Samstag, 27. M1929
Nr. 174 Zweites Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
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Pnekdoten um possart.
Mitgeteilt von Carl Erich Gleye.
Der große Schauspieler Ernst von P o s s a r t soll kein ganz bequemer Ehegatte gewesen sein, jedenfalls wird seine Frau ihre guten Gründe gehabt haben, als sie sich von ihm trennte. Nachdem dieser Schritt getan war, sah man eines Tages im Schaufenster der ersten Blumenhandlung Münchens einen riesigen Lorbeerkranz, auf dessen Schleife die Inschrift prangte: „Meinem treuen Weibe in Dankbarkeit von ihrem Ernst.'
Nach einer Reihe von Jahren faßte Possart den Entschluß, sich wieder mit seiner Gattin zu vereinigen. Für Feier dieses Ereignisses gab er seinen Intimen ein Festessen, bei dem er natürlich auf seine Gattin eine Rede hielt. Er schilderte ihre Vorzüge und Verdienste, welche sie sich um ihn erworben hatte, und schloß, mit einer großartigen Geste auf die Dulderin weisend: „Lind solch ein Waip konnte ich verlassen!"
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Zur Rekordfahrt der „Bremen".
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Kinderspielplatz.
Von Max Hayek.
Ein Teil des Parkes ist der Spielplatz der Kinder. Ein Sandhügel erhebt sich in ferner Mitte von ein paar Latten umgrenzt, und das ist nun das Geviert, wo die kleine Welt ihrer besonderen Beschäftigung mit der Andacht erster Kindheit ergeben ist. Im weiten Rund säumen Dänle den Platz, auf denen Mütter oder Väter oder Geschwister oder sonst Menschen srhen, rn deren Obhut die Kinder gegeben sind.
Wer auf seinem Spaziergang durch den Pa^ auf einer der Bänke des Kinderspielplatzes sich niederläßt, um das Schauspiel dieser jüngsten Schausvieler der Lebensbühne zu betrachten, wird hier wie kaum an anderem Ort vom Problem des Menschen ergriffen und bis zur Verlorenheit in das Mysterium cingesponnen werden können.
Die neue Lebenswoge hat aus dem Llnbelann- l en LInbekannte hergetragen und auf diesen Sandhügel abgeseht, neue, besondere Geschöpfe mit besonderen. unergründlichen Anlagen und Charal- ieren, kleine, junge Menschen, die in ihrer Art schon die ganze geprägte Eigenart ihrer spateren Iahre zu offenbaren scheinen. Da Hoden sie nun auf der alten Mutter Erde herum und bauen Burgen oder graben Höhlen und füllen Eimer mit dem brödelnden Element, um es dann wieder hinzuschütten, tief und störungslos versonnen in ihr Tun. Der Geist in erster, keimender Regsamkeit, die Phantasie, der Wille in ersten Flügen und Versuchen. Schon ist das konstruktive Vermögen gegeben, schon der Sinn für Tektonik.
Sieht man diese Kinder näher an, möchte man meinen, sie seien fix und fertig h-rge!°mmen und vollenden nur, toaä vom ersten Tag thre« Erden, lebens in sie gelegt ist, Lnd tragen sie nicht schon ihre Schidsale und Berufe m den Gesichtern ^We^ßr" Menschenzügen zu lesen versaht, deutet hier mühelos Zukünfte. Da ist der Tomsker, de Beamte, der zahme Bürger, da der Musiker, der Dichter, das mathematische Genie. Da der Dumme und der Gewedte, der Gute und Dose, der Sanfte und Gewalttätige. Da der Feige, de Mutige, der Kapitalist und der J3rötet, der Zteihige und der Nichtstuer, der Ehrliche und
ter allen Umständen in der Frage der französischen Kontrollforderung für uns fordern.
Inzwischen legte der Reparationsagent seinen vorletzten Bericht, den sogenannten Zwischenbericht, über die ersten neun Monate dieses Reparationsjahres vor. Offensichtlich ist er in der Absicht geschrieben, keinerlei Schwierigkeiten zu machen und keine Diskussion aufzurühren. Er ist ganz konziliant, nicht so optimistisch wie der letzte Gesamtbericht, geht Grundproblemen unserer Wirtschaft nicht auf den Grund, begrüßt den Voungplan als „Gelegenheit zur endgültigen Regelung des Reparationsproblems" und ist auch in seiner Kritik an der deutschen Finanzgebarung zurüdhaltender als früher. Wir erkennen Herrn Gilbert weder als Richter noch als Kontrolleur über unsere Finanzgebarung an, aber in manchem, was er sachlich zu diesem Punkte sagt, hat er zweifellos recht.
Mit dem Abkommen zwischen Deutschland und Belgien in der Frage der belgischenMark- forderungen ist eine Forderung des neuen Sachverständigenplans erfüllt. Aber die Hauptsache ist und bleibt, daß es mit der ganzen politischen Konferenz so langsam vorwärtsgeht.
Inzwischen ist, seit Mai sich vorbereitend, in weiter Ferne eine Verwicklung ernsthaft geworden, die einen Teil der an der Konferenz interessierten Mächte noch stärker beansprucht, nämlich die russisch - japanische Spannung. Anlaß und Grund sind bekannt. Die Vermittlungsaktion sowohl Frankreichs wie der Vereinigten Staaten, in Fühlung miteinander, ist im Gange. Vom Völkerbund hört man noch nichts. Deutschland ist insofern be-
Zwischenbilanz in West und Ost.
Außenpolitische Umschau.
Von Dr.Otto Hoehsch, o. Prof, der Geschichte an der Universität Berlin, M. d. 5t
Am 20. Iuli hat nach erbitterter Aussprache und unter dramatischen Umständen die franko- sischeKammerdie lange umkämpften Schuldenabkommen mit Amerika und England ratifiziert. Es kam so. wie vorauszusehen, war: Ohne Vorbehalte mußte die Anerkennung der Schulden mit ihrer Rückzahlung in 62 Jahresraten ausgesprochen werden. Gewiß sind Vorbehalte der Kammer, noch dazu in Gesetzesform, angenommen worden, aber das hat international gar keine Bedeutung.
Damit ist nun ein sehr wesentlicher Schritt getan. Amerika steht an der Stelle, zu der seine Leiter kommen wollten, nämlich daß alle seine europäischen Schuldner formell ihre Verpflichtung en gegen Amerika anerkannten. Das fcit aber so lange gedauert, daß darüber doch die von Amerika immer abgewartete Verbindung zwischen der deutschen Reparation und den interalliierten Schulden im QZoungplan herbeigesührt worden ist. Nun ist es an Amerika, sich zu dieser Gesam'tlage einzustellen!
Nachdem Frankreich diese Entscheidung hinter sich hat, ist seine Lage günstig. Mit Meister- schast hat schließlich, nachdem Poincarß selbst seine Gesundheit an den Kampf gesetzt hatte, B r i a n d die Sache zu Ende gesteuert. Er, der 1926 mit Caillaux über diese Frage stürzte, zwang jetzt die Kammer, deutlich Ia oder Nein zu sagen. Er hat dabei irgendwelche Festlegung für die Außenpolitik, die die Linke für ihre Zustimmung zum Schuldenabkommen verlangte, völlig vermieden. Die Linke hat daher, was ein sonderbares und paradoxes Bild ergab, gegen das Abkommen gestimmt, obwohl sie für s.ine Annahme war. Br i and aber geht mit voller Handlungsfreiheit auf die p o-l i t i s ch e Konferenz, mit der Annahme tes Voungplans und des Schuldenabkommens: iie Situation ist also so günstig wie möglich für seine Zwecke. Nun hat es Briand in der Hand — und hat er die gewaltige Verantwortung — die politischen Schlußfolgerungen zu ziehen. Wird er im Ernst sein europäisches Programm, das er so tönend ankündigte, an» fassen, oder wird er die traditionelle Politik Frankreichs weitermachen, die dann auf Verzögerung der Rheinlandräumung und Durchsetzung der ständigen Kontrolle im Rheinland hi naus kommt?
Immer noch ist ein Abschluß der Verhandlungen über die Konferenz nicht erreicht. Deuschlands Programm dafür ist klar. Leider hat sich, wie wir immer wieder hervorheben müssen, Deutschland selbst seine Position außerordentlich durch die Genfer Entschließung erschwert. Man rede doch nicht davon, daß da- mit keine Verbindung zwischen Rheinlandräumung und Reparation gegeben sei! Sie i st gegeben. Wozu sich denn über eine völlig eindeutige Lage, die man selber geschaffen hat, Sand in die Augen streuen? Lind leider hat auch Deutschland die Diskussion über die berühmte „Kommission zur Feststellung und Ver- föhnunq" zugestanden. Wir haben das vom ersten Augenblick an für einen Fehler gehalten, der sich mit der ihm innewohnenden Logik auf das schwerste rächen müsse, und wir behalten damit recht. Denn wenn Henderson am 22. im Parlament sagte, daß Frankreich, Deutschland, Italien. Japan und England durch jenen Genfer Beschluß grundsätzlich gebunden seien, das Prinzip der Einsetzung der (von Frankreich vorgcschlagenen) Kommission für das Rh^nland onzuerkennen, so hat er damit leider nach bem Wortlaut der Entschließung formell recht. Die Genfer Vertretung Deutschlands in der vorigen Völkerbundsversammlung hat Deutschland in einer verhängnisvollen Weise gebunden. Ietzt wird seine Vertretung auf der politischen Konferenz große Mühe haben, durchzusehen, was wir un-
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der Verbrecher. „Die schwarzen und die heiteren Lose", hier sind sie zu deuten und zu ahnen. Das Mädchen im blauen Kattun befiehlt und organisiert schon. Iedem Kinde sagt es, was es zu tun, wo es zu stehen, was es zu fingen habe. Schon ist es Führerin der anderen geworden aus angeborenem Talent zur Führerschaft. Dort erscheint ein anderes Mädchen neben seinem Vater. Es will nicht mit den andern spielen, es ist traurig. ..Warum willst du nicht spielen?" fragt es der Vater. ..Warum bist du traurig?" — „Ich weiß es nicht," antwortet ihm das Mädchen. „Ich kann nichts dafür!" Lind es verbirgt sich wie in Angst vor der Welt zwischen den Knien seines Vaters.
Was lebt in der Seele dieses kleinen Mädchens, das noch keinen Kummer erfahren hat, das von der Tragödie des Lebens noch nichts weiß? Warum ist es traurig? Es gibt vielleicht alte Seelen, die in Kindeskörpern wohnen — was wissen wir von diesem Geheimnis?
Da stürzt nun wieder einer von den Wehleidigen, Zimperlichen, die sich ewig an die schützende Rock- falte hängen wollen, weinend und heulend vom Spielplatz in der Mitte zur Bank der Mutter. Es geht dort nicht so zu, wie er es will. Man hat ihm seinen Wunsch nicht erfüllt. Und nun weint er und heult Der egozentrische Willensmensch spaterer Tage kündigt sich an, der Selbstsüchtling Andere wieder sind völlig nur mit sich selbst beschäftigt. Wie in heiligem Ernst widmen sie sich ihrer augenblick- lichen Lebensaufgabe, irgendeinen Bau aufzufuhren oder einen Kuchen zu formen. Das sind die Ingenieure, vielleicht die Bildhauer der Zukunft. Sie werden sich später ihrem Werke mit dem gleichen heiligen Ernst ergeben und es vollbringen.
Andere wieder sind fröhlich, lachen, Hüpfen, laufem dem Reifen nach und vergnügen sich un allgemeinen Trubel. Sie werden die staatserhaltenden Bürger sein, zufrieden mit der Evolution und Feinde jeder Gewalt. Dort, der dicke Kerl, tragt einen Riesenball vor sich her. Das ist der glückliche Besitzer, der es liebt, beneidet zu werden. Er wird später einen Palast haben und im Auto fahren, wenn es die Börse oder die Aktiengesellschaft, in die er mit ererbtem Kapital tritt, erlauben. Mammon wird seine Freude an ihm haben.
Still und schlicht steht dort einer mit seinem farbigen Ballon, der steil zur Höhe strebt. Em Eigen- brötler schon jetzt, ein Einsamer, der sein Ideal vor sich herträgt. Später wird ex es verbergen und wirs
Als Possart erst kurze Zeit in München war, suchte er eine Wohnung. Schließlich hat er etwas Passendes gefunden und will mit der Vermieterin abschliehen. Da fragt die Frau ihn nach seinem Beruf. Als sie erfährt, daß sie es mit einem Schauspieler zu tun hat, sagt sie trocken: „Tut mir sehr leid, an Komödianten vermiete ich nicht." In den kleinbürgerlichen Kreisen Isar.Athens hielt man damals wohl die Schauspieler noch für Zigeuner. Possart geht „dernept", wie man in München sagt, heim und erzählt fein Erlebnis im Kollegenkreise.
Ein Kollege, der sich durch diesen Vorfall, in seiner Standesehre gekränkt fühlt, will bet Frau eine Lektion erteilen und fordert Possart auf, ihn auf diesem Gange zu begleiten. Possart bleibt unten an der Treppe und harrt der Dinge, die da kommen. Der Kollege stellt sich zuerst als Schauspieler, dann als Wohnungssucher vor und erhält den ihm schon bekannten Bescheid. Da macht er seinem Herzen Luft mit dem bekannten Imperativ: „Sie können mich gern haben." Da ertönt von unten Possarts Organ: „Herr Kollege, wollen Sie müh in Ihre Fürbitte einschließen!"
Die „Bremen" gewann das „blaue Band" des Ozeans. Am 16. Iuli in den Frühabendstunden trat das neueste und größte Schiff der deutschen Handelsflotte die erste Fahrt nach Reuyork an. In 4 Tagen 18 Stunden 17 Minuten wurde die Strecke Cherbourg — Ambrose - Feuerschiff passiert und der bisherige Schnelligkeitsrekord um mehr als acht Stunden gedrückt.
Lknwillkürlich erinnern wir uns der Zeiten vor zehn Iahren, da die deutsche Handelsflotte aller seetüchtigen Schiffe beraubt war, da in Bremen, Hamburg und in anderen deutschen Häsen kaum ein Schiff mit der deutschen Flagge gesehen wurde. Die beiden größten Reedereien des deutschen Reiches, die Hamburg-Amerika- Linie und der Norddeutsche Lloyd, haben es in diesen wenigen Iahren fertiggebracht, in unermüdlichem Kampfe mit hundertfältigen Schwierigkeiten ihre Tonnage wieder auf den Vorkriegsstand zu bringen.
Schritt für Schritt ist dieser Wiederaufbau vor sich gegangen, jeder Vorstoß wurde nach allen Seiten sorgsam geprüft. Mit der „Bremen" und ihrem Schwesterschiff „Europa", das durch ein unglückliches Verhängnis erst im Frühjahr nächsten Iahres fertig sein wird, hat der Lloyd wiederum einen großen Schritt vorwärts gemacht.
Vielfach sind Stimmen laut geworden, die bei dem Dau der Riesenschiffe, die zusammen fast hundert Millionen Mark kosten, von einem überspannten Risiko sprachen. Die Erfahrung muß lehren, ob der Lloyd nicht nur die zweifellos großen propagandistischen Wirkungen berücksichtigt, sondern auch eine entsprechend nüchterne Rentabilitätsberechnung aufgestellt hat. Die „Bremen" ist im Gegensatz zu den kurz vorher gebauten Schiffen ausgesprochen auf Erster- Klasse-Verkehr zugefchnitten. Zweiter und dritter Klasse treten in den Hintergrund. Frachtraum ist außer für Proviant und Gepäck nicht vorhanden. Eine Neueinrichtung stellte die Dritte-Klasfe- Kajüte dar, die in erster Linie für Touristen und Gesellschaftsreisen gedacht ist. Es können dort bis zu 600 Passagiere untergebracht werden.
Eine weitere Neuerung bilden die drei übereinanderliegenden Promenadendecks, wodurch zum ersten Male allen Passagieren diese sehr beliebte Einrichtung zur Verfügung steht, und die Neu. gruppierung in der Unterbringung, die jede Klasse über das ganze Schiff verteilt, während früher nur die Erster-Klasse-Passagiere mittschiffs, die andern vom und hinten im Schiff untergebracht waren. Besondere Aufmerksamkeit erregte die von den Heinckel-Flugzeugwerken eingerichtete Katapultanlage. Es handelt sich um einen Schienenstrang, auf dem sich ein Fahrt- schlitten mit dem fahrtfertigen Flugzeug befindet. Kurz vor der Ankunft des Schiffes in Neuyork flog das Flugzeug ab und überbrachte den Amerikanern programmähig Post und Aus- fahrlsfilm.
Die „Bremen" übertrifft mit ihren vielfachen Luxuseinrichtungen, die den verwöhnten Amerikanern die Zeit des Aufenthaltes möglichst verkürzen sollen, alle bisherigen Schiffe. Nicht nur, daß die schon bekannten Sportplätze» Schwimmbad-, Turn- und Gymnastikraum, Kinderzimmer, Kegelbahn sich dort befinden, selbst ein Schienstand ist vorhanden: rechnen wir dazu die vielfachen anderen Räume, in denen die Ausstattung geradezu zum Studium zwingt, so ist leicht einzusehen, daß die große Mehrzahl der Passagiere in den Tagen des Fahrt-Aufenthaltes von Bremen bis Neuyork kaum dazu kommen wird, sich auch nur annähernd einen Begriff von den Schönheiten des Dampfers zu machen. Es mutet beinahe als ein Paradoxon an, daß mit der immer kürzer werdenden Fahrt der Luxus fast ungeahntes Ausmaß erreicht.
Für den Amerikaner war die Frage der Haupt- gesprächsstvff, ob die „Bremen" den Schnelligkeitsrekord brechen und damit das „blaue Band" wieder dem Norddeutschen Lloyd, der es vor dem Kriege wiederholt besessen hat, zuführen würde. Die Probefahrt hat erwiesen, daß die „Bremen" auch das schnellste Schiff ist. Aber nicht allein um den Rekord ging es, sondern um den Versuch, die Seeschiffahrt durch neue Wege in neue Dahnen zu leiten und dadurch dauerhafte Erfolge zu erzielen.
vielleicht ein Dichter, der seinem verlorenen, blauen Ballon ein Leben lang nachsinnt.
Und dort, in der Südecke, dreht sich eine Gesellschaft neuer Weltbürger und Bürgerinnen im alten Ringelreihen. Ein kleines Träumekind^ ein Mädchen mit scheuem, verschmähten Blick, muß abseits stehen und darf nicht mitspielen. Es wurde aus irgendeinem Grunde ausgeschlossen. Vielleicht ist es überzählig gewesen, vielleicht aber auch nur zu dumm. Es konnte die Regeln des Spieles nicht kapieren. Und nun sieht es demütig zu der glücklichen Schar hinüber und ist zuletzt so bescheiden, auch am Spiel der anderen Freude zu finden.
Derlei Menschen gibt es ia auch unter den Erwachsenen. Das sind die einfältigen Frauen, die verträumten, gütigen Naturen, die zu ungeschickt sind, um es den Gescheiten recht zu machen. Und die, von Ecke zu Ecke gestoßen, Märtyrinnen sind, deren Liebe nicht verstanden oder angenommen wird.
Goethe hat in den orphischen Urworten, im Gedicht „Daimon" das Gesetz der menschlichen Individualität, die vom Dämon oder Genius dem Menschen vorgezeichnete Lebenslinie deuten wollen:
Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen. Die Sonne stand zum Gruße der Planeten, Bist alsobald und fort und fort gediehen Nach dem Gesetz, wonach du angetreten.
So mußt du fein, dir kannst du nicht entfliehen. So sagten schon Sibyllen, so Propheten: Und keine Zeit und keine Macht zerstückelt Geprägte Form, die lebend sich entwickelt.
„Geprägte Form, die lebend sich entwickelt" — das ist das Kind, das zum Manne oder zur Frau wird, das ist jeder von uns, die wir einst Kinder waren und nun, Mann oder Frau geworden, weiter müssen, weiter, der Linie nach, die unser Dämon oder unser Genius uns führt.
„Was einer wird, das ist er schon!" sagt ein altes Wort.
„Was einer ist, das wird er schon!" kann man ergänzen.
Und hier am Kinderspielplatz zeigt beim Spiel der Kinder das ewige Leben fein unersorschliches Spiel in den Formen der neuen Menschen. Wellen, Wellen, nichts als Wellen. Geschlechter rollen wellengleich aus dem Ozean des Unsichtbaren heran, brechen sich an der Küste des Erdenlandes, und neue Geschlechter rollen als neue Wellen hinter ihnen her. Nie ein Anfang, nie ein Ende. Immer ein Anfang, immer ein Ende. Und alles ist Entwicklung.
Prämiierungsmarkt in Lich.
j) Lich, 25. Iuli. Gestern hatte unser Städtchen durch die Veranstaltung des seit Iahren gut ein* geführten Sommermarktes einen großen Sag. Der Markt, der — wie gestern schon kurz berichtet — als Zuchtvieh-, Handelsvieh- und Schwcincmarkt gehalten wurde und mit dem eine Prämiierung von hessischem Fleckvieh, Vogelsberger Viey, DuUen-, Eber- und Schafbockversteigerung verbunden war. brachte einen überaus starken Marktbesuch. Aufgetriebcn wurden 370 Ferkel, r.ur Prämiierung standen etwa 110 Tiere beider Rassen, die Zuchlviehversteigcrung wieS einen Auftrieb von 38 Dullen Hess. Fleckvieh. 8 Ebern und 41 Schafböcken auf. Auf dem Ferkel - markt wurden bei lebhaftem Absatz bezahlt für etwa 6 Wochen alte Ferkel 40 bis 50 Mk., für etwa 8 Wochen alte 52 bis 60 Mk. und für Springer etwa 68 Mk. Es verblieb geringer Lleberstand infolge übermäßiger Forderungen.
Zur gleichen Zeit fand die Prämiierung des Rindviehes statt. Als Preisrichter waren die Herren Fauerbach, Häuser und Hayn für hessisches Fleckvieh und die Herren Srautmann und Velten für Vogelsberger Vieh tätig. An Prämiierungsgeldern stand ein -Betrag von etwa 800 Mk. zur Verfügung, oct vollständig zur Verteilung gelangte. Weiterhin wurden Prämiicrungsbänder an die preisgekrönten Tiere ausgegeben.
Das Ergebnis.der Prämiierung war folgendes (A. heißt Anerkennung):
hessisches Fleckvieh.
AeltereDullen: Stadt Lich 2. und 3. Preis.
Aeltere Kühe: Heinrich Müller II., Dirk- lar 1. und 3. Preis für 2 Stück Vieh: Christ. Ludw Fischer, Lich, 1. und 3. Preis für 2 Stuck Vieh: Philipp Keck, Lich, 2.; Karl Klingelhöfer. Oppenrod, 2.; Karl Ludw. Albach II., Lich, 2.; Karl Friedr. Fischer 11., Lich, 3.; Karl Vogt L. Lich, 3. und 4.; Heinr. Karl Ludw. Schäfer Lich. A.: Karl Krämer. Langsdorf, QL; Karl Walz V., Lich, QL; Otto Köhler I., LangSdorf, QI.; Heinr. Kehler VI., Steinbach, QL; Heinr. Schiel I.. Langsdorf, QI. ...
Iüngere Kühe: Christ. Ludw. Fischer, Lich, 1 Preis; Philipp Keck, Lich, 1. und 4.; Karl Zimmer, Lich, 2.; Karl Ludw. Albach II., Lich, 2.; Karl Heinr. Albohn, Lich. 2.; Gustav Krausch, Dirklar, 3. und 4.; Karl Vogt I., Lich, 3.; Heinr. Drück III., Rieder-Dessingen, 3.; Otto Köhler !., Langsdorf, 3.; Heinr. K. Ludw. Schäfer, Lich, 3.; Karl Christian Wolf, Lich, QI.; Karl Krämer, Langsdorf, QI.; Heinr. Seipp, Tr. Münzenberg, A.; Heinr. Müller II., Dirklar, QI.; Otto Duck, Langsdorf, A.
Kalbinnen: Hermann Wedemann, Eber- stadt, 2. Preis; derselbe 2.; Karl Friedr. Fischer I!., Lich, 3.; Ludwig Weber, Langsdorf, 3.; Karl Heinr. Albohn, Lich, 3.; Georg Ruhl, Langsdorf. QI.; Iakob Dender, Langsdorf. QL; Karl Christian Wolf, Lich, A.;. Ioh. Peter Dietz I., Lich, QL _
Rinder: Heinr. Köhler III., Langsdorf, 2.; Otto Köhler I., Langsdorf. 2.; Ludw. Schmidt I., Langsdorf 2.; Emil Bausch, Langsdorf. 2.; Christ. Ludw. Fischer. Lich, 2.; Heinr. Schiel I., Langsdorf. 3.; Kd. Klös. R.-Dessingen, 3.; Karl Dern, Langsdorf. 3.; Iacob Wenzel II., Langsdorf, 3.; Philipp Keck, Lich. QI.
Familien: Karl Ludw. Albach II.. Lich, 1. Preis; Herrn. Ihring jun.. Lich, 1.; Otto Köhler I., Langsdorf, 2.; Karl Heinr. Albohn, Lich, 3 ; Heinr. Müller II., Dirklar, 3.; Gustav Krausch, Dirklar, QI.
Vogelsberger Vieh.
Dullen: Heinr. Rau IV., Hattenrod, 1.Preis; Stadt Lich 2.; Heinr. Albach X., Burkhardsfelden, 3.; Heinr. Münster, Hattenrod. A.
Aeltere Kühe: Heinr. QUbach X., Burkhardsfelden, 1. Preis; derselbe 2.; Kaspar Keil, Grünberg, 2.; Heinr. Textor. Lich. 3.; Kaspar Keil, Grünberg, QI.; Karl Keblowski, R.-Dessin- gen, QI.; Heinr. Kehler VI., Steinbach, QI.; Karl Frd. Märte, Lich, QI.; Heinr. Walz, Lich, QL
Iüngere Kühe: Karl Frd. Märte, Lich, 1.; Karl Keblowski, R.-Dessingen, 2.
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teiligt, als es den Schutz der russischen, wie der chinesischen Interessen übernommen hat. Vor allem aber kommt nun die erste Probe für den Kel - loggpakt, der formell eben jetzt am 24. Juli endgültig in Kraft trat und bei dieser Gelegenheit in Washington von Hoover lebhaft gefeiert wurde. Nun legt der Pakt auch Amerika Verpflichtungen bedeutsamer Art auf.
Beide Partner, Rußland sowohl wie China, haben ihn unterzeichnet. Der Streitgegenstand, die ost- chinesische Bahn, an der Rußland vertragliche Rechte hat, die aber auf dem von China in Anspruch genommenen Gebiete liegt, ist zu einer schiedsrichter- lichen Vermittlung so geeignet wir irgend möglich. Nur muß dahinter auch der nötige Druck gesetzt werden, damit nicht, ehe man weiß wie und worum, ein militärischer Konflikt zwischen Rußland und China ausbricht.
Deide sind nicht imstande, eine solche Auseinandersetzung im großen Stile durchzuführen. Aber er berührt natürlich auch wichtige andere Interessen, namentlich die Japans. Lind auch für die englisch-russischen Beziehungen ist der ost- asiatische Konflikt von Bedeutung, weil er die Wiederanknüpfung der Beziehungen, die Mac- donald schon begonnen hatte, hinauszieht. Deutschland hat sich wie wir meinen, mit Recht der Aufforderung, den Schuh der Interessen der beiden Teile zu übernehmen, nicht entzogen. Es wird sich einer Mitarbeit an der Vermittlung zwischen beiden auch nicht entziehen, so schwierig diese Lage auch ist. Denn an einem militärischen Zusammenstoß zwischen Rußland und China hat Deutschland nicht das mindeste Interesse!
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