Nr. 258
Dr Lietzener lejeteer ertetinl taglid). außer Sonn, und Jeiertags. ®ona?li*t9ei«a«Ff fe: tJlh 5.50 einteL Troger- lohn, durch die 'Poft SLll emfchl. Bestell- Geld, auch beiJlteterteef Ben einzelner Nummern bfolge höherer (bemalt F.rnprech-LnteUlste: f£ir6ie5d>rift(ehung 112; ffir Druckerei, y er lag und U>eid)«i|ufie(Ie 51 gnterift für Drohtnach- richt"' Hnjeiger Äiefje«.
PoUfdjedfonie: $ranfturi o. M. 11686.
Erstes Blatt
m. Zayrgcmg
Donnerstag, 5. November 1921
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
druck und Verlag: vrvhl'fche Univ.-Vuch- und Sleindruckerei R. tauge. Zchnftleltung. -efchäftrftclle und Druderet: bchulstratze 7.
Annahme ton Injeiett für die lagetnummer bi« um fRachm ttag porber odnejedeDerbindUchkkit Srttt für l mm Qbbe für njeigeno 34 mm Breite örtlich 55 Pf, ausmart» 65 Pf.; für Neklame» Anzeigen pon 70 mm Breite 250 Vi. Bci Platz« vorfchnft 20 Muftblag. Hauptschristleiter: Aug. u och Derontwörtlich
für Politik. ?Iug. Goey; Tür den übrigen Teil: Aarl IBalther; für dem 2lnjelgenteil; Han» Beck, fdmthd) in Giestett
Was wird in Washington?
Das wird, die so feierlich angekündigte und nur unter sehr arosten Schwierigkeiten zu- sammengib fl-fre ,Ab.ü tung'kon'c.cn^ br'n- den. Deren Eröffnung auf den 12. Ändernder festgesetzt ist? Die Firma, unter Der sie geht, ist eine falsche. An Abrüstung denkt keine der teilnehmenden Mächte. Nicht einmal Präsident Hardlng, der die Einladungen verschickt bat; Denn er will sich mit einer Rüstungsbeschränkung begnügen. Drei Punkte stehen auf dem Programm der Konferenz, nämlich die pazifische Frage, zweitens die Begrenzung derRustungen, und drittens die Aufstellung neuervblkerrechtlicher Grundsätze für bte Kriegführung.
Punkt 1. die Beilegung Der Differenzen zwischen Japan undAmertka im fernen Osten und parallel damit die Regelung der Beziehungen Großbritanniens zu diesen beiden Mächten, war Der Anlast zur Einberufung Der Konferenz. Der Schachzug Der smarten DankeeS ging dahin, die reichlich unbequem werdende politische und wirtschaftliche Konkurrenz Japans mit Hilfe des angestreblen angelsächsischen Konzerns einzutämmen. Aber in Tokio Durchschaute man dies Spiel, stellte seine Dorbedingungen und verlangte aus dem gleichen Grunde eine Erweiterung des Konfe- renzprogrammS, wobei man die Cekundanten- dienste Englands, das ja fürs erste noch der Bundesgenosse Japans ist, erzwang. Den Erweiterungsgedanken griff besonders Frankreich, das sich zurückgesetzt fühlte, mit Wonne auf. und als so aus dem Washingtoner Konzil eine Konferenz der Alliierten wurde, setzte auch Italien die Einladung durch. Die fünf alliierten DrostmLchte werden also unter sich sein; Denn Die Vertreter Chinas. Belgiens und Hollands sind nur zu den Verhandlungen über die Frage des Stillen Ozeans gnädig zugelassen. Die anderen Mächte sitzen tm Parterre, vor allem auch Deutschland, das ja. so meint man wohl in Washington, nicht mehr ab- rüsten kann, und ebenso Sowjetruhland, obwohl dieses fhyoeben durch sein Scbnlden- anerkennungSanfWM in empfehlende Erinnerung gebracht hat.
Die aus Washington lancierten Meldungen. dast man sich mit Tokio Im Grunde genommen vorher über die pazifischen Streitfragen geeinigt hätte, haben sich als Humbug erwiesen. Japan strebt offen Mo Herrschaft (iber Ostasien an. wobei seine durch die lieber- völkerung bedingte ErpansionSkraft das treibende Element darstellt. Vor allem beansprucht es die uneingeschränkte Herrschaft über die Märkte Chinas, wo es gern eine Art Protektorrat errichten möchte, während Der Staatssekretär Huches soeben erklärt hat, daß „die erste Voraussetzung für eine friedliche Entwicklung im Stillen Ozean die Anerkennung deS Prinzips der offenen Tür In China" fei. Wenn Japan sich über diesen Punkt mit der Union einigt, so wird China, dem man gütigst gestattet, seiner eigenen Dezierung beizuwohnen, die 3ecbe zahlen. Immerhin wird Japan Zugeständnisse an die Union machen müssen, da England, das bereits mit Aufkündigung deS japanischen Bündnisses droht, gleichfalls an dem Handel in China interessiert ist.
Erst wenn man sich über die pazifische Frage geeinigt hat. wird man an die RüstunaSbegrenzung Herangehen. Zunächst an die der Rüstungen zur See. in denen die Union. England und Japan bisher einen Wettlauf betrieben haben, der ihnen allgemach etwas kostspielig wirh. Weiter soll auch über die Abrüstung zu Lande beraten werden, aber Frankreich, das Ja die größte Landmilitärmacht darstellt. verfolgt nach der soeben von Briand abgegebenen Erklärung in Washington nichts als seine Sicherheit, was aus Der diplomatischen in die allgemein verständliche Sprache übertragen, bedeutet, daß Frankreich keinen Uni- fvrmknopf abbauen will, um Deutschland gegenüber weiter seine Politik der Sanktionen und Repressalien ungehemmt betreiben zu können. So wäre zu besorgen, daß statt der Abrüstung zum Schluß nur einige Bestimmungen über Milderungen Der Kriege brauche, was sich in der Praxis als durchaus wertlos erwiesen hat, herauskämen, wenn nicht die Amerikaner entschlossen wären, ein ganz besonderes Druckmittel anzuwenden, um eine Verringerung Der Rüstungen, sowohl der englischen See-, wie der französischen ßanbrüftun;en zu erzwingen.
Dies Mi.'tel hat der Sera or Mc. Kellar angedeutet, indem er erklärte, die Union könne nicht zugeben, daß England und Frankreich den amerikanischen Pump in unproduktiven Rüstungsausgaben vergeuden. Dagegen steht schon jetzt fest, daß die neuerdings viel erörterte Frage eines Ausgleichs oder gar des völligen gegenseitigen Streichens der Kriegsschulden in Washington nicht zur Erörterung gestellt werden wird, und auch die Meldung, wonach sich an Die Abrüstungskonfe
renz eine weitere zur Beratung der Internationalen Finanzprobleme anschließen soll, ist bisher unbestätigt. TrotzDem Dürften auch Die VerhanDlungen in Washington letzten EnDeS zur Förderung Der Erkenntnis beitragen. Daß das Weltwirtschaft-Problem, Das Weltfinanzproblem, nicht zu lösen ist ohne eine Reute- gelung Der Repa r a tionSfr age, daß die WeltwirtschaftSkrislS nur zu bekämpfen ist. wenn Die Alliierten sich, zugleich auch im eigenen wohlverstandenen Iniere.se. zur Behebung Der ReparationSkrlsiS. Der Der Deutsche Wirt- schaftskörper zu erliegen Droht, entschließen.
PariS, 2. Rov. (Wolfs ) Rach einer Blätter- metbung auS Washington schreibt die offiziöse Washingtoner .Post", lebe Di-tussion über Die Einschränkung ber Rüstungen zur 6 c e |ei unmöglich, wenn nicht vorher Die englisch-japanische Allianz aufgelöst werbe. Wenn man sich Darüber einige, Daß jebe Floate nicht eine gewisse Stärke überschreiten Dürfe, so sei DaS natürlich unter Der auSDrückllchen Be- Dingung, Dal) zwei Flotten sich nicht auf GrunD einer Allianz vereinigen Dürften, anDernsallS werbe DaS Verhältnis sofort umgestoßen unD eine Ration, Die ihre Flottenstärke hnabgesetzt habe, würbe Der Gefahr auSgeseyt, von zwei anbeten Rationen angegriffen zu werden.
London, 2. Rov. (WB ) Balfour und die anderen Mitglieder Der britischen ^Delegation für Die Washingtoner Konferenz, Darunter LorD (Saban HigginS und Sir Maurice H a n k e y. sind heute vormittag nach Washington abgereist.
Die Krisis im preußischen Kabinett.
Berlin. 2. Rov. Die .Dofsische Zeitung" berichtet: Der Reichs Präsident hat heute mittag Den Ministerpräsidenten Stegertoalb empfangen. DaS Blatt bringt den Empfang in Zusammenhang mit Der preufrischen Kabinettskrise. Während die meisten Blätter die Lage in Preußen alS noch ungeklärt ansehen will Die ,Russische Zeitung" bereits wissen, daß ein Einvernehmen zwischen Dem Zentrum. Den Demokraten und Den ÖoAlalbcmofraten Dahin erzielt sei, Daf) zunächst Die alte Koalition wieder her gestellt und au 8 ihren Reihen ein neueS Kabinett gebildet werden füll, worin zwti Plätze für die Deutsche Rolkspartei freigchal en bzw. durch Platzhalter beseht werden sollen. Die Frage, wer Minifterpräs.dent we dm soll, wird Den Blättern zufolge wahrscheinlich biS Donnerstag. dem Tag les Zusammentritts deS Land- tages, noch nicht gelöst sein. @8 findet Diber voraussichtlich Die Berta ung der für Dvnne Stag an- beraumten Sitzung statt, um Den Fraktionen Zeit zur Beratung zu lassen.
Berlin. 3. Rov. Die preußische Regierungskrise bat im Lause deS gestrigen Tage- keine weitere Klärung erfahren. Heute vormittag toerDen das Zentrum und Die sozialdemokratische Fraktion zu Beratungen zusammentreten. Um 12 Ubr wird Der AeltestenauSschuh bei LanDtags eine Sitzung abhalten. Die .Ross. Ztg." nimmt an, daß ber Ausschuß beschließen werde. Die für 1 Uhr mittags festgesetzte Pienar i'u-g nicht abzu- Dalten. Damit Die Fraktionen Bewegungsfreiheit für ihre Beratungen haben.
Die französische Zerstörungswut.
Berlin, 3. Rov. (Priv.-Teb) Gegen Den Rersuch Der Ententekommission. Die 'Betriebe Der Deu t schen Werke la h m gute g e n, protestierten gestern in einer Ueriamm- lung im Herrenhause in Berlin Die Arbeiter unD Angestellten Der Haup v rwaltung Der Deutschen Werke, Die die Zentrale für die vierzehn Betriebe Der Gesellschaft im Reiche Darstellt. Der Rersammlung wohnten Vertret-r Der Dirck ion. Der Dewerischasten unD Der An gestellter organisa- tionen bet Der erste VorsitzenDe des Betriebsrates, S t ü ck l e n. wieS darauf hin. daß ber von Der französischen Militärclique Diktierte Schlag gegen Die Deutschen Werke in erster Linie Die Taulenden von Arbeitern unD Angestellten Dieser Werke treffe. Dir P otestdundg bung habe Den len unzweideutigrn Rillen Der Arbcst- nehmet festzustellen, sich Die geplanten unerhörten Maßnahmen nicht mehr gefalle i zu lasten. Der zweite Vorsitzende Des Beiriebsrates, Becker, appellierte an Die Arbeiter unD Angestellten Frankreichs, daß ste Die Deutschen Kelle:en vor Arbeitslosigkeit unD Rot bewahren möicn. In einer einstimmig angenommenen Entschließung wirb festgestellt, daß blc 'Betriebe, Die f.üuer nur für Zerstörungszwecke gearbeitet haben, rtzt Dem WieDerausbau. Dem Ha-d l unb Der Verständigung Dienen. Die Deriannnelten erblickten in dem Vorgehen Der Entente eiret systematischen Feldzug Der französischen Militärtartei. der Darauf hinaus lause. Deutschland unb sein Volt zu vernichten.
(£in tt)edäck>tnistaq für die deutschen Toten in Frankreichs Crde.
P a r i S, 2. Rov. (WTD.) Zum Gedächtnis der in französischer Erde ruhenden deutschen Krieger hat der deutsche Botschafter Dr. Mayer heute auf dem Pariser Friedhof in Ivrh. auf dem ungefähr 100 deutsche Krieger beerdigt sind, in Gegenwart der Mitglieder der Botschaft und der übrigen deutschen Stellen einen Kran,; niedergelegt und hierbei eine Ansprache gehalten, worin er dar
auf hinwieS. daß die Feier allen in Frankreich ruhenden deutschen Kriegern gelte, deren ganz Deutschland in tiefer Trauer, aber auch in unsagbarer Dankbarkeit und Bewunderung gedenke. Der Kranz sei vergänglich und die Gedenktafel bescheiden, aber unvergänglich hochragend stehe das Denkmal der Tap' errichtet im Herzen des deutschen Volles. Die Gattin des Botschafters Mayer widmete einen Kranz für die deutschen Mütter und Frauen. Sämtliche Gräber wurden mit frischen Blumen geschmückt.
Deutsche Arbeiter im zerstörten (gebiet Frankreichs.
Paris. 2. Rov. Die von Den französischen Gewerkschaften eingdabcnc Kommission von Vertretern Deutscher Arbeiter und technischer Verbände hat sich dieser Tage in das zerstörte Gebiet begeben, um dort an Ort und Stelle Die Möglichkeiten einer aktiven deutschen Mitwirkung am Wiederaufbau zu studieren. Es wurde ein Sektor des KantonS von E h a u l n e S, der elf zerstörte Dörfer umfaßt, auSgewählt. der Den deutschen Organisationen zum Wiederaufbau überwiesen werden soll. Die Besprechungen zwilch.n ber deutschen Delegation, den Vertretern ber französischen Arbeiterschaft und den Repräsentanten der Einwohner der zerstörten Zone hat zu einem völligen Einvernehmen geführt. D.e Deutschen Delegierten haben sich bereit erklärt, mit 2500 deutschen Arbeitern und Technikern den Wiederaufbau dieser elf Dörfer, die eine Zone von etwa 30 Quadratkilometern umfassen, zu übernehmen. Für die technisch: Durchführung deS Unternehmens soll eine Aktiengesellschaft gegründet werden, in der beide Telle gleichmäßig vertreten sein sollen. DaS gut ausgearbeitete Projekt soll in den nächsten Tagen dem französischen Wiederaufbauminister Loucheur zur Genehmigung unterbreitet werden. Die Kosten deS Wiederausbaues sollen ausschließlich auf Reparation Skonto gehen. (F- Z.)
Paris 2. Rov. (WTD.) Minister Lou- ch e u r hat heute vormittag eine Abordnung von Vertretern ber deutschen Arbei terver - bände und deutscher Sachverständiger auS Industrie. Handel und Landwirtschaft empfangen. die in Begleitung fron Delegierten deS französischen DewerkschaftsverbandeS und französischer industrieller, Handels- und landwirtschaftlicher Sachverständiger dem Minister durch den französilchm Gewerkschaf tSsekretär Marcel Laurent vorgestellt wurden. Laurent Dielt Minister Loucheur einen Dortrag über ein vorläufiges Abkommen, das den raschen Wiederaufbau fron elfDörfern in der sogenannten .roten Zone" an der Somme in der Gegend fron ChaulneS bezweckt, die die Delegation in den letzten Tagen besichtigt hat. Der Wiederaufbau soll fich tm Laufe deS Jahres 1922 vollziehen. Minister Loucheur nahm bkfe Erklärungen zur Kenntnis. ES wurde vereinbart, in gemeinsamer Sitzung am kommenden Montag die praktischen Voraussetzungen für die Durchführung des Planes zu prüfen
($ine englische Note über die russischen Borkriegsschnlden.
London. 2. Rov. (WTD) Die britische Regierung hat gestern eine lang? Antwort a u f d i e S o w j e t n o te , in der sich die Dol- schewisten bereit erklären, die Vorkriegsschulden Rußlands anzuerkennen, rach Moskau gesandt. Die britische Rote ersucht um Klärung zahlreicher Punkte. Die Sowjetnote nimmt zum Beispiel Bezug auf die zaristischen Schulden, an denen Frankreich außerordentlich intereffiert ist. erwähnt jedoch nicht die riesigen Forderungen aus städtischen Anleihen, an denen dis englische Kapital in febr hohem Maße beteiligt ist.
In der englischen Antwort h ißt es noch, die Sowjetregierung habe sich Damit auf einen Weg begeben, der zu dem beabsichtigten Zweck führen könne, nämlich Mr Zusammenarbeit mit den anderen Rationen. Indessen müsse die englische Regierung ausführlichere Auskünfte erhalten. bevor sie die weitere Behandlung der Angelegenheit beschliche. Die britisch? Regierung ersucht di? Eowje'regierung. sich deutlich Darüber auSzusprechen, was sie z. B. bezüglich der von der Regierung des Zaren feit dem Jahre 1914 auf genommenen Anleihen, der städtischen und Eisenbahnanleihen sowie der Verpflichtungen gegenüber ten ausländischen Eigentümern, te-en Güter in Rußland von Der Öotojetregierung konfisziert oder zerstört wurden, zu tun gedenke
Die Wafsenlandnng in Irland.
Berlin, 2. Rov. (Wells.) Zu ber Aeuhe- rung von Lloyd George im Unter Haufe daß ein Teil deS Deweismaterials für die Voroerei- tungen einer Waffenlandung in Irland den Maßnahmen der deutschen Regierung zu verdanken sei. wird von zuständiger deutscher Seite mitgeteilt: Die Aeu^ecungcn von Lloyd George beziehen sich wahr'chnnlich auf den Vorfall. der sich am 6. Oktober im Hasen fron Hamburg abgespielt hat. Bei Ueberholung eines Fischkutters wurden in dessen Laderaum Munition und Waffen entdeckt, die wegen des Verstoßes gegen die Reichsgrieye beschlagnahmt wurden. Im Lause der Untersuchung ergab sich, daß die Waisen und Munition für Irland bestimmt waren. Die die englische Regierung fron diesem Vorfall Kenntnis erhielt, ist hier nicht bekannt
Die obrrfd)kfiirf)e Frage.
Berlin, 2. Rov Wie nunmehr zur Kennt' niS Der deutschen Regierung g kommen ist, richtete Die Dotschasterkvnferenz an die polnische Regierung chie gleiche Rote über die Gefahren deS Eintritts Landfremder raL Ober* schielten wie diejenige, die dem deutschen Botschafter tn Paris überreicht wurde.
Berlin, 2. Rov. iWrlsf) Zu Elegierten der gemischten Kommission für Ober- schiesien sind Geheimer Dergrat Runzel und Dankdirektor T e u S n e r (Schlesischem Bankverein) ernannt worden
Der polnisch-tschechoslowakische HandelSvertraa.
Wien, 2. Rov. (Wels) .P ager Venkvv* meldet aus Warschau: Der Außenminister Skir - m u n t hat tm parlamentarischen Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten erklärt. Der einstweilige pvlnisch-tschechoslowaki'che Handelsvertrag sei breit- u tcr djiiden. er werde jedoch erst nach Abschluß des politischen UedercinkommenS zwischen Den bci'e.i Staaten tn Krast treten. Den polnischen Blä tern zusoig« soll diese- politische Abkommen folgende drei 'Bedingungen enthalten:
1. Gegenseitige wohlwollend« *71 e u t ra 11 • t ä t für den Fast des Angriffes fron einer benachbarten Macht;
2 F^e.h-it deS MunitionStranSpor- t e S über die Grenze;
3. Einsetzung einer gemischten Kommission zur Regelungder Frage der Minoritäten.
Zu Der Meldung über di? heutige Ankunft deS polnischen Ministers deS Aeuvern in Prag bemerkt „Venkvv", daß dieser wichtige Besuch wahrscheinlich den Abschluß der politischen 'Verhandlungen zwischen Polen unD Der Tschecho- slcwakei bedeute
Aus dem Reiche.
Generalstreik in Berlin?
Berlin, 3. Rov. In Der gestrigen Plenarversammlung der Berliner Gewerkschaftskommission wurde eine Resolution angenommen, in der erklärt wird, daß. wenn Der Konflikt im Berliner GastwirtSgewerbe In drei Tagen nicht beigelegt wird. Die Rlenarversamm- lung entschlossen ist. Den Generalstreik In ‘Berlin zur AnwenDung zu bringen.
AuS dem sächsischen Landtag.
Dresden, 2. Rov. (WTB ) Der sächsische Landtag ist heute nachmiitag in Anwesenyelt sämtlicher Minister zur ordentlichen SitzungS- fesfion zusammengetreten. In den DegrüßungS- roorten gedachte Präsident FraeSdorff der brutalen widerrechtlichen Zerreißung Oberschlesiens, die er als Willkürakt bezeichnete und die die Erfüllung der Reparationsre'-l slichtungen völlig in Frage stelle. Ein ReßtSzustand würde die Zerreißung tb.-lschlestens niemals werden Der Prä- fitent fp ach Der oberfchlelifchen D vollening die Sympathie des sächsischen Volles aus und knüpfte hieran die Hoffnung auf die baldig? Revision der Dersaillrr unb Genfer Diktate Di? Lage Deutschlands. fuhr er fort, gebietet, daß die Pa t len ihre Gegensätze nicht Aum Schaden deS Volkes auS« tragen. Das VolkSwohl sei daS dIrrfle Gesetz.
Anschließend hieran gab der Minister deS Innern. Lipinski, eine lange Erklärung über die Geheimorganisationen in Sachten ab und stellte fest, daß die gefemte Organisation ber vom Reichspräsidenten verbotenen Orgefch in Sachsen auf die Brüder von Stein überoegamen sei Die Geldgeber für die Orgefch unb die Drüber von S'ein seien die FinanAausschü'se der sächsischen Industrie. Es wurden m^h-ere Wasse^liger beschlagnahmt. Der Minister schloß: Die erlangte Mitgliederliste und daS g toonnene Material l sien e kennen, daß die Drigade Ehrhardt und tl? Organisation Elcherich als Drüder von Stein zusammenarbeiten und daß eine geschlossene Organisation der Konterrevolution in Sechsen besteht DaS Polizeiamt Leipzig wurde angewiesen, die Auslösung des Vereins herbeizt führen. sobald die Untersuchung abgeschsotsen und die Dcstrafung der ‘Beteiligten herbeigesühri werden kann.
Das „Notaesi-tz" eines U. Z. P.'Ministers.
AuS Weimar wird unS geschrieben:
In Thüringen ist eS seit jeher Braucft. daS Reformation-fest zu feiern und auS diefem Anlaß die Schalen zu schließen, obwohl der 31. Oktober kein kirchlicher Feiertag ist (außer in Sachsen-Altenburg, wo er sogar kirchlicher Feiertag war). Der seit einigen Tagen bai Ministerium für Volksbildung leitende UDP - Winister Kreil hat nun ein .Rotgeseh" veranlaßt. wonach die Schulen nicht auSfallen dürfen, sondern nur gelegentlich im Religionsunterricht auf den Tag hingewiefen werden kann Es ist daS zunächst ein Mißbrauch deS Begriffes .Rotgesetz"; denn der Sinn die'eS Gesetze-, das der Regierung die Möglichkeit gibt, in dringenden Fällen ohne vorheriges Befragen be.3 Landtage- ein Gesetz zu erlassen, trifft auf diese Sache nicht zu. ES ist sicher nicht die Absicht des Volles, Der Regierung in durchaus nicht dringenden Fällen solche Befugnisse einzuräu- men. Hierzu kommt nun. daß daS Grley erst am 79 lSonnabend!) in die Hände der Schulleiter am Sih der Regierung gelangte, während eS auf wärt- gar nicht bekannt wurde So war die techmsche Durchführung de- Verbotes gar nicht möglich. Daß es übrigens erst Sonnabend heraus Itäme. sagte man chm voraus Ein M nllter. der in einem .Ministerium auf lange Sicht" so kurzsichtig ist. hat aber bewiesen, Dao er schon rein


