(In einem Teil der Auflage wiederholt.) Die deutsch-französischen Verhandlungen.
Paris, 1. Juli. (WTD.) Die Verhandlungen über die deutschen Sachlieferungen sind heute fortgesetzt worden. Der „Temps" teilt mit, daß man sich in der Preisfrage der in Artikel 8 des Londoner Zahlungsstatuts schon angedeuteten Grundlage nähere. Die Preise würden durch eine gemischte Kommission festgesetzt werden, die aus einem Franzosen, einem Deutschen und einem Schiedsrichter sich zusammensehen solle, der im Bedarfsfälle von der Repara- tionskommission ernannt werden soll. 3n bezug auf die Zahlungsart und die Zahlungsfrist sei ein Plan ins Auge gefaßt worden, durch den Frankreich die Möglichkeit erlangt, die Zahlung auf eine möglichst lange Periode zu staffeln. ReichSkommissar Guggenheim e r, der heute abend nach Berlin abreist, um neue Instruktionen seiner Regierung einzuholen, werde am 10. Juli in Paris sein. Minister Lvucheur könne ebenfalls die Verhandlungen aus anderen Gründen nicht vor dem genannten Datum wiederaufnehmen. Die Frage, ob und durch welche Mittel die 26 Proz. Ausfuhrabgabe durch einen anderen Index ersetzt werden könne, s« noch nicht behandelt worden.
Gin französischer General als Mörder von Gefangenen.
Paris, 1 Juli. (Wolff.) In der „Hu- mcmitö" erhebt der bekannte Schriftsteller G o u t - tenoire de Toury unter Bezugnahme auf die Verhandlungen vor dem Reichsgericht m Leipzig gegen den General Stenger Anklage gegen den Kommandanten der 13. französifchen Infanterie-Division, General Martin de Bouillon, der am Borabend des Angriffs vom 25. September 1915 in Artois sich deS gleichen Vergehens fchuldig gemacht habe, dessen General Stenger beschuldigt wird. Toury erklärt, daß hinter der Loretto-Hütte die Offiziere der 13. französischen Division zufammen- gerufen worden seien und daß in einem Schul» saal der General den Beseht erteilt habe, keine Gefangenen zu machen. Er habe eine Ausnahme nur für einige zugelassen, damit seine Dolmetscher (Offiziere) Tie verhören könnten. Toury erklärt zur Entschuldigung, warum er damals nicht pro» testiert habe, er habe seine Entrüstung über den Befehl seinem Obersten zur Kenntnis gebracht, der sie gebilligt habe.
England und die Kemalisten.
Paris, 1. Juli. (WB.) Vach einer HavaS- Meldung auS Konstantinopel hat sich der eng- lil'che General Franke am 29. Juni nact Tiflis begeben, wo ihn die k e m a l i st i s ch e r Behörden höflich aber kühl empfingen. Der General hat die Versicherung gegeben^ datz die alliierten Mächte strickte Veutralttät beobachten werden.
Konstantinopel, 1. Juli. (HavaS.) Gestern nachmittag ' 21 Ahr zog General Mu - heb bin Pascha, der Oberbefehlshaber der kemalisttschen Truppen, in ISmid ein. Oberst Kiazim Bey wurde zum Stadtkommandanten von Ismid ernannt. Muheddin Pascha erließ eine Proklamatton an die Bevölkerung, in der er die Sicherheit der Bevölkerung ohne Artterschied der Religion garantierte, und befahl, die Flüchtlinge, die sich an Bord der noch im Hafen liegenden Schiffe befanden, zu landen. Die Kemalisten beabsich- ttgen, die Küste des Golfes von Ismid gegen jeden Angriff von der See her zu befestigen.
Hr. (55 Zweiter ölatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Montag, 4. Zuli (921
Deutscher Reichstag.
129. Sitzung, mittags 11 Ahr Berlin, 2. Juli 1921.
Die Interpellation der Anabhängigen und Kommunisten wegen der Aufhebung des S ch w e r- kriegsbeschädigten-LazarettsEhgr- lottenburg wird nach Mitteilung eines Re- gterungsverlreters innerhalb der gesetzmäßigen Frist beantwortet werden.
Der Entwurf über die Anmeldung des gemäß dem Friedensvertrag beschlagnahmten Luft- fahrzeuggeräts wird in allen drei Lesungen angenommen. Das Altrentnergesetz wird nach der zweiten Lesung einem Ausschuf; überwiesen. Das Gesetz über die Gebühren der Rechtsanwälte und Gerichtsvollzieher geht an den RechtSausschuh. Das Patentgebührengeseh wird in allen drei Lesungen angenommen Zum Ge' setzentwurf über die Sicherung von gewerblichen Schuhrechten deutscher Reichsangehöriger im Auslande beantragt der Ausschuf; unveränderte Annahme der Vorlage. Das Haus stimmte dem ohne jeDe Debatte zu Das Lohnsteuergeseh wird in zweiter Lefung debattelo« genehmigt. Be, der dritten Lesung bezeichnet
Abg. Dr. Geyer (Komm.) die Lohnsteuer als das Rückgrat des Etats. Wenn Verbesserungen im Ausschutz vorgenommen worden sind, so smd diese lediglich aus Furcht vor der Empörung der Massen erfolgt. Aber das Gesetz ist so wenigstens annehmbar geworden. Ohne ;ede weitere Debatte erfolgt nunmehr einstimmig die Gefamtannahme.
Es folgen nunmehr die Interpellationen I m- busch (Ztr.) über
daS Anglück von Mont Denis und Rosemann (ASP.) über denselben Gegenstand.
Okach ausführlicher Begründung der Interpellationen durch die Abgg. Imbusch (Z.) und Pieper (ASP.), die einen weiteren Ausbau der Sicherheitsmaßnahmen fordern, ergreift
Reichsarbeitsminister Braun
daS Wort: Das Anglück hat unser gesamtes Volk tief erschüttert. Wir sind in den letzten Jahren an Leid und Rot geradezu gewöhnt worden. Der Bergbau hat auch sonst zahlreiche Opfer gefordert. Aber so unvermutet, mitten in friedlicher Arbeit über 80 blühende Menschenleben auf dem Felde der Arbeit fallen zu sehen, das ist eine erschütternde Katastrophe. Wir bedauern innigst die Opfer, wir bedauern auf das innigste die Hinterbliebenen und sprechen den Hartgeprüften unser herzlichstes Beileid aus. Die Reichsregierung glaubt im Sinne der Hinterbliebenen zu handeln, wenn sie öffentlich vor dem ganzen Volke allen denjenigen aufrichtigen Dank ausspricht, die sich um die Opfer bemüht haben. Das gilt besonders den Kameraden der Verunglückten, die mit eigener Lebensgefahr am Rettungswerk beteiligt waren. Das war echte Bergmannstreue. Während des Krieges verminderte sich die Zahl der ausgebildeten Bergleute. Vach dem Kriege reichten die übrig gebliebenen gelernten Bergleute bei weitem nicht aus, die erforderlichen Kohlenmengen zu fördern. Dazu kam der Druck der Entente auf die Forderung. Wir mußten deshalb unausgebildete Leute heranziehen. Eine Besserung darin ist schon eingetreten. Die absolut ungeeigneten Arbeitskräfte sind Inzwischen ausgeschieden worden und an der Ausbildung der jugendlichen Arbeiter wird im allgemeinen nachdrücklichst gearbeitet. Der Technische Ausschuß des Reichswirtschaftsrates prüft alle Möglichkeiten, um den Betrieb wieder vollkommen auf die Höhe zu bringen. Auf der Zeche Mont Cenis war, nach Bekundung des Betriebsrates, die Arbeiterschaft weder einem starken Wechsel unterworfen, noch war die Zahl der ungelernten Kräfte außergewöhnlich hoch. Aber immerhin sind noch nicht alle Vachwirkungen des Krieges, sowohl was den technischen Stand der Gruben anbelangt, wie auch bezüglich der Zusammensetzung der Arbeiterschaft und bezüglich der Selbstdisziplin der Arbeiterschaft geschwunden. Die Zahl der gelernten Hauer hat die erforderliche Höhe noch nicht erreicht und den neuen Hauern fehlt die so wünschenswerte jahrelange Erfahrung. Mit Recht ist auch großer Vachdruck auf die Ausbildung der jugendlichen Arbeiter gelegt worden. Man ist dabei, Pflichtfort- bildungsschulen zu errichten und sie weiter auszubauen. Aebrigens hatte schon vor dem Kriege der Saarbergbau eine relativ weite Ausdehnung des Fortbildungsschulwesens.Weiterhin ist die Reichsregierung an den Feststellungen über das Grubenunglück unter dem Gesichtspunkte der Betriebsräte und ihrer Aufgabe interessiert. Es fragt sich, ob die Betriebsräte ihrer gesetzlichen Pflicht nachgekommen sind, und ob die Erklärung des Betriebsrates hinreichende Aufklärung gibt. Seitdem an Stelle der Eicherheitsmänner Betriebsräte gestellt sind, Tollte von diesen die Gruben regelmäßig befahren werden und auf ihre Sicherheit hin geprüft werden. Das geschah auch. Roch zwei Tage vor der Katastrophe ist die betreffende Abteilung befahren worden. Es ist dabei nichts Gefahrdrohendes festgestellt worden. Im allgemeinen hat die Bekämpfung der Anfallgefahren in der letzten Zeit bedeutende Fortschritte csemacht. Es kommt ungeheuer viel au die Befolgung der Vorschriften durch die Beamten und die Bergleute an, da eine leichtfertige Aeber- tretung der Vorschriften nicht nur das eigene Leben, sondern auch das Leben anderer auf das Spiel seht. Es gibt also eine wichtige Aufgabe der Betriebsräte, nämlich auf die Arbeiterschaft einzuwirken, daß sie die Vorschriften genau ein» hält und damit das Derantwortlichkeitsgefühl des Einzelnen gestärkt wird. Im übrigen wünscht die Reichsregierung eine tatkräftige Mitarbeit der Betriebsräte bei der Anfallverhütung. Die Regierung ist überzeugt, daß die Betriebsräte bei richtiger Anwendung des Gesetzes sehr wohl auf dem Boden des geltenden Rechtes sich entsprechend geltend machen können. (Sehr richtig rechts, Lachen links.) Die Betriebsräte haben sowohl gegenüber der Betriebsleitung, wie gegenüber den Bergkontrollbeamten hinsichtlich der Sicherstellung des Betriebes wichtige Befugnisse, die sich auf die Paragraphen 71 und 66 des Betriebsrätegesetzes stützen. Cs ist sehr zu begrüßen, wenn sich zwischen den Betriebsräten und den Bergkontrollbeamten mehr und mehr ein gedeihliches Zusammenarbeiten verwirklicht. Was die Regierung zu diesem Punkte tun kann, ist sie zu tun bereit. Eine Erweiterung der Bestimmungen des Betriebsrätegesehes scheint uns hiernach nicht förderlich. lHört, hört links.) Wenn wir durch das Anglück von Mont Cenis von neuem vor die Massengräber braver Bergleute gestellt worden sind, so soll uns das zur
Warnung dienen, welche Gefahren und dornenvolle Arbeiten von den Bergleuten für das Ge- farntwohl geleistet werden. Anfer Volk wird stets bereit sein, den Bergleuten soziale Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und die Bergleute werden nicht verfehlen, in der Stunde der Vot der Volksgemeinschaft das ihr schuldende Opfer zu bringen.
Bergrat Hatzfeld gibt als 'Vertreter der preußischen Regierung das Ergebnis der Anter- suchung bekannt und schildert das Milieu, in dem sich die Katastrophe abgespielt hat. Die Wetterführung habe gut funktioniert, ebenso die Berieselung, die bis auf eine Stelle vollkommen in Ordnung war. Diese Stelle ist aber gerade nicht getroffen worden. Der Redner fährt fort: Auch sonst sind bei der Bauanlage alle geltenden Vorschriften genau beobachtet worden. Vur elektrische Lampen sind benutzt worden, mit Ausnahme der zwei Sicherheitslampen, welche die Schießmänner hatten. Datz auch in diesem Falle ein Schuß unvorsichtig gelöst worden sein soll, muß dahingestellt bleiben. Ob sich das hier jemals genau feststellen lassen wird, erscheint sehr zweifelhast. Von einer Entzündung durch eine Lampe kann kaum die Rede fein. Zur Abgabe von Schüssen waren nur die Schießmeister berechtigt, diese haben aber keinen Schuh abgegeben. Höchstens liegen Indizien dafür vor. datz ein Schuh gefallen ist. Man darf aber auch nicht glauben, daß der Kohlenstaub durch die Berieselung nunmehr vollkommen gefahrlos ist. Ob das neue Sleinberieselungsverfahren eine endgültige Beseitigung der Gefahr mit sich bringt, muh abgewartet werden.
Das Haus tritt sodann in die Beratung der Interpellation ein.
Abg. Koch (D.-V.) schildert die Tätigkeit des Antersuchunasausschusses und stellt fest, daß er eben nichts festgestellt hat. Zu einer solchen Arbeit eien auch die Politiker nicht berufen, hier müßten Sachverständige hin. Der Redner fährt fort. Zu einem Urteil können wir heute nicht kommen. Wir müssen die weitere Antersuchung den zuständigen Bergbehörden überlassen.
Abg. Winnefeld (D. Vpt-)- Der Bericht des Abg. Imbusch war meines Erachtens objektiv. Die Bergleute kennen in der Stunde der Gefahr keine Parteien und keine Politik. Der Reichstag hat sich zu dieser Bekenntnis leider nicht erhoben, das hat der Abg. Pieper erwiesen. Die Presse, namentlich die des Industriegebietes, hat sich darin hervorgetan. Auch die ..Rote Fahne" brachte einen Artikel, das Kapital als Massenmörder, der viele Anrichtigkeiten enthielt. Der Betriebsrat hat das Revier vollkommen in Ordnung gefunden. Die Betriebsräte haben ihre Pflicht getan. Es sind, wie ich hörte, tüchtige Hauer, aber es sind Kommuni- ten und darum sollten Sie (nach links) ihnen glau- jcn. Der Abbau in dem Revier ist nach allen Vorschriften vorgenommen worden. Aber wie kommt ein Arbeiter zu dem Dynamit '< Wohl hat ein Zeuge erklärt, für einen Schnaps könnte ein Arbeiter jo viel Dynamit haben, als er nur wolle Das wirft auf die Zustände fein gutes Licht und wenn durch eine solche Aeußerung der Eindruck geweckt wird, als trügen die Arbeiter selbst die Schuld, so ist dies verständlich, wenn auch höchst bedauerlich.
Abg. Jan sch ek (S.) bedauert, daß die Kreise, die bisher kein Verständnis für den Bergarbeiterberuf hatten, nicht bei dieser Katastrophe zugegen fein konnten, um zu sehen, wohin verbrecherische Veigungen führen. Damit wolle er nicht sagen, dah hier ein Verbrechen begangen worden sei, aber die Kette der Katastrophen der letzten Jahre sei ein fortlaufender Beweis für das Versagen der Aufsichtsbehörden. Was der Abgeordn. Winnefeld hier vorgebracht habe, sei geradezu lächerlich. Der Redner hält die Antersuchung für zwecklos und führt weiter aus: Gerade unserer Kommission sind Beschwerden über Beschwerden aus anderen Gruben zugegangen und das ist schon ein Erfolg. Der Redner gibt sodann eine Reihe Beweise dafür, dah die Betriebsräte es schlecht haben, wenn sie sich den Wünschen der Zechen nicht fügen. Er polemisiert sodann gegen den Abg. Winnefeld, den er nicht als einen fo^lenftaub- geschwärzten Bergarbeiter anerkennen will. Wir, die wir in der Grube selbst gewesen sind, haben ebenso wie dick Betriebsräte festgestellt, daß die Berieselung nicht funktioniert hat. Auf eine Strecke von 100 Metern fehlten z. D. die Zwischenventile. Zum Teil sind die Ventile erst nach dem Anglück eingebaut worden. Schläuche für die Berieselung waren nicht verbanden. Der Betriebsrat hat ausdrücklich festgestellt, dah alle Mahnungen in dieser Hinsicht erfolglos geblieben sind. Es ist ein Verbrechen, wenn das Wasser nicht rechtzeitig aur: Stelle ist. Auch dieses Anglück beweist, dah da, wo die Strecke feucht war, die Flamme nicht durchgeschlagen ist. Herr Winefeld freilich hat nichts gesehen. Ec hat sogar die Strecke für kohlenstaub- frei befunden, wo der Staub fingerdick war. Der Steiger IunghauS hat 34mal seit 1919 Wetter gefunden, darunter auch explosive. Aber im Wetterbuch steht nichts davon vermerkt. Ist das nicht unerhört? Polizeimacht mühten die Betriebsräte erhalten, um hier durchgreifen zu können. Der Redner regt die Bildung ständiger An- terfuchungsausschüfse im Bergbau an, welche eine dauernde Kontrolle ausüben sollten. Mitglieder der Bergbehörde dürften aber nicht dazu gehören, bei ihnen ist schon wegen der ständigen Verwandtschaft und Verschwägerung mit den Zechenbesihern nicht die reine Anbefangenheit vorauszusetzen. Gr verlangt ferner die Einrichtung von ständigen Sperrvorrichtungen, welche eine Ausdehnung der Katastrophe verhindern sollten.
Der preußische Handelsminister Fischbeck betont den unparteilichen Charakter der geführten Antersuchung. Wir haben nie versucht, die Betriebsräte auszuschalten. Im Gegenteil. Wir haben diese stets herangezogen, wie es auch hier der Fall war. Ich selbst bin an Ort und Stelle gewesen und habe den Betriebsrat gehört, wie ich auch der Rettungsgesellschaft meinen Dank aussprechen möchte. Jedenfalls protestiere ich gegen den Sah des Vorredners, dah die Dergverwaltung auf die Anklagebank gehört. l
Abg. Ziegler (Dem.) appelliert an das Haus, die Debatte leidenschaftslos zu führen. Jedenfalls habe die Antersuchung doch manche Streiflichter auf die Verhältnisse geworfen und den Weg gezeigt, den wir zur Besserung einschla- gen müssen. Eine große Zahl der Arbeiter hat auch nicht das leiseste Verständnis für die Gefahr, in der sie sich ständig befinden. Es mutz somit bei dieser Arbeiterbildung der Hebet angesetzt werden. Die Fortbildungsschulen reichen dazu nicht aus. Vielleicht sind besondere Instruk- ffonsstunden empfehlenswert. Solange wir für
die Berieselung keinen Ersah haben, soll auch die Behörde dafür sorgen, daß sie ausgefübrt wird. Deshalb soll der Rieselmeister nichts Wetter zu tun haben. Auch für das Schießen gelten besondere Bestimmungen. Aber was nühen sie, wenn sie nicht beachtet werden. Beschämend ist es, daß der Deutsche Reichstag nicht mehr Interesse für diese wichtige Frage zeigt. 'Diese leeren Bänke entsprechen nicht der Würde und dem Ansehen des Hauses.
Abg. Braß (Komm.): Auf der Grube Mont Cenis ist keineswegs alles in Ordnung gewesen, wie der Grubendirektor der Presse hat klarmachen wollen. Der Antersuchungsausschuß hat das Gute gehabt, daß auch noch manches herausgekommen ist, was sonst verborgen geblieben wäre. Die Betriebsratsmitglieder haben sich dagegen verwahrt, gesagt zu haben, es sei alles in Ordnung gewesen Die 'Berieselungsanlage war nicht tadellos. Die Grube war reichlich gashaltig. (Hört, hört! bei den Kommunisten.) Es sind im ersten Vierteljahr dieses Jahres in der Grube Schlagwetter gewesen, und darum ist es auch möglich, daß Schlagwetter an dem Anglück schuld sind. Es hätte ein zweiter Steiger in Dem Revier eingestellt werden müssen, wegen des Um» anges des Reviers und wegen der Zahl der Arbeiter Aber das hätte Geld gekostet. Warum haben die Arbeiter selbst vor Schichtwechsel den den Schuß abgegeben? Weil sie mehr verdienen wollten, weil sie mit dem Lohne nicht bestehen können. Wir verlangen die sofortige Herabjehung der Arbeitsdauer auf 6 Stunden, sowie Erweiterung der Rechte des Betriebsrates und Vermehrung der Sicherheitsleute.
Oberberghauptmann A l t h a n s erkennt die Votwendigkeit an, die Bergarbeiter zu belehren, aber Die Schwierigkeiten seien wegen Der großen Masse Der Bergarbeiter sehr groß. Vicht nur Die Fortbildungsschulen Dienten Diesem Zwecke, sonDern auch Anterrichtsvorträge, Die großen Anklang bei Den Bergarbeitern gesunDen hätten.
Abg. Schurzer (Bayer. Vp.) gibt seiner Sympathie für Die Verunglückten Ausdruck und verweist auf Die Anregung einer allgemeinen Sammlung und eines Trauertages.
Abg. Rosenmann (ASP.) betont, Der Vorredner sei derjenige Arbeitervertreter gewesen, Der in Der Kommission für Das VerschulDen Der Arbeiter eingetreten sei. Warum hat sich Denn Die Zeche Mont Cenis Dagegen gesträubt, Organisationsvertreter zur Antersuchung zuzulassen? Das Vertrauen der Bergarbeiter zur Bergbehörde wird damit sicher nicht gestärkt. Das Anglück ist größtenteils auf Die Aeberlastung der Riesel- meister und der Wetterkontrolleure zurückzuführen.
Damit schließt die Debatte.
Das Haus genehmigt sodann noch ohne Debatte einige Vachtragsetats. So den Etat der Reichsschuldenverwaltung, des Haushaltes für Die Durchführung des Friedensvertrages, des Haushaltes der Finanzverwaltung des Reichspostministeriums und des Ministeriums für Landwirtschaft.
Abg Hertz (ASP.) meint, Die *1>U Milliarden für die Verbilligung von Mais konnten wir uns nicht mehr leisten und sieht Darin einen Panamaskandal.
Abg. Däbrich (D.-Vtl.) protesttert gegen diese Behauptung und erklärt, bah eS sich hier nicht um eine Liebesgabe handele.
Landwirtschaftsminister Hermes legt Die Gründe Der Maisbewilligung Dar, durch die es ermöglicht werde, 3»/2 Millionen Schweine zu ernähren.
Abg. Schmidt (S.) erkennt an, baß sich auf dem Papier alles schön ausnehme. In Der Praxis stelle sich Die Sache aber ganz anders Dar. Die GroßgrunDbefther hätten sich Den Mais zu Spekulationszwecken verschafft und Die kleinen Züchter, Die ihn in Der Haupffache benötigten, konnten ihn nur gegen schweres Geld erhalten. Der Redner Mhrt Beispiele aus Pommern an, wo Landwirte die Bezugsscheine verkauft und verschoben hätten, wodurch sie Hunderttausende verdient hätten. Auch seine Partei sei gegen diese Liebesgabe.
Vach kurzer weiterer Debatte vertagt sich Darauf das Haus auf Montag nachmittag 1 Ahr.
Handel.
Frankfurt a. M., 2. Juli. Börsen» stimmunasbild. Die Tendenz Der Börse kennzeichnete sich als fest bei allerbings ruhigem Geschäft. AuslanDswerte lagen ruhiger, Mexikaner nur wenig beachtet. Zu regeren Amsähen kam es in Elektrowerten. Chemische Werte verkehrten bei fester Stimmung. Am Montanmarkt war Die Kursentwicklung unregelmäßig. Es machte sich Kauflust für Phönix Bergbau geltenD, was auf Die Kursentwicklung günstig einwirkte. Fest lagen ferner Gelsenkirchener und Harpener. Feste Tendenz bewahrten Kali Westeregeln und Hirsch-Kupfer. Am Einheitsmarkt erhielten auch heute verschiedene Industrieaktien stärkere Anziehung. Das Geschäft in Anlagewerten blieb still. Im weiteren Verlauf gestaltete sich die Tendenz etwas lebhafter, auf die Beendigung des Kriegszustandes zwischen Amerika und Deutschland. Schiffahrtsaktien befestigt. Der Wochenschluß Vollzug sich ruhig, aber fest. Privat- diskont 33/k Prozent.
Frankfurt a. *DL, 4 Juli.
Marknotirrungen.
Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt:
Datum: 1-7.11. 1.7. 2.7
Zürich Fr. 125,49 7,92 7,97
Amsterdam Fl. 59,29 4,07 —
Kopenhagen ...... Kr. 88,89 8,10 8,20
Prag Kr. 117,89
Stockholm ........ Kr. 88,83 6,15 6,25
Wien ... Kr. 117,88 —,— —, -
London ....... 5h. 97,8) 7,05 7,02
Paris Fr. 125,40 16,62
Neuyork 5 23,80 1,32 —
Züricher Devisenmartt.
Wechsel auf: Schweizer Frank«
Holland ' 100 Fl. = 195.50 195.75 Deutschland ..... 100 Wk. — 7.— 8.—
Wien.........100 Kr. = ---
100 Kr. = 8.10 8.10
Paris 100 Fr. = 47.65 47.55
London 1 £ = 22.16 22.16
Italien 100 2. - 29.20 29.12
Brüssel 100 Fr. - 47.50 47.35
Budapest ...... 100 Är. = 2.20 2.20
Beunork. ...... 100 $ — 593.— 593.—
Agram 100 Kr. = 3.86 3.96
Bukarest 100 2. « 9.90 8.90
Börsenkurse.
Frankfurt Berlin
Abenl> Schluß- Schluß- Schluß- Kurs ÄürS ihn» Kurs
Datum: 5 6 0 Dtsch Kriegscml. 4e/e Dtsch. Reichsan'. 3 • 0 Dtsch Reichsanl. 4 u,0 Preutz (ton’ols Darmstädter Bank . Deutsch« Dank . . . Disconto-Gesellschaft Dresdner Dank. . . Rationalbank L D. . Mitteid. llreditbank. H.-Amerik. Pakets. . Norddeutscher Llcryd. Boch.Gußstablwerk . D.-Luxemb. Bergw. Gelsenkirch. Bergw. . Harpener Bergbau . Oberschles. Eisenb.-B. Oderschles. Eiseinnd. . Phönix-Dergb -Akt.. Bad. Anilin- u. Soda Höchster Farbwerke. Elektr.A.E.G. . . . Schuckert-Werke. . . Felten.Guilleaume. . Daimler Bud.- Eisenw.-Akt. . Lldlerwerke 4°/o Hess.Staatsanl. . Elektron Griesheim.
1.7. 2.7. 1.7. 2.7.
77,50 77,50 77,50
78,90
76.-
70,- 70,-' -,- — - 168,75
- - 324/0
280,- - - 281.75
228,55
181,-
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-,- 153,- 148,-
- - 520,50
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398.- 400,- 396,-
—, — 569— 550,50 —, —
320,50 322 - 320,-
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295,- 299,- 294,75
-,- 527,- -,-
225,- 229,- 230,-
590,- —,-
289,- 290,-
72,90 -,-
306,- 310,- 310,-
Büchcrtisch.
Rosen und Päonien sind in den Mittelpunkt bei Blütenschönheiten gestellt, von denen das Iunihest Der „G a r t e n s ch ö n h e i t" (Verlag Der „Gartenschönheit", Berlin-Westend) in einer Fülle von BilDern und farbigen Beiträgen handelt. Von den Wandlungen, Die die Freude Der Menschen an Den Rosen in den letzten Jahrzehnten erfahren hat, erzählt Arpad Mühle. Die ganze Aeppigkeit Der neuen Päonien schildert von O h e i m b. Weiter behandelt Karl 5 o e r ft e r drei Gäste ans der Wildnis im Garten, Königskerzen, Ginster und Wildnelken ; Fritz Berckrnüller spricht von Afer- bildern und zeigt ihren Reiz in schönen Beispielen: Rudolf Veunzig plaudert sehr fein über Die Fülle und Dielartigkeit des Vogelgesanges im Garten und Paul Landau gibt ein wichtiges Kapitel aus der Entwicklungsgeschichte des deutschen Gartens.
Müller'sche Badeanstalt.
Wasserwärme Der Lahn am 4. Juli: 15" R.


