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Rumpiralen an der amerikanischen Küste.

Störtebekerö Erben. - Llebergriffe der amerikanischen Behörden. - Moderne Seeräuber. Erlaubter Schmuggel.

Von Fred E. Dillinger.

Cong Island bei Neuhork ist ein Zufluchts- ort der Seeräuber, die bei der Bevölkerung so beliebt sind, daß man sie auf keine Weise fassen kann." So berichtete der Earl of Bellamont, der Gouverneur von Neuyork und Massachusetts, an die Londoner Regierung, als die Bereinigten Staaten noch eine britische Kolonie touren; aber auch ein moderner Gouverneur der größten ame­rikanischen Stadt könnte natürlich den anders­artigen Umständen entsprechend abgeändert heute einen ähnlichen Bericht über Störtebekers Erben an der atlantischen Küste der Bereinigten Staaten schreiben. Die Piraten heißen heute Bootleggers" und beschäftigen sich nur ne­benbei mit der Seeräuberei, während sie in der Hauptsache vom Schmuggel mit Whisky, Branntwein, Rum und ähnlichen alkoholischen Getränken leben. Das ist aber nur eine unwesent­liche Renderung, die dadurch noch unbedeutender wird, daß sich auch die Seeräuber früherer Zeiten gelegentlich mit dem Schmuggel begnügten. Der Kampf gegen die Staatsgewalt spielt sich dagegen jetzt wie ehemals ganz ähnlich ab: man benutzt falsche Flaggen, fährt nachts ohne Licht, ist bis an die Zähne bewaffnet und macht von den Waf­fen Gebrauch, falls der Schmuggler sich als der Stärkere fühlt, während das mit Konterbande be­ladene Schiff sonst vorzieht, mitBolldampf vor­aus" das Weite zu suchen, falls sich ein Küsten­wachtschiff nähert. Auchgesellschaftlich" unter­scheiden sich moderne Bootleggers kaum von ihren romantischen Borfahren; zu den Schiffsbesatzun­gen dieserRumrenner" gehören Abenteurer aus aller Welt, gescheiterte Existenzen, Hel­den der Chikagoer Llnterwelt, entlaufene Zucht­häusler, also Männer, die wenig zu verlieren und in der Hauptsache nur ihren gewaltigen Mut einzusehen haben.

Cs gibt zwei Arten von Schmugglerschiffen: legale und illegale. Die europäischen Frachtdampfer, die aus Hamburg, Cherbourg oder Liverpool auslaufen und als Bestimmungsort irgendeinen kanadischen Hafen angeben, hüten sich meist, mit ihren vielen tausend Litern Schnaps in das Hoheitsgebiet der Bereinigten Staaten zu geraten. Mindestens zwölf Meilen vor der ame­rikanischen Küste stoppen sie ihre Maschinen ab und warten, ob nicht irgendein Kunde vorbei­fährt, der zufällig auf dem Atlantischen Ozean von gewaltigem Durst nach Alkohol geplagt wird und ihnen ihre Borräte abkauft. Das ist nicht verboten! Freilich sind diese Alkoholschiffe gezwungen, dem Zufall dadurch etwas nachzu­helfen, daß sie durch irgendeinen Vertrauensmann in Reuyork, Boston oder Reto Orleans einige Rumpiraten" auf die Gelegenheit auf­merksam machen, da es sonst sehr unwahr­scheinlich wäre, daß durstige Amerikaner immer die richtige Stelle im Weltmeer finden. Im Abstand von zwölf Meilen sammeln sich längs der amerikanischen Küste die legalen Schmuggler auf einer Linie, die den zutreffenden Namen R u m st r a ß e" erhalten hat.

Die amerikanischen Kriegsschiffe und Zollboote können den Ausländern nichts tun, wenn sie sich nicht zu weit vorwagen; sie begnügen sich da­mit, aufzupassen, ob sich ein amerikanisches Schiff nähert, das die Kannen und Kisten mit Alkohol auf hoher See übernehmen will, ein Verfahren, das bei ruhigem Wetter ungefährlich ist. Das englische SchmugglerschiffImalone", das so­eben in der Nähe der Osttüste von Florida von amerikanischen Küstenwachtschiffen versenkt worden ist, soll sich nun näher als erlaubt an das Land herangewagt haben und während einer Verfolgung von 24 Stunden Dauer nicht aus der Zwölfmeilenzone herausgelangt sein. Das klingt sehr unglaubwürdig, und es ist nicht ausgeschlos­sen, daß die ameritanischen Staatsschiffe sich eines Liebergriffs schuldig gemacht haben, als sie die Imalone" durch einige Granatschüsse versenkten und die Besatzung, mit Handschellen gefesselt, in das Gefängnis von New Orleans brachten. Der Kampf gegen die Schmuggler wird seit längerer Zeit mit einer solchen Erbitterung geführt, daß Gesetzesverletzungen häufig vorkommen. Da auch

die Schmuggler vor heimtückischen Lieberfällen und vor der Ermordung von Zollbeamten nicht zurückschrecken, ist die grausameKriegführung" zwischen beiden Parteien durchaus verständlich. Auch die amerikanischen Gerichte mußten schon zugeben, daß die Küstenwachtschiffe bei ihrem Vorgehen nicht immer im Recht waren. In Reuyork erregte es vor einiger Zeit großes Auf­sehen, daß das Bundesgericht 5000 Flaschen ka­nadischen Whisky, der mehr als zwei Jahre vor­her in der Nähe der Küste von New Jersey be­schlagnahmt worden war, dem Eigentümer zurückgegeben hat. Der Wert der Ladung wurde seinerzeit auf 250 000 Dollars geschätzt, betrug also mehr als l1/* Million Mark.

Noch lehrreicher ist die Freigabe eines anderen Schmugglerschisfes, die vor mehr als einem Jahre bewilligt worden ist. Im Juli 1927 charterte der Amerikaner Strallo in Hamburg ein Schiff, den 600 Tonnen fassenden MotorseglerDelfziyl", der den NamenPrzemisl" erhielt und unter deut­scher Flagge fuhr. Das Schiff wurde in Ham­burg mit fast tausend Kisten Sprit, 420 Fässern Whisky, 5 Fässern Wein und zwei Gallonen Gin-Essenz versehen; aus dieser Essenz konnte man 100 000 Liter Schnaps machen. Die Ge­samtladung war etwa 2 Millionen Dollars wert und sollte gemäß den Schiffspapieren nach Kanada, tatsächlich aber zur Rumst raße verfrachtet werden. Die Besatzung des Schiffes hatte keine Ahnung, daß sie Schmugglerdienste zu leisten habe; nur der Kapitän und der Steuer­mann wußten Bescheid. Der Kapitän Petersen setzte sich nun mit dem amerikanischen Konsul in Hamburg in Verbindung, dem er versprach, das Schiff an die Prohibitionsbehörde auszuliefern, falls er dafür die in Amerika übliche Belohnung erhalten würde, die in diesem Fall die stattliche Summe von 65 000 Dollar darstellte. Der Konsul gab dem Kapitän und dem Steuermann ein entsprechendes Schrei­ben mit und benachrichtigte auch seinerseits sofort die amerikanischen Behörden, denen es dadurch möglich wurde, das Schmugglerschisf in der Nähe der Mississippimündung zu beschlagnah­men. Die Besatzung von dreizehn Mann wurde verhaftet und mit Verbrechern zusammen in ein Konzentrationslager gesperrt, bis es dem deut­schen Konsul in New Orkans gelang, die Ma­trosen wieder in Freiheit zu setzen. Der Kapitän und der Steuermann durften dagegen in einem Hotel unter fremden Namen wohnen, und zwar auf Kosten der amerikanischen Behörden.

Der deutsche Besitzer des Schmugglerschiffes legte bald darauf gegen die Beschlagnahme des Motorseglers Protest ein, und die Sache wurde vor dem Bezirksgericht in Louisiana verhandelt. Das Gericht erklärte, daß sich der Steuermann und der Kapitän einer modernen Form des Seeraubes schuldig gemacht hätten, als sie die Ladung und das Fahrzeug den ameri­kanischen Behörden gegen einen Judaslohn in die Hände spielten. In dem Urteil kann man die folgenden Sähe lesen:Es sollte nicht vorkom­men, daß untergeordnete Dollstreckungsbeamte bei den Gerichtshöfen Linterstühung finden, wenn sie in mißverstandenem Eifer solche Irrtümer be­gehen. Derartige Unregelmäßigkeiten bringen die Regierung in eine schwierige Lage. Es scheint dem Konsul in Hamburg nicht klar geworden zu sein, daß er seine Heimatsregierung von den zu seiner Kenntnis gelangten Tatsachen hätte unterrichten können, ohne fragwürdigen Charakteren Hilfe und Ermutigung zu gewähren und ihnen die Ausführung eines Seeraubes zu ermöglichen." Die deutschen Behörden, denen das Verhalten des Kapitäns und des Steuermanns natürlich zur Kenntnis gelangte, haben den beiden Män­nern einige Monate darauf ihre Seemanns­patente entzogen.

Die Dramen, die sich im Umkreis der Rum­straße alltäglich abfpielen, werden selten bekannt, und wenn die Behörden in ihnen eine unwür­dige Rolle spielen, versteht man es noch ge­schickter als sonst, sie der Öffentlichkeit zu ver­bergen. Oft kommt es vor, daß Bootleggers, wenn

Das Kind und der Lustballon.

Von Srmgart) v. Faber du Faur.

Ein Kind war zum bunten Jahrmarkt gelaufen. Cs hatte nur eine einzige kleine Münze, aber die wollte es für das Schönste ausgeben, was es auf dem ganzen Jahrmarkt fände.

Das grelle, jauchzende Getön von Trommeln und Glocken, Pauken und Drehorgeln rauschte um das Kind wie ein Meer. Eine Welle hob es auf und trug es bis zum Gipfel ihrer Luft, um es schon einer anderen wieder zu überlassen, die erst herankam und dann näher und jetzt das einzige war und vor einer neuen wieder verebbte. Lind wie die Klänge, so waren auch die Dinge, die sich um das Kind drängten, es bedrängten in ihrer bunten, unausschöpflichen Herrlichkeit und Fülle.

Dort leuchtet ein Berg von Zuckerwerk, weiß und rosa, und ein Mann rief mit lauter Stimme: Türkischer Honig! Echter türkischer Honig!" und viele Kinder stießen sich davor. Weiterhin war ein Tisch mit kleinen Puppen und kleinen Affen, die konnten schreien, wenn man sie drückte, und hatten kleine bunte Federhüte auf. Lind dann blitzten Ringe und Ketten aus Silber und Gold, mit farbigen Steinen, und funkelten in der Sonne, und kosteten genau soviel, wie das Kind in der Hand hielt. Das konnte cs kaum glauben. Es drückte seine Hand mit der kleinen Münze fester zu so kostbar war sie so unausdenkbar kostbar.

Weiter ließ das Kind sich von der Menge stoßen, von einer Bude zur anderen, bis zum runden Platz vor einem Karussell. Die Musik war toller als alles vorher, kleine Glöckchen wirbelten hinein wie kleine glitzernde Wasser­strudel. Schimmel mit roten und Rappen mit grünen Sätteln und Polsterwagen, vor die auch Pferde gespannt waren, jagten im Kreis, ohne sich einzuholen, und wer auf einem Pferd sah, konnte die Zügel selber in die Hand nehmen, aber die im Wagen konnten es nicht. Lind Plötz- lich hielt das ganze Drehen inne, die Musik brach entzwei, und alle stiegen ab, die auf den Pferden geritten waren, und aus dem Wagen wurden sie herausgehoben, denn das waren meistens die lieinereu Kinder. Jetzt konnte, wer

wollte, hinauf, wer wollte und die kleine Münze dafür gab.

Das Kind blieb stehen und sah noch, wie das Karussell sich wieder in Bewegung setzte und Kinder und Große fröhlich herunterwinkten. Dann lief es weiter. Es kam eine Bude, da waren nur Löcher, und durch die Löcher konnte man hineingucken, und es mußte etwas Schönes fein, was man da zu sehen bekam, denn der große Teller, den die dicke Frau davor in der Hand hielt, war schon ganz voll, und immer fielen noch mehr Münzen klirrend auf den Haufen, und das Kind stand da und dachte sich bei jedem Klappern einer Münze etwas Schönes aus, was es jetzt vielleicht sehen könnte, wenn die Münze von ihm wäre.

Da schreckte es aber durch eine gellende Glocke auf, die eine Vorstellung anfagte. Das Kind lief hin, es stellte sich auf die Zehenspitzen hinter den Bänken, auf denen die Zuschauer sahen, denn so konnte es auch etwas sehen, ohne zu zahlen und bog sich vor Lachen, wenn der Kasperl dem Teufel mit dem Besen drohte. Es hielt seine kleine geschlossene Hand fest mit der anderen Hand zu, daß ihm nur seine Münze ja nicht verlorengehe. Als zuletzt der Kasperl doch in die Hölle gekommen war und der bemalte Vor­hang über der kleinen Bühne niederfiel, drehte das Kind sich um und sah geradewegs hinein in das wunderbar Herrlichste von allem. Es fragte nichts, es sagte nichts, es wußte: Das ist da- Schönste, auf das es gewartet hatte, das einzige, wonach es den ganzen Jahrmarkt ab» gesucht hatte!

Wie ein riesiger leuchtender Blumenstrauß so schwebte ein Ball im blauen Himmel über den kleinen lärmenden Buden, ein riesiger Ball aus gelben, roten, blauen, grünen, violetten Luft­ballons. Vor dem Leuchten dieser bunten Kugeln verlor alles andere ein Wesen, die Ringe mit den Steinen, die quietschenden Puppen, die Süßigkeiten und selbst das Karussell mit feinen Schimmeln und Rappen alles war auf ein­mal ausgelöscht tote gar nicht mehr vorhanden.

Das Kind stand staunend und ganz von Freude überschüttet da. Es hatte alles, selbst das Geld in seiner Hand, vergessen. Endlich bemerkte der Mann mit dem grauen Bart, der diese ganze I bunte Welt regierte, das versunkene Kind und

sie die Konterbande an Bord genommen haben, bie Bezahlung vergessen; unter Um- standen eröffnen sie sogar das Feuer auf ihre Lieferanten, die sie gelegentlich ausrauben. Manches Schiff, das in den Listen alsver­schollen" bezeichnet wird, führt alsRumrenner" noch heute ein schattenhaftes Dasein, bemannt von Seeleuten, die ebenfalls auf dem Festland längst als tot gelten. Aber Schmugglerleben und Schmugglerjagd gibt es nicht allein an den Küsten der Vereinigten Staaten, sondern auch in den nordischen Gewässern rings um die trockengelegten skandinavischen Länder, und ein wichtiges Schmugglergebiet ist auch das Schwarze Meer, aus dem russische Schiffe einen schweren Kampf gegen dieBootleggers" im Südosten unseres Erdteils zu führen haben.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

CO Klein-Linden, 7. März. Aus der jüngsten Gemeinderatssihung ist als be­merkenswert zu berichten: An Stelle des ver­storbenen Gemeinderatsmitgliedes Wilh. Weber wurde Reichsbahnbeamter i. R. Wilh. Ufer als Gemeinderatsmitglied verpflichtet. Die Gemeinde übernimmt die Bürgschaft für den Zwi­lche n k r e d i t von 10 000 Mk., den ein Bau- Interessent bei der Bezirkssparkasse Gießen beantragt hat. Der Interessent muß der Ge­meinde zwei zahlungsfähige Rückbürgen stellen. Dem Radfahrerverein 1 9 0 4, der in die­sem Sommer ein großes Fest feiert, wird die Pfingstweide als Festplah überlassen, ferner wur­den dem Verein 30 Mk. für Ankauf eines Preises zugesagt. Zur Anschaffung von Ausrüstungs» gegenftänöen wurde der hiesigen Frei­willigen Feuerwehr ein weiterer Zuschuß von 60 Mk. genehmigt. Auch die Anschaffung von vier großen Schulbänken wurde gut» geheißen und das weitere dem Schulvorstand überlassen. Der Gemeinderat genehmigte mit 7 gegen 3 Stimmen, bei einer Stimmenthaltung, die Löschung der Kautionshypothek, die dem früheren Gemeinderechner Wilhelm Ger­mer auferlegt war. Der Antrag eines hiesigen Wirts auf Nachlaß der Vergnügungs­steuer bei zwei Maskenbällen wegen schlechten Besuchs der Veranstaltung fand teilweise Ge» nehmigung, die Steuer wurde um die Hälfte ermäßigt. Abermals verhandelt wurde über die Baufluchtlinie in dem Heegweg, die 1926 vom Gemeinderat beanstandet und damals schon Umlegung beantragt wurde. Nachdem in der vorigen Sitzung dieser Beschluß aus dem Jahr 1926 einstimmig gutgeheißen worden war, wurde auf Antrag einiger Interessenten erneut über die Angelegenheit beraten und der Beschluß von 1926, bzw. aus der letzten Sitzung, mit 6 gegen 5 Stimmen (bei Stimmenthaltung des Bürgermeisters) bestätigt. Den Anliegern auf der Nordseite der Straße sollen die Anlagen von Vorgärten erlassen werden.

Lollar, 23. März. Am Samstag führte im Saale derLinde" in einem stark besuchten Elternabend unsere Handarbeitslehrerin, Fräulein Weimar, in fein ausgedachter Weise die im Lause des Schuljahres hergestellten Handarbeiten vor. Nachdnn Reltor Da ab auf die hohe Bedeutung dieses Unterrichtszweiges für Haus und Familie hingewiesen hatte, brachten die Handarbeitsschuljahre der Volks- und Fortbildungsschule in von Frl. Weimar selbst gedichteten Szenen, wie die drei Zeit­alter, Großmutter, Mutter und Kind, dem Kaffee­klatsch, und in verschiedenen Reigen mit Passen­den Verschen die mit viel Fleiß, Geschick und Liebe gemachten Sachen zur Vorführung, gaben über die Herstellung theoretische Erklärungen und versuchten durch humorvolle Bemerkungen die dem modernen Handarbeitsunterricht noch Fernstehen­den zu gewinnen. Die Darbietungen, eine leben­dige Ausstellung, zeigten in anschaulicher Weise, daß dieser Unterstützungszweig voll und ganz arbeitsschulgemäß betrieben wird. Das Bild, das den zusammenhängenden Aufbau vom ersten Handarbeitsschuljahr bis in die Fortbildungs­schule zeigte, ließ klar erkennen, wie wertvoll es ist, daß der Handarbeitsunterricht in unserer Volks- und Fortbildungsschule in ein und der­selben geschulten Hand liegt. Fräulein Ilse Jakobi fang noch mit schön geschultem Sopran einige Lieder. Zwischen den Vorführungen brachte ein Schülerchor unter Leitung von Rektor D a a b fragte:Willst du nicht einen nehmen?" Lind er nannte gerade die kleine Münze des Kindes, die er dafür haben wollte.

Cs war dem Kind wie im Märchen, daß es eine solche leuchtende Wunderkugel bekommen sollte. Es gab sein Geld hin und wollte gern den roten Luftballon, der eben am nächsten von allen dem Himmel schwebte. Der Mann suchte ihn heraus und legte den weißen Faden, an dem er befestigt war, in einer Schlinge sorglich um die kleine Hand. Das Kind wunderte sich, wie leicht der Ball war, und nun, da er so nah über ihm schwebte, war er noch größer und strahlender geworden und ging mit, hoch über feinem Kopf, als es nun ging, mitten durch die Menge, wie verzaubert. Andere Kinder, die ihr Geld schon längst in den Buden gelassen hatten und nun voll Neid dem Kauf des Luftballons zugesehen hatten, drängten sich hinter ihm her.

So ging das Kind aus dem Bereich der Buden hinaus auf die freie Wiese. Dort lief es, und sein Luftballon flog hoch über ihm mit, oder es holte ihn herunter und hielt die körperlose strah­lende Kugel in den Händen und fühlte, wie sie von ihm fort wieder in die Luft hinauf drängte. Dann ließ es sie wieder frei und hielt das weiße Fädchen fest, so fest denn wenn es das los­ließe das wäre nicht auszudenken an Jammer.

Mit einem Male schwebte der weihe Faden mit der Schlinge über ihm über feinem Kopf, hatte es doch losgelassen? Cs wollte schnell nach der Schlinge greifen, da war sie schon so hoch, daß es he nicht mehr erreichen konnte. Die Kinder alle schrien. Die großen sprangen hinauf nach dem Fädchen, aber keines konnte es mehr fassen, denn die rote Kugel stieg und stieg, leicht und schwebend, unaufhaltsam in den blauen Himmel hinauf. Die Kinder sahen ihr nach, schrien noch eine Weile und liefen dann zu den bunten Buden zurück.

So war das Kind, das erst von einer lauten Schar umringt gewesen war, plötzlich allein auf der Wiese. Vs konnte seinen Luftballon noch sehen, noch immer strahlend, immer kleiner und kleiner, unerreichbar fern. Es hatte ihn nach Hause nehmen wollen, an seinen Stuhl festbin- den bei Tag und an feinem Bett des Nachts. Cs würde dann aus dem Kissen hinterwärts nach ihm langen, um zu fühlen, daß er noch ia

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Volkslieder zu Gehör. In seinem Schluhtoort dankte Rektor Saab der Veranstalterin für ihre aufopfernde Mühe.

8 Saubringen, 27. März. Die schlimmen Folgen des harten Winters machen sich immer noch bemerkbar. Eine ganze Reche von Wasser­leitungsanschlüssen sind noch zuge­froren. In den letzten Tagen versuchten einige Einwohner, durch Aufgraben und Auftauen die Wasserzufuhr wieder in Ordnung zu bringen, was auch nach vieler Mühe gelang. Besonders hart betroffen find die Anwohner der neuen Steinstraße. Linser Dorf ist noch nicht durch- kanalisiert. Daß es eine Notwendigkeit wäre, I wenigstens die Hauvtstraße zu kanalisieren, be- I weist ihr Zustand in der letzten Zeit. Das Haupt­abflußrohr am Svrihenhaus war vollständig ver­eist, fo daß tagelang das sich immer mehr sam­melnde Wasser die Straße überquerte, um im gegenüberliegenden Graben abzufkießen. Nach an­gestrengter Arbeit konnte das Eis aus dem Rohr entfernt und somit den Wafsermengen der nor­male Weg wieder frei gemacht werden. Im Laufe dieses Jahres scheint die Bautätig­keit wieder recht rege zu werden. Eine Anzcchl Bauluftige hat bereits die Zusage von verbil­ligtem staatlichen Daudarlehen erhalten. Die er­sten Bauplätze an der neuen Baulinie der Wald» strahe und Altenbusecker Straße sind in der jüng­sten Gemeinderatssihung vergeben worden, und zwar pro Geviertmeter zu 2 und 1,50 Mk.

cf Allendorf a. d. Lda., 25. März. Zu der durch die Stadt abgehaltenen Bauholzsub­

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schnitte, Güteklasse N: Cichenstämme: 2. Klasse 50.44 Mark. 4. Klasse 50.44 Mark, Güteklasse A, Eichenstämme 4. Kl. 91.32 Mk.. 5. Kl. 91.32 Mk.. B Langholz und Abschnitte: Güteklasse N, Lär­chenstämme Klasse 1 b 18.25 Mk., Klasse 2 a 22.55 Mk, Klasse 2 b 25.25 Mk., Kiefernstämme: Klasse 1 b 17.85 Mk., Klasse 2a 22.55 Mk.. Kl. 2 b 24.55 Mk.. Klasse 3 a 31.05 Mk.. Klasse 3 b 34.55 Mk.; Güteklasse A: Kiefernstämme, Klasse 3a 38.05 Mk., Klasse 3b 42.25 Mk.: Güteklasse N: Fichtenstämme. Klasse 1 a 22.65 Mk., Klasse 1 b 24.85 Mk., Klasse 2a 25.55 Mk.. Klasse 2b 26.05 Mk., Klasse 3b 30.05 Mk., Klasse 4a 31.05 Mk.; Güteklasse F: Fichtenstämme, Klasse 1 b 21.97 Mk., Klasse 2 a 16.55 Mk., Klasse 2 b 18.85 Mk., Klasse 3a 21.05 Mk., Klasse 3b 25.05 Mark. Bei der Wahl eines Vertrauensman­nes zur Landwirtschaftskammer für den Bezirk Allendorf/LumdaClimbach wurde an Stelle des zurückgetretenen Johannes Rols- hausen der Landwirt Christoph Wallen­fels von hier gewählt. Nachdem der strenge Winter glücklicherweise fast spurlos an dem Was- serleitungs-Hauptrohrneh unserer Stadt vorüber­gegangen ist, stellen sich, nachdem der Erdboden soweit aufgetaut, an den Zuleitungen zu den Gebäuden zahlreiche Rohrbrüche heraus, mit deren Beseitigung man zur Zeit eifrig be­schäftigt ist.

r. Allertshausen, 27. März. Bei der hie­sigen Holzsubmission wurden 19 Angebote abgegeben. Es wurden folgende Zuschläge er­teilt: Kiefernstämme: Ia°Kl. 19,97 Mk., lb-Kl. 20,97 Mk.. ila-Kl. 21.10 Mk., Hb-Kl. 24,50 Mk.,

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Illa-Kl. 31,60 Mk., IVa-Kl. 44,05 Mk.; Fichten- stamme: la-Kl. 23.97 Mk., Ib-Kl. 2597 Mk., Ila- Kl. 27,46 Mk., IIb»Kl. 29,40 Mk., Illa-Kl. 33 65 Mk., Illb-Kl. 40,60 Mk., IVb-Kl. 42 15 Mk.

* Beuern, 26. März. In der Gastwirtschaft des Mitgliedes Albert Ranft hielt am Samsta ] der hiesige Spar-undVorschuhverein H seine diesjährige Generalversammlung ab. Rach Eröffnung durch den Direktor A - n o l d erstattete der Rechner Linden st ru h Bericht über den Geschäft verkehr und gab :e Iahresrechnung für das abgelaufene 3ajr 1028 bekannt, die eine starke Auswärt entwicklung ; :r Kasse barlegte. Der Sparverkehr hat sich i.n abgelaufenen Jahre gut entwickelt, die gcfamlcn Spareinlagen betrugen am Ende des Jahres 163 000 Mark, der Gesamtumsatz ergab die Summe von 500 000 Mark. An Reingewinn wurden 2562 Mk. nachgewiesen, der zum Teil dem Re­servefonds und der Detriebsrücklage zugesch.ie- ben wurde. Der Geschäftsanteil der Mitglieder wurde mit 1^ Prozent Dividende verzinst. Nach wertvollen Erläuterungen zu dem Geschäftsbericht durch den Vorstand wurde diesem Entlastung er­teilt und der Dank für die umsichtige Leitung der Geschäfte ausgesprochen. Die alten Spar­einlagen wurden mit 15 Prozent aufgewertet und

ist, und beim Erwachen im ersten Morgenlicht ihn grüßen und ihm zunicken: Du darfst heut fliegen an deinem Fädchen.

Lind jetzt war das alles zu Ende. Er war nicht bei ihm geblieben. Der Himmel war fein hohes, blaues Haus, in das ging er hinein. Schluch­zen schüttelte das Kind, ÜnD etwas war doch schön. Etwas war noch immer schön.

Das Kind begriff es nicht, daß es in einem kleinen Bild das Geschehen der Welt erlebt hatte. Daß nach der gleichen Ordnung die Sterne ihre Bahnen gingen und zum Weisen seine Weis­heit kam, und es selber sich zu seiner Mutter flüchten wird, ihr alles zu erzählen.

Der Luftballon war nicht mehr sichtbar. Das Kind lag weinend im Gras. Cs konnte es nur dunkel fühlen: das Schönste war, wie er in feinen Himmel ging.

Hochschulnackrichten.

Der durch die Emeritierung des Geh. Hofrates Prof. Dr. Carl Neumann an der Üniücrfität Heidelberg freigewordene Lehrstuhl für neuere Kunstgeschichte ist zum 1. Oktober 1929 Prof. Dr. Hans I a n tz e n an der Universität Freiburg i.B. angeboten worden. Es ha­ben Rufe angenommen: Pros. Lic. Dr. Joachim Jeremias an Der Llniversität Berlin auf den Lehrstuhl Der Neutestamentlichen Theologie in Greifswald als Nachfolger von Prof. Julius Schniewind, Der Heidelberger Pri» vatdozent Dr. Percy Ernst Schramm auf Den Lehrstuhl Der mittleren Geschichte in Göttin­gen als Nachfolger von Prof. Andreas Walther, und Prof. Dr. M. Wertheimer von der Llniversität Berlin auf Den Lehrstuhl der Psy« chiologie in Frankfurt als Nachfolger von Pros. Friedrich Schumann.

Der außerordentliche Professor für römisches Recht, antik Rechtsgeschichte und Papyrologie an der Wiener Llniversität Dr. jur. et phil, Ernst Schönbauer ist zum ordent.ichen Pro­fessor ebenda ernannt worden. Die Ernennung des Professors D. Dr. Hans Windisch von der Llniversität Leiden (Holland) zum ordent­lichen Professor der neutestamentlichen Theologie an Der Llniversität Kiel als Nachfolger des verstorbenen Prof. Julius Kögel ist erfolgt

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