Nr. 502 Zweites Blatt
Gletzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
§re!tag, 27. Dezember (929
Tumen, Sport und Spiel.
Spielvereinigung 1900 Gießen.
ö. Die "Begegnung der Ligamannschaft mit dem 1, Fußballklub 1902 Frankfurt a. M.-Rödelheim am gestrigen zweiten Feiertag fiel buchstäblich ins Wasser. Da schon am ersten Feiertag wegen Spiclunfähigkeit des Sportplatzes an der Liebigshöhe das angesehte Gesellschaftsspiel der Ligarcserve gegen den Sportverein Corbach auf den Heuchelheimer Sportplatz verlegt werden mußte, lehnte der Liga-Spielführer das Spiel auf dem vereisten und überschwemmten Platz ab, so das; sich die Spielleitung 1900’8 in letzter Stunde zu einer Absage an den verpflichteten Gegner entschließen muhte.
Das Spiel der Ligareserve gegen Corbach endete 2:3 (Halbzeit 2:2). Die Gäste verdanken den verdienten Sieg ihrem überragenden Mittelläufer. — Die gesamte Einnahme stiftete man für die mit einem Auto verunglückte Fußballmannschaft aus Eichenzell bei Lauterbach. — Schiedsrichter Philipp, Grotzen-Dufeck, leitete zufriedenstellend.
Am kommenden Sonntag steigt nunmehr eins der bedeutendsten Spiele um die Lahnkreismeisterschaft.
Germania Marburg — 1900 Gießen stehen sich hier auf dem 1900-SportPlah im Kampf um die Punkte gegenüber. Beide Mannschaften stehen relativ (nach ausgetragenen Spielen und dabei erzielten Gewinnpunkten gerechnet) punktgleich. Der Sieger aus dem jetzigen Spiel wird einen Vorsprung gewinnen, der bei den nur noch ausstehenden wenigen Spielen doppelt wiegt. Beiderseits wird man daher versuchen, die stärkste Vertretung auf die Beine zu bringen. Das wird für die Marburger leichter sein, als für die Einheimischen, da die Gießener Studenten zur Zeit in Urlaub weilen und deren Mitwirkung in Frage steht. Die Germanen spielen immer mit verblüffender Schnelligkeit, der schußkräftige Sturm ist wohl der gefährlichste im Lohnkreis. Sn aller Erinnerung ist noch der 3:2-Sieg der Marburger über den hiesigen V. f. B. nach einem spannenden Spielverlauf. Um so überraschender wirkte dann die Nachricht vom 3:2-Sieg 1900'8 über Germania in Marburg. Mit den Leistungen der Dlauweißen kann man nicht so ganz zufrieden sein. Auswärts wurden bis dato alle Spiele gewonnen, während man auf eigenem Platz in vier Spielen drei Niederlagen einstecken mußte. Man erwartet, daß sich die zur Vertretung auserwählten Hiesigen mit ganzem Können und Ehrgeiz für diese wichtige Vorentscheidung einsehen, wenn man auch von vornherein den wendigeren Gästen ein kleines Plus zusprechen muh.
Während 1900’8 Reserve- und dritte Mannschaft verbandsspielfrei sind, tritt die vierte der gleichen des Lokalgegners entgegen. Das Treffen findet auf dem Waldsportplatz statt. Der Sieger ist nicht vorauszusagen, wenn auch die durchweg älteren Spieler des Platzvereins die größere Wettspielerfahrung besitzen sollten.
V. f. B.
Während die Ligamannschaft am kommenden Sonntag i^ielfrei ist, tragen die übrigen Mannschaften Verbandsspiele aus. Die Zweite steht im letzten Kampf um die Punkte der gleichen des V. f. R. Butzbach auf dortigem Platze gegenüber. Das Vorspiel gewann D. f. D. auf hiesigem Platz überlegen mit 4:0. Allerdings scheint er damals doch in besserer Form gewesen zu sein als zur Zeit. Die inzwischen absolvierten Punktspiele gaben wenig günstige Resultate. Zwar wurde noch gegen die Gießener Spielvereinigung mit 4:2 gewonnen, gegen Nieder- Girmes jedoch ging durch ein 2.2 ein, gegen den Wetzlarer Sportverein durch eine 0:4-Niederlage sogar beide Punkte verloren. Wenn die V. f. B.- Elf die Meisterschaft ihrer Gruppe erringen will, muß sie das Spiel und damit beite Punkte gewinnen. Sn Anbetracht der Bedeutung des Ausgangs wird sie natürlich alles daransehen, zum gewünschten Erfolg zu kommen. Sie hat im V. f. R. Butzbach einen nicht zu unterschätzenden Gegner, zumal dieser den Vorteil des eigenen
Platzes hat, und muß deshalb in bester Besetzung antreten und vor al.em etwas mehr Kampfgeist aufbringen als bisher, wenn sie den Sieg mit nach Hause nehmen will.
Auch die dritte Mannschaft muh zum Verbandsspiel nach auswärts, und zwar zum V. f. R. Lich. Sie hat ebenfalls in letzter Zeit etwas nachgelassen, wie die 1:3-Niederlage gegen Steinbach und das Hnentschieden (0:0) gegen die Spielvereinigung zeigen. Sie muß sehr darauf bedacht sein, die noch ausstehenden Spiele zu gewinnen, wenn sie Meister werden will. Das Vorspiel gegen Lich gewann sie mit 2:0. Der Ausgang des Treffens ist ungewiß.
Auf eigenem Platz hat die vierte Mannschaft die gl:iche der Sp e Vereinigung im fälligen Verbandsspiel zum ®egncr. i^j.e Gruppe ist mit der Austragung der Punktlämpfe noch stark im Rückstand und hat die Vorrunde noch nicht beendet. Die beiden Treffen gegen Steinbach H und Großen-Buseck II gewann die V. f. B.-Els mit 9:0 bzw. 5:1. Gegen Bieber verlor sie, allerdings im Gesellschaftsspiel, überraschend mit 0:2. Wie sie gegen ihren Lokalgegner abschneiden wird, ist nicht vorauszusagen. — Am 2. Weihnachtsfeiertag hatte sich die vierte Mannschaft die erste Garbenheims zu einem Gesellschaftsspiel nach hier verpflichtet. V. f. B. war den Gästen weitaus überlegen und gewann mit dem ungewöhnlich hohen Resultat von 16:3.
Tschechischer Landesmeister schlägt Kassels Statielf.
Stadtelf Kassel - DSC. Prag 0:4 (0:1).
Der Amateur-Landesmeister der Tschechen, der DFC. Prag, stellte auch in Kassel sein vorzügliches Können unter Beweis. Die Gäste verstanden es, durch ihr weitmaschiges, präzis genaues Kombinationsspiel das Treffen in der zweiten Halbzeit überlegen zu gestalten und kamen zu vier Treffern, denen die Kasselaner, bei welchen sich der Torwart und der internationale Verteidiger Weber besonders hervortaten, nicht einmal den Chrentreffer gegenüberstellen konnten, obwohl auch sie in der ersten Spielhälfte Torchancen hatten.
Deutscher Fußballsieg in Südfrankreich.
2l.S. Cannes — Eintracht Frankfurt 1:2 (0:1).
Einen bedeutsamen Erfolg erfocht die Elf der Frankfurter Eintracht am ersten Feiertag auf ihrer Frankreichreise, indem sie den (spielstarken AS. Cannes verdient mit 2:1 Toren schlug. Die Eintracht hätte wesentlich höher gewinnen können, wenn sich ihr nicht in der vorzüglichen Abwehr der Gäste, in der der internationale Torwart des französischen Nationalteams eine überragende Partie lieferte, ein unüberwindliches Hindernis in den Weg gestellt hätte. Die Deutschen führten durch zwei Treffer von «Kelle r h o f f und T r u m p l e r bis zur letzten Minute mit 2:u, als dem Halblinken der Franzosen ein Durchbruch glückte, der den Gastgebern das Ehrentor einbrachte. Die Frankfurter wurden sehr Seundlich ausgenommen und hinterließen den
ar besten Eindruck.
Arbeiter Turn- und Sportbund.
Dicseck I — Heuchelheim I 4:0.
Zu einem Gesellschaftsspiel trafen sich beide Mannschaften am Sonntag in Wieseck. Dem Hn- partciischen stellte sich Heuchelheim vorerst nur mit 10 Mann, während Wieseck mit zwei Mann Ersah antrat. Der Spielbeginn brachte ein flottes Feldspiel. Beide Tore kamen öfters in gefährliche Bedrängnis. Wieseck wurde dann im Sturm besser und erzielte vor dem Tor der Gäste gefährliche Momente. Sn der Mitte der ersten Halbzeit brachte ihm dann ein flacher Schuß die Führung. Inzwischen hatte sich Heuchelheim durch einen Ersatzspieler vervollständigt. Dis Halbzeit folgt nun weiter offenes Spiel, dos außer einigen Ecken nichts einbrachte. Nach Wechsel drückte Wieseck etwas. Bald erhöhte es seine Torzahl auf 2:0. Heuchelheim versuchte mit aller Macht zu Erfolgen zu kommen, doch das Schlußrriv der Wiesecker verhindert jeden Erfolg. Aus einer
Das Erbe des Herrn von Anstetisrr.
Vornan von L. Gchneider-Foersil.
Hrheber-Rechtsschutz durch
Verlag Oskar Meister, Werdau t Sa.
35. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Don den Eltern vergöttert und von dem großen Bruder und Chatten maßlos verwöhnt, entwickelte er sich doch als ein braves, folgsames Kind, das nur selten der Strafe und des Zankes bedurfte. Und als er das erstemal in Hosen und blauem Matrosenkittel an Bernds Hand nach dem Gutshofe ging, konnte Brunhilde nicht umhin, lächelnd zu bemerken: „Lind wenn wir noch ein Dutzend Söhne bekämen, sie würden doch alle sein wie du! — — Sieh nur, wie ähnlich sie sich sind! Wenn nicht der große Altersunterschied bestünde, würde man sie so wenig auseinanderhalten können, wie dich und Günther."
Der Baron, welcher hinter ihr gestanden hatte, nickte nur und verlieh eilig seinen Platz am Fenster, damit die geliebte Frau wenigstens für den Moment sein Gesicht nicht zu sehen ber- mochte.
Die Ernte war unter Dach, die Gäste, die man den Sommer über geladen hatte, abgereift, im Park vergilbten die Farben und Bernd rüstete sich wieder, nach Wien an die Schule zurückzugehen, als dem Baron ein Herr gemeldet wurde, der um eine kurze Unterredung bitten ließ-
Die Visitenkarte, welche ihm Friedrich überreichte, veranlaßte ihn zu einem Kopfschütteln. Der Name war ihm völlig unbekannt.
Dr. Sohn Sethland.
JSr wußte absolut nichts damit anzufangen. „Führen Sie den Herrn in mein Empfangszimmer, >ch komme sofort. Sst Shnen das Gesicht irgendwie in Erinnerung, Friedrich?"
„Dein, Herr Baron."
Als er fünf Minuten später in den großen Salon trat, hob sich ein Herr aus einem der Stühle und kam ihm einige Schritte entgegen: „Dr. Sethland."
„Qlnftetten. Darf ich bitten!" Er zeigte auf den Stuhl, den der Fremde zuvor innegehabt hatte und lieh sich ihm gegenüber nieder. „Womit kann ich Shnen dienen?"
„Sie Sache ist etwas komplizierter Natur, Herr Baron," kam es überlegend, „aber Sie sind schliehlich der einzige, der in diesem Falle sicherste Auskunft zu geben vermag. Es handelt sich um Shren Vetter, den Baron Günther."
„Hm Günther?"
„Sa! Als Erklärung möchte ich vorausschicken, daß ich von der englischen Behörde in Benares beauftragt bin, nach dem Baron zu forschen. Man vermutet nämlich, dah er einem Verbrechen zum Opfer fiel.“
„Einem Verbrechen?"
„Sa. Hnd zwar soll er durch seinen Diener Akab beiseitegeschasst worden sein."
„Durch Akab," fuhr Anstetten auf.
„Eben durch diesen, Herr Baron. Der Hindu leugnet zwar, aber er hat sich nachgerade in ein solches Wirrsal von Widersprüchen verwickelt, dah die Annahme nicht mehr von der Hand zu weisen ist, dah er zum mindesten an der Sache beteiligt ist."
Anstetten fühlte, dah er von Sekunde zu Sekunde mehr an Farbe verlor. „Haben Sie denn Beweise, daß mein Detter nicht mehr am Leben weilt?"'
„Beweise nicht gerade, aber es ist doch schon auffallend genug, dah er seit Sahren aus Benares verschwand, ohne daß auch nur eine Seele von seinem Aufenthalt erfährt. Keiner seiner Freunde hat Nachricht von ihm bekommen. Sie wohl auch nicht, Herr Baron?"
„Nein."
„Sehen Sie! Ferner sind noch so verschiedene Verdachtsmomente hinzug: komm.n, die beinahe fehlerfreie Schlüsse ziehen lassen: Der Hindu hat — angeblich im Auftrag des Barons Günther — dessen Haus in Benares verkauft, das Geld auf der englischen Bank deponiert und so nach und nach beinahe die ganze Summe abgehoben. Er kann.nicht sagen, was er damit gemacht hat, das
Reihe von Eckbällen konnte Wieseck fein drittes Tor erzielen, dem es dann kurz vor Schluß das vierte folgen lieh, um mit 4:0 als verdienter Sieger das Feld zu verlassen.
Vorher spielte
wieseck Ib — Staufenberg I.
Auch hier waren die Wiesecker die besseren. Bereits nach wenigen Minuten hatte Wieseck eine ganze Reihe Eckbälle erzielt, die jedoch alle abgewehrt wurden. "Bald gelang es ihm jedoch, durch die zahlreiche Abw:hr 5um Führungstor zu kommen, dem Staufenberg durch einen Elfmeter den Ausgleich entgegensetzte. Nach Halbzeit drückte Wieseck mehr und mehr und erzielte außer einigen Ecken in gleichmäßigen Abständen noch acht Tore, so dah es bei Schluh mit einem 9:1-Resultat als Sieger den Platz verlieh.
Lollar I — Naunheim I 3:2.
Zu einem Freundschaftsspiel trafen sich obige Mannschaften in Lollar. Nach Anstoß entwickelte sich ein flottes Sp'el. Beide Tore kamen öfters in Bedrängnis, und öfters mußten die Schlußmänner auf beiden Seiten rettend eingreifen. Nach durchweg offenem und schönen Spiele mußte sich der neue Be- zirksmeifter mit obigem Resultat geschlagen bekennen. Wieseck I — Dallspielverein 1929 Frankfurt a. 211. 2:1.
Am ersten Weihnachtsfeiertag hatte sich Wieseck den Gegner aus Frankfurt verpflichtet. Auf vereistem und nassen Spielfelde traten sich beide Gegner gegenüber. Nach Anstoß entwickelte sich ein flottes Spiel, doch ließen die Platzverhältnisse ein präzises Spiel nichts zu. Frankfurt kam durch einen laschen Ball zum Führungstor. Außer einigen Ecken wurde auf beiden Seiten vorerst nichts mehr erreicht. Nach Seitenwechsel war Wieseck etwas im Vorteil. Eine Reihe von Eckbällen war die Ausbeute, bis es ihm gelang, den Ausgleich zu erzielen. Frankfurt versuchte nun mit aller Macht, zu Erfolgen zu kommen, konnte jedoch nichts erreichen, während es Wieseck gelang, das Resultat auf zwei zu erhöhen. Trotz aller Anstrengungen konnten beide Parteien nichts mehr an dem Resultat ändern.
Vorher spielten die Jugendmannschaften beider Vereine. Hier konnte die mit großem Eifer spielende Jugend Wiesecks ihren Gast mit einer 3:0-Niederlage abfertigen.
Oberhessen.
Landkreis Gicsren.
CO Klein-Linden, 25. Dez. Dieser Tage fand in unserer Kirche die Weihnachtsfeier der hiesigenKleinkindersa)ule statt. Erwartungsvoll zogen die Kleinen strahlenden Auges in die Kirche ein, wo ihnen der brennende Christbaum entgegenleuchtete. Den Erwachsenen bereiteten sie mit dem Erzählen der Weihnachtsgeschichte und dem Gesang der alten Weihnachtslieder eine besondere Freude. Die ganze Feier, mit viel Liebe und Sorgfalt von Schwester Lydia vorbereitet, fand allseitige Anerkennung. Sedem Kind konnte eine Tüte mit Gebäck und ein schönes Weihnachtsgeschenk überreicht werden. Eine Ortssammlung zu diesem Zweck hatte den stattlichen Betrag von 181.75 Mk. ergeben. Die Kollekte am Schluß der Feier ergab 9.75 Mk. — Sm Anschluß an diese Weihnachtsfeier versammelten sich die Mitglieder des Kindergottesdienstes mit ihren Helferinnen ebenfalls in der Kirche, um ihre Weihnachtsfeier vorzunehmen. Zwei- und dreistimmige Sugendchöre und die messianischen Weissagungen, von Knaben und Mädchen vorgetragen, erfreuten alt und jung. Am Schluß konnte jedem Kind eine kleine Weihnachtsgabe überreicht werden.
* Alten-Duseck, 26. Dez. Am Sonntagnachmittag fand im Anstaltssaale die We i h - nachtsfeier für unsere Kleiykinder- schule statt, an der diesmal nicht nur, wie sonst, die Mütter, sondern auch eine größere Anzahl von Vätern teilnahmen. Die Schar der Kleinen, um den brennenden Christbaum versammelt, zeigte in ihren Darbietungen, daß sie von Schwester D e r t h a in kindlich-anschaulicher Weise in das Verständnis der Weihnachtsgeschichte eingeführt worden war. Am Schluß der Feier, die in allen Teilen eine sehr sorgfältige Vorbereitung erkennen ließ, erhielt jedes Kind ein hübsches Geschenk. Am Abend hatte im selben Raum der Frauenverein seine
heißt, er will sich eben nicht noch mehr belasten und schweigt darüber. Den Bungalow in Dardschi- ling will er von dem Baron zum Gc schenk erhalten haben. Aber irgendein Schriftstück darüber oder eine Schenkungsurkunde oder sonst etwas Dokumentarisches kann er nicht vorzeigen. Natürlich nicht! — Man hat ihn vorläufig noch auf freiem Fuß gelassen — das heißt, möglicherweise ist er in der Zwischenzeit schon hinter Schloß und Riegel gesetzt worden."
„Sa, nicht wahr, es ist kaum glaublich. Aber zuweilen täuscht man sich auch in dem Besten. Er macht sonst keinen schlechten Eindruck. Aber das verfluchte Geld! — Shr Vetter scheint sehr reich gewesen zu fein! Das hat ihm wahrscheinlich in die Augen gestochen."
„Die Spur, die Sie da verfolgen, ist gänzlich falsch," stieß Anstetten heraus. „Sch glaube, daß mein Detter heute oder morgen wieder auftaucht."
„Glauben Sie?" Dr. Sethland maß ihn etwas mißtrauisch. „Gestatten Sie eine Frage, Herr Baron? Sie sollen sich doch so lächerlich ähnlich sehen, daß es sogar Shren nächsten Angehörigen nicht möglich ist, Sie von Ihrem Detter zu unterscheiden. — Stimmt daS?"
Anstetten vermochte nur zu nicken.
„Würden Sie, um der Wichtigkeit der Sache willen, sich entschließen können, nach Indien zu reisen, um dem Hindu gegenübergestellt zu werden?" Hnd als Anstetten ihn verständnislos onblickte, fuhr er weiter: „Leute wie Akab sind zuweilen von einer ganz eigenartigen Seelenkonstitution. Da Sie Ihrem Detter so ähnlich sehen, würde er vielleicht ein Geständnis ablegen."
„Unter keinen Umständen," fuhr Anstetten aus. „Zu derlei Machenschaften gebe ich mich nicht her."
„Schade!" Dr. Sethland hob sich aus dem Stuhl. „Würden Sie mir eventuell ein Bild Ihres Detters geben können? Die Behörden wollen einen Aufruf in den Zeitungen erlassen, daß Baron Günther sich meldet — falls es überhaupt noch möglich ist."
Irgend etwas warnte Anstetten, das Ansuchen des Fremden abzulehnen. Er bat um einige Minuten Geduld, bis er das gewünschte Photo aus feinem Zimmer geholt habe. Da er sich nicht
Weihnachtsfeier, die sich ebenfalls eines sehr starken Besuches erfreute, zumal, da leit Beginn dieses Winterhalbjahres sich noch eine Anzahl von Mitgliedern aus Trohe dem Dcr^> ein angeschlossen haben, und trotz des mitunter beschwerlichen Weges mit erfreulicher Regel- mähigkeit an den Abenden teilnahmen. Die Dor- bcreiiung dieser Deranstaltung, besonders auch der weihnachtlichen Ausschmückung, hatte Frau Pfarrer Hartmann übernommen, die dabei von jugendlichen Helferinnen unterstützt wurde. Gemeinsame Lieder, der Dvrtrag von "Adventsund Weihnachtsgedichten von Th. Köstlin, v. Wildenbruch. Trojan u. a. durch Töchter von Der- einsmllgliedern gaben der Veranstaltung den rechten festlichen Inhalt. Sn einer Ansprache des Ortspfarrers wurde die Bedeutung der Feier als eines Docllanges 5um Weihnachtsfest in das rechte Licht gestellt.
gck. G r 0 ß e n - D u s e ck, 26. Dez. Sm überfüllten Saale des Gastwirts Brück fand dieser Tage eine Abendunterhaltung der hiesigen Volksschule statt. Frl. Frey begrüßte die Erschienenen im Namen der beiden Hüter» klassen und forderte jedermann dazu auf, einmal bewußt Kind unter Kindern sein zu wollen, damit der Zweck, Freude zu erwecken und Freude zu erleben, erreicht werden könne. Sn zahlreichen Gedichten, kleinen Szenen und dem Märchenreigen „Sneewittchen" boten die Kinder eine Fülle des Heiteren und Ernsten. Mit großem Eifer und viel Geschick unterzogen sich die Kleinen der ihnen gestellten Aufgabe und erhielten ungeteilten Beifall. Wohl alle Anwesenden waren unter dem Eindrücke der vor ihnen auf- tretenden achtzig Kinder, der Zukunft so vieler Elternhäuser, erfaßt von dem Gefühl des Verbundenseins, und das war ja wohl der wertvollste Erfolg des Abends. Rektor Snbcr- tha 1 dankte den Kindern und den beiden Lehrkräften Frey und O r t w e i n, den Mitgliedern des Schulvorstandes für ihre Mühewaltung an der Kaffe, dem Gastwirt Drück für die uneigennützige Heberlassung des Saales und vor allem den so überaus zahlreich Erschienenen und dem Posaunenchor. Dieser hatte unter Leitung von Pfarrer K a l b h e n n, sich feinfühlig dem Hnter- haltungsplane anpassend, durch eine Anzahl schön vorgetragener Musikstücke wesentlich zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen.
Y M ainzlar, 25.Dez. Dieser Tage hielt Landwirtschaftslehrer Dr. D 0 ch e t (Grünberg) in der Gastwirtschaft von Heinrich Vogel IV. einen sehr lehrreichen Vortrag überzeit- gemäße Düngung. Der Redner behandelte besonders die Wiesendüngung und zeigte an Hand von Beispielen die richtige und falsche Anwendung der Dünger. Sn der Aussprache, welche sich an den Dortrag anschloß, wurden die von den Landwirten gestellten Fragen fachgemäß beantwortet. Sn Anbetracht der interessanten Ausführungen des Dortragenden hätte man der Versammlung einen stärkeren Besuch wünschen können. — liniere erste und zweite Schulklasse hielten ihre gemeinsame "Weihnachtsfeier bei brennendem Christbaume im Schulsaale der ersten Klasse ab. Rach einleitenden Worten der Lehrer Nikolai und Weisel trugen die Kinder mehrere schöne Weihnachtslieder und Gedichte vor. Diel Bewunderung erregte eine Krippendarstellung, welche die Geburt Sefu versinnbildlichte.
L Dau bringen, 26. Dez. Am Samstagabend sand die Generalversammlung der Freiwilligen Feuerwehr für das nun abschließende Jahr statt. Der 1. Kommandant Braun erstattete den Jahresbericht. Die Wehr besteht aus 48 aktiven und 31 passiven Mitgliedern. Wegen des dauernden Wassermangels konnten leider nicht soviel Hebungen erfolgen, wie die Wehr es gewünscht hatte. Rechner A l - bad? erstattete die Rechnungsablage. Für seine mustergültige Arbeit wurde ihm Anerkennung und Entlastung erteilt. Die Zugführer wurden einstimmig wiedergewählt. Sm Laufe des Winters soll ein Familienabend stattfinden, an dem Lehrer Henkel einen Lichtbildervortrag halten wird. — Am Sonntag war in der Kleinkinderschule Descherabend. Der Saal war von Eltern und Freunden der Schule dicht gefüllt. Hnter Führung der Schwester kamen die Kleinen in langem Zuge in den Saal, das Liedchen singend: „Ihr Kinderlein kommet." Dann
mehr umwandte, konnte er den eigentümlichen Blick, mit dem Dr. Sethland ihm nachsah, nicht gewahren.
Der Engländer blickte nachdenklich vor sich hin: Sonderbar! Irgendwie bestanden da Zusammen- hänge zwischen dem verschwundenen Baron, dem Hindu und Baron Hans Peter, dem Besitzer von Anstetten. Irgendwo kreuzten sich hier die Fäden, die er bis jetzt nur lose in den Fingern hielt. Der Baron war unsicher! Sehr unsicher sogar! — Sollte er? —
Gott, wohin sich die Gedanken gleich verirrten, wenn man anfing, Schlüsse zu ziehen und Netze um einen Menschen zu spinnen! Wenn er zurückkam, würde er ihn über sein Verhältnis zu dem Detter ausforschen.. Sie sollten wie Brüder zusammengelebt haben. Seit den Kindertagen eins in ihrem Tun und Wollen, bis dann Hans Peter eine Frau heim- sührte, was den Derschwundenen nach Indien trieb. Schliehlich war das ja nicht zu verdenken.' Junge Eheleute wollten allein sein.
„Entschuldigen Sie, wenn es etwas lange gedauert hat," sagte der Baron, der von rückwärts durch die weiße Schiebetüre kam „Ich fand nur dieses eine Bild." Er reichte dem Detektiv ein kleines, nicht sonderlich scharf ent- wickeltes Photo, das einen Mann in der Mitte der Dreißiger zeigte, und zwar nur im Profil.
„Ein anderes besitzen Sie nicht, Herr Baron?" „Nein."
„Es tut mir aufrichtig leid, aber es muß genügen.“ Hnd ihn von der Seite betrachtend, setzte er hinzu: „Es könnte geradesogut Ihr Eigenblld sein, Herr Baron. Sie haben sicher auch in psychischer Hinsicht übe reingestimmt?"
„Vollkommen!"
„Haben Sie sich nie Gedanken gemacht, daß Ihr Detter sich so auffallend lange in Schweigen hüllt?"
„Eigentlich nicht!" — Der Mensch bringt mich noch zum Wahnsinn, dachte Anstetten und Uetz seine Augen auf der Laokoongruppe haften, die auf einem mächtigen Marmorsockel Placiert trat. „Wann wollen Sie die Aufrufe in die Zeitungen geben?"
„Seht sofort, und zwar in alle Tagesblatter des Sn- und Auslandes." (Fortsetzung folgt)


