Aus Stabt ttttb Land.
Gießen, den 3. Ion. 1921.
Die wichtigsten Daten des Jahres 1920 in Gießen und Oberhesteu.
11. 1. Hochwasser in Gießen.
13. 1. Einstellung des Straßenbahnverkehrs tn Gießen wegen Hochwassers.
15. 1. Große Eimchränkungen des Verbrauchs von Gas und Elektrizität im Zusammenhang nnt dem Hochwasser
22. 1. Schneiderstrerk in Gießen.
15. 1. Ankunst des ersten Kriegsgefangenentrans- vorts in Gießen.
1. 2 Erste Sitzung des Wuchergerichts für Die Provinz Oberhessen in Gießen.
1. 2. Einweihung des neuen Bootshauses des Vereins Rudersport in Gießen.
2. 2. (bis 31. 3.) Zwischensemester der Landesuniversität für Kriegsteilnehmer usw
25. 2. Ausgabe einer Anleihe der Provinz Oberhessen in Höhe von 10 Millionen für den Ausbau der Ueberlandzentrale Wölfersheim.
1. 3. Verdoppelung der Fahrpreise auf der Eisenbahn.
3. 3. Ausgabe einer Anleihe der Stadt Gießen in Höhe von 4,5 Millionen Mark.
10. 3. Letzter Kriegsgefangenentransport: das Durchgangslager Gießen hat etwa 36 000 Heimkehrer ausgenommen
26. 3. Eröffnung des Liebigsnruseums.
14. 4. Ein Kohlendieb durch einen Sicherheitspolizisten erschossen.
11. 5. Spielplatzwerbetag in Gießen.
28. 7. Beginn des ersten ordentlichen Vertreter - tages der evangelischen Theologen schäften Deutschlands und Deutsch-Oesterreichs in Gießen. .
18. 8. GeneralstreikdrohiM in Bad-Rauhenn wegen Verhaftung eines Felddiebes.
6. 10. Versammlung des Lahnkanalvereins. 11.10. Großfeuer in der Dampf Ziegelei zu Lich. 8.11. Großfeuer in der Eulerschen Zigarrenklsten- fabrik in Gießen.
29.12. Die Stadtverordnetenversammlung in Gießen beschließt die Erhebung der Grund- und Gewerbesteuer: zwei Tage später die Besteuerung des reichssteuerfreien Einkommens.
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Zur Linderung der Wohnungsnot bewilligte die Stadtverordnetenversammlung am 17. April für Wohnungsneubauten 700 000 Mk., für Notwohnungen weitere 100 000 Mark und an die Baugenossenschaft von 1894 ein Darlehen von 200 000 Mark. Am 7. Juni wurde der Baugenossenschaft von 1894 ein weiteres Darlehen von 400 OfO Mark b w llig^ sowie ch Vorschuß von 100 000 Mark und dem Eisenbahnheimstättenverein ein Darlehen von 200 000 Mark. — Am 26 Mar erwarb die Stadt den Steins Garten für die Unterbringung eines Teiles der Stadtverwaltung zum Preise von 350000 Mark. Für die Herrichtung des Steins Gartens bewilligte die Stadtverord- neienversaMmlung am 23. Juni 235 000 Mark sowie für die innere Ausstattung am 24. Dez. weitere 175 000 Mark.
Der Brotpreis für einen Bierpfundlaib betrug vor dem 1. Januar in Gießen noch 1,66 Mark. Vom 1. Januar ab kostete der Bierpfund- larib 8,35 Mark und am 1. Mai wurde der Preis für vier Pfund Brot auf 4,25 Mark erhöht. Ein Brötchen kostete vor dem 1. Januar noch 5 Pf., ab 1. Januar 8 Pf., ab 15. Januar 10 Pf. und vom 1. Mai 15 Pf.
Der Aartoffelpreis im Kleinverkauf wurde am 14. Januar auf 18 Pf für das Pfund erhöbt und am 1. Februar auf 23 Pf. Für die Jrühkartosseln aus der neuen Ernte wurde am 15. August ein Höchstpreis von \30 Mark für den Zentner festgesetzt. Arn' 23. August wurde dieser Jrühkartoffelhöchstpreis auf 25 Mark herabgesetzt und am 1. September auf 22 Mark für den Zentner. Für die eigentlichen Herbstkartoffeln wurde die Zwangswirtschaft aufgehoben, später sedoch wieder ein Höchstpreis von 25 Mark für den Zentner eingefuhrt, als eS im freien Handel zu Unzuträglichkeiten kam. Als Protest gegen die hohen Kartoffelpreise traten die Wölfersheimer Clektrizitätsarbeiter am 20. September in den Ausstand, wodurch Oberhessen für einige Tage ohne elektrische Beleuchtung war.
Die Fleischpreise wurden vor Aufhebung der Zwangswirtschaft zum letztenmal am 21. Juli erhöht und zwar für Rind- und Kalbfleisch aus 8 Mark und für Hammelfleisch auf 5 Mark für das Pfund.
Eine Straßenbahn fahrt in Gießen kostete bis zum 1. ?lpril noch 20 Pf.; dann wurde der Fahrpreis auf 25 Pf. erhöht, am 7. Juni auf 30 Pf., am 30 Oktober auf 40 Pf. und neuerdings gar auf 50 Pf.
DieTotendesJahres.
1. 1. Geheimer Kirchenrat D. Eck.
16. 1 Geheimer Regierungsrat Professor Dr.
W. Will.
2. 2. Realschuldirektor Dr. Otto Knauß.
23. 2. Geheimerat Professor D. Dr. Siebeck.
8. 3. Professor Dr. Wilhelm Bousset.
12. 3. Geheimer Medizinalrat Prof Dr. Strahl.
16. 6. Geh. Rat Dr. Andreas Breidcrt.
17. 7. Geheimer Justrzrat August Metz.
24. 6. Geh. Hofrat Professor Dr. Hansen.
28. 7. Fürst Karl zu Solms-Hohensolms Lich.
29. 7. Fürst Wolfgang zu Psenburg-Mdingen.
15. 8. Geh. Kommerzienrat Dr. h. c. S. Heichelheim.
30. 9. Amtsgerichtsdirektor a. D. Geheimer Justiz- rat Heinrich Gebhardt.
Neujahrsanfang.
Das neue Jahr hat in Gießen einen ruhigeren Einzug gehalten, als seine Vor- Aänger. Die Äuchtkugeln und Raketen, die sich von dem Rückzug unserer Truppen hier vielfach noch in den Händen der Bevölkerung befanden, sind aufgebraucht oder abgeliefert. Nur wenige Leuchtkugeln, ganz vereinzelte Raketen stiegen trotz Verbotes um die Jahreswende in die Luft. Dafür wurde um so mehr bengalisches Licht abgebrannt und die sogenannten Frösche tanzten mit lautem Knall durch die fast menschenleeren Straßen. Tas regnerische Wetter, mit dem das alte Jahr non uns Abschied nahm und das neue Jayr uns begrüßte, ließ auch nicht den üblichen Straßenverkehr auffo mitten. Dafür spielte sich in den Cafts und den Restaurationen ein um fo lebhafterer Verkehr ab.
zerr und Vorstellung der Chremfeer. — .Luhtlprel- theater wie gestern. *
* * Aufgeklärter PelKdiebstahl. Es gelang der hiesigen und der Kassier Kriminal- polizei, den Pelzdiebstahl bet Kvetzschmar aufzuklären. Als Täter wurden zwei als Einbrecher bekannte Personen rn Kassel festgenommen und auch noch Pelze, die aus dem Diebstahl von Kretzschmar stammen, in deren Besitz vorgefunden.
* ♦ Festgenommen wurde ein von der Staatsanwchtschaft Schweinfurt steckbrieflich verfolgter junger Mann.
* * Besitzwechsel. Optiker Magnus veräußerte sein Hans, Blockstraße 10, an einen Herrn Wagner in Biedenkopf und erwarb das Anwesen der Heinrich Kri^b Erben, Stephansttaße 31, für 90000 Mk.
• • Der Sanitätsverein zu Gießen hielt am 30. vorigen Monats eine außerordentliche Generalversammlung ab mit der Tagesordnung: Vertragskündigung der Aerzte zum 31. Dezember 1920. Verschiedene Mitglieder äußerten sich über die bedeutend erhöhten Gebührensätze der Aerzte und äußerten sich über die Wohltaten des Sanitätsvereins, der es auch den wirtsclaftlich schwachen Bürgern ermöglicht, die in der Privat- praxis der Aerzte normierten Sätze bezahlen zu können. Es wurde der Beschluß gefaßt, entsprechend der neuen Aerzteforderung den monatlichen Beitrag aus den Minvestsatz von 10 Mk. festzusetzen. (Siehe Anzeige im heurigen Blatte.)
* * Die Lichtspiele Sel ters weg teilen uns mit, daß der Harry Pielfilm: „Das fliegende Auto" noch zur heutigen 1/29*U6r- Vorstellung auf dem Spielplan bleibt. Ab morgen
nn. Dar m stadt, 2. Jcm. Die Silvesternacht ist hier verhältnismäßig sehr ruhig verlaufen. Im LalGestheater kam die „Fledermaus" tn wohlaelur.gmer Darstellung zur Ausführung. Von den Kirchtürmen wurde das neue Jahr durch Pv- saunenchörc feierlich eingeleiter. Die Schießerei beschränkte sich in der Hauptsache auf ein paar Frösche.
4 Bad-Nauheim, 2. Jan. Tas alte Jahr schloß nach altem Brauche mit einem feierlichen Silvestergottesdienste in der Tankeskirche. Ter Andrang dazu war so stark, daß der große Raum nicht alle Besucher ausnehmen konnte. Ter Gesangverein „Frohsinn" verschonte die Feier durch dem Ernst der Stunde angemessene Chöre. Um die Jahreswende erschollen vom Johannisberg feierliche Chvralmelodien des Posäunenchors. Aus den Straßen war das Leben in der Neujahrsnacht verhältnismäßig ruhig: lebhafteres Treiben herrschte in vielen Lokalitäten. In beiden Sälen des Kurhauses war zwangloser Gesellschaftstanz. Oeffentliche Siloesterfeiern mit Tanzveranstaltungen sanden außerdem noch in verschiedenen Cafes und Hotels des Kurviertels statt, so im Kurpark-Casino, im Rosenhof, im Hotel Bristol, welches u. a. Fritz Schlotthauer vom Mainzer Stadttheater und Carl Sau ermann vom Frankfurter Opernhaus als Bortragskünstler gewonnen hatte. Ter Neujahrtag und der heutige Sonntag gehörte noch den Vereinen und standen noch ganz im Zeichen des Weihnacktsfestes. Ter Gesangverein „Freisinn" hatte gestern in der Turnhalle einen! wH.'gelungenen Unterhaltungsabend: die Ka t h »- lische Vereinigung veranstaltete heute im Sprudel- Hotel eine vornehme Weihnachtsfeier mit abwechslungsreichem Programm und anschließendem Ball.
Die erste Nummer der
Sport-Umschau
Wochenschrift für Turnen, Sport und Spiel liegt stets der Dienstags-Ausgabe des Gießener Anzeigers bei, die folgenden Nummern werden an den Dienstagen des Monats Januar kostenlos eingefügt werden. Damit ist unseren Lesern Gelegenheit geboten, sich von den zeitgemäßen Bestrebungen und von der Reichhaltigkeit dieser Sportbeilage zu überzeugen.
Von Februar ab bezieht man die Beilage gemeinsam mit dem Gießener Anzeiger unter der Bezeichnung ,,Q i e ß e n e r Anzeiger mit Sport-Umschau“ zu M. 5.50 monatlich, einschließlich Trägerlohn, durch unsere Zeitungsträgerinnen und Zweigstellen in Stadt und Land. Durch die Post beträgt der Bezugspreis M. 6.25 einschließlich Bestellgeld. Selbstverständlich kann der Gießener Anzeiger auch ohne Sport-Umschau zu dem seitherigen Bezugspreis gehalten werden. Die
Sport-Umschau als Sonderausgabe,
mit blauem illustriertem Umschlag ausgestattet, ist von heute ab im Einzelverkauf zu M. im Buch- und Straßenhandel sowie in der Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers zu haben. Durch die Post beträgt der Bezugspreis M.3.— monatlich einschließlich Bestellgeld.
Die Sport-Umschau wird als Beilage zum Gießener Anzeiger und als Sonderausgabe zusammen zunächst in einer
Auflage von über 25000
herausgebracht und stellt somit ein einzigartiges Empfehlungs- und Ankündigungsmittel dar für Anzeigen, die sich an die Sport-, Turn- und Spielkreise und - Vereinigungen in Oberhessen, sowie in den Kreisen Marburg, Wetzlar, Dillenburg und Siegen wenden. Der Geschäftswelt wird diese günstige Reklamegelegenheit ausgezeichnete Erfolge und den Vereinen die ersehnte umfassende Verbreitung ihrer Sport-, Spiel- und Versammlungsankündigungen bringen.
Anzeigen für die Sport-Umschau werden jeweils bis Freitag vor Erscheinen in der Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers entgegengenommen, woselbst auch Jede weitere Auskunft gerne erteilt wird.
Verlag des Gießener Anzeigers.
Der Heberschuß aus den Einnahmen des Abends wird zur Neuanschaffung der abgelieferten Zmn- pseifen der Orgel in der Bvnifatiuskirche verwandt. Eine schöne Weihnachtsfeier bot heute auch die Ortsgruppe der Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener ihren Mitgliedern in der „Waldlust". Ter Turnverein 1860 wiederholte heute vor vollem Hanse in der Turnhalle des bei der Weihnachtsfeier des Vereins mit so viel Beifall aufgenommenen Weihnachtsmärchen in d-vei Bildern „Weilmachten im Zauberwalde", nachmittags für die Kinder, abends für Erwachsene.
Fd. Frankfurt a. M., 1. Jan. Auf Anregung des Doyens des hiesigen KvnsularkorpS, des großbritannischen Generalkonsuls Gosling, sand heute mittag im Fürftenzimmer des Römers ein Peusahrsempfang des KvnsularkorpS statt, an dem u. a. die Konsuln von Belgien, Italien, Teutscb-Oesterreich, F.ankreich, Großbritannien, Niederlande, der Ifchoci/vslowakischen Republik, Spa- men, Norwegen, Schweden, Schweiz, Türkei, Kolumbien, Mexiko, Dänemark, Finnland, Chile, Venezuela usw. tellnahmen. Bon den Frankfurter Behörden 'hatten sich eingefunden txc Spitzen der Reichs- und Slaatsbehörden, der Rektor, der Universität, das Präsidium bet Handelskammer, die beiden Bürgermeister und eine Anzahl Magistratsmitglieder. Geneualkonsul Gosling wies m seiner Begrüßnngsanspvache daraus hin, daß dank der Vernunft und dem Arbeitswillen der benfenben und intelligenten Elemente der Arbeiterschaft bte bisher obwaltenden Schwierigkeiten glücklich über* wunden seien. Es sei zu hosten, daß das fleißige und energische deutsche Volk im Jahre 1921 der Faktor der Wiederherstellung des neuen Deutschland sein werde. Oberbürgermeister Voigt erwiderte bestätigend, daß das verflossene Jahr für dos deutsche Volk ein ungemein schweres gewesen sei und das die großen Hemmnisse, bie der vollen Entfaltung der aufbonenden Eigenschaften des beut- scheu Volkes entgegertftänben, in dem Mangel an Kohlen und Rohstoffen und der Teuerung aller Lebensverhältnisse zu suchen leien. Nur bte Wieder- erkenntnis und lebendige Betätigung der Gemeinsamkeit und Zusammengehörigkeit der Menschen und Völker könne einen schönen Sonnenaufgang besserer Zeiten bringen. — Mir kurzer zwangloser Unterhaltung der Beteiligten schloß der Empfang, dem die historischen Räume des Römer einen würdige nRahmen verliehen.
[i Marburg, 1. Jan. Der gestrige Neu- icchrsmarkt brachte unserer Stadt einen gewal- ligen Verkehr, besonders seitens der fugendlichen Landbevölkerung, die in zahlreichen Lokalitäten dem Tanz huldigte. Für die Verkaufs -und Spielbuden reichte der Markwlotz bei weitem wiche aus, auch dre angrenzenden Straßen und Plätze müßten noch m Anspruch genommen werden. Die Neuiahrsnacht verlief, mit wenigen Ausnahmen, ruhig.
Veranstaltungen.
Montag- Stadttheoter, 6Vr Uhr Opern- I ga ft Uriel des hessischen Lonoestheaters „Tie lustigen I Weiber von Wiwdsvr". — Caft Lech, 8 lEyr, Kon-
gclangt der Film „Die lebende Fackel" zur Vorführung. Näheres siehe Anzeige.
** Druckfehler. Im letzten Leitauffatz ^Jahreswende" muh es naÄrlich heißen, daß die Ausführung des Fnedensvertrages uns in diesem Jahve allein über 41 Milliarden (nicht Millionen) gekostet hat, was unsere Leser wohl schon selbst berichtigt haben werden.
Kreis Friedberg.
Eine neue Rosensotte.
fd. Bad-Nauheim, 2. Jan. Auf dem hiesigen Güterbahnhof tourben süns pyramidenförmig verpackte Rosmftöcke angehalten, die sich durch ihre merkwürdige Schwere auszeichneten. Als man der Sache nachging, entdeckte man in jedem Kübel je einen Zentner feinsten Weizenmehls.
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4 Bad-Nauheim, 2. Jan. Eine große öffentliche Versammlung zur Gründung eines Konsumvereins sand heute nachmittag im Thalisienhof statt. Sic war aus allen Schichten btr Bevölkerung gut besucht. Der Leiter des Gießener Konsumvereins, Diener hielt einen ausführlichen Vortrag über das Konsum- und Genossenschaftswesen und gab in der Aussprache Erläuterungen dazu. Der Verein kann bereits als gegründet betrachtet werden, denn die dazu nötige Mitgliederzahl ist schon weit überschritten. Ein Ausschuß wird die Vorbereitungen treffen.
Starkenburg und Rheinhessen.
Verhaftete Mörder.
fd. Mainz, 2. Jan. Im benachbarten Armsheim ist vor einigen Tagen die ledige Milchhändlerin Schwenk von angeblichen Hamsterern überfallen und in ihrer Wohnung erdrosselt worden. Die Mörder entkamen mit dem Schmuck, den Sparkassenbüchern und dem Bargeld der Getöteten ungehindert. Nunmehr wurden als die Mörder die Gelegenheitsarbeiter Wenz aus Mom- bach, Deister aus Gau-Mgesheim imb Klein aus Geifenheim verhaftet. Anstifter ist Wenz gewesen. Die Verhafteten haben bereits ein Geständnis abgelegt.
Die Stillegung der Opelwerke.
rm. Rüsselsheim, 2. Jan. Der Betrieb der Opelwerke wird auch weiter stille stehen, nachdem durch die Stellungnahme der Arbeiterschaft zu dem Schiedsspruch des Schl ichttmgsaus sLusses sich verschärft hatte. In einer Abstimmung der Arbeiterschaft, in der etwa 1500 Mann anwesend waren, haben sich mir etwa 250 bereit erklärt, bat Schiedsspruch anzunehmen.
Kreis Wetzlar.
Dynamitaltentat in Ehringshausen.
Fd. Wetzlar, 2. Jan. Im benachbarten Ehringshausen hatte man auf Grund von Anzeigen in der letzten Zeit bei bestimmten Personen Haussuckiungen nach Waffen vvrgenommen. In der Neufahrsnacht wurden nun vor die Türen des Bürgermeisters, deS Wachtmeisters Jacob und eines Sattlermeisters Dy na mitpa t r o- nen gelegt, die explodierten yyb einen bedeu
tenden Sachschaden an richteten Ungezählt: Frnßer» scheiben gingen in Trümmer, dagegen sollen Menschenleben, soweit bis jetzt feststeht, nicht zu Schaden gekommen sein. Der Anschlag wird mit den Haussuchungen in Zusammenhang gebracht.
Wir erfahren hierzu noch von einem Mitarbeiter: Zu furchtbaren Ausschreitungen ist es hier während der Neufahrsnacht gekommen. Junge Leute, die zum Teil in den Bergwerken be,chäftlgt find, hatten sich Dynamit, Handgranaten und dergleichen Dinge zu verschassen gewußt und suchten dannl Rache an den Leuten auszuüben, bie dem modfenlangen Unfug der Jugend entgegengetreten waren. An ter Bürgermeisterei, in der der Bürgermeister wohnt, brachten sie Dynamit zur Entzündung. Hausein- gang, Flur und Treppe sind furchtbar zugerichtet, alle Fensterscheiben zertrümmert: verletzt wurde zcun Gluck memanb. Dem Polizeijergeunten awr- sen sie eine Stielhanbgranate tn dis Zimmer, so daß alle Möbel, Fuschoden und Decke schwer besckädigt sind. Einem Sattler meister legten sie den Sprengkörper in den Haus- s l u r, der vollständig zertrümmert ist, ja die Decke wurde durchgeschlagen und die Türen eingedrückt. Auch das Eishuus ist an'/httneiä» durch Tynimit schwer befd>äbigt. Tie Stcherheil.spol i-ze> traf noch in der Neufahrsnacht von Wetzlar ein und sperrte das Dorf ab. Der KreiSral und die Polizeibch^iid^ aus Wetzlar trafen gestern früh ein. Zwei Polizeihunde verfolgten bte spuren bis zum Nüßchen Till. Mehrere Personen, darunter ein ehemaliger Felbwebel, wurden verhaftet. 60 Mann Sicherheitspolizei patrouillieren das Tors ab und haben die beschädlgten Gebäude ab- gesperrt. Den Schaden schätzt man auf50—100 000 Mark.
Ein weiterer Bericht eines unserer Mitarbeiter besagt: Ein Tynamitanschlag wurde in der Sll- vesternacht gegen 12 Uhr auf das hiesige Bürger- meiftcreigebäude, das AmtsgerichtSgebäude, die Wohnung des Polizciwachtmeisters und die Wohnung eines anderen Einwohners verübt. Bei dem Bürgermeistereigebäube wurden vorher alle L e i tun g sdräht durchschnitten, wodurch der ganze Ort in Tuntel gehüllt war. Der Eingang zum Bürgermeisteramt ist vollüändig zertrümmert: die übrigen Gebäude sind ebenfalls nicht unerheblich beschädigt. Auf den Polizeiwaclit- meister wurde, als er um 12 Uhr nach Hause ging, eine H and g rana te geworfen, die jedoch glücklicherweise nicht explodierte. Außerdem wurden verschiedene schar fe Schü s s e in seine Wohnung durch die ^Fenster gefeuert. Menschenleben sind bei dem Anschlag nicht zu Schaden gekommen. Tie Explosion ist weithin hörbar gewesen. Trei verdächtige Personen sind festgenommen worden. Zur Aufrechterhaltung der Ruhe mtb ö sentlichen Sicherheit sind 50 Mann Sicherheitspolizei in Eh rings- hausen ,eingetroffen. Es her lautet, daß der Arn schlag seinen Grund in einer polizeilichen Suche nach nichtabgelieserten Militärwaffen habe.
Aus dem Amtsverkündiaunqsblatt.
** Da s AmtsverkündigungSbiatt Nr. 192 vom 31. Dezember enthält: Sberfütterung von Hafer. — Verkehr mit Süßstoff. — Reinigung der Schulräume. — Brennhoffausgabe an Kriegsbeschädigte und -Hinterbliebene. — Einsendung der Abdeckcreiverzeichrtti'je. — Bi:h"euckjen. — Feld- beremigungen Münster, Klein-Linden und Lich.
Bersütterung von Hafer. Unternehmer landwirscbasllicher Betriebe dürfen ihren selbst- gebauten Hafer aus der Ernte 1920 an das im Betriebe gehaltene Vieh verfüttern, soweit sie ihn nicht nach den Bestimmungen der Reichsgetreidestelle über bie Minbestabltesemngsschuld:gkeit von Hafer abzuliefern haben. Tie Verordnung tritt mit dem Tage der Verkündung tn Kraft.
Der ansteckende Scheidenka t a rr h ist unter den Rindviehbeständen der Gemeinde Langs dorf erloschen.
Die P s e r d e r ä u d e ist unter dem Pferdebe» stand des Otto Rück zu Stockhausen erloschen.
Die Maul- und Klauenseuche ist in Sauter erloschen. Die Gemarkung Sauter wird dem Beobachtungsgebiet für das Sperrgebiet Queckborn angegliedert.
Kirche ttnö Scbule
O Schlitz, 1. Jan. In dem unter „Kirche imb Schule" in der gestrigen Nummer des Gieß. Anz. gebrachten Bericht ist ein Druckfehler unter» laufen. Der Reformator des hiesigen Schulwesen- heißt S ch l e z, nicht Schüaz. 2lußerbem muß es am Schlüsse des Berichtes heißen: Schlez ist der Großvater des durch seine schönen Kinder lieber bekannten Georg Ehr. Tieffenbach.
Vereine und Veranstaltungen.
** Die Freie Turnerschaft Gießen veranstaltete am 1. Januar irn Restaurant „Philo- sophenwald" ihre diesjährige Weihnachtsfeier, die sickV eines überaus zahlreichen Besuches erfreuen konnte. In ferner Begrüßungsansprache qcdachte der 1. Vorsitzende der im Kriege (ie- sallenen Mitglieder und übergab dem Bereul eme Gedenktafel. Hieran schlossen sich Blitzstabwindübungen der aktiven Turner an. Ein vom Schüler- tumnxrrt 3 i r II er eingeübter Fahnenneigen mit Gesang der Schülevabteilung wurde exakt vorgeführt und fand ungeteilten Beifäll. Es folgte ein flott gespieltes Theaterstück Marmorgruppen beschlossen das Programm. — Am Sonntag schloß sich ein Familienausflug nach der .„Karisnuhe" an
Vermischte».
Eine Räuberbande.
Magdeburg, 30. Tez. (Privartel.) Eine Räuberbande plante int benachbarten Pechau einen lleberfall. T« Kriminalpolizei erhielt Kenntnis davon und umstellte das Gehöft. In der Tunkelheit wurde bei der Durchsuchung des Gehöftes ein Schäfereibesitzer, der die Krimüvalboam- ten für Eitibrecher hielt und nur sie schoß, von den Kriminalbeamten, die ihrerseits diesen für einen Einbrecher hielten, erschossen. Die Bande rribst hatte Zeit zu entfliehen. Sie wurde aber in Magdeburg ermittelt und festgenommen.
* Ludwigs Hafen a. Rh., 31. Dez. (Wolff.) In der vergangenen Nacht wurde in den Räumen des Metall- und Fabrik arbeiterverbandes in Sudwigshafen schwerer Einbruch verübt. Der durch Hausbewohner verständigten Polizei §elang es, bie Verbrecher nach einem hartnäckigen Fe'uergefecht festzunehmen. Bei dem Feuerwechsel wurde ein Schutzmann erheblich verwundet. Einer der Diebe erhielt einen Bauchschuß, ein zweiter mehrere Arm- und Bein- Ifdjüfie.


