zu verbau len ist. bi: er vor einem Jalwe mit allen seinen Freunden von ber alten Koalition beschlossen hat, unb bi 11 nicht nur bie letzt Gesetz gewordenen Ermäßiiduiigen von uns beantragt warben, sondern daß tch als Erster im Reichstag daraus hingewiesen labe, ditz insbesondere Beamte und Arbeiter die großen Nach­zahlungen. die ihnen der alte Taris am Ei d' des Jahres 1920 noch zugemutet t)ät:e, unter feinen Umständen würden tragen können, dak für sie deshalb eine besondere Entlastung notwendig sei.

Don den stolzen Schlußworten, die ber Ar­tikel der soziasdemokratisd?en Pre'se für ihre Frak­tion findet, ist nur das Eine ri htig. diß das Ver­halten der Kommunisten noch unvernünf­tiger war, als das der Mehrbeitssozia demokratre. Ob das deutsche Wirtschaftsleben in b alle lerne Faktoren, Unternehmer und Arbeiter, mit ber An­beit ber Linken mehr einverstanden ift, als mit den Erfolgen seinerGeschäftsführer Helfterrck, Becker und Genossen", mag es selbst entscheiden: was die Novelle Gutes bringt, haben bieJeGe­schäftsführer", zu denen im Interesse der Wahr­heit aber auch noch die Zen tru mswirtscchi ft! er t e n Hompel gezählt werden soll, in ernster Arbeit beantragt unb durckigesochten. Tem meisten daran haben die Herren Keck und Genossen afT'r Rich­tungen widersprochen. Tas eine ober andere ver­nünftige, was wir außerdem wallten, haben sie freilich leider noch verchrndern Simen Tie Ver­besserung der Erzbergetschen Steuergeetzieb-ing ist mves auf dem Marsch, unb auch Herr Keil imrö sie weder mit cinfeiiti gefärbten -Zeirungsartfteln, noch mit Reden im Parlament aus'die Dauer so wenig verhindern können, wie die 'Entci te etwa die aus dem Wege befindliche Wahrheit über unsere Schuld am Kriege.

neuen Vorgänge und Unruhen in fien unternommen. Die deutsche Regierung wird sofort weitere Vorstellmtgen bei bei

Der deutsche Vertreter bei der interalliierten Regierungslommission hat die ernstesten Vorstellungen wegen der

Die polnischen Unruhen.

Beuthen, 3. Mai. (Wolff.) 3 Uhr nach­mittags. Die Lage in Beuthen ist un-- veränoert. Der Bahnhof ist von einem starken Aufgebot französischer Infanterie mit Ma­schinengewehren besetzt. Auch im Rathau.se liegt eine stärkere französische Wache. Der Fernsprecher kehr nach Ratibor, Rybnik, Mys- bowitz und vielen anderen Orten ist dauernd unterbrochen. Der Verkehr über das Ab­stimmungsgebiet hinaus ist von den Behörden gesperrt. Der private Fernsprechverkehr ist vielerorts untersagt. Aus der UmaegeNd der größeren Städte kamen Den gan­zen Vormittag über zahlreiche deutsche Flüchtlinge an. Die deutschen Plcbiszit- wmmissariate bemühen sich um ihre Unter­bringung und Verpflegung. Bei einem um 1 Uhr nachts begonnenen, mehrere Stunden dauernden Feuergefecht zwischen etwa 300 Insurgenten und den im Orte statio­nierten Apöbeamten in Miechowitz wurde ein Polizeileutnant erschossen. Die Apöbeamten mußten der Uebermacht weichen und wurden entwaffnet. In Beuthen sind die Mittags­blätter heute in kleinem Umfange wieder erschienen.

Berlin, 3. Mai. (Priv.-Tel.) Nach einer Meldung desTageblatts" aus War­schau wird von dort durch Ertrablätter eine Note Kor fanths veröffentlicht, die gegen den angeblichen Vorschlag der Ab­stimmungskommission vrotestiert, der Polen die Kreise Rybnik und Pleß und Teile von Kattowitz zuweisen will, und worin es weiter heißt: Die Kommission trage nun­mehr die Verantwortung für alles weitere, wenn die polnischen Oberschlesier sich in chrem Vertrauen getäuscht sähen. Mauer- anschläge in äußerst gehässigem Tone Hingen in den Worten aus: Die Diplomatie ver­sagt, darum auf zu den Waffen.

wissen, wem er es verdanken hat, toeim er in einem ber folgenden Jahre and) ben bescheidensten Gewinn, den ihm bann vielleicht b-f Wrnbau riimtal zufällig abwirft, ohne Rücksicht auf noch io große Verluste früherer Jahre versteuern muß

3. Tie Steuerfreiheit ber Beiträge für politische Zwecke war geltendes Reckt und würbe bamit begründet, daß ja auch bie Beiträge an hie (Gewerkschaften steuerfrei seien. Ich selbst habe mit einer Reihe meiner Freunde gegen sie gestimmt, weil ich weiß, baß die Bestimmung von ber Sozialdemokratie zu agitatorischen Zw.'ckeri ausgcbeutet wurde.

4. Tie steuerliche Behandlung der e i n m a l i gen Einnahmen war bet der Beratung des alten, wie des neue r Gesetzes sehr umstritten. A,le Ver­suche, eine einwandfreie Lösung dieser Frage zu finden, haben bis setzt lieinen Erfolg gehabt. Gerade mit Rücksicht hieraus habe ich selbst empfohlen, es bei dem gdteilten Recht zu belassen. Befriedigend ist duch das freilich nickst. Fehler und 'Vorzüge der bermaligen Reglung treffen aber in gleichem Maße große und Keine Einkommen.

5. Tas 1920er Einkommensteuergesetz schrieb dank ber vortrefflichen Arbeit der alten Koalition, unb ihres Führers Erzberger vor, baß bas Eiw- kommen des Jahres 1920 'owohl rn 1920 wie in 1921, b. h. also zweimal besteuert werben sollte. Bei ber .außerordentlichen ftar'Jen Erhöhung, die gerade bas Einliommen der Arbeiter und ber Be­amten im Jahre 1920 erfahren hatte, wäre die doppelte Besteuerung dieses hohen Einkommens für beide Berufsgruppen eine nette Besckierung geworden. Taß unsere Bemüh­ungen babinn in gen, biefe doppelte Besteuerung tz-u beseitigen, wird jeder einsichtige StcuerjaMer unb werden vor allem Arbeiter unb Beamte begreiflich finden. Hätte man bas System des 20er Einkom­mensteuer ge'ctzes, stets das Gintbmmm des vorher­gehenden Ialnes zu besteuern, beibehtckteu, so halte man für bas Jahr 1920 das Einkommen des Jahres 1919 herwi-ziehvi Müssen: da dies solange nack>träglick aber nicht ober nut schwer feststellbar ist, blieb nichts anderes übrig, als vorjuscklagen, als AushilfSmittel ben Durchschnitt des .Einkom­mens ber Jahre 1918 und 1920 ccks vermutetes Einkommen 1919 ber Besteuerung in 1920 zu­grunde zu legen. Un'er Vorschlag wäve in gleicher Weise den se bständigen Bst rieben, wie ben Lohn- unb Gel^rltsrMpsäiigcm zugute gekommen. Nach- d-m wir selbst in der Novelle bie Bestenenmg des Einkommens des laufenden Jahres ausgenommen lraben, war die Gefahr der doppelten Hemnziehung des Einlommens eines Jahres beseitigt unb man brauchte zu jenem Aushilfsmittel nicht mehr zu greifen.

6. Ten vernünftigeren, Ausbau dn Vorschriften über Abschreibungen redjnen wir uns frei» lid; zum Verdienst an. Solange Abschreibungen für hi?n Bersckileiß der Betriebsmittel usw. nicht gemacht sind, ist doch überhaupt kein Einkommen vorhanden. Taß man überdies bei den gewaltig gefleigcrtt.i Kosten für alle Betriebsmittel aus benr Einkommen die Beträge steuerfrei muß zurück­stellen können, die demnächst notwmLig sind, um beim Unbrauchbar werden von Maschinen und son­stigen Betri'bsnritteln Ersatzbeschaffungen vorzu­nehmen, bedarf für jeden, ber wirtschaftlich tzu beulen vermag, feiner besonderen Ausführung. Eine Maschine, die noch wahrend des Krieges für 10000 Mark »u befdiaffen war. kostet heute 100 000 vielleicht auck 200000 Mark. Ab geschrieben bars nur werben bis zum ursprünglichen Ansckafsungs- wert von 10 000 Mark. Woher ,'oll nun ber kleine unb mittlere Gewerbetreibend ober Lanbwirt bie Mittel »u iotdier Ersatzbeschaffung nehmen, wenn cs ihm nicht gestattet ist, lckljahrlick ent'prechende bc'onbere Rückstellungen zu machen, wmn ihm viel­mehr umgekehrt das Reick «ckljährlick einen großen Teil seiner Betriebs-ümahmen twgireuert? Tie von uns burchgesetzte Zulässigkeft der ftcuerfrrien Rücklagen für ioldje Ersatzoesd>arrung kommt ge­wiß auch dem Großbetrieb »ugut, bicer konnte sich aber immer noch leichter auch auf andere Weise Helfern Tie neue Vorschrift wirb deshalb vor allem gerade dem Mittelstände zugute fom= men unb bedeutet gerade in den schw.nen roirt- sckaftlicken Zellen, vor denen wir unmittelbar stehen. Mittrisrandssüriorge tm besten Sinne des Wortes. Was die Sozialdemokratie erreicht bat, ist ber Gipfel ber Unvernunft. Tie Befristung bei Vorschrift auf 5 Jahre ist entweder unffraüg: kommen wir innerhalb dieser Frist nickst zu einem Preisabbau, sondern sind dann die Kosten für Er- 'atzbeschaffimg noch ebenso verteuert wie jetzt, dann inb auch die fteuerrrcxit Rücklagen noch ebenso not­wendig; ober aber überflüssig: ist bis dahin der erhoffte Preisabbau eingetretei, bann gibts feine Mebrivsten für Eriatbesckaffu"a mehr, unb bie Vorschrift würde ohnetr?s rur noch auf " cm Pap er stehen. Ebenso unvernünftig ist b.e Bstchränkung ber Vorschrift auf die natürlichen Personen, da für bie juristischen Personen Slkriengriellschaftcn usw ), unter benen es doch insbesorckere in Zriten sin ci- ber Konjunrtur auch kleine Steuerzahler gibt, solche ftiückstelllingen wirtschaftlich ebenso notwendig sind wie für die physischen Parianen.

7. Am eigenartigsten ist bte Haltung ber So- Aialbcmjtrarie gegenüber der neuer.itc.i Vergün­stigung für bei Kleinwohnungsbau. Me Welt, einschließlich ix:r saztaldemv.ratte, ist lick hinüber einig, ditz bi: sefthe-tge WohTnrngspalitik des Reiches mi; ber Gewährung von lieber» teuerungszuschüssen und anderen Mitteln feine

daß sie selbst geschossen bagegen stimmten und einige wankelmütigeMänner" aus Zentrum unb Demokratie mit zum Umfall veranlaßten; unter­stützt würben sie dabei, wie besonders betterg-> hoben zu nrrben verdient, birrd) txm Reicvsfinan^ Minister feibft. Wenn also demnächst schleckste Wein

Oppeln, 3. Mai. (Wolffst Heule früh 2 Uhr wurde die Lorflntbrücke zwisck)en Oppeln und Sckgepankowitz in die Luft ae^ sprengt. In der Stadt Oppeln wurden zahl­reiche Scheiben zertrümmert.

Beuthen, 3. Mai. (Dolsf.) In der vergangenen Nacht iintrbc der Direktor der Preußengrube in Misckwwitz, Kox, von den Aufruhrern erschossen. In Zabrze-Nord lind Zaborze wurde Die Apo gezwungen, die Waffen niederzulegen. Der Ort Hinden­burg selbst ist durch fraitzösische Truppen geschützt. Der Kreis ist in polnischer Hand. Die Stadt Lublinitz und die Stadt Hielt im Kreise Groß-Strehlitz werden belagert.

Tarn oWitz, 3. Mai. (Wolff.) Bereit­ste stern libend 11 Uhr wurde hier bekannt, daß die Polen aus ber Umgegend versuchen würden, sich genxritfam in den Besitz ber Stabt zu setzen. Um 1 Uhr Nachts rückten auch bewaffnete Banden au- den um­liegenden Dörfern in die Stadt ein. Die angreifenden Polen wurden jedoch von ben Apöbeamten und den Beamten der städ­tischen Polizei zurückgetvorfeit. Erst in der fünften ^Norgeustuude begann das franzö­sische Militär, Kavallerie und Infanterie, bat Ring zu säubern. Dabei wurden den Polen eine größere Anzahl Waffen abgenommen, die Waffenträger jedoch wieder freigelassen. In der Stadtverordnetensitzung wurde vor- mittaas beschlossen, sofort eine Deputation zum Kreiskontrolleur zu entsenden und ihn tum Schutz zu bitten. Da einem Polen namens Nowak wurde eine größere Anzahl Waffen und Munition gefunden. Nolvak ist seit heute flüchtig.

Maßnahmen der interalliierten Kommission.

Oppeln, 3. Mai. (Wolff.) Die inter» alliierte Kommission teilt mit: Die inter­alliierte Regierungskommission ist fest ent­schlossen, die Ordnung unbedingt aufrecht zu erhalten. Sie hat infolgedessen in voriger Nacht den Belagerungszustand über die Kreise Beuthen Stadt und Land, Pleß, Kattowitz Stadt und Land, Rybnik, Hinden­burg, Tamowitz und Ratibor Stadt und Latch verhängt.

TerTcmps" über Lberschlesien.

Paris, 3. Mai. (Wolff.) DerTempS^ schreibt ju dem Gerücht, man wolle sich in London and) mit ber obers chlesischen Frage be­schäftigen, man müsse babei in Bettacht ziehen: 1. wenn man im Begriffe stehe, möglicher weise das Ruhrgebiet als Pfand,u besetzen, bad jährlich 80 Millionen Tonnen Kohlen fördere, bann müsse man sich fragen, ob bas ber geeignete Augenblick sei, um Teuftcklanb Oberschlesten freizugeben, bas 35 Millionen Tonnen Kohlen probuziere. 2. Wenn bei ber Teilung Oberschlefiens nicht bie polnische Arbeiterbevölkening befrell werbe, bie um keinen Preis zu Teuft'chlanb zurückwolle, bann müsse man sich auf einen Aufstand gefaßt machen. Ter Gene­ralstreik sei schon verkündet. Französische Sol­daten aber würben schwerlich auf Polen schießen, um sie zwangsweise wieder zu deutschen Untertanen zu machen.

jähre oder niedrige WeiTtpreife kommen, die den rhrinhefsifckxm Win-er im einzelnen Jahre mit i Wohnungspolitikeni im Reickzs tag und au6arra:b Deriust arbeiten lassen, so wirb er banach wobl desselben Zustimmung gefunden. Tie Sozia -