Nr. 255 Zweites Blatt
Montag. 28. Oktober 1929
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Oberheffen.
eine neue Zugendherberge in Oberheffen.
Der Neubau der Gederner Jugendherberge, der im vorigen Herbst begonnen wurde, ist fertiggestellt. Damit ist das oberhessische 3u- gendherbergswerk wiederum ein gutes Stück vorwärts gekommen. Der Gau Main-Rhein-Lahn- Fulda des Reichsverbandes für Deutsche Jugendherbergen hat hier mit geringen Mitteln Vorbildliches geleistet. Das 14 "Meter lange Gebäude enthält in der Mitte einen geräumigen Taaesraum, der das junge Volk zu Aast und fröhlichem Derweilen einlädt. Darin ist ein Herd untergebracht, der es den Wanderern ermöglicht, sich ihre Mahlzeiten selbst zu bereiten. Zu beiden Seiten des Tagesraumes sind die Schlafräume ungeordnet. Davon enthält die Herberge drei, und zwar zwei größere und einen kleinen, der für Einzelwanderer und für die Führer der Gruppen bestimmt ist. 3m ganzen finden in der Herberge 32 Betten Aufstellung: durch Notlager kann aber auch Raum für größere Gruppen geschaffen werden. An die Rückseite des Gebäudes sind die Abbort- und Waschräume an- gebaut. Das Haus ist in Holzfachwerk ausgeführt und trägt außen eine Bretterverkleidung mit Fugleisten, die es vor den Unbilden der Witterung schützt. Innen sind die Wände bis auf Manneshöhe getäfelt. Durch glückliche Wahl der Farben gewährt das Gebäude innen und außen einen äußerst schmucken Anblick. Besonderer Dank gebührt der einsichtigen Gemeindeverwaltung der Stadt Gedern und ihrem tatkräftigen Bürgermeister Müller, die das Werk förderten durch Baustoffe, einen Barzuschuh und Ueberlassung eines günstig gelegenen Bauplatzes. Bor der Herberge lädt eine große Wiesenfläche die jun- gen Gäste zu Spiel und Tanz ein, und von den großen Fenstern des Borbaues schweift der Blick über das* in liebliches Grün gebettete Städtlein. Änseve wandersrohe 3ugend soll im kommenden Frühjahr aus ganz Oberhessen hier zusammenströmen und dem neuen Heim die Weihe geben.
Landkreis Gießen.
is. Steinbach, 28. Ott. Am Samstagabend wurde hier die zweite größere Güterver- steigerung abgehalten. 3m Gegensatz zu der ersten Bersteigerung wurde lebhaft geboten, so daß manche Grundstücke.Preise erzielten, die mit der heutigen wirtschaftlichen Lage nicht im Einklang fi^hen. Der Morgen Ackerland mittlerer Qualität kam bis zu 1250 Mk., Wiesenland bis 1500 Mk. Außerdem übernimmt der Steigerer die Auflassungskosten und die Grunderwerbsteuer und muß schon im ersten 3ahre (1. April und 11. November 1930) je ein Drittel des Kaufpreises entrichten.
# Aus der nördlichen Wetterau, 26. Ott. Hank der günstigen Herbstwitterung ist die Bestellung der Winterfrucht jetzt ziemlich beendet. Die Wintergerste, die in den letzten 3ahren vermehrt zum Anbau kam, ist gleichmäßig aufgelaufen und zeigt einen prächtigen Stand. Die letzten stärkeren Niederschläge haben einen P i l z s e g e n hervorgerufen, wie man ihn hier selten erlebt hat. Auf Wiesen, in Baumanlagen und im Wald sind der Gdelpilz und der Steinpilz häufig anzutreffen. Recht selten findet sich auch der überaus giftige Knollenblätterpilz vor. Pilzfreunde aus den Landstädtchen, auct) fahrendes Volk sammeln eifrig die nahrhafte Gabe der Natur, während sich die Landbevölkerung vom Genuß zurückhält. — Obwohl das Angebot an Ferkeln immer größer wird, halten sich die Preise verhältnismäßig gut. Dies hat seinen Grund in den hohen Schlacht- 'schweinepreisen neben niedrigen Preisen für Kar-
Liebe in Ketten.
Roman von Hans Mitteweider.
Copyright by Martin F uchtwanger, 5)alle (Saale).
23 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Sie glich dem Spieler, der sein letztes Goldstück auf eine Karte setzt, um alles wiederzugewinnen, was er verloren hat.
„3ch behaupte. Felix, daß Ihre Frau eine Herrenbelanntschaft hatte!" fuhr sie fort. „Damit ist nicht gesagt, daß sie etwa schlecht gehandelt hätte. Es konnte doch gar nicht ausb.'eiben. daß sie von die em oder jenem Fremden angesprochen wurde, dem ihre Schönheit auffiel. Sie war viel zu harmlos, um etwas Böses dabei zu finden. Sie wissen ja sicher, daß sie auch mit Herrn von Bodenstein ging, als dieser sie einlud, mit ihr ein Theater zu besuchen, als er sie sogar mit in seine Wohnung nahm — in bester Absicht natürlich, Felix! Bleiben Sie bitte ruhig! Ich will Sie nur etwas fragen, und Sie sollen das Recht haben, mir die Antwort schuldig zu bleiben, sie aber sich selbst zu geben. Ist Ihnen nicht auf gefallen, daß Ihre Gattin mit auffallender Scheu jede Begegnung mit dem Techniker meidet, den Sie hierherkommen lassen wollen, mit diesem Herrn Klauber, wie er sich nennt?“
Weiter sagte Isolde nichts.
Sie hatte den vergifteten Pfeil abgeschossen, aufs Geratewohl. Sie hätte niemals beweisen können, daß Käthe d'.e'en Wann kannte: sie schlug nur auf den Dusch.
Und sie sah, als sie Felix Turnau nun aufs schärfste beobachtete, daß der Pfeil getroffen hatte. . . _
Deutlich las sie die Bestürzung in dem Gesicht des Barons. Sie sah ihn stutzen — und heimlich
triumphierte sie.
Felix Turnau war es in der Tat als habe plötzlich ein grelles Licht in ein Dunke. gebuchtet, durch das irgend etwas verborgen worden war. Er besann sich, daß Käthe damals in Monako so unruhig geworden war. a.s Berndt Klausen dort aufgetaucht war, daß s'.e ihn gebeten hatte, sie erst nach Turnau zu ho en, nachdem die Arbe'ten dort beendet waren. Se wollte also wirklich, allem Anschein nach, nicht mit diesem Manne zusammentreffen, llno bixy hatte sie durch nichts verraten, daß sie ihn kannte.
Hatte sie ihn Hinte.-gangen?
Das Gift war in die Seele des arglosen Mannes gedrungen, und eine innere Stimme sagte 1 "/Warum hat sie dich immer und immer wieder gefragt, ob du sie stets lieben würdest möge auch kommen, was da wolle? Tat sie Has nicht, weil sie fürchten mußte, ihr Geheimnis konnte eines Tages gelüftet werden?"
Die Papstfeier der Gießener Katholiken.
Am 20. Dezember d. I. werden 50 Jahre verflossen fein, daß der jetzige Papst Pius XI. zu Rom zum Prister geweiht wurde. Liegt schon für eine einfache Pfarrgemeinde besonderer Grund vor. an dem goldenen Priesterjubiläum ihres Seelsorgers innigen Anteil zu nehmen, um wieviel mehr dann für die katholische Christenheit, wenn ihr Oberhaupt diesen Ehrentag feiert! Aus diesem Grunde hat auch die katholische Pfarrgemeinde Gießen es sich nicht nehmen lassen, diesen Gedenktag Sr. Heiligkeit festlich zu begehen. Als geeigneter Zeitpunkt hierzu erschien ihr das Christ-Königs-Fest, das auf den letzten Sonntag im Oktober fällt. Innere und äußere Gründe liehen es jedoch zweckmäßig erscheinen, eine Dreiteilung der Veranstaltung vorzunehmen: erstens eine rein kirchliche Feier am gestrigen Sonntagvormittag, zweitens eine Feier für die Jugend und die Diasporakatholiken nachmittags, drittens eine Hauptfeier für die Erwachsenen der hiesigen katholischen Gemeinde, die am heutigen Abend stattfinden wird.
Die kirchliche Feier.
Eingeleitet wurde dieser Teil der Papstfeier durch gemeinschaftliche Kommunion und Fest- aottesdienst am Sonntagvormittag. Das Gotteshaus hatte aus diesem Anlaß ein Festgewand angelegt: Pflanzen-, Fahnen- und Kerzenfchmuck bei geöffnetem figurenreichen Hochaltar. Schon zur Frühmesse um 7 Uhr waren Gießens Katholiken recht zahlreich erschienen, um durch allgemeinen Sakramentempfang ihre Liebe und Verehrung zum göttlichen Heilande und seinem Stellvertreter auf Erden zu bekunden. Ganz besonders stark war der Andrang zum eigentlichen Fest- gottesdienst um 9 Uhr. Wer nicht frühzeitig kam, mußte sich mit einem Stehplatz in den Gängen begnügen. Zur festgesetzten Zeit zogen in feierlicher Prozession die Fahnenabordnungen der katholischen Vereine Gießens und der katholischen Studentenkorporationen, die stattliche Schar der Ministranten, sowie die amtierende Geistlichkeit in das Gotteshaus ein. Im Chore angelangt,, nahm alsbald nach Erteilung des Segens das levitierte Hochamt feinen Anfang. Die Festpredigt hielt der Hochw. Herr Pros. Dr. Steinbüchel (Gießen). In eindrucksvoller und ttefgründiger Weise legte er der andächtig lau- , schenden Zuhörerschaft die Bedeutung des von |
Papst Pius XI. eingeführten Christ-Königs-Festes dar. Verschönt wurde der Festgottesdienst noch durch den erbauenden Gesang des hiesigen katholischen Kirchenchors, der unter Leitung seines rührigen Dirigenten, des Herrn Lehrers Klein, eine lateinische Messe von Rheinberger klangschön zum Vortrag brachte. Gegen 10,30 Uhr erreichte die erhebende kirchliche Feier ihr Ende.
Die Feier
für dieZugend und Oiasporakatholiken.
Nachmittags um 4.30 ilfjr fanden sich Gießens katholische Jugend und die Katholiken der näheren Umgebung im festlich geschmückten großen Saal des Katholischen Vereinshauses zu einer eigens für sie veranstalteten Feier ein. Kaum konnte der geräumige Saal mit seinen zwei Emporen die Menge fassen, so zahlreich waren die Kinder dem an sie ergangenen Rufe gefolgt. Nach einem vom katholischen Iugendorchester flott gespielten Musikstück begrüßte der Pfarrer der Gemeinde, der Hochw. Herr Geistl. Rat Dekan Bayer, alle Erschienenen und wies auf den Zweck oer Veranstaltung hin. Die eigentliche Festrede für die Jugend hatte Herr Lehrer Dr. S ch.e u r e r, Gießen, übernommen. In kurzen, trefflichen Ausführungen zeichnete er den Lebensgang des derzeitigen Papstes und feierte den Statthalter Christi als Kinderfreund und Friedensfürst. Im zweiten Teile feiner Rede schilderte er den Eindruck. den eine Papstmesse gelegentlich seines Aufenthaltes in der „Ewigen Stadt" im Jubeljahr 1925 auf ihn gemacht hatte. Mit sichtbarem Interesse folgten die Hörer dem Vor- trage und dankten durch lebhaften Beifall. Wie am Vormittage, so stellte sich auch hierbei der Katholische Kirchenchor in den Dienst der guten Sache und brachte eine Hymne von Gluck und zwei Chore von H. F. Müller wirkungsvoll zum Vortrag. Den Abschluß dieser Feier bildete das Calderonsche symbolische und tief religiöse Bühnenstück „Das Nachtmahl des Balthasar", das von der katholischen Spielgemeinschaft hingebend und ergreifend zur Darstellung gebracht wurde. Nach dem Gesänge „Großer Gott, wir loben dich" leerte sich langsam und still der Saal.
löffeln. Je Stück 7 Wochen alter Jungtiere kostet immer noch 30 bis 34 Mk., während die Händler und Metzger für sog. Bratenschweine, die besonders begehrt sind, 82 bis 83 Pfennig je Pfund Lebendgewicht bieten. — Die Nachfrage nach Schüttelobst ist so gering, daß von einer Absatzstockung gesprochen werden muß. Die Großkeltereien werden mit Kelteräpfeln überfahren, infolgedessen ist der Preis von 2,75 Mk. über 2,15 Mk. auf 2 Mk. gefallen.
1 Aus dem südlichen Kreise Gießen, 27. Oft. Das schone Herbstwetter hat allerorten dafür gesorgt, daß die Arbeiten der Landwirte sich ihrem Ende nähern. Die Herbstaussaa- t e n sind getätigt, die Hackfrüchte nahezu alle eingeerntet. Besonders wertvoll war das Wetter für die kleinen Dauern, die mit Kühen fahren müssen: denn alle Wege gingen und gehen noch tadellos. Auf die Milcherzeugung hat das immer einen großen Einfluß. Die Winterfrucht ist allgemein gut aufgegangen. Nur hort man hier und da von einer Mäuse- plage. Auch Schnecken stellen sich ein, aber nur in geringer Zahl. Man geht ihnen mit
Hederich-Kainit zu Leibe. Der Ausfall der Hackfrüchte ist trotz der großen Trockenheit recht zufriedenstellend, besonders auf den schweren Boden. Auch das Gemüse hat sich noch gut entwickelt. Zur Zeit werden die Zuckerrüben ausgemacht und zur Bahn gebracht. Die Dickwurz kommen wieder, wie immer, in besondere Erdmieten, die überall in den Feldern ausgehoben werden.— Sehr merkwürdig berührt die Tatsache, daß die Nachfrage nach Obst, selbst nach guten Tafeläpfeln, äußerst gering ist. Die Obsternte in ganz Deutschland scheint außerordentlich gut ausgefallen zu sein. Die Dirnen werden meistens von den Landleuten an das Vieh verfüttert, soweit sie nicht zum Mus- ko ch e n Verwendung fanden.
Kreis Büdingen.
s. Derstadt, 26. Oft. Heute früh verunglück te der 34jährige Heizer Albert Groth von hier tödlich. Er kam mit feinem Motorrad von Friedberg, wo er in der Zuckerfabrik „Wetterau" beschäftigt war, von der Nachtschicht und wollte nach Hause fahren. Zwischen Deien-
Felix Turnaiu errötete in Scham vor sich selber, weil er seiner geliebten Käthe auch nur in Gedanken ein Unrecht hatte zutrauen können. Sie liebte ihn. Daran zweifelte er nicht einen Herzschlag lang, und deshalb muhte er ihr unter allen ümftänben vertrauen, wie er es ihr geschworen hatte — freiwillig.
Er stand auf und verbeugte sich vor Isolde Kletten.
„Sie haben Ihren Willen gehabt, mein Fräulein," sagte er sehr kühl. „Ich habe Sie angehört, und Sie selbst haben nicht erwartet, daß ich auf Ihre letzte Frage antworten würde. Ich ziehe vor, Sie zu bitten, mich künftig zu meiden. Jedenfalls will ich Ihnen aber zusichern, daß ich das, was jetzt hier ge'prochen wurde, für mich behalten wer.e, es sei denn, die Umstände erforderten, daß ich davon anderen Personen gegenüber Gebrauch mache. Morgen früh to:roe ich Ihnen den Waren bereithalten lassen, da ich annehme, daß Sie Ihre Reise nicht länger werden unterbrechen wollen. Jetzt darf ich Sie wohl ins Haus führen?"
Er bot ihr nicht den Arm. Schweigend schritten sie nebeneinander her. Felix Turnau geleitete Isolde Kletten bis vor die Tür der Zimmerreihe, die chr in seinem Hause eingeräumt worden war, verbeugte sich nochmals vor ihr und ging, um abnormen, daß am nächsten Morgen der Wagen für feinen Gast bereit geh alten würde.
Dann suchte er fein Arbeitszimmer auf, brannte sich eine Zigarre an und setzte sich an eins der geöffnete i Fenster.
Er wußte, baj er setzt noch nicht würde schlafen können, und e: wollte in aller Ruhe über das nachdenken, was e: eben gehört hatte.
Er hatte die Absicht, seiner geliebten Küche in Gebancen das Unrecht abzubitten, das er chr angetan hatte: aber er konnte nicht hindern, daß immer wielter in ihm der Name Berndt Klausen laut tour Je, daß er darüber nachdenken mußte, warum Küche diesen Mann mied.
Daß das der Fall war, erkannte er jetzt gang deutlich. Cs wäre eine Torheit gewesen, sich das verheh ei zu wollen: aber nicht im entfernteste .i kam er auf den Gedanken, daß zwischen seiner Käthe und diesem Manne je etwas anderes bestanden haben konnte, als höchstens eine flüchtige Bekanntschaft.
Isolde §atle recht gehabt. Ein so schönes Mädchen wie Käthe muhte die Aufmerksamkeit der Männer auf sich lenlen, und so war es vielleicht geschehen, daß Berndt Klausen sich ihr genähert, um sie geworben hatte, und doch mochte es ihr peinlich sein, ihn w'eierzusehen. Vielleicht wollte sie ihm nur ein Zusammentreffen mit chr zu ersparen suchen.
So und nicht anders war es sicher gewesen.
Kein leCer Zweifel an der Liebe und Treue Käthes beschlich Turnaus Herz.
Er verachtete jetzt Isolde von Kletten, die offenbar aus niedrigen Gründen chre Anklage vorgebracht hatte, und er bereute, daß er sich, wenn auch noch so flüchtig, überhaupt mit chr eingelassen hatte.
Lange sah Felix Turnau so, froh, daß er am nächsten Tage Isolde nicht mehr sehen muhte.
Aber dann kam chm plötzlich ein Gedanke, der ihm sehr gut erschien.
„Ich werde Käthe aus dieser Verlegenheit retten,“ sagte er sich. „Ich selbst werde ein Wiedersehen zwischen ihr und diesem Klausen herbeiführen und ihr helfen, wenn sie sich irgendwie bedrückt fühlen sollte. Ich bin auch fest überzeugt, dah Klausen selbst ein Ehrenmann ist und sich nicht das geringste davon merken lassen wird, daß er Käthe früher gekannt hat. — Was wäre übrigens auch weiter dabei? Käthe muhte damals glauben, sie sei ein armes, elternloes Mädchen. <Ene konnte nicht verhindern, dah Männer sich ihr näherten, und selbst wenn sie einem gestattet hätte, von Liebe zu ihr zu reden, so weih ich doch, daß damals ihr Herz noch geschla en hat, dah es erst erwachte, als sie mich kennensernte."
Und doch iam ihm in diesem Augenblick wieder ein martern', er Gedanke. Er entsann sich jenes Abends, als er zuerst um Käthe g:worben hatte.
Damals war sie vor ihm geflohen — entsetzt fast, wie er sich jetzt sagte. Sie hatte ihn gar nicht zu Ende fv-rVen lassen, und vielleicht wäre sie nie seine Frau geworden, hatte nicht das Mitleid sie zu ujm geführt, als er damals zwischen Tod und Leben schwebte.
Wohl verwarf er diesen Verdacht sogleich wieder; aber der Stachel blieb in seiner Seele, und als er sich dann noch lange schlaflos auf seinem Lager wälzte, war immer toieler der eine Gedanke in ihm lebendig:
Etwas hat es zwischen diesen beiden gegeben! Ich muh herausfinden, was es gewesen ist!
Und so blieb er bei dem Entschluß, Berndt Klausen unerwartet seiner Gattin gegenüber» zustellen. Er redete sich ein, dah er das nicht etwa aus Eifersucht tun woll e. oder gar aus einem Zweifel an ihrer Liebe heraus, er wollte sie nur von einer Sorge erlösen, von ter sie vielleicht doch gemartert wurde. Und nachdem er am Morgen erfahren hatte, dah Isolde von Kletten das Schloß tatsächlich verlassen hatte, lieh er sein Auto fertigmachen und fuhr nach der Besitzung Altbergs, der, wie er ganz richtig vermutet hatte, schon bei den Arbeiten draußen war.
Felix suchte die Baustelle auf und fand dort seinen Freund sowie den Techniker, und als Altberg ihn mit verdächtigem Schmunzln fragte, ob er nicht auch einen netten Besuch gehabt hätte, antwortete er lächelnd:
heim und Dorheim stieß er mit dem Beien- Heimer Milchfuhrwerk zusammen, das die Milch nach Friedberg brachte. Das Fuhrwerk wollte gerac e. von Beienheim herkommend, in die Hauptstraße einbiegen, als der Motorradfahrer diese Stelle tteuzte. Er prallte so heftig auf die Deichsel, daß er abgeschleudert wurde und das Genick brach. Der Tod trat auf der Steile ein. Eigenartigerweise blieb das Pferd bis auf Hautabschürfungen unverletzt. Auch das Motorrad erlitt eine nur unbedeutende Beschädigung. Groth war verheiratet, hat.jedoch keine Kinder. Das Fuhrwerk soll unbeleuchtet gewesen sein.
Kreis Alsfeld.
=er. Homberg a. d. Ohm. 26. Oft. Vom schönsten Herbstwetter begünstigt, fand dieser Tage der weitbekannte Homberger Kalte Markt statt. Am Vormittag war, gesondert von dem Krämermarkt, der Schweine markt, zu dem 230 Ferkel aufgetrieben waren. Für 5 bis 6 Wochen alte Ferkel wurden 35 bis 40 Mk., für 6 bis 7 Wochen alte 40 bis 45 Mk. und für 8 Wochen alte Tiere 45 bis 50 Mk. gezahlt. Da sich viele Käufer eingestellt hatten, setzte alsbald lebhafter Handel mit regem Umsätze ein, so dah kein Ueberstand verblieb. Auch der Krämermarkt hatte s ich eines guten Besuches zu erfreuen, denn scharenweise strömte jung und alt aus der Umgebung herbei. Auf dem Markt waren viele Stände, in denen Waren aller Art die Käufer anlockten. Selbstverständlich hatte auch die einheimische Geschäftswelt alles aufgeboten, um die Käufer in ieder Beziehung zufriedenzustellen; ihre Schaufenster waren reichlich und schon ausgestattet. Ob dementsprechend auch viele Einkäufe vorgenommen wurden, kann nur der Fachmann mit Bestimmtheit sagen. Dem Anschein nach wurden gute Geschäfte gemacht.
Rheinhessen.
Joseph Will t-
Wie schon kurz gemeldet, starb in Mainz nach vorangegangener schwerer Krankheit, die eine Operation erforderlich machte, der Verlagsdirektor der Mainzer Verlagsanstalt und Druckerei A.-G. und Ehren-Senator der Universität Gießen Joseph Will. Das Zeitungsgewerbe insbesondere Südwestdeutschlands hat durch den Tod dieses Mannes einen schweren Verlust erlitten. Will wurde 1860 in Köln geboren und kam 1897 nach Mainz, um die Leitung der neugegründeten Mainzer Verlagsanstalt und Druckerei A.-G. zu übernehmen, in deren Verlag der „Mainzer Anzeiger" erscheint und die er durch unermüdliche, umsichttge Arbeit zu einem bedeutenden Unternehmen gemacht hat. Der Verein Deutscher Zeitungsverleger berief ihn in seinen Hauptvorstand. Will war ferner Vorsitzender des Kreises Hessen und Hessen-Nassau im D. D. Z. des Bezirksverbandes Rheinhessen des Deutschen Büchdruckervereins, Mitglied der Industrie- und Handelskammer Mainz und Ausschuhmitglied einer Reihe wirtschaftlicher Verbände. Anläßlich des 75jähri- gen Bestehens des „Mainzer Anzeigers" ernannte die Hessische Landesuniversität Gießen ihn zu ihrem Ehrensenator. Eine aufrechte Haltung zeigte der Verschiedene während der Be- satzungszeit. Nachdem er einige Wochen von der Besahungsbehorde im Gefängnis gehalten worden war, wurde er ausgewiesen, leitete aber von Darmstadt aus sein Unternehmen weiter. Nach seiner Rückkehr nach Maing Dertrat er trotz vielfacher Bedrängnis durch die Besatzung in der Rheinlandpolitik einen unentwegt aufrechten Standpunkt. Um ihn trauert insbesondere auch die Stadt Mainz, um deren Wohlergehen er sich erhebliche Verdienste erworben hat.
„Ja, Isolde von Kletten war bei mir, um mir Grüße von meiner Frau zu bringen. Leider hat sie heute morgen schon ganz früh wieder ab- reifen müssen. Ich hatte nicht einmal die 121t ög- lichkeit, mich von ihr zu verabschieden. Sie sagte mir übrigens, daß sie von dir käme. Doch laß en wir das, Altberg! Ich bin hier, um dir Herrn Klausen für kurze Zeit zu entführen. Hättest du etwas dagegen, wenn ich ihn mit nach Berlin nähme? Ich mochte die neuen Maschinen nur in seinem Beisein besichtigen ..."
„Lieber Turnau, ich habe darüber nicht zu entscheiden. Willst du dich nicht an Herrn Klausen selbst wenden?" '
„Ich stehe natürlich dem Herrn sehr gern zur Verfügung," versicherte Klausen ohne weiteres.
„Das ist schr liebenswürdig von Ihnen, Herr Klausen; aber auch von dir, Altberg! Doch sei versichert, daß wir nicht länger wegoleiben werden als höchstens zwei Tage. Ich freue mich darauf, Sie meiner Frau vorstellen zu können, Herr Klausen. S'.e kannten sie bisher Wohl noch nicht? Oder doch?“
So scharf er aber auch den jungen Mann beobachtete, er konnte in dessen Zügen nichts lesen, was irgendwie dem in ihm schlummernden Ver- bacht neue Nahrung hätte zuführen können, und so schalt er sich schon, daß er seinen Plan überhaupt ausgeführt hatte. Er konn.e nun aber nicht mehr zurück, und die beiden Herren fuhren sogleich im Auto zur Dahn, benutzten den Zug und kamen in Berlin an, ohne dah Käthe ahnte, was ihr bevorstand.
In der Hauptstadt hielten die Herren sich nicht auf; denn Felix sagte etwas verlegen:
„Sie werden einen jungen Ehemann verstehen, wenn es ihn zunächst zu seiner Frau zieht, Herr Klau'en Hoffentlich sind Sie bereit, mich nach Nonnenwerkh zu begleiten, wo meine Frau jetzt bei ihrer Tante lebt?“
Klausen war ohne weiteres einverstanden. Nichts verriet, daß e: einer Begegnung mit Käche ausweichen wollte, und, schon ganz beruhigt, fuhr Felix Turnau mit ihm nach dem Gute hinaus.
Käthe hatte den Park aufgesucht und auf einer Bank eine Weile gelesen. Sie war jetzt volllommen ruhig, da sie sich im Schuhe zweier treuer Freunde wußte, und als sie das Auto Vorfahren hörte und aufstand, um über die Mauer zu spähen, erschrak sie bis ins Innerste, als sie neben ihrem Gatten den Mann sah, den sie fürchtete w e nichts auf der Welt.
Zitternd Hämmerte sie sich an den alten Nußbaum, der die Bank beschattete. Ihr Herz klopfte wie rasend, und sie merkte, daß sie leichenblaß geworden war.
(Fortsetzung folgt.)


