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PoftfcheÄ.nto:

zraolju« a. M. 11686

Erster Blatt

1U Jahrgang

Montag, 3. Januar 1921

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: YrühNche Umv.-Vuch- und Steüttruderei H. Lauge. Zchrlstlewmg, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulsttatze 7.

Annahme von Anjeigea für die Tagesnummer bi* zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für l mm höhe für Anzeigen v. 34 mm Breite örtlich 35 Pf., auswärt» 45 Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 150 Pf Bei Platz. Vorschrift 20*7f Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Ienz; für der Anzeigenteil: H. Bech, sämtlich in Dietzen.

Gespaltene Abstimmung.

Aus Beu then O.-S. nird uns geschrieben:

Ter Gewaltbeschl der BotschafterVonseren-, die Reichsoberschlesier nach den Einl)eimisctzen abiTim» meu pu Lassen, hat in allen deutschen Kreisen Ober- sÄeftens wie ein Tonnerschlng gewirkt. Auch den Gutmütigsten, die noch an eine gerechte Plebiszit- regierung glaubten, sind jetzt die Awgen geöffnet. Frankreich will für die Polen retten, was Mi retten rst, auch um den Preis des Rechtsbruches. Artikel 88 des Versailler Vertrages soll nun einfachan- gewendet" werden. Mit ferner Silbe aber spricht der Artikel 88, auch nicht deffen Anhang mit seinen sechs Paragraphen, von einer Spaltung des ge- meindeweffen Abstimmungswerkes. Wenn man schon die zwei Gruppen der Abstimmenden getrennt halten will, warum hat die Entente nicht den Vor­schlag gemackst, die Abstimmung der Jßüger" vor der allgemeinen Abstimmung ftattfinixm zu lassen? Warum ist sie auf den -Vorschlag der deutschen Re- ttienmfl, über eine getrennte, aber gleichzeitige Ab­stimmung in Köln wenigstens in Verband!ungenl ermutretrn, überhaupt nicht ein gegangen? Tas brutale Diktat, das wieder einmal beliebt wird, ist au durchsichtig, als daß man nicht die Beweg­gründe erkennen könnte. Tie Franzosen, die von den Dolen so glänzend unterrichtet werden, wissen ganA genau, daß das WstimmungSeryebnis der Einheimischen, besonders in den Ortschaften, nicht eine halbe Stunde lang geheim gehalten werden kann. Ter Terror der Polen wird sofort wissen, wo er eimusetzien hat, um die Zahlen bei der spä- teren Abstimmung der Zugereisten zuverbessern". Diese Gefahr, die die zeillich verschiedene Abstim­mung mit sich bringt, kann durch keine behördliche Mastnohme verhindert werden. Die Note der Bvt- schafterhmsevenz spricht zwar von der Unmittelbar- ieit der Erörterungen zwischen der deutschen Rvgio- rmtfl und der interalliierten Kttmnrission in Oppelln, laber es handelt sich, wie 'weiter gesagt ist. lediglich darum, ,X>\t Frage der Beförderung der Stimmbe- rechtigten zu regeln". Also um eine Nebenftrge, Hie an der gewaltsamen Zerteirlung der A'stim- rnung und an den geheimen Absichten der Polen pichts ändert.

Don dem neuesten Treiben der Polen, das auf tne tollsten Wahlstörungen hinzielt, macht sich der Außenstehende wohl kaum die richtige Vorstellung. Vor einiger Zeit richtete der Furstbisel»? von Bres­lau, Bertram, einen kirchlüben Erlaß an die katholische Geistlichkeit Oberschlesiens, sich jeder Wahlagitation zu enthalten. Was uuen dre Polen? Sie fügten sich dem väterlichen Rat des Kirchen- «obersten? O nein, sie brachten die polnische Volks­seele, soweit sie darüber verfügen, zum Kochen und setzten es bei der interallLiierten Kommission durch, daß Derrn Bertram die Einreise nach Oberschlesien verboten wurde. Erst die Weihnachtsbitte des Pap­stes, verkündet durch Monsignore Ogno, den apo­stolischen Kommilsat für Oberschlesien, mutzte kom­men, um den Fürstbischof ins Recht zu setzen. Ter Papst untersagt allen Priestern jedweder Nation aufs strengste, im Abstimmungsgebiet Propaganda Ku treiben, ihre Privatmeinung zu äußern und bei den Wahlen ihre Stimme abzugeben. Also die katholische Kirche wünscÄ die Unparteilich­keit bis zum Aeutzersten. Mrd sie von der inter­alliierten Kommiffion Unterstützt? Eine andere Protestbewegung gegen die polnischen Machenschaf­ten: Tie Führer sämtlicher oberschlesischer Ar­beiterorganisationen oller Richtimgen, man beachte: einscklietzlich des polnischen Prole­tariats, hatten am 30. Dezember im Zentralhotel in Kattowitz eine Konferenz, in der die unhaltbaren Sicherheitszustände in Oberschlcsün besprochen und eine Abordnung von fünf Arbeiterführern bevoll- mächtigt wurde, mit dem Chef der interalliierten Kommission in Verbindung zu treten und ernste Vorstellungen bei ihm zu erbeben. Wird General Le Rond zu sprechen sein? Wird der General die Protestresolution beachten, die der Magistrat und die Stichtverordneten von Tarnowitz soeben an die Kommission nach Oppeln eingesandt haben? In der Nacht zum 25. Dezember wurde ein Spreng­attentat auf das Tarnowitzer Kaiser-Wilhelm-Tenk- i7ial verübt. Durch das Bubenstück wurden auch die Einwohner der Stadt schwer betroffen. Ter Schaden beträgt viele Tausende. Aehnliche Ver­brechen sind in letzter Znt in Sckovpinitz begangen worden. Do bleibt die Rübe und Sicherheit, die die Ententekommission bei Uebernahme der Regie- rungSgewalt in Oberschlesien feierlich zu wahren versvrochen hat? Was geschieht gegen die neue Putschneigung der Wrsantykreiie? Was hat es für eine Bewandtnis mit den 25 000 Soldaten der Haller-Armee, die sich in Zivil in Oberschlesien rum treiben, angeblich zur Abstimmung beur­laubt? Was bedeuten die zahlreichen polnischen fFronttrupven, die in der Provinz Posen an der vberscklemchen und schlesischen Grenze im Quar­tier gelegt worden sind? Tie Mliierten haben vor ter Geschichte und vor ihren eigenen Völkern die Verantwortung, daß das oberschlesische Ab­stimmungsdrama nicht zu einer blutigen Tragödie wird.

Die Entwaffnung.

Berlin, 31. Dez. MTB.) Wie die Entwaffnung Deutschlands ist, geht aus einer Zusammenstellung der Blätter über die Her­absetzung der deutschen Landesstreilkräfte auf hie 100 000 Mann-Grenze hervor. Fast 40 000 Offiziere sind entlassen, nur noch 4000 bleiben im Heere. Alle Offi­ziere und Mannschaften des Beurlaubten- Standes wurden aus chren militärischen Dienstverpflichtungen entlassen. 5000 Ge­schütze, 5 Millionen Handfeuerwaffen, sowie SO000 Maschinengewehre wurden zerstört.

Alle Lenkluftschiffe, 14 000 Flugzeuge, 26 Flugmotove wurden abgeliefert oder zerstört. Demgegenüber hat das französische Heer an Flugzeugen 3 Iagdregimenter, 5 Bomben­regimenter, 7 Beobachtungsregimenter, im ganzen 928 Kampfflugzeuge und 512 Be­obachtungsflugzeuge. In Ergänzung dessen, was die letzte Note der deutschen Re­gierung über die Festungsfrage mitteilte, ist nachzutragen, daß beantragt war, der Festung Königsberg 390 Geschütze zu belassen, bewil­ligt wurden nur 30. Pillau sollte 75 behalten, bewilligt wurden nur 36. Der Festung Swine- münde wurden 32 Geschütze bewilligt. Die Festung Ulm, die Geschütze behalten sollte, erhält kein Geschütz, ebenso Küstrin nicht. Da­mit ist Berlin einem Einfall vom Osten schutz­los preisgegeben.

Englische Stimmen.

London, 31. Dez. (Holl. Nieuws- birreau.) DerEvening Standard" be­merkt im Zusammenhang mit der gestrigen Kabinettssitzung, daß England, omoohl es im allgemeinen befriedigt sei über die Art, wie Deutschland seine reguläre Armee auf­gelöst habe, doch mit Frankreich einig sei in dem Widerstand gegen das Fortbestehen irregulärer Streitkräfte. Das Blatt erklärt, wenn die deutsche Regierung nicht sofort einen entscheidenden Schritt tue, um rhre Verpflichtungen bezüglicy der Entwaffnung zu erfüllen, werde Frankreich ermächtigt wer­den, handelnd aufzutreten, was den sofvr, tigen Vormarsch des ganzen Hee­res und eine weitere Besetzung bedeuten würde.

Paris, 31. Dez. (Wolff.) Nach einer Havasmeldung aus London besagt eine Reu­termeldung, der englische Minister des Aeuße- ren habe bisher noch keine Mitteilung erhalten, daß die deutsche Regierung den bri­tischen Geschäftsträger in Berlin benachrich­tigte, Deuffchland werde, falls die Alliierten die Weigerung der deutschen Regierung zur Auflösung gewisser militärischer Formationen nicht annehmen würden, die auf der jüngsten Brüsseler Konfe­renz gemachten Zugeständnisse in Sachen der Reparation zurückziehen.

London, 31. Dezember. (WTB.) Die Times" erklärt: Die französische und die englische Regierung seien sich einig, die not­wendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Ausführung der von Deutschland übernom­menen Verpflichtungen zu sichern. Die alar­mierenden Gerüchte über bte Entwaffnungs­frage seien unzeitig, da die (Situation nicht für kritisch gehalten werde. DerDaily Expreß" hebt in großem Druck hervor, daß Deutschland nicht in der Lage ist, mit den Alliierten einen neuen Krieg zu beginnen.

Einberufung des Reichstag-?

Berlin, 31. Dez. Der Fraktionsvor- stand der Unabhängigen im Reichstag hat durch den Abgeordneten Levebour an den Reichstagspräsidenten ein Schreiben ge­richtet, in dem Ledebour im Namen des Vorstandes der Fraktion ersucht, den Reichs­tag sofort e t n z u b e r u f e n. Das Ver­halten der Regierung bei den Verhandlun­gen mit den Ententemächten, insbesondere die Verheimlichung entscheidender Noten mache es dringend notwendig, daß der Reichs­tag seinen Einfluß bei diesen Verhandlungen zur Geltung bringe.

Line veschwerdenole Frankreichs.

Berlin, 31. Dez. (WTB.) Me der deutsche Boffchafter in Paris mitteilt, ging ihm eine Note der französischen Re­gierung zu, in der behauptet wird, daß Deutschland in einer Reihe wesentlicher Punkte gegen die in Spa übernommenen Verpflichtungen verstieß. Die Note schließt: Die französische Regierung nimmt, soweit sie beteiligt ist, schon jetzt M von diesen Verstößen, die Deutschland gegen die feierlich übernommenen Verpflichtungen begangen hat. Die alliierten Regierungen werden über die Verstöße zu befinden haben.

Nach dem Prodoboll von Spaa sollten die Konttollbommissiouen berichten, ob die deutsche Regierung die übernommenen Verpflichtungen loyal erfülle. Deutschland be­mühte sich nach besten Kräften und in voller Loyalität, den Anforderungen des Protokolls gerecht zu werden. In Den Ländern der Alliierten wurde der Erfolg dieser Bemühun­gen von den Staatsmännern wie im Parla­ment und in der Presse anerkannt. In der vorliegenden Note aber sollte offenbar, um den im Spaaprotokoll festgesetzten Termin vom 1. Januar zu wahren, alles zusammen­gefaßt werden, was nach Ansicht der Kon­trollkommission überhaupt als Mangel ober Verfehlung in Betracht tommen konnte.

Eine Unterredung mit dem Minister- prüfideutcn LuegyeS.

Paris, 2. Jan. (Wolffs Ein Vertreter des Petit Patijien" hatte mit dem MiuÄrrpräjiden-

ten Lehgueseine Unterredana über die äußere Lage Frankreichs zu Beginn des neuen Jahres. Leygues gab seiner vollen Befriedi­gung über diese Lage Ausdnuk. Frankreich be­hübe sich im Einverständnis mit England Tas habe sich besonders bei den letzten Zusammenkünf­ten gezeigt. Gin schwieriges Problem neben allen anderen sei augenblicklich Kirch die Frage der Entwaffnung Deutschlands gestellt. Er könne sagen, daß alles normal verlaufe. Die französische Regierlmg habe Deutschland alle Ver­stöße gegen die Bestimmungen ws Friedensver­trages mitgeteilt. Marschall Fachs Bericht sei von der interalliierten Militär Kommission in Ver­sailles gebilligt worben. Tie Regierungen der Alliierten befaßten sich jetzt mit dieser Frage und es werde jedenfalls demnächst eine Besprechung zwi­schen den dlliierten Ministerpräsidenten über die Haltung ftattfmben, die man gemeinsam cin- -unehmen gedenke. Bei dieser Zusammenkunft wur­den, aber noch andere Probleme, besonders die Orientfrage befrmbdt werden. Tos ivesent- liche Bestreben Frankreichs sei, mit Großbritan­nien in vollkommenem Einverständnis zu bleiben. Frankreichs Feinde hätten zuviel Interesse daran, die beiden Länder zu trennen, als daß man sich nicht bemühen sollte, das Einvernehmen so eng ivie möglich zu erhalten. Frankreich brauche im übrigen keine besondere Mühe hierzu aufzuwenden.

Ein deutfch-englischeS Abkommen.

London, 2. Jan. (WTB.) DieTi­mes" meldet, daß ein Abkommen von einem Sekretär des Auswärtigen Amts und dem deutschen Botschafter unterzeichnet wor­den sei. Dieses Abkommen regelt die verschie­denen Privatvermögen in Deutschland und die Abtretung des in England befindlichen Pri­vatvermögens deutscher Staätsangehöriger.

Amtlich wird folgende Note bekanntge­geben.- Der heutige Besuch des deutschen Bot­schafters im auswärtigen Amt hat keinerlei Bezug auf die Frage der Entwaffnung. Es handelt sich nur um die Unterzeichnung eines englisch-deutschen Abkommens, das die Rückgabe von Vermögenswerten betrifft, welche englische Staatsangehörige während des Krieges in Deutschland hatten und um­gekehrt solcher Werte, welche deutsche Staats­angehörige in Großbritannien hatten

Frankreich unb die Verfolgung deutscher Kricgsbefdjulbigten.

Berlin, 31 De». (Wolff) Der deutschen Friedensdelegation in Paris ist nachstehende Note von dem französischen Minister für auswärtige Angelegenheiten zuge-- gangen:

In einer Reihe von Schreiben aus der Zeit vom 30. Juni bis &um 17. Juli hat Herr Goep- vert an meinen Amtsvorgänyer das Ersuchen ge­richtet, den Oberrevcbsanwalt in Leip-ig über eine Anzahl deutscher Reichsangehöriger, die von den deutschen Justizbehörden unter der Beschuldigung der Zuwiderhandlung gegen die Kriegsgrsetze ver­folgt werden, die von diesem gewünsäiLen Aus­künfte *u erteilen. Ich beehre mich Ihnen miZu­teilen, daß da keine der in den erwähnten Schrei­ben genannten Personen auf der dem Schreiben vom 7. Mai 1920 beigefügten Liste von Beschul­digten enthalten ist, hinsichtlich derer im Protokoll von Spaa vom 9. Sfculi ein besonderer Wog für die Auskunftsbeschafftlng vorgesehen ist, be fran­zösische Regierung dem Ersuchen ferne Folge geben kann, lieber die Fälle hinaus, auf die srch das eben genormte Schreiben bezieht und für die dieser be­sondere Weg der Auskunftsbeschaffung zugelassen fft, beabsichtigt die fvcvrzösische Rsgienmg in der Äuskunftserteilung an die deut schm Justizbehörden nicht von dem üblüben Verfahren abyrgeben. In­dessen wird dem Rechtshilfeersuckren der deutschen Justizbehörden und mehr nrxf) ihrem Ersuchen um Auskünfte, soweit sie Beschuldige betreffen, die auf der am 3. Februar 1920 übersandten Liste der Schuldigen, nutzt aber auf der besonderen Liste in dem vorgenannten Schreiben vom 7. Mai behan­delten 45 Fällen Reben, feine Folge gegeben wer­den, da die französische Regierung hinsichtlich ihrer die ihr durch Artikel 228 und 23 des Vertrages von Versailles Merkannten Rechte unberührt aufrecht zu erhalten wünscht.

Die Note befaßt sich dann mit der Frage des Rechtshilfeersuchen des Obervejchsanwaltes in den Unter» uchungen gegen die Kriegsbeschuldigten. Solche Ersuchen sind übrigens nicht erst , seit dem 30. Juni, fonbem schon seit Mitte März in großer Zahl von der Friedensdelegation gestellt worden. Die Note unterfdieibd drei Sorten von Fällen. Der diplomatische Wey soll barm ein- geschlagen werden, wenn es sich um Beschuldigte handelt, die weder auf der Liste der 45 Fälle, noch auf der großen Auslief erungsliste vom 3 Februar stehen, gegen die aber der Oberreichsanwalt auf Grund anderen Materials das Verfahren eing^leibet hat. Der in Spaa vereinbarte unnriti elbareSchrfft-- verkehr zwischen dem Oberreichsanwall und dem französischen Justizministerium soll dem Wortlaut der Vereinbarung entsprechend auf die Fälle bre am 7. Mai übersandten Liste der 45 Fälle be­schränkt bleiben. In Sachen der Beschuldigten, die -war nicht auf der Liste der 45, wohl aber lauf der großen Kuslieferungslifte fteben, wrd keine Rechtshilfe geleistet. Die frary fi'd>? Regierung erklärt, sich den in dem Strafartikel des Friedens- vertrages vorgesehenen Anspruch auf die Aus­lieferung dieser Personen und ihrer Aburtei­lung durch fran-ösische Gerichte wohren -u wollen. Sie glaubt diesem Anspruch etwas zu vererben, warn ixe box Oberreichsanwalt für das

deutsche Unters uchungs verfahren Mskunft be*

schaffen ließe.

Ter deutsch-ungarische Handelsvertrag.

Budapest, 31. Dez. Die ungarische Presse begrüßt aufs wärmste den Abschluß des deutsch-un aarischen Handels­vertrages.Pesti Hirlap'^ schreibt: Die Aufnahme der Wirtsazaftsbeziehungen z« Deutschland bildet ein Kettenglied in jenen mannigfaltigen Beziehungen, welche, durch das Kriegsende und die Revolution unter­brochen, jetzt durch andauernde, schwere Arbeit wiederhergestellt werdend sieben beit wirtschaftlichen Rücksichten muß je­doch das Handelsabkommen and) aus politischen Gründen freudig begrüßt werden. Bon dem Uebereinkommen ermatten wir die Erneuerung und Vertiefung der tra­ditionellen Freundschaftsbezieh­ungen mit Deutschland. Diese Freundschaft bestand während des Krieges die größten Be­lastungsproben, als Ströme deutschen und ungarischen Blutes für dasselbe Ziel flössen. Nach dem Friedensschluß verleiht uns das eigene Unglück Verständnis für Deutschlands nationale Katastrophe. Die Interessen der bei­den schwergeprüften Nationen fordern, daß sie sich in peinlicher, mühseliger Arbeit wieder­aufrichten und mit Freundeshand unterstüt­zen, sind ja so viele Feindeshände bereit, beide in den Abgrund zurückzustoßen.

England und Rußland.

Moskau, 31. Dez. (WTB.) In dem amtlichen Bericht über den Gang der Ver­handlungen zwischen England und Som- jetrußland heißt es: Am 30. Juni schlug die englische Regierung vier gmnbfegenb« Bedingungen für die Erneuerung der Han­delsbeziehungen mit Rußland vor: 1. Somjetrußland und England verpffichten sich jeder feindlichen Harrdlung gegen biet andere vertragschließende Partei zu entsagen. 2. Zwischen den beiden Ländern ftndet ein Austausch der Kciegsge.angenen sta t 3. Beide Länder bezahlen den Bürgern des anderen Landes die gelieferten Waren und die gegifte­ten persönlichen Dienste. 4. Die Bedingunaen für die Erneuerung des Warenaustausches sind auszuarbeiten. Die Bedingungen wurden von Somjetrußland angenommen, was der britischen Re^reruna am 7. Juli mitgeteili worden ist. Tste englische Regierung, die noch unlängst die Julibedingungen anerkannte, hat jetzt die Stellungnahme dazu völlig geändert. Heute lehnt England die im Juli übernomme­nen Verpflichtungen schroff ab. Die Sowiet- regierung hat daher beschlossen, ihren Ver­treter Krassin zu Beratungen nach. Moskau zurückzurufen.

vethmann hollweg f.

Hohenfinow, 2. Jan. (Wolff.) Del frühere Reichskanzler Dr. v.B ethmonn-Holl- weg ist in der vergangenen Nacht nach Firner Krankheit verschieden. Die Beisetzung frnbel am Mittwoch nachmittag 3 Uhr in Hohenfuww statt.

Theobald v. Bethmann-Hollweg wurde geboren am 29. November 1856 in Hohenfinow bei Ebers­walde. Sein Großvater war der bekannte Kultus­minister der liberalen Aera 18581862. Nach beendetem juristischen Studium trat Bethmann in den Verwaltungsdienst ein, 1899 wurde er Regie­rungspräsident in Bromberg, drei Monate später Oberpräsidenl von Brandenburg. 1905 wurde er preußische Minister des Innern, 1907 B zepräsi- dent oes preußischen Staatsministierrnms unb Staatssekretär des Reichsamts des Innern an Stelle Posadowskys. Nach Bülows Rücvritt wurde Bethmann-tzollweg am 14. Juli 1909 Reichs­kanzler und preußischer Ministerpräsident und trat von diesem Posten im Jahre 1917 -urück im An­schluß an die innerpolitischen VerhÄtnisse, die durch die bekannte Friedensresolution des Reichstages bedrngt wurden. Bethmann-Hollweg gehörte ?89O kurze Zeit dem deutschen Reichstag als Abgeord­neter für Oberbarnim lReichs Partei) an. Seit 1889 war er vermählt mit Martha Elise o. Pfuel, geb', am 21. April 1865.

Berlin, 2. Jan. (WTB.) Zum Hin scher- den des früheren Reichskanzlers von Bethmann-Hollweg erfahren wir Folgen^ des: Bethmann-Hollwm war bis -um letzten Tage geistig und körperlich frisch und rüstig Am ver­gangenen Mttlwoch zeigten sich die ersten Spuren einer Erkrankung. Nach einer Rückkehr von einem Spaziergang wurde er in seinem Schlafzimmer ohnmächtig porgefanden. Der Artzt stellte eine Rippenfell- und Lungenen t-ü n düng fest. Am Trmnerstag war Bethmann geistig noch frisch und vertznactzte einige Zeit in lebHatcm Gespräch mit einem Besucher. Am nächsten Morgen stellte der aus Berlin berufene Professor LazaruS fest, daß es sich um eine schwere doppelseitige Er­krankung handelte. Die Krankheit machte rapide Fortschritte. Abends zeigten sich leichte BewaßtM seinsslörungen. Die Nacht verbrachte der Kranke ziemlich ruhia Am Sanstag trat ein schwerer, Schwäche cm fall ein. Seitdem war der Kranke ohne Bewußtsein. Im Saufe des Tages f^^e^,eire lcichrs Besserung ein^utreten. In der zweiten Morgen­stunde des Sonntags vQPtzied Bethmann-Hollweg1