Ausgabe 
3.6.1921
 
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Nr. 12?

Derleititt änjeigrr mit der Dienstagsbeilage $pert-Umfd}ai- er. scheint täglich, außer Sonn« und Feiertags. Monatliche vcz«a«»reffe: IPork 5.- einschließlich Trägerlohn, durch die Post bezogen Mark 5.75 «iajchließlich Veslellgeld. Fernlprech.Anschlüsse' für die Schrift leilung l 12; für Druckerei Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Xnjeiger «leben.

Poftscherttomo: .tranffirt a. M. I16M.

Erft« Blatt \Z\. Jahrgang _ Zrettag, 5. Juni (921

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GietzenerAnzeiger

' Ixjp QU noricknlt20'Ausschlag.

General-Anzeiger für Gberhessen IW

Drud und vertag: vrühl'sche Univ.-Vuch- ttnö Sleinönidcrei R. Lauge. Zchriftleilrmg, Gefchäftsftelle und Druderet: Zchulfttatze 7. fShRtH^ i/ciefcelu

Die Besprechung des Negierungsprogramms.

Äba. Becker-Arnsberg (Ztr): Mr »vollen alle Opfer bringen, die die Durchführung des Ul- rimatums erfordert^ Mr erwarten aber auch, taii bannt endlich die Sanktionen beendet sind. Lloyd (George wird hoffentlich für ' Städte Duisburg unb

George wrrd honentlrch für die Befreiung der Städte Duisburg und Düsseldorf sorgen. ES sei tm gesetzlichen Sinne selbstverständ'.id?, toß die besitzende Klasse in erster Linie zur Erfüllung der Berpslicl-tungen berang exogen würde. Redner geht sodann auf die einzelnen Ste ue rpro»efte ein und erüärt, daß seine Partei mit der Börsen »"teuer und '.üvblemteuer einverstanden sei. Auch für die Genußmiltci wie Tabak, Süßstoffe und Zucker käme man nickt ohne eine Steuer hinweg. Unter allen Umständen müßte aber der Luxus er­faßt werden. Die Mretsteuer, so fchrrer sie auch fälle, sei nickt zu entbehren, wenn wir unserer Bautätigkeit roicbcr aufhelfen »rollen Redner be­tont die Notwendigkeit, die landwirrsclxrftliche Pnc> duktion zu föickem, fbnft könnten wrr unseren Ber- Vflichtungen nicht narfifbnunen. Die Frage d,n

Enttvaffnung ttine keinen Anlaß zu wetteren Sanl- tionen geben Mr billigen auch die Haltung der Regierung in der Frage der Aufhebung der Ans- nüSmebeflwtm irrigen und ter Sondergerichte. Eine allgemeine Amnestte aber können wir nidit befür­worten. Mr vnoteittcren gegen die Schandtaten Korsantys in Oberschlesien.

Abg. Edler von Braun (D.-N.) bedauert, daß der Reichskanzler sich nickt klarer und bündiger über sein Programm ausgesprockien har. Eine Re­gierung, die das Ultimatum unterzeichnet hat, müsse »ick doch über alle Mittel und Wege klar sein die zur Erfüllung des Ultimatums rotwendig sind. Warum habe die Regierung nicht aus der soforti tm Aufhebung der Sanktionen b.-standeir gSarurn sei sie in Sberschlesien nicht ener­gischer gewesen? Tas Ultimatum gebt well über das hinaus, was wir erfüllen fönnen. Der Wieder­aufbauminister Rathenau hat zwar jetzt das Gegenteil behauptet, hoffentlich wird er uns di? Gründe seines plötzlichen Gesinnungswechiels klar machen können. Desgleichen mirb her Reichskanzler uns über seine Finanzplänc noch senaiierc Auskun t

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Berlin, 2. Juni.

Tie Oberschtesten-Interpellation der Demo- fräsen und btc deutscknationale Interpellation we­gen der Ergänzungsprüfung der Beamten der 'Besoldungsgruppe 6 werden innerhalb der gesetz­mäßigen Frist beantwortet.

Zum mündlichen Bericht des Ausschusses für BolkSwirtschan über die Erwerbslosigkeit, wird eine Ennckließung des Ausschusses angc> nvmmen, langfristigen Erwerbslosen eine geld­liche Bechilf? zur Wiederbesdiaffung von Kleidern und Sckiih>mg zu gewähren, sie gegenüber den an­deren Erwerbslosen besonders zu berürffichtiacn und ihnen die Unter ftüfcimg auch über 26 Wochen hinaus zu gewähren.

Es folgt die

Besprechung der Regierungserklärung gemeinsam mit dem Tommimiftifchen und unab­hängigen Antrag auf Amnestie und Aufbebmrg der Ausnahmebestimmungen.

Abg. Wels «5.): Tie Regierung ging mit der Annahme des Ultimatums den einzig richtigen Weg, um das Ruhrgebiet für uns zu retten und um in Oberschlesien nid>t eine vollendete Tat­sache zu schaffen. Redner polemisiert gegen die Regierung Fehrenbach, diees nickt verstanden habe, sich das Vertrauen des In- unb Auslandes zu erwerben. Diese Regierung habe auch in der Frage des Wiederaufbaus versagt, zumal sie nickt genügend F-achminister h.wanzog. Ti? Ausnahme­bestimmungen müßten abgebaut werden. Gegen eine allgemeine Amnestie habe er schwere Be­denken, da sie geeignet wäre, das Rerlstsgefühl weiter Volks kreise zu sabotieren. Tie finan­ziellen Lasten seien außerordentlick» febwer. Man rechne aber damit, daß nicht Neues barüber hinaus und willkürlich noch neue Lasten auferlegt werden, sonst könnte unsere Leistungsfähigkeit mit her übergroßen Belastung nicht <5djritt halten. Handel und Industrie mühten allerdings in erster Linie zu den Lasten her angezogen werden. Arbeiter und Angestellte, deren Em kommen bei der Teue­rung nicht entsprechend mitgegangen sind, könnten bet weitem nicht so schwer belastet werden. Preis­erhöhungen »vürden bei der geplanten Monopoli­sierung nicht zu vertneiden fein» sie müßten aber dem Staate zugute kommen. Die Erfassung der Goldwerte und die Heranziehung der Landwirt- sckaft usw. müßten so betrieben werden, daß die indirekten Steuern im Interesse des arbeitenden Boltes nicht zu sehr in Anspruch genommen werden müssen. Wir können jedenfalls nicht zugeben, daß die besitzende Klaffe schon übermäßig belastet sei. Tie neue Belastung des Kapitals ist die Voraus­setzung für jede neue Belastung der breiten Massen. Tas Volk sei entschlossen, sich selbst wieder ans dem Abgrund herauszuarbeiten itnb dazu wolle die Sozialdetnokratie mitwirken. Solange aber der verbrech risch? Geist, der auf der Reckten lxrrscht, sich nickst ändert und solange dort nichtmonarchi- stisch empfindende Deutsche als Verräter gebranb- ntartt werden, bleiben wir Todfeinde. Von der Regierung aber verlangen wir energische Bekämp­fung dieses Geistes, der das bcutich: Volk dis­kreditiert Wir sind gegen eine Politik, die sich gegen England rechtet, andererseits »varnen wir aber auck davor, allM überschwengliche Dank an die Mächte zu richten, die uns gegen Frank­reich in O berschlesien unterstützt haben, denn sckließlick sind wir doch auf eine Verständigung mit Frankreick angewiesen. Wir begrüßen auch das Handelsabkommen mit Rußland, ohne uns in dessen innere Berhältniffe einzumischen.

Unsere Handelsbilanz aktiv zu gestalten, ist nur möglich, durch eine große -Steigerung der Produk­tion. Wiederaufbau und Versöhnung sind ja wun­derschöne Worte, weiter aber auch nichts. Kann die Regierung einen Weg zeigen, die Lasten ohne Ucber- bürdung der deutschen Wirtschaft zu tragen, dann wollen wir ihn beschreiten Wir aber glauben nicht an die Möglichkeit der Erfüllung ted Ultimatums. Tie Folgen der Unterschrift sind schon heute klar. Amerika hat mit uns keinen Frieden geschlossen. Redner polemisiert ebensalls gegen die auf 'die Tauer unerträgliche Ausfuhrabgabe. Dann geht der Redner auf die einzelnen Steuerplänc ein und »vamt sowohl bei der Mfftsteuer »oic bei der Grundsteuer, den Bogen zu überspMmen. Di,- För-- dcrung der landwirtschaftlichen Pro­dukt io »i sei die Lebensfrage für Deutscklemo. Fede neue Belastung der Landwirtschaft aber müsse zum Zusammenbruch führen. Hätten Industrie und £mibnnrihian nicht die volle Freilieit, fid> selbst ju enttoide.n, dann würden alle Pläne der sttegte- rung idKitcni. Auch für Obersttstesicn habe die Regierung nur Worte gefunden. Es sei "bei. dem Ultimatum dasselbe Spül mit uns getrieben nxor - den, wie beim Versailler Diktat. Hier könne es nur eines geben: Helfe dir selbst und du »virst Bundesgenossen finben! Der Reickrskanzler habe vom natwiialen Gedanken geforodxn, aber mit gewissen Einschränkungen im demokrai ischen Sinne. Dabei habe in Frankreich gerade die Demokratie den nationole.i Gedank.n tm .mverialislischcn Sinne ausgestaltet. Mit der freiwilligen Entwaffnung der Ein wohn erwehren fei jeder Grund gefallen, die Wehren selbst aufzulösen, die so nicht mehr gegen tyi ^Friedensvertrag verstoßen. Die baiie- -rische Regierung halte an diesem Grundsatz fest Der Redner richtet an den Reichskanzler die bün­dige Frage, ob die Pläne der Regierung, die sich gegen die Landwirts chaft richten, tatsäclstich bestehen. Für bicfen Fall sagt er der Regie­rung schärfsten Kamps an. «Beifall und Widerspruch)

Minister für Wiederaufbau Dr. Rathenau:

Sie werden yeute vor mir weder ein Pro­gramm noch einen Bericht empörten. Das Ar­beitsfeld, in das ich mich einzuarbeiten habe, ist groß und eine Inforrnationszeit von einigen Tagen wiro Dann doch möglich fein, ehe ich Rechenschaft ablege von dem, was geschehen ist und von dem, »vas geschehen soll. ES Ivar kein leichter Ent­schluß für mich, mich zu trennen von so einer großen Zahl wirtschaftlicher Gckilde, die ich zum Teil selbst gqdxtffen hatte. Was mir den Ente schluß erleichterte, hxir die Erwägung, daß mein neues Arbeitsfeld kein politisches ist. Nickt als Mitglied einer Partei.bin ich berufen. Ich ent­nehme dieser Tatsache das Recht, meinen Auf­gaben kreis so unpolitisch wie möglich zu gestalten. Es ist feine Besorgnis vorhanden, daß dieses Ar­beitsgebiet Jid» verquicken wird mit irgend etwas, was mit Kriegswirtschaft oder Zwangswirtschaft %u tun hat. Weiter betone ich, daß von meinem Arbeitskreis alles fern gehalten werden wird, was auch nur von weitem nach Schieberturn und Re- paranousgewimt aussiehr. Eure allgemeine Ökform des deutschen Wirtschaftslebens will ich nid# vor nehmen. Der Körper unserer deutschen Wirtschaft ist viel zu krank, als daß es möglich wäre, ihn t>on Grund aus umßugestalten. Große wirtschaftliche Reformen versprechen erst dann Erfolg, wenn das Bewußtsein des Volkes sich auf diese Reformen mit Freuden eingestellt bat. Ich will also mein Ann nach rein wirtschaftlichen und sachlichen Grundsätzen führen. Ich bin finaerreten in ein Kabinett dec Erfüllung. Wir müssen Wege fin­den, uns mit ter Welt roieber zusammenzufinden. Ter zwene Grund, der mich bemögen hat, das mir an gebotene Amt anzun-ehmen, ist der, daß ick die ileberseugimg genwnncn Hecke, daß Frank­reich den Wiederaufbau will. Man hat mir ge­tagt, seien Sie vorsichtig, benn Frankreich ist es mit dem Wiederaufbau nickt ernsl. Ick habe mick aber davon überzeugt, daß es Frankreich mit dem Wieder au skwu ernst ist. Es ist für uns in der Lage des Bedürfnisses und des Schmerzes, in der wir wis befinden, schwer, objektiv zu blecken. Aber als Gtegeitiontrabent Frankreichs müssen wir Frankreich gegenüber objekiv» bleiben. Diese Ob­jektivität besteht darin, daß wir davon sest;nhalten haben, daß Frankreich den Wiederaufbau will und zwar aus dem Grunde, well Frankreich tm Kriege üfmrr gelitten hat Es ist Tat>'achk?, dag 3,3 Mlllimen Hektor dieses Landes zersiä-rt worden sind, 370000 Häuser sind be»'ckÄ>igt. darunter 300000 vollkommen vernicklet. Tie Schulden Frankreichs' rnb ungeheuer an ge­wachsen und seine Handelsbllanz ist eine passire. Sie werden mit mir einig sein, ein Land, das sich in einer solchen Lage befindet, will den Wie­deraufbau. Frankreich wird ihm auch wollen nt Gemein schaff mit uns und baraur kommt es an Daß Frankreich aber heute schon 'yewalnges und sehr Beachtenswertes an dem Wiederaufbau ge­leistet hat, ergibt sich aus folgenden Johlen. Es ist dem franzö^'cken 'St ?terauf5clim-jtiiierumt ge­lungen, von Lokalbahnen und Drüd : 60 Proz-nr wickerher zu stellen, von Fabriken 3040 Proz, von Bergwerken 6 Proz, von 5? an'em allerdings nur 2,5 Pro; Tas ist doch eine kröchst respektable Leistung, teonbers für Frankreich und daraus gebt hervor, baß Frankreich du? ernstliche Abffchr hat, wieher au r inbauen. J&mn aber der Wieder­aufbau von der einen Seite gewollt nnrd, dann sind wir vervsticktet, ihn zu leisten. Tamit komme ick auf die Worte der Erzellen; Edler von Brann zu sprechen. S. Er. 'Zuruf Tinks: Abgeorimeter!) T-erzereen Ste, es ist das ers:? 'Mak, toE.'ä)

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von mir geschrtebeneii Aussatz verieseii, au» den ich auch ohne diese Verlesung zu sprechen getom- men »oärc. Im ineiem Aussatz habe ich-die fdXDtrften Bedenfen gegen btc Atuiahine des Ultimatums auSgesprocheit Aber weshalb ich bteic Bedenken gehabt habe, Ixxt der Abg. von Bvarm nidx getagt. Gr Ixrt nicht gesagt, datz 5s nicht bi? ;3ab(cit ge- ivetcn sind, die ich angegrii»ai habe, sondern der vor sehr unglücklich uitb ich bin fest überzeugt, daß schon heute auch aus'der Gegenseite die glridu Erkenntnis fid) Bahn gebrochen bat, daß dieser Index roeber unferen, noch bat Interessen uirserer Okgucr entspricht. Wenn es <ckn nicht die Pflicht eines jeben »ein sollte, während der schwedendai Vetha.tdlungen zu Warnen und bringend zu war­nen, bevor ein Unglück gefdx'hcn ist, dann weiß ich nicht, »vas eine ehrliche Uebetzeug?.mg sein soll. Und wenn barai die Entsckreidung gefallen ist, soll ntan sich dann zurückztchat nick schntollett inti» sabotieren? ^Widerspruch und Zurufe redfts.) Sie (nach rechts» sitzen doch and) noch hier, nadibcm bas Ultimatum unterschrieben worben ist. (Zu­ruf rechts: Es bleckt uns ja nickits weiter ickrig.) (Stürrnische Heiterkcit-- Gewiß, wenn wir incr sitzen, so tun wir das boch nur, um dem Lande zu bienen und wir dienen dem Lande vor und nach dem Ultimatum. Und mm btc Frage, irre ich mich meinen übcnvmntenen Verpflichtungen gegenüber zu stellen habe, gleichviel Jb ich sie freiwillig ober unfreiwillig übernommat habe. Und da betone ich: Industrie heißt kauffnännisehe An­wendung der Tecktiik .Industrie im Hmidiverk und im Kauffnannssland. Ter Kaitsmannssloud ist in der gmtzen Welt auf "dem alteii Grundsatz, der Vertraumi heißt, eingestellt. Tas Vertrauat bat als Symbol das grfdvticbcuc Wort, die Untcr-- schrist. Wenn ein Bn.f die Unterschrift meines Hauses oder meines "A'amens oder gar meines Ä^olkes trägt dann betrachte ich diese Unterschrift als meine 'Ehre und die Ehre metned Landes (Furus u'ditdj" DD halte die Enüllimgen des Uttt- marums für möglich. (Zuruf r'chtS: Früher haben Sie aber das Gegenteil getagt.) (Großer Beifall.)

Reichskanzler Dr. Wirth pnoteftiert gegen den Vorwurf des Abgoordn. v. Braun, daß er die Eingabe der bayensdten Regierung in Sachen der bayerischen Einwohnerwehren an die Entente nicht icriterslützt habe. Er habe vielmehr der bayc- ritcheii Eigenart entsprechend gern der freiwilligen Entwaffirung zugesii'mmt. Herr v. B aun habe aber Einwohnerwehre!! und Otgesck uitterenumber ver­wechselt, und es sei. höchst bebaueriid), baß sich ein Abgeordneter hier hinstelle und ofonc genügende Sadstenntnis spred>e. In der Sache der Ein­wohnerwehren habe er fofert das baperisd»? An- sucken unterstützt. Redner verliest daraus bi? eng­lische Antwort an Baygm und stellt fest, daß er sich an das Ultimatum gehalten habe und sich durch nichts dagegen Ifinreißen lm'sen »Derbe, die Loyalität seiner Ecllärunq zu erschüttern. Redner warnt im übrigen, anläßlich kleiner Truppen- tvansporic wie B. der der bayerischen Wacht- kompagnie nach Bayern große Zeitungsartikel zu madxm, die auf Untenntnis beruhen uni» geeignet feien, Uiritinuniflfeiten bertoriurmen. Redner fcküeßt mit einem Protest gegen den anrifemt- tischeii Angriff des Abg. v. Braml auf das JVa- binett

Abg. Hen kc ^USP.) betont die Notivendig- keit, die Sondergerichte auizuhebeii. Ttc Zulassung der Frauen zu den Schöffen- und Ge- scktworenengerichten stehe noch immer offen. Ter Tank, den Reichskmzler Wirth gestern nach Bayern geruhtet habe wegen der freiwilligen Abgabe der Waffen, sei an btc falsche stelle gelangt. Tas seien dieselben Leute, welche tu Unabhängigen und Kommunisten verfolgten und die tu politische Spitzeltätigfeii begünstigten. Ter ^Reichskanzler wolle den nationalen Geist in demokratischem Sinne entwickeln. Glaube er bas durch die InterniL- rungslager zu erreichen? Wenn die Steigerung der Produktion durch bas Lie'besgabew'ijfteni er* reicht werben solle, müsse feine Partei dagegen vroteitiercn. Tie Lanbnarrickaft bebüne keiner wej- teren Untentüpintg. Redner nxmbtt sich gegen bu mbtretten Steuern. Wie stehe der Äanaler zur Soziall ierung, wie zur Frage der Unterstützung bei stri-?gs befch-äbigten. wie zur Wohnungsfrage? Redner schließt mit bei nochmaligen Befürwor­tung der Anträge mit Aufhebung bet Ausnahms- besrimmungen. Die Regierung müsse sich dessen bewußt bleiben, baß ne 'tm Interesse der Arbeiter auf der Wacht bleiben müsse, wenn sie nicht mit deren schärfsten Mißtrauen rerfmen wolle, sBei­fall links.)

Näckste Sitzung Freitag 1 Uhr (kleine An­fragen, Interpellation Stresemann über enc Sanktionen und Weilerberattmg.

Berlin, 3. Juni. (Prw>-Tetear./ Laut Berk. Lokalanzeigeri' werden bie ReiDstagsfrat- rioner dec Regterungspa-Ieien heute vormit- ta g den endgültigen Wortlau: ihrer Erllärung zu her Programmrede des Reickskanllers festsesen. Die Grflärung wird voraussichtlich io formuliert ro^röen, daß 'omohl für dir Teutsche Bvllspartei als auch tüt die Unabhängigen feine Bedeickm belieben, mt sie zu stimmen ober zum mindesten sich der Stimme zu enthalten.

tourt UlrimatumS im Reichstag cov Inter­pellation cingtJrauht, in der es u a. linfet:

,^Ist die deutsche Regierung der Auffalsimg, daß diese sogenannten Sanktionen mit dem F r ir­den-vertrage von Versaillo und mit denl Völkerrecht in Einllang steten? Glaubt die deutsche Regierung das ivinichaftliche imb staat­liche Leben des Reiches in dem durch den Venrag von Versailles verbürgten Umfange aufrecktzu. i tot, glaubt die Regierung insbesondere die mit her Annahme des Ultimatums übernommenen Ber* vslichtungen auch nur aiuuHrnib rrsüllen \tt können, wetv, Tculfdüanb burd» die Ütesktzung unrt- sdxfftlich nndjtigcr Städte unb durch die Amt bauet einer Zollinie in zwei getraouc Zoll- unb Äitl- sctoflSgebietc verfällt und das ganze Rttcinlanb dem deutsdxm Einfluß unb der baitfdten unrtidxiftlichai Gesetzgebung i»£ steitzentem Maße entzogen wird? Wclclfe Schritte habficteigt die Mtegif« mng zu tun, um die Beseitigt» n g d r oben be­zeichneten sogen. Sanktionen herteizufichom?"

Da» französische vcho zur Reichskanzlerrede.

Paris, 2. Ium «WTB.^ Zur geftngai Rede des RridZSkamders Dr. Wirth fdncibt bet T em ps": Twtzdem in Deutschland eine neue Regierung toibanben sei, setze baS »Heid), wie man aus ter Rebe schließen könne, seine alte, feit dein Waffenstillsvcmd gewohnte Politik fori V : gebe in den Punkten nach, in denen Frankreich iud> England älter Nternunq seien, und es nehme bet Kämpf gegen Frankreich auf. da, wo England seine eigene Ansidtt habe Warum, fragt ter Tem ps", »Dill Teutschland nicht rin sehen, daß cs in der pberschlesisckcn AtigriegenHeu von den­selben Mächten m den Konflikt getrieben wird, die es in den Weltkrieg hinringerrssnt ixiben, nt dem alle Verheißungen feiner arbeitsamen Zu- funft verloren ginge,! Der ..TenrpS" wendet sich auri» gegen die ikrklärttna beS Reichskanzlers, daß btc Ein tuhr, inebetonberr die LupnSeinsuHr eingeschränkt werden müsse DaS sei fit'chl das Mittel, Frankrrid- an brr Unter­drückung der Sanktionen im Mfernlande zu miet- efneten. Auguste Gonvain gt t intJournal des TebatS" feiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß der Reichöfanzler erklärte, er ver­zichte aut Anleihen, um di - Schulden Deutsch- lands Mt bezahlen. Er hege die bevechttgie Hoff­nung, die vorgeschnel>enen Zahlungen all rt and dem Ergebnis der Steuern bcqlridien zu können Frankreich aber müsse fort'abrcn, unter immer größeren Zinszahlungen zu leihen, um n'jften sür ben Wiederauf bau zu begleichen, :nabmtb Teutsckilai'b frine intaltm Produktionsmittel bei« mehre mit all den Kapitalien, die ;t ihrer Ver­fügung geblieben feien Iaroues Bamvilte schreibt in derL i'be r tfe", für drei Wocken Unterwerrung verlaiige Teutschland ganz Lberschlesien, btc Räu­mung von R ihr ort, Tüsselburg und DutSburg unb die Unt 'tdrudnnq der Z.öllc am f)i rum verlange es nicht auch die Zurückberufung der Desatzungstruppen vum link-n Rhcinufet'-' Der I n trän Hgean t" faßt sein Urteil über tne Rede deS RädskanzlevS txibiii miarnmen. at't- sdMtliche Versiändüpuii wohl, aber gcfühlSm Verständigung noch nicht.

Ter ,,F igar o" schreck'. ;u der gestrigen Rede des Reichskanzlers Tr. Wirll», der Rrichskan^let glaube, nach den Beweisen guten Willens mußten die AUricrten offenes Spiel spielen. Es scheine, daß cs ihm noch nickt genüge, daß die Alliierten bet Bankier Deutschlands seien. Frankreich bäte ihm schon 60 Mllliardcn vorgeschotsen Jetzt solle man auch dem deutschen Volke da' 93er trau en au: sprechen. Dr. Wirth kündigte Briand an, wenn er eine demokratische Regierung erhalten wolle, muffe er ihm Oberlchtesien überLih'en. Tie Rolle sei vertauscht, Berlin verlange P'ander, d. h. cS verlange sic nicht, vielmehi, cs nehme sic sich. Denn die Franzosen nicht vor den Toren des Ruhrgeoietes blieben, dann würden die Deutschen m Oberschtcsten dnrn Angriff großen Stils unter­nehmen.

Das Ultimatum in der Eutwaffnungtzfrage.

Paris, 2. 3uni. (WB. Briandempfmg beuu abend den deutschen Gesandten Mayer, nachdem er vorher den Gerreral Weygand empsangen batte. Der diplomatische Berichterstatter der Agmre Havas glaubt zu wissen, daß der Besuch Mayers den Zweck hatte, die franzöfi'cke Regierung um Er- 1-nchterungen in den Bestimmungen über bie Auf­lösung bet Einwohnerwehren zu ersuchen. Ter deutsche Botschafter habe beim Vorbringen dieses Wunsches dem Ministervräsibenten die Versicherung ««jeben, daß bie Reichsregierung die militärischen Klauseln des Ultimatums bedingungslos und vor­behaltlos armebmc. Briand habe geantwortet, daß er sich nur an bie im Ultimatum verlangten Be­dingungen holten töime. Havas fügt hinzu, daß die deutsche Regierung in der Note oom 30. Mai an General Nollet ,'ckon Lorbchalie in der Entwaff- nungsfvage gemacht habe, und daß der Vorsitzende der deutschen FriebenÄxlegation, v Mutius, gestern diese Vorbehalte gegenüber dem Direktor für ans« wärrige Angelegenheiten wiederholt habe.

Tie Zahlung.

Berlin, 2. Ium. (Wolff.) Laut der in. derB. Z." heute verbreiteten Meldung aus. WasHingwir behaupi-' bieThicago Tribüne"^

Eine Interpellation der Deutschen Volkspartei;

Berlin, 2. Ium. Die DeutscheVoirs- r r e i hat ates Anlaß der Forrführung der Sank-