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Mittwoch, 59. Januar 1929

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Nr. 25 Zweiter Blatt

I müter seit einiger Zeit wieder beunruhigt. Traurig genug, denn, abgesehen von diesem Zwist, « f f 1 CX . »-zw im OTitnonMiH

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Die Stellung

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Eine Diskussion mit positivem Erfolg

Zweiter Evangelischer Landeskirchentag.

Eröffnungssitzung des neuen evangelischen Kirchenparlaments.

Man kann, um das ein wenig deutlich zu machen, etwa an zwei bekannteHamen crinnem. Viebig und Schönherr. Zwischen beiten Guggen­heim. Aber was Guggenheim vorschwebte, wie ter Titel andentet ist ihm nicht gelungen, zum mindesten nicht so gelungen, tote ettoa ter Liebig ein ähnliches Rlvttv imODeiberterf . (Literarisch gesprochen: die Gestaltungeines Kol- lektivschicksals.) Das Schicksal einer Menschenge- metnschait. eben ein Ausschnitt aus ter Chronik

W. 3- Guggenheim: Das Dorf Sanct Lüsten"

Deutsche Uraufführung am Giehcner Stadltheater.

So ein Dorf ist das also. Und so ein Stück. Soll man eine Formel versuchen? Sodoms Ende im Gebirg? Ater das trifft wohl nicht gaiy den Grundgedanken: tote einer von ter Dorfgemeinde, aus ter neuen Welt heimkehrend, in ter alten Heimat Anstoß gibt zu vielem Unglück, fitt- licher Verwilderung, seelischem und materiellem Zusammenbruch. Vielleicht das Veste, toas das Stück überhaupt vermittelt: die Tendenz gegen drüben" inmitten einer immer mehr um sich preisenden kritiklose Begeisterung für alles, was aus denStaaten" tommt; die Abtoehrstellung und Stampf auf aae gegen die dort Herrschenten Mächte, denGeäst" des Geldes und ter Maschine und des skrupellosen Geschäftes, gegen die Seelen- losigkeit und Hebens kälte und die zivilisatorische Gefte der Dvllarlairdmenschen.

Ein schweizerischss Bauernschauspiel.Die Hand­lung geschieht im Zeitraum eines Jahres, von Frühling zu Frühling, in dem protestantischen Bcrgdorse Sanct Justen." Dte drei Akte gruppieren sich im wesentlichen um die folgenden Tatbestände.

Der Jungdauer Klaus Lanz und die Wirtstochter Ursula imBären" fönnten ein sauberes Paar geben, sie sind zwei an Leib und Seel gefüllte Pergmenschenkinder, und sie sind auch im Grunde schon einig. Nur die Ursula zögert noch, den ent­scheidenden Schritt zu tun.

Den Schmied Ruodi, einen brutalen Schürzen­jäger, der hinter ihr wie hinter allen her ist, weist

Der Schweizer Dichter Dr. phil. Werner Johannes | Guagenheim, l«9v in St. Kallen geboren kam vom Theater her in die Literatur war Schau- svieler (ausgebildet vom kürzlich verstorbenen Kre- nori), Dramaturg und Regisseur, begann 1918 mit einer Studie über Carl Spittelers, seines Lands­mannes, Weltanschauung, schrieb drei Jahre pater die TragödieDas Reich" (mit Kaiser Otto UI. im Mittelpunkt), die KomödieDie Frau mit der Maske" (1927), hat auch als Erzähler, als Lyriker und als Uebersetzer gearbeitet.

Sein letztes Stück, welches gestern m Gießen die deutsche Uraufführung erlebte, ,/D a 6 Dort Sanct 3 u ft en", wurde geschrieben m, Herbst 1922, Herbst 1923, Frühjahr 1925, erschien 1927 als Buch (bei Kiepenheuer in Berlin) und verdankt ge­wisse Anregungen den DichtungenLe regne de l'esprit malin" des neuerdings auch bei uns be­kannt werdenden C. F. Ramuz undDer Amerika- Johann" von Felix Moeschlin.

Wiesbaden, Frankfurt, Kassel und Waldeck zu sprechen. Jede verantwortliche Kircherwegierung müsse sich theoretisch mit diesen aus ten Strömun­gen der Zeit aktuellen Fragen inlensio beschäftigen. Wie sich die Sache weiter entwickle, wisse er noch nicht, aber, fügte er lächelnd hinzu:Machen Sie sich daraus gefaßt, daß dies der letzte hes­sische La ndes ki rchen tag ist." Die Stellung der Kirche in ter Oessenttichkeit sei durch die Wen marer Verfassung eine vollkommen andere gemär­ten. Die Kirchen seien mit Handhabungen au ege- stattet worden, die sie weit besser gebrauchen muß­ten, um das in ihnen Lebendige zur Darstellung zu bringen. Der Redner wünschte zum Schluß, daß der neue Landeskirchentag in brüderlicher Eintracht die aus ter Zeit heraus reifenden Fragen zu lösen versuche, wozu er Gottes Hilfe erbat.

Es folgte die Feststellung der Synodalen und Ne Verpflichtung der neueingetretenen Mitglieder. Nach kurzer Gefchaftsordnungsdebatte wurde auf Antrag D. Bernbeck einstimmig defchlosien, ten Bericht des Gefetzgebungsausfch uffes über öle letzten Wahlen von ter heutigen Sitzung abzufetzen, bis ein neues Präsidium gewählt ift

stellt die Habsburg-Restauration im Augenblick außenpolitische LInmöglichkeit dar!

Man merkt dem Stück auch die theatralische Vergangenheit und Schulung seines Verfassers an: es ist mit einem unbestveitbaren Bühnen- talerck, mit dem Bllck für die Möglichkeiten des Theaters geschrieben. Szenenbau und Formur^ ter Gestalten zeigen fast überall den ougtyl eines Mannes, welcher weih, worauf es bei einem Schauspiel (Schau-Spiel) vor allrnn an- kommt. Aber freilich scheinen uns die theatva* fischen Vorzüge des Werkes seine dichterischen Qualitäten zu überragen; eS ist mehr Theaterstück als Dichtung.

Oie Wahl des Präsidiums vertagt.

Hierauf Übernahm Alterspräsident Wahl. Schlitz, ten Vors.tz und vertagte, da sich die euv feinen Gruppen über die Wahl des Präsidenten noch nicht einig geworden waren, die Sitzung bis abends 6 Uhr. Bisher stellte die Recht« des Kirchentages ten Präsidenten Frei Herrn von Hehl. Da durch die Wahlen die Mitte eine Stimme Mehrh eit erlangt hat. fällt dieser die Aufstellung des Präsidenten zu. Als Kandi­dat galt Pfarrer D. Dr. Wa i tz. Darmstadt. Dagegen wurde jedoch von ten weltlichen Mit­gliedern Einspruch laut, weil bereits als Leiter ter Kirchenregierung Prälat D. Dr. Diehl im Vorstand sitzt und ein weltliches Mit­glied des Landeskirchentages als Präsident gewünscht wurde. Bekanntlich setzt sich der Kirchentag zu zwei Dritteln auS welt­lichen und nur zu emem Drittel aus geistliche Mitgliedern zusammen. Da auch bis 6 Uhr unter ten verschiedenen Gruppen <m« Verständi­gung über die Wahl des Präsidiums nicht zu, stände gekommen war, vertagte der Allersprasi- denk die Sitzung auf Mittwoch vorm. 10 Uhr. eines Dorfes sollte dargestellt werten: es gibt hier nur Einzelschicksale, zwar neteneinanterge- stellt und auch miteinander verbunden, aber doch nicht so. daß man es als charakteristisch, not­wendig, unvermeidlich (im Sinne ter Tragödie) für das Ganze empfände. , .

Die Gestaltung ter Personen zetgt das: eS gibt deutliche, runde, kräftig hingesetzte Hauptsiguven und blasse, unteutliche, verschwimmente Aeben- fiauren, die manchmal geradezu literansch an­muten innerhalb des sonst in einer gesundem ein­fachen. bäuerlich-natürlichen Sprache geschrittenen Schauspiels. (Die ihrerseits als ein künstlerisch hoch zu wertentes Formelemeitt des Stückes ent­schieden anerkannt werten muh.)

trauen der Gemeinden untereinander, der Ge­meinden zu der Kirchenregierung, der Geistlichen untereinander und zu der Kirchenregierung fei ein weiteres Aufblühen möglich. Wenn an ein­zelnen Maßnahmen in den Gemeinden Stritit geübt worden fei, müsse doch festgestellt werden daß ter lebendige Leib der Kirche in seiner Kraft gesund dastehe. D. Dr. Diehl verwies auf die Ausgaben im Hinblick auf die christliche Erzie­hung, der Fürsorge für die Heranwachsende Ju­gend. das Gesetz über die kirchliche Ordnung und tarn dann auf die Frage des

Zusammengehens mit anderen benachbarten Landeskirchen,

chologisch verständlich. Cs handelt sich hierbet in Wirklichkeit erst in letzter Linie um eine Sympathie für das Haus! Ungarn wird viel­mehr stets bei seinen nationalen Idealen (und eien sie auch unter den heutigen Verhältnissen nur Utopien) ausharren, und gerade vom Ge- ühl der Jrredenta nährt sich der Wille zur Habsburg-Monarchie. Ganz abgesehen davon, daß der letzte Habsburger König der erste aus diesem Hause war. der die nationalen Wünsch' der Magbaren anerkannte und restlos erfüllen wollte. König Karl war. und dies dürste bei der psychologischen Beurteilung die Hauptrolle spielen, der letzte, mit der Heiligen Stephans- krone gekrönte Herrscher vonGroh'-llngarn! Und an den Zauber der Stephanskrone. den Ur­grund jedes Rechtsbegrisies. glauben heute noch die breitesten Schichten des ungarischen Volkes. Durch die erfolgte Krönung mit der heiligen Krone wurde Karl IV. für ungarische Begriffe selbst zu einer geradezu geheiligten Persönlichkeit, und Im Sinne einer hunderprozentigen Rechts- fontinuität würde (so empfinden eS zumindest die Legitimisten) die Bevölkerung von "Groß"- Ungarn einzig und allein seinen Sohn als Träger eben der .heiligen" Krone anerken­nen. Die Persönlichkeit Ottos (der übrigens eine einwandfreie ungarische Erziehung genießen soll) tut absolut nichts zur Sache! Solange der 3ntc- gritätsgedan'e lebt, wird der legitimistische auch nicht auszi rotten sein: das Erbe König Stephans des Heiligen, des ersten christlichen Herrschers von Ungarn, gebührt in jedem Salle bem ältesten Sohne des verstorbenen, durch die Krö­nung mit der heiligen Kronegesalbten" Souve­rän. Auch wenn dieser ein Habsburger war, also ein Vertreter des Hauses, das mit Ausnahme des letzten Königs nie viel Liebe zu Ungarn bewiesen hat.

Der mystische Zauber der St'vhanskrone (die ethische Grundlage der Legitimisten), ist in der Vrexis mit dem Standpunkt gleichbedeutend, die Pragmatische Sanktion von 1713 bestünde (bis auf den gemeinsamen Besitz von Oesterreich und Un­garn) als freiwillig angenommene Bindung der Erbfolge innerhalb des regierenden Hauses trotz der Ereignisse von 1918 weiter. Hingegen er­klären die freien Königs Wähler die Pragma'.i che Sanktion für ungü'iig Außer allem Zweifel ist diese Recht ausfaslung eine folge- richt g--re. W'rde man ater b hau' ten. d e Prag­matische Sanktion hörte de facto und de jure zu existieren auf, bann gelangte man zwangsläufig zu der Schlußfolgerung, daß auch die Revolutio- neu von 1918 und 1919 (Räteregierung) keine gesetzwidrigen Umsturzversuche, sondern tatsäch­liche, rechtskräftige Staatsumwälzungen waren, denen eine Dritte Revolution nationalen C harakters und mit einer ebenfalls gesetzwidrigen Prollamierung de» nun einmal abgeldjafften Königreichs folgte. Wurde doch die Stellungnahme des Volkes in der Frage der Staatsform weder 1918, noch 1919 oder 1920 ernsthaft in Erwägung gezogen! Es gibt auch in Ungarn Anhänger einer, allerdings nationalen, Republik. Aus der anderen Seite gab es auch in den Revolutionrjahren in der Mehrzahl über*

Die Anhänglichkeit Ungarns zum Hause Habs­burg. unter dem es so viel gelitten hat ist aber nur aus den legitimistischen Gesichtspunkten psy-

Unter dieser Ueterfdjrift berichtet, wie man schreibt, das in Paris erscheinendePariser Jour­nal" in feiner Nummer 3 vom 19. Januar 1929 über die Rede des Reichspresfewartes des Jung- deutfchen Ordens, A u g u ft Abel, welche dieser am 12. Januar d. I. im Theater de la Gait6 über das ThemaDer deutsche Machtfaktor auf der Erde" !fielt. Die auhenpolitifche Aufgabe des Jungdcut- chen Ordens besteht in der unablässigen Belämp- ung ter ungerechten und mörterifdjen Friedens- diktate und in der Herbeiführuna einer gerechten, dauerhaften Ordnung im Leben der Völker Euro pas. In konsequenter Verfolgung dieser Politik hielt August Atel den oben genannten Vortrag, mit dem er dieses Mal, (er sprach bereits zweimal öffentlich in Paris), die allen Deutschen ohne Ausnahme am

WSN. Darmstadt, 29. Jan. Der im Dezem­ber vergangenen Jahres neugewählte Zweite Eoangelifche Landeskirchentag für Hessen trat heute zu seiner k o n st i t u i e r e n « Öen Sitzung zusammen. Rach einem voran­gehenden Gottesdienst eröffnete

Prälat D. Dr. Diehl im Namen der Kirchenregierung die Versammlung mit einem Wort Luthers an den Landgrafen Phi- tipp den Großmütlgen in feinen Auseinander­setzungen über die antikirchlichen Störungen feiner Zeit:Es bleibt uns gar nichts anderes übrig: Wir müssen den christlichen Haushalt besser bestellen und die christliche Zucht ernstlicher üben." Dieses Wort müsse das Leitmotiv bei den kommenden Verhand­lungen des Kirchentages sein. Rein äußerlich gelte es, die finanziellen Verhältnisse der 'Landeskirche so zu gestalten, wie es fein falle. Die Schöten, die sich aus der Handhabung des Be­soldungsgesetzes ergaben, müßten beseitigt werden, damit jedes Glied ter Kirche auch wirklich erhalte, woraus es Anspruch habe. Die Finanzfrage zu lösen, werde nur möglich fein, wenn auch die

Auseinandcrjehung mit dem Staat selbst wenn es nur eine vorläufige Lo.ung fei, herbeigeführt werde. Wir haben, erklärt der Prälat, berechtigte Aussicht, daß das im Laufe dieses Jahres geschieht. Daß die Auseinandersetzungen notwendig seien, sei jedem Einsichtigen klar. Bei den Verhandlungen mit den Landeskirchen der Umgebung konnten wir feststellen, daß diese Kirchen von ihrem Staat pro Kops der evangelischen Bevölkerung 5,40 Mk. und 4,80 Mk. erhalten, während in Hessen nur 0 54 Mk. gezahlt werden. Wenn man diese Ziffern berücksichtige, müsse man zugestehen, daß die Kirchenverwaltung mit ihren Mitteln gut hausgehalten habe. Die Kirchenregierung ver­lange keine 5,40 Mk.: wenn ihr die Hälfte gegeben würde, werde sie ein Finanzsystem aufr stellen, das sich sehen lassen könne. Die Haus­haltführung sei dadurch erleichtert, daß die Lan­deskirche Dritten gegenüber ihre Rechte besser gewahrt habe, als bei umliegenden Landes­kirchen. Bei den einzelnen Gemeinden sei meist nur die Baupflicht gewahrt, die Leistung der politischen Gemeinde sichergestellt, soweit das möglich war, wobei durch die Zentralisierung der ganzen Arbeit nicht ein Zehntel der 2[n- sprüche verloren gegangen sei, die anderen Lan­deskirchen glatt entschwunden seien. Daneben gelte es im Innern der Kirche alles zu tun, um das Kirchenwesen auf die Höhe zu bringen, von den allerinn.llichsten Dingen bis hinab zu den Alltäglichkeiten. Der Redner er­innerte an die bevorstehende Revision der Dien st Pragmatik. Die Kirche müsse in der Zusammenfassung der Gemeinden, der Mithelfer und der Geistlichen immer weitere Geschlossenhllt be­kommen, um der Oesfentlichkeit, dem Staat oder anderen Organisationen gegenüber als eine einhcll'iche Macht dazustehen. Rur aus dem Ver-

Herzen liegende deutsch - ö st erreichischeLn- schlußfrage entwickelte. Vor dem zahlreichen Publikum, das sich sowohl aus Freunden als auch aus Feinten einer AnnäherunaspoliNk beiter Völ­ker zusammensetzte, konnte Abel unzweifelhaft einen großen Erfolg erzielen. Vor allem ater, und das geht am deutlichsten aus den heule vorliegenden Stimmen der sranzösiid)en Prefje hervor, konnte et diesen Erfolg für sich buchen, weil er an erster Stelle seiner Rede die Worte setzte, daß erst einmal der sinnlose Urtetlsspruch von der Schuld Deutschlands am Kriege fallen mutz. Die klare und nationale Herauszeichnung berechtigter deutscher Forderungen wirkte auf die Zu­hörer ganz verschieden, entsprechend ihren politi- fchen Richtungen. Freund und Feind kamen in der lebhaften Aussprache am Ende des Vortrages zu Wort und sie wurde positiv, da jeder Redner poli­tisches Taktgefühl zeigte. Man mutzte zugeben, das- die Versuche, die der Jungdeutsche Orden in dieser Form der Aufklärung ter französischen Oeffentlich feit bisher unternommen hat, gewiß mit dazu bei trugen werden, das Problem des gegenteiligen Ver häl'tniffes der beiden Staaten einer Lösung näher­zubringen.

Nachdruck. auch mit Quellenangabe, verboten!

Budapest, Januar 1929.

Anm. d. Red.: Die ungarische Königs­frage ist für jeden Richtungarn außer- ordentlich schwer verständlich. Wir haben darum einen Ungarn um eine Schil­derung ter Rechtslage dieser Frage ge­beten.

1688 erlangte das Haus Habsburg auf dem Drehburger Reichstage die Erblichkeit ter un- garischen Krone. Am 28. September 1848 lo­derte die ungarische Revolution auf, und Kossuth rih ten Reichstag in Debreczin zu dem Beschluß fort das Haus Habsburg-Lothringen des Throns für verlustig zu erklären. 1850 tourte Ungarn ein Kronland ter österreichischen Monarchie: 1860 wurde die alte ungarisch« Verfassung wieder hergestellt. _ , ...

Am 30. Dezember 1916 tourte Karl IV. zum König von Ungarn gekrönt. Am 30. Oktober 1918 ernannte er ten Grafen Michael Karolyt zum Ministerpräsidenten. Einige Tage fpatcr lieh ter ,Renommiergraf der ungarischen Re­volution" (ein wlllenlr. es Spielzeug in der Hand der Linksradilaien) vo.. seinem Amtseid ent­binden, und am 16. Rovember erfolgte die P r o - klamierung der ungarischen Repu­blik. Am 21. März 1919 übergab dec rote Graf die Macht den K o m m u n i st e n. Rach dem Zu­sammenbruch der Dolschewllenwirtschaft wurde Erzherzog Josef provisorischer Recchsverweser, am 16. Februar 1920 erklärte die Rational- Versammlung Ungarn wieder für em konftttu- tionetles Königreich und berief ten Admiral Nikolaus v. Horthy zum vorläufigen

sie energisch ab, wenn er zudringlich wird. Aber als dann der unvermutet aus Amerika heimkehrende Jugendgespiele Andreas Tschanner imBären" auf- taucht, da ist sie befangen, zittert und bekommt einen roten Kopf.

Tschanner beginnt Holz zu schlagen, Geschäfte zu treiben auf amerikanische Manier, schmeißt mit Geld um sich, ... und wie er nach der Ursula greift, sie zu lüsten, da verleugnet die den Klaus und fällt dem Amerikaner ohne viel Sträuben in den Arm. Jetztgeht" der Andreasmit ihr".

Die Dorfsibylle prophezeit Unheil. Franz Hug, ein leichtsinniger Bursche, wird vom Ruodi wegen eines liederlichen Mädels am Tanzboden blutig ge­schlagen. Der junge Pfarrer wird mit der bäueri­schen Gemeinde nicht fertig. Klausens Mutter, gut und klug, weist ihm den rechten Weg zu den Leuten. Klaus geht finster umher, ahnt, daß er Ursula ver- Loren hat. Die gesteht, dem Andreas bald, sie er­warte ein Kind von ihm. Andreas istpeinlich be­rührt", kühl/ will sie aber nicht sitzen lassen. (Für Geld und Unterkunft wenigstens will er sorgen.)

Die Emmy, um derentwillen die Schlägerei beim Tanz ausbrach, rückt inzwischen, geldgierig und Ruodis überdrüssig, dem reichen Amerikaner aus den Hais, der seinerseits dem Ruodi Geld in die Finger spielt und ihn damit an die unglückliche Ursula hetzt. (Ein Kavalier ist er!) Das gibt der Ur ula den Rest. Sie wehrt sich nicht mehr: nicht gegen den rohen Schmied, nicht gegen die schnaps- seligen Burschen, die ünBären nach ihr greisen.

In einer wüsten Saufszene geraten Ruodi und Franz abermals aneinander: Franz sticht den Geg­ner nieder: der stirbt bald: Franz nimmt sich ver­zweifelt das Leben. Klausens Mutter holt d,e Ursula zu sich , die bekommt ihr Kind, und über dem Kinde, das ihm nicht gehört, findet Klaus den Weg zu ihr zurück. Gemeinsam überstehen sie die schwere Lawine mit dem Leben, die das Dorf Sanct Justen unter sich begräbt.

zeugte Monarchisten.

Zu dieser Auffassung der Lage würde sich aber das offizielle Ungarn ebensowmig bekennen wie die zahlenmäßig nicht unbedeut.mde Gruppe der freien Königstoähler. Heber die ©taatoform ist man sich also einig, weder die Legitimisten noch die freien König' Wähler wollen mit einer anderen Staatsform als dem Königreich etwas zu tun haben. Man kann auch sagen, daß die Majorität der Devötterung die Republik entschieden ab­lehnt. Die Mehrzahl der Ungarn lehnt aber und' das dürfte im Ausland nicht bekannt sein! auch die Habsburger als Habs­burger ab, seien e3 legi imisti che oder illegale Thronkandidaten. Wenn also der Kronprinz Otto eine große Anhängerschaft hat, so ist dies ledig­lich auf den oben erörterten, für einen Richt- ungarn nie ganz verständlichen Zauber der Ste­phanskrone zurückzuführen und keineswegs auf die zufällige Tatfache, daß der junge Herzog ein Habsburger ist! Aus demselben Grunde entbehrt die Kandidatur eines anderen Habsburger Prin­zen eigentlich jeder Recht?basis.

Habsburg ober Habsburg, ist trotz alledem leider die Frage, welche die ungarischen Ge»

Der Kernpunkt unferm Gefühl nach tft ter: ter Stoff ist tm Grunde gar nicht dramatisch, sondern episch. Er hätte erzählt werden muffen (es ist wie inKarl und Anna") und wäre künstlerisch Diel überzeugender zur Geltung ge­kommen. Vorliebe und Smn für's Theater haben, scheint uns, ten Autor verführt. Die Mangel ter gewählten Form werden im Aufbau deutlich: z.D. des Andreas immer mehr erkaltendes Ge­fühl für Ursula ist eine Tatsache, mit ter man sich abzufinden hat. Reaiebernerkung: Andreas ist noch freundlich zu ihr, wenn auch merklich kühler, er umarmt und küßt sie, aber nur so g^ wohnheitsmäßig". Hier ist eine Entwicklung fest­gestellt, aber nicht dargestellt. ,Wie kommt dahin? ilnö tote kommt es, daß der frühere Cieb- haber. Klaus, dis Mädchen kampflos hergwt, daß sie ihn hergibt, daß er dann flötet doch wieder zu ihr zurückfindet? Fragen für den Er­zähler. Fragen, die zugunsten einer handfesten Theaterwirkung unbeantwortet bleiben.

Halten wir unS an das Einzellchicksal. an die Lebensausschnitte einer Gruppe von Menschm im Dorf. Vieles ist hier kräftig und glaubhaft

Die ungarische Königsfrage

Don unserem ungarischen A. v. K.-Berichterstatter.

Staatsoberhaupt.

Ostern 1920 scheiterte der erste, am 21. Oktober 1921 ter zweite Versuch des legitimen Kö­nig- Karl 1V seine Herrschaft zu restaurieren. Am 4 Rovember 1921 wurde das Haus Habs- bürg in aller Form entthront. Der Text des Gesetzes lautete:Die souveränen Rechte des Königs Karl IV. sind erloschen. Die in den Ge- fetzesartikeln I und II des Jahres 1713 ver­kündete Pragmatische Sanktion, welche die Sukzessionsrechte des Hauses Oesterreich (Do- mus austriaca regelt, tritt außer Kraft. Dem­zufolge gewinnt die Ration das Recht der freien Königswahl zurück."

Die in chronologifcher Reihenfolge angeführten Daten sind die in bezug auf die Königsfrage wichtigsten der ungarischen Geschichte. Während jedoch die Dethronifierung der Habsburger anno 1848 dem einheitlichen Willen ter magyarischen Ration entsprach, hat sich Ungarn 1918 als em- aiger Staat der zerfallenen Donaumonarchie von dem Herrscherhaus nicht getrennt. Die Prokla­mierung ter sogenannten Volksrepublik durch ten Grasen Karolyi geschah nämlich unter 2lute schluh ter Oeffentlich.'eit. und wurde überdies 1920 igleich ter Räterepublik!) für einen gesetzwidri­gen Akt erklärt. Der Dethronisierungsbeschluh von 1921 wurde hingegen unter der Drohung der feindlichen Bajonette i Kleine Entente) durch eine Rationalversammlung gepeitscht die nur ein Dritteil des Landes ver­treten hat, welches den König seinen Souverän nannte. AlnD selbst in dieser Rumpfvertretung bedurfte es des feindlichen Druckes, um eine moppe Majorität für ten Beschluß aufjubrmgen!

Kein einziger Ungar (und möge er ein freier Königswähler fein!) wurde diesen Ge­waltakt jemals als gesetzlich anerkennen. Was schon daraus hervorgeht, daß sämtliche m Ungarn lebenden Mitglieder des de jure ehemaligen Königshauses heute ebensobemäntelt werden wie vor der Revolution. Ist doch sogar Erz­herzog Joses von Habsburg der einzige Seite marschall der ungarischen Rationalarmee (Hon- veds)! Demgemäß betrachten denn die Legiti­misten den ältesten Sohn des verstorbenen Herr- schers. den Erb- und Kronprinzen Otto, als ihren künftigen König. Seltsamerweise wollen aber die freien Königswähler ebenfalls

Habsburger, den jungen ^Erzherzog ch t, auf dem ungarischen Königsthron