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Nr.(50 Siebentes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 29. Zuni (929

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Sie Universität gegen die Kriegsschuldlüge.

Der Rektor, der Senat und die Studentenschaft der Hessischen Landesuniversität zu Gießen hatten für gestern vormittag zu einer Kundgebung gegen dieKriegsschuld- lüge des Versailler Diktats in die Reue Aula des Universitätsgebäudes eingeladen. Dieser Aufforderung waren der akademische Lehr­körper, Vertreter von Behörden, viele Bürger und die studentischen Korporationen mit Fahnen in so großer Anzahl gefolgt, daß der weite Raum der Aula voll beseht war.

Se. Magnifizenz

der Rektor Prof. Or. Herzog eröffnete die Kundgebung mit einer Ansprache, in der er sagte:

Ein ernster und trüber Gedenktag vereint uns heute. Auf zehn Jahre unter der Herrschaft eines von Haß diktierten, auf ßüge ausgebauten, durch Rechtsbruch erpreßten Ver­trages schauen wir zurück, und zwei Lebensalter der Schuldknechtschaft sehen wir vor uns. Rur die Hoffnung auf den endlichen Sieg der Wahr­heit und des Rechts kann unser Volk vor dumpfer Verzweiflung und mattem Knechtssinn bewahren. Wir aber, die als Lehrer und Jünger der Wissenschaft die Pflicht haben, die Wahrheit zu suchen und zu künden, wir müssen ihr auch zum Durchbruch helfen.

Wir Lehrer, die als gereifte Männer den Krieg und seine Vorgeschichte erlebt haben, wissen, daß die Schuld daran zu Unrecht auf unsere Schultern gelegt ist. Ihr Kommilitonen, deren Jugend und Alter damit belastet sein soll, müßt alles versuchen, die La st abzuschütteln. Eure Kindheit war erfüllt von den Heldentaten des deutschen Heeres, dem durch den Schandvcrtrag die Ehre abgesprochen wurde. Darum müssen wir beide zusammenhalten, um mit den Waffen der Wissenschaft und des Ehrgefühls den Kampf um die Wahrheit zum sieg­reichen Ende zu führen. Leitsterne sollen uns dabei die Worte unseres Dichters sein:

Richtswürdig ist die Ration, die nicht Ihr Alles freudig seht an ihre Ehre.

Warum sollen sie denn nicht für unser großes Volk gelten? Wir sehen es täglich, daß nur die Zwietracht es daran hindert, die ihm mit dem Heldentum zugleich in die Wiege gelegt ward. Diesem Hebel muß die deutsche akade­mische Jugend zuerst zu Leib gehen und unser Volk zusammenführen durch Vor­bild und Dienst. Helft es zusammenbringen zu dem Eid des neuen Bundes:

Wir wollen sein ein einzigVolk vonDrüdern, In keiner Rot uns trennen und Gefahr.

Wir wollen frei sein, wie die Väter waren, Eher den Tod, als in der Knechtschaft leben. Wir wollen trauen auf den höchsten Gott Lind uns nicht fürchten vor der Macht der

Menschen.

Das sollt ihr nicht nur in dieser Feierstunde geloben, sondern es im Alltagsleben halten, bis wir Einigkeit und Recht und Freiheit wieder­gewonnen haben.

Hierauf sprach, von Sr. Magnifizenz dem Rek­tor mit herzlichen Worten begrüßt, der von unse­rer Universität im Hinblick auf seine hlchen Ver­dienste im Kampfe gegen die Kriegsschuldlüge zum Ehrendoktor der Philosophie ernannte

Major a.D. Dr.h.c. von ÄZegerer,Berlin über die Lüge unserer Kriegsfeinde von der deut­schen Alleinschuld am Weltkrieg.

Der Redner beleuchtete zunächst die Politik der europäischen Staaten in den beiden Jahrzehnten vor Dem Kriege, die zu einer erheblichen Störung des Gleichgewichts zu Ungunsten der Mittel­mächte führte. Er erinnerte in diesem Zusammen­hang an die Entente cordiale zwischen England und Frankreich, an die Einspannung Belgiens in die englische Einkreisungspolitik gegen Deutsch­land und an die Hinlenkung der Blicke Japans auf Kiautschou. Weiter wies er hin auf das russische Streben nach dem Besitz von Konstanti­nopel und der Dardanellen, auf das unheilvolle Wirken des Panslawismus, ferner auf die Annek­tion Bosniens kmrch Oesterreich-Ungarn und auf Italiens Besitzergreifung von Tripolis. Hierauf

beleuchtete er die aus dem Attenta. von Serajewo entstandene politische Weltkrise, die trotz aller deutschen Friedensliebe und eifriger Bemühungen der deutschen Regierung um die Erhaltung des Friedens doch den Ausbruch des Weltkrieges zur Folge hatte. Er schilderte überzeugend das In­trigenspiel in Rußland zur Herbeiführung der Kriegserklärung, die kriegslustige Haltung Frank­reichs und die hinterhältige, jedoch von entschie­dener Deutschfeindlichkeit geleitete Politik Eng­lands. Er belegte weiterhin die Tatsache, daß von Paris und London die erfolgversprechenden Schritte zur Erhaltung des Friedens bei der russischen Regierung nicht unternommen worden waren, im Gegensatz zu der Haltung der deutschen Regierung, die sowohl in Petersburg wie in Wien alle Kräfte einsehte, um den Weltbrand zu verhüten. Aus allen diesen Tatsachen, die durch die Lügenpropaganda der feindlichen Presse in den Kriegsjahren für die objektive Geschichts­forschung nicht aus der Welt geschafft werden konnten, geht mit zwingender Kraft die Schluß­folgerung hervor, Daß bie Behauptung von der deutschen Schuld am Weltkrieg eine Lüge ist. Wohl habe die deutsche Politik vor und während des Krieges Fehler gemacht, aber der Krieg sei für Deutschland kein Angriffskrieg, sondern nur ein Verteidigungskrieg gewesen. Rach Weltherr­schaft habe Deutschland nie gestrebt, wohl aber berechtigterweise nach Weltgeltung. Aus dieser Sachlage gehe hervor, daß das Versailler Diktat auf einer erlogenen Grundlage aufgebaut sei, und daraus ergebe sich unsere Berechtigung, die Revi­sion dieses Vertrages zu fordern. Das Ausland werde heute schon vielfach dem deutschen Stand­punkt in der Kriegsschuldfrage gerecht, es komme jetzt nur darauf an, daß das deutsche Volk in dieser für seine Existenz auf Generationen hinaus entscheidenden Frage einig zusammenstehe und mit allen Kräften danach strebe, die Lüge von der deutschen Alleinschuld am Weltkriege aus der Welt zu schaffen. Der Redner forderte zum Schluß seiner Ausführungen von allen Deutschen ein mannhaftes und überzeugendes, von reiner Wahrheitsliebe getragenes Eintreten für das Recht des deutschen Volkes in dieser Sache.

Im Anschluß an die mit großem Beifall auf­genommene Rede wurde nach einer kurzen An­sprache des Vertreters der Studentenschaft fol­gende

Entschließung

einstimmig angenommen:

Wissenschaftliche Forscher in allen Ländern sind zu der Ueberzeugung gelangt, daß die Versailler Kriegsschuldthese heuti­gen Tages nicht mehr zu halten ist, da sie auf lückenhaftem, entstelltem, falschen und teilweise gefälschtem Material beruht.

Die Beseitigung dieser Versailler Kriegsschuldlüge dient der Verstän­digung der Völker Iu,nd dem wahren Frieden. Solange sie bestehen bleibt, werden die fremden Völker, namentlich soweit sie durch den Krieg gelitten haben, in dem falschen Glau­ben erhalten, daß die Zerstörungen, die der Krieg mit sich gebracht hat, nur durch die Deutschen verursacht worden sind, während die Geschichte sie lehren müßte, daß die Zerstörun­gen eine Folge des Krieges waren, für den sie in erster Linie die Verantwortung tragen.

Eine Beseitigung der Versailler Kriegsschuld­lüge, an deren enger Verbundenheit mit dem Versailler Vertrag kein Zweifel besteht, ist not­wendig, um moralisch eine Revision des Friedensvertrages v o r z u be r e i te n. Gegenüber dem Waffen still st andsab- kommen bildet der Versailler Frie­densvertrag einen Rechtsbruch, den der Feindbund mit der falschen These von der Verantwortlichkeit am Krieg zu begründen ver­sucht hat.

Don der deutschen R egierung muh er­wartet werden, daß sie das Recht des deut­schen Volkes, die Versailler Kriegs­schuldlüge zu beseitigen, zur Geltung bringt und dieses Ziel mit allen zu Gebote stehenden Mitteln der Wissenschaft und Politik zu erreichen versucht."

Mit dem gemeinsamen Gesang des Deutsch­landliedes wurde die würdige und eindrucks­volle Kundgebung beendet.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

Q] Lollar, 28. Juni. Das Gebäude, in dem seit Jahren die P o st mietweise untergebracht ist, ging durch Kauf an die Postbehörde über. Die B. Nuhn A.-G. beabsichtigt das Wiesengelände (etwa 10 000 Quadratmeter), das zwischen dem Wohnhause und dem Lagerschuppen am Auweg liegt, von der Gemeinde käuflich zu erwerben. Der Gemeinderat erteilte in seiner jüngsten Sitzung die Genehmigung zum Verkaufe zum Preise von zwei Mark für den Quadratmeter.

* Rödgen, 27. Juni. Am vorigen Sonntag nahm der hiesige Männergesangverein Harmonie" an dem Gesangswettstreit zu Höchst an der Nidder teil. Er errang in der Ab­teilung B, Klasse 2, den zweiten Preis mit 135 Punkten, außerdem den Dirigentenpreis mit 216 Punkten. Im Hauptehrenpreissingen stand der Ver­ein im Wettbewerb mit sämtlichen Vereinen der Landklassen, darunter solche von doppelter Sänger­zahl, und erhielt mit 81 Punkten einen ersten Haupt­ehrenpreis. Diesen Erfolg verdankt der Verein nicht zuletzt der intensiven Arbeit seines Dirigenten Kurths (Gießen).

Kreis Büdingen.

I! Büdingen, 27. Juni. Am Marktdienstag des Johannis Marktes waren etwa 60 Stück Rindvieh und etwa 350 Schweine zum Verkauf oufgetrieben. Die Schweinepreise waren hoch und bewegten sich für größere Tiere zwi­schen 50 bis 80 Mark. Infolge der bereits be­gonnenen Heuernte war zur Rindvieh- prämiierung nur ein Teil der in Aussicht stehenden Tiere vorgeführt worden. Folgende Züchter erhielten Preise: Für Rinder: 1. Preis Aug. Mäser, Selters, 3. Preis Aug. Mäser, Selters. Für trächtige Kalbinnen: 1. Preis Rich. Raumann, Dudenrod, 2. Peter Dörr IV., Orles­hausen, 2. Ludw. Ragel, Lorbach, 3. Ehr. Stürz, Lorbach, 3. Joh. Aug. Kraft, Bleichenbach, 3. Rich. Raumann. Dudenrod; Anerkennung:

Wilh. Leo HL, Rinderbügen; Anerkennung: Förster Faust, Büdingen-Papiermühle. Kühe mit ein bis zwei Kälbern: 1. Preis Hch. Henrich II., Hainchen, 2. Gg. Hch. Schwab, Bindsachsen, 2. Hch. Velten, Roßbach, 3. Ludw. Albrecht, Büdingen, 3. Aug. Mäser, Selters, 3. Otto Komp, Büches: Anerkennung: Hch. Dörr V., Diebach a. H. Kühe, trächtig, mit drei und mehr Kälbern: 3. Preis Wilh. Ragel, Dudenrod, 3. Otto Komp, Büches, 3. Ludw. Ragel, Lor­bach, 3. Johs. Razarenus, Orleshausen. Fa­milien: 3. Preis Ludw. Ragel, Lorbach. Der starke Geldmangel wirkte sich recht empfindlich auf die Kauflust der Marktbesucher aus.

R i d d a, 27. Juni. Der hiesige Kranken­pflegeverein hielt kürzlich im Gasthaus zur Krone" unter Leitung seines Vorsitzenden, des Rektors i. R. G a h e r t, die diesjährige Haupt­versammlung ab. Rachdem der Vorsitzende die Erschienenen begrüßt hatte, trug er den Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Der- einsjahr vor. Aus diesem ist zu entnehmen, daß die Hilfe der beiden Krankenschwestern besonders in dem letzten Winter bei den vielen Grippe­erkrankten außerordentlich stark in Anspruch ge­nommen wurde. Sie haben zusammen 2762 Kran­kenbesuche und Hilfeleistungen und 31 Nachtwachen ausgeführt und stets ihre Pflichten gewissenhaft erfüllt. Der Verein zählt gegenwärtig 454 Mit­glieder, der jährliche Mitgliederbeitrag beträgt 3 Mark. Rach der von dem Rechner, Kaufmann August L a m p a s, vorgetragenen Rechnung er­gab sich bei 2671,60 Mark Einnahmen und 2513,41 Mark Ausgaben ein barer Ueberschuh von 158,19 Mark. Wegen geschäftlicher Ueber- bürdung bat der Rechner um Entlassung von seinem Amte. An seiner Stelle wurde Lehrer i. R. Domm zum neuen Vereinsrechner ge­wählt und Herrn L a m p a s für seine langjährige treue und gewissenhafte Amtsführung vom Vor­sitzenden herzlichster Dank ausgesprochen. Der seitherige Vorstand wurde wiedergewählt. Das Vermögen des Vereins beträgt 7546,54 Mk. Es besteht außer einem größeren Kasseguthaben noch

aus einem wertvollen Bauplatz. Man plant, darauf später ein Haus zu bauen, das neben den Wohnungen der beiden Schwestern noch mehrere Krankenzimmer enthalten soll, worin aus Ridda unbemittelte Kranke oder solche, die keine Fa­milienpflege erhalten können, Aufnahme finden sollen.

# Echzell, 28. Juni. DaS Fest des 2 5 j ä h - rigen Bestehens des hiesigen Zie­genzuchtvereins, verbunden mit der silber­nen Jubelfeier des Kreisziegenzuchtvereins, hatte trotz der Ungunst der Witterung einen guten Besuch aufzuweisen. Die Prämiierung der vorgeführten Tiere hatte folgendes Ergebnis: Klasse 1: Aeltere Böcke: 1. Preis Gemeinde Ber­stadt: 2. Gemeinde Leidhecken: 3. Gemeinde Ridda. Klasse 2: Böcke, 1 bis 2 Jahre alt: 1. Preis Gemeinde Echzell: 2. dieselbe: 3. Ge­meinde Berstadt: 4. Gemeinde BorZdorf. Kl. 3: Ziegen, 3 Jahre und älter: 1. Ehrenpreis Züch­ter Adam Ebel, Echzell: 1. Preis Züchter Phil. Ostheim, Echzell: weitere 1. Preise: Heinrich Wagner II., Echzell, August Kimpel, Bingen­heim: 2. Preise: Otto Grünbaum, Ober-Wid­dersheim. Georg Kräuter, Ridda: 3. Preise: Tobias Rohl, Blofeld, Philipp Ostheim, Echzell, Karl Jungemann, Bingenheim, Wilhelm Repp, Bingenheim, Heinrich Schweitzer, Gettenau, Hrch. Karl Schmidt, Dauemheim. Klasse 4: Ziegen, 2 Jahre alt: 2. Preise Wilhelm Möbs III., Ech­zell, Ludwig Stein, Ridda, Hermann Schudt, Leidhecken. Klasse 5: Ziegen, 1 Jahr alt, milch­gebend: 1. Preise: Adam Ebel, Echzell, Otto Repp, Bingenheim, Adam Ebel, Echzell: zweite Preise: Adam Ebel, Echzell, August Kimpel, Bingenheim, Wilhelm Helfrich, Bingenheim, Konrad Haub, Echzell; 3. Preise: Förster Din­ding, Echzell, Ludwig Stein, Ridda, Heinrich Wetzstein, Ridda. Klasse 6: Zeitziegen: 2. Preis Heinr. Karl Schmidt, Dauernheim. Klasse 7: Mutterlämmer: 1. Preise: Adam Ebel, Echzell; Heinrich Mogk I., Echzell; 2. Preise: Heinrich Wilhelm Mogk II., Echzell, Heinrich Mogk I., Echzell, Phil. Ostheim, Echzell, Heinr. Mogk V., Echzell, Karl Repp, Dauemheim; 3. Preise: Heinrich Wagner II., Echzell, Heinrich Lahm, Echzell, Wilhelm Schuchmann, Bingenheim, Karl Repp, Bingenheim, Karl Strauch, Borsdorf, Georg Kreuder, Ridda, Heinrich Karl Schmidt, Dauemheim, Karl Gelhaar, Bingenheim.

Kreis Schotten.

Laubach, 27. Juni. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats wurde der von der Oberförsterei Laubach vorgelegte Wirt­schaftsplan über die städtischen Wal­

dungen für das Rechnungsjahr 1930 genehmigt mit dem Ersuchen, an den Reubauten der Wald­wege zweitausend Mark weniger vorzusehen. Ingenieur Friedrich Schmidt hatte vor fünf Jahren ein Gelände am Lardenbacher Weg am sog.Froschloch" erworben, um dort ein Elek­trizitätswerk anzulegen. Da die zur Be­bauung festgesetzte Frist verstrichen ist, beharrte der Gemeinderat auf seinem Beschluß vom 31. Januar 1924, wonach das betreffende Gelände von der Stadt zurückgekauft wird. Kaufmann Hermann Diehl hatte der Stadt seinen Bau mit Gelände und Kaffeebrennerei an derUnter» Pforte' zum Kauf angeboten. Der Gemeinderat lehnte jedoch den Kauf ab. Wie man hört, be­absichtigt ein hiesiger Geschäftsmann das Ge­lände anzukaufen ^zur Errichtung einer Auto­garage. Die feuchte Witterung hat das Sehen der Dickwurz sehr gefördert. Diese Pflanzung ist jetzt nahezu beendet. Dagegen hin­dert die feuchtkalte Witterung die Einbringung der Heuernte. Da viele Wiesen weit ab­liegen, so bietet diese Ernte viele Schwierigkeiten. Das diesjährige Heu ist von guter Beschaffen­heit; die Menge aber läßt viel zu wünschen übrig.

Rheinhessen.

WSR. Worms, 28. Juni. Die zehnjährige Schülerin Gertrud Gimbel war in ihrer elterlichen Wohnung in der Rolhstraße mit Ge­schirrspülen beschäftigt. Das Mädchen stellte sich dann in den Spül st ein am Fenster, um etwas aufzuhängen. Cs bekam dabei das lieber- gewicht und stürzte durch das Fenster in den Hof. Die Derlehungen waren so schwer, daß der Tod alsbald eintrat.

Daten für Sonntag, 30. Juni.

Sonnenaufgang: 3.46 Uhr, Sonnenuntergang: 20.20 Uhr. Mondaufgang: 0.01 Uhr, Mond­untergang: 12.25 Uhr (letztes Viertel).

1807: der Dichter Friedrich Theodor Vischer in Ludwigsburg geb.

Aus dem Amtsverkündigungsblatt.

* Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 45 vom 28. Juni enthält: Voranschlag der hessischen Handwerkskammer. Preishüten des Vereins für Deutsche Schäferhunde, S. D.. Ortsgruppe Gießen. Der Vorsitz der Miet» einigungsämter im Amtsgerichtsbezirk Hungen. 10. Verfassungstag. Kraftfahrzeugverkehr in der Gemeinde Hungen. Erhebung einer Filialsteuer in der Stadt Gießen.

Große Baupläne des Elektrizitätswerkes.

G ie hen, 27. Juni 1929.

Der S t a d t r a t beschäftigte sich nach der Ge­nehmigung des Voranschlags vgl. den Bericht in der Freitag-AuSgabe in seiner heutigen Sitzung noch mit folgenden Vorlagen:

Arbeitsvergebungen.

Die Gußasphaltarbeiten für das Jahr 1929 werden der Firma Konrad Rübsamen zu ihrem Angebotspreis über­tragen. Mit den Jnstallationsarbei- te n für das Transformatoren­haus mit Wartehalle und Bedürfnis­anstalt bei der Dolkshalle wird die Firma G g. Appel- Gießen zu ihrem Angebotspreis von 4944.32 Mt. beauftragt. Die Zimmerarbei­ten für das Marktlaubengebäude werden an die Firma B. R u h n in Lollar zum Angebotspreis von 18 383 Mk. vergeben. Die Zimmerarbeiten für den Reubau der Pestalozzischule werden der Firma M. Abermann tn Gießen zu ihrem Angebotspreis von 16 762 Mk. übertragen. Mit der Ausfüh­rung der Eisenkonstruktion für die Pestalozzischule wird die Firma Dönges G. m. b. H. in Darmstadt zum Angebotspreis von 4650 Mk. beauftragt.

Ausbau des elektrischen Leitungsnetzes.

Für den weiteren Ausbau des Leitungsnetzes innerhalb der Gemarkung Gießen wird ein Be­trag von insgesamt 129 000 Mk. zur Verfügung gestellt. Dieser Betrag seht sich wie folgt zusam­men: a) für die Beschaffung von 4500 Meter 20-KV-Kabel rd. und 4500 Meter Telephonkabel rd. 60 000 Mk.; b) für die Beschaffung von sieben Transformatoren und 22 Oelschaltern, sowie für die erforderlichen Dauarbeiten 69 000 Mk. Die Lieferung der Kabel wird der Firma Vereinigte Zünder- und Kabelwerke A.-G.,Meißen, zu ihrem Angebotspreise übertragen. Zur Vergebung der unter oben b) genannten Lieferungen und Arbei­ten wird die Betriebsdeputation ermächtigt.

Anschaffungen für das Kabelneh.

Zur Beschaffung der für die Verstärkung des Kabelnetzes erforderlichen 10 200 Meter Kabel, 4150 Me^er Mittelleiter und 1800 Meter Mittel­leiter wird ein je zur Hälfte auf die Rj. 1928 und 1929 zu verrechnenden Kredit von rund 175 250 Mk. bewilligt. Die Lieferung wird über­tragen: für 10 200 Meter Kabel den Vereinig­ten Zünder- und Kabelwerken in Meißen zum Angebotspreis von rund 157 750 Mk., für 4150 Meter und 1800 Meter Mittelleiter der Allge­meinen Elektrizitäts-Gesellschaft Gießen zum An­gebotspreis von rund 17 500 Mk.

Für die Beschaffung von 2000 Meter Vertei­lungskabel wird ein Kredit von rd. 16 200 Mk. zur Verfügung gestellt. Lieferung von der min- destfordemden Firma Vereinigte Zünder- und Kabelwerke A.-G. Meißen.

Für die Lieferung der für die Umstellung der Stromversorgung des Bahnhofs Gießen von Gleichstrom in Drehstrom und die Herstellung einer Verbindung mit der Transformatorenstation am Aulweg erforderlichen 2300 Meter Hochspan­nungskabel wird ein Kredit von 24 844,60 Mk. zur Verfügung gestellt. Die Lieferung wird zu dem Angebotspreis von 10 802 Mk. für 1000 Meter den Vereinigten Zünder» und Kabelwerken A.-G. in Meißen übertragen.

Zur Beschaffung von 90 000 Stück Kabelabdeck- fteinen wird ein Kredit von 4230 Mk. bewilligt. Lieferung von den Gailschen Tonwerken zu Gießen.

Für die Beschaffung von je 4 Stück 4-, 6- und 8fachen Kabelkästen wird ein Kredit von 7570 Mk. zur Verfügung gestellt. Lieferung von der Firma H. Köttgen & Co.. Bergisch-Gladbach.

Für die Herstellung von etwa 5000 Mk. Kabel» gräben toirö ein Betrag von 31 196,28 Mk. zur

Verfügung gestellt. Die Arbeiten werden von der Firma M. Abermann in Gießen zu ihrem An­gebotspreis von 31 196,28 Mk. ausgeführt.

Für die Beschaffung von etwa 500 Kubikmeter Lahnsand wird ein Kredit von 6000 Mk. bewilligt. Die Lieferung erhält zum Angebotspreis von 12 Mk. für den Kubikmeter die Firma Konrad Rübsamen, Gießen.

Umschaltung

und Ausbau des Ortsnetzes Klein-Linden.

Die Umschaltung des Ortsnetzes Klein-Linden von 208/120 Volt auf 380/220 Volt und der Reu­bau einer Transformatorenstation wird geneh­migt. Der für die Durchführung der Umschaltung, den Reubau des Transformatorenhauses und die Beschaffung eines Transformators, eines Oel» schalters und von 530 Zählern erforderliche Kre­dit von 30 300 Mk. wird zur Verfügung gestellt. Zur Vergebung der Arbeiten und Lieferungen wird die Betriebs-Deputation ermächtigt.

Gleisbefestigungen '.m Skrahenbahnbekrieb.

Für die Befestigung der Strahenbahngleise in einer Reihe von Straßen mit Mansfelder Schlacken-Pflasterfteinen wird ein auf die Jahre 1928 und 1929 zu verteilender Kredit von 86 000 Mark bewilligt. Dieser Betrag ist vorläufig aus Anleihemitteln zu bestreiten und ab 1931 in jähr­lichen Raten von 10 000 Mk. aus Mitteln des Straßenbahnbetriebes wieder zu ersehen.

Die Kraftwagenhalle in Krofdorf.

Für die Erbauung und Erweiterung der Kraftwagenhalle in Krofdorf wird ein Betrag in Höhe von 2066,41 Mk., für den Erwerb des Grund und Bodens 1409,25 Mk., zusammen 3475,66 Mk. zur Verfügung gestellt.

Diegehaushinter der Meslanlage".

Für die Errichtung eines Wiegehauses mit Bedürfnisanstalt und Wohnung für den Wieger Hinter der Westanlage" wird ein Kredit von 10 000 Mk. bereitgestellt.

Beschaffung von Mahnen.

Zur Beschaffung von 50 neuen Fahnen (23 in Reichs- und 25 in Landesfarben) als Ersah für alte und beschädigte Fahnen wird ein Kredit von 750 Mk. bewilligt.

Ein Abrüstwagen für den Flugplatz.

Für die Beschaffung eines Abrüstwagens für den Flugplatz mit den zum Löschen und Bergen erforderlichen Materialien und Werkzeugen wird ein Betrag von 1000 Mk. zur Verfügung gestellt.

Spielplatz für die Goelheschule.

Der Goelheschule wird als Spielplatz eine Ge­ländefläche von etwa 9470 Quadratmeter zur Verfügung gestellt. Der erforderliche Kredit von 400 Mark wird bewilligt.

Gemeinde-Anfallversicherungsverband.

Dem Hessischen Städte-Unfallversicherungsve» band tritt die Stadt Gießen bei.

Beitritt

zum Kreis-Obst- und Gartenbauverein Gießen.

Die Stadt Gießen tritt dem Kreis-Obst- und Gartenbauverein Gießen von 1929 ab als Mit­glied bei. Der jährliche Beitrag beträgt zur Zeit 20 Mk.

Schankkonzessionsgesuche.

Es werden befürwortet die Gesuche von August L a m m, Westanlage 7, Friedrich Jörg, Aster» weg 7, Paul Adler, Plockstraße 5 unö Anna Schmitt geb. Mank, Kanzleiberg 7.

Nachtragsvertrag mit dem Schühenvereln.

Dem mit dem Schühenverein Gießen abge­schlossenen Rachtragsvertrag vom 25. September 1928 wird zugestimmt. ,

Schluß der öffentlichen Sitzung, 4