Ausgabe 
28.8.1929
 
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Mittwoch, 28. August |929

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Nr. 2Vf Zweites Blatt

heil

und Reorgani-

Nachdruck verboten.

15. Fortsetzung.

Dämonen der Zeit

Vornan von Arthur Brausewetter.

auf dem Felde stehen. Da unsere Dreschmaschine vorerst im benachbarten Daubringen mit dem Ausdrusch beschäftigt ist, werden wohl noch einige Wochen vergehen, bis die Drescharbeiten bei uns beginnen, zumal einige Landwirte ihren .Roggen bereits gedroschen haben. Der Ertrag in bezug aus Körner und Stroh ist zufrieden­stellend.

f Treis a. d. Lda, 27.2lug. Im Vormittags- gottesdienft am Sonntag fand die feierliche Auf­nahme der diesjährigen Konfirmanden, 8 Kna­ben und 11) Mädchen, statt. Der Posaunenchor ver- schönerte die Feier durch seine Mitwirkung. Das neulich ausgefallene Dekanatsfcst des Evgl. Bundes wird am 8. September hier ftatt- finden. Die israelitische Gemeinde begeht am 13. und 14. September die Hundertjahr­feier der Erbauung ihrer Synagoge.

* Allertshausen. 27. Aug. Kürzlich feierte hier der Kirchendiener und Wasserwärter Lud­wig Rachtig all V. nebst Ehefrau in geistiger und körperlicher Frische das Fest der goldenen Hochzeit. Der Jubilar steht im 73.. die Jubi­larin im 72. Lebensjahre. Seitens des Herrn Reichspräsidenten und der Hess. Staatsregierung wurde ein Glückwunschschreiben übersandt, we.ter gratulierte das Kreisamt Gießen, auch die Hess, evgl. Kirchenregierung sandte eine Ehrenurkunde, außerdem übersandte die Hess. Staatsregierung durch die Kreiskasse in Gießen eine Jubiläums- gäbe von 25 Mk.

ch Nüddingshausen, 27. Aug. Der hiesige Schützenverein hielt am letzten Sonntag sein diesjähriges Scheibenschießen auf den neu­hergerichteten Schießständen ab. Dabei wurden schöne Leistungen erzielt. So schoß Wilhelm Peter von Nüddingshausen fünf Zwölfer hintereinander. Außer ihm erzielten noch zwei Schützen 36 Ringe. Ein Fünfzehnjähriger schoß 35 Ringe.

sk. Reiskirchen. 27. Aug. Unter reger Be­teiligung der Gemeinde und von auswärts sand gestern nachmittag hier das diesjährige G u st a v - | Adolfsfest für das Dekanat Gießen statt. Im . Hauptgottesdienst predigte Pfarrer Trabant iHerbstein) über 1. Kor. 12. 26 und zeigte, wie die Diaspora-Gemeinden, die um ihre Existenz kämpfen, sich trotzdem sehr stark mit der großen evangelischen Volksgemeinschaft verbunden füh­len. In einer Ansprache wies Dekan Guß- mann noch einmal auf die Rotwendigkeit der Solidarität auf dem Gebiet der evangeli­schen Volksgemeinschaft hin. DieRach- versammlung fand im Gundrumschen Saale statt. Pfarrer Becker aus Gießen erstattete den Jah­resbericht. und Pfarrer Trabant erzählte aus dem religiösen Leben der Diasporagemeinden. Die Sammlungen ergaben den Betrag von 120 Mark.

+ Grünberg, 27. Aug. Zu der jüngsten Sitzung des Gemeinderats unter dem Vor­sitz des Beigeordneten Keller waren acht Ge­meinderäte erschienen. Zunächst wurden die Ausschläge der Gemeindesteuern für 1929 festgesetzt. Der gesamte Umlagebedarf be­trägt 63 200 Mk. und kann bis auf einen kleinen ungedeckten Rest von 450 Mk. unter Beibehaltung der seitherigen Steuersätze aufgebracht werden. Bei der Sondergebäude steuer wird der höchst zulässige Sah von 39,93 Proz. der staat­lichen Sondergebäudesteuer erhoben, sie erbringt 12500 Mk. Bei der Grundsteuer werden fol­gende Sähe erhoben: a) von Gebäuden 25 Pf. von je 100 Mk. Steuerwert: ihr Ertrag ist 10 050 Mk., b) von land- und forstwirtschaftlich genutztem Besitz 70 Pf. von je 100 Mk. Steuer- wert: ihr Ertrag ist 23 420 Mk. Die Erhebung dieser hohen Sähe wird von der Verwaltungs­behörde nur gestattet, wenn die Sondergebäude­steuer, wie hier vorgesehen, mit dem Höchstsatz von 39,93 Proz. erscheint, andernfalls dürfen

Oberhefsen.

Landkreis Gießen.

* Heuchelheim, 27. Aug. Der Gesang- vereinTeutonia", ältester Verein Heu­chelheims. feiert vom 12. bis 14. Juli 1930 sein 75. Stiftungsfest. Der Verein, durch seine sehr guten gesanglichen Leistungen weit bekannt, und die gesamte Einwohnerschast beabsichtigen, ein schönes und großzügiges Fest zu organisieren. Der Besuch vieler auswärtiger Vereine ist zu erwarten.

V Mainzlar, 27. Aug. Das schon mehrere Sonntage dauernde Preisschi eßen des hie­sigen Krieger- und S ch ü he n v e r e i n s sand am letzten Sonntag seinen Abschluß. Die Beteiligung war überaus rege, besonders auch von Kameraden der benachbarten Vereine. Bei der Preisverteilung erhielt den 1. Preis Gott­fried Iäge r, Mainzlar, den 2. Ludwig Schlapp, Mainzlar, und den 3. Paul Seipp, Ruttershausen, sämtlich mit je 32 Ringen. Die Preise bestanden aus Haushaltungsgegenständen. Rach Beendigung des Schießens wurden dann noch eine Anzahl Ehrenscheiben geschossen. Dank der guten Witterung ist die Einfuhr des Sommergetreides nahezu beendet, und nur vereinzelt sieht man noch einigen Hafer

Schule, Staatsangehörigkeit und insbesondere auf die berüchtigte Agrarreform i *" w sation der Dobrudscha. Dieses Gesetz bestimmt,

daß alle Landbesitzer usw. ihr gesamtes Besitz­tum verlieren, wenn sie ihr Eigentum nicht durch anerkannte Papiere nachweisen können, und wonach auch die als rechtmäßige ^Isitzer anerkannten Bewohner ein Drittel res Landbesitzes an den Staat ab geben müssen. Dieses Gesetz, das von ausländischen und auch rumänischen Juristen als eine Unge- h eu e r l i ch k e i t bezeichnet worden ist, wird in seiner brutalen Wirkung noch verstärkt durch die Durchführung jeweils im Sommer wäh­rend der Ernte, so daß der Dobrudschabauer auch die Früchte seiner Arbeit mitabgeben muß und geradezu sein Brot verliert. Diese Maßnah­men haben nicht nur zur Folge, eine planmäßige Entvölkerung, sondern verbinden sich noch mit einer Kolonisierung der Dobrudscha mit rumäni­schen Elementen aus Mazedonien, den kulturell überaus tiefstehenden Banden der Kuzowal- lachen. Die rumänische Regierung beläßt diesen

Leben muh auch die festeste Gesundheit unter­graben."

Der Oberst blieb stehen, zog die Stirn in Falten und ließ das Auge mit unwilligem Blick auf ihn hinuntergleiten.

Sie vergessen Ihre Stellung, Herr Oberleut­nant. Wann ich nach Hause gehe, bestimme ich selber und kein anderer. Riemand hat Sie zu meinem Vormund gemacht."

Und nun zumleichten Fredy" sich wendend, in kurz befehlendem Ton:Sehen Sie, ob wir in. dem Cafe da drüben noch ankommen."

Klaus wußte, daß ein weiterer Widerspruch zwecklos war. Mit kurzem Gruß wollte er sich verabschieden und allein den Heimweg antreten. Da dachte er an das Gespräch, das er heute mittag mit Edith gehabt, und daß er den alten Mann in solchem Zustand unmöglich in der Gesellschaft dieser ßeute lassen konnte. So folgte er widerwillig in das Cafe, das sich auf Fredys jpiederholtes Pochen öffnete.

In dem großen Raume war es bereits leer. Auf einigen Tischen standen die Stühle aufge­stapelt, an anderen sah man vereinzelte Besucher gähnend in den Zeitungen blättern. Die Luft war von süßlichem Zigarettentabak geschwängert: etwas Schlaffes und Uebernächtiges war in ihr.

Man hatte sich in einer Rische niedergelassen, in der ein alter Kellner mit verdrossener Miene das bereits abgestellte Licht wieder einschaltete, schwarzen Kaffee brachte und, ohne eine Weisung dazu erhalten zu haben, neben den Oberst eine Karaffe Kognak stellte, aus der dieser sich mit einer gewissen Hast einschänkte.

Klaus, der sich den ganzen Abend über zurück­gehalten und meist nur zum Scheine getrunken hatte, wartete auf den Augenblick, wo sich die Wirkung des überreichlichen Alkoholgenusses offenbaren würde.

Aber nicht das leiseste Anzeichen einer Ver­änderung ging in dem Alten vor: seine Stimme, wenn er einmal sprach, war auch in ihrer Er­regung klar und deutlich, und in dem Blick, der über den bereits sinnlos betrunkenen Fredy und die beiden Artilleristen hinwegstreifte, die sich mit lallender Zunge unterhielten, lag eine gren­zenlose Verachtung.

Etwas Unheimliches war in dieser Rüchtem- heit, diesem immer ernster und trauriger werden­den Ausdruck der großen, weitaufgerissenen Augen, die unstet und in sich versunken in die Feme starrten. Ms hätte ein Dämon über ihn Gewalt gewonnen, dessen Macht er sich ausge­liefert fühlte und dem er doch mit dem letzten Reste seines bereits in sich gebrochenen Mannes- truhes die Stirn bot.

Mit einemmal aber blickte er auf und richtete das Auge auf Klaus.

dem schmählich verletzten und verweigerten Recht der Selbstbestimmung und der kulturellen Frei- aller zum Sieg zu verhelfen.

Zum Genfer MtionalMen-Kongreß.

Minderheiten und Selbstbestimmungsrecht. - Das Martyrium der Dobrudscha unter rumänischer Herrschaft.

mals mit voller Absicht geschlagene Wunden durch gemeinsame Unterschrift unter den sog. Minderheitenvertrag geglaubt heilen zu können: Die.bittere Enttäuschung der letzten Jahre feit den Friedensschlüssen macht es nur zu verständlich, daß die unterdrückten Völker kein Zutrauen mehr zu den schönen Worten dieses Vertrages und zu den vielen noch schöneren Worten haben, die in der Zwischenzeit in Genf von der Tribüne des Völkerbundes aus ge­brochen worden sind. Die Herrschastsvölker^ in ast allen Staaten nehmen wohl die Loyalitäts­bekenntnisse entgegen, weigern sich aber immer weiter, von ihrer Assimilationspolitik, von ihrer Aufsaugung der Minderheiten abzu­lassen. Die unterdrückten Völker in Europa, die über den Grundsatz der Staatslohalität das Prinzip des Selbstbestimmungs- rechts aller Völker stellen, glauben, daß nur die unbedingte Durchführung dieses Rechtes zu einem wirNichenVölkerbund" führen kann und die Vorbedingung schaffen wird für die Vereinigten Staaten von Europa", die von Repräsentanten der heutigen wirklichen Groß­mächte nicht herbeigeführt werden können. Um diese meine Haltung zu belegen, führe ich aus meinem eigensten Heimatland, der jetzt unter rumänischer Herrschaft stehenden Dobrudscha, folgendes an: Manche Angehörigen der Minder­heiten in Rumänien haben auf die Regierung M a n i u Hoffnungen gesetzt, aber die politische und wirtschaftliche Lage der Minderheiten ist unter dieser Regierung dieselbe geblieben wie unter Bratianu und Averesm. Gegen die Min­derheiten wurde die Politik der Enteignung, des Terrors, der Beraubung der nichtrumänischen Rationalitäten im Lande, insbesondere der Un­garn, der Deutschen, der Ukrainer, der Bessa- rabier und der Dobrudschaner (Bulgaren und Türken in gleicher Weise) fortgesetzt, obwohl diese fremden Rationalitäten über dieHälfte der gesamten Bevölkerung Rumäniens, nämlich über acht Millionen, ausmachen. Manius be­rühmtes Minderheitenprogramm von Alba Julia im Mai 1928 hat sich nur als ein W ahl - manörer zur Gewinnung von Stimmen der Minderheiten erwiesen. Roch sind alle Aus­nahmegesetze zur Rumänisierung der neuen Ge­biete in Kraft. Sie beziehen sich auf

Aus Anlaß des soeben begonnenen fünften Rationalitäten-Kongresses in Genf hat die Tele- graphen-Union zwei in Minderheitenfragen maß­gebende Persönlichkeiten um ihre Meinung zu dem augenblicklichen Stand der Minderheiten­frage in Europa befragt.

Der Präsident des diesjährigen Ratio­nalitäten-Kongresses in Genf Dr. Wilfan, ehemaliger slowakischer Abgeordneter im italie­nischen Parlament, äußerte sich folgendermaßen: Die Tagung wird richtunggebend festzulegen ha­ben, daß die Lösung des Rationalitätenproblems keineswegs nur durch, eine Verbesserung des Klageverfahrens erzielt werden kann. Ganz im Gegenteil kann das nur durch ein konstruktives Vorgehen, durch ein Ausweisen von Wegen zum nationalen Ausgleich bzw. durch Sicherung der national-kulturellen Entwick­lungsfreiheit für eine jede Minderheit in einem jeden Staate erzielt werden. Erfahrungen in dieser Richtung liegen in Estland, Dänemark und anderwärts vor. Der Völkerbund steht so­mit vor der Aufgabe, sein Vorgehen nunmehr entsprechend zu ändern. Wie könnte das ge­schehen? Unseres Erachtens müßte im Interesse aller Teile nunmehr eine Plattform beim Völker­bund und zwar in Gestalt einer Studien­kommission zur Klärung und Behandlung dieser Anregungen erfolgen. Daß der Völkerbund während seiner letzten Tagung den Beschluß ge­faßt hat, das gesamte Untersuchungsmaterial den einzelnen Mitgliedsstaaten des Bundes zu übermitteln, kann nicht anders verstanden wer­den, als daß der Rat die übrigen Mitglieder der Genfer Organisation zu einer Stellungnahme auffordert. Wenn die Anregungen, welche die Untersuchung des Ratsausschußes ergeben ha­ben, nicht unter den Tisch fallen sollen, dann muß es zwangsläufig zur Gründung einer Stu­dienkommission beim Bunde kommen.

Besonders bedeutsam wird ferner die Behand­lung des Programmpunktes über d i e Auf­gaben de r Presse aller europäischen Minderheiten sein. Im Zusammenhang mit der nach Schluß des Kongresses erfolgten Grün­dung eines europäischen Verbandes von Minder- heitenjoumalisten gewinnt diese Frage besondere Mtualität. Das gleiche gilt für die Fragen der Rationalitätenkunde, insbesondere den Vorschlag für die Gründung eines intereuropäischen Forschungsinstituts.

Die Teilnahme am diesjährigen Kongreß ist erfreulicherweise sehr rege, lieber 30 Minder­heiten, die in 14 Staaten leben und zusammen 40 Millionen Menschen umfassen, sind auf un­serer diesjährigen Tagung vertreten. Unser Kreis vereint jetzt fast sämtliche europäischen Rationen. Von neuen Gruppen werden die Schweden in Estland und die Russen in Rumänien erstmalig am Kongreß teilnehmen.

Der Chefredakteur des in Sofia erscheinenden, für die unter rumänischer Herrschaft stehende Dobrudscha eintretenden bulgarischen Blattes Swobodna Dobrudscha" (Die freie Dobrudscha), Dr. P. Witscheff, der sich auf einer Reise durch Europa befindet, und in den nächsten Ta­gen ebenfalls zu dem Kongreß nach Genf reisen wird, führte als ein Vertreter der unterdrückten Bevölkerung der Dobrudscha folgendes aus:

In diesem Jahr sind zehn Jahre seit der Reu­ordnung Europas durch die berüchtigten Pariser Friedensverträge verflossen. Man hat viele, da-

Dieser hatte den Platz des Adjutanten ein­genommen, sprach der ihm freigebig gespende­ten Flasche eifrig zu und gab in seiner Trunken­heit Witze zum Besten, die die Grenze des selbst an einem Stammtisch Erlaubten mit zyni­schem Behagen überschritten und von den bei­den Artilleristen wiehernd belacht wurden. Klaus krampfte sich das Herz zusammen, wenn er den Mann, der einmal für ihn auf unerreichten Höhen des Lebens gestanden, nun in seine tief­sten Riederungen hinabgestiegen sah.

Der schien von alledem nichts zu bemerken. Ohne auch nur eine Miene zu den albernen Scherzen seines Rachbarn zu verziehen oder Klaus Körbers mit tiefstem Mitleid auf ihn gerichtetem Blicke ein einziges Mal zu begegnen, verharrte er in seiner regungslosen Haltung. In den Zügen des leicht aufgedunsenen Gesichtes aber lag etwas Verirrtes, Heimatloses, das an die Seele griff.

Und mit einemmal wußte Klaus, an wen er ihn in dieser Haltung, dieser Umgebung er­innerte: an den entthronten König Lear, der mit den wenigen trunkenen Getreuen, die ihm geblieben, Tafelrunde hielt, und von dessen 2Int-- lih die deutlichen Spuren des beginnenden Wahn­sinns das Königliche doch nicht fortzuwischen vermochten.

Der verschlafene Kellner erschien, trat an den Obersten heran und sagte ihm in respektvoller Stellung, denn auch er hatte einmal bei den Grenadieren gedient und war vorübergehend sein Bursche gewesen, einige Worte ins Ohr.

Im ersten Augenblick schien es, als wollte der Alte aufbrausen. Dann besann er sich und sagte mit verbissenem Tone:Gut, mein Sohn, wenn ihr euch noch nicht ausgeschlafen habt uns uns die Bude hier vor der Rase zuschlietzt, dann werden wir gehen."

Erleichtert atmete Klaus auf. Aber er hatte sich zu früh gefreut.

Kaum hatten sie den Ratskeller verlassen und waren die kleine steile Treppe empor auf den Langen Markt gelangt, der dunkel und tot im trüben Licht einiger Laternen vor ihnen lag, da winkte der Oberst den kleinen Fredy zu sich heran.

Wohin gehen Sie jetzt?" fragte, er.

Jetzt hielt Klaus nicht mehr an sich.

Herr Oberst sollten sich jetzt nach Hause be­geben," sagte er höflich, fast bittend und dog) mit Entschiedenheit.Es ist gleich drei Uhr, und dies

Haben s gut mit mir im Sinne... weiß ich, Körber, aber es hilft nichts. Also lassen Sie es."

Und bann, indem er ihm leicht die Hand auf den Schenkel legte:Und was die Hauptsache ist: Sie sind ein Mann geblieben. Das Soldatenblut steckt Ihnen noch in den Gliedern. Deshalb taugen Sie auch zum Händlertum nicht. Helden können alles werden... meinetwegen Räuber und Banditen. Händler können sie nie werden. Die sind geboren wie die Helden. Es gibt viele Händ­ler heute im deutschen Vaterlande. Der schlimmste aber von allen ist Faßbender."

Es war das erstemal, daß der Oberst den Rainen seines Schwiegersohnes in feiner Gegen­wart in den Mund nahm, und an der Art, wie er es tat, merkte Klaus, daß es keineswegs aus irgendeiner Weinseligkeit geschah, sondern daß es ihm ein Bedürfnis war, sich einmal auszu­sprechen.

Ich habe viel Seid in dieser unseligen Zeit durchgemacht," fuhr er fort, das große Spitzglas mit Kognak an die Lippen setzend und in einem Zuge leerend.Aber daß es mich im eigenen Hause...

Er brach ab, als hielte ihn eine innere Scheu ab, weiterzusprechen.Sie waren damals im Felde, warf Klaus ein, als die Pause immer schwerer und drückender wurde.

Jawohl... es war der erste Winter, in dem wir im Westen standen. Sonst wäre es auch nie geschehen. Ein Mädel wie dieses... ein Soldat wäre ihrer würdig gewesen. Und nun ein solch trockener.Zahlenmensch I

Wieder schwieg er und sprach erst nach einer ganzen Weile weiter:Gewiß... ich bin auch unter die Geschäftsleute gegangen. Aber Händler bin ich deshalb nicht geworden. Mir fiel es als Erbe eines gütigen Bruders au, der stets ein vornehmer Kaufmann gewesen. Und ich habe mich redlich bemüht, in seinem Sinne fortzuarbeiten. Aber der da hat einen anderen Geist."

Sie find der Inhaber."

Der Oberst kniff die Augenlider ein wenig zu und blinzelte mit einem halben Blick zu ihm hinüber, in dem eine merkbare Verlegenheit war.

Gewiß... das bin ich. Aber da ich mich um das rein Geschäftliche nicht immer bekümmert und auch in letzter Zeit... Er würgte an den Worten und fuhr fort:Ra, kurz und gut., .der andere hat die Uebermacht bekommen. Wir beide passen nicht zusammen. Dieser Federfuchser glaubt, auf mich herabsehen zu dürfen, weil... nun, Sie wissen ja erlassen Sie es mir."

Wieder schänkte er das Glas bis an den Rand voll: die kleine Karaffe war über die Hälfte geleert. Da ertrug es Klaus nicht länger.

Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen, es hat mich geehrt. Jetzt aber werden der Herr Obers) mit mir nach Hause gehen."

Der 2Ilte sah ihn an; eine dunkle Falte sprang

zwischen den dichten Brauen hervor, er wollte noch heftiger als das erstemal antworten da kam derleichte Fredy", der die ganze Zeit nicht vom Fernsprecher gewichen, so schnell seine schwanknden Knie es ihm gestatteten, an den Tisch gestürzt.

Oberschlesien ist den Polen zuerkannt," rief er mit lallender Stimme,auch die Teile, die sich mit erdrückender Mehrheit für Deutschland er­klärt haben. Die deutsche Regierung verbietet ihren Offizieren jeden gewaltsamen Widerstand."

Der Oberst sprang von seinem Stuhle empor. Die Lippen öffneten sich, wollten Worte des Zornes und der Empörung herausschleudern mit einemmal taumelte er rückwärts, griff mit beiden Armen zuerst nach der Stuhllehne, dann in die leere ßgft und fiel mit einem mark­erschütternden Schrei hart und prall auf den Boden.

Ein Arzt war in dem Saale. Er war sofort zur Stelle, versuchte, was ihm möglich war, zuckte die Achseln und wandte sich dann an Klaus, der an der Seite des Alten kniete, unfähig, etwas zu sagen oder zu tun:

Richts mehr zu machen, meine Herren. Gin Schlagfluß ... er ist auf der Stelle verschieden..

Derleichte Fredy" und die beiden Artilleristen waren völlig ernüchtert, zugleich aber so fassungs­los, daß sie mit dem Ausdruck eines grauen­vollen Entsetzens auf den Daniederliegenden starr­ten und für jede Hilfe versagten.

So blieb die schwere Qlrbeit, den so jäh Da­hingegangenen in seine Wohnung zu schaffen, allein auf Klaus' Schultern ruhen.

Endlich war der Wagen besorgt und alles soweit gediehen, daß der Oberst seinen letzten Heimweg antreten konnte.

Die Sonne war bereits aufgegangen, als man in dem alten Hause in der Drotbänkengasse an­langte.

Er brauchte Edith nicht vorzubereiten. Sie wußte alles, bevor er eine Silbe gesprochen. Etwas Steinernes war in ihrem Schmerz, jeder Versuch, sie zu trösten, vergeblich. Ihre starke Ratur mußte es mit sich selber abmachen, es allein überwinden.

Mein Vater hat mit Ihnen noch gesprochen ... über meinen Bräutigam ... unmittelbar vor seinem Tode. Ich wußte es."

Wie war das möglich?"

Sowie mich das Mädchen weckte, war mir alles klar. Es gibt untrügliche Stimmen in uns, ich habe sie in dieser Rächt vernommen. 21bcr d^is Furchtbarste ist, daß er in Schmerz und Sorge um mich gegangen ist."

Er redete es ihr nicht mehr aus. Es wäre zwecklos gewesen.

Und daß er nun nicht mehr erfahren wird, was geschehen wird, geschehen muh."

(Fortsetzung folgt.)

Banden auch ihre Waffen, auf die sie ein tradi­tionelles Anrecht zu haben behaupten. Die Kuzo- Wallachen liegen als eine schwere Plage auf der alteingesessenen Bevölkerung. Bewaffnet und von den Behörden geschützt, nisten sie sich sogar in den Wohnüngen der Dobrudschaner ein und begnügen sich nicht mit dem systematischen Raub des Inventars und Viehs der Bauern. Organisierte lleberfällc auf ganze Dör­fer wiederholen sich jedes Jahr. Häusig können die Banden tagelang ein Dorf terrorisieren und ausplündern, ohne daß sich die rumänische Gendarmerie darum kümmert. Die Proteste der Vertreter der anderen nationalen Minderheiten im Parlament erreichten nur Einsetzung von Untersuchungskommissionen, die die Beweise für die Greueltaten beseitigten. Selbst eine Besichti­gungsreise der ausländischen diplomatischen Ver­treter unter Führung des "merikanischen Ge­sandten führte zu keiner Milderung der Terror­methoden. Was hat sich unlec Maniu geändert? Richts. Die Dobrudschaner haben sich mehrmals an die internationale Stelle gewandt, die berufen ist und es übernommen hat, nationale Minder­heiten gegen die Mehrheitsbevölkerung zu schützen, aber in Genf beim Völkerbund scheint man diese Eingaben nicht einmal gelesen zu ha­ben. Die Methode der Massakers und des Ban­denkriegs ist ja nur eine schärfere, dem Balkan entsprechende Form der weniger auffälligen Ent­nationalisierung, die im übrigen Europa mit Ausnahme besonders von Deutschland gegen die nationalen Minoritäten betrieben wird. Auch auf dem Balkan, dem alten Unruhe­herd Europas, von dem der letzte fürchter­liche Weltkrieg seinen Ausgang genommen hat, könnte nur durch eine Föderation der freien Völker Beruhigung geschaffen werden. Der Wille der unterdrückten Völker in Europa, ihre Frei­heit zu erkämpfen, wird schließlich au harmoni­schem Ausgleich aller Interessen führen können.

Die große Aufgabe des deutschen Volkes, das selbst durch die Friedensschlüsse in den alten und neuen benachbarten Staaten unterdrückte Ange­hörige zählt, und das ihre Entrechtung als Verleugnung seiner kulturellen Gleichberechtigung mit den anderen Rationen empfinden muh, ist es,

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