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Feuilleton.

ShakespearesHidharb der Dritte" in Hartungs Regie.

Man schreibt unS aus Darmstadt: Shake­speares blutigste Tragödie vom dritten Richard, die die Fortsetzung seiner Heinrichdramen bildet, und in der er uns wie kein anderer die Heuchelet und Brutalität als hervorstechendste Eigens^af- ten im Charakter unserer liebwerten Bettern jcn- setts des Kanals überzeugend schildert, gab ® u - stav Hartung willkommenen Anlab zu einer neuen Regietat von unerhörter Kraft und mit reihender Wucht. Zwar zeichnet für die Regie der neue Oberreaisseur Keller verantwortlich, aber hinter jeder Geste, jedem Bild, jedem Wort der Darstellung spürt man Hartungs peitschendes Tempo, schärfste Zeichnung, atemraubende Rea­listik. Die Reutnszeniermng bricht mit allem Hergebrachten und ist im Grunde eine Rückkehr zu primitivster Bereinsachung der zeitlichen Sha- kespearebühnc. Diese Primitivität aber ist durch raffinierte Mittel der Beleuchtungstechnik und der Farbengebung, durch bis an die Grenze des <Sr» kläglichen geführte Stilisierung der ganzen Dar­stellung zu unerhörter Vertiefung des Eindrucks, der schlechterdings nicht mehr Überboten werden kann. Sie Prägt sich aus in den einfarbigen, grob ausgcrissenen Flächen der Bühnenbilder, in denen hochgestellte, freistehende Wandschirme (Para- vants) fast ganz die fälligen Vorhänge der Stil­bühne verdrängt haben, in rauschenden Farben­klängen, vom dunkelsten Grau bis zu grellstem Rot, schreiendem Gelb und intensivstem Blau. Sie ist gesteigert in der Art wie Hartung-Keller durch raffinierteste Beleuchtung der farbigen Schein- Werfer die Figuren der Darsteller festhalten, übernatürlich heraushcbcn, jede ihrer Gesten, ihrer Stellungen und Bewegungen wirksamst un­terstreichen, und Jte kulminiert in der Sprache,

die ganz Theater, ganz Shakespeare ist, und zu der eine Regie von unübertrefflicher faszinieren­der Kraft jeden Einzelnen erzogen, dah er sich ohne Straucheln dem gewollten Ganzen einfügt. Die Menschen wachsen m diesem Rahmen, in die­ser Beleuchtung ins Riesengroße, Schemenhafte, Hebernatürliche. 3n rasendem Tempo, Schlag auf Schlag folgen die Szenen, atemraubend, sinnbe­törend, packend, nervenpeitschend, dah ein Auf­atmen durch die Menge geht, wenn endlich nach drei Akten der Zuschauerraum hell wird, ehe sich Hände zu Beifall regen können. Bei offenem Vorhang, nur Verdunkelung dec Bühne, vollzieht sich in Sekunden der Szenenwechsel. In primitiv­ster Form natürlich, aber völlig ausreichend zur Umstellung der Illusion. So wird, was ehedem unmöglich erschien, erreicht, die unzähligen Sze­nen folgen einander, greifen ineinander über, ohne daß der Gesamteindruck zurrissen wird. Uni) der Erfolg ist beispiellos. Allerdings, es ist Thea­tererfolg. Der Raturalismus. der uns in den ver­gangenen Jahrzehnten ein ganz eigenes Künstler­tum geschaffen, der den Komödianten wieder als Mensch auf die Bretter stellte, ist verbannt. Wenn Gustav Hartung seine Grenzen kennt, und seine bisherige Tätigkeit bürgt wohl dafür, wird er dereinst als Reformator in der Dühnengeschichte fortleben, jedenfalls aber als ein Regisseur, der mit stärkstem Erfolg, sicherer Erkenntnis dem Geist seiner Zeit Ausdruck gegeben. Aus der Un­zahl der Darsteller darf Fritz Falck hervorge­hoben werden, der den königlichen Bösewicht in einer Weise Gestall und Leben verlieh wie e« im Rahmen Hartungscher Regie meisterhafter nicht gedacht werden kann. Alle aoberen standen wohl an ihrem Platze.

Der Milliardensegea der Polarforschuag.

..Von sachverständigen Deurteilern ist die Schätzung ausgestellt worden, dah die Gesamt­kosten der Rord- und Hüdpolarfvrschung in den

Dem genannten Tage mit Ihnen tn London zu* fammerrtreffen, um durch eine persönliche Dis­kussion gründlich alle Möglichkeiten einer Rege­lung zu prüfen.

Die Dölkerbundsversammlrrng.

Genf, 30. Sept. (Wolff.) 3n der heutigen Sitzung der Völkerbundsversammlung tourbe einstimmig die Resolution der 5. Kommis­sion über die Opium-Frage angenommen. Der von dem Berichterstatter der Kommission, Ferreira (Portugal) verlesene Bericht fordert eine Verschärfung der in der Haager Konvention von 1912 durchgeführten Kontrolle über den Opiumhandel, die Unterdrückung des freien Han­deln mit chemischen Produkten und die Einberufung einer internationalen Konferenz zum Zwecke der Ausdehnung der Haager Konvention. Alle Redner stellten sich auf den Boden der Kommissionsvor­schläge. Afraer D a u l e h (Persien), der die Auf­klärung der orientalischen Völker über die Ge­fahren des Opiumgenusses anregte, van Sv i- deren (Holland), der im Kampfe gegen den Opiumhandel eine Solidaritätskundgebung zwi­schen der weihen Rasse und den orientalischen Völ­kern sieht, und Hennessy (Frankreich), der ins­besondere auf die Gefahren hinweist, die die chemi­schen Betäubungsmittel für die Kulturwelt bedeu­ten, fanden allseitige Zustimmung des Hauses.

3m weiteren Verlaufe der Vorm'twgssihung wurde über die Hilfsaktion fürRuhland verhandelt. 3m allgemeinen wiederholten Motta (Schweiz) als Berichterstatter und die Diskussions­redner die bereits aus den beiden öffentlichen Sitzungen bekannten Argumente. Eine Völker- bundsaktivn fei unmöglich wegen der Weigerung der Mächte, Ruhlano finanzielle Hilfe zu ge­währen.

R a n s e n hielt eine große erschütternde Rede, in der er die Völkerbundsversammlung und die Regierungen auf die furchtbare Verantwortung aufmerksam machte, die auf ihnen laste, wenn sie 20 Millionen Menschenleben dahinsterben liehen. Die Welt fei reich an Transport- und Dahrungs- rnitteln; alles sei da, um Ruhland zu helfen, es sei eine furchtbare Tragik dah nun an derGeld - frage das Hilfswe'k scheitern solle. Er beschwor die freien Männer Europas, an das Schicksal der hungernden Kinder zu senken, sich vor u'tcllen dah ihre eigenen Kinder ein solches Schicksal erleiden können. Man müsse Ruhland zu Hilfe kommen, be­vor es zu spät sei und man das allzulange Zögern bereuen würde.

Spalaikowitsch (Jugoslawien) hielt eine heftige Rede gegen den Bolschewismus. Gr ver­langte die Annahme einer Entschliehung. in der da« bolschewistische Regime verurteilt und als ver­antwortlich für die Hungerkatastrophe in Rußland gebrandmarkt werde.

Internationaler Kongretz der Kriegsopfer.

Wien, 30. Sept. (Wolff.) Heute wurde der zweite internationale Kongreß der Kriegsopfer eröffnet. Rach den Begrüßungsansprachen übernahm Henri Barbusse den Vorsitz. Gr beleuchtete In »einem umfassenden Bericht die Ziele des Inter* nationalen Kongresses der Kriegsopfer; zu diesen Zielen gehöre der Kampf gegen den Krieg durch einen revolutionären Generalstreik <im Fall eder Mobilisierung und durch eine antimilitaristische Pazifistische Propaganda. Zur Erreichung dieser Ziele müsse eine inter­nationale Propaganda etngeleitet werden. Die Ausführungen des Redners wurden mit stür­mischem Beifall ausgenommen.

Äus dem Reiche.

Das Verfahren gegen Zagow und v. Wangen­heim.

i Berlin, l. Oft. Auf eine kommunistische Anfrage hin wurde von einem Vertreter des Reichsjusttzministeriums geantwortet, daß ge­gen den früheren Polizeipräsidenten v. Da­go w und den früheren Oberpräsidenten von Wangenheim das Haupwerfahren wegen Hochverrats bereits eröffnet ist und daß die Verhandlung vor dem Reichsgericht voraus­sichtlich Ende Oktober stattfmden wird.

Hauptversammlung des BundeS deutscher Bodeureformer.

Breslau, 30. Sept. Die 26. Generalver­sammlung des Bundes deutscher Dodenreformer wurde heute vormittag in der Universität eröff­net. RamenS der Reichsregierung begrüßte Mi­

nisterialrat Krüger vom Reichsarbeitsministerium die Tagung. Er teilte mit, daß gestern in einet; wichtigen Besprechung beim Reichsarbeitsminister, an der auch der preußische Ministerpräsident und der Landwirtschaftsminister teilnahmen, ein grundsätzliches Uebereinkommen dahin erzielt wor­den sei, daß für Oberschlesien eine besondere Siedelungsaktion tn Angriff genommen und ein gemeinnütziges Siedelungsunteruehmen gegründet werden soll.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 1. OIL 1921.

Jetzt ist es Herbst.

Jetzt ist es Herbst, die Welt ward weit, die Berge öffnen ihre Arme und reichen dir Unendlichkeit.

Kein Wunsch, kein Wuchs ist mehr im £aub, die Bäume sehen in den Staab, sie lauschen auf den Schritt der Zeit.

Jetzt ist es Herbst, das Herz ward wett.

Das Herz, das viel gewandert ist, das sich verjüngt mit Lust und List, bas Herz muß gleich den Bäumen lauschen und Blicke mit dem Staube tauschen.

Es hat geküßt, ahnt seine Frist, das Laub fällt hin, das Herz vergißt.

(Max Dauthendeh.)

Gründung einer Vereinigung für Feuerbestattung.

Am letzten Freitagabend batte sich eine An­zahl von Freunden der Feuerbestattung im Hotel Kobel eingefunden. Rcktor Richard von Wetz­lar, der zu einem Bortrag gewonnen war, gab einen kurzen Ueberblick über die geschichtliche Ent­wicklung der Feuerbestattung In Deu.s tziand und besprach deren Bedeutung in hygienischer, recht­licher, ästhetischer und volkswirtlchafllicher Be­ziehung. Wie der Vortragende weiter berichtete, bestehe seit Mai d. Zs. in Wetzlar ein Feuer­bestattungsverein, der bereits eine stattliche Mit­gliederzahl aufweife. Das Ziel "dieses Vereins fei, in Verbindung mit einer in Gießen und Marburg zu gründenden Bereinigung die Er­richtung eines Krematoriums in Gie­ße n zu erstreben, da die Feuerbestattung immer mehr Anhänger gewinne, aber die Heber* führung nach Friedberg zur Einäscherung sehr umständlich ' und auch mtt besonderen Kcsten verbunden sei. 3n der Aussprache kam zum Ausdruck, dah schon vor dem Krieg in Gießen der Plan zur Erbauung eines Krema­toriums bestanden habe und bei Der großen Zahl der Förderer dieses Gedankens der Verwirk­lichung nahe gewesen sei. Das Ergebnis des Abends war dec Zusammenschluß der Anwesen­den zu einer «Vereinigung für Feuerbestattung für Gießen unb Umgebung mtt dem Ziel, in enaer Fühlungnahme mit dem Verein in Wetzlar uno Marburg die Erbauung eines Krematoriums in Gießen anzustreben, ferner betrachtet die Ver­einigung als ihre Aufgabe, ihren Mitgliedern in Fallen beabsichtigter Feuerbestattung mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und auch in der Be­völkerung daS Verständnis für die Borzüge der Feuerbestattung zu wecken. Für Interessenten, die der neugegrünbeten Bereinigung beizutreten beabsichtigen, Ijggt die GinzeichnungSliste bei Herrn Klamp, Seltersweg 46, auf.

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M Amtliche PersonalnachriHten. Ernannt würbe am 29. September der Lehramts* afsefsor Hugo Steinhardt aus Friedberg zum Oberlehrer an der Realschule in Butzbach. Am 18. September wurden der Oberförster Franz Wahl zu Bingenheim und am 27. September der Oberförster Edwin v. Becker zu Ernst­hofen zu Forstmeistern ernannt.

Geh. Konsistvrialrat D. Dr. Fer­dinand Kattenbusch, Professor dec Theo­logie in Halle a. d. S. begeht am 3. Oktober die Feier seines 70. Geburtstages. Der Gelehrte war von 18Z81904 Mitglied ' des Lehrkörpers unserer Landes-Unifrersität und ist Ehrendoktor ihrer philosophischen Fakultät. Zahlreiche Freunde und Derehrer werben auch hier am Orte seiner gedenken.

** Dom Stadttheater. Für die dies­jährige Spielzeit, die am Mittwoch mtt Shccke- speacesW a s ihr wollt" beginnt, sind noch an allen ^agen Abonnementsplatze er­hältlich. Alle von jetzt ab gewünschten Abonne­ments werden an der Theaterkasse in den üb­lichen Ghschäftsstunö«! ausgegeben.

" Eine totale Sonnenfinsternis findet heute auf unserer Erde statt, von der wir jedoch nichts bemerken können, da sie ganz auf fernes Meeresgebiet beschränkt bleibt. Sie beginnt um 11 Uhr 2Z Minuten vormittags bei 3quique in Chile und endet ums 3 Uhr 44 QEmuien nachmittags im südlichen Eismeer als partielle Finsternis. Sie ist nur in der südlichen Hälfte von Südamerika unb in füblichen Meeren sichtbar. Die totale Finsternis beginnt um 1 Uhr 0 Min. unb endet um 2 Uhr 11 Minuten nachmittags.

Der heutige Wochenmarkt zeigte daS gewohnte Bild ber Herbstmarkte. Hm einiger­maßen ihren Winterbedarf zu decken, sind die Hausfrauen gezwungen, unverhältnismäßig hohe Preise zu bezahlen. Hnglaublich erfcheinL dah Selbsterzeuger ihre Waren weit über den Händler­preis verkaufen. Die Preise der Wintergemüse bewerten sich von 80 Pf. bis 1,40 Mk. Obst war reichlich angefahren unb kostete 1,40 bis 2 OHL das Pfund. Eier 2,30 Mk. das Stück, Butter 30 Maik das Pfund, Bohnen 2,50 Wk. und Gurken 2540 Pf. Die letzten Reste wurden schnell ver­lauft Kartoffeln tofteten 7585 Pf. das Pfund.

* Sie Warenausgabetabelle des LebenSmittelantteS für die nächste Woche ist im heutigen Anzeigenteil veröffentlicht, ebenso "die übliche Wochenbelanntmachung des B renn­st o f f a m t e s.

** Die Kaiser-Allee, von der Moltke- strahe bis zur Georg-Phllipp-Gail-Strahe. wird wegen Walzarbeiten von Montag ab bis auf weiteres für jeglichen Fahr- und anderen Derkehr gesperrt.

** Der Hauptgewinn der ©iefeener Pferdelotterie fiel In die Kollekte des Loschänd- leiti Hans Götz, Asterweg, auf Ar. 26 634.

BornoUzLn.

Tageskalender für SamStag: Oswaldsgarten, Echaumefse.

Tageskalender für Sonntag: Stadtkirche, 8 Hhr, Bortrag deS MissionS* direktors Witte über seine Erlebnisse in China und Zapan.

Der Raturheilverein ladet seine Mitglieder und Freunde für Sonntag abend

Hhr ins Kathol. Vereinsbaus zu einem Werbeabend mtt einem gediegenen Fami- lienprvgramm ein. Wer je einmal bei einer Fa- milienvecanstaltung im Raturheilverein war, wird gern auch diesen Sonntag der Einladung folgen.

Kreis Büdingen.

# Leidhecken, 30. Sept. AuS Alters­und Gesundheitsrücksichten trat der langjährige Bürgermeister Kessel von seinem Amte zurück. Bei der Reuwahl siegte der Beigeordnete Karl S e I z a m mit 150 Stimmen. Sein Gegner Wllh. Wirth erhiell 45 Stimmen.

# Selters, 30. Sept. Gegenwärtig ist man mit dem Aufbau eines Kurhauses, das zwischen der Bahn und der im Zähre 1709 er­bauten Mühle zu stehen kommt, beschäftigt. Schöne Anlagen, Ruhebänke usw., auch ein Block­haus für Restaurationsbetrieb, sind in dem nahen Walddistrttt «A o t h l i p p" geschaffen, so daß im nächsten Zahre mit der Dadesaison begonnen werden kann. Das Steigrohr deS etliche Zahre vor dem Kriege erhobrten Solfprutels war ver­rostet und die Quelle hatte sich einen anderen AuSgang verschafft. Zetzt hat man sie neu er* bohrt und gefaßt.

Kreis Schotten.

eb. Eschenrod. 20. Sept. Seit Mona­ten leidet unser Dorf unter sehr großem Was- sermangel. Die an den Abhängen des Bll* steinS liegenden Quellen genügen nicht, das Dorf mit seiner sehr starken Viehzucht mit Wasser zu versorgen, zumal die Eichel schon seit Monaten ausgettocknet ist. Das Wasser ist von abends bis morgens eingestellt, aber die hochgelegenen Dorftelle bekommen trotzdem kein Wasser. Alt und jung trägt Wasser stun­denlang; in der Erntezeit bekam das schon un­ter dem Grünfuttermangel leidende Vieh an manchen Tagen noch nicht einmal Wasser.

Kreis Schotten.

b. Schotten, 29. SepL Die Kartoffel­ernte ist schlecht ausgefallen. Der vorhandene gute Ansatz, der eine Menge kleiner, zum Tell winziger Kartoffeln aufweist, hätte bei einigem Regen eine glänzende Ernte ergeben. Die dickeren Kartoffeln sind meist von Mäuse zerfressen. Die Hmgegend, die sonst die Stadt versorgt hat, leidet unter dem gleichen Mangel. Die Eindeckung der Bevölkerung mit Kartoffeln geschieht bestmöglichst durch die einheimischen Händler. Die Stabt greift bei Minberbemittelten in geeigneter Weise durch Bürgschaftsleistung, Dorschuß und bergt, helfenb ein.

letzten 100 Zähren ungefähr 2 Millionen Pfund betragen haben, während der Wert der direkten und indirekten wirtschaftlichen Ergebnisse auf 25 Millionen Pfund angesetzt sind." Das wären nach unserm heutigen Geldwert 12 Milliarden Mark, mit denen Sir C r n e st S h a ck l e t o n, der so­eben seine neue Forschungsreise nach dem Süd­pol beginnt, in einem Aufsatz ber .Daily Mail" den besonderen Wert, den die Polarforschung auch ür wirtschaftliche Zwecke hat. begrüntet Es sind, o führt er dabei aus, zwei Zweige der Wtssen- chaft von höchster Wichtigkeit für ten Schiffer und ten Pflanzer, die magnetische Forschung und die Meteorologie, die hier ihre Förderung erfahren. Zebes Schiff, das ben Ozean befährt, ist abhängig von ter Genauigkeit unserer Kenntnis ber oer* schietenen magnetischen Strömungen, ble ble Ab­weichungen tes Kompaß Hervorrufen. Hm biefe qenau zu erforschen, sind Beobachtungen in sehr hohen Breiten, so nahe wie möglich ten magneti­schen Polen, unerläßlich unb von den Daten, die hier erlangt werten, wird jede Verbesserung in die magnetischen Karten der Seeleute eingetragen, so dah jedes Schiff, das diese Verbesserungen be­nutzt, einen genaueren Kurs innehalten und Zeit auf ter Fahrt sparen kann. Das bedeutet für ein einzelnes Schiff nicht alhu viel aber in unseren Tagen ter Dampfer, in Denen jede Stunde rech­net, ist die Zeitersparnis wichtiger als zur Zeit der Segelschiffe. Bei ben Tausenden von Schiffen, die jährlich nach Süden, nach Australien, Aeusee- land, Südafrisa und Südamerika fahren, wirb bie Gesamtzeit ein auherortentlich wichtiger Faktor. Tausente von Stunden, in denen Kohlen. Löhne ulw. ge'vrt werten, ergeben stattliche Summen. Wem Kolumbus eine gmaue magnetische .Karte gehabt hatte, würbe er ben Westkurs innegebalten haben, anstatt weiter nach Süden zu geraten. Ein großer Dell unserer Arbeit wird aber in ten magnetischen Beobachtungen bestehen, die durch neueste Methoden und Znstrumente erleichtert

Kreis Friedberg.

-t- Staden, 30. Sept Hnfcre Gemeind« besitzt schon seit Zähren einen unmittelbar am DorsL-gelegenenScucrbrunnen. ter trotz ter Trockenheit in diesem Sommer die gleiche Wafsermenge wie in nassen Zähren spendete. Ganze Wagenladungen von diesem köstliche« Mineralwasser holten Leute selbst aus weit ent­fernt liegenden Dörfern.

Starkenburg und Rheinhessen.

Duchdnukerstreik in Darmstadt.

Darmstadt, 30. Sept. (WTB.) DK Buchdrucker Darmstadts sind heute weg« Richtbewilligung lokaler über die zentralen Vereinbarungen Hinausgehenter Forderungen in ben Streik getreten. Die sozialdemokra­tische Zeitung hat die Forderungen unter Vor* behalt bewilligt.

Hessen-Nassau.

me. Frankfurt a. M, 30. Sept. Mtt ten Fahrrabbieben räumt die Polizei eben ge­hörig auf. Gestern wurden allein 10 festgenom­men, darunter ein früherer Polizist des IV. Re­viers. ter zuletzt Schupomann in Hanau war.

Wettervoraussage

für 6 d n n t a g:

Frühnebel, vorwiegend wolkig und trocken. tagS warm, nachts kühl, Winde auS südlichen Rich­tungen.

Das Hochdruckgebiet, daS gestern mtt seinem Kern über ber Rordsee lag, ist langsam ostwärts gezogen. An der Westküste fällt daS Barometer. Morgen wird daS wollige, doch trockene Wetten anhalten.

Schlichtungsausschuß der Provinz Oberhessen.

Sitzung vom 27. September 1921.

Einundzwanzig Bau Geschäfte In Alsfeld, Lau­terbach, Schlitz. Angersbach und einigen unteren Orten ter dortigen Gegend, die der Lohn- und Artettstarif für daS Baugewerbe In der Prvvin- Hessen-Rassau, den Freistaaten Hessen usw. vow 21. 3uli 1920 seiner vierten und fünften Lohn­gruppe zuteilt, sollen von ter laufenden Lohn* periobe an ihre Arbeiter gemäß bem Rachtrag vom 12, September 1921 zum Lohn- unb Ar- bettStarif entlohnen.

Die Hessischen Metallwerke ®. m. b. H in Friedberg sollen von der laufenden Lohnperivde an auf die bestehenden Löhne folgende Tsue- rungszuschlage zahlen: Arbeitern von 1821 Zäh­ren 20 Pf. die Stunde, Arbeitern über 21 Zayren 60 Pf. und Arbeiterinnen 35 Pf. unb binnen zwei Wochen mtt dem Deutschen Mctallarbeilerverband wegen Abschlusses eines Tarifvertrages tn Der- Handlungen treten.

Die Mitglieder der Vereinigung der Snftal- lationsftrmen in Friedberg sollen dieselben Löhne zahlen, wie sie durch diesen Sckstedsspruch ten Hessischen Metallwerken aufgegeben wurden.

In einer wetteren Lvhnstrettsache verständig­ten sich die Parteien.

Sitzung vom 30. September 1921.

Der Stadt Grünberg tourte aufgegeben, drei Arbeiter, denen wegen Mangels an Mitteln ge­kündigt worden war, weiter zu beschäftigen, davon zwei Rotstandsarbeiter evtll im Wege lter Produkt tiben ErwerbslosenfÜrsorge.

Die DäckerzwangSinnung für Vilbel unb Hm* gegenb soll gemäß Antrag des ZentralverbandeS ter Bäcker, Konditoren unb Derus^aenosien binnen 14 Tagen mit btesern Derbanb ? Abschlusses eines Tarifvertrages in Verhandlung treten. Der von ihr mit ten einzelnen Gehilfen abgeschlossene Tarifvertrag" konnte als gültiger Tarifvertrag im Sinne teS § 1 ter Verordnung vorn 23. 12. 1918 nicht erachtet werden, da als Tarifvartei auf Ar» beitnehmcrseite nur wirtschaftliche Vereinbarungen von Arbeitnehmern in Betracht kommen

In dec Antragssache tes Verbautes ter Rechtsanwalts- und Rotariatsangeslellien gegen neun Rechtsanwälte unb Hetäre tn Gießen wegen Erhöhung ter Tarifgehälter verständigten sich die Arbeitgeber zum Lett kurz vor bem Termin mit ihren Angestellten; von ten übrigen tourte Daraufhin eine Verständigung in bestimmte Aus­sicht gestellt und bie Verhandlung gegen sie des­halb ausgesetzt. In einem Falle wurde durch Schiedsspruch unter Berücksichtigung besonderer Verhältnisse tes betreffenden BuceauS auf eine Teuerungszulage von 20 Prozent auf die bis­herigen Gehaltssätze front 1. September 1921 an erkannt.

In zwei wetteren Sachen verständigten sich bie Parteien.

werten. Hafer Girvskop-Kvmpah wird uns dabei sehr nützlich sein. Was nun die Meteorologie be­trifft. so hat man sich ja oft über sie luftig ge­macht, well die Wettervorhersagen nicht immer mit dem Wetter, das barm tatsächlich kommt, übereinstimmen. Mit weiteren Fortschritten deS Wetterdienstes wirb aber auch hier größere Ge­nauigkeit erzielt werten. Wan muh sich vergegen­wärtigen. daß ter große antarktische Kontinent nahezu 4Vs Millionen englische Quadratmeilen umfaßt Er ist bie Brutstätte für bie meisten Winbe unb Stürme, bie von ihm nach Aorten kommen unb ber Schnee, ber aus btefer kalten Geqcnb kommt fällt als Regen auf Südamerika, Südafrika, Australien und Aeuseeland. Diese Län­der sind aber fror allem auf Viehzucht und Acker­bau angetotefen, und jede Kenntnis, die wir von ter Wetterlage in der Pvlaczone erlangen, wird uns instand setzen. daS voraussichtliche W?tter und wahrscheinlichen Regenfall in diesen Ländern zu bestimmen Wir wissen jetzt, daß ein harter Win­ter In ter Polarzone gewöhnlich starke Regen- fälle in ten südlichen Ländern bedeutet und mtt ter Hllfr fron drahtloser Aachrichtenübermitt- lung können wir ten Farmern anzeigen, welche« Wetter sie zu erwarten haben, so daß sie ihre Anordnungen danach treffen können. Es handelt sich nur um die erste Stufe der Erkenntnis in dieser Angelegenheit, aber ohne diese ist kein Fortschritt möglich. Wir werten ferner auch nach ter Esistenz verschiedener zweifelhafter Inseln, Sandbänke und verborgener Gefahren zu forschen baben. Die Gesahr einer Untiefe ist für die Schiffahrt besonders groß; wir hoffen sie durch praktische Beobachtung, unterstützt durch genaue Zeitsignale mit unserer drahtlosen Telegravyie. zu lokalisieren. Schließlich haben wir auch für da« Luftministerium zu arbeiten, daS unS eine ganze Reihe von Aufgaben gestellt hat.