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Nr. 178

Ter ®i ebener 3n)etftr mH der Dienstagsbeilage Sport.Umschatt" er. scheint täglich, außer Sonn- und Feiertags. Monatliche Vezva-vrels« Mark 5.- einschließlich Trägerlohn, durch die Post bezogen Mark 5.75 einschließlich Bestellgeld. Ferniprech.Anschluste: svrdieSchnftleitung 112; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Ziehen.

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Erster Blatt Ul. Jahrgang Dienstag,

SietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhesien

Vrvck mtö Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- vnü Steinöruderei R. Lange. Zchnftleittmg, Geschäftsstelle und Sruckerei: Zchulstratze 7.

2. Allgvst 1921 Annahme »ob Anzeigen für die Taqesnummer bi« zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für l mm höhe für Anzeigen o 34 mm Breite örtlich 40 Pf, auswärt« 50 Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mro »reite 180Tf Bei Platz. Vorschrift20' .Aufschlag. Haupischriftleiter: Aug. Goetz Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil. Dr. Reinhold Jen,; für bee Anzeigenteil: Hans Leck, sämtlich in Viehen.

Politische Reife?

Don einem Auslands deutschen wird uns geschrieben:

Als in den düsteren Novembertagen des Jahres 1918 unser ehemals stolzes Deutsches Reich aufgehört chatte eine Monarchie zu sein und eine Gruppe selbst- erwählter Männer zu Berlin es übernommen hatte, das Geschick unseres Daterlandes zu bestimmen, ent- fuhr mir der Ausruf gegen einen Nachbarn, einen Großkaufmann gefetzten Alters:Wie ist das alles nur möglich, das ist ja der An ang vom Ende!" Mein Nachbar aber entgegnete:Das ist der ganz natür. liche Lauf unserer politischen Entwickelung. So, wie bisher, konnte es ja nicht bleiben. Das deutsche Volk ist nun einmal politisch reif und sehr wohl imstande, sich selbst zu regieren.- Diese An. sicht aus dem Munde eines erfahrenen Landsmannes hat mich nicht nur verblüfft, sondern so beeinflußt, daß ich mir oornahm, sorgfältig zu beobachten.

Was habe ich aber gefunden? 3n der Stunde der größten Not - den größten Kleinmut, ja die Zerfahrenheit an Stelle von Einigkeit; bei den wich­tigsten Entschließungen die größte Uneinigkeit und Parteihader; in der Auswahl der führenden Männer - eine bebau rnsroerte Urteilslosigkeit und einen Miß. griff nach dem andern; in der Diplomatie Ungeschick und Mißerfolg, und der ganze Verlauf der deutschen Revolution so wenig originell, so undeutsch, so ganz nach russischem Muster, daß der außenstehende Be­obachter sich erstaunt fragte: ist das noch wirklich das deutsche Volk?

Dermalen im Reichstagsgebäude Reden gehalten werden und Szenen sich abspielen, wie sie vor November 1918 dort nie zu Horen und zu sehen ge» wesen sind, tönt immer vernehmlicher, immer lauter der Ruf nach zielbewußter Führung durchs unglück­liche Land, der Ruf nachdem starken Mann".

Genies heroorzubringen und Männer von tita­nenhaftem Willen steht nicht in unserer Macht; wohl aber konnten wir gewöhnliche Sterbliche schon recht viel erreichen und viel Unheil in unseren schicksals- schwangeren Tagen abwenden, wenn wir durch Ueber- lequng und ernstes Wollen darauf hinarbeiteten, bei all unseren Entschlüssen auf dem Gebiete der Politik zuerst ans Wohl des Vaterlandes und erst in zweiter Linie an die Partei zu denken, der wir angehören.

Jedoch nicht allein das Pateiintereffe steht für so viele von uns im Vordergründe je weiter wir uns zeitlich von den guten Fahren, die wir hatten, entfernen, desto enger wird unser Interessen, und Gesichtskreis, man konnte sagen: unser Inleressen- und Gesichtskreis steht im umgekehrten Verhältnis zur Große unserer Not. Was uns nicht direkt be» rührt, ober gar unseren Gelddeutel, das geht uns nach Ansicht so vieler - nichts an. Fe weiter von des Reiches Grenze - desto gleichgültiger der Deutsche, der nicht die Not der Grenzmarken am eigenen Leben zu spüren hat. Ober findet man im Herzen Deutsch­lands noch zahlreiche Leute, die Verständnis für das besetzte Gebiet, für die Drangsale unserer Brüder in den jetzt polnischen Gebieten oder gar für Oberschle- sien zeigen? Das meiste Sntereffe findet noch das Rheinland, nicht wegen derschwarzen Schmach", sondern weil sich dort Geschäfte machen lasten. Wie wenige haben sich bereit finden lasten, sich dem ober, schlesischen Selbstichutz zur Verfügung zu stellen, als es dazu noch Zeit war.

Nicht genug aber, daß der Deutschen Pattiotis. mus eine immer lokalere Färbung annimmt, nein, das Neueste auf dem Gebiet der Iersplitterungstendenz ist das Bestreben, das Standesintereste in den Vorder, gründ zu schieben. Da war es z. B. der um seine Existenz besorgte Handwerkerstand, der erklärte, er gebe im einzelnen Wahlkreise derjenigen bürger- ließen Partei, ganz gleich ob Deutsch-National, Deutsche Dolkspartei, Ienttum, demokratische Partei ober Deutsch.Hannoversche Partei, seine Stimme, welche Handwerker an aussichtsreicher Stelle auf die Wahl, liste gesetzt habe. Was sollte wohl aus den Wahlen in unsere Parlamente werden, wenn auch andere Berufsgruppen sich von ähnlichen Gesichtspunkten leiten ließen, z. B. die von der Sozialisierung bedrohten Hebammen, die Aerzte, die Lehrer, die Droschken. Kutscher ober die Totengräber?

Ich will nicht sagen, daß eine berufsständische Volksvertretung an Stelle unserer heutigen partei­politischen so sehr vom liebel wäre So lange wir aber politische Parteien haben und unsere Reichsver. fastung und Landesverfastungen bleiben, wie sie heute sind, können Bestrebungen und Gesichtspunkte, wie die geschilderten des Handwerkerstandes, nur schädlich wirken, die Stellung der bürgerlichen Fraktionen nur schwächen und den erhofften Wahlerfolg nur gefährden, ohne dem Handwerk auch nur den geringsten Nutzen zu bringen

Politik ist bekanntlich eine Kunst, und zwar eine Kunst, in der sehr viele Deutsche noch sehr viel zu lernen haben, bis das deutsche Volk wirklich fähig fein wird,sich selbst zu regieren".

Die Beratungen des Sachverständigenausschusses.

Paris, 2. Aug. (WTB.) Pertinax be­richtet über die Verhandlungen des Sa ch v er­st ä n d i g e n a u s f ch u s f e s, der die Aufgabe hat, die Frage der zukünftigen deutschpolnischcn Grenze in Oberschlesien zu beraten. Die Sach­verständigen hätten sich in eine praktische Be­ratung eingelassen, also eine Debatte über den Text des Vertrages vorgenommen Dann hätten sie es für ihre Pflicht gehalten, die Arbeit derer zu studieren, die vorher mit der Frage sich be- schäftigt hatten. Sie hätten den ersten englisch- italienischen Vorschlag des Generals de Marini und des Obersten Percival geprüft, der von dem Grundsatz ausgeht, daß die Industriezone geteilt werden kann Schließlich habe man die Vorschläge Korsanths und des Generals Lerond geprüft, die die vorgenannten Grundsätze zu­

gunsten Polens umfassen Endlich habe man den Vorschlag des Grafen Sforza in Betracht ge­zogen, der zwei Lösungen vorschlägt: eine. Die Die Einheit des Industriegebietes aufhebe, eine andere, die den größten Teil des Industrie­gebietes Deutschland zusprechen will. Der Sach­verständigenausschuß habe Besseres gewollt. DaS sei Ihm aber bis jetzt nicht gelungen. Am Sams­tag hatten die englt chen Delegierten einen Grenz­vorschlag gemacht, der wenig verschieden sei von dem ersten englisch-italienischen Vorschlag und nach dem zu dem Bezirke Rybnik und Pleß Teile der Kreise von Ratibor, Lublinitz und Rosenberg zugeschlagen werden sollen. Man sei also zu dem Vorschlag des Grafen Sforza zurück- gekehrt, der nun doch am günstigsten fet Gestern hatten die französischen Sachverständigen Vor­schläge unterbreitet. Sie unterscheiden sich wenig von denen des Grafen Sforza, der den Polen günstig gesinnt sei. Die itcttienischen Sachver­ständigen seien von ihrem neuen Minister für Auswärtiges nicht autorisiert worden, sich durch Dokumente zu binden, die der frühere Außen­minister vor zwei Monaten offiziell unterbreitet hatte. Die Sachverständigen seien des Krieges satt, so erklärt Pertinax, und bemühten sich, die Linie durch Einzeichnung der 6:Immen gemeinde­weise festzulegen. Pertinax zweifelt, daß die Sach­verständigen die Schwierigkeiten beseitigen können

Das3 o u r n a 1" sagt in einer kurzen Be­trachtung, die Widersprüche, die vor einigen Tagen noch vorhanden gewesen seien und die das Problem undurchführbar zu machen scheinen, wür­den verschwinden, jemehr die Arbeiten der Sach­verständigen voranschreiten.

Die Truppentransportfrage.

Berlin, 1. Aug. (Priv.-Tel.) Wie die Blätter hören, ist der bereits angekündigte gemein­same Schritt der Ententemächte in der Truppentransportfrage nach Lbcrsche- sien bisher noch nicht erfolgt. Entgegen den Säu­lenanschlägen der interalliierten Kommission in Oppeln, worin verkündet wird, daß die Ruhe im oberschlesischen Abstimmungsgebiet jetzt im allge­meinen wieder hergestellt sei, stellt dasD. T.'' an Hand einer Reihe Rachrichten fest, daß be­sonders in den Landorten des Industriegebietes der polnische Terror weiter unumschränkt herrscht. Aus den Landorten des Krei'es Beuthen werden Mißhandlungen, zahlreiche Verschleppun­gen und Raubüberfälle auf Deutfchgesinnte ge­meldet. Die Gemeindewachen, die den polnischen Banden entgegentreten sollen, erweisen sich als völlig unzuverlässig, da sie selbst zum größten Teil aus ehemaligen Insurgenten und Schwer­verbrechern bestehen. In Roßberg im Kreise Beuthen versuchten in der Rächt zum 30. Juli starke polnische Banden nach Deftigem Ma- schinengewehrfeuer einzudringen. Der Abstim­mungspolizei gelang es, die Insurgenten nach längerem Feuergefecht zu vertreiben. In derselben Rächt wurde der nahe der Grenze gelegene Ort 3amm von Polen ü b e r f a 11 en , die über die Grenze gekommen waren. Erst gegen Morgen konn­ten die Banditen über die Grenze geworfen wer­den. Auch auf Kostellih und Boroschau machten polnische Banden Vorstöße.

Eine Erklärung Lloyd Georges im Unterhaus.

London, 1. Aug Unterhaus. Havas. In Beantwortung einer Anfrage gab Lloyd G e orge folgende Erklärung ab: Ich schätze mich glücklich, dem Hause mitteilen zu können, daß wir zu einem zufriedenstellenden Uefcereinfommen mit Frankreich ge­kommen sind, damit der Oberste Rat die Frage Oberschlesiens prüfen kann. (Beifall.) Der Oberste Rat wird in Paris am 8. 8. zusammentreten, um sich über die Ergebnisse der Volksabstimmung in Oberschlesien und die Berichte der Abstim­mungskommission auszusprechen Der erste Punkt der Tagesordnung wird der fein, zu entscheiden, ob bis zur Bekanntgabe der Entschließung betr. die Zuteilung Verstärkungen in dem Abstimmungsgebiet nötig sind oder nicht. In­zwischen haben der französische, der britische und Der italienische Botschafter in Berlin bei der deutschen Regierung einen gemeinsa­men Schritt unternommen, damit Deutschland bereit ist. den Transport der alliierten Truppen durch Deutschland zu jedem Augenblick, wenn der Oberste Rat entscheidet, daß die Lage in Ober- schlesien dies erfordert, zu erleichtern.

Londoner Prcsscftimmen.

Alle Londoner Blätter nehmen in Leit­artikeln zu dem in der vberschlesischen Frage zwi­schen England und Frankreich erzielten Kompro­miß Stellung.Daily Chronicle" begrüßt das erzielte Einvernehmen, schreibt jedoch: ,Wir wünschen jedenfalls, daß die Londoner Sanktionen aufgehoben werden; denn wenn die Londoner Santtionen nicht bald beseitigt werden, könnte ihre Beibehaltung trotz der Erfüllung unserer Forde­rungen durch die Regierung Wirth die Stellung dieser Regierung unhaltbar machen. Ein solches Ergebnis müssen wir vermeiden, solange wir es können."Daily Telegraph" schreibt:Das oberschlesische Problem ist noch ungelöst. Die Auf­gabe der Losung kann erst in Angriff genommen werden in einer Atmosphäre, die von dem Druck, den das diplomatische Barometer in den letzten zwei Wochen verzeichnete, befreit ist."Daily Telegraph" erklärt schließlich. Lloyd George habe bei der T^rfvlgung der Politik, für die er im Rate Der Entente eintrete, die gesamte britische Ration hinter sich. Die Angriffe gegen Lloyd George ;Jen tatsächlich Angrifte auf die Struktur des französisch-britischen Einvernehmens.

DerObfcroer schreibt in einem Leit- ariucl. Obe rf chlef ien müsse in seiner Ge­samtheit deutsch bieiben, richt nur auf

Grund der Volksabstimmung, sondern auf Grund historischer, geographischer und wirtschaftlicher Er­wägungen, sowie im Hinblick auf Den zukünftigen Frieden Europas. Hede Teilung müs'e verhäng, iL- volle Folgen haben. Es sei ein Unglücf, daß die andern Alliierten, um mit Frankreich zu einem Kompromiß zu gelangen, bereit zu sein schienen, Pleß und R y b n i k den Polen zuzugestehen. Wenn auch die übrigen Bezirke den Polen zuge­wiesen würden, wie Frankreich es verlange, würde die Verwirrung unbeschreiblich und die politischen Folgen in Deutschland Unheilvoll sein Die Durch­setzung des f anzosischen Te l ingsplrns würde die letzte Aussicht aus ein gemäßigtes und demokrati­sches Regime in Deutschland vernichten. Die Re­gierung Wirth würde fallen und die Deutschen würden zu der Lieberzeugung gelangen, daß die einzige Hoffnung in der schließlichen Wiederher­stellung des Militär Ismus zu suchen wäre. Die Franzosen seien aber nicht nur vorbereitet auf diese Folgen, sondern sie wünschten sie geradezu herbei, um Deutschland endgültig zur Anerkennung der französischen Hegemonie gewaltsam zwingen zu können. Eine politischeund wirtschaft­liche Kombination zwischen Eng­land, Frankreich, Deutschland und Italien würde das beste Mittel zur Heilung Europas und zur Beruhigung des Ostens sein.

Die Tagung des Obersten Nates.

Paris, 1. Aug. (Wolff.) Havas berichtet: LautIournal" wird Briand persönlich die Einladungen zu der Tagung des Obersten Rates ergehen lassen, die unter seinem Vorsitz am Quai d'Orsay stattfinden werde.

London. 1. Aug (Wvlft.) Havas meldet: Wahrscheinlich wird der Oberste Rat am 8. A u g. die albanische Frage erörtern, die nach den Absichten der QTlItlerten geregelt werden soll. Ita­lien wünscht, daß gewisse Sicherheitsmaßnahmen beibebalten werden sollen. Man rechne Damit, Daß Paris sich auf die Seite LonDons stellen werDe, um Die Auffassung Der englischen, Der italienischen und Der französischen Regierung über diese Frage in Einklang zu bringen.

London, 1. Aug. (WTB.) Wie das Reu- tersche Bureau erfährt, beantwortete vormittags Briand den Vorschlag, die Tagung des Ober­sten Rates am 8. August in Paris statt-, finden zu lassen, zusttmmend. Lloyd George, Lord Curzon und andere Regierungsmii- g lieber werden am Sonntag abreifen. Hier herrscht as Empfinden, daß die Tagung nur wenige Tage dauern wird, da die britischen Minister In London Dringendes zu erledigen haben. Der italienische Ministerpräsident und der italienische Minister des Aeu- ßern werden ebenfalls in Paris vertreten fein.

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Vortrag der Amerikanerin Neveridge über Oberschlesien.

Frankfurt a. M., 1. Aug. (WB.) In einer vom Verband heimattreuer Oberfchlesier einberu- fenen Versammlung sprach die bekannte Ameri­kanerin Rah Reveridge über Die oberschle­sische Frage. Die Rednerin führte eingehend aus, wie das strittige Gebiet deutschen Charakter trägt und nur bei Deutschland weiter ge­deihen fönne und behandelte dann die pol­nischen Greueltaten, die sie zum Teil 'selbst ken­nen gelernt hat. Der von starkem sympathischen Gefühl für Deutschlands Sache getragene Vortrag machte tiefen Eindruck. An die Reichsregie- runp wurde eine Entschließung gesandt, Die Die Einsetzung aller Kräfte für das ungeteilte Verbleiben Oberschlftiens bei Deutschland'fordert. Ferner wurde an den Präsidenten Har - Ding ein Telegramm gerichtet, in dem er gebeten wird, einzugreifen, damit Die oberschle- sische Frage gerecht entschieDen wirD. Sollten Die Ententetruppen nach Oberschlesien geschickt werben, so wirb bie amerikanische Regierung gebeten, auch amerikanischeTruppenzu entfenben.

Ein Oberschlesierhilfstag in Wien.

Wien, 31. Juli. (Wolff.) Heute fand hier der Oberschlesier-Hilfstag statt, der erkennen ließ, daß alle Deutschen Oester­reichs mit den in Oesterreich lebenden Reichs­deutschen zusammengewirkt hatten. Heute vor- mittag fand in der Bolkshalle deS RachauseS eine überaus zahlreich besuchte Festversamm- lung statt.worin eine Anzahl Redner die Be­deutung des Tages würdigte. Daran schloß sich ein Konzert der Kapelle der Wehrmacht­brigade. Heute nachmittag und heute abend fanden in vielen Bezirken Wiens Veranstal­tungen statt, die sich entweder ganz oder teil­weise dem Oberschlesier-HilfSwerk zur Ver­fügung gestellt hatten. Der Dundesminister für Handel und Gewerbe gestattete, daß Schön­brunn in die Hilfstätigkeit einbezogen wurde. Musikkapellen und Gesangvereine veranstalte­ten große Konzerte, auch die führenden Sym- phonieorchester der Stadt Wien stellten sich in entgegenkommendster Weife in den Dienst des Oberschlesier-HllfStageS. In allen Sttaßen wurden Blumen in den Farben OberfchlSfienS verkauft.

Die Washingtoner Konferenz.

Paris, 1. August. (Wolff.) DieChi­cago Tribüne" meldet aus Washington: Staatssekretär Hughes und der englische Botschafter Geddes hatten eine einstündige Unterredung, nach der bekannt wurde, daß England nicht weiter auf einer Vorkonferenz I zu den Washingtoner Verhandlungen bestehe |

und gegen die Abhaltung der AbrüstungSkon» ferenz Anfang Rovember keine ernsten Einwendungen mehr erheben würde. Frank­reich sei einem Beginn der Konferenz am 1. November nicht abgeneigt und inoffiziell hätten sich auch Japan, Italien und China mit diesem Termin einverstanden erklärt. Die Einladungen würden bereits nächste Woche ergehen.

London. 1. August. (Wolff.) DieMor- ning Post" meldet: Die Washingtoner Regierung hat den Vorschlag der britt- schen Regierung, eine Vorkonferenz vor dem Zusammentritt der Konferenz über di« Frage des Fernen Ostens einzuberufen, ab- gelehnt.

Ein Vertrauensvotum für die italienische Negierung.

R o m, 2. August. (WTB.) Der Senat hat mit 146 gegen 17 Stimmen, bei 21 Enthal­tungen, eine Tagesordnung angenommen, die der Regierung das Vertrauen aus­spricht.

Rom, 1. Aug. (WTB.) Im Senat er klärte der Minister des Aeußern beim Abschluß Der Debatte über Die Regierungserklä­rung, Italien müsse Die aus Dem FrledenSver- trage sich ergebenden Verpflichtungen achten, auf Denen sich Italiens Politik aufbauen müsse. Ita­lien müsse seinerseits verlangen, daß aL'e Mächte, die den Vertrag unterzeichneten, Italiens Rechte ihrerseits achten. Bei zweifelhaften Fragen werde Italien den Geist Der Versöhnlichkeit sprechen las en. Die äußere Pol tif Italiens müsse im weseittlichen von wirtschaf l.chen Ee.ichlSpunk- ten geleitet sein. Denn Italien brauche Die aus­ländischen Rohstoffe und die ausländischen Märkte Durchaus erforderlich sei, daß das Gleichgewicht am Mittelmeer nicht weiter zu Italiens Rachteil gestört werde Demzufolge sei die Unantastbar­keit und Die Verwirklichung der durch Den Drei­verband Italien zugesicherten Vorteile sicherzu­stellen. Es bedürfe daher einer Verständigung mit Den Alliierten unD einer Politik im Geiste loyaler Zusammenarbeit. Der Minister erklärte weiter, Italien habe in Angora wegen Der Zwischenfälle von Adalia Protest eingelegt und seine Seestreitkräfte in Konstantinopel verstärkt. Der Zweck dieser Maßnahme sei einerseits eine Warnung, andererseits sei sie als möglicherweise notwendig werdender Beitrag zurDerteidigung Der Meerengen durch Die Alliierten gedacht. Es fet unbedingt erforderlich, Daß Die Meerengen für Die ftiebliche Schiffahrt geöffnet bleiben. Bezüg­lich A l baniens erklärte Der Minister, Italien fei am meisten an Dem Schicksal Des Rachbar- lanbes interessiert unD müsse Darüber wachen, Daß Die von Italien zu Gunsten Der Unabhängigkeit Albaniens geschehenen Schritte nicht zum Vorteil ar Derer, unter Schädigung Der Freiheit Albaniens und Der lebenswichtigen strategischen Intcrcfien Italiens aus laufen. Sollte gegen alle Voraussicht und gegen Italiens Wunsch Das von Italien auf­gestellte Programm undurchführbar sein, so müsse Die ganze albanische Frage nochmals auf Det Grundlage Der vorherrschenDen Interessen Ita­liens geprüft toerDen, Die von Den Alliierten be­reits anerkannt feien. Der Minister gab bann bie bereits gemelbeten Erklärungen über Cbeifcßte* sien unb sagte schließlich bezüglich des Vertrages von Rapallo, er werbe alles tun, um Italiens Verpflichtungen zu erfüllen unb werbe nachdrück- lich forbem, baß bie Rechte Italiens geachtet werben. Der Minister schloß mit ber Bitte um bas Vertrauen bes Senats. Die Erklärungen des Ministers wurden beifällig ausgenommen.

Aus dem Memekgebiet.

Memel, 1. Aug. (WTB.) Der Präsident des L andesdirektonums, Oberbürgermeister Altenberg, hat, wie dasMemeler Damps- boot" meldet, am 23. 3uli dem Oberkommissar Petisne fein R ü ck t r i 11 s g e s u ch überreicht. Der Oberkommissar hat dieses RücktrittSgesuch am 30. Iuli angenommen und folgendes Schrei­ben (in ülebersehung) unter dem 31. Iuli an Oberbürgermeister Altenberg gerichtet: Durch Schreiben vom 23 Ouli haben Eie mir mitgeteilt baß Die augenblicklichen Verhältnisse Ihnen nicht gestatten, in Ihrem Am' als Präsident des Landesdirektoriums zu ver­bleiben, und mich gebeten, Ihr Ausscheiden zu genehmigen. Ich kann leider Ihrem Wunsche nicht entgegentreten. Ich bedauere auf das Leb­hafteste. Daß Sie Ihr Amt niederlegen, zu dem Sie besonders befähigt waren und bas Sie mit so großer Hingabe im Interesse des Gebietes verwaltet haben. Ich bin überzeugt, daß Sie trotz des von Ihnen gefaßten Entschlusses, welche Stellung Sie auch einnehmen, nicht auf hören werden, für das weitere Gedeihen des Gebietes zu wirken.

Im Anschluß hieran meldet dasMemeler Dampfboot", Petisne verhandle zur Zelt mit den führenden Männern des Memelgebietes über die Rembesetzung des Präsidiums.

Kautskh für die Einigung des Sozialismus.

London, 1. Aua. (WTB.) In einem au) der heute in Stratford abarhaltenen Iahreskon- ferenz des sozialdemokratischen Verbandes ver­lesenen Briefe zollt Karl Kautskh dem Kampfe gegen den Bolschewls mus Anerken­nung unb erklärt, die Einigung l m Sozia­lismus sei unerläßlich besonders im gegenwär­tigen Zeitpunkte, in dem die britische A r - beiterschaf t der Vorkämpfer (prizesighter) be«1